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Soll ich Jura studieren?
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lionstarr
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Anmeldungsdatum: 08.11.2009
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 29 Nov 2009 - 12:57:41    Titel: Soll ich Jura studieren?

Hallo!

In den letzten Wochen beschäftige ich mich mit der Frage, welcher Studiengang für mich geeignet ist. Da zu meiner näheren Auswahl neben Informatik und Politikwissenschaft auch Jura gehört, wollte ich die hier anwesenden Jura-Studenten bitten, mich dahingehend einzuschätzen.

Ich besuche die 11. Klasse eines Gymnasiums und habe momentan Noten im sehr guten Bereich in (fast) allen Fächern. Besonders liegen mir Mathematik und PGW, welches zugleich auch mein profilgebendes Fach ist. Letztes Jahr habe ich am Wettbewerb "Jugend Debattiert" teilgenommen und habe dort eine Position im bundesweiten Finale belegt.

Bis vor wenigen Monaten war ich mir eigentlich sicher, dass ich Informatik studieren würde, aber langsam sinkt meine Anziehung zu dem Fach. Dies liegt vor allen Dingen an meinem neu-entdeckten Interesse an Politik.

Als meine wichtigsten Fähigkeiten würde ich die mündliche und schriftliche Redegewandtheit sowie logisches Denken nennen. Ich lese - vergleichsweise - viel.

Meine momentanen Zweifel am Jura-Studium (und ich weiß, sie sind sehr klischeehaft - gerade deswegen hoffe ich auf Aufklärung durch euch):
* Wenig eigenes Nachdenken, nur "Befragen der Bücher"
* Viel auswendig lernen
* Generell sehr viel Stoff
* Bedingt durch die vorherigen: Langweiliges Studium
* Bei schlechten Noten -> Gefahr arbeitslos zu werden

Meine Fragen also entsprechend:

* Stimmen meine Vorurteile?
* Woran liegen eurer Meinung nach schlechte Noten im Fach: Ist das nur "schlechtes" Lernen?
* Wie seht ihr meine Eignung fürs Jura-Studium?
* Wo würdet ihr mir empfehlen zu studieren, wenn ich Jura studiere (ab NC > 1,4 wahrscheinlich alles möglich)?
* Was macht euch an eurem Studium besonders Spaß?
* Kennt ihr Möglichkeiten, irgendwo ein "Schnupperstudium" in den Ferien oder so zu machen?

Ich weiß, dass sind viele Fragen. Aber es wäre klasse, wenn ihr mir sie trotzdem beantworten könnt.

Vielen Dank schoneinmal im Vorraus,
mfg,
lionstarr
Gonzalez
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Anmeldungsdatum: 26.03.2007
Beiträge: 219

BeitragVerfasst am: 01 Dez 2009 - 22:57:55    Titel:

So, da mir gerade langweilig ist...

* Wenig eigenes Nachdenken, nur "Befragen der Bücher"

Wenn's nur so wäre... Mit einfachem Durchlesen eines Lehrbuches ist es bei Weitem nicht getan. Ich würde nicht behaupten, dass Jura an sich "schwer" ist, aber da es sehr abstrakt ist, kann man sich oft beim Durchlesen nichts genaueres dabei vorstellen. Du musst bzw. solltest verstehen, warum in diesem Fall der herrschendem Meinung gefolgt werden sollte und warum in diesem einer Mindermeinung usw. Also die Argumente, die dahinter stehen, verstehen lernen. Daher komme ich zu Deinem zweiten Punkt:

* Viel auswendig lernen

Was Definitionen angeht (v.a. im Strafrecht) kann ich Dir im Großen und Ganzen zustimmen, wenngleich es natürlich auch anders geht, als es einfach sturr auswendig zu lernen. So oder so, die Definitonen musst Du im Schlaf können.
Ansonsten bringt auswendig lernen nicht viel. Natürlich musst Du die Standardprobleme beherrschen und auch einige Spezialprobleme, aber wie gesagt: Die Argumente, die dahinter stehen, verstehen und nicht einfach auswendig lernen.

* Generell sehr viel Stoff

Oh ja, seehr viel Stoff, mehr gibts dazu wohl nicht zu sagen. Deswegen ist Jura auch so "schwer". Nicht weil es schwer zu verstehen ist (manchmal schon), sondern vorwiegend, weil es einfach viel ist, was Du können bzw. wissen musst.

* Bedingt durch die vorherigen: Langweiliges Studium

Geschmackssache. Ich find Zivil- und Strafrecht sehr interessant. Auf Öffentliches Recht könnte ich gut verzichten (zumindest das Meiste)...

* Bei schlechten Noten -> Gefahr arbeitslos zu werden

Durchaus. Mit durchschnittlichen Examina (was man erst mal hinkriegen muss) hat man nicht die tollsten Chancen.

* Woran liegen eurer Meinung nach schlechte Noten im Fach: Ist das nur "schlechtes" Lernen?

Hauptsächlich. Wie gesagt, Jura ist abstrakt. Wenn Du die Theorie drauf hast, bedeutet das nicht, dass Du sie auch auf den konkreten Fall anwenden kannst. Deswegen besteht das Lernen mindestens zur Hälfte aus Lösen von Fällen. Wer das nicht genug lernt bzw. übt, schreibt keine guten Klausuren.

* Wie seht ihr meine Eignung fürs Jura-Studium?

Sowas kann man anhand von Noten aus der Schule meines Erachtens nicht sagen. Du kannst Schule nicht im Geringsten mit der Uni vergleichen. Jemand mit nem Abischnit von 3,5 kann zwei Prädikatsexamina schreiben, einer mit nem 1,2er zwei durchschnittliche... Interessenbedingt usw...

* Was macht euch an eurem Studium besonders Spaß?

Das selbstständige Lernen (DER Unterschied zur Schule). Wann, wo, wie ich will. Dass man einfach über die rechtlichen Dinge "Bescheid weiß". Zivil- und Strafrecht sind interessant, aber auch mit am umfangsreichsten, v.a. Strafrecht.

* Kennt ihr Möglichkeiten, irgendwo ein "Schnupperstudium" in den Ferien oder so zu machen?

Setz Dich einfach in ein paar Vorlesungen an der Uni, interessiert niemanden, schon gar nicht den Prof.
lionstarr
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Anmeldungsdatum: 08.11.2009
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2009 - 18:00:48    Titel:

Gonzalez, vielen Dank für deine Antwort!

Wie sieht es mit der eigenen Meinung aus? Was ist z.B., wenn die der herrschenden Meinung widerspricht? Ist das - bei angemessener Begründung - z.B. in einer Klausur auch möglich?
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2009 - 20:52:54    Titel:

Das ist grundsätzlich unbedenklich; es kommt nicht darauf an, welcher Meinung gefolgt wird und wie stark diese vertreten wird, sondern auf eine gute, schlüssige Argumentation. Nicht zuletzt hieran zeigt sich, dass das Gros der von der aufgeführten Vorurteile als glatte Fehldiagnose bezeichnet werden kann. Man muss nicht stumpfsinnig Lehrbuchseiten auswendig lernen. Und noch viel weniger ist an dem Punkt "wenig eigenes Nachdenken" dran. Im Gegenteil: Als Jurist muss man argumentieren können. Darum geht es auch, was oft auch von Juristen verkannt wird, vielfach bei der Lehrbuchlektüre: Man muss nicht jedes niedergeschriebene Argument behalten, es geht darum einen Sinn für Argumentationsmuster und Wertungen zu bekommen. Nur so lernt man, selbst in der Lage zu sein sachgerecht zu argumentieren. Letztlich ist das Studium doch so konzeptioniert, dass man irgendwann in der Lage ist, im Examen auch mit unbekannten Problemen zu Recht zu kommen. Und das setzt nun einmal voraus, dass man die Fähigkeit besitzt, plausibel zu argumentieren.
DasBa
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Anmeldungsdatum: 08.10.2007
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2009 - 21:54:54    Titel:

lionstarr hat folgendes geschrieben:
Gonzalez, vielen Dank für deine Antwort!

Wie sieht es mit der eigenen Meinung aus? Was ist z.B., wenn die der herrschenden Meinung widerspricht? Ist das - bei angemessener Begründung - z.B. in einer Klausur auch möglich?


Mit einer guten Begründung ist vieles vertretbar. Was man auch nicht vergessen darf, ist dass man ja auch begründen können muss, warum man einer herrschenden Meinung folgt. Eine Meinung wird ja nicht dadurch richtig, dass sie einfach von vielen Leuten vertreten wird.
Nur gibt es in vielen Klausuren zentrale "Weichenstellungen". An diesen Stellen muss man sich manchmal überlegen, ob man nicht vielleicht über seinen Schatten springt, und eine Meinung von der man nicht absolut überzeugt ist vertritt. Ansonsten könnte es sein, dass man an einer Stelle zum Schluss kommt, an der mit der anderen Meinung noch weitere Probleme zu erörtern wären.
Aber es geht auch nicht darum, sagen zu können, was herrschende Meinung ist, und was nicht. Die Argumentation warum man ein Problem genau so löst, und die Fähigkeit, Probleme überhaupt zu sehen sind viel Wichtiger.
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2009 - 22:08:46    Titel:

DasBa hat folgendes geschrieben:
lionstarr hat folgendes geschrieben:
Gonzalez, vielen Dank für deine Antwort!

Wie sieht es mit der eigenen Meinung aus? Was ist z.B., wenn die der herrschenden Meinung widerspricht? Ist das - bei angemessener Begründung - z.B. in einer Klausur auch möglich?


Mit einer guten Begründung ist vieles vertretbar. Was man auch nicht vergessen darf, ist dass man ja auch begründen können muss, warum man einer herrschenden Meinung folgt. Eine Meinung wird ja nicht dadurch richtig, dass sie einfach von vielen Leuten vertreten wird.
Nur gibt es in vielen Klausuren zentrale "Weichenstellungen". An diesen Stellen muss man sich manchmal überlegen, ob man nicht vielleicht über seinen Schatten springt, und eine Meinung von der man nicht absolut überzeugt ist vertritt. Ansonsten könnte es sein, dass man an einer Stelle zum Schluss kommt, an der mit der anderen Meinung noch weitere Probleme zu erörtern wären.
Aber es geht auch nicht darum, sagen zu können, was herrschende Meinung ist, und was nicht. Die Argumentation warum man ein Problem genau so löst, und die Fähigkeit, Probleme überhaupt zu sehen sind viel Wichtiger.


Oh ja, das hätte ich fast vergessen. Der Verweis auf die h.M. ersetzt nie die eigene Begründung. Es ist Geschmackssache, ob man eine Auffassung in Klausur und Hausarbeit als "h.M." bezeichnet (letztlich sind die Grenzen hier sowieso vielfach fließend). Jedenfalls aber senkt dies nicht den Begründungsaufwand, was leider viele Klausurbearbeiter missachten. Der bloße Verweis, etwas sei h.M., führt bei mir unweigerlich zu der Korrekturbemerkung "weshalb?". Instruktiv zu dieser Klausurunsitte Pilniok, JuS 2009, 394ff.
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