Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Gewissensfrage der Woche
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Philosophie-Forum -> Gewissensfrage der Woche
 
Autor Nachricht
Klimperkasten
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3409

BeitragVerfasst am: 01 Feb 2012 - 15:38:22    Titel: Gewissensfrage der Woche

Die Gewissensfrage der Woche aus "Süddeutsche Zeitung":
Gundula K. aus Erfurt fragt: »Ich finde Alkohol eklig und trinke nie. Bin ich dennoch moralisch verpflichtet, alkoholische Getränke auf meiner Geburtstagsfeier - ich werde 18 - zu tolerieren? Oder kann ich für den einen Abend meine Gäste zwingen, sich meinen Überzeugungen zu beugen?« (Die Antwort von Dr. Dr. Rainer Erlinger steht diesen Freitag im SZ-Magazin.) Und was meinen Sie?

"Zwingen"? -
Freiheit besteht nicht darin, zu tun und zu lassen, was man will, sondern darin, NICHT tun zu müssen, was Andere von einem verlangen.
Als Gastgeberin hat Gundula aber das Recht, ihre Wünsche zum Verlauf ihres Geburtstages zu äußern. - Dazu zählt auch der Wunsch, dass sie und ihre Gäste auf Alkohol verzichten. -
Der Gast ist moralisch verpflichtet, sich nach dem Gastgeber zu richten. Idea
Lamasshu
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3450

BeitragVerfasst am: 01 Feb 2012 - 16:34:33    Titel: Re: Gewissensfrage der Woche

Klimperkasten hat folgendes geschrieben:
Freiheit besteht nicht darin, zu tun und zu lassen, was man will, sondern darin, NICHT tun zu müssen, was Andere von einem verlangen.


Der letzte Satzteil umfasst allein die negative Freiheit, nämlich die Abwesenheit von Zwang und Fremdbestimmung. Das ist sicher eine Seite der Medaille, aber für ein Verständnis von Freiheit in meinen Augen nicht ausreichend. Als vernünftiges, mit einem Willen begabtes, freies Wesen (Kant), muss ich sehr wohl auch dazu in der Lage sein mich etwa für den Alkohol entscheiden zu können.

Ansonsten fällt gleich im nächsten Satz der Begriff Recht, der mit Moral erst einmal nur bedingt etwas zu tun hat. Wenn wir diese Sonntagsfrage wirklich moralisch und nicht ethisch betrachten wollen, müssen wir uns an der herrschende Sitte orientieren. Und hier gilt es abzuwägen, ob die allgemein übliche Erwartungshaltung an eine solche Festivität und die Gastfreundschaft hier dem persönlichen Wunsch des Gastgebers überzuordnen ist.
Als Argument finde ich bislang Ich finde Alkohol eklig und trinke nie. Das ist unter ethischen Gesichtspunkten nun kein sonderlich zwingendes im Diskurs. Einfacher, aber auch deutlich weniger "philosophisch", ist die Frage natürlich zu beantworten, wenn das Recht des Gastgebers über jenes des Gastes gesetzt wird. Da würde ich allerdings nicht unbedingt von einer moralischen Verpflichtung sprechen. Die Aussage, Alkohol ist nach herrschender Moral Bestandteil einer Feierlichkeit, hat ungefähr den gleichen Gehalt.
dornbusch
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 26.10.2007
Beiträge: 3824

BeitragVerfasst am: 03 Feb 2012 - 08:08:03    Titel:

Eine Frage der Moral könnte sein, wie ich mich als Gast zu benehmen habe. Gäste in meiner Wohnung ziehen ihre Schuhe aus. Das ist hier normal, ist Norm.

In einer anderen Wohnung wird villeicht nicht geraucht, eine andere Norm.

Moral kann Norm in Fragestellen, kann fragen, ob norm gut oder böse sei. Die hier genannten Normen sind Wille des Gastgebers. Als Gast begebe ich mich in dessen Normalität. Ein Verstoß gegen die Norm des Gstgebers kann als Aggression bezeichnet werden und muß einer moralischen Prüfung unterzogen werden.

Und dann kommt das Recht des Gastgebers zum zuge!

Gruß dornbusch
Lamasshu
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3450

BeitragVerfasst am: 03 Feb 2012 - 14:08:57    Titel:

Die Moral als solche hinterfragt nicht den sittlichen Gehalt einer Norm, zumal eine Norm auch einen solchen nicht zwingend aufweisen muss. Verkehrsregeln etwa würde ich als konventionelle Normen ohne sittlichen Gehalt bezeichnen. Normen können aber moralisch aufgeladen werden (etwa Lebensmittelkonsum). Hinterfragen tut und kann die Moral an sich natürlich nicht, das ist Aufgabe der Moralphilosophie beziehungsweise der Ethik. Womit die Spitzfindigkeiten aber auch schon vorbei wären.

Ein Gastgeber kann sicher Normen setzen und einfordern. Ein Gast kann sich aber (bis zu einem gewissen Grad) auf andere Normen berufen. Die Ethik würde den Normkonflikt nun versuchen diskursiv aufzulösen oder den Gehalt der Normen gegeneinader abzuwägen. Eine Norm, die Schuhe auszuziehen, mag völlig anders begründet sein als eine solche, keinen Alkohol zu konsumieren. Das Argument, der Gastgeber fände Alkohol persönlich eklig, ist eine ganz andere als wenn er etwa auf die Anwesenheit von Minderjährigen oder (um im Geiste dieses Forums zu bleiben) Andersgläubige verweist, die von einem Alkoholkonsum sittlich berührt werden.
Zumba-kassel
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 31.01.2012
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:02:05    Titel:

Man Man, Ja Gundula muss garnix, und Ihre Freunde haben sich gefälligst anzupassen,Punkt!
Klimperkasten
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3409

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:04:20    Titel:

Zumba-kassel hat folgendes geschrieben:
Man Man, Ja Gundula muss garnix, und Ihre Freunde haben sich gefälligst anzupassen,Punkt!


Ganz richtig! - Idea
Lamasshu
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3450

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:08:11    Titel:

Was hat denn nun Herr Erlinger geantwortet?
Klimperkasten
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3409

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:27:42    Titel:

Herr Erlinger meint, den goldenen Mittelweg einzuschlagen:
"Ansonsten halte ich bei Alkohol Aristoteles' Mesotes-Lehre vom goldenen Mittelweg für den besten Ansatz. Ihr zufolge liegt die Tugend in der Mitte zwischen zwei Extremen, dem Übermaß und dem Mangel.......Zum Erwachsenwerden gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit Drogen wie Alkohol: Ob er bedeutet, keinen zu trinken oder ihn maßvoll zu genießen, ist jedermanns eigene Sache."

Wink
Klimperkasten
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3409

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:29:09    Titel:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/l/10
Lamasshu
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3450

BeitragVerfasst am: 05 Feb 2012 - 19:39:14    Titel:

Leider ist der Volltext nun doch noch nicht online. Wenn ich dein verkürztes Zitat richtig deute, legt es er den verantwortungsvollen Alkoholgenuss in die Händen des Einzelnen, sprich des Gastes, und spricht sich gegen ein pauschales Alkoholverbot aufgrund der Befindlichkeiten des Gastgebers aus?
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Philosophie-Forum -> Gewissensfrage der Woche
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum