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3-Fach-Bachelor
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markusob
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Anmeldungsdatum: 09.06.2005
Beiträge: 601

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2011 - 22:58:27    Titel:

Geisteswissenschaftler wissen nicht mal unbedingt viel über ihr eigenes Fachgebiet. Denn geisteswissenschaftliche Studiengänge sind so aufgebaut (zumindest war das so vor der Bologna-Reform), dass sie nur sehr wenig verbindlich vorgeschriebene Lehrinhalte haben. Schon ab dem zweiten Semester wird fast ausschließlich exemplarisch gelernt. Die angebotenen Themen wechseln immer wieder und je nach Wahl der Seminare kann ein Absolvent was ganz anderes gelernt haben als ein zweiter. Für Veranstaltungen, die einen größeren Überblick über bestimmte Teilgebiete geben, werden meist nicht mal Leistungspunkte vergeben. Es wird erwartet, dass man sie freiwillig zusätzlich besucht. Von daher zeichnet sich der Geisteswissenschaftler dadurch aus, dass er im Grunde gar kein großes Überblickswissen hat, sondern ins Detail schaut und einige wenige Aspekte im Studium sehr ausführlich behandelt hat. Auch schon daran erkennt man, dass die Studiengänge nicht für eine Berufstätigkeit in der Wirtschaft konzipiert sind, sondern für Forschung und Lehre. Für Leute, die nur ein beruflich orientiertes Studium kennen, hört sich das bizarr an. Aber es ist so.

Mit "Abfall" meinte ich, dass ich es schade finde, wenn gute Abiturienten durch solche Studiengänge, die von Unis zwar in größerer Zahl angeboten werden, für die es aber keinen nennenswerten Arbeitsmarkt gibt, "entsorgt" werden. Wenn man so etwas studiert, ist man praktisch tot für den Arbeitsmarkt. Wirklich, ich habe es selbst erlebt. Ich hatte ein gutes Abi und mit einem solchen Studium bin ich nur überall dumm angeschaut worden und in Vorstellungsgesprächen behandelt worden, wie wenn ich zu nichts nutze wäre. Daraufhin habe ich abgebrochen, weil der Abschluss mir nichts gebraucht hätte, nur noch mehr Zeit vergedeutet hätte.

@ Kognitive Dissonanz

Warum glaubst du den Darstellungen des Arbeitsamts? Glaubst du nicht, dass hinter den positiv klingenden Beschreibungen eine Menge Schönfärberei steckt? Wie will man die Arbeitslosigkeit von GS überhaupt genau messen? Und dir ist schon klar, dass man nicht von den Zahlen älterer Kohorten auf die Situation von Absolventen schließen kann? In den 70ern hat der Staat noch viele GS aufgenommen (sei es in Schulen, Ämtern oder an der Uni). Auch die Chancen bei Zeitungen und Verlagen waren damals noch wesentlcih größer. Vor fünf Jahren gab es viele Berichte über "Generation-Praktikum". Die Opfer endloser unbezahlter Praktika waren oft GS. Aber du glaubst ja lieber der Statistik mit den 2.600 €.

Dass ein Naturwissenschaftler wie dein Dipl. Biologe in quantitativen BWL-Bereichen Chancen auf einen Quereinstieg hat, ist nichts Neues. Das hat mit der Situation des GS aber nichts zu tun. Der hat nichts quantitatives zu bieten, nur "Informationsmanagement" und solche weichen Fähigkeiten, die jeder Studienabsolvent mitbringt.

Für mein Referat zum Thema "Gliederung Jahresabschluss" habe ich über mehrere relevante Gesetze hinweg über 50 Einzelnormen gefunden (wir sprechen hier nur von Primärliteratur, Sekundärliteratur wie Lehrbücher, Kommentare, Handbücher sind da gar nicht mitgerechnet) - und das für ein Thema, das einen Umfang von nur 8-10 Seiten haben soll. Ich denke daher nicht, dass BWLer in Sachen "Informationsmanagement" hinter Historikern oder Germanisten zurückstehen. In jedem Studium wertet man Literatur aus, überlegt sich, wie man den Stoff darstellen soll, abstrahiert, entscheidet, was man weglässt, was unbedingt rein muss, und versucht einen "roten Faden" für das Thema zu entwickeln. Da unterscheidet sich das BWL-Studium nicht vom Germanistikstudium. Das Problem für den Germanisten oder Historiker ist nur das, dass der BWLer sich schon im Studium ausführlich mit Stoff bechäftigt hat, der für den Beruf relevant ist, der GS aber nicht. Wenn jetzt der GS in der Bewerbung angibt, dass er gut im Informationsmanagement ist, dann wird das bei Firmen nur ein müdes Lächeln hervorrufen.
Kognitive Dissonanz
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Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 216

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2011 - 23:42:44    Titel:

bimbo_nr_1 hat folgendes geschrieben:
Und hier stimme ich mit dir überein, sowas ist in der Tat möglich. Wirtschaft ist kein komplexes Ungetüm, dass man ohne entsprechendes Studium nicht beherrschen kann. In erster Instanz werden Persönlichkeiten gesucht von Arbeitnehmern. Dein Finanzberater ist wahrscheinlich wegen seiner Persönlichkeit, seiner Auffassungsgabe, Lernfähigkeit usw dort gelandet wo er ist. Vielleicht hat auch der Doktortitel dazu beigetragen. [...] Natürlich kann man aufgrund seiner Persönlichkeit im Dienstleistungssektor und manchmal auch in der Industrie unterkommen.
Danke! Endlich kommen wir mal zu einem Konsens. Dies ist das erste mal, dass überhaupt diese Möglichkeit in diesem Thread hier eingeräumt wurde.
Zitat:
Ich sage nur man solle nicht blauäugig sein, sich z.B. doch halbwegs zielgerichtet für eine Zeit nach dem Studium vorbereiten und diese Fächer auch wirklich aus Überzeugung studieren.
Hier stimme ich dir auch vollkommen zu! Deshalb sagte ich, man muss immer auch selber mit den Konsequenzen leben, d.h. als Geisteswissenschaftler muss man halt mehr Praktika machen und sich eventuell mehr extracurriculares Wissen aneignen um für die Zeit danach gewappnet zu sein.
Zitat:
Und meinst du Geisteswissenschaftler haben es in anderen Ländern wie der UK oder Amerika soviel leichter wenn sie nicht zu den besten 10 % des Jahrgangs gehören oder ihren Abschluss nicht an Instituten wie Yale oder Harvard gemacht hat?
Ja, das meine ich. Ich bin da gewesen, habe mit den Leuten gesprochen und zumindest in Großbrittannien ist es unter den Stundenten gängiges Credo: das Fach ist irrelevant, solange du einigermaßen gute Noten hast. Ich habe dort sogar mit jemandem gesprochen, die Viking Studies gemacht hat, also Wikingerstudien. Woanders in England kann man einen Master nur über Shakespeare machen. Und wenn man die Leute fragt, ob sie sich keinerlei Gedanken über die Zukunft machen, gucken die einen nur mit einem großen Fragezeichen an und fragen ganz verwirrt: Wieso? Der Arbeitsmarkt ist dort viel flexibler als hier. Und wenn du hier ins Bwl-Forum blickst, wirst du wiederholt auf die Aussage stoßen, dass man eigentlich das wenigste aus dem Studium braucht und man das wichtigste sowieso im Betrieb lernt. Daraus folgt für mich, dass das andere auch können.
Zitat:
2600 Euro als Durchschnittslohn ist ja auch schön und gut aber es sagt nichts darüber aus, wie die Berufseinsteiger darstehen. Und darum geht es ja, um Leute die JETZT mit dem Studium anfangen oder dabei sind, die sind nämlich alle erstmal Berufseinsteiger.
Nur ein Einschub: in der Tabelle von xmisterdx sind die 2600€ explizit für Berufsanfänger (Stand 2009). Sie scheint also das anzugeben, was du möchtest.
Kognitive Dissonanz
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Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 216

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 00:21:19    Titel:

markusob hat folgendes geschrieben:
Warum glaubst du den Darstellungen des Arbeitsamts?
Weil ich nichts besseres habe und die Daten der Arbeitsagentur mit den sonstigen Daten z.B. der HIS-Studie hier übereinstimmen. Ich habe schlicht und ergreifend keinen überzeugenden Grund davon auszugehen, dass zwei oder drei Forenteilnehmer mehr und bessere Informationen haben als die Arbeitsagentur, und diese Forenteilnehmer haben sich bisher nicht durch die Angabe von Quellen berühmt gemacht, die ihre Positionen untermauern würden.

Die Arbeitsagentur hat keinen Anreiz die Situation der Geisteswissenschaftler schön zu reden, im Gegenteil! Wenn du darüber kurz nachdenkst, wirst du das auch feststellen. Wäre es der Verband deutscher Germanisten, wäre das ja was anderes. Aber es ist eine unabhängige Institution und grade diese Institution verfügt über die besten Daten die wir haben. Warum sollte ich Meinungen für besser halten, die mit realen Daten konfligieren?

Zitat:
Die Opfer endloser unbezahlter Praktika waren oft GS. Aber du glaubst ja lieber der Statistik mit den 2.600 €.


Jetzt muss ich dich schocken: ich glaube nicht an eine Zunahme unbezahlter Praktika. Dies konnte mit keiner einzigen Statistik gezeigt werden. Insbesondere die HIS-Studien haben versucht dies zu tun, sind aber gescheitert. Generation Praktikum ist ein Mythos, in die Welt gesetzt von Studenten, die schlicht und ergreifend gut organisiert waren und den Gesetzgeber zum Handeln zwingen wollten, und den Medien, die unbedingt eine Story brauchte. Statistisch gibt es diese Generation nicht.

Wenn du eine bessere Gehaltsstatistik findest, präsentiere sie bitte. Bis ich eine andere / bessere Quelle habe, muss ich mich doch an die mir zur Verfügung stehenden Informationen halten. Sonst passiert es schnell, dass man seinen Vorurteilen unterliegt, und grade wir Akademiker sollten doch versuchen unsere Vorurteile entweder mit Evidenz zu bekräftigen oder angesichts anderslautender Evidenz diese aufzugeben.

Zitat:
Ich denke daher nicht, dass BWLer in Sachen "Informationsmanagement" hinter Historikern oder Germanisten zurückstehen. In jedem Studium wertet man Literatur aus, überlegt sich, wie man den Stoff darstellen soll, abstrahiert, entscheidet, was man weglässt, was unbedingt rein muss, und versucht einen "roten Faden" für das Thema zu entwickeln. Da unterscheidet sich das BWL-Studium nicht vom Germanistikstudium.


Der Unterschied ist, dass in deinen Quellen dein Wissen bereits strukturiert aufbereitet ist. Dies ist bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten nicht zwingend der Fall. Der Geisteswissenschaflter muss vielleicht einen Text über etwas vollkommen anderes lesen und findet darin Informationen für sein eigenes Thema. Es kann sein, dass er sich bei jedem Satz, den er liest, fragen muss: hat dsa überhaupt etwas mit meinem Thema zu tun? Ist das relevant? Dies ist bei dir nicht so. Du schlägst ein Buch auf, guckst im Inhaltsverzeichnis nach und findest das Kapitel deines Themas. Und, wie du richtig erkannt hast, muss der Geisteswissenschaftler ständig neue Themen erarbeiten, d.h. er ist darin recht geschult, bestens geeignet für eine Referenten-Tätigkeit.

Aber diese Diskussion ist eigentlich auch sinnlos, denn was zählt ist, dass die meisten in der Tat einen Job bekommen, d.h. der Arbeitsmarkt absorbiert sie. Ich muss schlußfolgern, dass es irgendwelche Qualitäten gibt, die sie haben. Was genau sie machen, welche Qualitäten sie haben, das weiß ich nicht, dafür sind die Daten nicht genau genug. Aber: Sie sind eben kein "Abfall". Die restlichen 7700 Personen sind nur eine Marginalie für mich. Alles schlimme Einzelfälle natürlich, aber diese Einzelfälle wußten, worauf sie sich einlassen, als sie ihr Fach gewählt haben. Ich finde 30.000 arbeiteslose IT-Fachkräfte da viel schlimmer.
bimbo_nr_1
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Anmeldungsdatum: 16.09.2007
Beiträge: 1011

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 01:07:26    Titel:

Zitat:
Danke! Endlich kommen wir mal zu einem Konsens. Dies ist das erste mal, dass überhaupt diese Möglichkeit in diesem Thread hier eingeräumt wurde.


Ich habe die Möglichkeit nicht als erstes eingeräumt. Hier wurde auch schon von anderen gesagt, dass man das nötige Wirtschaftswissen auch oft "on the job" lernen kann.

Die Sache ist nur die, dass ein Arbeitgeber auch zu einer solchen Einarbeitung bereit sein sollte. Da muss man den Personaler schon sehr beeindrucken, dass er darüber hinwegsieht.

Und je komplexer die Materie ist, desto häufiger wird nunmal Vorkenntnis erwartet. Ein Philosoph oder Germanist wird eher selten Wirtschaftsprüfer, diese Knüppelharte Prüfung bestehen in der Regel nur ein Wirtschaftswissenschaftler.


Zitat:
Ja, das meine ich. Ich bin da gewesen, habe mit den Leuten gesprochen und zumindest in Großbrittannien ist es unter den Stundenten gängiges Credo: das Fach ist irrelevant, solange du einigermaßen gute Noten hast.


Aber ich hab doch gesagt, dass nur die besten Absolventen gute Chancen hat...

Scheinbar ist der deutsche Arbeitsmarkt doch irgendwie anders als der angelsächsische. Dort ist dann egal was man gelernt hat und es zählen halt nur die Noten oder halt auch der Name der Hochschule und die Connections.

Zitat:
Und wenn man die Leute fragt, ob sie sich keinerlei Gedanken über die Zukunft machen, gucken die einen nur mit einem großen Fragezeichen an und fragen ganz verwirrt: Wieso? Der Arbeitsmarkt ist dort viel flexibler als hier. Und wenn du hier ins Bwl-Forum blickst, wirst du wiederholt auf die Aussage stoßen, dass man eigentlich das wenigste aus dem Studium braucht und man das wichtigste sowieso im Betrieb lernt. Daraus folgt für mich, dass das andere auch können.


Wie gesagt, der deutsche Arbeitsmarkt ist anders. Erzähl doch mal einen Amerikaner dass hier Leute 3,5 Jahre lang ausgebildet werden, damit die nachher bei VW am Band stehen. Dort ist das nicht üblich, trotzdem würde ich sagen dass das auch seine Vorteile haben und Facharbeiter hier auf einem ganz anderen Niveau arbeiten als angelernte Kräfte irgendwo anders.

Hier braucht man auch eine 2-3 Jährige Ausbildung um Immobilienkaufmann zu werden. In den Staaten kann man innerhalb eines halben Jahres Real Estate Agent werden.

Hier braucht man für das Leiten eines Handwerksbetrieb einen Meister oder Technikerbrief.Anderswo kriegt der, der geschickt ist und gute Arbeit liefert den Job.

Die Deutschen sind da doch sehr unflexibel und das ist oft auch ein gewaltiger Nachteil, wenn man so sehr auf formale Qualifikationen versteift ist. Andererseits glaube ich auch, dass dadurch auch eine gewisse Expertise standardisiert wird.

Zitat:
Der Unterschied ist, dass in deinen Quellen dein Wissen bereits strukturiert aufbereitet ist. Dies ist bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten nicht zwingend der Fall. Der Geisteswissenschaflter muss vielleicht einen Text über etwas vollkommen anderes lesen und findet darin Informationen für sein eigenes Thema. Es kann sein, dass er sich bei jedem Satz, den er liest, fragen muss: hat dsa überhaupt etwas mit meinem Thema zu tun? Ist das relevant? Dies ist bei dir nicht so. Du schlägst ein Buch auf, guckst im Inhaltsverzeichnis nach und findest das Kapitel deines Themas. Und, wie du richtig erkannt hast, muss der Geisteswissenschaftler ständig neue Themen erarbeiten, d.h. er ist darin recht geschult, bestens geeignet für eine Referenten-Tätigkeit.


Ich glaube es ist so, dass immer noch beide sich der Situation ausgesetzt sehen, relevanter von irelevanter Information zu trennen.

Nicht jeder Wirtschaftswissenschaftler arbeitet Stumpf nach Schema F. Im Endeffekt wird man dafür bezahlt Entscheidungen zu treffen, die für ein Unternehmen Sinn machen. Und das kann niemand, der nicht wesentliches von unwesentlichem unterscheiden kann. Zumindest wenn seine Aufgabe Mitarbeiterführung und das Entscheiden ist.

Zitat:
Die restlichen 7700 Personen sind nur eine Marginalie für mich. Alles schlimme Einzelfälle natürlich, aber ich finde 30.000 arbeiteslose IT-Fachkräfte viel schlimmer.


Arbeitslosigkeit trifft halt nicht nur eine Gruppe von Fachkräften. Durch Schaffung von Berufen wie Fachinformatiker und anderen IT Berufen und die massive Konkurrenz aus Asien und anderen billiglohnländern ist es für Informatiker recht schwer geworden, eine Stelle zu finden in der man anständig verdient und sich nicht totarbeiten muss.

Die meisten Informatikstudenten studieren auch aus Interesse, folglich würdest du ihnen ja auch nicht empfehlen, es anders zu machen.
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Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 216

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 01:32:08    Titel:

bimbo_nr_1 hat folgendes geschrieben:
Aber ich hab doch gesagt, dass nur die besten Absolventen gute Chancen hat...
Ich hatte eher den Eindruck, in UK bezieht sich das auf das "gehöre nicht zu den ganz schlechten...". Auch hier bekommt ein Betriebswirt mit 4.0 nicht so schnell einen Job.

Zitat:
Die meisten Informatikstudenten studieren auch aus Interesse, folglich würdest du ihnen ja auch nicht empfehlen, es anders zu machen.
Vor ein paar Jahren wurden noch großartige Kampagnen gestartet um die Leute zu einem Informatik-Studium zu bewegen. Plötzlich hieß es unter Schröder, dass wir Bluecards an Inder vergeben weil wir keine Informatiker haben und andere haben aufgeschrien: Kinder statt Inder! Die Debatte ist nicht allzu lange her. Die Informatiker, die jetzt arbeitslos sind, haben sich damals vielleicht auch durch die Berufschancen für dieses Studium entschieden.

Den Geisteswissenschaftlern hat man allerdings nie gesagt: "Studiert Früh- und Urgeschichte und Euch wird der Mammon später zu Füßen gelegt!" Mit anderen Worten: die Politik hat noch nie - zumindest nicht meines Wissens nach - rosige Berufsaussichten für Geisteswissenschaftler prophezeit. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass die jetzig arbeitslosen Geisteswissenschaftler am Anfang wußten, dass sie sich darum aktiv kümmern müssen was aus ihnen wird.
markusob
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Anmeldungsdatum: 09.06.2005
Beiträge: 601

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 07:36:46    Titel:

In den angelsächsischen Ländern ist das Bachelor Fach irrelevant, weil es mehr als eine Art Ergänzung zur allgemeinbildenden Schule gesehen wird als eine Berufsvorbereitung. Die Absolventen sind aber auch wesentlich jünger. Es macht einen Unterschied, ob man bis höchtens 23 Viking Studies gemacht hat und dann ernsthaft mit Berufsausbildung anfängt (über Training on the Job) oder ob man bis 25 oder 28 Viking Studies macht.

Außerdem ist in Deutschland der Zugang zu Berufen stark gesetzlich regelmentiert. Wirtschaftsprüfer kann nur werden, wer ein wirtschaftswissenschaftliches Studium oder eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat. Alle anderen werden schon vom Gesetzgeber zwangsausgeschlossen. Ich stimme zu, dass man sich Rechnungslegung auch on the job beibringen könnte. Aber dazu wird man nie die Möglichkeit bekommen, weil es an den gesetzlichen Regeln scheitert. Auch im Finanzbereich bietet die IHK nur Weiterbildungen für Leute mit kaufmännischer Vorbildung oder Studium an. Auch hier ist schon strukturell nicht vorgesehen, dass man quereinsteigt.

Aber auch in den angelsächschen Ländern ist sicher auch nicht alles so toll. Ich habe auch schon gelesen, dass dort ein 3-Fach Bachelor auch nicht so anerkannt ist wie ein 1-Fach-Bachelor mit beruflich orientiertem Fach. Die sind dort drüben schon flexibler, aber wenn man nicht wirklich gut ist, wird man wahrscheinlich als GS auch in irgendeinem eher schlechten Job landen. Da soll man sich nichts vormachen. Ewig Einarbeitungszeit wollen die Firmen dort sicherlich auch nicht finanzieren.

Ich kenne nicht alle GS Fächer und deren Methoden. Mir wäre es aber neu, dass man in einer GS Arbeit alle möglichen fachfremden Quellen zitiert. Man arbeitet hier afaik auch vornehmlich mit Primär- und Sekundärliteratur. Außerdem stimmt es nicht, dass man in einer BWL Arbeit nicht "exotischere" Quellen zitieren darf, wenn es passt, nicht unbedingt in Rechnungslegung, aber in Fächern wie Marketing oder Personal sicher schon.

Generation Praktikum nur ein Mythos. Welchen Anreiz sollten Studenten haben, diesen Mythos in die Welt zu setzen. Es ist nach "Generation Praktikum" für Studenten und Absolventen jetzt sogar schwerer geworden, Praktika zu finden, weil viele Firmen aus Angst vor schlechtem Image nicht mehr wahllos einstellen.
quatsch
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Anmeldungsdatum: 31.08.2005
Beiträge: 3493

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 10:00:41    Titel:

bimbo_nr_1 hat folgendes geschrieben:
Zitat:
bleibt du noch die Erklärung schuldig, warum die Geisteswissenschaftler überhaupt Jobs finden (mit 2600€) und warum dies in anderen Ländern auch etwas ganz normales ist.


Ich habe ja bereits gesagt, warum die noch Berufe finden. Warum sie im Schnitt 2600 Euro verdienen. Genau weiß ich das natürlich nicht aber wahrscheinlich weil die Leute die schon Jahrzehnte arbeiten, Beamte,Lehrer im öffentlichen Dienst oder halt der Wirtschaft sind und ihr auskommen haben, den Schnitt stark hochziehen, genauso wie von diesen auch die Arbeitslosenquote etwas gedrückt wird.

Die Statistik erfasst Einstiegsgehälter, ebenso gibt die zitierte HIS-Studie die Beschäftigungsverhältnisse in den ersten 5 Jahren nach dem Abschluss an. Und sie gibt "Magister" als eigene Gruppe, also keine Lehrer. Vielleicht solltest Du die Statistik mal zur Kenntnis nehmen, gegen die Du argumentierst?
Im übrigen ist es skurril zu argumentieren, das die, nicht arbeitslos sind, die arbeitslosenquote drücken. Das ist immer so. Die nicht-arbeitslosen BWLer drücken auch die Arbeitslosenquote der BWLer. Wären weniger Leute beschäftigt, wären mehr arbeitslos, das ist in allen Fächern so, aber wer beschäftigt ist, der ist eben nicht arbeitslos. Da kannst Du doch nicht kommen mit "aber wenn wir die Leute nicht zählen, die Arbeit haben, wären viel mehr arbeitslos". Ach nee, sag bloß.
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Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 216

BeitragVerfasst am: 05 Jan 2011 - 18:22:11    Titel:

Zitat:
Welchen Anreiz sollten Studenten haben, diesen Mythos in die Welt zu setzen.
Lass mich kurz überlegen: bessere Arbeitsbedingungen als Praktikanten vielleicht? Warum fordern so viele Leute einen Mindestlohn? Weil sie hoffen, später als Stelleninhaber davon bessere Bedingungen zu haben. Die Forderung nach gesetzlicher Reglementierung von Praktika sehe ich analog.

Ansonsten bin ich dieser Diskussion mittlerweile müde geworden. Es ist beinahe schon faschistoid, wie hier teilweise argumentiert wird. Es gibt Fakten, dazu zählt: Es gibt Geisteswissenschaftler mit Jobs. Fakt ist: diese machen die überwältigende Mehrheit aus. Und es gibt Behauptungen: Geisteswissenschaftler sind "Abfall". Niemand und absolut niemand kann mit Geisteswissenschaftler etwas anfangen. Geisteswissenschaftler können rein gar nichts und sind zu nichts zu gebrauchen.

Als Empiriker stelle ich fest: Behauptungen führen zu empirisch testbaren Vorhersagen über z.B. den Arbeitsmarkterfolg dieser Leute, und die Daten widersprechen diesen Vorhersagen. Ich schlußfolgere: mit den Behauptungen stimmt etwas nicht.

Und als Gegenargument höre ich immer nur: Man kann aber nur Wirtschaftsprüfer werden, wenn man sowas studiert hat. Shocked Man kann auch nur Arzt werden, wenn man Medizin studiert hat. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Behauptungen über Geisteswissenschaftler den Daten widersprechen, denn nicht für jeden Beruf zählt das im Studium erworbene Fachwissen.

So muss sich jemand fühlen, der gegen Bots anschreibt... Wie auch immer, ich habe besseres zu tun und wünsche euch alles Gute.
Schnurz321
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Anmeldungsdatum: 17.04.2010
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 06 Jan 2011 - 00:22:50    Titel:

Stimmt denn die Zahl mit den 20% Arbeitslosigkeit unter GWlern? Wenn ja, dann ist es auch Fakt, dass diese Zahl um 100% bzw. 300% höher ist als die Gesamtarbeitslosigkeit bzw. die der anderen Akademiker.
ukloiu
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Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 124

BeitragVerfasst am: 06 Jan 2011 - 00:35:54    Titel:

nein, die Zahl stimmt nicht, das ist ein running gag in diesem thread, die irgendjemand sich aus irgendwelchen statistiken auf mirakulöse art und weise zusammengerechnet hat.
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