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vollendeter und beendeter Diebstahl
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Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> vollendeter und beendeter Diebstahl
 
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21blubb12
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Anmeldungsdatum: 09.11.2009
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2011 - 15:15:32    Titel: vollendeter und beendeter Diebstahl

Hallo, ich habe ein paar fragen zum Diebstahl.

Ein Diebstahl ist vollendet, wenn alle Tatbestandsmerkmale erfüllt sind, also A die Lederjacke des B mitnimmt, weil er schon immer eine Lederjacke haben wollte.

Ein Diebstahl ist beendet, wenn A die Gaststätte mit der Lederjacke des B verlassen hat und die Jacke somit in Sicherheit ist. ?


Ein Diebstahl wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Gibt es dann einen Unterschied in den Konsequenzen, wenn ich einen Diebstahl nur vollendet und noch nicht beendet habe?

Woher weiß ich wie der Versuch bestraft wird? IM Gesetz steht nur, dass dre Versuch strafbar ist?
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2011 - 19:01:18    Titel:

Das kann zum Beispiel bei der Teilnahme einen Unterschied machen.

Wird die Beendigungsphase bei einem bestimmten Delikt anerkannt, verlängert sich auch die Tat. Man kann dann also über den Zeitpunkt der Verwirklichung der Tatbestandsmerkmale hinaus an der Tat teilnehmen.
Nimmt man einmal an, jemand verwirklicht einen einfachen Diebstahl und wehrt sich sodann, nachdem er den Besitz an der Sache hat, mit Gewalt, um sich im Besitz des gestohlenen Gutes zu erhalten. Erkannt man eine Beendigungsphase beim Diebstahl an, ist dies nun kein einfacher Diebstahl mehr, sondern ein spezieller, ein Räuberischer Diebstahl nach §§ 242 I, 252.
Sofern nun der Teilnehmer die Möglichkeit dieser Entwicklung durch den Haupttäter vorausgesehen hat, ist er nicht etwa nur Teilnehmer an einem einfachen Diebstahl, sondern Teilnahme nach §§ 242 I, 252, 27.

Anders, wenn man die Beendigungsphase ablehnt. Dann ist der Diebstahl mit Verwirklichung seiner Tatbestandsmerkmal abgeschlossen. Alles, was danach kommt, kann nur eine neue Tat sein. Dem folgend stehen §242 I und §252 als eigenständige Delikte nebeneinander. Ein Beihelfer am einfachen Diebstahl ist hier aber (sofern er nicht noch zusätzlich den Haupttäter fördert, mit Gewalt im Besitz der gestohlenen Sache zu bleiben) nicht auch Beihelfer zu §252, nur weil er ihm beim zuvor begangenen einfachen Diebstahl unterstützt hat.


Denkbar ist z.B. auch, dass das Geschehen in der Beendigungsphase noch ein schlechteres Licht auf den Täter wirft und unter diesem Gesichtspunkt berücksichtigt wird oder er erfüllt qualifizierende Merkmale in dieser Phase (die ggfls. unbeachtlich wären, wenn man das Delikt schon mit der Verwirklichung der Tatbestandsmerkmale als abgeschlossen betrachten).


Zur Strafbarkeit des Versuchs sind im StGB einige Paragraphen versteckt.
Der Versuch eines Delikts, welches im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bedroht ist (= Verbrechen), ist immer strafbar, bei Delikten mit einer niedrigeren Strafandrohung muss das Gesetz es ausdrücklich bestimmen. (Das Meiste erschließt sich aber schon beim aufmerksamen Lesen der verschiedenen einschlägigen Normen. Bei Wessels wirst de auf jeden Fall auf diese Normen hingewiesen. )


Zuletzt bearbeitet von hani125 am 15 Jan 2011 - 20:49:31, insgesamt einmal bearbeitet
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2011 - 20:33:15    Titel: Re: vollendeter und beendeter Diebstahl

21blubb12 hat folgendes geschrieben:
Woher weiß ich wie der Versuch bestraft wird? IM Gesetz steht nur, dass dre Versuch strafbar ist?

Falls sich die Frage auf den Strafrahmen bezog: Der Versuch kann (muss aber nicht) milder bestraft werden als die vollendete Tat, § 23 II StGB. Für den Strafrahmen gilt dann § 49 StGB.
21blubb12
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Anmeldungsdatum: 09.11.2009
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 17 Jan 2011 - 11:43:42    Titel:

Entspricht der vollendete Diebstahl dann einem Versuch?

MIt den Konsequenzen meine ich die S
trafbarkeit bei einem vollendeten und die
Strafbarkeit bei einem beendeten Diebstahl.
Gibt es da einen Unterschied?

Warum ist die Unterscheidung zwischen Vollendung und Beendigung so wichtig?
Darauf hab ich schon den § 78a gefunden. Gibt es weitere Gründe?
_spike_
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Anmeldungsdatum: 17.08.2010
Beiträge: 173

BeitragVerfasst am: 20 Jan 2011 - 01:46:04    Titel:

die unterschiedung zwischen vollendet und beendet ist vor allem bei der mittäterschaft wichtig und der frage einer sukzessiven beihilfe (also die frage ob eine beihilfe auch nach vollendung der tat noch zurechenbar ist!! ist halt strafrecht, da muss man über alles diskutieren Very Happy ich persönlich find die sukzessive beihilfe gelinde gesagt schwachsinn, aber das ist ein anderes thema Wink

der versuch und der diebstahl können den gleichen strafrahmen haben, normalerweise wird die strafe aber nach §49 ?(hab grad kein stgb da, aber ich glaub es ist 49) gemlidert
Didididi
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Anmeldungsdatum: 23.01.2011
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 23 Jan 2011 - 14:24:32    Titel: Vollendeter und beendeter Diebstahl

hallo 21blubb12,

ich hoffe das hilft dir.

A entwendet in einem Lagerhaus eine Microwelle. An seinem PKW bemerkt er, dass er einen Platten hat. Da kommt sein Freund F, der das gesamte Geschehen sofort erfasst un bietet dem A an, ihm mitsamt seiner Beute nach Hause zu fahren, wenn der A ihn an dem Veräußerungserlös beteiligt. Strafbarkeit der beiden.

Hier ist wie von spike erwähnt die unterscheidung zwischen vollendet und beendet sehr wichtig, da fraglich ist ob der F sich auch wegen diebstahl strafbar gemacht hat, da der A ja den Tatbestand des § 242 bereits vollendet hat, vollendung also mit verlasssen des Lagerhauses, aber noch nicht beendet hat. Beendet ist der Tatbestand wenn der A vollständig gesicherten Gewahrsam an der Microwelle hat.
21blubb12
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Anmeldungsdatum: 09.11.2009
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 24 Jan 2011 - 20:10:18    Titel:

Ja, vielen Dank für die Antworten. Die haben mir schon mal weiter geholfen.

Dann hab ich da noch eine Frage.
Gibt es bei den Folgen für einen vollendeten und einen beendeten Diebstahl außer der Strafmilderung § 49 noch einen weiteren Unterschied?
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 24 Jan 2011 - 21:02:39    Titel:

Strafmilderung nach §49? *grad am überlegen, inwiefern da Strafmilderung eine Rolle spielen könnte*

(Wir verwechseln aber jetzt nicht die Begrifflichkeit unbeendeter/beendeter Versuch mit vollendete/beendete Tat, oder? )
_spike_
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Anmeldungsdatum: 17.08.2010
Beiträge: 173

BeitragVerfasst am: 27 Jan 2011 - 18:06:32    Titel:

21blubb12 hat folgendes geschrieben:
Ja, vielen Dank für die Antworten. Die haben mir schon mal weiter geholfen.

Dann hab ich da noch eine Frage.
Gibt es bei den Folgen für einen vollendeten und einen beendeten Diebstahl außer der Strafmilderung § 49 noch einen weiteren Unterschied?


bin mir jetz nicht sicher, aber ich meine dass man bei einem vollendeten, aber nocht nicht beendeten delikt noch zurücktreten kann.
Zumindest bei Totschlag wär dies möglich, eigentlich dürft das dann ja auch auf den diebstahl zutreffen?!

@ hani125

den §49 hab ihc nru angesprochen, wegen der frage ob es zwischne vollendung und versuch einen unterschied bei der strafbarkeit gibt. da versuch wie das verbrechen bestraft werden kann, aber eben auch nach §§ 23 II, 49 I 1 gemildert werden kann
JuraHD2010
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Anmeldungsdatum: 10.03.2010
Beiträge: 500

BeitragVerfasst am: 29 Jan 2011 - 23:56:43    Titel:

nicht verwirren lassen:

unbeendeter/beendeter versuch beschreibt nur mögliche varianten eines versuchs, je nachdem ob der täter nach seiner sicht bereits alles zur erreichung des tatbestandlichen erfolgs erforderliche getan hat.

strukturell liegt in beiden fällen ein versuch vor, von dem ein rücktritt möglich ist. nur die rücktrittshandlungen unterscheiden sich (vgl. § 24): während es bei einem unbeendeten versuch genügt, dass man von der tat abstand nimmt (d.h. einfaches "Aufhören" genügt), muss der täter bei einem beendeten versuch seinen tatbeitrag aktiv rückgängig machen.

ist der tatbestandliche erfolg aber eingetreten, liegt vollendung vor. der tatbestand ist dann erfüllt, ein rücktritt ausgeschlossen. straffreiheit kann materiellrechtlich bspw. über rechtfertigungs- und/oder schuldausschließungsgründe erreicht werden, prozessualrechtlich bspw. über § 60 StGB.
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