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Ingerenz
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rechtslernender
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Anmeldungsdatum: 05.04.2012
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10 Apr 2012 - 16:02:49    Titel: Ingerenz

Hallo,

angenommen X schießt auf seine Ehefrau Y mit Tötungsabsicht. Diese verstirbt jedoch nicht sofort, sondern könnte noch gerettet werden. X ist sich dessen bewusst, unterlässt aber die Hilfemaßnahmen nach einigem Überlegen und Y stirbt.


Totschlag durch aktives Tun würde ich bejahen. Doch wie sieht es mit dem Unterlassen aus? Müsste man das hier aufgrund von Ingerenz prüfen??
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 10 Apr 2012 - 16:25:38    Titel:

Ist ne Überlegung wert.

So wie geschildert, verwirklicht sich vorliegend lediglich das aktive Tötungshandeln.

Durch das Unterlassen wird kein weiteres oder anderes Unrecht als den Tod der Y verwirklicht.
Interessant aber wird´s dann, wenn nach dem aktiven Handeln Mordmerkmale dazutreten. Ist dies der Fall, lohnt sich eine Diskussion.
rechtslernender
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Anmeldungsdatum: 05.04.2012
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10 Apr 2012 - 16:30:55    Titel:

Danke für deine Antwort!

Ich habe gerade gelesen, dass es auch durchaus sinnvoll ist, ein Unterlassen zu prüfen, wenn ein Dritter sich am Unterlassen beteiligt.

Das ist doch interessant, wenn eine weitere Person vorbeikommt, die Gefahr erkennt, aber nicht handelt.
Flauschi
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Anmeldungsdatum: 30.06.2008
Beiträge: 505

BeitragVerfasst am: 13 Apr 2012 - 14:47:22    Titel:

das ist doch quatsch, sonst müsste man jeden täter wegen akt.tun + unterl. bestrafen; denn in den allermeisten fällen helfen die täter ihrem opfer ja nicht
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 19 Apr 2012 - 22:01:36    Titel:

Der Einwand, dass in der Regel der Täter nicht einmal wegen der aktiven Erfolgsverursachung und dann zusätzlich wegen Herbeiführung desselben Smile Taterfolgs durch Unterlassen bestraft wird, ist sicherlich nicht verkehrt.

Schließlich kann eine Person nur einmal sterben.

Doch ob damit notwendigerweise keine keine zwei an sich strafbaren Handlungen vorliegen, ist nicht zwangsläufig gesagt.

Zugegeben, verletzt jemand das Opfer durch aktives Handeln, welches unweigerlich zum Tode führt, was der Handelnde auch erkannt hat, liegt nur ein Handeln mit einem Taterfolg vor.
Ein zweites strafbares Handeln durch Unterlassen scheitern schon daran, dass keine Rettungsmöglichkeit mehr bestand und der Täter dies auch erkannt hatte - in diesem Fall bedarf es nicht einmal der Diskussion, ob eine Garantenpflicht durch das aktive Handeln aus dem Gesichtspunkt der Ingerenz enstand.


Für den Fall der Fahrlässigen Erfolgsverursachung (z.B. Fahrlässigen Verursachung eines Verkehrsunfalls auf einer einsamen Landstraße), dürfte jedoch die Annahme nicht ganz abgwegig sein, dass der Unfallverursacher, gerade weil er den Verkehrsunfall sein fahrlässiges Verhalten herbeigeführt und durch dieses vorhegehende gefährliche Tun die Gefahr für den Eintritt des Todes des Unfallopfers begründet, zum Garant für den Nichteintritt des Todes des Unfallopfers wird, wenn der Tod tatsächlich noch durch ihn verhindert werden kann.
Macht er, obwohl er sieht, dass der Tod des Unfallopfers durch sein Tun noch verhindert werden kann, nichts, so verwirklicht sich nicht lediglich die Fahrlässige Tötung, sondern darüber hinaus noch (mind.) ein Totschlag durch Unterlassen.
Auch in diesem Fall kann dem Täter zwar nur ein Tod in Rechnung gestellt werden. Dies ist aber eine Frage der Konsumtion. Denn hier beinhaltet der Unrechtsgehalt der Tötung durch Unterlassen den der Fahrlässigen Tötung. Die Fahrlässige Tötung wird demzufolge lediglich verdrängt.

Nicht anders ist meines Erachtens der Fall zu beurteilen, in dem der Täter vorsätzlich eine aktive Tötungshandlung begeht. Auch in diesem Fall begründet sein aktives Handeln seine Garantenpflicht zum Verhindern des Erfolgs, wenn diese noch möglich ist. Da die Person aber nur einmal sterben kann, verwirklicht sich Handelnde kein mehr an Unrecht. Aus diesem Grunde deckt die Bestrafung aus dem aktiven Handeln das insgesamt verursachte Unrecht komplett ab.

Allein im Falle, dass lediglich ein aktives Handeln vorliegt.
Und vom Täter erkanntermaßen eine Rettung nicht möglich ist, ist nur ein strafbares Handeln anzunehmen.
rechtslernender
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Anmeldungsdatum: 05.04.2012
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 21 Apr 2012 - 17:28:15    Titel:

Danke für diese sehr ausführliche Antwort!
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