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Klarheiten und Eignung für ein Jurastudium
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Dschjim
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Anmeldungsdatum: 29.12.2009
Beiträge: 183

BeitragVerfasst am: 13 Aug 2011 - 11:42:00    Titel: Klarheiten und Eignung für ein Jurastudium

Hallo,

zu meinen Kandidaten meines eventuelles Studienfachs gehört u.a. Jura. Es ist ja einer der wenigen Fächer die ohne nennenswerten mathematischen Anteil auskommt. Viel schreiben ist auch kein Problem eigentlich für mich sowie das Auswendiglernen. Ich erfülle also schon die Hauptklischees.

Was mich aber etwas abschreckt ist das Prädikatsexamen. Man liest überall wie schwer das ist und dass man es ohne einer solchen Qualifikation später schwerer hat. Kann man nicht durch Weiterbildungen etc. einen (unter)durchschnittlichen Abschluss ausgleichen? Wäre ja sonst blöd, wenn man nach all den Jahren schlechte Berufsaussichten hat, nur weil die Prüfungen mies gelaufen sind oder sogar der Professor etwas gegen einen hatte.

Ebenfalls finde ich es sehr schwer zu sagen wie sehr ich mich für Jura interessiere. Ich kann sagen, dass Gesetze nicht mein Hobby sind, aber wenn ich mit denen konfrontiert werde, dann guck ich mir da was an. Darüber hinaus habe ich bei mir gemerkt, dass ich manchmal mit meinen Laienwissen auf das Gesetz referiere, wenn jemand ein Problem hat im rechtlichen Bereich. Das komische dabei ist, dass ich mich ja eigentlich nie direkt mit den Gesetz auseinandergesetzt habe. Müsste dann eigentlich bedeuten, dass ich mir solche Sachen gut einprägen kann.

Mal ne Frage zum Studium: Man muss doch nicht das ganze Gesetz mit genauen Pragraphenangaben auswendig können oder? Ist es nicht so, dass man in den Fallbeispielen erkennen muss welche Gesetze in Frage kommen und dann kann man alles, falls was unklar ist, nochmal nachgucken. Ich denke mal, dass ein bestimmtes Schema immer wieder auftaucht und im Laufe Zeit immer weniger nachschlagen muss. Oder ist meine Vermutung hier völlig falsch?

Ich hoffe mal, dass mein Anliegen hier deutlich wird und man mich beraten kann.

MfG
Rhyeira
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Anmeldungsdatum: 18.03.2008
Beiträge: 3012

BeitragVerfasst am: 13 Aug 2011 - 13:31:04    Titel:

Nein, du musst keine Gesetze auswendig lernen. Wink

Du darfst die Gesetzestexte in den Klausuren ja benutzen. Es geht auch bei Jura insgesamt weniger ums Auswendiglernen (auch wenn man natürlich einiges auswendig lernen muss, Definitionen zum Beispiel), sondern mehr ums Verständnis und um die Fähigkeit, das gelernte Wissen auch auf den praktischen Fall anwenden zu können. Es gibt Leute, die lernen und lernen und eine Riesenmenge an Wissen parat haben, die in den Klausuren aber trotzdem scheitern, weil sie das Wissen nicht auf den Fall übertragen können (das ist ein bißchen wie mit Mathe - wenn du in einer Aufgabe schon gar nicht auf den richtigen Ansatz kommst, hilft es dir auch nichts, die Formeln auswendig zu wissen).

Ob du das nötige Grund-Talent hast, ist im Voraus schwer zu sagen... im Zweifel würde ich es einfach ausprobieren, wenn dich das Fach genug interessiert. Es gibt ja Schlimmeres, als nach ein, zwei Semestern nochmal das Studienfach zu wechseln, wenn man merkt, dass es doch nicht das Richtige ist.

Und ein Prädikatsexamen ist schon sehr wichtig, besonders im 2. Examen - manche Berufsfelder (zum Beispiel Richter/Staatsanwalt oder Anwalt in einer Großkanzlei) stehen eigentlich fast ausschließlich den Leuten mit Prädikatsexamen offen. Hat man "nur" 6 oder 7 Punkte im Examen, bleibt einem der Weg (z.B.) des Richters verschlossen, selbst wenn man noch so schöne Zusatz-Qualifikationen hat. Wenn du ein bißchen aufgeschlossener bist, was die Berufswahl angeht, und nicht völlig darauf eingeschossen bist, auf jeden Fall Richter werden zu wollen, gibt es aber auch mit mittelmäßigem Examen und Zusatz-Qualis immer noch Möglichkeiten. Allerdings darf man auch nicht die Augen davor verschließen, dass der Arbeitsmarkt nun einmal nicht besonders rosig ist.
Pokipsi
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Anmeldungsdatum: 06.09.2010
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 13 Aug 2011 - 16:44:01    Titel:

Ich denke, da braucht man sich nichts vormachen. Die Examensnote ist das A und O für den späteren beruflichen Einstieg und im Endeffekt arbeitest Du dein ganzes Studium nur darauf hin eben eine solche Prädikatsnote am Schluß im Examen zu bekommen. Alles andere ist uninteressant. "Glücklicherweise" gibt es ja zwei Examen und wenn man im ersten nicht so besonders gut abgeschnitten hat, läßt sich durch eine gute Note im zweiten durchaus noch was reißen (arbeitsmarkttechnisch, Richter/Staatsanwalt wären dann aber nicht mehr drin). Inzwischen ist es ja wohl auch so, daß man sich einen Verbesserungsversuch "erkaufen" kann, wenn man nicht mehr innerhalb der Zeit für den Freischuß liegt und somit im zweiten Anlauf noch etwas retten kann.

Jura ist halt ein sehr spezielles Fach. Entweder man kommt mit den Gegebenheiten klar oder nicht. Zum Beispiel, daß die Noten meiner Erfahrung nach zu fast 50 % Glückssache sind. Das ist einfach so und darüber gibt es auch keine Diskussion. Sei es weil man nen blöden Korrektor erwischt hat, der nen schlechten Tag hatte, die Lösungsskizze Mist ist, etc. Man muß sich einfach damit abfinden, daß von zwei Leuten, die nahezu exakt das gleiche in der Klausur geschrieben haben, der eine 7 Punkte kriegt und der andere 3.
Die andere Geschichte ist, daß Du z.T. in sehr engen Grenzen arbeiten mußt. Sowohl sprachlich was den Gutachtenstil betrifft als auch logisch bei der Darstellung von Streitständen, wobei die meisten Argumente der verschiedenen Positionen dem vernünftig denkenden Menschen schlicht unlogisch, schon fast lächerlich erscheinen. Aber eben diese Faktoren entscheiden über deine Note. Manche Leute tun sich sehr leicht hiermit. Ich persönlich empfinde es als äußerst anstrengend, mich mit schwachsinnigen Argumenten - die oft bloß dem Selbstzweck dienen - geistig zuzumüllen. Aber es wird von einem erwartet.

Ich denke man merkt, ob man mit den Konventionen dieses Studiums klarkommt bereits in den ersten 1-2 Semestern. Die Zeit kann man sich nehmen. Wenn man dann aber merkt, es ist nix, sollte man es sofort abbrechen. Habe so einige Leute gesehen, deren Ehrgeiz sie mit Hängen und Würgen noch durch die Zwischenprüfung gebracht hat. Aber es wird danach halt nicht besser. Und wenn man dann im 5. oder 6. abbricht, hat man noch 2 weitere Jahre verschwendet, die man besser hätte investieren können.

Auswendig lernen mußt Du natürlich nicht die Gesetze, die dir wie Rhyeira schon geschrieben hat ja immer zur Verfügung stehen, sondern das was sie bedeuten, bedeuten können und in welchem Kontext sie stehen. Der einzelne Paragraph im Gesetz ist immer nur die "Spitze des Eisbergs". Hab gestern im Münchner Kommentar was zum Thema fristlose Kündigung nachgeschlagen. Da findest Du ca. 110 Seiten Dünndruck allein zu den paar Zeilen des § 626 BGB. Dort wird dann z.B. lang und breit diskutiert was ein "wichtiger Grund" im Sinne dieser Vorschrift ist und was nicht, wie die herrschende Literatur das sieht und was das BAG als einen solchen erachtet. Und natürlich, und das ist bei Jura regelmäßig so, findest Du für nahezu jeden Punkt eine Ausnahme und eine Ausnahme zur Ausnahme unter den und den Umständen. Das ist es was Du lernen und in seinen Grundzügen auswendig lernen mußt. Also gerade die Dinge, die eben nicht im Gesetz stehen, aber die Anwendung der einzelnen Norm überhaupt erst ermöglichen.

Du merkst schon, so wirklich empfehlen kann ich dir das Studium nicht. Man muß sich sein eigenes Bild machen, und für die meisten ist die Überraschung wohl recht groß, weil man etwas gänzlich anderes erwartet hat.

Der verschwindend geringe Anteil an Mathematik hat mir Jura am Anfang auch sympatisch gemacht. Rückblickend hätte ich mich lieber mit Mathematik angefreundet und damit meine Auswahl an Fächern vergrößert.
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