|
|
| Autor |
Nachricht |
malkowicz Newbie

Anmeldungsdatum: 23.01.2010 Beiträge: 7
|
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 20:56:49 Titel: Antibiotika |
|
|
Hallo!
Es geht um Ionophoren.
Gramicidin ist ein solches. Und gleichzeitig auch ein Antibiotika. Soweit verstanden.
Aber werden Antibiotika nicht dann als solche bezeichnet, wenn sie Bakterien abtöten? Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht! Gramicidin sorgt dafür, dass die Zielzelle (=Tierzelle??) (!!!?) abstirbt, da ihr Konzentrationsgradient durch die Ionophoren nicht aufrecht erhalten werden kann (da sie in die Membran gelangen und dort K+ entlang des Gradienten transportieren). Aber auf diese Weise könnten diese Bakterien doch eine riesen Anzahl an tierischen Zellen vernichten, ohne selbst abzusterben...hm.
kann jemand diesen Gedankengang richtigstellen (am liebsten ohne einen einfachen Verweis auf einen Link..)
Danke! |
|
 |
p8003 Moderator

 Anmeldungsdatum: 30.07.2006 Beiträge: 2404 Wohnort: München
|
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 22:04:29 Titel: |
|
|
Also hier wird primär die Bakterienzelle angegriffen, nicht die Wirtszelle! Bei intrazellulären Erregern muss man anders therapieren.
Es muss natürlich sichergestellt sein, dass das Antibiotika vorwiegend mit bakteriellen Membranen wechselwirkt, als mit denen von Mensch und Tier. Wäre das nicht der Fall wäre der effektive Nutzen auch entsprechend gering...Natürlich werden auch Wirtszellen in gewissem Maße angegriffen und/oder zerstört, aber das ist über einen bestimmten Bereich kompensierbar (Wirt -> viele Zellen, Bakterium -> nur 1 Zelle).
Die Selektivität lässt sich zum größten Teil auf den unterschiedlichen Membranaufbau zurückführen. Bakterien haben z.B. kein Cholesterol, das die Membranen festigt und sind daher anfälliger für den Einbau von Ionophoren. "Unsere" Lipidmembran (hauptsächl. Sphingolipide) ist nach außen hin eher neutral, bei Bakterien oft negativ geladen (andere Phospholipide, Teichonsäuren usw.). Polykationische Peptide können an der bakteriellen Membran also besser wechselwirken.
Ähnlich verhält es sich z.B. auch mit Amphotericin B, das man bei Pilzinfektionen verwendet. Der Einbau erfolgt hier i.d.R. in Nachbarschaft von eingelagerten Ergosterolmolekülen in der Pilz-Zellmembran und daher resultiert die Selektivität zur Pilzzelle. _________________ Molekül leitet sich weder von kühl noch von Kuh ab...
Bitte die Forenregeln beachten.
 |
|
 |
malkowicz Newbie

Anmeldungsdatum: 23.01.2010 Beiträge: 7
|
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 22:15:58 Titel: |
|
|
Danke für die aufschlussreiche Antwort!
Trotzdem noch eine Frage / Feststellung (richtig?):
Bakterien (stellen z.B. Gramicidin her) sind die "Hersteller" von Antibiotika??? Das wäre ja so, als würden Menschen Menschen bekämpfen (naja, das tun sie ja auch)... |
|
 |
p8003 Moderator

 Anmeldungsdatum: 30.07.2006 Beiträge: 2404 Wohnort: München
|
Verfasst am: 08 Feb 2010 - 22:25:53 Titel: |
|
|
Die meisten Mikroorganismen produzieren ein breites Spektrum an Stoffen die auf ihre Umgebung bzw. dort befindliche andere Lebewesen/Bakterien toxische Wirkung haben.
Nüchtern betrachtet geht es hier einfach ums nackte Überleben. Ein Bakterium oder auch eine Pilzzelle kann schlecht "weglaufen" und wird ohne geeignete Schutzmechanismen (chemische Abwehr) von anderen Bakterien/Pilzen ohne weiteres "überwachsen" und geht unter.
Viele biologisch aktive Verbindungen (Antibiotika oder auch Krebs-Therapeutika) wurden aus solchen Organismen isoliert und später in ihrer nativen oder auch chemisch abgewandelten Form zur Therapie eingesetzt... _________________ Molekül leitet sich weder von kühl noch von Kuh ab...
Bitte die Forenregeln beachten.
 |
|
 |
|