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Wieder Physikstudiumsfragen...
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Yukhl
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2012 - 01:34:29    Titel: Wieder Physikstudiumsfragen...

Huhu an alle. Very Happy
Zuerst muss ich sagen, dass ich langjähriger "Fan" von uni-protokolle bin, schon eigentlich alle Threads zu dem Thema durchgelesen hab und deshalb verstehen kann, wenn es jmd nervt, ständig von Möchtegernstudenten belagert zu werden.

Es geht bei mir darum....
Ich habe meine ganze SekII-Zeit stets dazu genutzt, mich gut zum Studium informieren und bin zu dem Schluss gekommen: ein Physikstudium solls sein.
Doch jetzt ist das Abi in der Tasche und die Verunsicherung wächst.
Ich weiß zwar, dass mich nichts so sehr interessiert, wie all diese Dinge, die das Studium verspricht, zu erklären; denn ich will stets alles bis auf den Grund wissen. Die Physik hat dieses gewisse Etwas... aber ich weiß nicht, was es ist.

Doch ich bin total verunsichert.
Mein Abischnitt ist mit 1,6 nicht sonderlich toll, Mathe hatte ich im LK, war mit dem Lehrer aber leider überhaupt nicht grün und habe wenig bei ihm gelernt, stand so bei 11-12 Pkt, die AbiPrüfung dann aber mit 6 Pkt. fast nicht bestanden. Trotzdem beschäftige ich mich noch sehr gern mit Mathe, weshalb ich mir einst angemaßt hatte, Physik in Betracht ziehen zu können.
Im Physikkurs war ich auch nicht so toll, eher untere Mitte bei den Noten mit 10-11 Pkt. Allerdings der interessierteste Schüler und aus dem Unterricht heraus kam auch erst die Idee zum Studium...
Ich wollte euch daher fragen, ob ihr vllt etwas dazu sagen könnt... Question
Bin seit neuestem leider immer ängstlicher was das Studium betrifft: Angst, dass ich benachteiligt werde, weil ich weiblich bin (das musste ich im Phy- und Ma-unterricht schon latent bemerken), Angst, dass ich das riesen Pensum im PhyStudium nicht schaffe und am Ende keine Zeit mehr für meine Beziehung, gute Freunde oder Ausgleich bleiben kann, Angst, mich falsch entschieden zu haben, Angst, mich überschätzt zu haben, Selbstzweifel, nicht konkurrenzfähig genug "gegen" Mitstudieren zu sein, in der Masse unterzugehen, Versagensangst und so ein ungutes Gefühl, nicht richtig anerkannt zu werden, wenn ich an einer ostdeutschen Uni studiere, weil ich das in der Schule viel gehört habe (komme aus BRB und plane, an der Uni Potsdam zu studieren). Ich würde niemals nur deshalb die Uni wechseln, aber ich frage mich, wie es mit diesem Ost-West-Gegensatz aussieht...
Was den Arbeitsaufwand angeht, bin ich nicht faul, sogar im Gegenteil mache ich gerne Sachen, die mir etwas zu schaffen machen, ich bin aber auch nicht der totale Knobler, der gern wochenlang an der einen Aufgabe brütet.

Leider hört sich das alles ziemlich erbärmlich an, aber so fühle ich mich auch nach der Lektüre dessen (http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/193639,0.html)... ich hab nicht einmal ein Probestudium gemacht.
Ich würde mir ebend gern etwas Gewissheit verschaffen; ein Uni-Besichtigungs-Termin zu diesem Zweck ist schon angefragt.
Weiß jmd vielleicht, ob es eine Art Selbsttest irgendwo gibt, bei dem man erfährt, wie und ob man sich fürs Studium eignet?

Vielen Dank fürs Durchlesen jedenfalls schon einmal. Very Happy
(Die Länge des Beitrages tut mir sehr leid, kann mich manchmal nicht kurz fassen...)
bassiks
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Anmeldungsdatum: 31.07.2007
Beiträge: 612

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2012 - 09:59:05    Titel:

1.) Beruhig dich...(ist als Student ganz praktisch wenn man das kann Very Happy)

2.) Dass du weiblich bist ist egal

3.) Dein Abi-Schnitt ist egal

4.) Vorkenntnisse sind evt. nützlich aber nicht notwendig. Das Studium fängt von vorne an.

5.) Bei dem Ost-West Ding kann ich dir leider nichts dazu sagen...

6.) Meine Meinung: Wenn es dich so interessiert, MUSST du es versuchen. Was soll schon passieren?

7.) Mach dir keine Gedanken über das Pensum, Leistungsdruck etc. Wenn du fleißig bist, ist das schonmal sehr sehr gut.

Falls es dich beruhigt: Mit einem 1,6er Schnitt beim Abi wäre ich sehr glücklich gewesen. Ich war ein furchtbarer Schüler. (und mit furchtbar meine ich wirklich schlimm...) Im Vergleich zu mir stehst du weit besser da vor dem Studium als ich es tat. Dennoch hab ich es versucht und es läuft ganz gut soweit Very Happy
Also mach dir keinen Stress...
Deniz
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Anmeldungsdatum: 08.07.2004
Beiträge: 2714

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2012 - 15:54:29    Titel:

1,6 ist schon ziemlich scheiße. Rolling Eyes

Ne, Spass beiseite.

Ich kann einerseits Deine Sorgen verstehen, andererseits nicht.

Z. B. ob Du als Frau "akzeptiert" wirst...
What? Da muss doch Dein Gedanke sein: "Jetzt erst recht! Denen werde ich es zeigen."

Was ein Physik-Studium für ein Arbeitspensum hat, ist schon nicht ohne. Du musst halt bereit dazu sein. Das ist das A und O.
Bereit viel Freizeit zu streichen. Es ist ja nicht so, dass Du Dich 24 Stunden im Zimmer einsperren musst, um das Studium zu packen. Nein.
Aber in 1 Stunde sind die Hausaufgaben halt auch nicht gemacht.

Willst Du mein Abi-Schnitt wissen?
Ich hatte im 1. Anlauf 3,6 und im zweiten Anlauf round about 2,5.
Wen juckt das denn? Physik ist meistens ohne NC, wenn mich jetzt nicht alles täuscht.

Komm´ einfach mal ein bisschen runter. Ich denke, Du machst Dir zu viele Probleme, die garnicht da sind. =)

Und zuletzt: Wenn Dich Physik so interessiert, dann mach das doch.
Ob Du es packst, wirst Du dann schon sehen.
Das klingt jetzt ein bisschen doof, aber später wirst Du sagen:
"Wieso habe ich nicht Physik studiert?" und Dir dann in den Hintern beißen.

Also. Du hast nichts zu verlieren.

Vielleicht erzähle ich Dir kurz von mir.
Abischnitt: 2,6 (zweiter Anlauf)
Ich studiere jetzt im 4. Semester Mathematik und habe bereits eine abgeschlossene Ausbildung "Automatisierungstechnik - Energietechnik".
Ich habe mir nie Sorgen gemacht wegen meinem Abischnitt. Zu keiner Sekunde. Warum sollte ich auch? Jetzt nachtrauern? Nein. Mach einfach das Beste daraus, auch wenn Du mit 1,6 schon ziemlich beschissen da stehst. (sorry, aber ich möchte Dir einfach auf eine provokante Art zeigen, dass Du Dir einfach zu viele Gedanken machst.)
Yukhl
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2012 - 22:39:43    Titel:

Wow.
Ich kann icht sagen, wie dankbar ich euch beiden bin. Hab mit weitaus härteren Kommentaren gerechnet. Wink

Das mit dem Beruhigen ist wohl das Sinnvollste. Nur zurzeit schwankt das "Soll ichs tun?" doch sehr mit dem "Oh man, das packst du nie!" und gestern war letztere Laune dran.

Es ist mir nur sehr wichtig, dass ich das Studium packe. Denn ich möchte das einfach, kann mir nix anderes vorstellen und will später, mit genügend "akademischer Reputation" sozusagen und mit genügend Wissen ausgestattet, Gutes tun. Andererseits gibts die harte Seite von Physik, sehr viele Abbrecher, enormer Zeitaufwand und ellenlange Durststrecken. Ich habe oft einfach Schiss, dem nicht standhalten zu können. Das wäre einfach furchtbar. Im Mathe- und Physikunterricht war ich halt einfach nie sonderlich selbstbewusst; daher auch diese vielen Bedenken.

Ja, wegen dem Abischnitt habt ihr vollkommen recht; das Studium ist eigentlich überall zulassungsfrei. Ich wollte auch niemanden damit beleidigen! Meiner Meinung nach spiegeln Noten und Punkte so gut wie kaum die tatsächliche Leistungsbereitschaft von Schülern wieder. In Physik wars so, dass der, der die Übungsaufgaben auswendig gelernt hat, der 15erSchüler war und so welche wie ich hingen in der Stunde den Gedanken der Theorien hinterher, haben die Rechnungen nicht gecheckt und sich mit Glück an die 3 halten können...

Ich danke euch wirklich sehr sehr sehr, dass ihr euch meiner angenommen habt! Very Happy
XANES
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Anmeldungsdatum: 13.06.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 13 Jun 2012 - 11:43:05    Titel: Du erinnerst mich an mich

Hallo, habe mich jetzt extra angemeldet, um Dir Mut zu machen.

Was habe ich überlegt, vor über 5 Jahren und wie habe ich gezweifelt in den ersten 3 Semestern und heute stehe ich kurz vor meiner Diplomarbeitsabgabe und ich würde wieder Physik studieren, ich will mein DA-Thema weiterverfolgen und die Promotion dranhängen.

Klar es ist nicht immer einfach, genau genommen ist es oft sehr frustrierend.
Mir war fast schlecht wenn ich daran dachte vorrechnen zu müssen und es dann nicht zu können und ja ich musste auch einige Klausuren nachschreiben.
Um einen kleinen Schritt weiterzukommen muss man viel investieren und ich kriege manchmal einen Knoten im Kopf Rolling Eyes

Auch ich hing in Vorlesung oft noch an den Grundgedanken und konnte nicht ohne Weiteres einfach den Algorithmus anwenden. Aber gerade das macht es doch aus. Es verstanden zu haben.
Und wenn einem wieder mal irgendetwas tolles klar wird, dann weiß man warum man das alles macht
Smile

Es kann Dir natürlich keiner sagen, ob du wirklich standhälts und ob es dann wirklich was für dich ist, aber wenn du es liebst, Dinge zu durchdenken und wirklich zu verstehen, dann hört sich das für mich an wie: Physikstudium

"Es ist mir nur sehr wichtig, dass ich das Studium packe. Denn ich möchte das einfach, kann mir nix anderes vorstellen und will später, mit genügend "akademischer Reputation" sozusagen und mit genügend Wissen ausgestattet, Gutes tun. Andererseits gibts die harte Seite von Physik, sehr viele Abbrecher, enormer Zeitaufwand und ellenlange Durststrecken. Ich habe oft einfach Schiss, dem nicht standhalten zu können. Das wäre einfach furchtbar. Im Mathe- und Physikunterricht war ich halt einfach nie sonderlich selbstbewusst; daher auch diese vielen Bedenken. "

Du hast vollkommen recht, es gibt lange Durststrecken, aber solange Dir bewusst bleibt, dass es wieder tolle spannende Zeiten gibt, dann kommst du da durch.
Und das ist auch ein Lerneffekt im Studium. Entspannt bleiben. Wenn Du daran arbeitest, dann wirst du es auch schaffen. Und nicht von den "Überfliegern" abschrecken lassen Wink

So ich hoffe meine wirren Gedanken können dir auch noch etwas helfen.

VG
Yukhl
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 03 Jul 2012 - 22:12:51    Titel: Liebe(r) XANES!

Endlich kann ich dir auf deine furchtbar lieben Worte antworten.
Ich habe deinen Beitrag nämlich fast direkt nach Erscheinen gelesen - nur habe ich da auf der Abschlussfahrt mit Fieber festgesessen. Am liebsten würde ich eine persönliche Nachricht abschicken, bloß weiß ich nicht, ob das hier funktioniert; denn ich möchte einfach sicher sein, dass du lesen kannst, wie dankbar ich dir bin... !

Zum Zeitpunkt des Erscheinens war es eine schreckliche Phase, in der mich alle auf der Abifahrt gefragt haben, ob es stimmt, dass ich Physik studieren möchte, dann große Augen gemacht und "nicht schlecht gestaunt". Ich war ein kleines Häufchen Unsicherheit. Und dann habe ich auch noch die Schnuppertage der Uni verpasst, zu denen man frei in die Vorlesungen kam. Auch schaffe ich es nie, endlich die Nase ins Physikbuch zu stecken, um möglichst viel schon vor dem Studium zu schaffen - ich weiß einfach nicht, ob ich es schaffen kann. Warum sollte ich es schon schaffen?!

Ich war mehr als froh, dass du dich extra zu einer Antwort angemeldet hast - und mir einen Haufen Mut gegeben. Deine Geschichte finde ich sehr spannend.
Mich würde brennend interessieren, wie es bei dir mit der Diplomarbeit steht und auf welches Themengebiet du dich spezialisiert hast, das du später in einem Doktor weiterverfolgen willst? Und wie du zur Physik gekommen bist und wie du die Studienzeit bisher erlebt hast...
Oder sind das zu viele Fragen auf einmal?

Jedenfalls.... kann dir jemand nicht sagen, wie wichtig deine "wirren Gedanken" für ihn sind und waren. Smile
2,71828
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Anmeldungsdatum: 12.02.2008
Beiträge: 2373

BeitragVerfasst am: 04 Jul 2012 - 02:14:33    Titel: Re: Wieder Physikstudiumsfragen...

Yukhl hat folgendes geschrieben:
Doch jetzt ist das Abi in der Tasche und die Verunsicherung wächst.

Nur keine Panik, das ist normal. Je näher die Entscheidung eines Studium rückt, desto unsicherer werden viele Studienanfänger.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Mein Abischnitt ist mit 1,6 nicht sonderlich toll

1,x ist gut genug. Zwar haben studenten der Physik eher selten ein 3,x- oder 4,0-Abi aber entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil muss man nicht der Übermensch sein.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Mathe hatte ich im LK, war mit dem Lehrer aber leider überhaupt nicht grün und habe wenig bei ihm gelernt, stand so bei 11-12 Pkt, die AbiPrüfung dann aber mit 6 Pkt. fast nicht bestanden. Trotzdem beschäftige ich mich noch sehr gern mit Mathe, weshalb ich mir einst angemaßt hatte, Physik in Betracht ziehen zu können.
Im Physikkurs war ich auch nicht so toll, eher untere Mitte bei den Noten mit 10-11 Pkt. Allerdings der interessierteste Schüler und aus dem Unterricht heraus kam auch erst die Idee zum Studium...
Ich wollte euch daher fragen, ob ihr vllt etwas dazu sagen könnt... Question

Zweistellige Noten und Interesse sind beste Voraussetzungen für das Studium. Deine Sorgen sind unbegründet.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Bin seit neuestem leider immer ängstlicher was das Studium betrifft: Angst, dass ich benachteiligt werde, weil ich weiblich bin (das musste ich im Phy- und Ma-unterricht schon latent bemerken)

Es gibt die ungeeignete Physikstudentin, die Physik studiert, weil die Eltern es so wollten. Ihr fehlt jegliche Leidenschaft, Interesse und Fähigkeit für das Studium. Sie wird von Lerngruppen und als Praktikumspartnerin entsprechend gemieden. Der männlichen Version geht es aber auch nicht besser.
Aus deiner bisherigen Schilderung bin ich mir aber sicher, dass du nicht dazu gehörst. Die Angst vor dem Physikstudium ist leider hoch; bei Frauen noch höher. An meiner Uni ist es aber sogar eher so, dass die wenigen Physikerinnen (nachdem sie die vorurteilsbehaftete Hürde des Semesterbeginns erst einmal überwunden haben) sogar mit höherer Wahrscheinlichkeit das Studium erfolgreich beenden als ihre männlichen Kommilitonen. Deine diesbzgl. Ängste sind weit verbreitet aber völlig unbegründet.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Angst, dass ich das riesen Pensum im PhyStudium nicht schaffe und am Ende keine Zeit mehr für meine Beziehung, gute Freunde oder Ausgleich bleiben kann, Angst, mich falsch entschieden zu haben, Angst, mich überschätzt zu haben, Selbstzweifel, nicht konkurrenzfähig genug "gegen" Mitstudieren zu sein, in der Masse unterzugehen, Versagensangst und so ein ungutes Gefühl, nicht richtig anerkannt zu werden

Physik erfordert einen hohen Zeit- und Arbeitsaufwand. Wer Physik studiert, hat aber fast immer auch Interesse an Physik, d.h. sie beschäftigen sich gerne damit (Durststrecken mit eher langweiligen Grundlagen gibt es natürlich auch, so wie bei jedem anderen Studium auch).

Physik ist nicht so schwierig, wie allgemein behauptet wird. Man muss nur permanent am Ball bleiben (sprich: regelmäßig Vorlesungen besuchen und wöchentlich Übungsaufgaben lösen). Monatelang fast nur Party, ein paar Tage vor den Klausuren intensiv lernen und dann mit guten Noten bestehen (wie es zu meinen Entsetzen bei manchen Fachrichtungen tatsächlich möglich ist) - das funktioniert bei Physik einfach nicht.

Das Privatleben aufgeben muss man auch nicht; ganz im Gegenteil: wer es nicht schafft, auch mal vom Studium abzuschalten scheitert üblicherweise.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
wenn ich an einer ostdeutschen Uni studiere, weil ich das in der Schule viel gehört habe (komme aus BRB und plane, an der Uni Potsdam zu studieren). Ich würde niemals nur deshalb die Uni wechseln, aber ich frage mich, wie es mit diesem Ost-West-Gegensatz aussieht...

Es gibt keinen Ost-West-Gegensatz beim Studium (außer dass im Osten die Mieten häufig deutlich niedriger und die Bausubstanz der Gebäude nicht selten besser ist). Hausberufungen (d.h. Studieren, promovieren und dann Prof. werden an der selben Uni) sind unüblich. (Deutsche) Profs. an Ost-Unis sind üblicher weise Wessis. Außerdem ist Physik sowieso international. Ob Ost oder West spielt überhaupt keine Rolle.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Was den Arbeitsaufwand angeht, bin ich nicht faul, sogar im Gegenteil mache ich gerne Sachen, die mir etwas zu schaffen machen, ich bin aber auch nicht der totale Knobler, der gern wochenlang an der einen Aufgabe brütet.

Als Physiker(in) muss man einen gesunden Kompromiss zwischen Faulheit und Knobeln erreichen. Man darf nicht vor eine Aufgabe kapitulieren, weil sie im ersten Augenblick schwierig erscheint; ewig daran arbeiten braucht man auch nicht. Z.B. bei den regelmäßig zu lösenden Übungsaufgaben ist es meist so, dass sie relativ leicht zu lösen sind. Manchmal findet man aber einfach nicht den richtigen Ansatzpunkt - dann nützt es auch nichts, tagelang (ohne neue Ideen) daran zu arbeiten. Man muss auch nicht alles sofort verstehen. Meine Profs. z.B. erklären ganz offen, dass sie ihre Vorlesungen so gestalten, dass ein guter Student maximal 50% dabei versteht.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Leider hört sich das alles ziemlich erbärmlich an, aber so fühle ich mich auch nach der Lektüre dessen (http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/193639,0.html)

Du machst dir zu viele Sorgen. Genieße die Zeit bis zum Beginn deines Physikstudium und genieße das Studium noch mehr.



Yukhl hat folgendes geschrieben:
ich hab nicht einmal ein Probestudium gemacht.

Das haben die Wenigsten.


Yukhl hat folgendes geschrieben:
Ich würde mir ebend gern etwas Gewissheit verschaffen; ein Uni-Besichtigungs-Termin zu diesem Zweck ist schon angefragt.
Weiß jmd vielleicht, ob es eine Art Selbsttest irgendwo gibt, bei dem man erfährt, wie und ob man sich fürs Studium eignet?

So einen Test gibt es nicht; nach deiner bisherigen Beschreibung habe ich jedoch keine Zweifel daran, dass du eine erfolgreiche Physikerin werden kannst.
Yukhl
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 04 Jul 2012 - 14:12:37    Titel: 2,71828

Es ist Wahnsinn, wie viel Selbstvertrauen ein Forumsbeitrag stiften kann. Niemand hier hat mir meinen Funken Mut genommen, sondern ihn bis aufs Maximum vergrößert.
Dank dieses Threads werde ich immer selbstsicherer, natürlich ganz besonders was das Studium und meine Entscheidung dafür betrifft.

Endlich bin ich auch die Angst los, dass man von allen erwarten wird, das Physikbuch auswendig gelernt zu haben und für nichts anderes mehr leben zu wollen. Das Studium erscheint immer menschlicher Smile (Natürlich lebe ich auch gerne die Physik, doch gibts ja auch noch andere schöne Dinge im Leben...)

Vielen vielen Dank, Herr oder Frau eulersche Zahl, dass du so detailliert auf meinen Beitrag eingegangen bist! Smile
Es ist ein geradezu bezauberndes Bild, dass du mir vom Studium gezeichnet hast. Und in jeder deiner Antworten mag ich nichts als dir beipflichten. Das mit der Ost-West-Überlegung rührt daher, dass ich schon viel von westdeutschen Unis gehört bzw. in Foren gelesen habe, bei denen sich die Studieninteressierten immer sehr sicher über die Qualität ihrer Wahl sind, wie z.B. München, Aachen oder Hamburg. Doch ich bin sowieso kein Großstadttyp und schätze die Potsdamer Uni sehr - werde mich jetzt auch ganz sicher dort immatrikulieren und kann den Mathevorkurs kaum noch abwarten. Bin sehr gespannt, ob ich den Bachelor erreiche. Denn wenn ja, habe ich mir vorgenommen, bis zum "bitteren Ende" zu studieren und dann in der Forschung die Welt zu verbessern Smile Aber das ist ne andere Geschichte, denk ich Wink

Ich bin furchtbar dankbar für die Antworten!!! Smile
Yukhl
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2013 - 12:32:14    Titel: End of story

Hello again.

Interessanter Zufall, dass ich immernoch den Account hier habe. Den ich nun allerdings aufgebe, um nicht so viel Speicherplatz sinnfrei zu belgen.
Dabei fiel mir ein, dass ich doch mal berichten kann, wie es mir nun ergangen ist, um auch mal einen Thread lesen zu können, der ein "ergo" beinhaltet. (Meistens verpflichten sich Fragesteller ja zum Endbericht, ohne ihn je abzuliefern... nicht so ich!)

Ja, was ist passiert?
Ich habe in diesem Wintersemester einen Studiengang begonnen, der sich mit Soziologie und Politik befasst. Und ich liebe es. Das ist meine Welt.

In Physik ist unglaublich viel schief gelaufen.
Es hat mich mehr als nur Nerven gekostet und mich körperlich und psychisch fast kaputt gemacht.
Ich war mehr als überfordert. Natürlich ist es dort kein unmenschlicher Studiengang, ich weiß noch von Kommilitonen, die tatsächlich in ihrem jetzt 3ten Semester sind Very Happy und freue mich sehr für sie.
Ich hab Physik nicht "aufgegeben", für mich bleibt es die spannenste weltbeschreibende Naturwissenschaft.
Nur habe ich es mit bologna, langem Pendelweg und wenig bis gar keiner externen Hilfe bei so viel Anforderung nicht lange ausgehalten.
Ich bin zu genau und schummle nicht.
Trotzdem sagte uns jeder, außer den Dozenten, dass man im ersten Semester nichts versteht (oder verstehen kann) und es war klar, dass man nur die Punkte fürs Aufgabenblatt bekam, wenn man abschrieb. Von wo auch immer. Selbst die leistungsstärksten Mitstudenten von mir, die mir wie Halbgötter vorkamen, haben es nicht geschafft.
Es war unglaublich viel, mir wurde gar nicht die Zeit gelassen, alles bis ins Detail zu verstehen. Vieles wurde vorausgesetzt, unentwegt auf viel zu hohem Niveau gearbeitet - der Großteil unseres Jahrgangs (knapp 40 Mann) hatte sich niemals getraut, in der Vorlesung zu fragen. Am Anfang habe ich das nur gemacht. Am Ende hats dann kaum noch geholfen.
Man sollte so unglaublich viel akzeptieren und einfach schlucken - und sowas mache ich einfach nicht bedingungslos.
Wenn ich etwas lösen soll, eine Aufgabe, etwas verstehen soll um es zu lösen, dann kotze ich nicht das hin, was mir der möchtegern-geeignete Dozent an die Tafel klatscht. Deswegen hab ich nie ein Aufgabenblatt abgegeben, weil ichs nicht selbstständig lösen konnte.
Na klar(!) ist Physik nicht das leichteste und man muss sich hinsetzen - aber Physik ist doch eigentlich so logisch! Warum so wenig Zeit? Was zum Teufel ist falsch daran, wenn es alle verstehen?! Bedeutet das Gesichtsverlust für den Dozenten? Warum geht man nicht auf die Studierenden ein?
Was ist so furchtbar schlimm daran, so vorzugehen, dass man es lückenlos nachvollziehen und verstehen kann?
Ist Verstehen nicht das Wichtigste... ?

Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht für diesen Leistungsdruck eigne, nicht gemacht bin für einen Studiengang, der mir keine Zeit lässt, mir mein Essen selbst zu machen.
Ich bin wahrscheinlich einfach der ganz falsche Typ dafür. Das macht auch nichts, man muss ja nicht promovieren, um Spaß am Fach haben zu können. Ich hätte nur gern auf die bisher schlimmste Zeit meines Lebens verzichtet :/
Erst als ich gegen Ende des ersten Semesters langsam nicht mehr zu den VL gekommen bin, habe ich Bekanntschaften mit Kommilitonen gemacht.
Das Alleinsein war schon sehr schwierig. Ich bin eigentlich sehr aufgeschlossen, nur gab es im Jahrgang immer Kälte. Und jeder lief nach VLs gleich nach Hause; ich konnte niemanden kennenlernen.

Ich denke einfach, dieser Studiengang ist nicht darauf ausgelegt, gutes Allgemeinverständnis zu vermitteln - sondern es geht darum, Studierende gleich in Fachrichtungen bringen zu können, um sie an den Stand der Forschung zu setzen. Physik heutzutage ist ja ganz anders als vor 200 Jahren. Nur irgendwie war ich in dem Bild hängen geblieben, ich Dummchen :/

Tja. Es würde noch 1000 Sachen mehr zu sagen geben.
Aber es gibt eine Essenz und die will ich einfach so sagen, wie es ist:
So kann ich (Physik) nicht studieren, ich hatte völlig andere Vorstellungen. Ich bin beinahe darüber hinweg, es ist aber trotzdem noch schwierig für mich, darüber zu sprechen.
Ich bin eben der falsche Typ, wie gesagt gibt es hunderte, die es jährlich schaffen. Da gehör ich halt nicht zu.
Auch wenn viele mich dann sehr mochten, ich zum Glück mit einer Höhersemestrigen aus dem FSR eine wunderbare Gesprächspartnerin gefunden habe - nur leider zu spät. Viele bewunderten meine genauen Fragen und meinen Willen, alles verstehen zu wollen. Nur kam ich damit eben nicht über das erste FS hinaus.
So ist das.

Ich habe gemerkt, dass ich jemand werden will, der etwas verändert.
Der Missstände aufdeckt.
Ich bin nicht der Forscher im Labor, ich bin vielleicht auch nicht der Sozialarbeiter auf der Straße - aber ich will für eine Welt eintreten, in der man studieren kann. In der Leistungsdruck nicht das oberste Gebot ist.
In der Menschen fair und gerecht zueinander sind.
Ich möchte nicht die Eigenschaften von Atomkernen beobachten, wenn es dort draußen Krieg gibt und Ökonomen, die Politik kaufen und Menschen, die anderen Schreckliches antun.
Jetzt habe ich den perfekten Studiengang gefunden.
Es ist zwar überhaupt nicht weniger zu tun, aber ich kann dafür brennen, ich kann alles verstehen, wenn ich nur will und ich weiß, wo mir jemand helfen kann. Ich finde Menschen, die mit mir reden, die mich ernst nehmen, auch wenn ich nicht den Staatsaufbau von China auswendig aufsagen kann.
Ich habe Dozenten, die Studierende ernst nehmen.
Es ist das komplette Gegenteil.

Ich möchte mich für jede Hilfe aus diesem Forum sehr bedanken.
Erfahrungen muss jeder selbst machen, aber es macht Freude, Zuspruch zu bekommen und jemanden fragen zu können.

Mein Appell an jeden, der dies bis zu Ende liest:
Frühzeitig informieren, auch mal hingehen und zuschauen, ob es das Herz trifft, ob man sich vorstellen kann, dafür 24 Stunden seines Tages zu leben, Menschen fragen, auch Problematiken ansprechen, ehrlich sein.
EDIT: Viele sagen oft zur Beruhigung "das erste Semester muss man nur bestehen" oder "durch Optik im 4. Semester muss man einfach nur durch uns gut ists" oder "das Praktikum hast du ein Semester lang und das wars".... ja. Trotzdem wird man sich ein Semester lang damit beschäftigen. Trotzdem sollte man das auch berücksichtigen. Auch Unliebsames muss gemacht werden. /Edit Ende.
Sich genug Zeit geben, um zu entscheiden. Auf sich hören. Das ist so wichtig.
Sich auch Hilfe holen (ich war bei einer Studienberaterin, nach dem ich gewechselt hatte, mit der ich auf derselben Wellenlänge war, die mich stets in die richtige Richtung geschubst hat)!
Sich auch trauen, sich einzugestehen, dass man es nicht schafft, nicht kann, nicht will.
Abbrechen ist unschön, aber besser, als sich jeden Tag mieser zu fühlen.
Auf keine Fall allein sein, das macht depressiv.

Ich wünsche jedem gutes Gelingen.
Adieu.
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