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Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler
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knut hacker
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Anmeldungsdatum: 16.11.2009
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BeitragVerfasst am: 25 Jul 2011 - 19:28:13    Titel: Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler

Richard Dawkins Gotteswiderlegung als Denkfehler

Dawkins kämpft gegen Windmühlen! Niemand, der an Gott „glaubt“, „behauptet“, dass es Gott „gibt“.Im Gegenteil verstößt die Behauptung, dass es Gott gibt, gegen den Glauben an Gott

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Akt und Sein“, Kapitel B, Abschnitt 3b:
"Einen Gott den es gibt, gibt es nicht."

Der katholischen Theologe, Karl Rahner, schreibt in seinem Buch “Grundkurs des Glaubens“:
„Denn den Gott gibt es wirklich nicht, der als ein einzelnes Seiendes neben anderem Seienden sich auswirkt und waltet und so gewissermaßen selber noch einmal in dem größeren Haus der Gesamtwirklichkeit anwesend wäre.Suchte man einen solchen Gott, dann hätte man einen falschen Gott gesucht. Der Atheismus und ein vulgärer Theismus leiden an derselben falschen Gottesvorstellung; nur lehnt der eine diese ab, während der andere meint, sie dennoch denken zu können.Beides ist im Grunde falsch. Das zweite (die Vorstellung des vulgerin Theismus), weil es diesen Gott nicht gibt; das erste (der Atheismus), weil Gott doch die radikalste, ursprünglichste und in einem gewissen Sinne selbstverständlichste Wirklichkeit ist .“

Joseph Ratzinger, der derzeitige Papst Benedikt XVI, schreibt in seinem Buch: „Einführung in das Christentum“:
„Vielleicht wird uns hier der Denkansatz der heutigen Physik eine bessere Hilfe bieten, als die aristotelische Philosophie sie zu geben vermochte. Physik weiß heute, dass über die Struktur der Materie nur in Annäherungen von verschiedenen Ansätzen her gesprochen werden kann.Sie weiß, dass vom jeweiligen Standort des Betrachters das Ergebnis seiner Befragung der Natur abhängt. Warum sollten wir von hier aus nicht auch ganz neu verstehen können, dass wir in der Frage nach Gott nicht aristotelisch nach einem letzten Begriff suchen dürfen, der das Ganze um-greift, sondern gefasst sein müssen auf eine Mehrheit von Aspekten, die vom Standort des Beobachters abhängen und die wir nicht mehr letztlich zusammenschauen, sondern nur miteinander hinnehmen können, ohne das Letzte zur Aussage zu bringen? Wir begegnen hier der verborgenen Wechselwirkung von Glaube und modernem Denken.Dass die heutige Physik über das Gefüge der aristotelischen Logik hinausgehend in dieser Weise denkt, ist doch wohl auch schon Auswirkung der neuen Dimension, die die christliche Theologie eröffnet hat, ihres notwendigen Denkenmüssens in Komplementaritäten.
Noch auf zwei physikalische Denkhilfen möchte ich in diesem Zusammenhang kurz hinweisen.E. Schrödinger hat die Struktur der Materie als “Wellenpakete“ definiert und damit den Gedanken eines nicht substantiösen, sondern rein aktualen Seins gefasst, dessen scheinbare „Substantialität“ in Wahrheit allein aus dem Bewegungsgefüge sich überlagernder Wellen resultiert.... er bleibt ein erregendes Gleichnis für die actualitas divina, für das schlechthinige Akt-Sein Gottes, und dafür, dass das dichteste Sein-Gott-allein in einer Mehrheit von Beziehungen, die nicht Substanzen, sondern nichts als „Wellen“ sind, bestehen und darin ganz eines, ganz die Fülle des Seins bilden kann....diesen Gedanken, der sachlich bereits bei Augustinus formuliert ist, wenn er den Gedanken der reinen Akt-Existenz (des „Wellenpaketes“) entwickelt...
….noch der zweite Hinweis auf eine Verstehenshilfe von der Naturwissenschaft her: Wir wissen heute, dass im physikalischen Experiment der Beobachter selbst in das Experiment eingeht und nur so zu physikalischer Erfahrung kommen kann. Das bedeutet, dass es die reine Objektivität selbst in der Physik nicht gibt, dass auch hier der Ausgang eines Experiments, die Antwort der Natur, abhängt von der Frage, die an sie gerichtet wird. In der Antwort ist immer ein Stück der Frage und des Fragenden selbst anwesend, sie spiegelt nicht nur die Natur in ihrem In-sich-Sein, in ihrer reinen Objektivität, sondern gibt auch etwas vom Menschen, von unserem Eigenen wieder, ein Stück menschlichen Subjekts. Auch dies gilt entsprechend abgewandelt von der Gottesfrage wieder. Den bloßen Beschauer gibt es nicht. Die reine Objektivität gibt es nicht. Man wird sogar sagen können: Je höher ein Gegenstand menschlich steht, je mehr er ins Zentrum des Eigenen hineintrifft und das Eigene des Beschauers mitengagiert, desto weniger ist die bloße Distanziertheit der reinen Objektivität möglich. Wo immer sich also eine Antwort als leidenschaftslos objektiv gibt, als die Aussage, die endlich über die Voreingenommenheit der Frommen hinausgeht und bloß sachlich wissenschaftlich aufklärt, muss man sagen, dass hier der Redende einem Selbstbetrug verfallen ist. Diese Art von Objektivität ist nun einmal dem Menschen versagt. Er kann gar nicht als bloßer Beschauer fragen und existieren. Wer versucht, bloßer Beschauer zu sein, erfährt nichts. Auch die Wirklichkeit „Gott“ kann nur in den Blick kommen für den, der in das Experiment mit Gott eintritt – in das Experiment, das wir Glaube nennen. Nur indem man eintritt, erfährt man; nur indem man das Experiment mitmacht, fragt man überhaupt, und nur wer fragt, erhält Antwort.“


Gott wäre nicht allmächtig, wenn er das präexistenzielle Sein über sich hätte, er wäre nur Gegenstand desselben. Dawkins ist in der zweiwertigen aristotelischen Logik befangen. In den modernen Naturwissenschaften gilt die mehrwertige Logik. Subatomare Elementar"teilchen" sind in ihrer unbeobachteten Superposition weder (raumzeitlich) existent, noch nicht existent noch beides zugleich. Man wird daher den Gottgläubigen das Recht nicht absprechen können, ihrem Gott das zuzubilligen, was den Atomphysikern z.B. beim Elektron recht ist. Die Physik sei hier lediglich als Beispiel für das mehrwertige Denken angeführt, um aufzuzeigen, dass die Behauptung, es gebe Gott, genauso naiv ist wie die Behauptung, es gebe keinen Gott, denn nach der mehrwertigen Logik ist die Aussage möglich, dass es Gott weder gibt noch nicht gibt noch zugleich gibt und nicht gibt.

Gott ist nach dem Verständnis der Theisten eben gerade kein naturwissenschaftliches Objekt.Doch so, wie die Naturwissenschaften den Gegensatz von Sein und Nichtsein nicht mehr kennen, sehen auch die Theisten Gott als über diesen Gegensatz erhaben, als „überseiend“an - so

der vormittelalterliche christliche Denker Proclus(412-484);

siehe auch Thomas von Aquin (1225-1274) :"Deus non est in genere"-Gott steht außerhalb jeder Art zu sein; S.th.I,qu.3,a.5) und

Nikolaus von Kues (1401-1464):
„Gott ist... und ist zugleich nicht.“
„Das Eine ist weder seiend noch nicht seiend... sogar nicht einmal Eines – (unum) nec est ens nec non ens...immo nec unum.(Tu quis es, n.19)
„Es ist in höchster Weise wahr, dass das einfachhin Größte ist oder nicht ist oder ist und nicht ist oder weder ist noch nicht.“(De docta ignorantia I,n.16) , ferner

Meister Eckhart (1260-1328):
„Gott kommt nicht das Sein zu, noch ist er ein Seiendes, sondern er ist etwas Höheres als das Seiende.“


Die Bibel drückt das so aus:

2. Mos 3,14: „Jahwe“= „Ich bin, der ich bin“ (also wegen Einzigartigkeit keine Identität mangels Vergleichbarkeit)

2. Mos 20,4; 5. Mos 5,8 : Zweites Gebot: Man soll sich keine Vorstellung von Gott machen, weil man sich keine machen kann.

2. Mos 33,20: kein Schauen Gottes

Jes 55,9: Gott ist höher als unsere Gedanken.

1. Kö 8,27: Gott ist über dem Himmel.

Pred 8,17; 11,5: Gott ist unergründlich.

Hos 11,9: wider den Anthropomorphismus

22. Ps 2: Gott ist antwortlos.

Mt. 11,27: Jesus: „Niemand kennt den Vater.“

Lk 10,21: Gott ist verborgen vor den Weisen und Klugen.

Joh 16,23: Gott ist fraglos.

1. Kor 12,6;15,28: Gott ist alles in allem.

Kol 1,17: Gott ist vor allem, und es besteht alles aus ihm.

Ap 17,28: Wir sind in Gott.



Gott ist bereits begrifflich als transzendent, überseiend, definiert. Daher ist es denkfehlerhaft, wenn Dawkins es zwar hinnimmt, dass das „irdische“ Elektron weder ist noch nicht ist noch ist und zugleich nicht ist ( Prinzip der Nichtlokalität in der Quantenphysik), aber dem als überirdisch definierten Gott ein höchst irdisches Prädikat verleiht, nämlich ein Nichtsein andichtet.Das ist genauso denkfehlerhaft, wie ihm ein Sein anzudichten ( „intelligent design“). Das ist purer Anthropomorphismus, eine Übertragung menschlicher Vorstellungen auf etwas, das über alle menschliche Vorstellungen erhaben sein soll.

Wenn Gott als transzendent definiert ist, dann ist es ein Widerspruch in sich selbst und eine metábasis eis allo génos ( unzulässiger Schluss von einer Denkebene auf eine andere), wenn man ihn mit diesseitigen Prädikaten wie Sein oder Nichtsein belegt. Nach der Genesis hat Gott das Sein erst „erschaffen“ (nicht im raum- zeitlich- kausalen Sinn), „ist“ also selbst nicht!

Es ist intellektuell naiv, wenn nicht unredlich , gegen Glauben mit Wissen zu argumentieren.Gegenstand des Wissens ist etwas, was genauso gut nicht oder anders sein könnte (Kontingenz). Gegenstand des Glaubens ist dagegen etwas, was gerade nicht gewusst werden kann, so dass sich die Frage, ob oder was oder wie es ist, überhaupt nicht stellen kann. Der Glaube beispielsweise, dass das, was dem menschlichen Verstand evident erscheint ( zum Beispiel, dass er denkt, wie Descartes als Prämisse seinem Zirkelschluss „Cogito, ergo sum“ zugrundelegte), auch „ist“, ist einer weiteren Hinterfragung nicht zugänglich.Argumentiert man nämlich, dass auch das Denken und das Sein und die Evidenz nur gedacht werden, kann man dem entgegenhalten, dass auch dieses Gegenargument nur gedacht ist usw. (unendlicher Progress).

Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ist etwa so sinnlos, wie wenn man sagt, dass es vor der Zeit und außerhalb des Raumes etwas oder nichts gibt, obwohl es bereits ein „vor der Zeit“ nicht geben kann, weil „vor“ ein zeitlicher Begriff ist, und es auch kein „außerhalb des Raumes“ geben kann, weil „außerhalb“ ein räumlicher Begriff ist.
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Alexander8823
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 02:55:02    Titel:

Der Vergleich mit dem Elektron hinkt etwas, denn angenommen, wir schicken ein Elektron durch einen Doppelspalt und schauen nicht, durch welchen Spalt es fliegt, dann haben wir zwar einen Superpositionszustand, aber dass das Elektron existiert, ist sicher -nur was es ist bzw. welchen Zustand es hat, ist dabei höchst rätselhaft.

Der Unterschied zu dir ist, dass du den Quantenlogikcharakter auf die Existenz von etwas (hier speziell auf Gott) anwendest.

Doch woher nimmst du die Gewissheit, dass (der christliche) Gott bezüglich seiner Existenz Quantenlogikcharakter (gleichzeitig existent und nicht-existent) hat?

Aber okay, wir können ja mal mit der Idee spielen:

Wenn man dann mal wie bei Schrödingers Katze den Deckel öffnet und damit den Superpositionszustand zerstört, welcher sich dann nach einem gewissen Zufälligkeitsmuster in den eindeutigen Zustand "tot" oder "lebendig" übergeht, dann wird sich auch die Superposition Gott je nach Zufall eindeutig entweder auf "existent" oder auf "nicht-existent" einstellen.
(Eine Frage könnte dann sein: Wie öffnen wir die Gotteskiste?)
Angenommen, wir können die Kiste öffnen.

Jetzt wird es komisch. Mit der Existenz von Gott als Superposition, die wir ja voraussetzen, folgern wir also, dass unter Aufhebung dieser Superposition Gott entweder eindeutig existiert oder eindeutig nicht existiert.

Jetzt können wir eine Fallunterscheidung durchführen:
1. Wir setzten Gott als Superposition voraus und es stellt sich nach Öffnen der Kiste heraus, dass Gott eindeutig existiert.
Zirkelschluss?

2. Wir setzten Gott als Superposition voraus und es stellt sich nach Öffnen der Kiste heraus, dass Gott eindeutig nicht existiert.
Wie kann ein Gott, der als Superposition existieren konnte, hinterher plötzlich eindeutig nicht existieren?
Widerspruch?
Alexander8823
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 03:32:35    Titel:

Zitat:

Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ist etwa so sinnlos, wie wenn man sagt, dass es vor der Zeit und außerhalb des Raumes etwas oder nichts gibt, obwohl es bereits ein „vor der Zeit“ nicht geben kann, weil „vor“ ein zeitlicher Begriff ist, und es auch kein „außerhalb des Raumes“ geben kann, weil „außerhalb“ ein räumlicher Begriff ist.


Wobei man hier noch unterscheiden muss:
Zitat:
Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt

ist wie "Das Haus ist blau oder das Haus ist nicht blau". --> Eine Aussage, die einfach nur deshalb sinnlos ist, weil sie auf jeden Fall wahr ist. Sie ist redundant.

Zitat:
vor der Zeit und außerhalb des Raumes


könnte man ungefähr so wie man es aus der Mathematik kennt mit "ist nicht definiert" ausdrücken und deswegen als sinnlos bezeichnen. So wie a=Wurzel(-1) nicht sein kann und nicht in R (Menge der reellen Zahlen) definiert sein kann, wenn a nur für reelle Zahlen definiert sei.


Sicher ist die Vorstellung, man könnte ein metaphysisches Wesen statistisch durch Erfahrungswissen belegen oder widerlegen, primitiv. Aber wir könnten Gott sogar als natürliches, physikalisches Wesen erklären und selbst dann wäre es nicht möglich. (Man könntes es/ihn ja dazu einfach so definieren, dass er/es einfach nicht messbar wäre.)
Angenommen, wir gehen auf Nummer Sicher und definieren Gott als metaphysisches, transzendentes Wesen -wie es die Theologen tun-, dann verstehe ich nicht, warum die Frage nach der eindeutigen Existenz dieses Gottes nicht möglich -im Sinne von sinnlos- sein soll. Das scheint mir willkürlich zu sein, ebenso wie der behauptete Quantenlogikähnlichkeit Gottes.
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 12:40:58    Titel:

Alexander8823 hat folgendes geschrieben:

Doch woher nimmst du die Gewissheit, dass (der christliche) Gott bezüglich seiner Existenz Quantenlogikcharakter (gleichzeitig existent und nicht-existent) hat?

Hallo Alexander8823,
Ich das Beispiel aus der Quantenphysik doch lediglich angeführt, um aufzuzeigen, dass die aristotelische zweiwertige Logik, die der Argumentation Dawkins zugrundeliegt, seit einem Jahrhundert auch in den Naturwissenschaften, auf die er sich so gerne bezieht, überholt ist.Selbstverständlich argumentieren die Theisten, dass Gott auch über die mehrwertige Quantenlogik erhaben sei, da er in seiner Allmacht ja alles erst erschaffen habe, auch die Quantenerscheinungen, und durch nichts, auch nicht durch irgend eine Logik transzendiert werde.
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knut hacker
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2011 - 18:08:50    Titel:

Alexander8823 hat folgendes geschrieben:

Angenommen, wir gehen auf Nummer Sicher und definieren Gott als metaphysisches, transzendentes Wesen -wie es die Theologen tun-, dann verstehe ich nicht, warum die Frage nach der eindeutigen Existenz dieses Gottes nicht möglich -im Sinne von sinnlos- sein


Die Theologen argumentieren, dass Sinn (nach den Naturwissenschaften und nach den Kognitionswissenschaften ein geistiges Konstrukt, das jenseits eines Sinnhorizontes in die Kontingenz mündet) - wie alles und nichts - von Gott in seiner Allmacht erst geschaffen worden sei und ihm - Gott - also nicht vorgegeben sei, er also auch über Sinn erhaben sei, da er sonst von diesem überbestimmt und nicht mehr allmächtig wäre.
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isi1
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 10:35:07    Titel: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee

Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee. Im Gegenteil: Die Physik nähert sich mehr und mehr wieder der Religion, sagen die Physiker doch selbst, dass sie über 95% der Energie im Weltraum fast keine Aussage machen können. Nicht nur, dass die Physik von vorneherein ablehnt, über das Wesen der Dinge etwas zu wissen, die Aussagen über die 'dunkle Materie' und noch mehr über die 'dunkle Energie' sind fast schon Glaubenssätze.
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 12:06:29    Titel: Re: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute I

isi1 hat folgendes geschrieben:
Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee.

Eine Religion zu gründen ist überhaupt nicht einfach.
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 12:43:37    Titel: Dawkins ist Evolutionsbiologe

Seine Forschungen sind zwar auch durch physikalische Verfahren bestätigt worden, aber beziehen sich auf die Wissenschaft, die sich Evolutionsbiologie nennt.

Wenn nun ein Knut Hacker meint, dass Dawkins gegen "Windmühlen" angeht, dann beweist das nur eins: Dass Knut Hacker weder die Evolutionsbiologie kennt, noch die Bücher von Dawkins.

Dawkins forscht und fasst populärwissenschaftlich seine Ergebnisse zusammen, die religiöse Ansichten , wie etwa die Offenbarungslehren widerlegen.

Nun, da es ihm darüber hinaus auch noch gelungen ist, die Schöpfungslehren an sich zu widerlegen, sondern schlüssig aufzeigt, wie Evolution ablaufen kann, was widerrum die Existenz Gottes bestreitet und die Existenz der Schöpfungslehre widerlegt, ist die Nervosität im Vatikan groß.

Man versucht eine Art Gegenliteratur zu entwickeln, kann da aber bisher noch nicht fündig werden. Wie immer , wenn es um wissenschaftliche Erkenntnisse geht, leugnen die monotheistischen Religionen deren Wahrheitsgehalt, vor allem , wenn diese ERkenntnisse den religiösen Lehren widersprechen.

Auf dieser Grundlage haben die Kirchen sogar Menschen umgebracht, stellvertretend für die Vielen steht Giordano Bruno durch den Katholizismus ermordet, oder Michel Servet, durch die reformierte Kirche ermordet, ja man hat sogar lange noch nachdem die Beweise verifiziert waren, dass die Erde eine Kugel ist(statt einer Scheibe) immer noch lange an der Scheibe festegehalten.

Besonders die Genetik, die Ratzinger in seine 7 neuen Todsünden einstellte, jene Wissenschaft also , die fast permanent wissenschaftliche Ergebnisse zutage fördert, die den Monotheismus widerlegen, wird als "Teufelszeug" betrachtet. Dabei ist längst jedem klar, dass es für alle Technik und Wissenschaften Missbrauch geben kann, ja das ist ja selbst für religiöse Lehren der Fall.

Das Signal, wie etwa "Gott ist tot"(Nietzsche), ist natürlich ein falsches Signal, denn tatsächlich etwas was es nie gegeben hat, kann auch nicht tot sein, oder irgendwann gestorben sein.

So verhält es sich auch mit der Idee der "Windmühlen". Forschungen achten nicht ob etwas gegen Windmühlen oder mit Windmühlen verläuft, sondern forschen den Verlauf überhaupt. Dieser Verlauf zeigt: Die Existenz Gottes ist widerlegt.

Dass diese Widerlegung gleichzeitig damit parallel läuft, dass inzwischen der leibliche Vater des Jesus von Bethlehem bekannt wurde, der Tiberius, Julius, Abdes Pantera(Pantheri) heißt, ist für die Vertreter der These vom Sohn Gottes, ein herber Schlag in die Denkwelt des Religiösen. Trotz vielfältiger Versuche, diese Tatsache abzuwehren, ja immerfort die Religionsgeschichte zu fälschen, historische und archäologische, sowie anthropologische Fakten nicht zur Kenntnis zu nehmen, bleibt abzuwarten ob die Unkenntnis Betsand haben wird, oderf sich das Wissen durchsetzt.

Mit freundlichen Grüßen
Erzkind
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Anmeldungsdatum: 13.04.2007
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BeitragVerfasst am: 29 Jul 2011 - 15:52:37    Titel:

Hallo Knut,

Zitat:
Dawkins kämpft gegen Windmühlen! Niemand, der an Gott „glaubt“, „behauptet“, dass es Gott „gibt“.Im Gegenteil verstößt die Behauptung, dass es Gott gibt, gegen den Glauben an Gott

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Akt und Sein“, Kapitel B, Abschnitt 3b:
"Einen Gott den es gibt, gibt es nicht."


Deine Argumentation hier beruht aber im Grunde doch nur auf einem Wortspiel. Das "es gibt" beschreibt einen Vorgang, bei dem etwas aus dem "es" hervortritt, wobei das "es" ein zunächst bezugsloser Punkt ist, dessen Bedeutung sich erst im Kontext seiner Verwendung konkretisiert. Zu sagen, dass es Gott gibt, heißt nichts anderes, als dass Gott aus unserer Vorstellung in das Seiende eingeht, und damit ist. Zu sagen, dass es einen Gott, den es gibt, nicht gibt, verwendet das Wort gibt einfach nur in zweierlei Bedeutung, wodurch ein scheinbares Paradoxon entsteht, weil hier scheinbar Sein und Nichtsein zusammen fallen. Damit positioniert Bonhoeffer Gott sowohl innerhalb wie außerhalb des Seins, stellt also zwei sich völlig kontrastierende Behauptungen auf, die auf ein und das selbe zutreffen sollen, sodass man je nachdem was sonst jemand über Gott behaupten mag, beliebig hin und her springen kann.

Liebe Grüße,
Alex
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 19:23:45    Titel: Re: Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute I

isi1 hat folgendes geschrieben:
Religion auf die Physik zu gründen ist keine sehr gute Idee.

Das habe ich doch gerade NICHT getan! Ich habe lediglich argumentiert, dass sich sogar die moderne Physik in ihrer Selbstbescheidung als bloße Erfahrungswissenschaft von begrifflichen Vorstellungen gelöst hat. Den Religionen ist vorzuwerfen, dass sie dies nicht tut, obwohl Gott doch als überbegrifflich definiert ist. Wenn es schon der Physik gelungen ist, sich von anthropomorphen Vorstellungen zu befreien, so sollten doch wenigstens heutzutage erst recht die Religionen einsehen, dass sie widersinnigerweise menschliche Vorstellungen auf die Transzendenz übertragen, abgesehen davon, dass es sich auch bei dieser lediglich um eine menschliche Vorstellung handelt!
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knut hacker
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BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 19:34:31    Titel: Re: Dawkins ist Evolutionsbiologe

A.H.Hattray hat folgendes geschrieben:
was widerrum die Existenz Gottes bestreitet und die Existenz der Schöpfungslehre widerlegt,

Wer um Himmels willen behauptet denn die Existenz Gottes und vertritt die Schöpfungslehre? Doch nur Fundamentalisten wie Kreationisten! Am allerwenigsten der Papst, wie ich doch ausführlich zitiert habe! Es gilt als Gotteslästerung, sich Gott als durch das Sein transzendiert vorzustellen! Die Gottesgläubigen gehen davon aus, dass das Sein erst von Gott geschaffen worden sei, er selber also überseiend, das heißt weder seiend noch nicht seiend, sei.
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knut hacker
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BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 19:52:10    Titel:

Erzkind hat folgendes geschrieben:
Das "es gibt" beschreibt einen Vorgang, bei dem etwas aus dem "es" hervortritt, wobei das "es" ein zunächst bezugsloser Punkt ist, dessen Bedeutung sich erst im Kontext seiner Verwendung konkretisiert. Zu sagen, dass es Gott gibt, heißt nichts anderes, als dass Gott aus unserer Vorstellung in das Seiende eingeht, und damit ist. Zu sagen, dass es einen Gott, den es gibt, nicht gibt, verwendet das Wort gibt einfach nur in zweierlei Bedeutung, wodurch ein scheinbares Paradoxon entsteht, weil hier scheinbar Sein und Nichtsein zusammen fallen. Damit positioniert Bonhoeffer Gott sowohl innerhalb wie außerhalb des Seins, stellt also zwei sich völlig kontrastierende Behauptungen auf, die auf ein und das selbe zutreffen sollen, sodass man je nachdem was sonst jemand über Gott behaupten mag, beliebig hin und her springen kann.

Natürlich handelt es sich bei dem Begriff des Seins lediglich um eine Substantivierung einer prädikativen Aussage. Schon Aristoteles hat ja gesagt, dass es sich beim Sein um keine Eigenschaft handelt.
Die Fortsetzung der zitierten Stelle bei Bonhoeffer lautet:"Gott "ist" im Personenbezug, und das Sein ist sein Personsein". Damit drückt er nichts anderes aus als Karl Rahner mit dem von mir angeführten Zitat, nämlich, dass es sich bei Gott nicht lediglich um einen Gegenstand des Seins neben anderen oder über anderen handelt, sondern um Inhalt des Glaubens, der sich gerade nicht auf bloß Seiendes und damit Beweisbares reduzieren lässt: Unterschied zwischen Glaube und Wissen.
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Xenomorph
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BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 21:14:59    Titel:

Zitat:
nämlich, dass es sich bei Gott nicht lediglich um einen Gegenstand des Seins neben anderen oder über anderen handelt, sondern um Inhalt des Glaubens, der sich gerade nicht auf bloß Seiendes und damit Beweisbares reduzieren lässt


Gott ist also Glaubensinhalt.

Glaubensinhalte sind beliebig.

=> Gott ist beliebig.

Objektive Aussagen können dann nicht über diesen komischen Gott getroffen werden. Und was soll dann das Ganze?

Wir können auch etwas "Schlumpf" nennen und mit denselben Eigenschaften versehen, wie Gott definiert wird.

"Ein Schlumpf, den es gibt, den gibt es nicht."
"Schlumpf" = "Ich bin der, der ich bin". (Sehr lustig, aber zumindest in jedem Fall wahr. Very Happy )
"Man soll sich keine Vorstellung von Schlumpf machen, weil man sich keine machen kann. "
usw.

Aber was haben wir davon?
Ich sehe nicht wirklich einen Erkenntnisgewinn, den wir aus solchen sinnlosen Konstrukten ziehen könnten. Ganz egal, ob wir es nun "Gott", "Schlumpf" oder sonst wie nennen.
Erzkind
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BeitragVerfasst am: 01 Aug 2011 - 22:16:12    Titel:

Aufgrund der Erkenntniskritik von Kant und Popper, lässt sich sagen, dass letztlich alles nur geglaubt werden kann. Diese Notwendigkeit zu glauben ließe sich als pragmatischer Glaube bezeichnen, z.B. dass man glauben muss, dass etwas zu Boden fällt, wenn man es loslässt, ohne vorher wirklich wissen zu können, dass dies auch der Fall sein wird. Der Glaube an Überirdisches wiederum wäre dann ein Teil des pragmatischen Glaubens, bei dem die Pragmatik es zwar nicht erfordert, dass man daran glaubt, man kann darum aber ebenso wenig wissen und somit auch nur glauben. (Das nur als Vorbemerkung, weil ich an anderer Stelle mehrmals sagte, dass Glaube und religiöser Glaube nicht das Gleiche sind)

Die Aussage, dass Gott ist, bezeichnet daher Gott nur als Gegenstand des (religiösen) Glaubens. Bonhoeffer versucht diesen Gegenstand durch ein Wortspiel zu begründen. Wenn man in seinem Satz "es gibt" mit "es ist" austauscht (Ein Gott, der ist, ist nicht) entsteht daraus jedoch die Negation des Seins Gottes. Das "es gibt" begrenzt diese Aussage jedoch sprach-gewohnheitlich auf das, was man normalerweise und "es gibt" versteht, nämlich die materielle Existenz. Bonhoeffer verschiebt also Gott aus dem Bereich des Materiellen ins rein Abstrakte. Somit bleibt für einen selbst also nur noch die Frage, woran man da eigentlich glaubt und wie man diesen Glauben mit weiterem Inhalt füllt. Die Idee von Gott gibt es natürlich, auch wenn sie sich formal nicht von rein erfundenem Blödsinn abgrenzen lässt, und so kann man auch glauben, im Sinne von "davon ausgehen", dass Jesus der Erlöser der Welt ist und ihm auf seinem Weg folgen, aber schwieriger wird es bei tatsächlichen sinnlichen Erfahrungen, wie z.B. Wunder oder das Leben nach dem Tod (das ja auch in irgendeiner Weise erfahren werden müsste um nicht bloß eine Erfindung zu sein). Bonhoeffer bringt Gott also nur soweit, dass man von ihm sagt, dass er als Gedanke des Menschen ist. Über das weitere dieses Gottesbildes, also ob Gott die Menschen liebt, was der Weg der Erlösung ist, etc. bleibt auch hier völlig offen und es stellt sich die Frage, weshalb man ihn glauben sollte. Sei es lediglich um der Wahrheitsliebe willen, wird gern die Quantenphysik angeführt und Gleichheiten zwischen deren Erkenntnissen und den Vorstellungen von Gott herangezogen, was aber nichts als poststrukturalistischer Blödsinn ist. Erinnert an die Sokal-Affäre. Im Grunde ist das nichts anderes als zu sagen, dass jeder Schatten schwarz ist und eine schwarze Katze dann für einen Schatten zu halten (was der alte Ratz dann als "verborgene Wechselwirkung von Glaube und modernem Denken" bezeichnet). Verborgen ist daran aber nur sein Versuch die Physik als Begründung des Glaubens zu instrumentalisieren. Die Quantenphysik zeigt nur auf, was wir eigentlich schon seit über 2000 Jahren wissen (Epimenides, der selbst von Kreta stammte, sagte, dass alle Kreter Lügner sein, was ihn ja einschloss, womit aber die zweiwertige Logik an ihre Grenzen stößt), nämlich dass es Dinge gibt, die mit einer zweiwertigen Logik nicht angemessen erfasst werden können. In der Quantentheorie zeigt sich nun, dass dies nicht nur im rein formalen Denken, sondern auch in der Physik der Fall ist. Aha

Liebe Grüße,
Alex

P.S.: Ich stimme Xenomorph voll und ganz zu Smile


Zuletzt bearbeitet von Erzkind am 03 Aug 2011 - 23:08:11, insgesamt 2-mal bearbeitet
knut hacker
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BeitragVerfasst am: 02 Aug 2011 - 15:24:12    Titel:

Xenomorph hat folgendes geschrieben:

=> Gott ist beliebig.


Das ist die zentrale Aussage der lutherischen Reformation, welche inzwischen auch von der katholischen Kirche mit Modifikationen übernommen worden ist.Lateinisch. „Sola gratia! - Allein durch Gnade“. Das bedeutet: Der Mensch hat keinen Einfluss auf Gott, auch nicht, wenn er an ihn glaubt. Damit ist Luther dem Ablasshandel entgegengetreten und der Vereinnahmung Gottes durch den Glauben, ihn durch gute Werke dahin beeinflussen zu können, dass man mit dem ewige Leben belohnt wird.
Mich selber stört an der Ausdrucksweise: „Gott ist beliebig“ aber schon das „ist“.Denn damit wird Gott nicht nur ein Sein zugeschrieben, sondern in Verbindung mit dem Adjektiv „beliebig“ auch eine Eigenschaft. Gott ist aber gerade so definiert, dass er weder positiv noch negativ festgelegt ist, sondern über jeder Festlegung steht. Der christliche Glaube geht daher davon aus, dass Gott für den Menschen überflüssig ist und seine Relevanz erst durch die Menschwerdung in Gestalt Jesu erlangt habe.
Ich möchte auch hier wieder betonen, dass ich persönlich areligiös und antikirchlich eingestellt bin und hier – im Rahmen philosophischer Argumentation - den Standpunkt der Gottesgläubigen gegen Vorurteile klarstellen möchte.

Xenomorph hat folgendes geschrieben:


Ich sehe nicht wirklich einen Erkenntnisgewinn, den wir aus solchen sinnlosen Konstrukten ziehen könnten.



Den Anspruch eines Erkenntnisgewinnes erheben die Theisten eben gerade nicht! Nach ihrem Selbstverständnis ist der Glaube vom Standpunkt des Wissens aus gesehen durchaus sinnlos.Sinn habe Gott erst erschaffen und unterliege solchem nicht.

Ich möchte die Fragen hinzufügen, was denn überhaupt Sinn haben soll und was Sinn sein soll.
Wie an anderer Stelle wiederholt ausgeführt, ist letztlich alles kontingent.Die Naturwissenschaften kennen den sogenannten Sinnhorizont, jenseits dessen jede Aussage sinnlos wird.Sinn ist etwas Seiendes und gilt daher für das Sein selbst nicht Welchen Sinn sollte auch Sinn haben?
Es gibt einen Sinn nur in der alltäglichen Lebensbewältigung - z.B. arbeite ich, um für den Lebensunterhalt zu sorgen und sorge für ihn, um zu leben und lebe – so die Evolutionstheorie -, um durch Fortpflanzung die Art zu erhalten und durch den Tod weiterzuentwickeln u.s.w. Aber welchen Sinn das alles haben soll - z.B. dass man lebt, sich zu diesem Zweck ernähren muss ,die Art fortentwickelt werden soll (warum ist nicht gleich, was erst werden soll?) - dafür gibt es keine Antworten!
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BeitragVerfasst am: 02 Aug 2011 - 16:27:09    Titel:

Fortsetzung:

Xenomorph hat folgendes geschrieben:

Gott ist also Glaubensinhalt.


Was ist NICHT Glaube?

„.... dass sowohl die Mathematik als auch die Religion als Grundlage eines Glaubens bedürfen, den das Individuum selbst mitbringen muss.“
So die Mathematiker Davis und Hersh, 1990, In: „Descartes Traum. Über die Mathematik von Zeit und Raum“, Seite 304).

„..dass kein logisches System seine eigene logische Stimmigkeit nachweisen kann. Der Glaube an die Logik ist in anderen Worten nicht weniger subjektiv (als) der Glaube an ein säkulares oder mystisches Erklärungsprinzip, weil die Logik selber weder logisch noch subjektiv objektiv verifiziert werden kann.“
So der Mathematiker und Logiker Gödel, Unvollständigkeitssätze

„Man muss bereits an etwas glauben, um etwas anderes rechtfertigen zu können.“
So W. Stegmüller, „Metaphysik, Wissenschaft, Skepsis“ ,1954,1969, Seite 307, Seiten 211ff

„In keiner religiösen Konfession ist soviel durch den Missbrauch metaphysischer Ausdrücke gesündigt worden wie in der Mathematik“
Christos Joachimidis, zitiert nach Klaus Arens, „Die Herren von Metropolis...“

„... dass die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt...“
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft
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BeitragVerfasst am: 03 Aug 2011 - 19:20:42    Titel:

Xenomorph hat folgendes geschrieben:
Gott ist beliebig.



Ich habe hierzu bereits auf den Grundsatz "sola gratia" verwiesen.

Dazu auch noch ein Aspekt von Bonhoeffer:

„Wir können nicht redlich sein, ohne zu erkennen,dass wir in der Welt leben müssen , `etsi deus non daretur´ “(als ob es Gott nicht gäbe). „Und eben dies `deus non daretur´ erkennen wir vor Gott. Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden.Der Gott, der mit uns ist,ist der Gott, der uns verlässt...Der Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen.Vor und mit Gott leben wir ohne Gott “
(Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und
Erhebung. Briefe und Aufzeichnungen
aus der Haft,München 1959,241).
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BeitragVerfasst am: 04 Aug 2011 - 19:22:37    Titel: Re: Dawkins ist Evolutionsbiologe

A.H.Hattray hat folgendes geschrieben:


Nun, da es ihm darüber hinaus auch noch gelungen ist, die Schöpfungslehren an sich zu widerlegen,



Die beiden Schöpfungsgeschichten der Genesis sind keine Lehren, bestätigen aber philosophisch die Evolutionslehre Darwins!
Von biblischen Schöpfungslehren geht lediglich der fundamentalistische und sich dadurch selbst ins Abseits stellende Kreationismus aus und zwar aufgrund folgender falscher Prämissen, die Gott als Gefangenen menschlicher Vorstellungen begreifen. Mir ist es wert, dies ausführlicher zu begründen, auch wenn ich das bereits in einem eigenen Thread getan habe:

I Vorab zur Verdammung des Zufalls durch die Kreationisten:

1) Wenn Gott allmächtig ist, muss er auch den Zufall geschaffen haben. Selbst wenn man die Evolutionstheorie Darwins dahin missversteht, dass sich der Mensch zufällig aus niederen Lebewesen entwickelt habe ( dabei wird neben der Mutation die Adaption durch Selektion - sog. gesteuerter Zufall - übersehen!), ist er also ein Geschöpf Gottes.

2) Zufall ist nichts Negatives, auch und gerade in der Evolutionslehre nicht.

a) Er bedeutet nicht Willkür, sondern eine Ursache, die ihrerseits keine Ursache mehr hat, also letzte Ursache. In ihr sahen daher die christlichen Mystiker des Mittelalters eine Offenbarung Gottes, da Gott die letzte Ursache von allem sei und daher selbst über alle menschlichen Vorstellungen, also auch das Kausalitäts- und Sinnprinzip, erhaben sei.

b) Zufall ist nicht „blind“. Er begründet in seiner Summierung Wahrscheinlichkeiten und letztlich (statistische) Gesetzmäßigkeiten, wie die Quantenphysik lehrt.
Nach der Evolutionslehre setzt er eine zielgerichtete Kausalkette in Gang: Durch ihn probiert die Natur Möglichkeiten zur optimalen Anpassung an die Umwelt aus, wobei alle weniger geeigneten Möglichkeiten als weniger überlebensfähig bei der Population ausscheiden (Mutation, Adaption, Selektion).

II Zu den biblischen Schöpfungsgeschichten:

Diese stehen nicht nur nicht im Widerspruch zur Evolutionslehre, sondern bestätigen sie!

1) Nach 1. Mos. 4,10 ,12 ,18 ,21 ,25 ,31 unternahm Gott erst die jeweiligen Schöpfungsschritte, danach bewertete er sie jeweils als gut, zuletzt als sehr gut. Die Schöpfungsakte hatten also noch weder Grund noch Ziel, sondern Grund und Ziel wurden erst mitgeschaffen, so dass erst dann die Beurteilung – aufgrund des ebenfalls erst geschaffenen Maßstabes des Gegensatzes von Gut und Schlecht – möglich war. Gott ist in seiner Allmächtigkeit nicht überbestimmt ( transzendiert ) durch Gründe und Ziele oder einen Maßstab zur Bewertung seines Handelns. All dies hat er mit seiner Schöpfung erst mitgeschaffen ( Hiob 38,5 ), abgesehen davon, dass auch deshalb nicht von einer „sinnvollen“ Schöpfung gesprochen werden kann, weil „Sinn“ Zeit voraussetzt, in der er verwirklicht werden soll, Gott aber in seiner Allmächtigkeit auch die Zeit erst geschaffen hat und nicht darauf angewiesen ist, ein Ziel erst in der Zukunft zu erreichen, statt es ohne den Umweg über die Zeit „sofort“ zu verwirklichen.

Die Schöpfung selbst – die nicht als zeitlicher Vorgang zu begreifen ist, da die Zeit erst Teil der Schöpfung ist – unterlag also weder Grund, Ziel noch Urteil; sie erscheint aus der Sicht der Geschöpfe als „Zufall“.

2) Auch 2. Mos. 7 nennt weder einen Grund noch ein Ziel für die Erschaffung des Menschen durch Gott.

3) Nach 6. Mos. 6f verwirft Gott sogar seine eigene Schöpfung, soweit sie Lebewesen betrifft. Das erinnert an das Selektionsprinzip der Evolutionstheorie.

4) Im Buch der Weisheit – von Luther allerdings nicht anerkannt - heißt es im 2. Vers des 2. Kapitels: „Denn durch Zufall sind wir geworden...( s.a. Pred. 3.19 a).

5) Die Genesis beginnt mit den Worten: „Bereschit Bara Elohim. Sie werden mit: „Im Anfang schuf Gott..“ sehr unzureichend übersetzt.

„reschit“ bedeutet nicht selbst den Anfang, sondern bezieht sich auf etwas „Beginnendes“.Es selbst bedeutet etwas absolut Originäres,das insbesondere weder räumlich noch zeitlich und damit auch nicht kausal beschrieben werden kann, etwa das, was die Quantenphysik als Quantenfeld bezeichnet, etwas jenseits von Sein und Nichtsein,von den Vorsokratikern und den fernenöstlichen Weisheitslehren als das „Eine“, Unbezeichenbare lediglich vorstellungsanalog ausgedrückt, also letztlich das Unvorstellbare.
„ Bara“ bezeichnet ein nicht zeitliches und daher auch nicht kausales, nicht objektbezogenes Manifestieren, Offenbaren.
„ Elohim“ ist ein Pluralwort, obwohl „Bara“ Singular ist.Außerdem ist es geschlechtslos. Es kann daher als Vielheit bezeichnet werden, meint aber – verglichen mit den übrigen Kontexten – den Gegensatz, insbesondere von Gut und Böse.

Im „Theologischen Wörterbuch zum Alten Testament“ wird folgende Übersetzung des Beginns der Genesis vorgeschlagen: „Als Gott begann, Himmel und Erde zu schaffen, - die Erde war wüst und leer... -, da sprach Gott: 'es werde Licht' “ .
In der Sprache der Quantenphysik ist wohl folgende Ausdrucksweise angebracht: „Aus dem Jenseits von Sein und Nichts erscheint uns als Betrachter Potenzialität...“ Oder: „ Aus dem Unbegreiflichen offenbarten die Gegensätze ….“, „Aus dem jenseits des Bewusstseins Liegenden (bereshit) offenbart sich (bara) in gegensätzlicher Einheit (Elohim) Himmel (Transzendenz) und Erde (Realität).“
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BeitragVerfasst am: 04 Aug 2011 - 22:17:19    Titel:



Zuletzt bearbeitet von Moscha am 01 Feb 2012 - 15:11:09, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 05 Aug 2011 - 20:29:57    Titel:

Danke, Moscha, es ist immer wieder ein geistiger Hochgenuss, deine sprühenden geistigen Feuerwerke auf sich niederprasseln zu lassen! Auch lernt man bei dir nicht aus.

Moscha hat folgendes geschrieben:
Manche sagen: Am Anfang war das Wort. Ich frage dann immer: War es nicht der Ton


Eine sehr reizvolle „Interpretation“ des Anfanges des Johannesevangeliums, und von dir gut „belegt“! Ich denke hier auch an das kosmische Hintergrundrauschen. Und an Nietzsche: „Ohne Musik wäre die Welt ein Irrtum.“

Du gestattest ein anderes Gedankenspiel: Am Anfang war das Wort, die Ant-wort auf das Ende!

Oder weniger kryptisch:

Am Anfang war das Wort.
Sein Echo war die Frage
und Schweigen die Antwort.
Ihr Echo bleibt die Klage.
Das Ende bricht das Wort,
der Ewigkeit zur Sage!

Gott sprach nie und schweigt fort.
Nur WIR hatten das Wort!:


Moscha hat folgendes geschrieben:

Mit der Entdeckung der Superstringtheorie gewannen diese musikalischen Metaphern eine verblüffende Realität


Ja, zumal die Superstrings 12 bekannte Dimensionen aufweisen wie die Anzahl der Töne m nachmittelalterlichen abendländischen Tonsystem und mathematisch unendliche viele Dimensionen aufweisen müssen, so wie in der modalen orientalischen Musik die Anzahl der Töne nicht begrenzt ist ( die 624 spielbaren Töne einer Tonskala resultieren aus einer technischen Begrenzung durch die Instrumente )
Nebenher ein Tipp: Man höre sich doch einmal die bei uns völlig unbekannte griechische Musik an, die die Griechen selbst hören, und staune, wie arm sich da doch dagegen unsere westliche Musik anhört.

Moscha hat folgendes geschrieben:



Im Gegensatz dazu versteht das Standartmodell die elementaren Bausteine des Universums als punktförmige Elemente ohne innere Struktur. Zwar ist dieser Ansatz ausserordentlich leistungsfähig. Fast jede Vorhersage des Standartmodells über die Mikrowelt bis zu Abständen von einem milliardstel milliardstel Meter, ist bestätigt worden. Trotzdem kann das Standartmodell keine vollständige oder endgültige Theorie sein, weil es die Gravitationen nicht miteinbezieht. Alle Versuche, die Gravitation in das quantenmechanische System einzugliedern, sind gescheitert, weil bei ultramikroskopischen Abständen - das heisst bei Abständen, die kürzer als die Planklänge sind - heftige Fluchtuationen in der Raumstruktur auftreten.



Ich freue mich über diese fundamentalen Kenntnisse der Quantentheorie, die man eigentlich bei jedem Philosophen voraussetzen sollte ( Heisenberg hat die Quantentheorie als die Philosophie unserer Zeit bezeichnet).

Moscha hat folgendes geschrieben:



Erwähnens- und auch lesenswert, das Werk von Weinreb: Schöpfung im Wort. Nachfolgend ein paar Leseproben ...



Danke, diese Zitate waren wir noch nicht bekannt. Ich kenne von Weinreb lediglich „Kabbala im Traumleben des Menschen “

Zur Schöpfungsgeschichte schreibt er dort.

„Die alten Kommentare betonen auch, dass das Wort ´Bereschith` mit dem die Schöpfungsgeschichte beginnt, gar nicht `im Anfang` bedeutet, sondern `in der Hauptsache`, `im wichtigsten Prinzip`, schon im ersten Buchstaben sei die ganze Welt da und alles, was weiter komme, sei das gleiche; es gebe gar keine Reihenfolge, kein Gesetz“ Verblüffend, wie dies der heutigen Interpretation der Singularität des Urknalls entspricht, nämlich dass es einen Anfang der Raumzeit nicht geben könne, weil ein solcher diese bereits voraussetzt.

Und noch eine Parallele zur Quantenphysik:

„ Dem Verstand ist es unbegreiflich, dass sich die Gegensätze Himmel und Erde, Unsichtbares und Konkretes je vereinigen können. Die `dudajim` aber bezeugen, dass es am Ende, wenn Ernte ist, doch geschieht. Daher schreibt sich der Name David wie `dudajim´, als `2 Davids´ sozusagen. Die Überlieferung spricht von 2 Messiasen am Ende, das Neue Testament nennt 2 Genealogien von Jesus. Nichts hier ist wahr, wenn es nicht als Paradox erscheint; erscheint nur eine Seite, kann es nicht stimmen, ist es Lüge. Man nennt daher eine Erklärung, die hier logisch stimmt, einen Trugschluss. Auch in den Wissenschaften, vor allem in der Mathematik und Physik, beginnt man, das immer mehr einzusehen: Im Beweis meldet sich der Antibeweis; komplette Klarheit kommt nicht aus logisch-kausalem Erklären.“ Das ist genau die Quantenlogik und Grundlage der Q-bits in der technischen Nutzanwendung.
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BeitragVerfasst am: 08 Aug 2011 - 18:04:12    Titel:

Moscha hat folgendes geschrieben:


Philosophen und Naturforschern - die sich über die Rätsel des Kosmos den Kopf zerbrechen - dient seit langem die Musik als Lieblingsmetapher.



Neben Nietzsche möchte ich hierzu auch noch Beethoven zu Wort kommen lassen:

"Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie"
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BeitragVerfasst am: 08 Aug 2011 - 23:01:33    Titel:



Zuletzt bearbeitet von Moscha am 01 Feb 2012 - 15:11:41, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 09 Aug 2011 - 17:04:11    Titel: Richard Dawkins Gotteswiderlegung

kann kein Denkfehler sein, weil diese Gotteswiderlegung nicht aus Denken, sondern aus Forschen enstanden ist.

Die Beweise für diese Forschung, dass Gott nicht existieren kann und der Schöpfungsmythos und die Offenbarungslehren Lügen sind, ist erbracht und wurden 2009 veröffentlicht(im angloamerikanischen Raum/2010 in Europa)

Seither hat kein Evolutionsbiologe die Forschung des Richard Dawkins widerlegt, im Gegenteil, diesen Forschungen zugestimmt.

Nur mit Denken, ohne sich zuvor mit den Forschungen befasst zu haben, sind wissenschaftliche Erkenntnisse nicht zu widerlegen, dazu gehört jenes interdisziplinäre Wissen das man sich nur aneignen kann, wenn man ein hohes Können auf diesen Wissensgebieten angeeignet hat.

Wer wiederlegen will, was derzeit noch nicht widerlegt worden ist, der soll bitteschön die biologischen Voraussetzungen kennen, über die nachgeforscht worden ist. Es muss auch der wissenschaftliche Ansatz stimmen, denn man kann nicht meinen, dass "Kinderkriegen" was mit der "Blume und der Biene" zu tun hat.

Mit freundlichen Grüßen
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BeitragVerfasst am: 09 Aug 2011 - 19:26:18    Titel: Re: Richard Dawkins Gotteswiderlegung

A.H.Hattray hat folgendes geschrieben:
kann kein Denkfehler sein, weil diese Gotteswiderlegung nicht aus Denken, sondern aus Forschen enstanden ist.

Ojeojeojemmine! Was wäre ein erforschter Gott?!! Ein bloßer Gegenstand des Seins (= Bewußtseins ).
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BeitragVerfasst am: 09 Aug 2011 - 19:42:50    Titel: Re: Musica e Vita ...

Moscha hat folgendes geschrieben:
Musik, unser aller Lebenssinfonie? Intervallverhältnisse. Wellen. ~~~

Und der Humor!!!!
Überhaupt alle Harmonie. Im alten Griechenland war Musik und Mathematik ein und dasselbe Fach mit der Bezeichnung Musik. Man hatte entdeckt, dass die Töne beim Erklingen einer Seite harmonieren, wenn die Längen der Seite in einem mathematischen Verhältnis zueinander stehen. Es gibt auch die Meinung, dass Mathematiker musikalisch und musikalische Menschen gute Mathematiker sind.

Im übrigen, glaube ich, sollte man dir für deine nicht nur äußerst informativen, sondern auch anspruchsvollen und vor allem gedanklich eigenständigen und daher neue Perspektiven eröffnenden Beiträge danken, was ich hiermit - hoffentlich auch stellvertretend für die anderen Diskutanten - tue.
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BeitragVerfasst am: 17 Jun 2012 - 13:39:55    Titel: Artikel von Patrick Becker ...

Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben

Patrick Becker

Viele Religionskritiker heute wollen Glaubenssätze und theologische Aussagen auf dem Seziertisch empirischer Analyse sehen. Was sind die Grundlagen dieser für die Theologie eher befremdlichen naturwissenschaftlichen Denkweise? Und wie sollte man mit dieser Herausforderung umgehen?

Der unter dem Label des Neuen Atheismus emotional geführten Debatte um die Existenz Gottes und die Sinnhaftigkeit des Glaubens an ihn lässt sich bei nüchterner Analyse (vgl. dieses Heft, 2?ff.) leicht einige heiße Luft entnehmen. Richard Dawkins' „Gotteswahn" ist durchsetzt von Zirkelschlüssen, Missverständnissen und vor allem zu wenig Differenzierung. Dass er dennoch hohe Auflagenzahlen und zahlreiche Übersetzungen erfahren hat, deutet darauf hin, dass seine ideologische Ausrichtung in unserer Zeit auf Anerkennung stößt. Offensichtlich greift der Neue Atheismus Paradigmen unserer Zeit auf, die von der Theologie einerseits kritisch zu reflektieren sind und andererseits auch positiv aufgegriffen werden müssen, wenn sie nicht weiter an Relevanz verlieren möchte.

Das Kernanliegen, wie es von Dawkins oder - deutlich vorsichtiger und auch redlicher - etwa von Daniel Dennett vertreten wird, liegt darin, religiöse Aussagen sowie Phänomene empirisch zu überprüfen (vgl. HK, Mai 2010, 254 ff.). Es geht ihnen zentral also nicht um den Wahrheitsgehalt, um ein Abwägen logischer Argumente und damit um einen philosophischen Zugang zur Frage nach Gott, sondern um eine empirische Herangehensweise. Sie wollen Religion auf dem Seziertisch naturwissenschaftlicher Analyse sehen. Was sind die Grundlagen dieser für die Theologie eher befremdlichen naturwissenschaftlichen Denkweise?

Das aktuelle naturwissenschaftliche Verständnis von Verursachung

Die Eigenart des modernen naturwissenschaftlichen Denkens kann anhand des Verständnisses von Ursache und Wirkung sowie von Entwicklung verdeutlicht werden. Mit ihnen sind zwei zentrale Eckpfeiler der Naturwissenschaften benannt, die zu einer Veränderung des gesamtgesellschaftlichen Weltbildes beigetragen haben.

Der auf ein Ziel ausgerichtete Blick in die Zukunft hat wie überhaupt menschlich-geistige Verursachung in diesem Denken keinen Platz. Die für uns Menschen selbstverständliche Rede von Intentionen, Wünschen und Plänen kann so nicht erfasst werden, genauso wenig kann eine Sinnperspektive eingenommen werden. Menschliches Handeln wird nicht durch Zielsetzungen hervorgebracht, sondern durch die Vorgaben vorausgehender Ereignisse - so die naturwissenschaftliche Denkweise. Es ist daher im Prinzip nicht anders zu analysieren und bewerten wie Veränderungen bei Pflanzen oder auch unbelebter Materie.

Um zu verstehen, warum sich dieses dem Selbstverständnis des Menschen widersprechende Denken in den modernen Naturwissenschaften durchsetzen konnte, lohnt ein Blick auf seine Entstehung. Wiederum an Aristoteles lässt sich der vormoderne Ansatz nachvollziehen. Die gängige Einteilung seines Schriftkorpus sieht drei große Bereiche vor: die theoretische, die praktische und die hervorbringende Wissenschaft.

Für die empirische Wissenschaft gibt es gerade keine eigene Kategorie, die Naturdarstellungen des Aristoteles werden dem theoretischen Bereich zugerechnet. Entsprechend hielt Aristoteles die Naturwissenschaften vor allem für ein denkerisches Unterfangen. Wesentlicher als die empirische Beobachtung erschien ihm offensichtlich die denkerische Erfassung von Sinn und Zweck eines Objekts. Dem entspricht, dass in der Antike zwar die Naturbeobachtung, aber nicht das wissenschaftliche Experiment gängig war.

Dieses Denken änderte sich in der Neuzeit. Als ein Vater der modernen Naturwissenschaften darf René Descartes gelten. Seine radikale Trennung von Geist (res cogitans) und Materie (res extensa) erwies sich als fruchtbare Basis für die Aufteilung der Disziplinen auf die beiden Bereiche. Die Naturwissenschaften mit ihrer empirischen Arbeitsweise untersuchen lediglich die eine Seite der Welt und des Menschen. Alles Geistige, also die menschliche Selbsterfahrung, seine Gefühle, die Ethik und auch die Frage nach Gott wurde den Disziplinen überlassen, die auf der anderen Seite der cartesianischen Einteilung stehen, allen voran Theologie und Philosophie. Die Naturwissenschaften treten also mit einer Selbstbeschränkung an: Sie tun so, als ob es die geistige Ebene nicht gibt beziehungsweise als ob sie keinen Einfluss auf die physische Welt nimmt.

Entsprechend werden die Prozesse der Welt ausschließlich in der Hinsicht beschrieben, dass eine kausale Abhängigkeit des einen Zustands vom vorherigen angegeben wird. In allen Naturwissenschaften liegt so eine funktionale Erklärung der Welt vor. Wenn William Harvey dank naturwissenschaftlicher Analyse das Herz als Pumpe beschreiben kann, dann bleibt er auf einer rein funktionalen Ebene. Der Erfolg der Naturwissenschaften, der uns komplizierte Formeln und faszinierende Anwendungen beschert hat, tritt dadurch ein, dass die Welt funktional betrachtet wird.

Der durchschlagende Erfolg der Naturwissenschaften drängt die Frage auf, ob es neben dem funktionalen Zugang zur Welt überhaupt noch einen zweiten braucht. Der Nobelpreisträger Francis Crick etwa bemängelte unverblümt, dass die Philosophie keinerlei greifbare Erkenntnisse hervorgebracht habe, und zieht daraus ein negatives Urteil über ihre Qualität beziehungsweise überhaupt Sinnhaftigkeit.

Die Behauptung, dass auf philosophischer Ebene kein Fortschritt stattgefunden habe, kann zwar kaum stehen bleiben, wird man im Allgemeinen etwa der Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten doch einigen Wert zusprechen müssen. Allerdings ist dem heutigen Menschen intuitiv plausibel, was Crick mit dem durchschlagenden Erfolg der naturwissenschaftlichen Methode meint, da seine Manifestationen im Alltag in Form von Autos, Mikrowellen und Waschmaschinen greifbar sind.

Das Crick'sche Argument besitzt jedoch auch über die Alltagsplausibilität hinaus eine tiefergehende logische Schärfe. Wer unvermindert an der Verschiedenartigkeit des philosophisch-theologischen und des naturwissenschaftlichen Zugangs an die Welt im cartesianischen Sinne festhält, sieht sich in einer Konkurrenzsituation: Er wird zugeben, dass es nicht sinnvoll ist, in Bereichen, in denen die Naturwissenschaften lückenloses Wissen besitzen, ein zusätzliches geistiges Wirkprinzip zu behaupten. Es ist nicht plausibel, einen auf das Gehirn einwirkenden freien Willen zu postulieren, wenn die Neurowissenschaften die Funktionsweise des Gehirns allumfassend analysieren können. Genauso wird es schwierig, an dem Wirken Gottes in der Welt festzuhalten, wenn die Naturwissenschaften alle Naturgeschehnisse lückenlos beschreiben können.

Manche gehen deshalb auf die Suche nach Lücken, die ihnen die Naturwissenschaften lassen. Nach dem aktuellen Stand der Naturwissenschaften ist dies jedoch ein schwieriges Unterfangen. Die - naturwissenschaftlich - kausale Geschlossenheit der Welt ist zwar, wie Hans-Dieter Mutschler zu Recht betont, lediglich eine Interpolation der vorliegenden Gesetzmäßigkeiten. Es ist davon auszugehen, dass die Naturwissenschaften nie ein kausal geschlossenes System vorlegen werden. Allerdings muss auch gesehen werden, dass die Naturwissenschaften auf keinerlei Indizien für ein einwirkendes Geistprinzip gestoßen sind. Nach dem aktuellen Stand der Naturwissenschaften ist das Votum für ein selbstständiges Geistprinzip daher - vorsichtig formuliert - gewagt. Hieraus zieht der Reduktionismus, der die Existenz von einem eigenständigen und kausal wirksamen Geistprinzip ablehnt, seine Kraft. Auch der Naturwissenschaftler, der sich nicht als Reduktionist sieht, ist mit dieser Herausforderung konfrontiert.

Eine zweifache Herausforderung für die Theologie

Für die Theologie bedeutet dies auf zwei Feldern eine Herausforderung: Der reduktive Naturalismus, der nur den naturwissenschaftlichen Zugang zur Welt akzeptiert, lässt Gott keinen Platz mehr im Hier und Jetzt. Ein Wirken Gottes ist dann entweder nur noch deistisch als einmaliger Schöpfungsakt zu Beginn der Weltgeschichte verstehbar oder als Wunder im Sinne eines Hinwegsetzens über die Naturgesetze. Letzteres kann ein Reduktionist logisch nicht ausschließen, er wird jedoch hinter jedem Wunder eine natürliche Erklärung vermuten und diese suchen. Auch hier steht dann die Plausibilität der Wunderinterpretation gegen den naturwissenschaftlichen Ansatz, der bereits viele mysteriöse Ereignisse einer natürlichen Erklärung zuführen konnte. Geschehnisse als Wunder zu deuten, hat für den heutigen Menschen daher an Reiz verloren.

Zum anderen wird mit der Ablehnung eines Geistprinzips der Mensch auf seinen Körper reduziert, auf seine objektiv messbare Seite. Menschliches Fühlen, Denken und Verhalten wird von der Hirnforschung auf ein neuronales Geschehen reduziert. Eine über verobjektivierbares, neuronales „Feuern" hinausgehende Ebene subjektiver Bedeutung und Sinnhaftigkeit wird nicht erreicht und daher von einigen im öffentlichen Fokus stehenden Vertretern der Hirnforschung rundweg abgelehnt.

„Die Formel lautet: Der Geist ist nichts anderes als ein bestimmter Hirnzustand", fasst Alexander Loichinger das Programm des Reduktionismus zusammen, wie es in Deutschland publikumswirksam von Gerhard Roth oder Wolf Singer vertreten wird. Für die theologische Gotteslehre mag diese Herausforderung der Naturwissenschaften zunächst sekundär erscheinen, sie führt jedoch direkt zu einem weiteren, dritten Problem: Wenn das menschliche Gehirn - wie die gesamte Natur - auf naturwissenschaftliche Kausalität reduziert wird, dann hat die Sinnperspektive keinen Platz mehr. Wenn Kausalität grundsätzlich nur mit Blick in die Vergangenheit analysiert wird, dann kann keine Ausrichtung auf die Zukunft passieren. Jede Form von Teleologie verliert ihre Berechtigung.

Die Natur kenne keine Zielgerichtetheit, betont etwa Bernulf Kanitscheider. Die christliche Hoffnung auf zumindest einen innerweltlichen Sinn lässt sich damit nicht vereinen. Und ob sinnvoll von einem außerweltlichen Sinn gesprochen werden kann, wenn er aus innerweltlicher Perspektive prinzipbedingt nicht festgestellt werden kann, bleibt zumindest fraglich. Entsprechend dem Reduktionismus besitzt der Mensch keinen Geist, der sich selbst transzendieren kann, der sich außerhalb der Naturdeterminanten stellen kann, der eine Form von Bedeutung und Sinn kennt, der über die empirisch feststellbaren Kausalitäten hinausgeht.

Mit der Diskussion um eine Gerichtetheit wird die zweite große Säule erreicht, auf der unser heutiges naturwissenschaftliches Denken basiert: dem Entwicklungsgedanken. Während die erste, gerade geführte Diskussion um das Kausalitätsverständnis eher in der Physik verortet wird, führt die Vorstellung von Entwicklung eher in die Biologie. Der Erfolg der Darwinschen Evolutionstheorie stellte sich dadurch ein, dass sie eine Reihe bemerkenswerter Phänomene erklären konnte, insbesondere die Ähnlichkeiten und die Unterschiede zwischen einzelnen Arten auf verschiedenen Teilen der Welt. Durch die spätere Kombination mit anderen Forschungszweigen, etwa der Mendel'schen Vererbungslehre sowie der gesamten Genetik, gewann die Evolutionstheorie weiter an Tiefgang und damit Erklärungswert.

Nicht nur der Erklärungswert der Evolutionstheorie, sondern auch ihre Auswirkungen auf das allgemeine Weltbild können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das vormals eher statische Denken wurde im Rahmen der Ausführungen zu Aristoteles bereits angedeutet. Wenn Naturwissenschaft eher als denkerische Herausforderung gesehen wurde, deren Ziel die Angabe des Wesens oder der Substanz von Objekten war, dann war der Blick mehr auf einen überzeitlichen und damit unwandelbaren Kern als auf die Veränderungen innerhalb der Zeit gerichtet. Der Fokus lag gerade nicht auf Entwicklung, was sich auf vielen verschiedenen Ebenen auswirkte und sowohl in der philosophischen Reflexion als auch dem konkreten Alltagsdenken der Menschen niederschlug.

Für die philosophisch-theologische Reflexion bringt der Entwicklungsgedanke eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Wenn man gerade nicht mehr apodiktisch (nämlich auf ontologischer und damit der Empirie unzugänglicher Ebene) die Unterschiede zwischen Mensch, Tieren, Pflanzen und unbelebter Natur behaupten kann, muss man naturwissenschaftliche Kriterien finden, nach denen unterteilt wird. Es ist kein Zufall, dass sich die Systematik der Biologie kontinuierlich verändert, und zwar nicht nur im Rahmen von geringfügigen Grenzverschiebungen. Selbst die Frage nach der Einteilung im Großen (den biologischen „Reichen") wird im Verlauf der Jahrzehnte unterschiedlich behandelt.

Auch die Frage, wann Leben beginnt - und damit der Zuständigkeitsbereich der Biologie - wird kontrovers diskutiert. Konsensfähig ist die Feststellung, dass Leben dann vorliegt, wenn Stoffwechsel, Fortpflanzung und damit die Möglichkeit von Mutationen feststellbar sind, da damit die Grundprinzipien der biologischen Evolution benannt sind. Nur wenn Mutationen entstehen, kann der biologische Prozess der Selektion, also der Konkurrenz und Bewährung von Merkmalen, ablaufen. Es setzt sich dann immer das Lebewesen durch, das sich besser an die Umgebung angepasst hat oder eine geeignete Nische gefunden hat. Schon auf dieser rudimentären Ebene des Evolutionsprozesses taucht die Frage auf, in der das Kausalitätsverständnis kulminierte: Kann in diesem evolutiven Geschehen eine Teleologie, eine Zielgerichtetheit, entdeckt werden, oder handelt es sich um ein blindes „Zufalls"-Geschehen?

Um ein Ziel auszumachen, muss eine qualitative Entwicklung innerhalb der Evolution gesehen werden können. Der Biologie selbst fehlt die Möglichkeit zur qualitativen Unterscheidung. Evolutiv betrachtet gibt es kein höherwertiges Wesen. Allen Lebewesen ist gemeinsam, dass sie eine bestimmte ökologische Nische besetzen und daher eine Besonderheit aufweisen. Die Frage ist lediglich, wie lange sie ihre Nische behaupten können.

Als naturwissenschaftlich anschlussfähiges Kriterium für eine qualitative Unterscheidung zwischen den Lebewesen bietet sich zwar das Kriterium der Komplexität an, doch führt dieses nur beschränkt zu einer klaren Grenzziehung. Komplexität ist kein Alles-oder-Nichts-Kriterium, sondern liegt in verschiedenem, noch dazu schwer bestimmbarem Umfang vor. Eine radikale Unterscheidung zwischen dem mit Würde ausgestatteten Menschen und einem davon abgesetzten Tier gelingt nur beschränkt. Auch Tiere kennen mitunter Sozialverhalten, Werkzeuggebrauch und moralische Maßstäbe: also Kennzeichen, die lange Zeit nur dem Menschen zugesprochen wurden.

Zur Bestimmung des „Rubikon der Hominisation" (Ulrich Lüke) und damit zur Begründung der Gottebenbildlichkeit des Menschen blieb bislang noch seine Religiosität übrig. Aber auch hier setzen reduktive Naturalisten mit ihrer Kritik an, etwa Daniel Dennett, der behauptet, dass Religiosität nicht kulturübergreifend zum Menschen gehört und damit als Ausschließlichkeitskriterium ausfällt und umgekehrt Vorformen von Religiosität genauso beim Tier auszumachen sind.

Eine letzte Herausforderung folgt aus der Evolutionslehre. Mit einigem Gewinn wird die Evolutionstheorie von Anthropologen wie Pascal Boyer inzwischen auch auf den Bereich der Kultur übertragen. Die Logik dahinter ist, dass die gesamte Entwicklung des Universums, also vom Urknall über die Entstehung des Lebens bis hin zu den kulturellen Leistungen der Menschheit, einem großen Entwicklungsparadigma zu unterstellen ist. Daher wird von Boyer das zentrale Kriterium für evolutive Entwicklung, das der Auslese nach Nützlichkeit, auch auf die Kultur übertragen.

Kulturell durchgesetzt habe sich das, was der Verbreitung der Gene dient. Kultur stelle keine neuartige Qualität im Universum dar, die die biologische Seite des Menschen übersteige, sondern nur ein besonderes Werkzeug zur Genverbreitung. Zur Erklärung religiöser Phänomene benötigt Boyer entsprechend nicht den Rekurs auf Gott und ein Offenbarungsgeschehen, sondern er gibt innerweltliche Funktionen von Religion an, etwa die Legitimation von Autorität, Recht und Macht, den Heilungseffekt von Ritualen und anderes mehr.

Die Stärke der Argumentation Boyers liegt darin, dass die genannten Eigenschaften zumindest zum Teil sicherlich tatsächlich vorliegen. Wenn der Glaube an Gott dem Menschen nicht gut täte, dann würde das ein negatives Gottesbild aufnötigen, das zumindest dem Christentum fremd sein sollte. Von daher darf der Kurzformel, dass Glaube nützt, auch vom Theologen zugestimmt werden. Problematisch ist die dahinter stehende Verkürzung. Der Glaube wird, das ist das Resümee aller bisherigen Überlegungen, in einem reduktionistisch naturwissenschaftlichen Denken auf innerweltliche Nützlichkeit reduziert, es wird die Sinnperspektive eliminiert, die Realität von Transzendenz bestritten, der Eigenwert von Kultur und von Geist ganz allgemein.

Wenn die Theologie dieser Verkürzung begegnen will, sind dazu drei wesentliche Schritte nötig. Zunächst muss sich die Theologie dem naturwissenschaftlichen Ansatz gegenüber offen zeigen und die Forschungsergebnisse positiv rezipieren. Die Forderung von Dawkins und Dennett, empirisch die Früchte des Glaubens zu überprüfen, sollte die Theologie aufgreifen. Die Theologie vergibt die Chance auf sinnvoll konzipierte Versuche und vor allem auf ihre Deutung, wenn sie sich in diesem Bereich nicht engagiert.

Positiv aufgenommen werden kann und muss der Entwicklungsgedanke, der im jüdisch-christlichen Denken von Anfang an seinen Platz hatte, etwa wenn die Rede von einer Heilsgeschichte ist. Das christliche Schöpfungs-, Welt- und Gottesverständnis sollte daher problemlos mit Entwicklungsaspekten vereinbar sein. (Diese Worte sind von Moscha in fetter Schrift hervorgehoben worden)

Kritisch gesehen werden muss hingegen der einseitig rückwärts gerichtete Kausalitätsbegriff, der die Sinnperspektive unmöglich macht. Hier besteht eine wesentliche Aufgabe darin, auf die Beschränktheit des reduktionistischen Ansatzes aufmerksam zu machen, wie es etwa Hans-Dieter Mutschler oder Ulrich Lüke tun. Damit wird die Sinnperspektive verteidigt, die im menschlichen Leben einen zentralen Stellenwert besitzt.

Die letzte - und schwierigste - Aufgabe besteht darin, nach Wegen zu suchen, wie ein Geistprinzip in der Welt wirksam sein kann, ohne im Konflikt mit den Naturwissenschaften zu stehen. Innerhalb der philosophischen Bewusstseins-Gehirn-Debatte gibt es hierzu Überlegungen etwa von Godehard Brüntrup. Derartige Gedanken lassen sich leicht auch auf die Gottesfrage übertragen, sie kranken jedoch noch daran, dass die naturwissenschaftliche Basis dünn ist. Es lassen sich durchaus einzelne Physiker finden, die ein Geistprinzip in den natürlichen Kausalzusammenhängen wirksam sehen wollen, doch stehen diese jeweils eher am Rand ihrer Disziplin. Die verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit könnte helfen, sinnvolle Konzepte ausfindig und fruchtbar zu machen, und ist daher hier wie in der gesamten Verarbeitung der naturwissenschaftlichen Herausforderung unabdingbar.

Herder Korrespondenz Heft 06 - 2012

Patrick Becker, Dr. theol., arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Systematische Theologie der RWTH Aachen am Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie.
Schattenlurch
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BeitragVerfasst am: 27 Aug 2012 - 20:26:01    Titel:

Sich auf Popper berufen, um zu sagen, dass wir glauben können, was wir wollen, ist ziemlich seltsam.
Denn laut diesem ist eine Hypothese nur dann sinnvoll, wenn sie falsifizierbar ist, was bei solch einem Gottesglauben nicht der Sinn ist. (Beim Thema Glauben als Privatsache war Popper -wie sonst überall auch- ziemlich liberal, er hätte aber niemals Theologie als Wissenschaft gelten lassen.)

Ich bin es sowieso Leid, wenn Leute (vorallem Theologen machen das gerne) glauben im Sinne von Für-wahr-halten mit metaphysischem Glauben gleichsetzen.
Das würde bedeuten, dass sich die Sätze
"Ich glaube an Gott." und "Ich glaube daran, dass es heute regnen wird." nur dadurch unterscheiden, woran geglaubt wird und nicht dadurch, was das Verbum 'glauben' in dem Zusammenhang meint.


Und dass alle Religionen inzwischen irgendwelche ridikülen Parallelen zu den Wissenschaften zu ziehen, ist nicht weniger nervig.
Ein für alle mal: In der Bibel im Koran und in allen heiligen Schriften steht nichts über Quantenmechanik o.Ä.
Schattenlurch
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BeitragVerfasst am: 04 Sep 2012 - 19:45:21    Titel:

"Viele Religionskritiker heute wollen Glaubenssätze und theologische Aussagen auf dem Seziertisch empirischer Analyse sehen. Was sind die Grundlagen dieser für die Theologie eher befremdlichen naturwissenschaftlichen Denkweise? Und wie sollte man mit dieser Herausforderung umgehen?"

Erstens sind es sicherlich nicht nur Kritiker, die dieses Phänomen empirisch analysieren wollen. Zweitens ist emprisch nicht gleich naturwissenschaftlich, auch in den Sozial- oder Kulturwissenschaften wird empirische Forschung betrieben. Drittens muss man eben, wenn man Aussagen über die Welt macht, damit rechnen, dass andere überprüfen, was an den Aussagen dran ist.
Nun ja, was sind wohl die Grundagen für empirische Forschung? Empirie vielleicht? Und dass ein gesellschaftlich relevantes Phänomen empirisch untersucht wird, finden wohl auch nur Theologen befremdlich. Prognose bezüglich der zweiten Frage: Die Theologie wird alles, was ihr nicht in den Kram passt, perhorreszieren und manches mit windigen Argument zu assimilieren suchen, um zugleich aufzuzeigen, dass das Christentum ja eigentlich ach so viel der Wissenschaftsgeschichte antizipiert habe.

"Der unter dem Label des Neuen Atheismus emotional geführten Debatte um die Existenz Gottes und die Sinnhaftigkeit des Glaubens an ihn lässt sich bei nüchterner Analyse (vgl. dieses Heft, 2?ff.) leicht einige heiße Luft entnehmen. Richard Dawkins' „Gotteswahn" ist durchsetzt von Zirkelschlüssen, Missverständnissen und vor allem zu wenig Differenzierung. Dass er dennoch hohe Auflagenzahlen und zahlreiche Übersetzungen erfahren hat, deutet darauf hin, dass seine ideologische Ausrichtung in unserer Zeit auf Anerkennung stößt. Offensichtlich greift der Neue Atheismus Paradigmen unserer Zeit auf, die von der Theologie einerseits kritisch zu reflektieren sind und andererseits auch positiv aufgegriffen werden müssen, wenn sie nicht weiter an Relevanz verlieren möchte. "

Dawkins weist also argumentative Schwächen auf, geschenkt. Damit ist der ganze (neue) Atheismus widerlegt. Welch fulminante Induktion für jemanden, der unmittebar zuvor gegen empirische Methode wetterte! Wink
Wenn man von ein paar Bestsellern auf das geistige Klima der Zeit schließen kann, will ich nicht wissen, was der Erfolg von Thilo Sarrazin für uns bedeutet.
Dass derjenige, von dem das Wort Paradigma seine Bedeutung außerhalb der Transformationsgrammatik hat, es entschieden ablehnte, seine Wissenschaftstheorie (!) auf die Gesellschaft zu übertragen, nur ganz am Rande.
Zur Emotionalität: Ich wüsste nicht, dass sich Atheisten wegen Verletzung ihrer (ir)reliösen Gefühe so anklagend und moralisierend beschwert hätten wie die Theisten bzw. dass sie sich überhaupt deswegen beschwer hätten.

"Das Kernanliegen, wie es von Dawkins oder - deutlich vorsichtiger und auch redlicher - etwa von Daniel Dennett vertreten wird, liegt darin, religiöse Aussagen sowie Phänomene empirisch zu überprüfen (vgl. HK, Mai 2010, 254 ff.). Es geht ihnen zentral also nicht um den Wahrheitsgehalt, um ein Abwägen logischer Argumente und damit um einen philosophischen Zugang zur Frage nach Gott, sondern um eine empirische Herangehensweise. Sie wollen Religion auf dem Seziertisch naturwissenschaftlicher Analyse sehen. Was sind die Grundlagen dieser für die Theologie eher befremdlichen naturwissenschaftlichen Denkweise? "

Empirischer Prüfung geht es nicht um den Wahrheitsgehalt? Hm, ich behaupte einfach mal munter etwas, aber kommt bloß nicht auf die Idee, es zu überprüfen, denn dann geht es euch ja gar nicht um den Wahrheitsgehalt, sondern bloß darum, eure gemeine Naturwissenschaft zu betreiben. Rolling Eyes Das ist ein Immunisierungsmechanismus par excellence!
Das Prädikat "philosophsich" ist hier wohl in der umgangssprachlichen Bedeutung "spekulativ, phantasierend" gemeint, oder es ist eine Art Euphemismus für "theologisch".
Was "logische" Argumente, d.h. wahrscheinlich Gottesbeweise betrifft, verweise ich nur auf Hume und Kant. Außerdem sagt die Existenz eines Gottes nichts über die Wahrheit irgendeiner Religion (Konstrukte wie "Vernunfteligion" mal ausgenommen) aus.
Außerdem könnte man den Vorwurf, dass auf philosophische und logische Einwände nicht eingegangen wird, an eine Theologie, die Feuerbach, Marx und Freud weitestgehend ignoriert, ganz einfach zurückgeben.
Wer ständig nach den Grundlagen von Naturwissenschaft fragt, sollte vielleicht mal Popper oder so lesen.

"Das aktuelle naturwissenschaftliche Verständnis von Verursachung

Die Eigenart des modernen naturwissenschaftlichen Denkens kann anhand des Verständnisses von Ursache und Wirkung sowie von Entwicklung verdeutlicht werden. Mit ihnen sind zwei zentrale Eckpfeiler der Naturwissenschaften benannt, die zu einer Veränderung des gesamtgesellschaftlichen Weltbildes beigetragen haben.

Der auf ein Ziel ausgerichtete Blick in die Zukunft hat wie überhaupt menschlich-geistige Verursachung in diesem Denken keinen Platz. Die für uns Menschen selbstverständliche Rede von Intentionen, Wünschen und Plänen kann so nicht erfasst werden, genauso wenig kann eine Sinnperspektive eingenommen werden. Menschliches Handeln wird nicht durch Zielsetzungen hervorgebracht, sondern durch die Vorgaben vorausgehender Ereignisse - so die naturwissenschaftliche Denkweise. Es ist daher im Prinzip nicht anders zu analysieren und bewerten wie Veränderungen bei Pflanzen oder auch unbelebter Materie. "

Ja, alle Naturwissenschafter sind sebstverständlich Materialisten und Deterministen, wie sollte es auch anders sein? (Vorallem Physiker, die die Quantenmechanik akzeptieren) Mit dieser angefeindeten naturwissenschaftlichen Denkweise kann eben verdammt viel plausibel erklären und mannigmal mehr erreichen, als wenn man auf jede Warum-Frage mit „Weil Gott es so will!“ antwortet. Der naturwissenschaftliche Materialismus ist auch keine Prämisse, sondern eine Hypothese, die bis jetzt durch nichts falsifiziert werden konnte.

So, der Rest kommt später.
leser_
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BeitragVerfasst am: 12 Dez 2012 - 09:22:51    Titel:

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Akt und Sein“, Kapitel B, Abschnitt 3b:
"Einen Gott den es gibt, gibt es nicht."
golomjanka
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Anmeldungsdatum: 14.12.2012
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BeitragVerfasst am: 14 Dez 2012 - 05:59:53    Titel: Komödie?

Zitat:
Die Aussage, dass es Gott gibt oder nicht gibt, ist etwa so sinnlos


Taschenspielertricks, um über die Hintertür der "Unerklärbarkeit Gottes" dessen "Existenz" als unantastbar zu gestalten. Aber selbstverständlich lassen sich Behauptungen widerlegen, auch gerade die der "Unerklärbarkeit" von Dingen:
Entweder etwas existiert, dann ist es prinzipiell erkennbar oder etwas existiert nicht, dann ist es prinzipiell nicht erkennbar.
Jens Blume
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Beiträge: 340

BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 - 17:33:22    Titel: Re: Komödie?

golomjanka hat folgendes geschrieben:
... Aber selbstverständlich lassen sich Behauptungen widerlegen, ...


Ja, insbesondere Deine!
_________________
MfG Jens Blume
golomjanka
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Anmeldungsdatum: 14.12.2012
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BeitragVerfasst am: 17 Dez 2012 - 06:28:23    Titel:

Dann mach´s doch, Jens Blume. Extra fettgedruckt steht mein Satz gegen Knut Hackers Geseiere von "Seele" "Quantengedächtnis" usw. jedem Willigen frei zur Diskussion.
Alexander Wölk
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Anmeldungsdatum: 21.03.2013
Beiträge: 103

BeitragVerfasst am: 21 März 2013 - 15:23:19    Titel: Von den drei Verwandlungen

Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, müssen Machtstrukturen aufgebaut werden. Dazu
bedarf es einer "Verwandlung des Geistes" (Religion = Rückbindung auf künstliche
Archetypen), um die makroökonomischen Konstruktionsfehler und die daraus resultierende,
systemische Ungerechtigkeit und Beschränktheit aus dem Begriffsvermögen des
arbeitenden Volkes auszublenden:

"Herrschsucht und Unduldsamkeit sind für die Massen sehr klare Gefühle, die sie ebenso
leicht ertragen, wie sie sie in die Tat umsetzen. Die Massen erkennen die Macht an und
werden durch Güte, die sie leicht für eine Art Schwäche halten, nur mäßig beeinflußt.
Niemals galten ihre Sympathien den gütigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie
kraftvoll beherrscht wurden. Ihnen haben sie stets die größten Denkmäler errichtet. Wenn sie
den gestürzten Despoten gern mit Füßen treten, so geschieht das, weil er seine Macht
eingebüßt hat und in die Reihe der Schwachen eingereiht wird, die man verachtet und nicht
fürchtet. Das Urbild des Massenhelden wird stets Cäsarencharakter zeigen. Sein Helmbusch
verführt sie, seine Macht flößt ihnen Achtung ein, und sein Schwert fürchten sie. Stets bereit
zur Auflehnung gegen die schwache Obrigkeit, beugt sich die Masse knechtisch vor einer
starken Herrschaft. Ist die Haltung der Obrigkeit schwankend, so wendet sich die Masse, die
stets ihren äußersten Gefühlen folgt, abwechselnd von der Anarchie zur Sklaverei, von der
Sklaverei zur Anarchie."

Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)


Weil die eigentliche religiöse Verblendung (künstliche Programmierung des kollektiv
Unbewussten) darin besteht, die originale Heilige Schrift (die Bibel bis Genesis_11,9 sowie
ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften) nicht zu verstehen – unabhängig davon,
ob man an den Unsinn glaubt, den die Priester darüber erzählen, oder nicht -, birgt die
Religion die Gefahr, sich zu verselbständigen (Cargo-Kult), wenn es niemanden mehr gibt,
der ihre wirkliche Bedeutung noch kennt. Die makroökonomischen Konstruktionsfehler, die
Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg – und letztlich den Untergang der Kultur -
unvermeidlich machen, und die etablierten Machtstrukturen können dann solange nicht
behoben werden, wie der Cargo-Kult andauert, selbst wenn das Wissen bereits zur
Verfügung steht, um die ideale Makroökonomie und die darauf aufbauende, herrschaftsfreie
Gesellschaft zu verwirklichen, in der allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem
Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden selbstverständlich werden.

http://www.deweles.de/files/von_den_drei_verwandlungen.pdf
golomjanka
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Anmeldungsdatum: 14.12.2012
Beiträge: 934
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 28 März 2013 - 20:21:45    Titel:

@ wölk
Das hat hier nichts mehr mit dem Thema des Threads zu tun.
Bitte höre auf, jeden Thread hier vollzusauen, um Deinen schrottigen Blog an den Mann zu empfehlen.
_________________
Bulb - "Epic Fail" http://www.youtube.com/watch?v=YLa98wRobGg
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