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Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler
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knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 25 Jul 2011 - 18:28:13    Titel: Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler

Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler

Dawkins kämpft gegen Windmühlen! Niemand, der an Gott „glaubt“, „behauptet“, dass es Gott „gibt“.Im Gegenteil verstößt die Behauptung, dass es Gott gibt, gegen den Glauben an Gott

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Akt und Sein“, Kapitel B, Abschnitt 3b:
"Einen Gott den es gibt, gibt es nicht."

Der katholischen Theologe, Karl Rahner, schreibt in seinem Buch “Grundkurs des Glaubens“:
„Denn den Gott gibt es wirklich nicht, der als ein einzelnes Seiendes neben anderem Seienden sich auswirkt und waltet und so gewissermaßen selber noch einmal in dem größeren Haus der Gesamtwirklichkeit anwesend wäre.Suchte man einen solchen Gott, dann hätte man einen falschen Gott gesucht. Der Atheismus und ein vulgärer Theismus leiden an derselben falschen Gottesvorstellung; nur lehnt der eine diese ab, während der andere meint, sie dennoch denken zu können.Beides ist im Grunde falsch. Das zweite (die Vorstellung des vulgerin Theismus), weil es diesen Gott nicht gibt; das erste (der Atheismus), weil Gott doch die radikalste, ursprünglichste und in einem gewissen Sinne selbstverständlichste Wirklichkeit ist .“

Joseph Ratzinger, der derzeitige Papst Benedikt XVI, schreibt in seinem Buch: „Einführung in das Christentum“:
„Vielleicht wird uns hier der Denkansatz der heutigen Physik eine bessere Hilfe bieten, als die aristotelische Philosophie sie zu geben vermochte. Physik weiß heute, dass über die Struktur der Materie nur in Annäherungen von verschiedenen Ansätzen her gesprochen werden kann.Sie weiß, dass vom jeweiligen Standort des Betrachters das Ergebnis seiner Befragung der Natur abhängt. Warum sollten wir von hier aus nicht auch ganz neu verstehen können, dass wir in der Frage nach Gott nicht aristotelisch nach einem letzten Begriff suchen dürfen, der das Ganze um-greift, sondern gefasst sein müssen auf eine Mehrheit von Aspekten, die vom Standort des Beobachters abhängen und die wir nicht mehr letztlich zusammenschauen, sondern nur miteinander hinnehmen können, ohne das Letzte zur Aussage zu bringen? Wir begegnen hier der verborgenen Wechselwirkung von Glaube und modernem Denken.Dass die heutige Physik über das Gefüge der aristotelischen Logik hinausgehend in dieser Weise denkt, ist doch wohl auch schon Auswirkung der neuen Dimension, die die christliche Theologie eröffnet hat, ihres notwendigen Denkenmüssens in Komplementaritäten.
Noch auf zwei physikalische Denkhilfen möchte ich in diesem Zusammenhang kurz hinweisen.E. Schrödinger hat die Struktur der Materie als “Wellenpakete“ definiert und damit den Gedanken eines nicht substantiösen, sondern rein aktualen Seins gefasst, dessen scheinbare „Substantialität“ in Wahrheit allein aus dem Bewegungsgefüge sich überlagernder Wellen resultiert.... er bleibt ein erregendes Gleichnis für die actualitas divina, für das schlechthinige Akt-Sein Gottes, und dafür, dass das dichteste Sein-Gott-allein in einer Mehrheit von Beziehungen, die nicht Substanzen, sondern nichts als „Wellen“ sind, bestehen und darin ganz eines, ganz die Fülle des Seins bilden kann....diesen Gedanken, der sachlich bereits bei Augustinus formuliert ist, wenn er den Gedanken der reinen Akt-Existenz (des „Wellenpaketes“) entwickelt...
….noch der zweite Hinweis auf eine Verstehenshilfe von der Naturwissenschaft her: Wir wissen heute, dass im physikalischen Experiment der Beobachter selbst in das Experiment eingeht und nur so zu physikalischer Erfahrung kommen kann. Das bedeutet, dass es die reine Objektivität selbst in der Physik nicht gibt, dass auch hier der Ausgang eines Experiments, die Antwort der Natur, abhängt von der Frage, die an sie gerichtet wird. In der Antwort ist immer ein Stück der Frage und des Fragenden selbst anwesend, sie spiegelt nicht nur die Natur in ihrem In-sich-Sein, in ihrer reinen Objektivität, sondern gibt auch etwas vom Menschen, von unserem Eigenen wieder, ein Stück menschlichen Subjekts. Auch dies gilt entsprechend abgewandelt von der Gottesfrage wieder. Den bloßen Beschauer gibt es nicht. Die reine Objektivität gibt es nicht. Man wird sogar sagen können: Je höher ein Gegenstand menschlich steht, je mehr er ins Zentrum des Eigenen hineintrifft und das Eigene des Beschauers mitengagiert, desto weniger ist die bloße Distanziertheit der reinen Objektivität möglich. Wo immer sich also eine Antwort als leidenschaftslos objektiv gibt, als die Aussage, die endlich über die Voreingenommenheit der Frommen hinausgeht und bloß sachlich wissenschaftlich aufklärt, muss man sagen, dass hier der Redende einem Selbstbetrug verfallen ist. Diese Art von Objektivität ist nun einmal dem Menschen versagt. Er kann gar nicht als bloßer Beschauer fragen und existieren. Wer versucht, bloßer Beschauer zu sein, erfährt nichts. Auch die Wirklichkeit „Gott“ kann nur in den Blick kommen für den, der in das Experiment mit Gott eintritt – in das Experiment, das wir Glaube nennen. Nur indem man eintritt, erfährt man; nur indem man das Experiment mitmacht, fragt man überhaupt, und nur wer fragt, erhält Antwort.“


Gott wäre nicht allmächtig, wenn er das präexistenzielle Sein über sich hätte, er wäre nur Gegenstand desselben. Dawkins ist in der zweiwertigen aristotelischen Logik befangen. In den modernen Naturwissenschaften gilt die mehrwertige Logik. Subatomare Elementar"teilchen" sind in ihrer unbeobachteten Superposition weder (raumzeitlich) existent, noch nicht existent noch beides zugleich. Man wird daher den Gottgläubigen das Recht nicht absprechen können, ihrem Gott das zuzubilligen, was den Atomphysikern z.B. beim Elektron recht ist. Die Physik sei hier lediglich als Beispiel für das mehrwertige Denken angeführt, um aufzuzeigen, dass die Behauptung, es gebe Gott, genauso naiv ist wie die Behauptung, es gebe keinen Gott, denn nach der mehrwertigen Logik ist die Aussage möglich, dass es Gott weder gibt noch nicht gibt noch zugleich gibt und nicht gibt.

Gott ist nach dem Verständnis der Theisten eben gerade kein naturwissenschaftliches Objekt.Doch so, wie die Naturwissenschaften den Gegensatz von Sein und Nichtsein nicht mehr kennen, sehen auch die Theisten Gott als über diesen Gegensatz erhaben, als „überseiend“an - so

der vormittelalterliche christliche Denker Proclus(412-484);

siehe auch Thomas von Aquin (1225-1274) :"Deus non est in genere"-Gott steht außerhalb jeder Art zu sein; S.th.I,qu.3,a.5) und

Nikolaus von Kues (1401-1464):
„Gott ist... und ist zugleich nicht.“
„Das Eine ist weder seiend noch nicht seiend... sogar nicht einmal Eines – (unum) nec est ens nec non ens...immo nec unum.(Tu quis es, n.19)
„Es ist in höchster Weise wahr, dass das einfachhin Größte ist oder nicht ist oder ist und nicht ist oder weder ist noch nicht.“(De docta ignorantia I,n.16) , ferner

Meister Eckhart (1260-1328):
„Gott kommt nicht das Sein zu, noch ist er ein Seiendes, sondern er ist etwas Höheres als das Seiende.“


Die Bibel drückt das so aus:

2. Mos 3,14: „Jahwe“= „Ich bin, der ich bin“ (also wegen Einzigartigkeit keine Identität mangels Vergleichbarkeit)

2. Mos 20,4; 5. Mos 5,8 : Zweites Gebot: Man soll sich keine Vorstellung von Gott machen, weil man sich keine machen kann.

2. Mos 33,20: kein Schauen Gottes

Jes 55,9: Gott ist höher als unsere Gedanken.

1. Kö 8,27: Gott ist über dem Himmel.

Pred 8,17; 11,5: Gott ist unergründlich.

Hos 11,9: wider den Anthropomorphismus

22. Ps 2: Gott ist antwortlos.

Mt. 11,27: Jesus: „Niemand kennt den Vater.“

Lk 10,21: Gott ist verborgen vor den Weisen und Klugen.

Joh 16,23: Gott ist fraglos.

1. Kor 12,6;15,28: Gott ist alles in allem.

Kol 1,17: Gott ist vor allem, und es besteht alles aus ihm.

Ap 17,28: Wir sind in Gott.



Gott ist bereits begrifflich als transzendent, überseiend, definiert. Daher ist es denkfehlerhaft, wenn Dawkins es zwar hinnimmt, dass das „irdische“ Elektron weder ist noch nicht ist noch ist und zugleich nicht ist ( Prinzip der Nichtlokalität in der Quantenphysik), aber dem als überirdisch definierten Gott ein höchst irdisches Prädikat verleiht, nämlich ein Nichtsein andichtet.Das ist genauso denkfehlerhaft, wie ihm ein Sein anzudichten ( „intelligent design“). Das ist purer Anthropomorphismus, eine Übertragung menschlicher Vorstellungen auf etwas, das über alle menschliche Vorstellungen erhaben sein soll.

Wenn Gott als transzendent definiert ist, dann ist es ein Widerspruch in sich selbst und eine metábasis eis allo génos ( unzulässiger Schluss von einer Denkebene auf eine andere), wenn man ihn mit diesseitigen Prädikaten wie Sein oder Nichtsein belegt. Nach der Genesis hat Gott das Sein erst „erschaffen“ (nicht im raum- zeitlich- kausalen Sinn), „ist“ also selbst nicht!

Es ist intellektuell naiv, wenn nicht unredlich , gegen Glauben mit Wissen zu argumentieren.Gegenstand des Wissens ist etwas, was genauso gut nicht oder anders sein könnte (Kontingenz). Gegenstand des Glaubens ist dagegen etwas, was gerade nicht gewusst werden kann, so dass sich die Frage, ob oder was oder wie es ist, überhaupt nicht stellen kann. Der Glaube beispielsweise, dass das, was dem menschlichen Verstand evident erscheint ( zum Beispiel, dass er denkt, wie Descartes als Prämisse seinem Zirkelschluss „Cogito, ergo sum“ zugrundelegte), auch „ist“, ist einer weiteren Hinterfragung nicht zugänglich.Argumentiert man nämlich, dass auch das Denken und das Sein und die Evidenz nur gedacht werden, kann man dem entgegenhalten, dass auch dieses Gegenargument nur gedacht ist usw. (unendlicher Progress).

Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ist etwa so sinnlos, wie wenn man sagt, dass es vor der Zeit und außerhalb des Raumes etwas oder nichts gibt, obwohl es bereits ein „vor der Zeit“ nicht geben kann, weil „vor“ ein zeitlicher Begriff ist, und es auch kein „außerhalb des Raumes“ geben kann, weil „außerhalb“ ein räumlicher Begriff ist.
Alexander8823
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 01:55:02    Titel:

Der Vergleich mit dem Elektron hinkt etwas, denn angenommen, wir schicken ein Elektron durch einen Doppelspalt und schauen nicht, durch welchen Spalt es fliegt, dann haben wir zwar einen Superpositionszustand, aber dass das Elektron existiert, ist sicher -nur was es ist bzw. welchen Zustand es hat, ist dabei höchst rätselhaft.

Der Unterschied zu dir ist, dass du den Quantenlogikcharakter auf die Existenz von etwas (hier speziell auf Gott) anwendest.

Doch woher nimmst du die Gewissheit, dass (der christliche) Gott bezüglich seiner Existenz Quantenlogikcharakter (gleichzeitig existent und nicht-existent) hat?

Aber okay, wir können ja mal mit der Idee spielen:

Wenn man dann mal wie bei Schrödingers Katze den Deckel öffnet und damit den Superpositionszustand zerstört, welcher sich dann nach einem gewissen Zufälligkeitsmuster in den eindeutigen Zustand "tot" oder "lebendig" übergeht, dann wird sich auch die Superposition Gott je nach Zufall eindeutig entweder auf "existent" oder auf "nicht-existent" einstellen.
(Eine Frage könnte dann sein: Wie öffnen wir die Gotteskiste?)
Angenommen, wir können die Kiste öffnen.

Jetzt wird es komisch. Mit der Existenz von Gott als Superposition, die wir ja voraussetzen, folgern wir also, dass unter Aufhebung dieser Superposition Gott entweder eindeutig existiert oder eindeutig nicht existiert.

Jetzt können wir eine Fallunterscheidung durchführen:
1. Wir setzten Gott als Superposition voraus und es stellt sich nach Öffnen der Kiste heraus, dass Gott eindeutig existiert.
Zirkelschluss?

2. Wir setzten Gott als Superposition voraus und es stellt sich nach Öffnen der Kiste heraus, dass Gott eindeutig nicht existiert.
Wie kann ein Gott, der als Superposition existieren konnte, hinterher plötzlich eindeutig nicht existieren?
Widerspruch?
Alexander8823
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Beiträge: 130

BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 02:32:35    Titel:

Zitat:

Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ist etwa so sinnlos, wie wenn man sagt, dass es vor der Zeit und außerhalb des Raumes etwas oder nichts gibt, obwohl es bereits ein „vor der Zeit“ nicht geben kann, weil „vor“ ein zeitlicher Begriff ist, und es auch kein „außerhalb des Raumes“ geben kann, weil „außerhalb“ ein räumlicher Begriff ist.


Wobei man hier noch unterscheiden muss:
Zitat:
Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt

ist wie "Das Haus ist blau oder das Haus ist nicht blau". --> Eine Aussage, die einfach nur deshalb sinnlos ist, weil sie auf jeden Fall wahr ist. Sie ist redundant.

Zitat:
vor der Zeit und außerhalb des Raumes


könnte man ungefähr so wie man es aus der Mathematik kennt mit "ist nicht definiert" ausdrücken und deswegen als sinnlos bezeichnen. So wie a=Wurzel(-1) nicht sein kann und nicht in R (Menge der reellen Zahlen) definiert sein kann, wenn a nur für reelle Zahlen definiert sei.


Sicher ist die Vorstellung, man könnte ein metaphysisches Wesen statistisch durch Erfahrungswissen belegen oder widerlegen, primitiv. Aber wir könnten Gott sogar als natürliches, physikalisches Wesen erklären und selbst dann wäre es nicht möglich. (Man könntes es/ihn ja dazu einfach so definieren, dass er/es einfach nicht messbar wäre.)
Angenommen, wir gehen auf Nummer Sicher und definieren Gott als metaphysisches, transzendentes Wesen -wie es die Theologen tun-, dann verstehe ich nicht, warum die Frage nach der eindeutigen Existenz dieses Gottes nicht möglich -im Sinne von sinnlos- sein soll. Das scheint mir willkürlich zu sein, ebenso wie der behauptete Quantenlogikähnlichkeit Gottes.
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 11:40:58    Titel:

Alexander8823 hat folgendes geschrieben:

Doch woher nimmst du die Gewissheit, dass (der christliche) Gott bezüglich seiner Existenz Quantenlogikcharakter (gleichzeitig existent und nicht-existent) hat?

Hallo Alexander8823,
Ich das Beispiel aus der Quantenphysik doch lediglich angeführt, um aufzuzeigen, dass die aristotelische zweiwertige Logik, die der Argumentation Dawkins zugrundeliegt, seit einem Jahrhundert auch in den Naturwissenschaften, auf die er sich so gerne bezieht, überholt ist.Selbstverständlich argumentieren die Theisten, dass Gott auch über die mehrwertige Quantenlogik erhaben sei, da er in seiner Allmacht ja alles erst erschaffen habe, auch die Quantenerscheinungen, und durch nichts, auch nicht durch irgend eine Logik transzendiert werde.
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 17:08:50    Titel:

Alexander8823 hat folgendes geschrieben:

Angenommen, wir gehen auf Nummer Sicher und definieren Gott als metaphysisches, transzendentes Wesen -wie es die Theologen tun-, dann verstehe ich nicht, warum die Frage nach der eindeutigen Existenz dieses Gottes nicht möglich -im Sinne von sinnlos- sein


Die Theologen argumentieren, dass Sinn (nach den Naturwissenschaften und nach den Kognitionswissenschaften ein geistiges Konstrukt, das jenseits eines Sinnhorizontes in die Kontingenz mündet) - wie alles und nichts - von Gott in seiner Allmacht erst geschaffen worden sei und ihm - Gott - also nicht vorgegeben sei, er also auch über Sinn erhaben sei, da er sonst von diesem überbestimmt und nicht mehr allmächtig wäre.
isi1
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 09:35:07    Titel: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee

Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee. Im Gegenteil: Die Physik nähert sich mehr und mehr wieder der Religion, sagen die Physiker doch selbst, dass sie über 95% der Energie im Weltraum fast keine Aussage machen können. Nicht nur, dass die Physik von vorneherein ablehnt, über das Wesen der Dinge etwas zu wissen, die Aussagen über die 'dunkle Materie' und noch mehr über die 'dunkle Energie' sind fast schon Glaubenssätze.
veteran
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 11:06:29    Titel: Re: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute I

isi1 hat folgendes geschrieben:
Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee.

Eine Religion zu gründen ist überhaupt nicht einfach.
A.H.Hattray
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Anmeldungsdatum: 11.07.2011
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 11:43:37    Titel: Dawkins ist Evolutionsbiologe

Seine Forschungen sind zwar auch durch physikalische Verfahren bestätigt worden, aber beziehen sich auf die Wissenschaft, die sich Evolutionsbiologie nennt.

Wenn nun ein Knut Hacker meint, dass Dawkins gegen "Windmühlen" angeht, dann beweist das nur eins: Dass Knut Hacker weder die Evolutionsbiologie kennt, noch die Bücher von Dawkins.

Dawkins forscht und fasst populärwissenschaftlich seine Ergebnisse zusammen, die religiöse Ansichten , wie etwa die Offenbarungslehren widerlegen.

Nun, da es ihm darüber hinaus auch noch gelungen ist, die Schöpfungslehren an sich zu widerlegen, sondern schlüssig aufzeigt, wie Evolution ablaufen kann, was widerrum die Existenz Gottes bestreitet und die Existenz der Schöpfungslehre widerlegt, ist die Nervosität im Vatikan groß.

Man versucht eine Art Gegenliteratur zu entwickeln, kann da aber bisher noch nicht fündig werden. Wie immer , wenn es um wissenschaftliche Erkenntnisse geht, leugnen die monotheistischen Religionen deren Wahrheitsgehalt, vor allem , wenn diese ERkenntnisse den religiösen Lehren widersprechen.

Auf dieser Grundlage haben die Kirchen sogar Menschen umgebracht, stellvertretend für die Vielen steht Giordano Bruno durch den Katholizismus ermordet, oder Michel Servet, durch die reformierte Kirche ermordet, ja man hat sogar lange noch nachdem die Beweise verifiziert waren, dass die Erde eine Kugel ist(statt einer Scheibe) immer noch lange an der Scheibe festegehalten.

Besonders die Genetik, die Ratzinger in seine 7 neuen Todsünden einstellte, jene Wissenschaft also , die fast permanent wissenschaftliche Ergebnisse zutage fördert, die den Monotheismus widerlegen, wird als "Teufelszeug" betrachtet. Dabei ist längst jedem klar, dass es für alle Technik und Wissenschaften Missbrauch geben kann, ja das ist ja selbst für religiöse Lehren der Fall.

Das Signal, wie etwa "Gott ist tot"(Nietzsche), ist natürlich ein falsches Signal, denn tatsächlich etwas was es nie gegeben hat, kann auch nicht tot sein, oder irgendwann gestorben sein.

So verhält es sich auch mit der Idee der "Windmühlen". Forschungen achten nicht ob etwas gegen Windmühlen oder mit Windmühlen verläuft, sondern forschen den Verlauf überhaupt. Dieser Verlauf zeigt: Die Existenz Gottes ist widerlegt.

Dass diese Widerlegung gleichzeitig damit parallel läuft, dass inzwischen der leibliche Vater des Jesus von Bethlehem bekannt wurde, der Tiberius, Julius, Abdes Pantera(Pantheri) heißt, ist für die Vertreter der These vom Sohn Gottes, ein herber Schlag in die Denkwelt des Religiösen. Trotz vielfältiger Versuche, diese Tatsache abzuwehren, ja immerfort die Religionsgeschichte zu fälschen, historische und archäologische, sowie anthropologische Fakten nicht zur Kenntnis zu nehmen, bleibt abzuwarten ob die Unkenntnis Betsand haben wird, oderf sich das Wissen durchsetzt.

Mit freundlichen Grüßen
Erzkind
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Anmeldungsdatum: 13.04.2007
Beiträge: 889
Wohnort: Hannover

BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 14:52:37    Titel:

Hallo Knut,

Zitat:
Dawkins kämpft gegen Windmühlen! Niemand, der an Gott „glaubt“, „behauptet“, dass es Gott „gibt“.Im Gegenteil verstößt die Behauptung, dass es Gott gibt, gegen den Glauben an Gott

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Akt und Sein“, Kapitel B, Abschnitt 3b:
"Einen Gott den es gibt, gibt es nicht."


Deine Argumentation hier beruht aber im Grunde doch nur auf einem Wortspiel. Das "es gibt" beschreibt einen Vorgang, bei dem etwas aus dem "es" hervortritt, wobei das "es" ein zunächst bezugsloser Punkt ist, dessen Bedeutung sich erst im Kontext seiner Verwendung konkretisiert. Zu sagen, dass es Gott gibt, heißt nichts anderes, als dass Gott aus unserer Vorstellung in das Seiende eingeht, und damit ist. Zu sagen, dass es einen Gott, den es gibt, nicht gibt, verwendet das Wort gibt einfach nur in zweierlei Bedeutung, wodurch ein scheinbares Paradoxon entsteht, weil hier scheinbar Sein und Nichtsein zusammen fallen. Damit positioniert Bonhoeffer Gott sowohl innerhalb wie außerhalb des Seins, stellt also zwei sich völlig kontrastierende Behauptungen auf, die auf ein und das selbe zutreffen sollen, sodass man je nachdem was sonst jemand über Gott behaupten mag, beliebig hin und her springen kann.

Liebe Grüße,
Alex
knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
Beiträge: 1037
Wohnort: Hölle auf Erden

BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 18:23:45    Titel: Re: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute I

isi1 hat folgendes geschrieben:
Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee.

Das habe ich doch gerade NICHT getan! Ich habe lediglich argumentiert, dass sich sogar die moderne Physik in ihrer Selbstbescheidung als bloße Erfahrungswissenschaft von begrifflichen Vorstellungen gelöst hat. Den Religionen ist vorzuwerfen, dass sie dies nicht tut, obwohl Gott doch als überbegrifflich definiert ist. Wenn es schon der Physik gelungen ist, sich von anthropomorphen Vorstellungen zu befreien, so sollten doch wenigstens heutzutage erst recht die Religionen einsehen, dass sie widersinnigerweise menschliche Vorstellungen auf die Transzendenz übertragen, abgesehen davon, dass es sich auch bei dieser lediglich um eine menschliche Vorstellung handelt!
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