Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Vortrag Prof. Nestler Köln Demjanjuk
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Vortrag Prof. Nestler Köln Demjanjuk
 
Autor Nachricht
EldoradoO
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 01.10.2009
Beiträge: 237

BeitragVerfasst am: 29 Okt 2009 - 16:39:50    Titel: Vortrag Prof. Nestler Köln Demjanjuk

Gestern hat Prof. Nestler einen Vortrag über das Verfahren gegen John Demjanjuk in Köln gehalten. Dieses Verfahren findet am 30. Juni in München statt. Herr Nestler hat die Nebenklage organisiert.

Es wird versucht, die Richter davon zu überzeugen, dass Demjanjuk in Sobibor war und sich an der systematischen Vernichtung von 18.000 Europäischen Juden beteiligte. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 18.000 Fällen vorgeworfen. Der Vortrag konnte zwei Fragen nicht beantworten.
Wieso wurden die in Sobibor ermordeten von den Nazis nicht dokumentiert, so dass man Anhand der Namen überprüfen könnte, dass es sich um die Ermordeten der Nebenkläger handelt, obwohl Konzentrationslager wie Ausschwitz akribisch dokumentiert worden sind?(In Sobibor wurden insgesamt 250.000 Menschen vergast). Probleme ergeben sich dann dadurch wenn behauptet wird, dass die Verstorbenen der Nachkommen auf eine andere Weise verstorben sind(z.ß in Zügen) als in dem KZ.
Eine andere Frage ist die, wie Bewiesen werden will, dass es sich nicht um Notstand gehandelt hat, da im konkreten Fall nachgewiesen werden muss dass der Täter keine andere Möglichkeit hatte seinen Verbrechen als sog. Trawniki zu entgehen?
hani125
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1202
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 29 Okt 2009 - 22:26:41    Titel:

... warum hast de diese Fragen denn nicht nach dem Vortrag gestellt?

Ist hat schwer auf der Grundlage eines nicht gehörten Vortrages Stellung zu nehmen.

Notstand ist zu erwägen. Die Frage wäre dann, ob diese auf Grundlage der durch entsprechende Beweismittel zum Vorwurf gemachten Handlungen sämtlich durch Notstand entschuldigt sind oder ob nicht doch Handlungen bestehen bleiben, bei denen derjenige auch ohne unmittelbare Gefahr für sein Leben anders hätte handeln können.

Für das von Handeln auf Befehl bestimmt der §3 des Völkerstrafgesetzesbuches, dass "Ohne Schuld handelt, wer eine Tat nach den §§ 8 bis 14 in Ausführung eines militärischen Befehls oder einer Anordnung von vergleichbarer tatsächlicher Bindungswirkung begeht, sofern der Täter nicht erkennt, dass der Befehl oder die
Anordnung rechtswidrig ist und deren Rechtswidrigkeit auch nicht offensichtlich ist
."

Das spricht eher für eine gewisse Widerstand auch unter Zwang. Obgleich diese Norm sich wohl gedanklich eher auf Personen bezieht, die innerhalb einer bestimmten Befehlshierarchie eingebunden sind, z.B. Mitglieder des staatlichen Heeres, dürfte der Grundgedanke aber auch auf andere Personen anwendbar sein.

Nach dem Rechtsverständnis der meisten Common Law orientierten Rechtsordnungen ist die Tötung unbeteiligter Personen stets strafbar (s. Werle, Völkerstrafrecht 2. Auf., Rn. 519, S. 211 mit weiteren Nachweisen), kann demzufolge nicht komplett schuldbefreiend aber schuldmindernd berücksichtigt werden. Zwar spricht sich das ISTGH Statut
http://www.icc-cpi.int/NR/rdonlyres/EA9AEFF7-5752-4F84-BE94-0A655EB30E16/0/Rome_Statute_English.pdf
in Art. 31 d für die kontinentaleuropäische Sichtweise und damit für die Möglichkeit einer Straflosigkeit der Tötung eines anderen Menschen unter Notstandbedingungen aus, dennoch muss dies gedanklich als ultima ratio Handlung begriffen werden und unter gegenwärtiger Todesgefahr oder schwerer körperlicher Schäden stehen, bezogen auf §35 StGB gegenwärtiger nicht anders abwendbarer Gefahr für die dort aufgeführten Rechtsgüter.

Und spätestens da müßte man denn mal die Beweismaterialien sehen, um die Handlungen beurteilen zu können, und vor allen Dingen sich einmal ein eigenes Bild machen zu können, das zu einer Überzeugung und nicht allein zu einer auf einigen wenigen Berichten und Vorträgen beruhenden Erwägung führt.

---------

Es erscheint jedenfalls problematisch, ob das Motiv, das eigene Leben zu retten, vollständig exkulpieren kann.
Wenn man diese Rechtfertigungsstrategie konsequent durchzöge, bliebe die "Schuld" letztlich bei einer Person hängen; der Rest wurde nur gezwungen.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Vortrag Prof. Nestler Köln Demjanjuk
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum