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Aufbau Strafrecht HA
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Tav0815
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Anmeldungsdatum: 29.09.2011
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2011 - 10:16:45    Titel: Aufbau Strafrecht HA

Hallo! Ich dachte ich wäre fertig und jetzt kommen mir Zweifel. Der Sachverhalt:
A befindet sich eines Abends wieder einmal in seiner Stammkneipe und lernt dort den B kennen. Nach einigen Gläsern Bier entschuldigt sich B, er müsse auf die Toilette. Als B nicht wiederkommt, wird A misstrauisch. Er verlangt die Rechnung, um B suchen zu können, muss dabei feststellen, dass seine Geldbörse mit ca. 70 Euro Bargeld verschwunden ist. A lässt die offene Zeche anschreiben und rennt auf die Straße. Dort sieht er, wie B auf der gegenüberliegenden Seite gerade dabei ist, die Geldbörse zu durchsuchen. A ruft zu B hinüber, er solle ihm sein Geld zurückgeben, doch B rennt davon in die Dunkelheit hinein. A zieht seine Pistole, die er sich seinerseits illegal besorgt und vorsichtshalber immer dabei hat, und schießt ohne Vorwarnung gezielt auf den Körper des B.

B wird im Bein getroffen und bleibt liegen. A rennt zu ihm und muss feststellen, dass die Geldbörse, die B durchsucht hatte, seiner eigenen nur ähnlich sieht. Diese findet er jetzt nach nochmaliger sorgfältigeren Suchen in der linken (statt wie üblich in der rechten) Gesäßtasche. A bekommt es mit der Angst zu tun und beschließt, B seinem Schicksal zu überlassen. Er hofft, dass B verblutet und ihn nicht mehr belasten kann. 10 Minuten später kommt ihm Bedenken und er geht zu B zurück. Dieser wird gerade in einen Krankenwagen eingeladen, der von einem Passanten herbeigerufen wurde.

B wird in die Klinik gebracht und operiert. Die Ärzte kämpfen um sein Leben, können ihn aber nicht retten. Die anschließende gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt , dass B aufgrund der schweren Verletzungen möglicherweise auch dann gestorben wäre, wenn A sofort nach dem Schuss ärztliche Hilfe herbeigeholt oder selbst B in die Klinik gefahren hätte; allerdings wäre die Rettungschancen dann erheblich größer gewesen, da A eine Arterie getroffen und schon die wenigen Minuten Verzögerung den Blutverlust massiv vergrößert hatte.

Prüfen Sie die Strafbarkeit des A nach den Vorschriften des StGB! Tatbestände des Nebenstrafrechts, insbesondere des WaffG, sind nicht zu prüfen.

So, ich habe da jetzt einen versuchten Totschlag/Mord durch Unterlassen. Folgenden Aufbau habe ich mir überlegt:
I. Tatbestandsmäßigkeit
1. Obj. TB
a) Tötung eines anderen Menchen
b) Tatbez. Mordmerkmale
c) Unterlassung einer geeig. u. erfordl. Verhinderungshandlung trotz phys. realer Handlungsmögl.
d) Hypothetische Kausalität und obj. Zurechnung
e) Garantenstellung gem § 13 (Ingerenz)
f) Entsprechungsklausel
2. Subj. TB
a) Vorsatz bezgl. aller Mordmerkmale des obj. TB
b) Bes. subj. TBmerkmale
3. Unmittelbares Ansetzen gem §22 (erst-/letzmöglicher Eingriff)
II. RW
Notwehrprüfung §32 (lasse ich an der Gebotenheit scheitern: krasse Missverhältnis 70Euro und Schuss auf Körper)
III. Schuld
evtl. ETBI/Putativnotwehr (wobei m. M. n. nicht sonderliche beachtenswert, da A auch nicht gerechtfertigt wäre wenn es sein Geldbeutel mit 70 Euro gewesen wäre)
IV. Rücktritt gem §24 (da fällt er bei mir auch durch)
Sodass Strafbarkeit des A wegen versuchten Totschlags/Mord durch Unterlassen +
Fraglich ist noch die Kausalitätsproblematik: "möglicherweise auch dann gestorben wäre..."

Lieg ich da total daneben? Hab mir irgendwie Flausen in den Kopf setzen lassen und bin verunsichert... Danke schon mal im Voraus!
rOYAL.
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Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 2093
Wohnort: Heidelberg

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2011 - 12:44:24    Titel:

Nenene, mit dem Aufbau bist du auf dem falschen Dampfer. Die Prüfung des Versuchstatbestands gliedert sich in den Tatentschluss und das unmittelbare Ansetzen. Schlag noch mal ein Lehrbuch hierzu auf.
Tav0815
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Anmeldungsdatum: 29.09.2011
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2011 - 13:48:34    Titel:

Also ich mach das jetzt glaube ich ganz anders:
Bis zu dem Zeitpunkt wo A zu B rennt nehme ich eine durch Notwehr evtl. gerechtfertigte Körperverletzung an. Ab dem Zeitpunkt wo A den B liegen lässt beginne ich eine 2. Prüfung zum versuchten Mord durch Unterlassen nach folgendem Schema:
1. Subj. TB
a) Vosatz bezgl.
- Eintritt der ob. TbMerkmale e. Erfolgdelikts
- Unterlassung Verhinderungshandlung
- Quasi-Kausalität und obj. Zurechnung
- Garantenstellung
- Entsprechungsklausel
b) Bes. subj. TbMerkmale
2. Obj. TB --> Unmittlb. Ansetzen §22
RW
Schuld
Rücktritt.

Also 2 Gutachten. Besserer Dampfer?
rOYAL.
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Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 2093
Wohnort: Heidelberg

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2011 - 14:31:05    Titel:

Besser!
Man nennt es aber tatsächlich nicht subjektiver/objektiver TB, sondern Tatentschluss/Unmittelbares Ansetzen.
Bevor du mit der tatbestandlichen Prüfung beginnst ist zunächst noch zu klären, dass nicht wegen vollendeten Delikts bestraft werden kann und dass der Versuch strafbar ist. Es bietet sich daher an, vor der Versuchsstrafbarkeit noch die Strafbarkeit wegen vollendeten Delikts kurz zu prüfen. In offensichtlichen, unproblematischen Konstellationen würde man auf diese Prüfung verzichten, aber immerhin ist der tatbestandliche Erfolg ja eingetreten, mithin darzustellen, warum Versuch in Betracht kommt.
Tav0815
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Anmeldungsdatum: 29.09.2011
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2011 - 20:34:17    Titel:

Danke für die Hilfestellung und den Hinweis auf die Vorprüfung. In Hessen haben wir das in der AG subjektiver/objektiver TB genannt. Aber da ich mich jetzt ja in Freiburg durchschlage, danke für die Korrektur!
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