Das Nichts kann keine Identität haben, da es sonst etwas wäre. Auch das Alles kann keine Identität haben, da es sich von nichts anderem mehr unterscheiden kann (es umfasst ja selbst alles).Die begriffliche Gegensätzlichkeit von Nichts und Allem ist daher in deren Abstraktheit logisch aufgehoben.
Dies ist auch in der gedanklichen Abstraktheit Gottes der Fall. Gott ist durch seine Allmächtigkeit definiert. Er ist daher alles (Denkbare und Undenkbare) nicht, weil er sonst festgelegt und daher insoweit nicht allmächtig wäre. Sogar durch die Allmächtigkeit kann er nicht festgelegt sein, da er ja dann nicht mehr die Allmacht zu ihrem Gegenteil und zum Nichts hätte. Insbesondere unterliegt er also keinen Gegensätzen, die er in seiner Allmacht ja erst geschaffen haben muss (in unserem Bewusstsein), ist also vor allem weder gut noch böse, weder seiend noch nicht seiend (wie die Elementarteilchen des Mikrokosmos in der Quantenphysik; Bonhoeffer: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“), weder alles noch nichts, noch die Gegensatzpaare zusammen.
Auch Gott ist also in seiner um Ununterscheidbarkeit alles und nichts in gegenseitiger zirkulärer
Verneinung (und daher weder das eine noch das andere), wie die christlichen Mystiker des Mittelalters (sogenannte Negative Theologie) erkannt haben.
Hinzuzufügen ist jedoch, dass Gott auch nicht auf seine Ununterscheidbarkeit und damit auch nicht auf das Alles und das Nichts festgelegt werden kann.
Es bleibt die Frage, ob ein so definierter und undefinierbarer Gott ein bloßer Leerbegriff ist, der für unser menschliches Leben völlig überflüssig ist (vgl. Nietzsche).
Dies ist zu verneinen, da er dem Menschen die Grenzen seines Denkens und Fühlens vorführt, die Unerklärbarkeit seines Seins (vgl. das Zweite Gebot). Dies führt zur Bescheidenheit in der geistigen Einstellung und wirkt so der Verfechtung absoluter Wahrheiten wie in den Religionen – die daher, polemisch ausgedrückt, eigentlich Gotteslästerungen sind - und Ideologien entgegen, aber auch zur Bescheidenheit in der ethischen Haltung in dem Bewusstsein, dass der Mensch sich existenziell in Nichts von seinem Mitmenschen unterscheidet.Der Mitmensch kann so als das begriffen, geachtet und behandelt werden, was man selbst ist (vgl.das Liebesgebot im christlichen und das Toleranzgebot im islamischen Glauben).
Erzkind Senior Member Anmeldungsdatum: 13.04.2007 Beiträge: 696 Wohnort: Hannover
Verfasst am: 07 Feb 2010 - 18:03:32 Titel:
Zitat:
Sogar durch die Allmächtigkeit kann er nicht festgelegt sein
Die Charakterisierung als 'allmächtig' und die Negation von 'können' in einem Satz kommt irgendwie nich hin _________________ es ist alles nicht schlimm, es wird alles noch schlimmer
Wer den Error 500 satt hat, kann sich ja mal auf bildungs-foren.de umsehen. Die Community von uni-protokolle, nur ohne Fehler und ohne Werbung!
dornbusch Senior Member
Anmeldungsdatum: 26.10.2007 Beiträge: 3806
Verfasst am: 07 Feb 2010 - 19:04:53 Titel:
credo in unum deum
aut
cogito deum?
Gruß Dornbusch
Danny001 Full Member
Anmeldungsdatum: 09.01.2010 Beiträge: 68
Verfasst am: 07 Feb 2010 - 22:40:47 Titel:
dornbusch hat folgendes geschrieben:
credo in unum deum
aut
cogito deum?
Gruß Dornbusch
aja.
auf deutsch?
dornbusch Senior Member
Anmeldungsdatum: 26.10.2007 Beiträge: 3806
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 17:31:00 Titel:
Für Danny
credo ich glaube
cogito ich denke
Deus Gott
unus ein
in an
welches dieser Wörter kanntest du noch nicht?
Gruß Dornbusch
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 17:32:53 Titel:
Erzkind,
"Allmächtigkeit" ist ein Parádoxon.Ich habe das in meinem Beitrag zur Theodizeefrage ausführlich begründet.
Die Crux eines Internetforums im Vergleich zu einem Life- Forum liegt darin, dass ausführliche Beiträge - nachvollziehbar - allenfalls überflogen werden (sie müssten sonst erst ausgedruckt werden). Zu knappe Statements andererseits wirken oft missverständlich, lösen jedenfalls Nachfragen aus, deren befriedigende Beantwortung wiederum einen längeren Artikel erforderlich machen würde er, wodurch sich der circulus vitiosus schließt.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 17:37:01 Titel:
Dornbusch,
du hast recht. Gott kann man nicht denken, sondern nur glauben. Franz Kafka hat das schön ausgedrückt: Man kann nicht über Gott reden, man kann nur zu Gott reden.
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 17:44:44 Titel:
@Danny
ich glaube das heißt soviel wie: ich glaube entweder an den "einen" oder denkenden Gott?
@Knut
Das Nichts bietet die letzte und wirklich logischste Alternative von allen für einen Theisten an die Vorstellung eines Gottes festzuhalten, da man das Nichts sowie auch Gott nicht beweisen kann, sich beides unserer Logik entzieht und man automatisch auch das Problem der Antropomorphie umgeht.
Ich glaube, was Dornbusch dadurch ausdrücken will ist, dass er seinen Glauben nicht nur von seiner Logik ausmacht bzw das gar nicht geht. Denn die Annahme, dass Gott= Nichts ist, ist wiederum eine logische Schlussfolgerung. Ein Glaube muss erst gar nicht bewiesen werden oder logisch nachvollzogen werden, denn ansonsten wird es automatisch aufgelöst und negiert. Ihr Motto ist meistens: Credo quia absurdum est.
Ich selbst finde das Nichts beschreibt schon alleine ein Art "göttliches" Attribut, weil es uns und allem erhaben ist. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 18:02:36 Titel:
Gerade die Aporien unseres Denkens führen uns zu Gott als das Unbegreifliche. Atheismus erscheint mir daher sehr naiv . ich habe hierzu ja einen eigenen Thread geschrieben
LaChatte Senior Member
Anmeldungsdatum: 24.02.2006 Beiträge: 1479
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 19:18:39 Titel:
Worte scheinen mir recht müssig zu sein, solange sie nicht dazu dienen, ein Erleben zu beschreiben.
grüsse, barbara _________________ eritis sicut deus scientes bonum et malum
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 19:56:02 Titel:
Versuche doch einmal, ein Erleben zu beschreiben! Beschreibe mal einem von Geburt auf Blinden, was Licht und Dunkelheit ist! Oder einem von Geburt auf Tauben, was ein Ton ist! Beschreibe, was ein Geruch, ein Geschmack, ein Gefühl ist! Beschreibe einen Denkinhalt, zum Beispiel ein Quadrat(oder nur einen Punkt oder eine Gerade), Raum, Zeit, Sein usw.! Von Wertungen (gut-schlecht/böse) und Urteilen (gerecht) ganz zu schweigen!
Kann man schon das Irdische nicht beschreiben, wie will man das Transzendente beschreiben?Das Irdische kann man erleben,auch Gott kann man erleben, vor allem im Leid!
Und was ist die Philosophie? Beschreibungen von Beschreibungen, lauter Tautologien!
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 21:37:39 Titel:
@Knut
Zitat:
Atheismus erscheint mir daher sehr naiv .
Ja, ich weiß ganz genau was du meinst, zumindest nehme ich mal ganz vorsichtig an. Der Atheismus ist nur eine Perspektive, sowie auch der Theismus und diese beiden sind an sich nicht naiv. Aber es sind allzuviele, die z.b denken sie seien Theisten oder Atheisten, nur weil sie ein Buch lesen und deshalb meinen sie würden jetzt die Geheimnisse des Universums verstehen. Und diese Naivität kommt von beiden Seiten nach meiner Erfahrung. Was mich persönlich an den meisten stereotypischen Atheisten stört ist ihre plompe Aussage: Gott gibt es nicht, obwohl sie nichts beweisen können und es an erster Stelle auch nicht verlangt ist. Die Aussage: Gott gibt es und/oder Gott gibt es nicht, sagt meiner Meinung nach nichts aus sondern ist für mich eine subjektive Stellungnahme, die man weder befürworten kann noch sonst was. Ich selbst bin schon lange nicht mehr fähig mich als Atheist zu bezeichnen. Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer.
Für mich spielt es persönlich auch keine große Rolle mehr und lasse mich deshalb nicht in diese Dichotomie des Atheismus/Theismus "hineinzwingen".
Das können andere dann doch besser. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
Erzkind Senior Member Anmeldungsdatum: 13.04.2007 Beiträge: 696 Wohnort: Hannover
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 23:47:52 Titel:
Zitat:
Gerade die Aporien unseres Denkens führen uns zu Gott als das Unbegreifliche. Atheismus erscheint mir daher sehr naiv.
Oder anders: Weil wir mit unserem Denken an Grenzen stoßen, denken wir uns was aus. Naiv ist für mich etwas zu glauben, was einfach so formuliert wurde, dass man es nicht widerlegen kann. Das Fsm kann man auch nicht widerlegen. Und es würde sich doch auch keiner der von sich behauptet noch alle Tassen im Schrank zu haben Medikamente verabreichen lassen, deren Wirksamkeit in keiner Studie belegt wurde.
Auch wenn Popper mit dem überheblichen Atheismus nichts anfangen kann, wobei ich ihm auch an mir selbst durchaus Recht gebe, hat er es sehr schön formuliert: Kritik statt Dogma.
Auf die 'Paradoxie' hab ich im Thread geantwortet.
Liebe Grüße _________________ es ist alles nicht schlimm, es wird alles noch schlimmer
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Helli2 Newbie
Anmeldungsdatum: 02.03.2010 Beiträge: 3
Verfasst am: 02 März 2010 - 21:53:33 Titel:
Mit der Aussage 'Atheismus erscheint mir daher sehr naiv' lehnst du dich, ehrlich gesagt, sehr weit aus dem Fenster. Ich als Atheist (nein ich bin kein stereotypischer Atheist) habe mir meine Gedanken über Gott gemacht. Und am Ende jedes Gedankenganges meinerseits steht, dass Gott entweder nicht existiert oder wie ein kleines Kind mit einem Brennglas über dem Ameisenhaufen sitzt. Wobei ersteres fast jedes mal überwiegt.
Ich gehe davon aus, dass es grundsätzlich einmal den Menschen gibt. Gott vorerst außen vorgelassen. Nun haben wir auf der einen Seite die Evolution und auf der anderen die Schöpfung. Wissenschaft gegen Gott. Der Grund, warum ich Atheist bin, ist jener, dass eine Wissenschaft einfach viel greifbarer ist, als irgendein 'Hirngespinst' (was Gott für mich ja ist).
@Knut eine kleine Frage: Denkst du, dass alles, was passiert, in irgendeiner Verbindung mit Gott steht, auf irgendeine Art und Weise gewollt ist. Natürlich kann sich jeder angesprochen fühlen.
lg Helli.
dornbusch Senior Member
Anmeldungsdatum: 26.10.2007 Beiträge: 3806
Verfasst am: 03 März 2010 - 04:33:13 Titel:
Zitat:
Und am Ende jedes Gedankenganges meinerseits steht, dass Gott entweder nicht existiert oder wie ein kleines Kind mit einem Brennglas über dem Ameisenhaufen sitzt. Wobei ersteres fast jedes mal überwiegt.
Das ist doch ein treffliches Beispiel für "naiven" Atheismus!
Hallo Helli
Wenn ein Atheist "über Gott nachdenkt", worüber denkt er dann nach? Über Gott? Ein Atheist?
Jedes Reden über Gott ist theistisches Reden. Gott = Theos θεος.
Wovon also redet ein Atheist, wenn er über Gott redet?
Du erwähnst Wissenschaft als dein Credo
Zitat:
Nun haben wir auf der einen Seite die Evolution und auf der anderen die Schöpfung. Wissenschaft gegen Gott
Wenn du dich hier im Forum etwas umschaust, wirst du einige Diskussionen zu diesem Thema finden können. Dabei wird immer wieder gezeigt, daß Theologie und Biologie gar nicht gegeneinander "kämpfen". Wer hat dich denn auf diese Idee "Wissenschaft gegen Gott" gebracht?
Gruß Dornbusch
Helli2 Newbie
Anmeldungsdatum: 02.03.2010 Beiträge: 3
Verfasst am: 03 März 2010 - 09:23:44 Titel:
Ich bin ja auch irgendwie zum Atheismus gekommen, nicht? Ohne Nachdenken tut sich da nichts. Die Formulierung mit dem Kind passt schon so, etwas überzogen, aber dennoch.
Das gegen war vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt, vielmehr meinte ich damit, Wissenschaft oder Gott.
lg Helli. _________________ An einen Gott, ein allmächtiges Wesen zu glauben, heißt, sich selbst zu entmündigen.
Erzkind Senior Member Anmeldungsdatum: 13.04.2007 Beiträge: 696 Wohnort: Hannover
Verfasst am: 03 März 2010 - 17:22:10 Titel:
Zitat:
Wenn ein Atheist "über Gott nachdenkt", worüber denkt er dann nach? Über Gott? Ein Atheist?
Wovon also redet ein Atheist, wenn er über Gott redet?
Die Suche funktioniert leider nicht. Weißt du noch in welchem Thread ich dir diese Frage schon mal beantwortet habe? _________________ es ist alles nicht schlimm, es wird alles noch schlimmer
Wer den Error 500 satt hat, kann sich ja mal auf bildungs-foren.de umsehen. Die Community von uni-protokolle, nur ohne Fehler und ohne Werbung!
dornbusch Senior Member
Anmeldungsdatum: 26.10.2007 Beiträge: 3806
Verfasst am: 03 März 2010 - 20:04:04 Titel:
Ja mein Freund, ich erinnere mich !
Aber lass doch mal auch den Neuen zu Wort kommen. Wir Alten hier im Forum kennen die Standpunkte des Anderen und haben gelernt, sie zu respektieren.
@ Helli
Wissenschaft oder Gott?
Ganz so einfach ist das nicht. Ich bin ein theistischer Wissenschaftler! Wissenschaft und Gott ist mein Mantra.
Gruß Dornbusch
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 03 März 2010 - 21:05:26 Titel:
Helli 2,
ich darf aus meinen ausführlichen Thread über Atheismus verweisen.
Persönlich glaube ich an Gott als Synonym für die Unbegreiflichzeit des Seins, nicht an einen anthropomorphen Gott wie die Religionen.Ludwig Feuerbach hat in Umkehrung des Bibelzitats aus der Genesis zutreffend bemerkt:Der Mensch schuf Gott nach seinem Ebenbild. Darum halte ich Religionen für genauso naiv wie Atheismus. Beide schließen vom Bewusstsein auf ein Sein oder Nichtsein.
Michael_WeCan Senior Member
Anmeldungsdatum: 16.02.2009 Beiträge: 718
Verfasst am: 03 März 2010 - 22:28:27 Titel: Theorie ohne Hintergrund ?
knut hacker hat folgendes geschrieben:
Gott = Nichts
Das Nichts kann keine Identität haben, da es sonst etwas wäre. Auch das Alles kann keine Identität haben, da es sich von nichts anderem mehr unterscheiden kann (es umfasst ja selbst alles).Die begriffliche Gegensätzlichkeit von Nichts und Allem ist daher in deren Abstraktheit logisch aufgehoben.
Mit abstrakten philosophisch-intellektuellen Gedankengängen
lässt sich sicherlich alles mögliche "diskutieren".
Fakt ist:
Gäbe es einen Gott,
wäre der unserem Intellekt und unseren Gefühlen sicherlich nicht zugänglich,
im Sinne von begreifen richten über Gott.
Sind wir uns doch selbst kaum zugänglich.
Das hat nichts mit nichts zu tun,
sondern das es uns nur so scheinen muss.
knut hacker hat folgendes geschrieben:
Dies ist auch in der gedanklichen Abstraktheit Gottes der Fall. Gott ist durch seine Allmächtigkeit definiert.
Auch das ist Theorie,
da wir gar keine Ahnung haben,
was Allmächtigkeit ist ...
... wir denken uns das nur.
Fakt ist auch hier wieder das einfache, Lebensnahe, praktische.
WENN es einen Gott gibt, zeichnet er sich dadurch aus,
eine höhere Bewusstseinsebene zu haben als die Schöpfung.
Man sollte das Intellekt nicht vergöttern, um über Gott schein-zudenken.
Es gibt wesentlich lebenswichtigere Fragen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 05 März 2010 - 15:25:39 Titel:
Michael_WeCan,
du sprichst beziehungsweise schreibst mir aus dem Herzen. Ich versuche ja , hier in diesem Forum mit allen meinen Beiträgen ständig aufzuzeigen und mit Stimmen aus der Geistesgeschichte und den modernen Naturwissenschaften zu bekräftigen, wie „weit“ uns unser Intellekt, ja das gesamte Bewusstsein einschließlich Sinneseindrücken, Gefühlen und Denken, führen: in die Aporien des so genannten Münchhausen-Trilemmas Hans Alberts.
Gerade deshalb glaube ich an Gott als dasjenige, was die selbst erkannten Grenzen unseres Bewusstseins übersteigt, wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass auch ein solches Übersteigen lediglich eine Bewusstseinsvorstellung ist.Schön hat es Kafka ausgedrückt: Wir können nicht über Gott reden, sondern nur zu Gott reden.
Für deinen Gesichtspunkt der Unbegreilichkeit auch des eigenen Selbst habe ich gestern in einem Planetariumsvortrag über die Relativitätstheorien ein schönes Zitat von Albert Einstein aufgeschnappt: „Woher kommt es, dass sich niemand versteht, aber jeder mag?“
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 07 März 2010 - 17:40:44 Titel:
@Knut
Zitat:
Persönlich glaube ich an Gott als Synonym für die Unbegreiflichkeit des Seins, nicht an einen anthropomorphen Gott wie die Religionen.Ludwig Feuerbach hat in Umkehrung des Bibelzitats aus der Genesis zutreffend bemerkt:Der Mensch schuf Gott nach seinem Ebenbild. Darum halte ich Religionen für genauso naiv wie Atheismus. Beide schließen vom Bewusstsein auf ein Sein oder Nichtsein.
Der Position kann ich mich anschließen, mir ist es z.b im Internet viel zu oft begegenet, dass ein angeblicher Gott, an dem man an erster Stelle nicht glaubt, menschliche Eigenschaften zugeschrieben bekommt, obwohl das eigentlich eher typisch für theistische Sichtweisen ist. Ein solches Wesen, falls es existiert(oder über Existenz und Nicht-Existenz erhaben ist), braucht nichts. Wenn es jegliche Intelligenz übersteigt, dann kann man darüber nichts wirklich richtiges aussagen, denn jegliche Beschreibung von allen fehlbaren Menschen wäre wie eine Beleidigung, da es automatisch in niedere Kategorien eines Menschen gezwungen werden würde. Angenommen es wäre perfekt, das z.b keine menschliche Eigenschaft ist, dann könnte es gut sein, dass es ohne Intelligenz auskommt und diese einfach transzendiert. Meine Theorie darüber ist, dass wenn es dieses Etwas gibt, es nicht unbedingt für alles verantwortlich sein muss, vor allen Dingen kann es nicht liebenswert(meisten Theisten) oder sadistisch(Pseudo-Atheisten) wie in einem Märchen sein etc. es bleibt eben spekulativ. Selbst meine Aussage ist unwürdig, da sie bereits annimmt, dass es ein Gefühl wie Beleidigung empfindet obwohl ich nichts darüber wissen kann. Diese Vorstellung über einen unkategorisierbaren Gott halte ich für viel wahrscheinlicher und gut aus möglich. Mir geht persönlich diese schwache Argumentationsweise von vielen Atheisten auf den Keks, wenn sie ihre eigene Fehlbarkeit und alles Leid der Welt auf eine Vorstellung zuschieben und diese dann auch noch sadistisch aussehen lassen. Das ist viel zu vereinfacht und macht keinen Sinn. Ihr Kern liegt darin, warum es das "Böse" an erster Stelle erschaffen hat, obwohl es gleichzeitig in allen Menschen vorhanden ist.
Man kann doch nicht Gut und Böse spalten, vorallem klingt das lächerlich wenn ein Atheist über "das Böse" spricht. Schwarz und weiß macht grau und daran hat sich nichts geändert.
@Michael
Zitat:
Auch das ist Theorie,
da wir gar keine Ahnung haben,
was Allmächtigkeit ist ...
... wir denken uns das nur.
Fakt ist auch hier wieder das einfache, Lebensnahe, praktische.
Alles ist Theorie, aber könntest du eventuelle Fakten aufzeigen? Gehst du davon aus, dass die Evolution ein Fakt ist? Was genau meinst du mit Fakten?
Das wir so an sich gar keine Ahnung über Allmächtigkeit haben stimmt so nicht ganz, denn durch die Implikation die ein Wort bereits erzeugen kann, entsteht automatisch eine wage Vorstellung, die man akzeptieren oder verwerfen kann. Alleine deshalb kann es nicht absolut nichts sein. Was macht dich in deinem Kern so sicher?
Aber das Einfache, Lebensnahe und Praktische variiert von Person zu Person. Es gibt keine Fakten an sich, nur gegenwärtige fallibilistische Annahmen über deklarative Weltphänomene, die temporäre Gültigkeit haben, bis sie von besseren ersetzt werden. Relationen zwischen veschiedenen Konzepten und logischen Ansätzen helfen die Trivialisierung von Unwissen und Unwissen selbst zu überwinden. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 08 März 2010 - 16:34:11 Titel:
Kai-369,
deine These, dass Gott nicht für alles verantwortlich sein kann, entspricht derjenigen des jüdischen Religionsphilosophen Hans Jonas, der diese im Hinblick auf Auschwitz entwickelt hat(siehe meinen Beitrag zur Theodizee-Frage).
Das Problem bleibt aber, dass ein solcher Gott der teilweisen Ohnmacht kein Gott ist und die Frage verbleibt, woher denn dann dasjenige kommt, was außerhalb der Verantwortung Gottes liegt. Man kann da nicht einfach mit dem Sündenfall argumentieren, denn die Möglichkeit der Sünde müsste nach unserer menschlichen Denkweise ja auch irgendwoher kommen.Das Grunddilemma liegt einfach darin, dass der Begriff der Allmächtigkeit Gottes selbstwidersprüchlich ist, da er ja auch die Macht zur Ohnmacht umfassen muss und Gott außerdem überbestimmt. Ja, rational betrachtet, muss man überhaupt den Begriff Gottes als den höchsten Selbstwiderspruch unseres Denkens bezeichnen.
Ich will nicht darauf eingehen, dass der Gottesglaube nach neuesten Forschungen genetisch angelegt und im Gehirn durch Stromreizungen bestimmter Regionen hervorgerufen oder aufgehoben werden kann.Jedenfalls ist er wohl darauf zurückzuführen,dass die Evolution den Menschen befähigt hat,seine eigene Existenz zu erkennen (Überbewusstsein).Dies führt dazu, dass er einerseits erkennt, sterblich zu sein, er sich aber andererseits nicht vorstellen kann, nicht (mehr) zu sein.Er greift daher – zumal er ja auch im täglichen Leben auf Schritt und Tritt auf absolute Grenzen seiner Erkenntnisfähigkeit stößt - zu einem Transzendenzglauben, um sich mit dem Tode und mit seinen Erkenntnisgrenzen abfinden zu können, was evolutionsbiologisch einen Überlebensvorteil darstellt,weil es die Hemmschwelle zum Suizid in Leidenslagen erhöht:Wer einen “Sinn“ im Leben trotz des Todes sieht, wird eher lebensbejahend eingestellt sein, als jemand, der voll im Alltag aufgeht oder aus intellektueller Skepsis geistig darübersteht.
Damit will ich nicht sagen, dass nur einfach strukturierte Menschen an Gott glauben. Denn abgesehen davon, dass die Verankerung des Gottesglaubens in den Genen und im Gehirn ja auch gottgewollt ist, wenn man an Gott glaubt, kann der Gottesglaube ja auch darauf gründen, einer Selbstüberschätzung des Menschen nicht zu verfallen,also nicht vom Bewusstsein (Sinneseindrücke, Verstand, Gefühl,ästhetische und ethische Prägung)auf ein entsprechendes Sein zu schließen.
Der Gottesglaube dient natürlich auch der Arthaltung, weil er – die ohnehin genetisch zu diesem Zweck angelegte - altruistische Einstellung durch die Vorstellung fördert,dass wir ja letztlich alle Geschöpfe Gottes sind.
Es ist streng zu unterscheiden zwischen Glaube, Religion und Kirche!
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 09 März 2010 - 16:01:25 Titel:
@Knut
Zitat:
deine These, dass Gott nicht für alles verantwortlich sein kann, entspricht derjenigen des jüdischen Religionsphilosophen Hans Jonas, der diese im Hinblick auf Auschwitz entwickelt hat(siehe meinen Beitrag zur Theodizee-Frage).
Das ist interessant. Aber Leid gab es schon immer evtl. spanische Inquisition, Stalingrad, etc etc, was macht es für einen Sinn nur vom 2.Weltkreig ausgehend, zu behaupten, dass ein "Gott" deshalb nicht für alles verantwortlich sein kann? Wer sagt, falls es existiert, dass es an erster Stelle Verantwortung haben muss nur weil die Mehrheit Gott als das definiert hat was sein soll, obwohl es nichts richtiges über dessen wahren Zustand, falls es diesen gibt, etwas aussagt? Das Wort Gott kann man semantisch zerlegen wie man will.
Das was den meisten "militanten Atheisten"(nicht alle), nicht in den Kopf gehen will, dass es keine Spaltung von Gut und Böse gibt. In ihrem Unterbewusstsein haben sie noch gewisse Aspekte des Theismus in sich und geben solche Sachen von sich wie: Für das Wohl aller, oder das Problem des Bösen etc. Das Problem des Bösen existiert doch nur wenn man daran glaubt. Woher will man so genau wissen, dass ein Mensch böse ist und wie bitteschön lokalisiert man das Böse? Selbst wenn man eine böse Tat begeht, bleibt die Tatsache, dass es "relativ böse" sein kann und Meinungen variieren können. Sprich es gibt nichts Böses, nur typisches menschliches Verhalten. Wer hat das Recht zu sagen, was böse ist? Niemand und doch nimmt man es sich. Die meisten Atheisten klingen eher wie Fundamentalisten.
Wenn es ein oder mehrere göttliche Wesen gibt, warum sollte es sie interessieren, wenn eine Spezies auf einen kleinen Planeten seit Jahrhunderten immer noch nicht gelernt hat, dass durch Gesetzte, die Repression hervorufen automatisch Agression und Chaos einhergeht? Selbst wenn wir es einmal lernen sollten, was ich nicht glaube, dann glaube ich nicht, dass die sich zeigen werden weil wir es wünschen, falls es sie an erster Stelle gibt. Der Mensch sehnt sich unterbessust sein Überbewusstsein mit seinen Sinnen wahrzunehmen. Warum sollten sie, falls es sie gibt, überhaupt zeigen oder sich interessieren wer wir sind, was wir tun? Versteh mich nicht falsch, ich glaube nicht an Götter, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es etwas geben könnte außerhalb unserer Vorstellung bleibt und zwar gerade weil es logisch ist im Bereich der Wahrscheinlichkeit. Egal was es sein könnte oder nicht sein könnte. Alleine schon aufgrund der Tatsache, dass es uns auf eine sehr absurde Weise gibt, gefangen zwischen Nichts und Sein, weder das eine, noch das andere. Wer definiert Gott als das was es sein soll und warum soll dieses Wort so oder auf eine andere Weise aussehen, wenn es doch genauso gut gar nichts bedeuten könnte? Wer sagt, dass Gott Ohnmacht und Macht zugleich darstellt, obwohl es genauso gut das absolute Nichts darstellen könnte. Bzw wenn es das absolute Nichts darstellt, dann wäre es pures Nichts, rein gar nichts und nur außerhalb meines Verstandes noch nicht einmal etwas. Ich bleibe bei meinem Agnostizismus. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sowas gibt oder nicht, kann niemand widerlegen, genauso nicht wie anderes Getier z.b die unsichtbaren rosa Einhörner und so weiter. Niemand kann sie widerlegen, deshalb glaube ich noch lange nicht daran. Denn das FSM-Monster zeigt doch genau die gleichen absurden Eigenschaften eines Gottes und generell von Göttern auf, aber ob es sie gibt oder nicht gibt, kann niemand absolut wissen. Logischerweise dient dieses Getier um aufzuzeigen, dass dies Projektionen unseres Gehirns sind und die Welt so wie sie existiert gleichzeitig mit uns selbst zugrunde geht, so wie wir sie kennen. Trotzdem dreht sich die Erde weiter und trotzdem bleibt die Wahrscheinlichkeit.
Zitat:
Das Problem bleibt aber, dass ein solcher Gott der teilweisen Ohnmacht kein Gott ist
Was bezeichnest du als Ohnmacht und woher will man wissen was ein solches absurdes Wesen, oder wie auch immer man es nennen mag, etwas als Ohnmacht bezeichnen würde? Dieses Wesen ist vielleicht perfekt und gerade deshalb tut es nichts. Die Schuld auf eine Projektion zuzuschieben, die für Taten verantwortlich sein soll, die wir gemacht haben? Gerade weil ich nicht an diese Gottheit glaube ist es absurd rein nichts für etwas verantwortlich zu machen. Wir sind verantworltich für das was wir tun oder wie siehst du das? Für mich ist die Fehlbarkeit des Menschen im 2. Weltkrieg allein, kein Indiz auf eine Ohnmacht, denn warum sollte es das Nichts interessieren? Ich glaube nicht daran, also hat Gott keinen Wert für mich, bzw. selbst wenn es ihn geben würde, würde ich es nicht anbeten können, weil ich dann überzeugt wäre, dass es meine Gebete an erster Stelle nicht brauchen würde sowie alle anderen auch. Ich kann nicht etwas Ohnmacht oder Macht zustellen an das ich nicht glaube. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 09 März 2010 - 18:28:16 Titel:
Kai,
überwiegend gebe ich dir ja recht, aber es besteht doch ein grundsätzlicher Unterschied zwischen unseren Auffassungen:
Du bezeichnest dich als Agnostiker. Diese griechische Bezeichnung heißt „Nichtwissender“.Ein Agnostiker glaubt weder an Gott, noch daran, dass es ihn nicht gibt, er anerkennt die Grenzen seines Erkennens.Diese Haltung impliziert aber, dass es Gott geben könne oder nicht geben könne.
Ich bin den modernen Naturwissenschaften verhaftet und kann daher mit Gegensätzen wie Sein und Nichtsein oder Nichts nichts anfangen.Wenn Gott das Nichterkennbare ist,dann ist er weder noch ist er nicht noch ist er sowohl als auch nicht. Bonhoeffer: “Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ Meine Haltung würde ich daher eher dem Skeptizismus zurechnen oder dem kritischen Rationalismus.
Das „Böse“ ist selbstverständlich lediglich eine Bewertung durch den Menschen. Die Natur selber(einschließlich des Tierreiches ) ist wertneutral.
Du tust so, als würde ich hier eigene Meinungen vertreten.Meine Meinung findet sich im Teil III meines Theodizee-Beitrages. Ansonsten argumentiere ich hier immer nur aus der Perspektive desjenigen, den ich mit dieser Argumentation zu widerlegen versuche.Letztlich aber bin ich der Meinung, dass es keine Wahrheiten gibt und auch diese Aussage keine Wahrheit darstellt. Man kann doch einfach nicht von seinem Bewusstsein auf ein Sein schließen!
Ich muss Hans Jonas verteidigen, über den ich ja in meinem Theodizee-Beitrag sehr viel geschrieben habe.Er hat Auschwitz nur zum Anlass genommen, die Allmächtigkeit Gottes zu verneinen.Vor allem das Erdbeben von Lissabon hatte ja schon Leibniz angeregt, die Theodizee- Frage verschärft zu stellen.All diese Fragen stellen sich nur im Monotheismus.Denn wenn Gott ein Wesen ist, dann ist er lediglich Teil des Seins und kann nicht allmächtig sein, wobei der Begriff der Allmacht selbst paradox ist. Nach Spinoza ist daher Gott alles.Nach Meister Eckart ist er nichts. Nach dem Taoismus ist das Tao sowohl nichts als auch alles als auch nichts nicht und alles nicht.Diese überbegriffliche Denkweise entspricht den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften.
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 09 März 2010 - 19:08:47 Titel:
@Knut
Zitat:
Du bezeichnest dich als Agnostiker. Diese griechische Bezeichnung heißt „Nichtwissender“.Ein Agnostiker glaubt weder an Gott, noch daran, dass es ihn nicht gibt, er anerkennt die Grenzen seines Erkennens.Diese Haltung impliziert aber, dass es Gott geben könne oder nicht geben könne.
Ich muss mich entschuldigen mich etwas unkorrekt ausgedrückt zu haben. Ich bin ein Agnostiger generell was Gott anbelangt, weil es ich selbst nichts widerlegen kann aber rein formal glaub ich nicht an Götter, weil es genauso gut meine eigenen Projektionen sein könnten und mir niemand die absolute Gewissheit geben könnte, die ich bräuchte um an einen zu glauben. Die Wahrscheinlichkeit allerdings bleibt. Weder ich noch sonst jemand können über diese Absurdität etwas Sinnvolles aufbringen. Meine Hypothese ist, dass wir alle nichts darüber wissen können in Bezug auf Existenz eines Gottes oder Nicht-Existenz, gerade weil wir unter einer beschränkten Wahrnehmungskraft leiden.
Zitat:
Ich bin den modernen Naturwissenschaften verhaftet und kann daher mit Gegensätzen wie Sein und Nichtsein oder Nichts ..
Diese Dichotomie entspringt glaube ich den aristotelischen Gegensätzen, aber ich wäre mir nicht so sicher ob sich die moderne Naturwissenschaft mit etwas außer diesen Dingen beschäftigen würde. Klar gebe ich dir Recht, dass heute die Linie zwischen Sein und Nichts verwischt. Bei Anwendung einer mehrwertigen Logik kommt es dann natürlich darauf an, wieviele Werte man einsetzt etc.
Zitat:
Du tust so, als würde ich hier eigene Meinungen vertreten.
In Zeiten Nietzsches hätte ich jetzt damit kontern können, dass jeder Beitrag egal wie sachlich er sein mag zu einem gewissen Teil subjektiv bleibt--> Perspektivismus. Aber seit Heidegger gibt es keine Subjekt/Objekt-Spaltung mehr, sondern nur Relationen. Von daher gebe ich dir recht. Ich habe dir nichts unterstellt, sondern eher wie Nietzsche gedacht: Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen.
Zitat:
Letztlich aber bin ich der Meinung, dass es keine Wahrheiten gibt und auch diese Aussage keine Wahrheit darstellt. Man kann doch einfach nicht von seinem Bewusstsein auf ein Sein schließen!
Der kritische Rationalismus endet im Nihilismus egal wie sehr man sich dagegen sträubt. Mindestens wenn man eine reductio ad absurdum anwendet um alles rationale auf den nihilismus zu reduzieren, erkennt man mehr oder weniger deine Sichtweise, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Was meinst du mit: Man kann nicht auf ein Bewusstsein auf ein Sein schließen? Doch das kann man sehr wohl mit der Berücksichtigung, dass es subjektiv ist. Was genau meinst du damit bzw mit was schließt du eine Erkenntnis über ein "Sein", wenn nicht mit deinem Bewusstsein an erster Stelle?
Zitat:
Nach dem Taoismus ist das Tao sowohl nichts als auch alles als auch nichts nicht und alles nicht.
Das Tao enstpricht dem Weg, was hat aber dieses mit dem Paradoxon von Gott zu tun oder inwiefern? _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 10 März 2010 - 15:47:06 Titel:
Kai,
damit, dass man vom Bewusstsein nicht auf ein Sein schließen könne, meine ich natürlich schon das, was Du als Subjektivität bezeichnest.Alles ist in unserem Kopf, auch die Unterscheidung zwischen Sein und Nichtsein, insbesondere auch, dass das Bewusstsein “ist“.Ich weise ja immer wieder darauf hin, dass Gegensätze nur Erscheinungsformen von etwas sind, das sie transzendiert und dadurch vereinigt.Insofern bin ich auch nicht Nihilist, denn auch das „Nichts“ ist ja lediglich eine Vorstellung (der Unvorstellbarkeit). Außerdem bin ich auch aus dem Grunde keiner, weil ich unser Bewusstsein mit all seinen Vorstellungen als vorläufiges Ergebnis der Evolution natürlich hinnehme, also zwischen Leben und Theorie sozusagen unterscheide.
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 10 März 2010 - 21:16:40 Titel:
Zitat:
Ich weise ja immer wieder darauf hin, dass Gegensätze nur Erscheinungsformen von etwas sind, das sie transzendiert und dadurch vereinigt.
Dem hatte ich auch schon vorher nichts entgegenzusetzen.
Zitat:
Insofern bin ich auch nicht Nihilist, denn auch das „Nichts“ ist ja lediglich eine Vorstellung (der Unvorstellbarkeit).
Ein Nihilist idendifiziert sich nicht immer mit nichts und außerdem kannst du dir bestimmt vorstellen, dass es viele Arten des Nihilismus gibt. Das ist eine Verallgemeinerung oder wie man so schön auf englisch sagt: a logical fallacy.
Zitat:
Außerdem bin ich auch aus dem Grunde keiner, weil ich unser Bewusstsein mit all seinen Vorstellungen als vorläufiges Ergebnis der Evolution natürlich hinnehme, also zwischen Leben und Theorie sozusagen unterscheide.
cum hoc non est propter hoc + Generalisierung von Nihilisten
Du unterstellst Nihilisten generell die Unfähigkeit zwischen Leben und Theorie nicht unterscheiden zu können. Ich weiß nicht was du unter Nihilismus verstehst aber das ist bereits dein zweiter Trugschluss. Nihilisten verwerfen eher Fakten als solche, weil es sie nicht gibt, sondern temporäre Gültigkeit haben. Nur ganz extreme Beispiele verwerfen alles.
Ich habe dir nicht an den Kopf geworfen, dass du selbst Nihilist bist, sondern dass wenn man reductio ad absurdum führt automatisch die Gegenposition aber sich selbst auch "vernichtet". Das ist nihilistisch aber kein ewiger Status. Wiedemauchsei gibt es manche, die sich dem Nihilismus aus bestimmten Gründen angezogen fühlen und zwar ganz einfach weil es Freiheit über alle Gesetze bedeutet. Es ist das Gesetz aller Gesetze.
Die meisten Nihilisten beherrschen die Welt, gerade weil sie wissen, dass es die Wahrheit als solche nicht gibt. Sie erschaffen sich die Welt so wie sie wollen z.b durch Werbekampagne, Marketing etc etc. Die meisten Küstler sowie Salvador Dali, Picasso etc. fühlten sich dem Nihilismus zum Beispiel mehr angezogen, gerade weil es keine Regeln vorsetzt wie etwas auszusehen hat, sondern Raum lässt für individuelle Kreativität und Enfaltungsfreiheit. Der Surrealismus spiegelt in diesem Sinn die moderne Naturwissenschaft wieder, dass nichts ist wie es scheint. Vielleicht hast du ein vorurteilhaftes Bild über Nihilismus oder Nihilisten. Das sind meistens Sophisten, Skeptiker, Wissenschaftler und auch nur Menschen bzw es gibt sie in allen Farben. Es gibt wie du weißt etliche Philosophen, die mit dem Nihlismus in Verbindung gebracht werden, die ich jetzt nicht alle aufzählen muss und vor allem nicht zu verteidigen brauche, da dies lächerlich wäre. Kurz gesagt, der Nihilismus ist zeitlos. In jedem steckt ein tiefer Abrund. Darin zu fallen bedeutet sich selbst zu verlieren und gleichzeitig eine andere Person wiederzufinden und zwar die, die man sein will. Das ist generell ein kleiner Einblick in den Nihilismus. Es geht also nicht nur um nichts und um dessen Paradoxie aber ich verstehe deine Verwerfung gegenüber dem Nihilismus. Es würde nämlich Freiheit bedeuten, doch lieber hängt man in Ketten und lässt sich von Gesetzen, Ethik oder Moral, die es als solche nicht gibt, sondern genauso Produkte unseres Verstandes sind leiten, fehlleiten und kontrollieren. Jedem das Seine. Niemand hat dir einen Nagel auf die Stirn gedrückt und ganz laut "Nihilist" gebrüllt, während er ihn dir in den Schädel rammt. --> das wäre wohl ad hominem, aber das ist jetzt eher sarkastisch gemeint. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 11 März 2010 - 16:15:58 Titel:
Kai,
nananana,sine ira et studio!
Die Kategorisierung von philosophischen Haltungen ist natürlich immer eine Verallgemeinerung.Jeder Begriff ist dies übrigens.
Ich wollte den Nihilisten nicht unterstellen, nicht zwischen Theorie und Leben zu unterscheiden, sondern trat halt wieder einmal meinen alten Quark breit,Dass Überzeugungen lediglich geistige Grundstücke sind, die der Unendlichkeit und Unbegreiflichkeit des Lebens nie gerecht werden können.
Trotzdem habe ich vor Jahren mit immer noch anhaltender Begeisterung das Werk „Nichts“ des Nihilisten Ludger Lütkehaus gelesen.Er resümiert:“Hamlet bleibt vollendeter Nihilist: gleichgültig gegenüber Sein und Nichts.“ Wenn man unter“ Nichts“ „Alles nicht“ und auch das nicht versteht, dann bin auch ich vielleicht Nihilist.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 12 März 2010 - 19:14:49 Titel:
Philipp Mainländer hatte ich ganz vergessen,der mit seinem Suizid erklärtermaßen die Konsequenz aus seiner nihilistischen Einstellung für sein Leben gezogen hat.
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 12 März 2010 - 22:36:30 Titel:
Zitat:
nananana,sine ira et studio!
Gut, den Punkt gönne ich dir. Aber parteiisch bin ich nicht.
Zitat:
Die Kategorisierung von philosophischen Haltungen ist natürlich immer eine Verallgemeinerung.Jeder Begriff ist dies übrigens.
Wenn man aber nicht mehr richtig unterscheiden kann, was eine Verallgemeinerung ist und was nicht, dann macht es überhaupt erst keinen Sinn den Mund zu öffnen nach dieser Logik, weil eh alles eine Verallgemeinerung ist und deshalb ein logischer Trugschluss ist--> Münchhausen-Trilemma. Das kann aber in einem bestimmten Kontext unter spezifischen Bedingungen nicht stimmen, bzw werde spezifischer, damit ich deine Position besser nachvollziehen kann. Ich habe Probleme, wenn jemand eine Verallgemeinerung einer bestimmten Gruppe macht, wobei es immer Ausnahmen als solche gibt. Falls dies berücksichtigt wird, dann nehme ich diesen Punkt zurück.
Zitat:
Dass Überzeugungen lediglich geistige Grundstücke sind, die der Unendlichkeit und Unbegreiflichkeit des Lebens nie gerecht werden können
Der Ansicht bin ich auch.
Ludger Lütkehaus bleibt immer noch einer meiner Favoriten der postmodernen Zeit.
Zitat:
Philipp Mainländer hatte ich ganz vergessen,der mit seinem Suizid erklärtermaßen die Konsequenz aus seiner nihilistischen Einstellung für sein Leben gezogen hat.
Das sagt nichts über den Nihilismus aus, sondern beweist nur die Fehlbarkeit eines Menschen und trennt die schwachen von den starken Tieren-->Sozialdarwinismus. Du könntest jetzt mit einer Relativierung kontern um die Grenzen von Schwäche und Stärke zu vernebeln, aber das wäre in diesem Sinne eher ungeschickt, da der Akt des Suizid generell kein Indiz oder Symbol für Stärke ist, ganz egal welche Position man vertritt.
Was soll das außerdem aussagen? Wenn einer ein Atheist ist, dann macht er sich ja auch nicht zur Lebensaufgabe die ganze Zeit darüber zu reden wie unlogisch die Existenz eines Gottes ist, sondern es ist nur eine Verwerfung eines Axioms. Dasselbe mit den Nihilisten, die es nur als eine Umschreibung benutzen. Man stellt nicht sein ganzes Leben auf den Kopf nur weil man Nihilist, Theist oder Atheist ist und was sonst noch etc etc.
Nur weil z.b ein Junge Amok läuft, müssen nicht alle Jugendgefährdende Spiele zensiert werden? (Nach der Logik einer gewissen Politikerin, dessen Name mir ein Graus ist) Das ist genau dieselbe Logik. Wenn ein Theist sich umbringt, dann heißt es nicht, dass der Theismus generell zum Suizid führt, sondern der Mensch selbst und seine gegenwärtigen Einflüsse eine entscheidende Rolle spielen. Ich kenne Nihilisten, die sind meistens gut drauf, gerade weil sie ihre Instinkte ausleben, nicht so wie der Mob, der von einer Kantschen Moral gelenkt wird. Von Kants Philosophie halte ich genauso wenig wie von Platons Simplistik. Nur aufgrund der Popularität immer noch relevant, es verfehlt aber den Aspekt unserer modernen Zeit ganz gewaltig und andere wichtige Punkte, die heute eine Rolle spielen, die damals irrelevant waren.
Ganz klar gibt es dann solche Fälle die du ansprichst in jeder Kategorie. _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 13 März 2010 - 18:55:00 Titel:
Kai,
natürlich hat es „keinen Sinn, den Mund zu öffnen“,wenn man von Begriffen mehr erwartet als eine Verallgemeinerung. Daher hat Wittgenstein bekanntlich vorgeschlagen, überhaupt zu schweigen.Über was man nicht sprechen könne, solle man schweigen.
Wenn du zum Beispiel sagst: „Das ist eine Blume“. dann ist das natürlich eine Vereinfachung,weil es Tausende Arten von Blumen gibt und jede Blume einer Art im Detail anders als die andere ist. Ebenso ist es, um zum Thema zurückzukehren, beim Begriff der Grenze oder des Zeitpunktes. Natürlich sind Paradoxien „ falsch“. Das von mir analog den Teilungsparadoxien Zenons konstruierte Geburtsparadoxon will natürlich nicht behaupten, dass wir nicht geboren worden sind.Es will dartun, dass wir mit Begriffen nichts begreifen können.Natürlich kann Achill die Schildkröte überholen,wir können dies auch mit der Infinitesimalrechnung beschreiben, aber mit den Begriffen des Ganzen und des Teils können wir den Vorgang nicht begreifen.Ich habe den bekanntesten Paradoxien einen umfangreichen Beitrag unter dem Titel „Aporien des Denkens“ in diesem Forum gewidmet.Paradoxien entstehen dadurch, dass Begriffe als etwas Konkretes gedacht werden, obwohl sie nur eine Generalisierung und daher notwendigerweise Ungenaues darstellen(Ab wievielen Bäumen beginnt ein Wald?). Sie beruhen auf der Anwendung von Begriffen auf sich selbst. Den Bewegungs- beziehungsweise Teilungsparadoxien Zenons liegt zu Grunde, dass das Ganze aus Teilen besteht, aber jeder Teil wiederum ein Ganzes darstellt und wiederum aus Teilen besteht usw. Daher müsse Achill unendlich viele Teilstrecken zurücklegen und komme somit nicht voran.Dabei wird außer Betracht gelassen, dass das Ganze zwar aus Teilen besteht, aber etwas anderes ist als die Summe seiner Teile.Dieses Andere ist begrifflich nicht zu fassen, sondern nur zu umschreiben mit Struktur, Dynamik usw.
Dazu, dass jedes Denken in letzter Konsequenz zu Trilemmata führt,verweise ich auf Hans Albert, der den Begriff des „Münchhausen-Trilemmas) geprägt hat.
Ich habe natürlich von geistigen „Konstrukten“, nicht von geistigen „Grundstücken“ sprechen wollen.Meine Spracherkennung hat mir einen Streich gespielt.
Mit dem Hinweis auf den Suizid Mainländers wollte ich nichts in Bezug auf den Nihilismus aussagen, sondern nur, dass dieser Philosoph seinen Selbstmord als Teil seiner Philosophie verstanden hat. Suizid ist natürlich nichts Verwerfliches, sondern etwas Sinnloses.Denn die Erlösung, die man sich dadurch verspricht, „erlebt“ man ja nicht mehr. Mainländer hat jedoch – konsequent nihilistisch -auch den Sinn als sinnlos angesehen.Einem so verstandenen Nihilismus kann ich durchaus etwas abgewinnen.
Kai-369 Gesperrter User Anmeldungsdatum: 05.08.2008 Beiträge: 981 Wohnort: Stuttgart
Verfasst am: 14 März 2010 - 17:24:18 Titel:
Zitat:
Natürlich sind Paradoxien „ falsch“.
Ich habe nie etwas anderes behauptet. Eine der besten, wie ich finde, ist immer noch: " ex nihilo nihil fit" Damit könntest du fast jede atheistische Position einheizen, da sie das Universum als ewig existierend voraussetzen, es aber nicht nachweisen oder widerlegen können.
Zitat:
..Es will dartun, dass wir mit Begriffen nichts begreifen können
Das ist mir schon bewusst, denn schließlich dient die Kommunikation nur als ein weiteres Instrument z.B für die Selbsterhaltungsstrategie des Menschen. An sich ist sie völlig nutzlos und dient zu keinem anderen Zweck, es sei denn man interpretiert etwas in sie hinein--> Teleologie.
In einer post-post-modernen Zeit kann es durchaus möglich sein, dass der Mensch mithilfe der Technologie auf diese ganz verzichten wird oder je nachdem verbessert, da wir uns schließlich selbst neu erschaffen werden-->Transhumanismus.
Gruß Kai _________________ Die Babypille ist wahrlich ein Segen.
knut hacker Senior Member Anmeldungsdatum: 16.11.2009 Beiträge: 1037 Wohnort: Hölle auf Erden
Verfasst am: 15 März 2010 - 18:52:31 Titel:
Kai,
ich habe nicht recht verstanden ob du das „ex nihilo non fit“ (Platon hatte dies im „Phaidon“ als Unsterblichkeitsbeweis herangezogen) als Argument für oder gegen den Atheismus verstehst.Die Quantenfeldforschung hat jedenfalls experimentell bewiesen,dass letztlich alles aus Nichts entsteht,wobei allerdings unter diesem lediglich die Nichtraumzeitlichkeit begriffen wird.Auch das Akausalitätsprinzip der Quantenphysik hatte dies bereits bestätigt.
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