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Abgeltungssteuer und Teileinkünfteverfahren.
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Feneriumpower
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Anmeldungsdatum: 12.06.2005
Beiträge: 516

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 02:14:03    Titel: Abgeltungssteuer und Teileinkünfteverfahren.

Hallo, ich lese mir gerade einiges über die Themen, Abgeltungssteuer, Halbeinkünfteverfahren, Teileinkünfteverfahren durch und habe einige Fragen dazu.

Was ist der Unterschied zwischen dem Halb- und Teileinkünfteverfahren? Ich konnte im Internet nur lesen, dass ab dem VZ 2009 das Halbeinkünfteverfahren durch das Teileinkünfteverfahren abgelöst wurde. Zudem wird 60% der Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert. Wird aber das Halbeinkünfteverfahren überhaupt noch heute angewendet? Denn in dem Buch, das ich habe, wird das nicht ganz deutlich.

Und noch etwas.
Die Abgeltungssteuer wird ja auf das Kapitalvermögen angewendet und beträgt 25 % davon. Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, WANN die Abgeltungssteuer i. H. v. 25 % und das Teileinkünfteverfahren verwendet wird. Und habe ich es richtig verstanden, dass die Abgeltungssteuer und die Kapitalertragssteuer dasselbe sind?

Ich hoffe, dass jemand so schlau ist und mir das erklären kann Smile
Rudi Carell
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Anmeldungsdatum: 20.12.2007
Beiträge: 533

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 08:09:02    Titel: Re: Abgeltungssteuer und Teileinkünfteverfahren.

Feneriumpower hat folgendes geschrieben:
Und noch etwas.
Die Abgeltungssteuer wird ja auf das Kapitalvermögen angewendet und beträgt 25 % davon. Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, WANN die Abgeltungssteuer i. H. v. 25 % und das Teileinkünfteverfahren verwendet wird. Und habe ich es richtig verstanden, dass die Abgeltungssteuer und die Kapitalertragssteuer dasselbe sind?

Ich hoffe, dass jemand so schlau ist und mir das erklären kann Smile


Zum Thema Abgeltungssteuer:
Früher gab es die Begriffe Kapitalertrags- und Zinsabschlagssteuer. Kapitalertragssteuer wurde z. B. auf bestimmte Gewinne aus Aktiengeschäften gezahlt und die Zinsabschlagssteuer auf jegliche "Zinsgeschäfte". In Kombination mit dem Halbeinkünfteverfahren (galt vornehmlich für Gewinne/Dividenden, die im Rahmen des die Gewinne generierenden Unternehmens schon mit der Körperschaftssteuer belegt wurden --> Vermeidung von Doppelbesteuerung) wird einem schnell klar: Verschiedenste Erträge des Anlegers wurden verschieden besteuert. Zudem stellten diese Steuerarten nur eine Vorauszahlung auf die Einkommenssteuer dar, sodass in deiner Steuererklärung nochmal mit deinem persönlichen Steuersatz verrechnet wurde.

Durch die Abgeltungssteuer kannst du (leicht vereinfachend und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) all diese Begriffe streichen. Es gilt im Sinne von Praktiker "25% auf alles". D. h. es gibt keine Kapitalertragssteuer mehr (abgesehen von Altbeständen, bei denen ggf. noch ältere Regelungen angewendet werden), keine Zinsabschlagssteuer und das Halbeinkünfteverfahren ist quasi abgeschafft. Es gibt auch keine Sonderbehandlung mehr für Kursgewinne, wenn du die Papiere länger als ein Jahr hältst usw., es wurde (fast) alles vereinheitlicht.
ALLE Erträge aus Kapitalvermögen (natürlich nicht das Kapitalvermögen selbst, wie du oben schreibst) werden immer sofort bei Zahlung an den Anleger mit 25% "abgegolten". Es erfolgt keine Verrechnung mehr mit deiner persönlichen Einkommenssteuer im Rahmen der Steuererklärung (Ausnahme: Dein Satz liegt unter den 25% Abgeltungssteuer, dann kannst du dir diese Differenz zurückholen --> sog. Veranlagungsoption).

Achso: Es werden natürlich noch analog zu früher Kirchensteuer und Soli fällig. Die zahlst du auf deine 25% Abgeltungssteuer, sodass effektiv ca. 28% Besteuerung herauskommen.
Feneriumpower
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Anmeldungsdatum: 12.06.2005
Beiträge: 516

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 13:01:57    Titel: Re: Abgeltungssteuer und Teileinkünfteverfahren.

Rudi Carell hat folgendes geschrieben:

...
D. h. es gibt keine Kapitalertragssteuer mehr (abgesehen von Altbeständen, bei denen ggf. noch ältere Regelungen angewendet werden)
...
(Ausnahme: Dein Satz liegt unter den 25% Abgeltungssteuer, dann kannst du dir diese Differenz zurückholen --> sog. Veranlagungsoption).


Okay danke dir erstmal für deine Antwort. Aber einige Sachen sind mir noch unklar.
Du schreibst, dass die Kapitalertragssteuer abgeschafft wurde. In unseren Vorlesungsunterlagen wird jedoch die Kapitalertragssteuer für den VZ 2010 trotz allem angewendet. Verstehe ich nicht. Wenn es tatsächlich abgeschafft wurde, warum steht es dann noch in unserem Skript für VZ 2010?

Und das mit der Veranlagungsoption verstehe ich auch nicht (oder bessergesagt dem individuellen Steuersatz). Woher kommt dieser Steuersatz überhaupt? Ich bin davon ausgegangen, dass jedes Einkommen durch die Tarife nach §32 a Abs. 1 EStG besteuert wird.
Rudi Carell
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Anmeldungsdatum: 20.12.2007
Beiträge: 533

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 14:16:36    Titel: Re: Abgeltungssteuer und Teileinkünfteverfahren.

Feneriumpower hat folgendes geschrieben:
Du schreibst, dass die Kapitalertragssteuer abgeschafft wurde. In unseren Vorlesungsunterlagen wird jedoch die Kapitalertragssteuer für den VZ 2010 trotz allem angewendet. Verstehe ich nicht. Wenn es tatsächlich abgeschafft wurde, warum steht es dann noch in unserem Skript für VZ 2010?


Das ist ein rein begriffliches Verständnisproblem: Früher hat jeder von Kapitalertragssteuer gesprochen und meinte damit die Besteuerung i. H. v. 20% auf Dividenden bzw. i. H. v. 30% auf Zinsen (letzteres wurde oft auch als "Zinsabschlagssteuer" bezeichnet, steuerrechtlich fällt das aber auch unter die Kapitalertragssteuer).
Die neue Abgeltungssteuer ersetzt nun diese ganzen Zinssätze, der "Deckmantel" im Steuerrecht ist aber weiterhin der Begriff "Kapitalertragssteuer". Alle Welt spricht aber nur noch von Abgeltungssteuer, welche nichts anderes ist als die reformierte Kapitalertragssteuer. Daher spricht man heute von beiden Begriffen parallel, das verwirrt - meint aber das gleiche: immer 25% auf alles.

Nochmal in anderen Worten:
Wikipedia hat folgendes geschrieben:
Die Kapitalertragsteuer wurde 1993 in Deutschland eingeführt und durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 mittels Einbehalt durch die Banken mit Wirkung ab 2009 im Sinne einer Abgeltungsteuer umfassend reformiert. Sie wird in den §§ 43 ff. i.V.m. § 20 EStG geregelt. Der Steuersatz liegt gemäß § 43a Abs. 1 EStG bei 25% des Kapitalertrags zzgl. Solidaritätszuschlag von derzeit 5,5 %.



Zitat:
Und das mit der Veranlagungsoption verstehe ich auch nicht (oder bessergesagt dem individuellen Steuersatz). Woher kommt dieser Steuersatz überhaupt? Ich bin davon ausgegangen, dass jedes Einkommen durch die Tarife nach §32 a Abs. 1 EStG besteuert wird.

Welchen "Steuersatz" meinst du?
Abgeltungssteuer = 25%, individueller Steuersatz = durchschn. Einkommenssteuersatz nach EStG!
Sofern der Abgeltungssteuersatz < indiv. Steuersatz folgt daraus, dass du berechtigt bist, die Veranlagungsoption zu wählen.
Beispiel: Dein pers. durchschnittlicher Steuersatz liegt bei 15%. Daraus folgt, dass du 10%Punkte zu viel Abgeltungssteuer gezahlt hast. Diese Differenz kannst du dir im Rahmen der Steuererklärung zurückholen.
Liegt dein pers. Steuersatz bei 35%, dann zahlst du nur die 25% Abgeltungssteuer, da diese nicht Teil der Einkommenssteuererklärung werden (sie sind mit 25% bereits abgegolten).
ukloiu
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Anmeldungsdatum: 15.11.2010
Beiträge: 117

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 20:44:00    Titel:

naja, so ist es auch nicht.
mal so als Hinweis: Es gibt u.a. auch noch das TEileinkünfteverfahren, bei dem nicht ein Steuersatz von 25% angewandt wird....
Feneriumpower
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Anmeldungsdatum: 12.06.2005
Beiträge: 516

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2011 - 21:58:27    Titel:

ukloiu hat folgendes geschrieben:
naja, so ist es auch nicht.
mal so als Hinweis: Es gibt u.a. auch noch das TEileinkünfteverfahren, bei dem nicht ein Steuersatz von 25% angewandt wird....


Und wann wird das verwendet?
Feneriumpower
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Anmeldungsdatum: 12.06.2005
Beiträge: 516

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2011 - 17:15:31    Titel:

Also ich bin's jetzt nochmal. Ich will von jemanden wissen, ob ich das jetzt richtig verstanden habe.

Bei Einkünften aus Kapitalvermögen (z. B. Dividenden) kommt es darauf an, ob die Einkünfte aus Kapitalvermögen zum Privat- oder Betriebsvermögen gehört.

Zugehörigkeit zum Privatvermögen:
Hier unterliegt das Kapitalvermögen der Abgeltungssteuer i. H. v. 25 %.
Liegt der persönliche Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz, so kann auf Antrag eine sogenannte Veranlagung verlangt werden, wodurch das Kapitalvermögen dem (geringeren) Einkommenssteuersatz unterliegt.
Ist der Steuerpflichtige zu 25 % an einer Kapitalgesellschaft beteiligt oder zu 1 % beteiligt und für diese Kapitalgesellschaft beruflich tätig, so kann auf Antrag das Teileinkünfteverfahren angewandt werden. Dabei sind 40 % des Kapitalvermögens steuerfrei.

Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen:
Gehören die Einkünfte aus Kapitalvermögen hingegen zum Betriebsvermögen, so wird die Abgeltungssteuer nicht verwendet. Stattdessen kommt das Teileinkünfteverfahren direkt zum Zug (früher war es das Halbeinkünfteverfahren). Es findet eine 60 %ige Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen statt.

Ist das so richtig? Ich hoffe, dass ich es verstanden habe.
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