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Raum und Zeit
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daniel-s.
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Anmeldungsdatum: 10.09.2013
Beiträge: 11
Wohnort: Siegen

BeitragVerfasst am: 16 Okt 2013 - 08:44:48    Titel: Re: Raum und Zeit

knut hacker hat folgendes geschrieben:
Raum und Zeit
Erwin Schrödinger (1882-1961; Quantenphysiker, Nobelpreisträger): „Die in Raum und Zeit ausgedehnte Welt existiert nur in unserer Vorstellung.“


schrödinger war der mit der katze oder?^^ Very Happy
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 16 Okt 2013 - 18:20:54    Titel:

godaime hat folgendes geschrieben:
>Du hast sowohl Einstein als auch Kant zitiert, also lass mich Einsteins Argument gegen Kants Vorstellung von Raum und Zeit noch mal wiederholen.

Wenn Raum und Zeit lediglich Bedingungen menschlicher Anschauung sind, wieso macht Licht einen "bogen" in der Nähe von großen Masseansammlung (i.a. W. Planeten)?

Wenn Raum und Zeit nicht unabhängig vom Betrachter sind, wieso konstruiert der Betrachter einen solchen Umstand (Umstand weil: es stellt eine Verkomplizierung dar), also eine gekrümmte Bahnkurve des Lichts?

Ich stimme Kant zu, dass menschliche Erkenntnis ohne Raum und Zeit nicht funktionieren kann und ebenso wenig widerspricht diese Philosophie der Physik. Aber: Auch wenn keines dieser beiden Möglichkeiten in Stein gemeißelt ist, möchte ich behaupten können: Entweder war Kants "Abhängigkeitsbegriff" zu eng gefasst, oder Einsteins "Absolutheitsbegriff" zu weit


Gefaellt mir Deine Argumentationskette!

P.S.

"Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen..."

W.Faulkner
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 27 Nov 2013 - 16:58:11    Titel:

Wie koennen (muessen?) wir Henri Bergson hier einbauen?

Wissenschadft zerlegt die Wirklichkeit, aber damit macht er sie unbeobachtbar?

Während Immanuel Kant Raum und Zeit noch als gleichberechtigte Formen unserer Anschauung betrachtet, sind sie für Bergson wesensverschieden.

„Mehr als jeder andere hatte Bergson die großen begrifflichen Veränderungen geahnt, die die Quantentheorie mit sich bringen sollte.

In seinen Augen, wie in der Quantenphysik, ist die Realität weder kausal noch lokal: Raum und Zeit sind Abstraktionen, reine Illusionen“.[2] Die mathematische Zeit ist eine Form des Raumes. Die Zeit, die zum Wesen des Lebens gehört, nennt Bergson - wie oben erwähnt - Dauer.

Anm.:
Das heisst dann fuer mich > Zufaellig.... sind alle Ereignisse aus Raum & Zeit.

In "Materie und Gedächtnis" wird die Beziehung zwischen Geist und Materie neu gefasst, und das heißt, weder idealistisch noch realistisch: durch die Analyse des Gedächtnisses (der gelebten Zeit), welches "der genaue Schnittpunkt von Geist und Materie" ist.
godaime
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Anmeldungsdatum: 30.05.2007
Beiträge: 413

BeitragVerfasst am: 28 Nov 2013 - 00:41:58    Titel:

Wer sagt denn, dass Quantentheorie keine Kausalität kennt?

Und spricht Kant je vom Wesen von Raum und Zeit?
Für ihn sind sie notwendige Denkapparate, dass macht sie gleichberechtigt ja,
ergründet er aber je das "Wesen" von Raum und Zeit?
Er schreibt ihnen Eigenschaften zu, vermutete Eigenschaften, keine Wesensdefinitonen.
Wer weiß, vllt liegt ihnen das gleiche Wesen zugrunde, vllt auch nicht? An der Notwendigkeit dahinter ändert sich für ihn offensichtlich nichts.

Was Bergson angeht: Wir können wenn wir wollen aber wir müssen, wenn wir glauben.

Ich sehe im Essentialismus nun mal grundsätzliche Schwierigkeiten, der, meines Erachtens nach zu oft, zu viele Probleme schafft. Man könnte sogar meinen, das Wesen des Essentialismus läge darin, überall Probleme zu schaffen nur um den Menschen zu ärgern.
Bisher kenne ich keine Wesensdefinition, die es nicht geschafft hat bzgl. anderen, dem Wörtern gebräuchlichen Verwendungen widerspruchsfrei zu bleiben.
hilber raum
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Anmeldungsdatum: 27.10.2012
Beiträge: 297

BeitragVerfasst am: 29 Nov 2013 - 08:39:45    Titel:

Multivista hat folgendes geschrieben:

Wissenschadft zerlegt die Wirklichkeit, aber damit macht er sie unbeobachtbar?


Was ist denn "Wirklichkeit"?
Unter bestimmten Voraussetzungen hat Materie die Eigenschaft der Wahrnehmung. Mittels derer macht sie eben die "Aussage" der Voraussetzungen..., das ist nun schon rekursiv.

Offenbar soll Wirklichkeit etwas sein, was auch ohne "Wahrnehmung" der Materie da ist (was bedeutet denn nun schon wieder "da ist"). Genau das ist das Problem. Die Materie schliesst in einem vermeintlich bestimmten Zustand, der Wahrnehmung, auf einen weiteren Zustand ausserhalb dessen.

Nun kann ja jemand daherkommen und sagen: okay - wir fangen Photonen ein, die älter als jede Materie mit der Eigenschaft Wahrnehmung sind, also muss es ja etwas ausserhalb der Wahrnehmung geben. NUR: ein altes Photon ist wieder Produkt des besonderen Zustandes Wahrnehmung..., wir drehen uns im Zirkel.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 29 Jan 2014 - 14:47:10    Titel:

p.m. 2013:



Physiker sagen, dass das Jetzt nicht existiert. Sportler sagen, sie könnten es nach Belieben ausdehnen. Zen-Meister sagen, das Jetzt dauere ewig und Zeit sei eine Illusion. Was ist wirklich los in dem winzigen Augenblick, in dem sich unser ganzes Leben abspielt?



Vor diesem Artikel müssen wir Sie warnen: Das Weiterlesen kann Ihre geistige Gesundheit gefährden! Sie werden Ihre Welt mit anderen Augen sehen und sich im Widerspruch zu allen physikalischen Theorien wiederfinden. Sie werden zu der seltsamen Überzeugung gelangen, dass Vergangenheit und Zukunft nicht existieren, dass die Ewigkeit real ist und dass in einem einzigen Moment das ganze Weltall enthalten sein kann. Möglicherweise werden sich Schwierigkeiten, denen Sie gegenüberstehen, auflösen, und Sie werden erleben, wie sich ein ganzes Universum an Lebensfreude entfalten kann – aus einem winzigen, kaum vorhandenen Augenblick: dem Jetzt.



Dabei scheint doch auf den ersten Blick die Gegenwart keinerlei Mysterium zu enthalten: Genau jetzt, in diesem Moment, lesen Sie diese Buchstaben hier. Der Zeitpunkt, als Sie das P.M.-Heft aufgeschlagen haben, liegt inzwischen in der Vergangenheit, ein paar Sekunden oder Stunden zurück. In der Zukunft hingegen wartet der Augenblick, wenn Sie das Heft wieder beiseite legen werden. Alles ist klar geordnet, so klar wie unsere Sprache, die zwischen »ich las«, »ich lese« und »ich werde lesen« unterscheidet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheinen säuberlich gereiht wie die Perlen auf einer Schnur.



Doch so einfach ist es nicht. Andere Kulturen haben eine ganz andere Zeitauffassung. Würden wir Hopi-Indianer aus Nordamerika fragen, stießen wir mit unserer Zeitreihung auf Unverständnis: »Vergangenheit« und »Zukunft« kommen in ihrer Sprache nicht vor. Wie viele andere Bauernkulturen leben die Hopi in einer praktisch zeitlosen Welt. Ihr Tageslauf ist an die natürlichen Erscheinungen ge-koppelt, und so wie die Jahreszeiten sich wiederholen, wiederholt sich auch die Zeit. Jahreszahlen sind unbekannt und natürlich auch Bezeichnungen für kleinere Intervalle wie Minuten oder Sekunden. Erstaunt hat der Hopi-Forscher Benjamin Lee Whorf festgestellt: »Die Sprache der Hopi enthält keinen Verweis auf die Zeit, weder explizit noch implizit.« Die Hopi leben in ei-nem Zustand des immer währenden Jetzt.



Ganz ähnlich ein anderes Indianervolk: die Saulteaux in Amerika. Forscher, die dieses Volk besuchten, mussten zähneknirschend akzeptieren, dass es nicht möglich war, sich mit den Indianern zu verabreden. Diese fanden, dass Treffen nicht stattfinden sollten, wenn eine bestimmte Zeit erreicht ist, sondern wenn die beteiligten Personen dafür bereit sind. Das Jetzt ist bei ihnen kein äußerlich festgelegter Zeitpunkt, sondern eine soziale Übereinstimmung. Übrigens waren sie ganz begeistert, als die Forscher ihnen zum Abschied Wecker schenkten: Sie benutzten sie als Spielzeug und freuten sich am Klingeln. Kaum etwas könnte ihre Freude am jetzigen Moment im Unterschied zu unserer Auffassung von einer planbaren Zeit besser kennzeichnen.



Doch auch im Westen gibt es Menschen, die ganz in den jetzigen Moment eintauchen. Manchen von ihnen gelingt es sogar, das Jetzt zu dehnen: Sie schaffen es, die Zeit stillstehen zu lassen. Tennisstar Jimmy Connors meinte solche Zustände, wenn er beschrieb, dass er im Spiel eine »transzendente Zone« erreichte. Er sah dann den Ball riesig vor sich, der in Zeitlupe über das Netz schwebte. Er fühlte sich, als habe er alle Zeit der Welt, um zu entscheiden, wie und von wo er den Ball zurückschlagen solle. In Wirklichkeit dauerten diese Momente natürlich nur Sekundenbruchteile.



Auch Basketballspieler beschreiben unerklärliche Situationen, in denen alle um sie herum sich in Zeitlupe bewegen. Sie selbst fühlen sich dann, als würden sie zwischen Puppen hindurchdribbeln. Auch die Meister asiatischer Kampfsportarten sind bekannt für ihre Fähigkeit, den Augenblick zu strecken. Sie erleben die Aktionen des Gegners in einer gedehnten Gegenwart, jede Einzelheit ist erkennbar, auf jede Bedrohung können sie in aller Ruhe reagieren. Selbst gewöhnliche Felskletterer kennen den »ewig dauernden Augenblick«. »Man sagt, es sei nur ein Augenblick, und doch verliert man sich auf Grund totaler Beteiligung darin, und der Augenblick ist vom Wunder der Ewigkeit durchweht«, erzählt einer von ihnen.



Aber wie kann die Ewigkeit in einem Augenblick stecken? Ist nicht der jetzige Augenblick sehr kurz? »Das Jetzt dauert dreißig Millisekunden«, behauptet der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel. Er hat sich viele Jahre mit dem Zeitempfinden der Menschen beschäftigt und dabei Verblüffendes herausgefunden: Nach seinen Erkenntnissen ist unser ganzes Gehirn einem Dreißig-Millisekunden-Rhythmus unterworfen. Dreißig Millisekunden braucht es, um zwei optische Reize voneinander zu unterscheiden. Dreißig Millisekunden Abstand müssen auch zwei akustische Reize haben, ehe wir ihre Reihenfolge richtig erkennen können. Spielt man dem Gehirn einen Ton vor, so beginnen die Gehirnströme zu oszillieren – mit einer Periode von dreißig Millisekunden.



Mithilfe solcher Oszillationen, so vermutet Gehirnforscher Pöppel, schafft unser Gehirn Systemzustände, innerhalb derer Informationen als gleichzeitig behandelt werden. Während eines Dreißig-Millisekunden-Intervalls gibt es kein Vorher oder Nachher: Es sind Phasen von Zeitlosigkeit. »Die Zeit fließt nicht, sie stößt sich voran«, sagt Pöppel. Das Jetzt wird von unserem Gehirn aktiv konstruiert.



Doch nicht genug damit, dass unser Jetzt eine messbare Zeitspanne umfasst – es ragt sogar ein wenig in die Zukunft! Das jedenfalls legt ein Aufsehen erregender »Klickerversuch« des amerikanischen Wahrnehmungsforschers Frank Geldard nahe. Bei seinen Experimenten installierte er eine Maschine, die einer Versuchsperson schnell hintereinander auf den Arm tippte. Ließ er die Maschine das Handgelenk berühren, so spürte die Person – wie erwartet – ein Tippen aufs Handgelenk; ebenso an Ellenbogen oder Oberarm.



Die Überraschung kam, als der Forscher die Maschine erst fünfmal aufs Handgelenk, dann zweimal auf den Ellenbogen und direkt anschließend dreimal auf den Oberarm tippen ließ. Jetzt hatte die Versuchsperson auf einmal das Gefühl, die Berührungen wären in gleichmäßigen Abständen den Arm hinauf verteilt – als wenn ein kleines Tierchen den Arm hinaufliefe.



Doch wie ist das möglich? Wie können sich Berührungen am Handgelenk verschieden anfühlen, je nachdem, was danach kommt? Kann das Gehirn in die Zukunft blicken? Woher weiß es – während die Maschine noch auf das Handgelenk tippt –, dass bald die Berührungen am Ellenbogen erfolgen werden? Unser Jetzt breitet sich anscheinend ein kleines bisschen in die Zukunft hinein aus.



Einen ähnlichen Zukunftseffekt nutzt unser Bewusstsein übrigens, wenn wir Sprache hören. Oft genug erschließt sich der Sinn eines Wortes nämlich erst, wenn der Sprecher schon ein paar Wörter weiter ist. Dennoch meinen wir meist, das Gesprochene »jetzt« zu verstehen.




Seltsamerweise fehlt dem Menschen ein Organ, um den Ablauf der Zeit festzustellen. Die Zeit ist für uns so wenig spürbar wie radioaktive Strahlung. Wir bemerken ihr Verstreichen nur indirekt, an der Abfolge von Ereignissen.



Damit sind wir in guter Gesellschaft: Das ganze Weltall scheint so zu funktionieren. »Ein Universum, in dem sich absolut nichts veränderte (einschließlich der Gedanken der in ihm existie-renden bewussten Wesen), wäre ein zeitloses Universum«, bemerkte schon der Philosoph John McTaggart zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Könnten wir das Universum für einen winzigen Moment anhalten, so machte die Frage, wie lange der Stillstand gedauert hätte, keinen Sinn mehr. Der Moment wäre zugleich winzig klein und riesig groß, ein Nichts und eine Ewigkeit.



Auch Uhren messen ja die Zeit nur, indem sie wiederkehrende Ereignisse zählen: Pendeluhren das Schwingen des Pendels, Armbanduhren das Schwingen des Uhrenquarzes und die Braunschweiger Atomuhr das Schwingen von Lichtteilchen. Ehe der Mensch auf diese wiederkehrenden und sehr gleichmäßig ablaufenden Ereignisse Bezug zu nehmen lernte, bediente er sich der unregelmäßigen Ereignisse des täglichen Lebens, um den Ablauf der Zeit zu bestimmen. So redete man bis ins 18. Jahrhundert hinein nicht von Zeit, sondern höchstens vom Wetter, das durch seine Veränderlichkeit eine Art natürlicher Ereignisgeber war (»Wir sehen uns, wenn der Fluss vereist ist«). Noch heute benutzen deshalb romanische Sprachen für »Zeit« und »Wetter« dasselbe Wort (z. B. frz. temps = Zeit, Wetter).



Weil wir Zeit an Ereignissen messen, ist es auch verständlich, dass sich Zeit manchmal zu dehnen oder zu stauchen scheint. Befindet man sich in einer unangenehmen Situation, wird einem die Zeit immer lang: Es gibt mehr Ereignisse, als einem lieb ist.



Andersherum ist es in Situationen extremer Lebensgefahr, wie zum Beispiel bei
eingeschlossenen Bergleuten. Übereinstimmend berichten sie, dass ihnen die Zeit des Eingeschlossenseins viel kürzer vorkam als die wirklich abgelaufene Zeit: Alle äußeren Eindrücke, an denen man sich orientieren kann, fallen aus, die Zahl der Ereignisse sinkt, die Anspannung steigt und zugleich der Wunsch, die Zeit möge langsamer verstreichen, damit Rettung möglich bleibt. Der Eindruck der Zeitverkürzung ist so stark, dass eingeschlossene Bergleute oft ihren eigenen Uhren nicht glauben.



In der Isolation geht unser Zeitgefühl verloren, das Jetzt dehnt sich aus. Nach einigen Tagen ohne Außenkontakt konnten Versuchspersonen die Dauer einer Stunde nicht mehr schätzen. Erst nach Ablauf von 88 Minuten vermuteten sie, nun sei eine Stunde verstrichen. »Die Zeiterlebensforschung zeigt, dass die messbare, objektive Zeit wenig mit dem subjektiven Zeiterleben zu tun hat«, fasst der Psychologe Arnold Hinz zusammen.



Doch wenn das subjektive Jetzt so schwierig festzumachen ist, versuchen wir vielleicht lieber, das objektive Jetzt zu bestimmen. Was weiß die Physik über das Jetzt? Interessanterweise: nichts. Viele physikalische Gesetze nehmen Bezug auf die Zeit, aber ein Jetzt findet sich darin nirgends.



Die Zeit dient in der Physik eigentlich nur zur Nummerierung der Ereignisse: Schön geordnet sitzen sie nebeneinander auf der Zeitachse. Das Jetzt ist allenfalls ein wandernder Punkt, der den Zeitstrahl entlangfährt und kennzeichnet, was gerade aktuell passiert. Und wie schnell wandert dieses Jetzt? Natürlich mit einer Sekunde pro Sekunde – und schon ist man wieder bei der Erkenntnis des Philosophen McTaggart: »Man kann Zeit nicht erklären, ohne Zeit vorauszusetzen.«




Die dichteste Annäherung der Physiker an das Jetzt ist der Begriff der Gleichzeitigkeit. Wenn zwei Dinge an unterschiedlichen Orten gleichzeitig passieren, verfügen zumindest diese beiden Orte über dasselbe Jetzt. Die entscheidende Frage ist daher, physikalisch gesehen, wie es gelingen könnte, zwei räumlich voneinander entfernte Uhren zu synchronisieren. Indem er eine Antwort auf diese Frage suchte, entdeckte Einstein die Spezielle Relativitätstheorie – und warf dabei unsere Vorstellungen von Zeit und Gleichzeitigkeit über den Haufen.



Nach der Speziellen Relativitätstheorie gibt es absolute Gleichzeitigkeit praktisch nicht mehr. Zwei Ereignisse, die an weit voneinander entfernten Orten stattfinden, lassen sich nämlich nur dann in eine zeitliche Reihenfolge bringen, wenn ein lichtschnelles Signal vom ersten Ereignis zum Ort des zweiten Ereignisses gelangen kann, ehe das zweite Ereignis stattfindet. Nur dann ist das zweite Ereignis eindeutig später als das erste – für alle denkbaren Beobachter. Findet das zweite Ereignis statt, noch ehe die lichtschnelle Nachricht vom ersten Ereignis angekommen ist, sind die beiden Ereignisse nicht etwa gleichzeitig, sondern relativ zueinander unbestimmt. Manche Beobachter könnten sie für gleichzeitig halten; andere könnten meinen, Ereignis eins sei früher eingetreten, und wieder andere, Ereignis zwei habe früher stattgefunden.



Objektive Gleichzeitigkeit ist demnach nur möglich, wenn kein Raum zwischen beiden Ereignissen liegt: Gleichzeitig ist ein Ereignis nur mit sich selbst. Das Jetzt »verdunstet« auf un-endlich kleinem Raum und in unendlich kurzer Zeit. Vielleicht hatte Albert Einstein dies im Sinn, als er sagte: »Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.«



Auch Zen-Meister kommen zu ähnlichen Erkenntnissen. Sie berichten, wie sich im jetzigen Moment die Zeit auflöst. Zen-Meister Seppo formuliert diese Einsicht so: »Wenn du wissen willst, was Ewigkeit bedeutet – sie ist nichts weiter als eben dieser Moment. Wenn du sie nicht in diesem gegenwärtigen Mo-ment erfassen kannst, wirst du sie nie erhaschen.«



Schaut man sich unter diesem Blickwinkel das Jetzt an, so begreift man plötzlich: Das Jetzt ist das Einzige, was wirklich existiert. Hat man das erkannt, wundert man sich, wie man je etwas anderes hat glauben können. Die Zeit ist nur eine Einbildung.



Der Grund dafür ist einfach: Es ist noch nie etwas in der Vergangenheit passiert, und es wird auch nie etwas in der Zukunft geschehen. Alle Dinge geschehen in der Gegenwart. Auch die Dinge der Vergangenheit waren Gegenwart, als sie geschahen. Jetzt existiert nur noch eine Erinnerung an die vergangenen Ereignisse. Das Erinnern aber ist wieder ein Ereignis im Jetzt. Deshalb sind Gespräche über die Vergangenheit oft fruchtlos. Die Menschen können sich nicht einigen, wie die Vergangenheit wirklich war, einfach, weil es die Vergangenheit nicht gibt. Es gibt nur eine Erinnerung an die Vergangenheit – und diese Erinnerung kann bei verschiedenen Menschen sehr verschieden sein. Dasselbe gilt für die Zukunft. Zukunft existiert nur in Form von Vorstellungen, Planungen und Projektionen. Jedes Vorstellen und Planen geschieht aber im Jetzt. Die Zukunft ist so lange unwirklich, bis sie zur Gegenwart geworden ist. Bis dahin sind nur die Planungen wirklich.



Dass Zeit nicht existiert, meint auch Eckhart Tolle, Autor des Buches »Jetzt! Die Kraft der Gegenwart«. Er schreibt: »Zeit ist überhaupt nicht kostbar, denn sie ist eine Illusion. Was dir so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Es gibt sonst nichts. Die ewige Gegenwart ist der Raum, in dem sich dein ganzes Leben abspielt, die einzige Kraft, die beständig ist. Das Jetzt ist das Einzige, was dich über die Grenzen deines Verstandes tragen kann.«



Hat man das verstanden – und zwar auf eine innere Weise verstanden, die über das Verstehen mit dem Geist weit hinausgeht –, beginnt das Leben sich grundlegend zu verändern. Man spürt die Kraft des Jetzt, und es beginnt eine Transformation. Im Jetzt lösen sich alle Probleme auf, das Leiden verschwindet. Man beginnt, das Geheimnis des Buddha zu erahnen: Nichts ist wirklich schlecht; schlecht wird es erst durch die eigenen Gedanken.



Zum Beispiel fallen die Sorgen weg. Hat man wirklich begriffen, dass es keine Zukunft gibt, sondern nur Gedanken über die Zukunft, werden Sorgen zu dunklen Fantasiegebilden, über die man lachen kann. Sie verändern die Zukunft nicht, belasten aber die Gegenwart. Ein sorgenvoller Mensch verpasst die Schönheit des jetzigen Moments – und auch die Chancen, die in ihm liegen. »Sorgen sind ein Missbrauch der Fantasie«, lautet ein indisches Sprichwort.



Die Zukunft als Illusion zu erkennen heißt übrigens nicht, gedankenlos oder unvernünftig zu handeln. Wer mit dem Auto auf eine Mauer zufährt, kann absehen, dass es bald zu einem Zusammenprall kommen wird. Es ist klug, dann zu bremsen – und zwar jetzt! Platz für Sorgen gibt es dabei nicht.



Sorgen und Probleme sind Nebenprodukte unseres Verstandes, der sich ständig mit einer irgendwie gearteten »Zukunft« beschäftigt. Erst in einer Notfall-Situation, wenn der Verstand aufhört, Zukunftsprojektionen zu spinnen, bemerkt man, wie auch die Sorgen verschwinden. »Der Verstand hält an; du wirst vollkommen gegenwärtig im Jetzt, und eine unendlich viel größere Kraft übernimmt die Führung. Deshalb gibt es auch so viele Berichte von ganz normalen Leuten, die plötzlich unglaublich mutig handeln konnten. In einem Notfall überlebst du, oder du überlebst nicht. Wie auch immer, es ist kein Problem«, schreibt Autor Tolle.



Damit sagt er genau das, was vor ihm Eingeweihte aus vielen Religionen gesagt haben. So fordert Jesus die Gläubigen auf, im Jetzt zu leben: »Sorgt euch nicht um euer Leben ... Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen.« Der christliche Mystiker Meister Eckhart (um 1260 – um 1328) schrieb: »Zeit ist das, was das Licht von uns fern hält. Es gibt kein größeres Hindernis auf dem Weg zu Gott als die Zeit.« Dasselbe erkannte der persische Sufi-Dichter Mevlana Jelaluddin Rumi (1207 – 1273): »Vergangenheit und Zukunft verbergen Gott vor unserer Sicht; verbrenne beide mit Feuer.«



Es gibt keine andere Zeit außer diesem Augenblick.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
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BeitragVerfasst am: 26 Feb 2015 - 17:15:13    Titel:

Wie vergeht die Zeit und was beeinflusst unser Zeitempfinden, welcher Zusammenhang besteht zwischen gelebter Zeit und Erinnerung, fragte Autor Matthias Baxmann sich selbst und fand Antwort bei anderen:
Weil man irgendwas an einem gewissen Punkt geschafft haben möchte, sagt Johannes. Weil das Wichtigste an der Zeit für mich die Endlichkeit ist und damit auch Melancholie, Trauer, Verlust einschließt, sagt Thomas.
Kathrin empfindet Zeit als Taktung wie ein Metronom und Dagmar fühlt sich dieser Frage nicht gewachsen.

Paul meint: Vielleicht ist es dieses intensive Spüren von etwas, diese Momenthaftigkeit. Zeit, der gelebte und zugleich bewusst erfahrene Augenblick - etwas, das uns nicht immer gelingt.

(Anm.: Weil wir gelernt haben imm er an MORGEN zu denekn, statt unser vergangenes reiches Leben nochmal (Multi-) Revue passieren zu lassen ....)
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/ein-nachdenken-darueber-wie-die-zeit-vergeht/-/id=8986864/did=15066866/nid=8986864/omn7ft/index.html
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2015 - 13:13:38    Titel:

"Denn was ist 'Zeit'? Wer könnte das leicht und kurz erklären? Wer vermöchte es auch nur gedanklich zu begreifen, um sich dann im Wort darüber auszusprechen? ... Was ist also 'Zeit'? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich einem Fragenden es erklären, weiß ich es nicht."
So lautete schon die inständige Klage des Augustinus im vierten Jahrhundert. Sind wir über anderthalbtausend Jahre später in unseren Erkenntnissen weiter gekommen?
Ja und nein! Die Fülle der Antworten auf jene Frage, was denn nun Zeit sei, hat unermesslich zugenommen, und dennoch sind wir so ratlos als denn zuvor: ja, je weiter wir in das Geheimnis der Zeit einzudringen scheinen, umso mehr wird das Phänomen zum Rätsel. Historisch wird unser Leben immer mehr von der Zeit bestimmt, von einer Zeit, die unser Leben einteilt, unsere Verfügbarkeit diktiert, die immer knapper wird und nicht zuletzt immer globaler. Aber nicht nur die Simultaneität der Weltzeit bestimmt unser Denken, wenn wir zum Beispiel an die Bewegungen der internationalen Märkte denken, sondern auch physikalisch ist seit der Relativitätstheorie Albert Einsteins der Zeitfaktor zum alles beherrschenden Index geworden. Und zwar interessanterweise in der doppelten Weise einer möglich gewordenen Beherrschbarkeit und einer zugleich irrational scheinenden Hyperkomplexität.
Insofern ist es kein Wunder, dass die Philosophie seit über 100 Jahren vom Thema der Zeit fasziniert ist, genauer, dass sie versucht, den allmächtigen Seinsfaktor Zeit neu und angemessener zu bestimmen. Dabei ist schon seit einiger Zeit bewusst geworden, dass man mit der Zeit ein besonderes Problem hat: Anders als der Raum, der sich in aller Stille betrachten und vermessen lässt, hat die Zeit die unangenehme Eigenschaft, ihre eigene Betrachtung zu unterminieren. Wie der Meisterdenker des Deutschen Idealismus Hegel schon feststellte, vergeht Zeit, während wir über sie nachdenken. Man kann nicht sagen: "jetzt", denn schon ist das gegenwärtige "jetzt" zum vergangenen "jetzt" geworden. Zeit vergeht, aber sie dauert auch an: Ein Paradox, das der französische Philosoph Henri Bergson zu seinem Untersuchungsfeld gemacht und in einer Reihe von einschlägigen Monografien beschrieben hat.
Ein leidenschaftliches Buch
Henri Bergson, in Paris 1859 geboren und 1941 gestorben, ist heutzutage immer noch ein Geheimtipp. Seine Philosophie, die zu ihrer Zeit einen außergewöhnlichen Einfluss auf die avantgardistische Kunst und Literatur ausübte, ist nachträglich unter dem missverständlichen Label der Lebensphilosophie zu einem Ladenhüter verkommen, an dem die Zeitströmungen eher vorbei gehen. Der politische Missbrauch des Lebensbegriffs und vor allem die Rezeption der für Bergson einflussreichen Philosophie Nietzsches durch die faschistische Ideologie hat viele Zugangsmöglichkeiten verschüttet. Erst neuerdings erlebt das Werk des seinerzeit in der Pariser Gesellschaft vergötterten Denkers eine Renaissance: In Frankreich hat man damit begonnen, alle Werke in aufwendig gestalteten kritischen Ausgaben neu zu editieren, und auch in Deutschland geht man daran, die Hauptwerke neu zu übersetzen.
Bei dem 1922 erschienenen Buch "Dauer und Gleichzeitigkeit" handelt es sich sogar um eine Erstübersetzung. Erst fast 100 Jahre später reagiert der deutsche Sprachraum auf die bedeutende Konfrontation der Zeittheorie des Philosophen Bergson mit der Revolution des Zeitraums durch den Physiker Albert Einstein. Für Bergson war diese Differenzierung von entscheidender Bedeutung: Er verstand seinen Beitrag niemals als Einmischung in den Wahrheitsfindungsprozess der Physiker, sondern immer als Markierung einer Differenz, in der sich die Stimme der Philosophie als Kommentar zu diesen szientifischen Setzungen kritisch zu positionieren habe. Insofern ist Bergsons Buch ein leidenschaftliches Buch für ein philosophisches Verständnis von Zeit unter Berücksichtigung der physikalischen Einsichten von Einsteins Relativitätstheorie.
Was bedeutet das?
Bergsons Kritik am Zeitdenken seiner Epoche läuft immer wieder auf die Zusammenführung von Zeit und Dauer hinaus. Traditionellerweise wird Zeit als ein Vergehen, als das Nacheinander von Zeitpunkten gedacht, deren Vergänglichkeit jeder Dauer einen klaren Abschied erteilte. Aber genau diese Dauer war für Bergson der Angelpunkt, an dem die sukzessiven Punkte des Zeitflusses im Gedächtnis unseres inneren Bewusstseins zu einer Kontinuität und Simultaneität verschmelzen. Dieses Fließen des Zeitstromes, bei dem sich das Vorher in ein Nachher verlängert, vereinigt die beiden Aspekte der Dauer und der Veränderung eines Werdens, das von der wissenschaftlichen Zeitmessung dagegen in Momentaufnahmen zerlegt wird. Insofern versteht sich Bergson als Revolutionär, der erstmals versucht, Zeit als Zeit zu denken und nicht als Raum in Form einer unterteilten Linie oder messbaren Strecke, wie es die Philosophen vor ihm taten:
"Keine Frage ist von den Philosophen stärker vernachlässigt worden als die nach der Zeit; und dennoch sind sich alle darin einig, sie für grundlegend zu erklären. Dabei stellen sie zunächst Raum und Zeit auf dieselbe Ebene; und wenn sie dann das eine eingehend untersucht haben (und das ist im Allgemeinen der Raum), überlassen sie es uns, das andere ebenso zu behandeln. Auf diese Weise erreichen wir aber nichts. Die Analogie zwischen Zeit und Raum ist im Grunde genommen ganz äußerlich und oberflächlich. Sie beruht darauf, dass wir uns des Raumes bedienen, um die Zeit zu messen und zu symbolisieren. Wenn wir uns also ihr zuwenden, wenn wir für die Zeit Eigenschaften suchen wie die des Raumes, dann bleiben wir beim Raum stehen, beim Raum, der die Zeit verdeckt und der sie unseren Augen bequem darstellt: Wir stoßen nicht bis zur Zeit selbst vor."
Dem physikalischen Diskurs seine Grenzen aufzeigen
Zur Veranschaulichung dieses Fließens der Zeit greift Bergson gern zu einem musikalischen Beispiel, der Melodie. Auch bei ihr hören wir einzelne Töne, aber erst im Verschmelzen erkennen wir die Melodie. Und hier zeichnet sich der Unterschied zur Physik Einsteins ab, die Bergson zwar als Bestätigung seiner Zeitkonzeption sieht, deren metaphysische Tragweite als Rechenexperiment er aber in Zweifel zieht. Denn auch die Relativitätstheorie rechnet bei der Bestimmung der Gleichzeitigkeit von chronologischer Zeit und absoluter Zeit der Lichtgeschwindigkeit mit Zeitpunkten. Für Bergson ist die Dauer aber undurchdringlich und unteilbar, ohne Zeitpunkte, durch deren Einführung vielmehr all die Paradoxe der Relativitätstheorie entstehen. Wie zum Beispiel die vierte Dimension, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nebeneinander zu liegen scheinen. Aber das sind virtuelle Vorstellungen des Geistes, mathematische Berechnungen einer wieder verräumlichten Zeit, die das wirkliche Werden nicht erfasst:
"Indem man dem Raum, in dem man sich befindet, eine Dimension hinzufügt, kann man sich zweifellos anhand eines Dinges in diesem neuen Raum einen Prozess oder ein Werden vorstellen, die man in dem alten festgestellt hat. Aber da man das, was man als im Entstehen begriffen wahrnimmt, durch etwas fertig Entstandenes ersetzt hat, hat man einerseits das der Zeit innewohnende Werden eliminiert und andererseits die Möglichkeit einer unendlichen Menge anderer Prozesse eingeführt, durch die das Ding ebenso gut hätte konstruiert werden können."
Was Bergson also der Relativitätstheorie vorwirft, ist diese Verwechslung der virtuell unterstellten oder experimentell berechneten Zeit mit der wirklich gelebten Zeit. Das macht Bergson an vielen Beispielen deutlich wie etwa der Reise in einer ins Weltall geschossenen Kanonenkugel, bei der man weniger schnell altern soll als auf der Erde. Denn das ist nur eine Rechenzeit, während man in der wirklichen, durchlebten Zeit immer dem gleichen Alterungsprozess unterworfen bleibt. Für die kosmische Zeit der interstellaren physikalischen Verhältnisse ist die Relativitätstheorie unhintergehbar. Für das irdische Leben unserer Weltzeit bleibt sie ohne Relevanz. Aber es geht letztlich nicht um eine Entscheidung, ob nun Bergson oder Einstein recht behält. Bergson kommt es in bester kritischer Tradition der Philosophie darauf an, dem physikalischen Diskurs seine Grenzen aufzuzeigen. Und das tut er in einer so lebendigen Sprache, dass ihm 1927 dafür der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.
Horst
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Beiträge: 112
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BeitragVerfasst am: 27 Jul 2016 - 12:22:00    Titel:

Multivista hat folgendes geschrieben:
Wie vergeht die Zeit und was beeinflusst unser Zeitempfinden, welcher Zusammenhang besteht zwischen gelebter Zeit und Erinnerung, fragte Autor Matthias Baxmann ...

Die Zeit als solche und unserer Zeitempfinden sind zwei Paar Schuhe, die nur miteinander verwandt sind. Mit der Zeit als Dimension mögen sich Physiker auseinander setzen, mit dem Zeitempfinden hingegen Psychologen. Philosophen können sich hingegen mit beiden beschäftigen, dennoch dabei nicht vergessen, der Mensch nimmt die Zeit nur deshalb wahr, wie er sie wahrnimmt, weil er über eine konstante Körpertemperatur verfügt und keinen Winterschlaf hält, während dem neben den Stoffwechselprozessen auch die Wahrnehmung heruntergefahren wird. Würden wir zu den Winterschläfern oder gar zu den wechselwarmen Lebensformen gehören, würden wir die Zeit mit Sicherheit völlig anders wahrnehmen.
Doch auch die Wahrnehmung der Zeit ist noch kein Zeitempfinden bzw. diesem nicht unbedingt gleich. Eine Empfindung wird vorausgesetzt, um eine Wahrnehmung folgen zulassen, wobei Empfindungen bis zur Auslösung von Wahrnehmungen in den Bereich der Neurowissenschaften fallen. Letztendlich führt es zumindest zu weiteren Unterscheidungen bei der Entstehung eines Zeitgefühls: http://www.wolkengold.de/lebenszeit/zeitgefuehl-entstehung.htm

Multivista hat folgendes geschrieben:
Physiker sagen, dass das Jetzt nicht existiert. Sportler sagen, sie könnten es nach Belieben ausdehnen.

Physiker mögen damit richtig liegen, doch Psychologen sagen, die gefühlte Gegenwart dauert im Durchschnitt 3 Sekunden. Nun können sich die einen ihre Dimension betrachten und die anderen das Zeitgefühl des Menschen, letztendlich könnten beide sich fruchtlos streiten oder erkennen und akzeptieren, dass es Unterschiede zwischen Dimensionen und Wahrnehmungen gibt. Ob Sportler Augenblicke nach Belieben ausdehnen können, halte ich für fragwürdig. Richtig ist, dass unter Sportlern ein gewisser Zeitlupeneffekt nicht unbekannt ist.

Im Zusammenhang mit dem Zeitlupeneffekt gehen Psychologen bislang noch davon aus, dass wir in Gefahrensituationen oder bei einer konzentrierten Vorbereitung auf eine Aktion eines Gegenspielers mehr Informationen als üblich innerhalb eines Zeitraumes von einer Sekunde oder weniger aufnehmen und auswerten, wodurch uns diese Sekunde gefühlt länger erscheint, somit in der Wahrnehmung gedehnt wird. Dass es sich so verhält, habe ich für meinen Teil bei einem Auffahrunfall erlebt. Streiten tun sich die Psychologen nur noch darüber, ob diese Dehnung erst in der Erinnerung erfolgt oder im "Jetzt". In Gefahrensituationen tendiere ich zum "Jetzt", denn nur dort hätte eine Dehnung aus evolutionsbiologischer Sichtweise einen Vorteil gebracht, um uns eventuell doch noch durch Reaktion einer Gefahr auszuweichen.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 27 Jul 2016 - 14:02:39    Titel:

Meien Frage waere noch:

Es gibt Vergangenheit.

Gehen wir davon aus, dass es in Zukunft auch noch genug Zukunft gibt.

Was ist mit der Gegenwart?

Gibt es sei?

Denn auch wenn ich etwas "Jetzt" denek, ist es schon wieder vergangen....

https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Zeit&f_autor=257_Augustinus+Aurelius
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