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UCL vs. Uni Heidelberg
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ManuelD
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Anmeldungsdatum: 22.04.2007
Beiträge: 120

BeitragVerfasst am: 22 März 2010 - 22:47:49    Titel:

Die Kritik an der Punkteskala in Jura halte ich für verfehlt. Es gab auch schon in Bayern 16,08 Punkte im 1. Examen, oder Leute, die in beiden Examina die Platzziffer 1 geholt haben. Die Skala wird nach oben nicht ausgenutzt, weil eben nur sehr wenige Leute in den Top 0,001% sein können - das hat mit der Skala überhaupt nichts zu tun.

Die Argumente gegen die BLS kann ich eigentlich nur nachvollziehen, wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt. Einerseits, weil die BLS noch nicht sooo viele wirklich renommierte Dozenten hat, aber andererseits auch, weil man dann die Flexibilität der staatlichen Ausbildung nutzen kann, um tiefer in die Materie einzudringen, als man es durch straffes Klausurenlernen schaffen kann.

Dann reden wir aber über einen sehr geringen Prozentsatz an Personen, die diese Fähigkeit und Neigung besitzen.

Im normalen Berufsleben aber braucht man viel mehr:
1) ein gutes Examen als Eintrittskarte
2) ,,soziale" Fähigkeiten (inkl. Selbständigkeit/Organisationsfähigkeit/Zielstrebigkeit... eben alles wichtige außerfachliche)
3) gute Beziehungen zu den richtigen Leuten
4) dem Beruf angepasste juristische Fähigkeiten

1) und 3) sind bei der BLS sicher nicht schlecht und ob 4 kurze Jahre für die Kategorien 2) und 4) soviel Schaden anrichten können? Der Gedanke ist für mich als Massenuni-Student zwar reizvoll, aber abwegig.

Den entscheidenden Vorteil der BLS sehe ich jedoch an anderer Stelle: Motivation. Sich ohne gute Konkurrenz zu wirklich harter Arbeit zu motivieren ist nicht besonders einfach, selbst viele Prädikatsjuristen und so mancher Professor geben offen zu, dass sie die ersten 4-5 Semester eher "verschlafen" haben. Das geht an einer staatlichen Massenuni einfach verdammt leicht, weil man zu schnell in die oberen Notenränge vorstößt, und diesen "Top 5% reicht mir nicht, ich muss der ALLERBESTE sein" Ehrgeiz hat nunmal nicht jeder... An der BLS wäre man mit vergleichbaren Leistungen wahrscheinlich Mittelmaß, was subjektiv vielleicht einen größeren Ansporn darstellt.
(Hier: http://www.paulgraham.com/determination.html gibt es einen Essay von Paul Graham, der auch diese Ansicht vertritt und daher dem deutschen Ausbildungssystem eher kritisch gegenüber steht)
JuraHD2010
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Anmeldungsdatum: 10.03.2010
Beiträge: 500

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 16:07:52    Titel:

ManuelD hat folgendes geschrieben:
Sich ohne gute Konkurrenz zu wirklich harter Arbeit zu motivieren ist nicht besonders einfach, selbst viele Prädikatsjuristen und so mancher Professor geben offen zu, dass sie die ersten 4-5 Semester eher "verschlafen" haben. Das geht an einer staatlichen Massenuni einfach verdammt leicht, weil man zu schnell in die oberen Notenränge vorstößt,


1. Ich weiß nicht, wo du studierst, aber in meiner Uni ist es nicht möglich, das Studium zu verschlafen und trotzdem andauernd Prädikat zu schreiben.

2. Selbst wenn es stimmt, dass an Massen-Unis eine demotivierende Lernumgebung vorherrscht (was ich ebenfalls nicht bestätigen kann), zeichnet das doch denjenigen, dem es trotz dieser Bedingung gelingt, sich schon vom ersten Semester an zu motivieren, grade auch gegenüber Absolventen, die dafür extra an eine besondere Schule müssen, aus.
Schwarze Strümpfe
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Anmeldungsdatum: 01.04.2007
Beiträge: 2082

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 17:02:58    Titel:

ManuelD hat folgendes geschrieben:
Den entscheidenden Vorteil der BLS sehe ich jedoch an anderer Stelle: Motivation. Sich ohne gute Konkurrenz zu wirklich harter Arbeit zu motivieren ist nicht besonders einfach, selbst viele Prädikatsjuristen und so mancher Professor geben offen zu, dass sie die ersten 4-5 Semester eher "verschlafen" haben. Das geht an einer staatlichen Massenuni einfach verdammt leicht, weil man zu schnell in die oberen Notenränge vorstößt, und diesen "Top 5% reicht mir nicht, ich muss der ALLERBESTE sein" Ehrgeiz hat nunmal nicht jeder... An der BLS wäre man mit vergleichbaren Leistungen wahrscheinlich Mittelmaß, was subjektiv vielleicht einen größeren Ansporn darstellt.
(Hier: http://www.paulgraham.com/determination.html gibt es einen Essay von Paul Graham, der auch diese Ansicht vertritt und daher dem deutschen Ausbildungssystem eher kritisch gegenüber steht)


Der große Nachteil der BLS ist aber, dass man dann in einem solchen, von dir anschaulich beschriebenen, verstrahlten Umfeld ist.
Es tut niemanden gut, sich schon mit 19 Jahren auf sein zukünftiges Leben als Freshfields-Partner einzustimmen.
michael.wi
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Anmeldungsdatum: 18.07.2007
Beiträge: 802

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 17:14:14    Titel:

@Schwarze Strümpfe:

ich bin an ner staatlichen Uni, in der in Jura ähnliche Klientel wie an der BLS rumgeistert - manche sagen sogar: Wer an der BLS nicht genommen wurde, kommt zu uns.
Was du hier beschreibst, trifft perfekt den Geist dieser Leute. Ich teile mir manchen Sprachkurs mit so Leuten - seit zwei Jahren grüßt keiner von denen. Für die bin ich, als BWLer ohne Polo, Lacoste und BMW auch schon eine linke Zecke, die man einfach nur meiden sollte.
Mit 19 Jahren die Einstimmung auf das Leben als Freshfields Partner - die Leute haben doch schon im Studium so hohe Ausgaben (von Burberry bis BMW bis Benzin bis Blackberry), dass ihnen nix anderes übrig bleibt, als sich später so zu versklaven.
JuraHD2010
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Anmeldungsdatum: 10.03.2010
Beiträge: 500

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 17:37:22    Titel:

Ich hab mich vor einiger Zeit mal mit so einem 19-Jährigen von der BLS unterhalten. Höhepunkt des Gesprächs war folgender Satz:

"Liberale Wirtschaftspolitik ist mein Steckenpferd."

Hat für immer mein Denken über "die da" geprägt.
ManuelD
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Anmeldungsdatum: 22.04.2007
Beiträge: 120

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 21:13:54    Titel:

Zitat:
1. Ich weiß nicht, wo du studierst, aber in meiner Uni ist es nicht möglich, das Studium zu verschlafen und trotzdem andauernd Prädikat zu schreiben.

2. Selbst wenn es stimmt, dass an Massen-Unis eine demotivierende Lernumgebung vorherrscht (was ich ebenfalls nicht bestätigen kann), zeichnet das doch denjenigen, dem es trotz dieser Bedingung gelingt, sich schon vom ersten Semester an zu motivieren, grade auch gegenüber Absolventen, die dafür extra an eine besondere Schule müssen, aus.


LMU München ist sicher auf keinen Fall die Uni mit dem härtesten Grundstudium, aber ich kenne auch einige Juristen an anderen Unis.
Ich kann mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, dass irgendwo die Zeit bis zur Zwischenprüfung in Jura so straff gestaltet ist wie z.B. bei Medizinern bis zum Physikum.

Das ist natürlich keineswegs schlecht! Ich will nur sagen: Wenn es darum geht, das Examensergebnis zu maximieren, geht in meinen Augen nichts über eine Paukschule wie die BLS.

Allerdings muss ich meine bisherigen Aussagen wohl etwas korrigieren, weil ich diesen ,,Freshfields-Partner'' Effekt völlig ermessensfehlerhaft nicht beachtet habe Wink

Diese ,,Karriere-Juristen'' gibt es in München selbstverständlich auch in genügender Zahl und wenn ich mein ganzes Studium mit solchen verbringen müsste, hätte ich wohl eine sehr miserable Zeit. Es ist daher gut möglich, dass Leuten, die sich in erster Linie für das Fach interessieren, doch eher eine von den guten staatlichen Unis zu empfehlen ist.

Die einzigen BLS-Leute die ich kenne, habe ich über einen Sprachkurs von einer Stiftung kennen gelernt, vielleicht haben die mir kein repräsentatives Bild vermittelt.
JuraHD2010
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Anmeldungsdatum: 10.03.2010
Beiträge: 500

BeitragVerfasst am: 23 März 2010 - 21:24:14    Titel:

Was heißt denn für dich straff organisiert? Wenn man nur auf die paar Klausuren lernt, die man im Grundstudium schreibt, ist es sicherlich entspannt. Aber wenn man jede Vorlesung vor- und nacharbeitet, ist es auf keiner Uni entspannt, ganz gleich wie wenig Klausuren geschrieben werden müssen.
AnwaltInSpe
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Anmeldungsdatum: 24.01.2010
Beiträge: 275

BeitragVerfasst am: 26 März 2010 - 21:11:07    Titel:

ich persoenlich finde es aber nicht verwerflich, wenn jemand ein klares ziel vor augen hat und alles dafuer tut. was ich verurteile ist ein uebertriebenes statusgehabe von leuten, die noch nichts erreicht haben und vom geld bspw. ihrer eltern aus protzen.
aber wenn jemand den lukrativsten job moeglich ansteuert und weiss was er tut, sollte man das nicht verdammen.
Cornellian
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Anmeldungsdatum: 25.04.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 25 Apr 2010 - 08:06:40    Titel:

Ich war vor 4 Jahren in einer ähnlichen Situation wie Du, aber ich glaube, dass ich mich falsch entschieden habe.

Ich hatte mich allerdings nur in Cambridge beworben, bin dort aber abgelehnt worden. Anschließend bin ich an die BLS nach Hamburg gegangen.

Für den Weg, den Du gehen möchtest, ist auch die BLS der falsche Weg. Das heißt nicht, dass der Weg über eine deutsche Hochschule / Universität nicht zu Deinem Ziel (USA, JD, Großkanzlei) führen kann, aber es wäre ein mehr als steiniger Weg.

Ich kann Dir nur raten, nach England zu gehen. Auf jeden Fall und um jeden Preis.

Ich habe ein Austauschsemester an einer Ivy League Law School verbracht - über das Austauschprogramm der BLS. Ich konnte damals wählen, ob ich mit den JDs in einer grading curve sein möchte oder mit den LLMs. Da ich letter grades haben wollte, musste ich mich für die JDs entscheiden und habe in allen Kursen überdurchschnittlich abgeschlossen. Der Programmkoordinator an der Auslandsuni hatte mir davon erzählt, dass einer der drei Austauschstudenten die von der BLS im Jahr davor da waren, die beste Klausur im Arbitration Kurs geschrieben hat. Ich halte es auf jeden Fall für möglich, sich in einer englischsprachigen Umgebung vollends zu behaupten, vor allem dann, wenn man zuvor als undergraduate in einem englischsprachigen Land studiert hat.

Ich bin einverstanden mit allen Deinen Argumenten bzgl. Kosten der undergraduate Ausbildung und warum Du deshalb England favorisierst.

NOCH EINMAL MIT NACHDRUCK: Geh nach England! In Deutschland wirst Du Dich mit Fragen des nationalen Verwaltungsrechts, Polizeirechts, nationalem Erb- und Familienrecht über Jahre abmühen müssen, nur um die Chance zu erhalten, später einmal einen JD an einer guten Law School machen zu können. Es wird Dich frustrieren, wenn Du in dem Bewusstsein studierst, diese Sachen niemals gebrauchen zu können.

Die deutsche Ausbildung ist viel zu lang und die beiden Staatsexamina ein Riesen Haufen Scheiße. Ich habe alles, was ich fürs erste Examen wiederholen musste, bereits nach zwei Jahren einmal gelernt gehabt - natürlich nicht alles behalten. Aber diese ewige Wiederkäuererei und die Willkür bei der Benotung von sechs Klausuren sind lächerlich und grauenhaft. Dazu irrsinnig lange Wartezeiten.


Wenn Du Transaktionsgeschäft, Kapitalmarktrecht und große Deals willst, dann geh nach England. Das wird Dein Sprungbrett sein für einen JD, zumindest aber für einen LLM. Durch das lange Common Law Training werden sich Welten für Dich öffnen. Hast Du auch nur eine leise Ahnung davon, wie viele Amerikaner / Briten bspw. in Hong Kong in den magic circle firms arbeiten? Deutsche sind da nicht!

Ich habe es bereut, mich damals nicht noch an anderen Unis im Ausland beworben zu haben. Das Training an der BLS war richtig, richtig gut, aber - und das ist in Heidelberg nicht anders - es ist ein NATIONALES TRAINING! Es bringt Dich auf Deinem Weg KEIN STÜCK weiter.

Es wäre zudem, nebenbei gesagt, absolut sinnlos, nach dem ersten Examen in Deutschland alle Zelte abzubrechen, und als unvollkommener Jurist ohne zweites Staatsexamen sich auf ein neues JD-Wagnis einzulassen. ENTWEDER RICHTIG, oder gar kein JD-Path, sondern Staatsexamina + LLM und hoffen, dass man zu den 2% gehört, die es dennoch schaffen, in Amerika einmal Fuß zu fassen.

Während meines Austauschjahres waren übrigens einige Österreicher dort, die direkt einen JD gemacht haben. FUCKING GO FOR IT!

Und noch eins: England öffnet Dir mit London TORE! DU kannst nach deinem LLB ein Trainee-Programm machen. Dann hast Du Fuß gefasst in der Finanz- und Anwaltswelt. Mit einem LLM in den USA stehen Dir dann alle Türen offen.

Diesen selben Weg mit zwei Staatsexamina zu erreichen, ist ein ebenfalls möglicher, aber WESENTLICH steinigerer Weg mit größten Ungewissheiten.
ManuelD
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Anmeldungsdatum: 22.04.2007
Beiträge: 120

BeitragVerfasst am: 25 Apr 2010 - 18:02:01    Titel:

Zitat:
Dazu irrsinnig lange Wartezeiten.


Naja, die kann man vermeiden. In Bayern gibt es fürs 2. Examen 0 Wartezeit - ist aber natürlich nicht für jeden attraktiv, aus verschiedenen Gründen Wink

Ansonsten hast du natürlich völlig Recht. Lustig, dass du die Amerika-Chance mit dem deutschen Weg auch nur bei 2% wählst, das wird dir AnwaltInSpe wohl auch nicht glauben Smile
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