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Kausalität futsch bei vers. Totschlag durch Unterlassen?
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Martin_89
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Anmeldungsdatum: 07.10.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 07 Okt 2010 - 15:33:42    Titel: Kausalität futsch bei vers. Totschlag durch Unterlassen?

Hallo,

habe folgendes Problem:

Ich habe bei der Prüfung von (vollendetem) Totschlag durch Unterlassen die Quasi-Kausalität verneint, weil nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststand, dass ein Verletzter gerettet worden wäre, wenn X den Notruf betätigt hätte (obwohl die Wahrscheinlichkeit relativ hoch war, aber eben nicht (fast) sicher).

Jetzt, in der Versuchsprüfung, hänge ich an dem gleichen Problem, aber irgendwie fände ich es unbefriedigend, wenn X wieder ohne Bestrafung "davonkäme" (§ 323 macht auch wenig Sinn, weil er den Anderen ja selbst verletzt hat).
Dummerweise hat X die Rettungschancen aber zutreffend eingeschätzt, also dass der Andere nicht mit Sicherheit gerettet worden wäre...

Flieg ich hier aus der Versuchsprüfung raus, oder hab ich irgendwo nen Denkfehler??

Schon das vollendete Delikt wg. Risikoverringerung zu bejahen, erscheint mir zu heikel...

Bitte um Hilfe!!
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 2295
Wohnort: Karlsruhe, Residenz des Rechts

BeitragVerfasst am: 07 Okt 2010 - 17:01:11    Titel:

er weiß, dass ein notruf nicht mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit erfolgreich wäre

allerdings könnte es sein, dass der notruf erfolg hat
diese möglichkeit nimmt er billigend in kauf, er geht ja nicht davon aus, dass eh keine rettungsmöglichkeit mehr besteht
also müsste er im endeffekt eventualvorsatz im hinblick auf die kausalität haben

aber so ganz stimmig ist es noch nicht
denn er nimmt ja nicht billigend in kauf, dass der erfolg mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit ausgeblieben wäre, sondern lediglich, dass er ausgeblieben wäre

das muss aber reichen
dieses an sicherheit grenzend zieht man ja nur heran, weil man nie sicher sein kann, was passiert wäre wenn
aber eigentlich ist es ja doch als normale kausalität anzusehen
wenn er angerufen hätte, wäre er gerettet worden

das ist objektiv nicht der fall
aber der täter nimmt einen solchen hypothetischen kausalverlauf billigend in kauf, hat also vorsatz
Martin_89
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Anmeldungsdatum: 07.10.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 07 Okt 2010 - 17:35:18    Titel:

Danke erstmal für die Antwort!!

Aber wonach frage ich bei der Kausalität im Tatentschluss eigentlich?
Das ist mir noch nicht so ganz klar...

Ob der Täter vorsätzlich bzgl .....ja was eigentlich......gehandelt hat?

..bzgl. des Verstreichenlassens des Notrufs, der möglicherweise doch den Anderen gerettet hätte?

Das ist Käse, ich weiß...
Das mit dem Verstreichenlassen ist ja auch eher unmittelbares Ansetzen, oder?

Könntest Du´s noch mal erklären Ronnan, irgendwie raff´ ich nicht, was Du mir erklären wolltest Embarassed

Die Chance, dass er bei Absetzen des Notrufs gerettet worden wäre, ist ja sogar sehr groß, also hält der X das sogar für wahrscheinlich??
Und dass er trotzdem keinen absetzt ist dann quasikausal für ..ähh.. da wären wir wieder, für was? Den Erfolgseintritt? Den prüfe ich ja normalerweise gerade nicht im Versuch..

Also dieses ganze Vermischen von Unterlassen und Versuch verwirrt mich total!!!!

So langsam glaub ich, ich hätte doch besser beim vollendeten Delikt die Risikoerhöhungslehre bejaht...aber das ist bei nur "großer Wahrscheinlichkeit" zu heikel, oder? Was meinst Du?
Ronnan
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Anmeldungsdatum: 09.09.2008
Beiträge: 2295
Wohnort: Karlsruhe, Residenz des Rechts

BeitragVerfasst am: 08 Okt 2010 - 00:07:57    Titel:

"Zum Unterlassungsvorsatz gehört jedenfalls das Bewusstsein möglicher Erfolgsabwendung (hM); im Übrigen ist seine Struktur umstritten (vgl etwa Armin Kaufmann, Die Dogmatik der Unterlassungsdelikte, 1959, S 66, 116, 309 und v Weber-FS, S 207 [krit Hoyer, Strafrechtsdogmatik nach Armin Kaufmann, 1997, S 336, 385]; Grünwald, Mayer-FS, S 281; Spendel JZ 73, 137, 141; Puppe NK 117-119; Rudolphi SK 22-24 vor § 13; s auch Jakobs JuS 69, 485; Haffke ZStW 87, 44, 47 sowie unten 23"

"Bedingter Vorsatz (krit zur Terminologie Roxin AT I 12/24) kommt nur in Frage, wenn der Täter handelt (mit unbedingtem Handlungswillen, GA 63, 147), obwohl er die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält (vgl 1Cool; beim unechten Unterlassungsdelikt kann sich diese Vorstellung auch auf die Ursächlichkeit (12 vor § 13) beziehen, so dass der Täter nicht anzunehmen braucht, die „von ihm erwartete Handlung (werde) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den strafrechtlichen Erfolg verhindern“ (so mißverständlich bei Dallinger MDR 71, 361 mit krit Bespr Herzberg MDR 71, 881, Ulsenheimer JuS 72, 252 und Spendel JZ 73, 137, 141)."

§15, 7, 23 lackner/kühl
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