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Notwehr?!
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daemmerung
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Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 18 Nov 2009 - 17:29:58    Titel: Notwehr?!

Hallo, ich bin im ersten Semester in Bonn und wir haben heute über die Notwehr geredet. Ich habe dazu ein paar Fragen, die mich sehr interessieren würden:

Generell: Darf ich einen Einbrecher töten und wenn ja, wann?

Mal ein von mir konstruiertes Beispiel Very Happy:
A kommt nach Hause und sieht, wie B das Wohnzimmer gerade "leerräumt". A nimmt sich ein Messer, schleicht sich an B heran und sticht ihn in den Hals. A ruft Polizei und Notarzt. B verstirbt. Er war unbewaffnet. Zudem war er der einzige Einbrecher.

Hoffe mal, dass das detailliert genug ist.
Ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff liegt ja vor.
Zur Erforderlichkeit: Es beendet den Angriff sofort. Aber war es "unter gleich effizienten Abwehrmöglichkeiten" das mildeste Mittel?
Er kann sich nicht sicher sein, dass B unbewaffnet ist. Wenn er ihn mit bloßen Fäusten angreift, wäre er vllt. von B erstochen oder erschossen worden. Er hätte - statt den Hals anzuvisieren - den Einbrecher in die Schulter stechen können, aber das hätte den Eingriff wahrscheinlich nicht sofort beendet. Die Bauchgegend hätte eine Alternative sein können, die aber ebenfalls durchaus tödlich ausgehen kann.

Absichtsprovokation o.Ä. lag ja nicht vor.

M.E. würde es sich hier um Notwehr handeln - liege ich da richtig?

Was wäre, wenn B - der A zuvor gesehen hat - sich entschließt mit der Beute (z.B. Geld in der Tache) wegzulaufen? Somit dauert ja der Diebstahl noch weiterhin an. Sagen wir A hat nun eine Pistole statt eines Messers. A entschließt sich, B ins Bein zu schießen, um ihn damit aufzuhalten, schießt ihn aber aufgrund von Nervosität in den Kopf. B stirbt. A hatte in diesem Fall keine gleich effizienten Abwehrmöglichkeiten. Er entschied sich nicht, B zu töten, sondern zielte darauf ab, ihn nur zu verletzen.
M.E. handelt es sich auch hier um Notwehr. Er hatte keine mildere Alternative und für seine schlechten Zielkünste kann man ihn ja schlecht belangen, oder?

Was wäre nun, wenn A dem B gezielt in den Kopf schießt? Da er in der Lage war, gezielt zu schießen, hätte er ihn stattdessen auch nur verletzen können. Somit wäre das hier nicht erforderlich gewesen und es wäre Totschlag. Oder?

Es scheint mir da sehr schwer, eine Grenze zu ziehen. Solche Fälle (http://deutschelobby.wordpress.com/2009/11/07/richter-manfred-gotzl-und-seine-einfaltigen-urteile-notwehrfall-sven-wird-neu-aufgerollt/) haben mich da doch sehr verunsichert. Wie soll man in einer Paniksituation in der Lage sein, zunächst die Verhältnismäßigkeit zu prüfen?
Krawallbiene
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Anmeldungsdatum: 15.08.2005
Beiträge: 5181

BeitragVerfasst am: 18 Nov 2009 - 18:25:12    Titel:

Der Notwehrübende hat das mildeste Mittel zu wählen. Wenn das Opfer den Einbrecher erst beobachtet, dann nen Messer holt und dann auch noch in den Hals sticht ist das mMn nicht das mildeste Mittel. Er hätte die Polizei rufen können oder den Einbrecher bewusstlos schlagen können oder zumindestens nicht in den HAls stechen, sondern vielleicht ins Bein oder so.
daemmerung
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Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 18 Nov 2009 - 19:00:14    Titel:

Krawallbiene hat folgendes geschrieben:
Der Notwehrübende hat das mildeste Mittel zu wählen. Wenn das Opfer den Einbrecher erst beobachtet, dann nen Messer holt und dann auch noch in den Hals sticht ist das mMn nicht das mildeste Mittel. Er hätte die Polizei rufen können oder den Einbrecher bewusstlos schlagen können oder zumindestens nicht in den HAls stechen, sondern vielleicht ins Bein oder so.


Wenn er die Polizei ruft, wird es womöglich schon zu spät sein. Der Einbrecher wird ihn ja vermutlich noch bemerken. Der Einbrecher kann einfach mit dem Diebstahl fortfahren. Ich habe doch ein Recht darauf, das zu unterbinden und bin nicht verpflichtet, dieses Unrecht über mich ergehen zu lassen. Das Rufen der Polizei wäre imho kein gleich effizientes milderes Mittel.

Zum bewusstlos schlagen: Schleicht er sich von hinten unbewaffnet an und fliegt auf (Einbrecher bemerkt ihn zuvor), könnte der möglicherweise bewaffnete Einbrecher ihn problemlos töten (nicht wie bei dem Messer). Wenn er zunächst eine geeignete Waffe (Holzlatte oder so) besorgen muss und dafür durchs halbe Haus laufen muss, wird ihn der Einbrecher womöglich bemerken und töten (wobei dieser ja meistens wegläuft).

Das mit dem ins Bein stechen wäre eine Möglichkeit, allerdings kann der Einbrecher immer noch reagieren bzw. der A geht davon aus. Er hat schließlich noch seine Arme, ist bei Bewusstsein und könnte möglicherweise nach einem Revolver/einem Messer greifen und A töten.

Das mit dem Bein würde ich am ehesten noch nachvollziehen, die Polizei scheint mir aber keine Alternative, um diesen rechtswidrigen Angriff zu verhindern. Das ist der Einbrecher schon längst weg - wenn er die Sirene hört sowieso. A hat ja schließlich das Recht darauf, sich der Situation zu stellen und muss nicht weglaufen, was zwar von vielen generell empfohlen wird.
Krawallbiene
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Anmeldungsdatum: 15.08.2005
Beiträge: 5181

BeitragVerfasst am: 18 Nov 2009 - 19:04:22    Titel:

wenn er in die Küche gehen kann um sich nen Messer zu holen, dann kann er sich auch ne Pfanne oder sonst was holen. Damit kann man einen auf jeden Fall Bewusstlos schlagen

Und wenn er sich mit nem Messer von hinten anschleicht und auffliegt, kann der Einbrecher ihn genau so töten. Das ist doch kein Argument
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 2295
Wohnort: Karlsruhe, Residenz des Rechts

BeitragVerfasst am: 18 Nov 2009 - 21:52:43    Titel:

ein klassisches "problem" ist hierbei auch noch, ob die emrk nicht einer rechtfertigung entgegensteht
allerdings bindet die nur die mitgliedsstaaten und nicht den einzelnen
zudem geht es wohl auch nur um staatliche tötungen
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 19 Nov 2009 - 02:03:09    Titel:

In dem ersten Beispiel ist die Erforderlichkeit nicht gewahrt. Wer sich bei der Trutzwehr einer tödlichen Waffe bedient, hat deren Gebrauch nach Möglichkeit anzudrohen, dann in nicht-tödlicher Weise zu verwenden und darf erst dann tödliche Trutzwehr üben. Diesen Abstufungen ist der Notwehrübende nicht gerecht geworden, mithin war der Stich nicht erforderlich und es liegt ein Mord/Totschlag vor.
daemmerung
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Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 20 Nov 2009 - 20:09:26    Titel:

Ah okay, danke für die Erklärung, das macht Sinn Smile.
Was wäre denn, wenn B nun bewaffnet gewesen wäre und A sah die Waffe. Dann wäre das durch Notwehr abgedeckt, oder?
Hetfield-James
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Anmeldungsdatum: 24.11.2009
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: 24 Nov 2009 - 22:02:34    Titel:

Ja, da sobald B person A bemerken würde, sein leben direkt in gefahr wäre, und A, falls er das effizienteste mittel nutzt, ja auch bei verwundung von B immer noch in lebensgefahr schwebt

kommt uach drauf an ob A bundeswehroffizier mit nahkampfausbildung oder karatekämpfer ist, oder eine hausfrau
rOYAL.
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Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 2093
Wohnort: Heidelberg

BeitragVerfasst am: 24 Nov 2009 - 23:25:30    Titel:

Hetfield-James hat folgendes geschrieben:

kommt uach drauf an ob A bundeswehroffizier mit nahkampfausbildung oder karatekämpfer ist, oder eine hausfrau

Bei Verwirrung, Furcht oder Schrecken greift dann immernoch § 33, von daher.. Erschrecken tut man sich doch leicht Wink
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