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Kapitalkostenberechnung von dt. börsen-notierten Unternehmen
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FtotheX
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Anmeldungsdatum: 09.04.2011
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 09 Apr 2011 - 13:46:34    Titel: Kapitalkostenberechnung von dt. börsen-notierten Unternehmen

Hallo alle zusammen,

ganz am Anfang möchte ich euch erstmal danken, das Ihr euch die Zeit nehmt, und euch mein Problem anschaut.

Ich muss die Kapitalkosten der Air Berlin AG berechnen (Unternehmen war vorgegeben). Nach Vorgaben des CAPM.
Nun ergeben sich dafür folgende Formeln:

Für die Eigenkapitalkosten:

R(EK) = i(rf) + ( r(M) - i(rf) ) * ß

mit R(EK) = Eigenkapitalrendite
i(rf) = Risikoloser Zinssatz
r(M) = Rendite des Marktportfolio
ß = Unternehmens Beta in Verhältnis zum Markt

Als Vergleichsmarkt habe ich den DAX heran gezogen.
Meine bisherige Vorgehensweise:

ich habe mir die Monatlichen Kursveränderungen der Air Berlin Ag und des DAX genommen. Ungefähr so:
DAX: Air Berlin AG: Zeitraum:
-0,0825 -0,0756 Mai 06
0,0108 -0,1169 Juni 06
-0,0002 0,0428 Juli 06
0,0313 0,205 August 06
0,0247 0,0373 Sept. 06
0,0441 0,2064 Okto. 06
0,0064 -0,0716 Novem 06
0,0456 0,2321 Dezem 06
Das ganze habe ich für den Zeitraum von Mai 06 (Börsenstart von Air Berlin) bis zum Stichtag 01.03.2011 gemacht also Februar 2011.
Über die Formel für ß: Kovarianz (r(M), r(Air Berlin)
ß= -------------------------------------
Varianz ( r(M) )
Das Beta habe ich immer für 8 Monate ermittelt, da es von der Zeitspanne dem Bloomberg 250 Tages Beta sehr nahe ist.
Da habe ich als Ergebnis ß = 1,31 erhalten. Mit Risikoadjustierung laut Literatur bin ich bei ß = 1,21 gelandet.
Laut Bloomberg sollte es bei 0,95 liegen, woher also diese Abweichung. Formel für Varianz und Kovarianz habe ich aus der Literatur genutzt:

Varian =: 1 / (n-1) * (Summenzeichen von t=1 bis n) (R(t) - R*) mit R(t) = DAX rendite und R* = Arithmetisches Mittel der DAX Rendite, n=8
Kovarianz = (Summenzeichen von t=1 bis n) [(R(t)-R*)*(r(t)-r*)]/n mit r(t) = Air Berlin Rendite und r* =Arithmetisches Mittel der Air Berlin Redite.

Damit bin ich zu meinem Beta gelangt.
Den Wert für r(M) sollte man laut Definition ermitteln, durch das geometrische Mittel der DAX Werte. Dazu habe ich alle DAX Indizes mit einander multipliziert, und die x-Wurzel daraus gezogen (x= die Anzahl der DAX Werte) . Aber da bin ich auf einen Wert von 1,0029 gekommen. Was einem r(M) von 0,29% entsprechen würde. Erfahrungsgemäß liegt dieser Wert aber bei ca 10-11%. Ich kann mir diese Abweichung also nicht erklären.

Weitere Probleme bereitet mir der Risikolose Zins i(rf): Ich wäre einfach so vorgegangen:
http://www.bundesbank.de/kredit/kredit_kurse.php

Anhand dieser Tabelle habe ich mir dir Rendite einer Anleihe raus gesucht mit Top Rating, hier die deutsche Staatsanleihe. Und diese mit möglichst langer Laufzeit. Also 30 Jahre. Dazu habe ich meinen Stichtag genommen, und dort den Brutto Renditen Wert genommen. Und diesen Wert hätte ich als Risikolosen Zins genommen. Kann ich das so machen oder ist das Falsch?
Mein Tutoriumsleiter meinte, es besteht ein unterschied zwischen den beiden Risikolosen Zinssätzen in der Oben gegebenen Formel?!


Für die Fremdkapitalkosten:

So ist die Berechnung laut Literatur so durchzuführen: r(FK) = i(rf) + Spread
Wieder der Risikolose Zinssatz plus die Risikoprämie für die Ausfallmöglichkeit der Air Berlin.
Wo finde ich das Rating für Börsennotierte Unternehmen, und wie leite ich daraus die Risikoprämie ab??

Und zum Schluss die Zusamensetzung:

Nachdem ich jetzt die r(EK) und r(FK) habe. Würde ich mir die Unternehmenszusammensetzung der Air Berlin anschauen. Laut Geschäftsbericht von 2010 wäre das bei 16,67% Fremdkapital und 83, 33% Eigenkapital. Und dann den Gesamtwert des Unternehmens nehmen, und mal den Prozentsätzen und dann mal der Renditen die wir oben errechnet haben.
Bin ich da auf dem richtigen Weg?

Gibt es noch andere Sachen, die ich beachten muss?

So viele Fragen. Es wäre echt super, wenn ihr mir weiter helfen könntet Smile
Danke Ftothex
drohdeifl
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Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 11 Apr 2011 - 11:11:30    Titel:

Nimm Tageswerte. Das wird in Deinem Fall das Beta deutlich reduzieren.

Als Proxy für die risk free rate kannst Du die 10J.-Bundesanleihe (gerade bei ca. 3,5%) nehmen. Air Berlin ist m.W. weder gerated von S&P, Moody's noch Fitch.
am_dream
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Anmeldungsdatum: 11.01.2009
Beiträge: 1111

BeitragVerfasst am: 11 Apr 2011 - 23:10:11    Titel:

Gründe warum dein ß-Faktor von Bloomberg abweicht könnten sein:

1. Verwendet ihr überhaupt den gleichen Basisindex?

Wohl nicht. Wahrscheinlich legt Bloomy's den S&P 500 an und du den Dax. Dann muss die Kovarianz zwischen Markt und Air Berlin ja auch geringer sein.
Macht der Dax überhaupt Sinn? Hast du dir schon mal angeschaut wer der marginal investor ist? Die Idee ist ja, dass der Marginal Investor diversifiziert ist, deswegen interessiert ihn nur market risk. Sein market portfolio wird aber denke ich nicht der DAX sein, ich nehme eher amerikanische pension funds an. Ist der Home Bias hinreichend um den Dax als Basis zu rechtfertigen?

2. Standard error

Deine Periode ist viel zu kurz bei den Intervallen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
5 Jahre, das sind nur 60 Beobachtungen! Das ist ein Riesen standard error. Teil doch mal die Standardabweichung durch sqrt(60). Ich bin mir sicher dein Beta 95% Konfidenzintervall = ß +/- 2* stand. error ist so ungefähr 0,4-3,0. Du kannst in dem Intervall bei den Perioden keine guten Aussagen machen.
Sehr gut beobachtet von meinem freund mtobi btw!

Auch kann es zu Differenzen kommen, wenn Bloomies z.B. den S&P 500 nimmt und der dann oft zu ist während airberlin tradet wenn du kleinere Intervalle ansetzt. Das verzerrt dein Bild total, diese nontrading days.

Deshalb kannst du deinen Beta so nicht gut berechnen, die Periode ist viel zu klein. Machs doch bottom-up.
Oder einfach implizit indem du : P = D/(r-g) nach r auflöst. Die anderen Faktoren kannst du bekommen. Fraglich bloß ob die Dividenden zahlen.

Oder schau dir typische Luftfahrtunternehmen in dem Segment an. Nimm deren Ratings, insofern sie ähnliches Operating Leverage haben, und nimm dann die typische cost of equity für derart geratete Firmen.
am_dream
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Anmeldungsdatum: 11.01.2009
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BeitragVerfasst am: 11 Apr 2011 - 23:14:26    Titel:

Und was machst du da mit dem CAGR?
Wieso multiplizierst du alle Dax Werte und nimmst die Wurzel?
Das macht für mich 0 Sinn. Aber 0.
Nimm einfach Dax ((t = 11) / Dax (T = 06)) (1/5).
Das wäre für mich die compound annual growth rate.

BTW: Kauf dir doch mal nen Damodaran.
am_dream
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Anmeldungsdatum: 11.01.2009
Beiträge: 1111

BeitragVerfasst am: 11 Apr 2011 - 23:17:12    Titel:

mtobi hat folgendes geschrieben:
Nimm Tageswerte. Das wird in Deinem Fall das Beta deutlich reduzieren.

Als Proxy für die risk free rate kannst Du die 10J.-Bundesanleihe (gerade bei ca. 3,5%) nehmen. Air Berlin ist m.W. weder gerated von S&P, Moody's noch Fitch.


Watch out for those non-trading days!
drohdeifl
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Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 12 Apr 2011 - 01:13:55    Titel:

Bloomberg nimmt i.d.R. für das raw beta historical returns (60 Monate, wöchentlich) und die zugrundeliegende Korrelation basiert auf dem Hauptindex des entsprechenden Landes, in diesem Fall also DAX30. Die raw betas werden üblicherweise adjustiert mit adj beta = raw beta*(2/3) + (1/3), um den statistischen Fehler zu reduzieren. Non-trading days sind berücksichtigt.

Wenn ich das hier für das Beispiel durchrechne, komme ich auf ein Beta von ca. 0,98, also relativ fair. In der Praxis wird häufig auf die Barra "projected" Betas zurückgegriffen, um die diversen biases der historischen Betas zu vermeiden.
am_dream
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Anmeldungsdatum: 11.01.2009
Beiträge: 1111

BeitragVerfasst am: 12 Apr 2011 - 09:30:40    Titel:

Guter Beitrag mtobi.
Mein Kommentar bzgl. der nontrading days bezog sich jedoch auf seine Analyse. Die sollte er auch berücksichtigen. Wöchentliche Intervalle sind denke ich ein guter Kompromiss.

Warum ist der beta eigentlich so niedrig?
Wenn wir uns mal anschauen was denn den beta beeinflusst:

1. Art des Business:
Meiner Meinung nach ist die Billigluftfahrtbranche stark zyklisch. Airlines erwirtschaften doch ohnehin nur sehr selten einen Gewinn und wenn ja, dann in den besten Jahren! Das deutet auf einen hohen beta hin.
Allerdings stimmt es natürlich, dass die Profite der Airlines negativ mit den Ölpreisen korrelieren, die ja äußerst zyklisch sind (zumindest in den letzten Jahren). Aber den Ölpreiseffekt sollte man doch ganz gut hedgen können (OK, außer man hat auf West Texas Intermediate gesetzt Wink )
Auch Terroranschläge, Naturkatastrophen, Kriege, die i.d.R. die Wirtschaft schwächen, schwächen Airlines.

2. Operating Leverage
Müsste enorm hoch sein!
Die kaufen ja die Flugzeuge und bleiben auf den Fixkosten sitzen! Kann mir kaum ein Unternehmen mit höherem Operating Leverage vorstellen. Und das sollte den beta erhöhen.

3. Financial Leverage
Müsste doch eigentlich auf Grund der vielen schlechten Jahre relativ hoch sein.

Fazit: Eigentlich deuten alle Faktoren bis auf die negative Korrelation mit dem Ölpreis auf einen hohen ß-Faktor hin.
drohdeifl
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Anmeldungsdatum: 27.11.2006
Beiträge: 2226

BeitragVerfasst am: 12 Apr 2011 - 10:09:38    Titel:

Der Ölpreis wird immer gehedged, doch die Airlines bekommen ihn de facto nicht komplett gehedged bzw. bleiben sehr sensitiv diesbezüglich. Der CEO von Air Berlin hat im Handelsblatt vor ein paar Tagen dies noch einmal betont. Selbst habe ich es beim Auditing von der Lufthansa AG im Rahmen eines Praktikums gesehen.

Was Leverage angeht, hat Air Berlin eine Eigenkapitalquote von etwa 21%. Zudem betreibt Air Berlin, wie jede Fluggesellschaft, einen erheblichen Teil Operating Lease, d.h. kein direkter Bilanzeffekt. I.d.R. kauft eine Fluggesellschaft seltener direkt ein Flugzeug, als dass sie vielmehr Flugzeuge least und je nach Charakter des Lease-Verhältnisses müssen diese Verhältnisse u.U. als Finance-Lease klassifiziert werden (was die Fluggesellschaften nicht unbedingt mögen). Das Beta von Lufthansa bspw. liegt auch zwischen 1,0 bis 1,1.
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