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Aufnahmeprüfung Dirigieren UdK - Erfahrungsbericht
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silvr94
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Anmeldungsdatum: 28.06.2012
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 03 Jul 2012 - 00:54:20    Titel: Aufnahmeprüfung Dirigieren UdK - Erfahrungsbericht

Ich möchte jetzt mit euch meine Erfahrungen, die ich bei meiner Aufnahmeprüfung gemacht habe, teilen. Es ist unheimlich schwer an Informationen heranzukommen, die wirklich nützlich und informativ sind. Ich hoffe, dass einige durch meinen Beitrag etwas mehr Klarheit über den Ablauf und Erwartungen der Prüfung haben. Ihr seiet aber gewarnt: Es wird etwas lang!

Ich habe mich zum Wintersemester 2012/2013 für das Studienfach Dirigieren (Bachelor) an der Universität der Künste (UdK) in Berlin beworben. Ich gehe davon aus, dass ihr euch schon die im Internet stehenden Anforderungen durchgelesen habt.

1) Der erste Teil der schriftlichen Prüfung war Gehörbildung, die ungefähr 1 Stunde dauerte. Uns wurde ein Blatt mit einer Melodie drauf gegeben, von der aber nur die Tonhöhen angegeben waren (also ohne Hälse). Die Melodie wurde vorgespielt und wir mussten die Tonhöhen rhythmisieren, d.h. Balken bzw. Hälse, Bindebögen (alle Noten waren ausgefüllt, also keine Halben o.Ä.) und gegebenenfalls Pausen eintragen. Das Beispiel war die Melodie in den ersten Geigen von Takt 109 bis 116 vom ersten Satz aus Bruckners 5. Sinfonie in B-Dur. Es wurde vom Professor der Takt eingezählt und alle Beispiele (auch die 3 nachfolgenden) wurden insgesamt etwa 10 Mal vorgespielt. Bei allen 4 Gehörbildungsaufgaben sagte der Professor Bescheid: „Ich spiele das Beispiel ab jetzt nur noch dreimal).

2) Dann kam ein einstimmiges Diktat von einer 8-taktigen atonalen Melodie von Milhaud (leider habe ich vergessen aus welchem Stück). Wir mussten selber die Taktart angeben.

3) Als nächstes spielte der Professor ein 8-taktiges Stück mit 2 Stimmen (Melodie- und Bassstimme). Es war irgendetwas aus der Klassik. Es war so komponiert, dass sich die beiden Stimmen selten zur gleichen Zeit bewegen (d.h. die eine Stimme hat einen liegenden Ton), damit man sich eben auf die Bewegung konzentrieren kann.

4) Als letztes zur schriftlichen Gehörbildung kamen die ersten 5 Takte des vierstimmigen Chorals aus Bachs Choralkantate „Schmücke dich, o liebe Seele“ (BWV180). Die Taktart, sowie der erste Ton aller Stimmen wurden vorgegeben.

1.1) Jetzt kommt die Tonsatzklausur, für die wir 3 Stunden Zeit hatten. Als erste Aufgabe sollten wir eine harmonische Analyse von Tschaikowskys Klavierstück „Morgengebet“ (Op. 39 Nr. 1). Dabei durften wir „das uns bekannte System“ anwenden (Stufen-, Funktionstheorie, oder andere, falls es sie gibt).

1.2) Als nächste Aufgabe sollten wir einen fünfstimmigen Orgelchoral von Max Reger („Wie schön leucht’t uns der Morgenstern“, Op. 135a Nr. 29) für Oboe, B-Klarinette, Horn in F, Fagott und Kontrabass aussetzen. Also wirklich nur abschreiben (richtig transponiert, natürlich).

1.3) Aus der Partitur von dem 2. Satz (Larghetto) aus Schumanns 1. Sinfonie sollten wir ein Particell anfertigen. Es sollte aus drei Notensystemen bestehen und dabei klar die Melodie-, die Mittel- und die Bassstimme(n) wiedergeben. Von Takt 1 bis 23.

1.4) Als letztes sollten wir das Lied „Gaudeamus igitur“ vierstimmig so aussetzen, dass der Text von der Silbenverteilung her von jeder der 4 Stimmen gesungen werden kann.

2.1) Jetzt die nervenaufreibende praktische Prüfung! Zuerst sollte ich meine 3 selbstausgewählte, mittelschweren Solostücke auf dem Klavier vortragen. Es sollte ein Stück aus dem Barock, der Klassik und der Romantik/der Moderne sein. (Falls ihr neugierig seid – ich habe gespielt: „Aria“ aus Bachs Partita Nr. 4, den 3. Satz (Rondo) aus Beethovens Pathétique-Sonate und Chopins Nocturne in Es Dur, Op. 9 Nr. 2.)

2.2) Für das Opernklavierauszugspiel gaben sie mir Ferrandos Kavatina („Tradito, schnernito…“) aus dem 2. Akt von Mozarts „Così fan tutte“. Danach kam von Verdis „Un ballo in maschera“ die Szene mit Trio im 1. Akt „Che v’agita così?“. Zuletzt kam eine Szene aus einer Wagner-Oper, die ich nicht kannte. Ihr merkt aber schon, dass der Schwierigkeitsgrad immer gestiegen ist. Ein Professor hat bei dieser Aufgabe die Gesangsstimmen markiert und ein bisschen dirigiert.

2.3) Für Partiturspiel haben sie sich wieder Stücke/Stellen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad ausgewählt. Zuerst die ersten 12 Takte aus dem 2. Satz von Mozarts 36. Sinfonie („Linzer“). Dann gaben sie mir Dvořáks Cellokonzert. Aus dem zweiten Satz sollte ich den Anfang spielen. Danach sollte ich aus dem gleichen Satz an einer Stelle nur die 3 Posaunenstimmen (2 Altposaunen im Altschlüssel und eine Tenorposaune im Bassschlüssel) spielen. Hinterher die schwierigste Aufgabe: 3 Hornstimmen spielen, wobei die ersten beiden in F sind, die 3. aber in C!!

2.4) Als mündlich Gehörbildung hatte ich mich mental auf Akkordumkehrungen vorbereitet, jedoch sollte ich nur eine atonale Tonreihe (mit nur elf Tönen????) vom Blatt singen. Hier ist die Tonreihe (mit Oktavbestimmung) zum selber Ausprobieren: c‘ f‘ a‘ b‘ e‘ fis‘ h‘ des‘‘ d‘‘ gis‘ es‘‘. Ich durfte die Tonreihe so langsam singen, wie ich wollte.

2.5) Vier Wochen wurden die zwei Stücke veröffentlich, die man vordirigieren sollte: Beethovens Sinfonie Nr. 1, 1. Satz bis zum Ende der Exposition. 2. Satz bis zur Wiederholung, was ich in der Prüfung nicht machen musste. Dann noch aus Bartóks „Konzert für Orchester“ Takte 76 bis 208 und 488 bis zum Schluss des 1.Satzes. Ich wurde von Studenten an zwei Klavieren ‚begleitet‘.

Meine Prüfungskommission bestand aus 7 Menschen: 2 Studenten und 5 Professoren bzw. Dozenten. Alle waren sehr nett und haben durch Smalltalk am Anfang versucht, mir die Anspannung etwas wegzunehmen. Sie waren durchaus professionell und haben immer einen neutralen Gesichtsausdruck bewahrt, um ja nicht zu verraten, ob man bestanden hat oder durchgefallen ist. Es gab 24 Bewerber, von denen nur 16 zur Klausur gekommen sind. Vielleicht sind von den 16 weniger zum Vorspiel gekommen, aber das ist nur spekuliert.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Erfahrungsbericht etwas weiterhelfen. Ich fand es einfach schlimm, nicht zu wissen, was für Leistungen sie von mir erwarten werden, wenn ich da hereingehe. Ich muss jetzt noch 2 Wochen auf den schriftlichen Bescheid warten, ob ich es geschafft habe, oder nicht. Wenn nicht, dann kriege ich wenigstens gesagt, woran es liegt. Ich melde mich dann in 2 Wochen. Bitte zögert nicht, mich anzuschreiben, falls ihr weitere Fragen habt.

Smile
hilrap
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Anmeldungsdatum: 08.09.2016
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 08 Sep 2016 - 15:24:51    Titel: Aufnahmeprüfung dirigieren

hallo silvr94,

ich wollte danke sagen für den tollen Bericht! Er hatte mir sehr geholfen. Ich studiere seit letzetem Jahr an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Very Happy Die Aufnahmeprüfung hatte ich aber nicht zuletzt auch auf Grund der intensiven Vorbereitung mit Symeon Ioannidis (Dirigent und Korrepetitor aus Berlin) bestanden! Falls das jemand helfen sollte, ihr könnt ihn einfach googlen und zwecks Unterricht kontaktieren. Preise werden sehr human und nach inidividuellen Absprachen vereinbart..

vg
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