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Versuchter Mord durch Unterlassen
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Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 28 Apr 2010 - 15:46:51    Titel:

Scrattor hat folgendes geschrieben:
Schön schematisch aufgebaut ergibt sich folgende Prüfungsreihenfolge... oder etwa nicht?


1. Vorprüfung
a) Fehlende Vollendung
b) Strafbarkeit des Versuchs

2. Tatentschluß
Vorsatz auf alle Voraussetzungen des
unechten Unterlassungsdeliktes:
a) Erfolgseintritt
zudem beim Mord Vorsatz diesbezüglich
aa) Tatentschluss bezuglich der Tötung
bb) Tatentschluss bezuglich eines tatbezogenen Mordmerkmals
cc) Taterbezogenes Mordmerkmal

b) Nichtvornahme der zur Erfolgsabw. objektiv erforderlichen Handlung
c) Kausalität
d) Physisch-reale Möglichkeit
e) Garantenstellung
f) Abgrenzung Täterschaft/Teilnahme
g) Entsprechungsklausel

3. Unmittelbares Ansetzen beim unechten Unterlassungsdelikt
a) Verstreichenlassen der ersten Rettungsmöglichkeit
(Theorie des erstmöglichen Eingriffs)
b) Verstreichenlassen der letzten Rettungsmöglichkeit
(Theorie des letztmöglichen Eingriffs)
c) Alternativformel
d) Stellungnahme

4. Rechtswidrigkeit

5. Schuld

6. Rücktritt § 28 I
a) Differenzierung zwischen beendetem und unbeendetem Versuch
b) Stets beendeter Versuch
c) Relevanz

Oder etwa nicht?
MfG

Scrattor


Perfekt, würd ich sagen Wink . Allerdings Rücktritt und die verschiedenen Meinungen beim unmittelbaren Ansetzen nur ansprechen, wenn problematisch.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 28 Apr 2010 - 15:49:29    Titel:

I-user hat folgendes geschrieben:
Unterlassene Hilfeleistung würde ich noch verstehen, Beihilfe durch Unterlassen kenne ich auch. Aber (Mord-)Versuch durch unterlassen - wie geht das denn? Rolling Eyes


Versuchter Mord durch Unterlassen? Natürlich geht das, Klassiker im Straßenverkehrsrecht (Täter begeht Straßenverkehrsdelikt und lässt Opfer in Verdeckungsabsicht liegen, Opfer überlebt).
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 28 Apr 2010 - 15:50:46    Titel:

Scrattor hat folgendes geschrieben:

6. Rücktritt § 28 I
a) Differenzierung zwischen beendetem und unbeendetem Versuch
b) Stets beendeter Versuch
c) Relevanz


Kannst du das grad mal etwas näher erläutern?
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 08.09.2008
Beiträge: 2295
Wohnort: Karlsruhe, Residenz des Rechts

BeitragVerfasst am: 28 Apr 2010 - 19:48:40    Titel:

wobei dieser fall natürlich streitig ist Wink
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 29 Apr 2010 - 03:21:38    Titel:

Ist aber der Hauptanwendungsfall, wo man dieses Thema diskutieren muss, mit vielen Problemen (wenn noch dolus eventualis hinzukommt).
Scrattor
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Anmeldungsdatum: 16.03.2009
Beiträge: 27
Wohnort: Tübingen

BeitragVerfasst am: 29 Apr 2010 - 11:13:30    Titel:

@Marina85

Also die Rücktrittsproblematik beim Versuch des unechten Unterlassungsdelikt lässt sich leider nicht in ein paar Zeilen erklären. Aber ich kann ja erläutern was dieser Punkt 6) genau zu bedeuten hat.

Liegt ein Begeungsdelikt vor, so kann der Täter nach § 24 I 1 1. Fall vom unbeendeten Versuch zurücktreten, indem er einfach die Tat freiwillig aufgibt. Es reicht also wenn der Täter einfach gar nicht weiter handelt.

Beim Unterlassungsdelikt funktioniert das so natürlich nicht. Liegt eine Tatbegehung durch Unterlassen vor, so muss der Versuchstäter für einen Rücktritt immer aktiv werden und den Erfolgseintritt zu verhindern suchen.

Daher stellt sich die Frage, ob die Unterscheidung zwischen unbeendetem und beendetem Versuch entbehrlich ist.

Eine Meinung differenziert:
Hierbei ist ein Versuch unbeendet, wenn der Täter durch Nachholen der gebotenen Rettungshandlung den Erfolgseintritt verhindern kann. Tut er dies ist er zurückgetreten.

Ist der Versuch schon beendet, so muss er mehr als die von anfang an gebotene Handlung vornehmen um den schädlichen Erfolg doch noch abwenden zu können.

Die andere Meinung hingegen nimmt immer einen beendeten Versuch an.

Das bedeutet natürlich, dass nach Meinung zwei vom Täter u.U. mehr für die Erfolgsabwendung verlangt wird als nach der ersten Meinung.

Relevant wird diese Unterscheidung v.a. in Irrtumsfällen. Daher Punkt c).

So, wenn A bspw. irrig annimmt ihr Kind - welches sie verhungern lassen wollte - doch noch dadurch retten zu können indem sie ihm etwas Brei zu essen gibt, aber in Wirklichkeit eine Rettung nur durch künstliche, stationäre Ernährung möglich ist.
Hier macht es natürlich einen Unterschied ob ein beendeter oder unbeendeter Versuch vorliegt...


So hoffe alle Klarheiten beseitigt zu haben Very Happy

Gruß

scrattor
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