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Einige Fragen zum Jurastudium
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Chris_24_BLN
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Anmeldungsdatum: 19.07.2013
Beiträge: 1
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 10:42:06    Titel: Einige Fragen zum Jurastudium

Hallo!

Ich bin neu hier im Forum und möchte mich deshalb zuerst vorstellen. Ich heiße Chris, bin 24 Jahre alt und wohne in Berlin. Nachdem ich meinen MSA gemacht hatte, habe ich eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten und danach mein Fachabitur gemacht. Jetzt bin ich gerade dabei meine allg. Hochschulreife nachzuholen.

Obwohl ich schon eine Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf habe, konnte ich mich nie mit dem Gedanken anfreunden, auf ewig im kaufmännischen Bereich tätig zu sein. So fängt dann das grübeln an, was man denn nach dem Abitur studieren könnte. Vielleicht denken sich einige von euch jetzt "warum weiß der Junge mit 24 noch nicht was er studieren will", aber bei mir ist es so, dass ich an sehr vielen unterschiedlichen Sachen interessiert bin. Ich kann mich für Dinge die den Schwerpunkt Wirtschaft haben, genauso begeistern wie für Dinge die vielleicht etwas mit Kunst oder Sport zu tun haben. Das nur am Rande, damit ihr vllt. meine Situation versteht.

Als ich so durch alle möglichen Studienberater geblättert habe, ist mir immer wieder ein Studiengang ins Auge gefallen - Rechtswissenschaften. Bei vielen Studiengängen dachte ich mir "ja, das könnte passen. Daran hätte ich sicher Spaß (mehr oder weniger Wink ). Nur bei Jura stellst sich bei mir so ein komisches kribbeln im Bauch ein. Und auch immer wenn ich etwas mit Rechtsanwälten oder so zu tun hatte, fand ich das immer sehr interessant. Auch wie mit den Worten umgegangen wird und wie viele Bedeutungen und Nuancen ein Wort haben kann. Naja, ich schweife ab...
Wenn ich mein bisheriges Leben betrachte fällt mir auf, dass ich schon immer ein sehr (sehr sehr sehr) stark ausgeprägtes Rechtsbewusstsein habe (was mir auch öfter mal Probleme bereitet hat, weil ich meine Klappe nicht halten konnte)... Das heißt nicht, dass ich immer Recht haben muss - sich bei mir aber alle Alarmglocken losgehen, wenn ich merke das jemand ungerecht behandelt wird. Mit dem Gedanken lernen lernen lernen, Fleiß Fleiß Fleiß habe ich mich schon angefreundet!

So, das war erstmal das allg. damit ihr euch evtl. ein kleines Bild von mir machen könnt.

Nun zu meinen Konkreten Fragen:

1. Ich habe früher einige Male Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. Wurde auch angezeigt, aber die Anzeigen wurden immer Fallen gelassen. Habe mir die letzten Jahre nichts zu schulden kommen lassen oder bin auch nur ansatzweise mit der Polizei in Kontakt gekommen. Ich habe keine Vorstrafen - Muss ich mir wegen der fallen gelassenen Anzeigen Gedanken bezüglich des Studiums bzw. des Berufs machen??

2. Haltet ihr es für sinnvoll, mit 24 bzw. dann 25 Jahren ein Jurastudium zu beginnen? Wenn ich richtig gelesen habe, dauert das ganze Studium mit allem Drum und Dran etwa 7 oder 8 Jahre... Dann wäre ich 32/33! Habe ich dann überhaupt noch eine Chance? Abgesehn von einer möglichst sehr guten Endnote...

3. Ist es vielleicht möglich, während meine Schulferien ein Praktikum bei einem Rechtsanwalt zu machen? Also ist das üblich dass die auch Nichtstudenten nehmen oder eher die Ausnahme?

Ich hab mich hier im Forum und auch auf anderen Seiten ein wenig eingelesen (http://www.studis-online.de/Studienfuehrer/jurastudium.php)...

Ich freue mich auf eure Antworten!

Best, Chris
Porfavor
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Anmeldungsdatum: 18.11.2008
Beiträge: 1477
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 13:29:00    Titel:

Hi,

also zuerst scheinen die Voraussetzungen hinsichtlich deiner Einstellung schon gut zu sein, jedenfalls größtenteils.
Ich will jetzt gar nicht näher darauf eingehen, weil ich selbst keine Zeit habe (daran wirst du dich auch gewöhnen müssen Very Happy).

Frage 1: Nein, solange du keinen Eintrag im Bundeszentralregister vorzuweisen hast, bist du nicht vorbestraft, das geht erst ab einer bestimmten Tagessatzzahl bei einer Geldstrafe los, du wurdest aber ja nie verurteilt.

Frage 2: Das musst du selbst entscheiden. Das Studium geht tatsächlich regelmäßig sieben bis acht Jahre. Ein Hindernis, dann genommen zu werden, sollte das Alter aber nicht machen, da du ja immer noch jung genug bist. Wink Eher kann dir in manchen Bereichen die kaufmännische Ausbildung einen Pluspunkt geben.

Frage 3: Grundsätzlich ist das sicher möglich, da musst du einfach anfragen - jedoch eher bei kleinen Kanzleien und dann natürlich unvergütet. Die Frage ist nur, ob du da wirklich viel für dein Studium mitnehmen kannst, ohne juristische Vorkenntnisse. Eher kannst du bereits einen Einblick in die anwaltliche Tätigkeit bekommen, was du aber ohnehin im Regelfall bei einem Studienpraktikum wirst.
Schattenwolfie
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Anmeldungsdatum: 18.07.2013
Beiträge: 12
Wohnort: Saarland

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 13:37:16    Titel:

Hi Chris!
Zum Jurastudium allgemein könnte ich jetzt ein ganzes Buch schreiben, da säßen wir morgen noch hier. ^^ Ich will mich mal auf ein paar wesentliche Sachen beschränken.

Zunächst zu deinen Fragen:
1. Das ist kein Problem. Anders wäre es, wenn du vorbestraft wärst, dann hättest du es als Jurist doch etwas schwer. Aber angezeigt werden kann grundsätzlich jeder, solange keine schwerwiegenden Gründe gegen deine Person sprechen, kannst du trotzdem in diesem Beruf arbeiten.

2. Es ist zwar vllt schon etwas älter als deine künftigen Kommilitonen sein werden, aber in meinem Jahrgang waren auch viele schon 24, 25, 26. Auch mit Anfang 30 findet man sicherlich noch einen guten Job, einige Kanzleien stellen bestimmt auch gerne mal einen älteren Mann ein, der sogar schon eine Ausbildung und Berufserfahrung hinter sich hat, statt einem Abi-Uni-Abschluss Kandidaten. ^^

3. Klar, kannst auch so ein Praktikum machen. Musst dich aber als Nicht-Student darauf einstellen, eher unbequeme Aufgaben zu erledigen, z.B. Akten ordnen. Darfst aber bestimmt auch mal mit zur Verhandlung. Allerdings musst du wissen, dass die Praxis eines Anwalts nichts, absolut NICHTS mit dem Jurastudium zu tun hat! Selbst Studenten nehmen von so einem Praktikum nichts mit für ihr 1. Staatsexamen. Die Gründe erkläre ich noch ausführlicher.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass ein Jurastudium sehr theoretisch, sehr dogmatisch und kaum praxisnah ist. Man lernt an der Uni nur abstraktes Wissen, das keinen Bezug zu einem späteren Beruf hat. Dies kommt erst im Referendariat, nach dem 1. Examen. Dann merkt man nämlich, dass man trotz 4-5 Jahren Studium so ziemlich gar nix kann und wieder bei fast 0 anfängt. Sehr bedauerlich, da die meisten Bachelorabsolventen wirklich schnell Anschluss ans Arbeitsleben finden.
Auch ist das Niveau des 1. Examens so hoch, dass es nicht vergleichbar ist mit Klausuren an der Uni. Die Uni bereitet dich auch kaum ausreichend darauf vor, weswegen jährlich hunderte Studenten zum privaten Repetitor latschen müssen....aber das ist ein Thema für sich...

Dennoch kann Jura viel Spaß machen, man kann alltägliche Sachverhalte lösen und Freunden bei Problemen helfen, dubiose Tricks durchschauen und über Laiengespräche lachen. Du glaubst nicht wie witzig das ist, Laien beim Diskutieren über juristische Probleme zuzuhören. Very Happy
Bedenke aber immer, dass Jura viel Arbeit bedeutet und nie ein Ende in Sicht ist. Man muss schon sich etwas dafür begeistern. Viele scheiden nach 1-2 Semestern wieder aus, weil es so ganz anders ist, als sie es sich erhofft hatten.

Ich schreibe gerne zu bestimmten Punkten ausführlicher. Übrigens: "Recht" und "Gerechtigkeit" haben nichts miteinander zu tun - das lernt man dort sehr schnell. xDD
Elijah
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Anmeldungsdatum: 25.03.2005
Beiträge: 752

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 14:04:43    Titel:

Schattenwolfie hat folgendes geschrieben:
Du glaubst nicht wie witzig das ist, Laien beim Diskutieren über juristische Probleme zuzuhören. Very Happy


oder nervtötend Wink

@TE

Solltest Du die Examen mit "guten" (8-9 Punkte + X) Ergebnissen erzielen, dann hast du gute Jobaussichten. Einfach ist das allerdings nicht, eine Garantie dafür, also das es mit Fleiß klappt, hat man auch nicht.
Porfavor
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Anmeldungsdatum: 18.11.2008
Beiträge: 1477
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 15:39:42    Titel:

Elijah hat folgendes geschrieben:
Schattenwolfie hat folgendes geschrieben:
Du glaubst nicht wie witzig das ist, Laien beim Diskutieren über juristische Probleme zuzuhören. Very Happy


oder nervtötend Wink

@TE

Solltest Du die Examen mit "guten" (8-9 Punkte + X) Ergebnissen erzielen, dann hast du gute Jobaussichten. Einfach ist das allerdings nicht, eine Garantie dafür, also das es mit Fleiß klappt, hat man auch nicht.


Es ist bestimmt für Biologen auch witzig, wenn Laien über das menschliche Genom sprechen. Von daher sollte man manchmal nachsichtiger sein. Wink
vkbbkv
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Anmeldungsdatum: 28.03.2013
Beiträge: 117
Wohnort: http://viunity.de/autoren/bkvvkb/profil

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 18:37:12    Titel:

Hi Chris_24_BLN,

Ich habe eine Playlist zum Thema „Studienwahl Jura“ erstellt.

http://www.youtube.com/playlist?list=PLCV90PIbvJcQ5GDRmTGMCNweqQVqpniyS&feature=edit_ok

Entscheidungshilfen:

Du siehst Dir am besten einige Vorlesungen an. Des weiteren würde ich einige Bücher lesen.

Hast Du Dir schon Alternativen zum Jurastudium angesehen ? Bsp: BoL, Rechtspfleger ?

Welche Ausbildung rechnet sich am besten ? Wie sieht das Chance/Risiko Verhältnis aus ?

Mit freundlichen Grüßen

bkv
vkbbkv
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Anmeldungsdatum: 28.03.2013
Beiträge: 117
Wohnort: http://viunity.de/autoren/bkvvkb/profil

BeitragVerfasst am: 19 Jul 2013 - 18:49:44    Titel:

Hi,

weitere Hinweise findest Du auch unter der Rubrik:

"Viele viele FRagen und aufkommende Panik vorm Studium"

MfG

vkb
Hergen Schröder
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Anmeldungsdatum: 05.04.2012
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 20 Jul 2013 - 00:09:40    Titel:

Ist es wirklich so, dass das Studium sehr theoretisch ist? Also Okay, ich bin noch Student, aber ich stelle mir es mal so vor, dass es halt die Basics sind ohne die gar nichts geht. Dann die prozessrechtlichen Sachen noch, klar..

Das mit dem Gerechtigkeitsempfinden ist gar nicht so schlecht als Voraussetzung. Es ist halt nur so, dass du das auch anwenden musst und das ist dann manchmal gar nicht so leicht, weil eben das was dann letztlich "gerecht" ist ganz stark davon abhängt, dass man auch die Kenntnisse hat um das beurteilen und begründen zu können.
Schattenwolfie
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Anmeldungsdatum: 18.07.2013
Beiträge: 12
Wohnort: Saarland

BeitragVerfasst am: 20 Jul 2013 - 14:28:27    Titel:

Es ist halt schon so, dass Basics auch in der Praxis gebraucht werden, klar. Wer als Anwalt nicht die Prüfung eines Diebstahls hinkriegt, kommt nicht weit. Aber in der Praxis z.B. interessiert es niemanden, ob irgendein Professor in seinem Lehrbuch eine andere Meinung oder Theorie vertritt als die herrschende Meinung (oder gar, ob zwei Meinungen gleich oft vertreten werden). In der Praxis wird ausschließlich geguckt, was der BGH gesagt hat und dann wird dem gefolgt. Würde sich ein Anwalt in der Verhandlung hinstellen und sagen, nur mal als Beispiel: "Hohes Gericht, mein Mandant kann nicht wegen dieses Diebstahls verurteilt werden, denn er hatte keine dauerhafte Enteignungsabsicht, somit fehlt es an einem Teil der Zueignungsabsicht, wie schon xy in seiner Schrift deutlich machte....." Entweder würden Richter und Staatsanwalt in schallendes Gelächter ausbrechen oder dich angucken, als hättest du sie nicht mehr alle. Very Happy

In der Praxis ist der Schwerpunkt auch eindeutig die vertiefte Kenntnis prozessualer Fragen. Das kommt im Studium zwar schon vor, aber wirklich nur seeehr oberflächlich. Im Referendariat kriegt man das zwar beigebracht, aber obs wirklich genug ist....?
Das Studium beschäftigt sich lieber mit der 3. Mindermeinung eines viertklassigen Problems, statt die Studenten auf den Beruf vorzubereiten.

Das alles klingt jetzt sehr negativ, und man muss es immer etwas relativieren, da natürlich nicht alles im Studium völlig unbrauchbar ist oder so. Ich will nur den Nicht-Jurastudenten klarmachen, was ungefähr auf einen zukommt.
.rOYAL
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Anmeldungsdatum: 12.12.2012
Beiträge: 325
Wohnort: FFM

BeitragVerfasst am: 20 Jul 2013 - 15:26:53    Titel:

Wenn du Praxis willst, mach doch ne Ausbildung oder geh an ne FH. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Studiengang "Rechtswissenschaft" heißt und nicht "angewandte Rechtslehre"? Wenn du keinerlei Verständnis und Interesse für Theorienstreits entwickeln kannst, hast du vom Recht selbst offenbar keinen Zentimeter verstanden und bist für dieses Studium ungeeignet.
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