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Was ist Natur?
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nAim
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Anmeldungsdatum: 04.12.2007
Beiträge: 2058

BeitragVerfasst am: 26 Jul 2012 - 22:32:31    Titel: Was ist Natur?

Ich versuche mich grad am Buch "Natur" von R.W. Emerson.

Ein Paar seiner Gedanken finde ich brilliant, Andere nur wirr. Eben habe ich eine Pasage fünfmal gelesen ohne sie zu verstehen, bis mir aufgefallen ist, dass ich ein komplett anderes Verständnis davon habe was Natur ist. Für Emerson ist die Natur göttlich. Ich glaube nicht an Gott, für mich hat die Natur nichts mit Gott zu tun, deshalb habe ich eben auch ewig für diese eine Stelle gebraucht.

Was mich zu meiner Eingangsfrage bringt. Unter Natur versteht man in erster Linie mal den Wald um die Ecke mit allem was da kreucht und fleucht. Aber darüber hinaus ist der Begriff der Natur doch mit sehr viel Bedeutung aufgeladen, ncht zu letzt von vielen Schriftstellern. Deshalb weil es Interessant sein könnte. meine Frage an Euch, was ist für Euch Natur?
a1
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Anmeldungsdatum: 21.06.2011
Beiträge: 217

BeitragVerfasst am: 27 Jul 2012 - 16:53:15    Titel:

Für mich ist Natur alles, was nichts mit dem Lebewesen Mensch zu tun hat und eben natürlich ist. Darunter zähle ich nicht nur Grünzeug oder wilde Tiere, sondern auch alles bzw. vieles, was sich außerhalb der Erde abspielt.
wasp
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Anmeldungsdatum: 13.01.2007
Beiträge: 2707

BeitragVerfasst am: 27 Jul 2012 - 17:33:17    Titel:

a1 hat folgendes geschrieben:
Für mich ist Natur alles, was nichts mit dem Lebewesen Mensch zu tun hat und eben natürlich ist. Darunter zähle ich nicht nur Grünzeug oder wilde Tiere, sondern auch alles bzw. vieles, was sich außerhalb der Erde abspielt.


Wobei der Mensch ja irgendwie auch zur Natur gehört, auch wenn er sie vornehmlich zerstört.
Trotzdem würde ich den heutigen Menschen nicht unbedingt zur Natur dazuzählen, aber wenn man z.B. an noch heute lebende Urvölker denkt (heißen die Indianervölker z.B. im Regenwald so?), gehören diese für mich gaz klar zur Natur. Also auch der Mensch im Allgemeinen.
Clarice
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Anmeldungsdatum: 24.07.2007
Beiträge: 625

BeitragVerfasst am: 27 Jul 2012 - 19:52:25    Titel:

Der Begriff der Natur ist nicht wirklich zu ergründen, weil der Mensch alles durch die Brille seiner kognitiven Konstruktion sieht. Interessant ist allerdings, dass die Urheber dieser These, Maturana und Varela, selbst "Naturwissenschaftler" waren bzw. sind.
a1
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Anmeldungsdatum: 21.06.2011
Beiträge: 217

BeitragVerfasst am: 27 Jul 2012 - 20:55:00    Titel:

wasp hat folgendes geschrieben:
a1 hat folgendes geschrieben:
Für mich ist Natur alles, was nichts mit dem Lebewesen Mensch zu tun hat und eben natürlich ist. Darunter zähle ich nicht nur Grünzeug oder wilde Tiere, sondern auch alles bzw. vieles, was sich außerhalb der Erde abspielt.


Wobei der Mensch ja irgendwie auch zur Natur gehört, auch wenn er sie vornehmlich zerstört.
Trotzdem würde ich den heutigen Menschen nicht unbedingt zur Natur dazuzählen, aber wenn man z.B. an noch heute lebende Urvölker denkt (heißen die Indianervölker z.B. im Regenwald so?), gehören diese für mich gaz klar zur Natur. Also auch der Mensch im Allgemeinen.

Dann eben alles, was nicht vom Mensch geschaffen wurde.
Feanorr
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Anmeldungsdatum: 27.10.2010
Beiträge: 73
Wohnort: DE

BeitragVerfasst am: 30 Jul 2012 - 14:31:18    Titel: Re: Was ist Natur?

nAim hat folgendes geschrieben:
Für Emerson ist die Natur göttlich. Ich glaube nicht an Gott, für mich hat die Natur nichts mit Gott zu tun, deshalb habe ich eben auch ewig für diese eine Stelle gebraucht.

Das versteh ich überhaupt nicht. Gerade dann, wenn du einen personalen Schöpfergott wie im Monotheismus ablehnst, ist eine animistische Sichtweise, die das Göttliche und übernatürliche in den Naturdingen der Flora und Fauna erkennt, eine großartige Alternative. Außer natürlich, du bist so nüchtern-rational und naturwissenschaftlich in deinem Denken, dass du jegliche Mystifizierung oder Heiligsprechung egal welcher Sache in egal welcher religiösen oder mythischen Vorstellung ablehnst. Das ist aber auch nicht sonderlich gesund für den Geist, wenn du mich fragst.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 765

BeitragVerfasst am: 29 Sep 2012 - 18:12:52    Titel:

"Die Natur gibt es nicht"

Über Hintergründe und Folgen einer falschen Vorstellung.


Prof. Dr. Michael Hampe lehrt Philosophie an der ETH Zürich.

NZZ am 20.8.2011

Die Vorstellung, Natur sei etwas für sich Seiendes, das dem Menschen, der Vernunft oder der Gesellschaft gegenüberstehe, führt in die Irre. Diejenigen, welche «die» Natur schützen wollen, teilen diese Vorstellung mit denjenigen, die «die» Natur als blosse Ressource betrachten.
Die Ideologie, dass es keine Ideologien mehr gibt, ist verbreitet. Tatsächlich ist der öffentliche Diskurs heute nicht ideologiefrei – eine Markt- und eine Natur-Ideologie untergraben gegenwärtig Unterscheidungsfähigkeiten. In diesen Ideologien sind beide «gut»: Markt wie Natur. Man muss sich, so wird nahegelegt, nur nach ihnen richten, sie regeln selbst alles zum Besten. Börsencrashs und Erdbeben scheinen als unliebsame Ereignisse in einem nicht ganz durchschaubaren, aber doch angeblich Orientierung liefernden grossen Ganzen hinzunehmen zu sein.

Ideologien geben abstrakten Schemata in der Handlungsorientierung Vorrang vor Einsichten in konkrete Lebensverhältnisse. Wo es an Urteilskraft mangelt, springen sie mit Stereotypen wie «Konkurrenz ist gesund» oder «die Natur ist unerbittlich» in die Bresche.

Religiöse Sprachen wie auch wissenschaftliche Terminologien können sich, werden sie von Verfahren der Kritik und ihrem ursprünglichen Erfahrungshintergrund abgekoppelt und dogmatisch verallgemeinert, in Ideologien verwandeln. So geschah es den Theorien von Marx und Darwin im Marxismus-Leninismus und Sozialdarwinismus oder dem Schöpfungsglauben im Kreationismus.

Natur-Ideologien, um die es hier gehen soll, sahen zunächst überall zu beherrschendes Material oder vermeintlich grausame Konkurrenz. Heute sprechen sie von Gleichgewichten, Zirkulationen und Ganzheiten auf der einen und menschlichen Störern, die naturale Selbstorganisationen behindern, auf der anderen Seite. Der Mensch steht der Natur in beiden Fällen gegenüber: zuerst als Nutzer von Ressourcen und cleverster Sieger einer Auslese, dann als Hüter von Zusammenhängen, die er in seinem eigenen Interesse zu erhalten hat. In beiden Fällen bewegt man sich in Abstraktionen, denn «die Natur» gibt es nicht.

Es gibt Bosonen, Steine, Galaxien, Mohrrüben, Sonnenuntergänge, Meeresströme, Schweine, Aids-Viren und Hirntumore – das alles ist natürlich. Doch es bildet kein grosses Ganzes namens «Natur». «Ganzheit» ist ein vager Begriff. Die am klarsten darstellbaren Ganzheiten sind Zusammenhänge von Schlüssen in wissenschaftlichen Theorien. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Theorie, die all das eben Genannte umfassen und begreifen würde. Die Schweine und ihr Leid in den Schlachthäusern, Aids-Viren und die Angst der HIV-Infizierten kommen in den wunderbaren physikalischen Theorien, die die Masse der Bosonen für die schwache Wechselwirkung oder die Entfernung von Galaxien berechnen, nicht vor.

«Leid» und «Angst» sind keine physikalischen, auch kaum biologische Begriffe. Erst in der (auch naturwissenschaftlich fundierten) Heilkunst tauchen sie auf. Mit diesen Begriffen wird über die Feststellung von Tatsachen hinausgegangen. Es wäre jedoch – andererseits – unplausibel, deshalb Leid und Angst nicht als etwas Natürliches zu betrachten. Dazu muss man den Bereich des Natürlichen allerdings über den des wissenschaftlich Feststellbaren hinaus ausdehnen, man muss ihn sozusagen «normativ verunreinigen». Ökologische Probleme machen ebenso wie das Leid gequälter Lebewesen deutlich, dass die Trennung zwischen wissenschaftlich feststellbaren Tatsachen und «verhandelbaren» moralischen und politischen Diagnosen, die auf Bewertungen zurückgehen, nicht funktioniert.

Der französische Soziologe Bruno Latour hat, wie schon amerikanische Pragmatisten knapp hundert Jahre vor ihm, darauf hingewiesen, dass diese Trennung zwischen natürlichen Tatsachen und moralischen Urteilen nie wirklich realisierbar war, dass Menschen sich etwas vorgemacht haben, als sie glaubten, ein Reich der Gründe und der politischen Entscheidungen von einem der nicht verhandelbaren Tatsachen klar trennen zu können. Die Tatsache der Klimaänderung ist eine natürliche Tatsache und ein politisches Problem, so wie ein durch Flugverkehr sich ausbreitendes Virus. Menschen selbst sind solche «Hybriden» aus Tatsächlichem und Politisch-Moralischem.

Ursprünglich mag die Trennung von Vernunft und Norm auf der einen und der Natur auf der anderen Seite aus einer religiösen Transzendenzerfahrung heraus oder im Zuge einer fortschreitenden Arbeitsteilung zwischen wissenschaftlicher und politisch-moralischer Sphäre entstanden sein. Doch Arbeitsteilungen teilen nicht (wie Konstruktivisten irrtümlich glauben) die Wirklichkeit selbst. Diese Einsicht verschwindet in der Natur-Ideologie. In ihr wird Natürliches überhaupt als Ressource betrachtet, die Menschen für ihre Interessen verwenden können – oder eben zu schützen haben. So wie Menschen einem Stapel Holz oder einem Berg Kohle gegenüberstehen können, stehen sie vermeintlich «der» Natur gegenüber, mit dem Unterschied, dass man Holzstapel und Kohlehaufen wirklich sehen kann, die Natur jedoch nicht.

Vor dem Hintergrund jener Trennung von Vernunft und Natur war es vor noch gar nicht so langer Zeit möglich, dass Menschen sich über Wirkungen ihrer Handlungen in natürlichen Kontexten wundern konnten. Denn wenn Handlungen aus Gründen folgen, gehören sie als etwas Normatives eigentlich nur halb zur Natur. Aber sie ziehen unleugbar, vor allem, wenn sie mit technischer Macht ausgeführt werden, starke Veränderungen in natürlichen Konstellationen nach sich. Man denke nur an den Bau eines Stausees. Auch die Vorstellung von Nachhaltigkeit bewegt sich noch im Rahmen dieser Ideologie. Sie will lediglich vermeiden, dass den Menschen die Ressourcen ausgehen, über die zukünftige Generationen weiterhin verfügen können sollen. Die Idee, dass «die» Natur «dem» Menschen zur Verfügung stehe, bleibt dabei erhalten.

Stellen wir uns vor, jemand würde Menschen, denen er begegnet, entweder als Wesen betrachten, die er benutzen kann, oder als solche, die er zu schützen habe, als Sklaven oder als Kleinkinder. Käme er gut mit ihnen zurecht? Lebte er mit ihnen zusammen? Kaum. Sie wären für ihn keine selbständigen, wirklichen Wesen. Genau als das können natürliche Wesen und Ereignisse jedoch wahrgenommen werden: als selbständige Wirklichkeiten, mit denen wir zu Rande kommen und leben müssen. Doch die entsprechende Einstellung ist weitgehend verschwunden, nur noch aus Mythen animistischer Kulturen überliefert.

Mit sechzehn bin ich zum ersten Mal im schwedischen Sarek-Nationalpark durch eine von Menschen «unberührte» Landschaft gelaufen. Sehr gut erinnere ich mich noch an die Wahrnehmung, es mit etwas im eminenten Sinne Wirklichem zu tun zu haben. Die nicht von menschlichen Interessen tangierten Sümpfe, Hänge und Tiere kamen mir «wirklicher» vor als alles, was mir bis dahin in Stadt und Park begegnet war. Auch die Wirklichkeit einer anderen Person ist erst da gegeben, wo es gelingt, sie nicht von meinen Bedürfnissen und Ängsten her wahrzunehmen. Erst wenn das Interesse einschläft, eine Person als nützlich oder gefährlich, als begehrenswert oder nicht zu taxieren, und die Eigenständigkeit ihres Willens erfahren wird, wird sie für uns als tatsächlich andere wirklich.

Weder beim Verbrauchen noch im Beschützen der Natur ist Natürliches in diesem Sinne als selbständige Wirklichkeit gegeben. Weil natürliche Wesen, ausser im Falle höherer Tiere, uns nicht als wollende und strebende gegenübertreten, konnten Menschen sich, befangen in der Ideologie der Natur, leicht einreden, sie – als beinahe allmächtige und allverantwortliche übernatürliche Wesen – könnten mit ihrer Vernunft über alles, was ihnen als Nichtmenschliches begegnet, verfügen: ob verbrauchend oder schützend. Jede Katastrophe, wie auch jüngst die von Fukushima, die sowohl als natürliche wie als politische einzustufen ist, belegt die Falschheit dieser Einschätzung. Doch Ideologien sind, anders als wissenschaftliche Theorien, schwer revidierbar.

Die Vorstellung, Menschen stünden einer Natur gegenüber, ist philosophisch längst kritisiert worden: von Spinoza bis Arne Næss, von Heidegger bis Rorty. Doch diese Kritik überschätzte die kulturelle Macht der Argumente. Ideologien sind nicht bloss falsche Theorien. Sie sind Ausdruck von Lebensformen, Teile von kollektiven «Weltanschauungen» und lassen sich durch Argumente so wenig verändern wie die ihnen entsprechenden Lebensweisen, weil sie gar nicht auf kritische Revision angelegt sind. In dem Moment, in dem Ideologien Argumenten zugänglich werden, nähert sich die ihnen zugrundeliegende Lebensform bereits ihrem Ende, wird an ihrer Fortsetzbarkeit gezweifelt. Menschen steuern ihr Leben nicht dauernd rational. Ich überlege morgens nicht, was dafür spricht, aus dem Bett zu kommen. Wenn ich meiner Gewohnheit aufzustehen nicht mehr folge, sondern nach Gründen suche, bin ich bereits in der Krise. «Nun lasst uns einmal genau nachdenken!», sagen erst diejenigen, die die Orientierung schon verloren haben.

Eine Rückkehr in animistische Verhältnisse, in denen über natürlich Begegnendes in einer Sprache gesprochen wird, die heute (noch) für Personen als selbständige Wirklichkeiten reserviert ist, kann nicht durch Argumente herbeigeführt werden. Es gibt kein zwingendes Argument dafür, dass Katzen und Kälber, Hunde und Hummer oder gar Bäume und Flüsse als Wesen mit Innenleben zu behandeln sind, als Wirklichkeiten, über die wir nicht zu verfügen haben. Auch der neuerdings wieder hoffähige Panpsychismus – die Vorstellung von einer beseelten Welt – liefert solche Argumente nicht. Und lieferte er sie, würde das an unserer Lebensweise, in der wir über die Kälber und Hummer, Bäume und Flüsse eben verfügen, nichts ändern, solange wir sie für fortsetzbar halten.

Gegenwärtig existiert nur das Bewusstsein, dass Menschen natürliche Verhältnisse weder endgültig beherrschen noch dauerhaft behüten können. Man darf aber, weil ein solches Krisenbewusstsein sich zeigt, immerhin vermuten, dass die Rede von «der» Natur, die verbraucht werden kann oder geschützt werden muss, ihrem Ende entgegengeht. Welche Rede an ihre Stelle tritt, werden erst die wissen, die ein anderes Leben führen.
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