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Fragen nach dem Sinn verstehen
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hilber raum
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Anmeldungsdatum: 27.10.2012
Beiträge: 297

BeitragVerfasst am: 27 Mai 2014 - 08:42:57    Titel:

Multi, denkst du, dass es soetwas wie Unsinn gibt?
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 27 Mai 2014 - 12:43:23    Titel:

Unsinn ist Unsinn, denn

es gibt keinen wirklichen Sinn, also auch keinen Unsinn Smile

Oder doch?

"Es kommt nicht auf die Wirklichkeit an, sondern auf die innere Wahrheit".

Smile
hosenscheisser
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Anmeldungsdatum: 23.01.2006
Beiträge: 259

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2014 - 17:08:22    Titel:

Christine_e hat folgendes geschrieben:
Aus eigener Erfahrung sehe ich immer in den Momenten einen tieferen Sinn, in dem mein Hirn nicht rastlos arbeitet sondern für einige Zeit zur Ruhe kommt. Zeige mir einen Mensch, der am Schreibtisch grübelnd für sich den Sinn des Lebens gefunden hat...

Und wäre der Sinn mit dem Verstand zu finden: Wir könnten ihn in Worte fassen und niederschreiben. Wer hat je den Sinn niedergeschrieben?


Zuletzt bearbeitet von hosenscheisser am 14 Jun 2014 - 17:14:56, insgesamt einmal bearbeitet
hosenscheisser
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Anmeldungsdatum: 23.01.2006
Beiträge: 259

BeitragVerfasst am: 14 Jun 2014 - 17:12:17    Titel:

hosenscheisser hat folgendes geschrieben:
Christine_e hat folgendes geschrieben:
Aus eigener Erfahrung sehe ich immer in den Momenten einen tieferen Sinn, in dem mein Hirn nicht rastlos arbeitet sondern für einige Zeit zur Ruhe kommt. Zeige mir einen Mensch, der am Schreibtisch grübelnd für sich den Sinn des Lebens gefunden hat...

Und wäre der Sinn mit dem Verstand zu finden: Wir könnten ihn in Worte fassen und niederschreiben. Wer hat je den Sinn niedergeschrieben?

Christine_e, das sehe ich genau so!:
Zitat:
Wir müssen den Blick zurücklenken auf die Antike, auf den großen Anfang, den in der antiken Kultur die Philosophie vor 2800 Jahren genommen hat. Als die Philosophie sich konstituierte, beginnt eigentlich die Geschichte dessen, was man Europa nennen kann. Was ist aber für diesen großen Anfang maßgebend? Nicht wie man häufig sagt die Antworten, die damals gegeben worden sind. Diese Antworten sind vorbei, sondern das was bleibt und gegenwärtig konstituierend ist, ist die Frage, die damals in "Europa" am Anfang der antiken Kultur gestellt wurde, nach der "arche", d.h. nach dem Ursprung, dem Grund von allem. Worin alles, was ist, gründet. Worin alles, was geworden ist, seinen Ursprung hat. Wo hinein alles gerichtet sein Ziel oder seinen Zweck hat. Und diese Frage nach dem Grund wird an alles gerichtet Aristoteles sagt "ta panta", an alles, was ein Seiendes ist. Das ist der Anfang Europas. Warum ist das der Anfang Europas? Weil durch diese an das Ganze, an den Grund und an die Herkunft des Ganzen gerichtete Frage sich ein universaler Horizont der Vernunft auftut. Dass die Vernunft sich als Horizont vorgibt, der alles einschließt und nichts ausschließt, in dem nichts ausgenommen ist, in dem das Ganze in den Blick genommen wird. Warum ist das so wichtig für Europa? Weil diese Horizonterweiterung auf das Ganze eigentlich der Grund der Freiheit ist. Freiheit und Vernunft sind durch diesen Horizont das Gleiche. Denn jede andere Theorie, jede andere Ideologie, ja selbst die Wissenschaft sind alles geistige, intellektuelle, theoretische Bemühungen des Menschen, die sich aus dem Ganzen, was überhaupt ist, einen Teil herausschneiden und diesen Teil für das Ganze setzen. Das Wesen der Ideologie ist, dass ein interessenbedingt gewählter Standpunkt für das Ganze ausgegeben wird. Die Wissenschaft wird selber zur Ideologie, wenn sie ihre Grenzen überschreitend sich zuständig erklärt für das Ganze.

Das ist höchst aktuell. Nehmen wir die gegenwärtige Diskussion um die Hirnforschung. Wenn die Hirnforscher meinen, letztgültige Aussagen über Freiheit und Unfreiheit des Menschen machen zu können, können sie das nicht als Wissenschaftler tun, sondern sie verwandeln damit die Wissenschaft in Ideologie, denn die Wissenschaft selber ist nicht zuständig für das Ganze, sondern immer ein Ausschnitt unter Bedingungen von Modellen, Hypothesen, Vermutungen und hat nie das Ganze im Blick und ihr ganzer Erfolg beruht darauf, dass sie sich auf Richtigkeiten und nicht auf die Wahrheit über das Ganze erstreckt.?
golomjanka
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Anmeldungsdatum: 14.12.2012
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BeitragVerfasst am: 19 Jun 2014 - 13:08:26    Titel:

Alle paar Monate wieder. Wink
Sinn des Lebens,
Sinn des Seins,
Sinn der Existenz

Dabei ist die Sache sehr einfach: Jede Struktur der Materie bemüht sich zur Eigenerhaltung, ab Entwicklung komplizierter lebender Materie über stetige Reproduktion ihrer selbst.
Zugleich sagt die Logik, dass Eigenerhaltung bestimmter Struktur auch Erhaltung der Gesamtmaterie nach jeweilig optimalen Bedingungen erfordert. Alles weitere leitet sich ab für sich selbst bewusste Materie, wie der Mensch.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 19 Jun 2014 - 14:39:24    Titel:

Ist das dann nicht - statt Sinn - der reine Zweck?
golomjanka
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Anmeldungsdatum: 14.12.2012
Beiträge: 2448
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 21 Jun 2014 - 17:50:53    Titel:

Sinn ist Zweck-Zusprechung in hiesigem Zusammenhang. Was denn auch sonst ...
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 26 Jun 2014 - 15:58:35    Titel:

Nur im hiesigen Sinn?
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 25 Feb 2015 - 18:49:15    Titel:

Zusammenhaenge lassen sich rasch konstruieren.

Und dann heisst es, es waere die Loesung.

P.S.

"....verzichtet die relativistische Moderne nämlich auf die Frage nach „dem Richtigen", und zwar als bewusster Werteverzicht.

Auch deshalb, weil der modernen Wissenschaft das Subjekt,

das Individuum, der freie Einzelne abhanden gekommen ist.

Was die Frage aufwirft, ob man das, was wirklich wichtig ist, mit den Mitteln der Wissenschaft erarbeiten -- oder eher als Subjekt, mit den Mitteln des gesunden Menschenverstands erkennen kann, weil man daran glaubt, etwas erkennen zu können.

In unserer Wohlstandsgesellschaft, so Bolz, haben wir das lange Leben anstelle des guten Lebens gesetzt. (Anm.: Genau! Da werden die Leute dann 80 ff, aber nix wirklich erlebt)

Die Frage ist deshalb, was wirklich wichtig ist, was ich wollen muss, welche Wünsche ich haben muss, um ein freies und richtiges Leben zu führen.

Was ist also das Wichtige und das Richtige?

Kann man ein Leben richtig gestalten unabhängig von der „falschen" Gesellschaft, in der es stattfindet? Gibt es letztlich doch so etwas wie einen universellen Wertekanon, der ein richtiges Leben ausmacht?

Welche Führung und welche Haltung erlaubt ein richtiges Leben?"

ist ein Audio, kein Video:

https://www.youtube.com/watch?v=5ZQnKIaoZ04

Er kritisiert u.a. dass die Wissenschaft nicht die Frage nach dem Sinn des Seins antworten koenne.

DAS halt ich fuer undifferenziert.

Denn Fragen nach dem "Wieso, Warum, Wofuer" sind sinn-los!

Im uebrigen ist das Leben, das Sein Kampf und Spiel.

So sollten wir damit auch umgehen.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 13 März 2015 - 18:29:52    Titel:

Leben bis zum "Geht nicht mehr" -
und entsprechender folgerichtiger Abgabg.
Beneidenswert !
Er hat das Leben an den Hoernern gepackt und liess am Ende den Stier gewinnen.
Das war fair.

Das Leben bei den Hoernern packen.

Das erscheint mir SINN-voll:

„Die Zimmer in der Taube waren groß und behaglich, mit großen Öfen, großen Fenstern und großen Betten und guten Wolldecken und Federbetten.

Die Mahlzeiten waren einfach und ausgezeichnet, und der Speisesaal und die holzgetäfelte Gaststube waren gut geheizt und gemütlich.“ So hat das Ernest Hemingway erlebt, vor 90 Jahren.

Hier, in Schruns im Montafon, tief im Westen Österreichs, verbrachte der Schriftsteller zwei Winter, 1924/25 und 1925/26. Immer im Hotel Taube. In dieser Zeit überarbeitete er seinen ersten Roman „Fiesta“ und fand auch einen Verlag für den Roman, der ihn weltberühmt machen sollte. In dieser Zeit nahm sein Leben eine entscheidende Wendung. Hemingway hat das nie vergessen. Jahrzehnte später, nach einer wilden literarischen Karriere, nach Abenteuern, Affären und Alkoholexzessen, kehrte der Nobelpreisträger in Gedanken nach Vorarlberg zurück.

In dem Buch „Paris – ein Fest fürs Leben“, an dem er von 1957 bis 1961 arbeitete, beschwor er nicht nur die Zeit der zwanziger Jahre in Paris herauf, sondern auch die Erlebnisse in Schruns. Die einsamen Skitouren, die er mit seinem Freund John dos Passos und dem Skilehrer Walther Lent in der Bergwelt der Silvretta unternahm. Die Nächte in den Gasthäusern, in denen er mit Jägern und Holzfällern, Bankiers und Gendarmen Karten spielte und Kirschschnaps trank. Die Stunden im Schnee mit seiner ersten Frau Hadley und dem kleinen Sohn Bumby. Und die Arbeit an „Fiesta“ und an seinen Kurzgeschichten. Der alternde Hemingway erzählt davon in schwärmerischen Worten. Die Wintermonate in Schruns, das war für ihn wie ein verlorenes Paradies.

Jahre zuvor, in der Geschichte „Schnee am Kilimandscharo“, hatte er die Hauptfigur, den Schriftsteller Harry, der auf einer Safari in Afrika im Sterben liegt, zurückblicken lassen auf die Winter, die er in Österreich erlebt hat. Harry erinnert sich an Skiausflüge in die Berge, an „das schnellgleitende Sausen des stäubenden Pulverschnees auf dem Harsch, und wie man ‚Juche!‘ schrie, wenn man die letzte Strecke bis zum Steilhang hinunterlief, den man Schuss fuhr, und wie man mit drei Schwüngen durch den Obstgarten lief und dann über den Graben hinaus und auf die vereiste Straße hinter dem Gasthaus.“

Liest man die Passage heute, wirkt sie auf gespenstische Weise vertraut. Bis April 1961 arbeitete der zuletzt schwer kranke Hemingway in seinem Haus in Ketchum an „Paris – ein Fest fürs Leben“, mit den Erinnerungen an Schruns. Im Juli schoss er sich in Ketchum eine Kugel in den Kopf.
„Am Weihnachtstag in Schruns war der Schnee so weiß, dass es den Augen weh tat, wenn man aus der Weinstube hinausblickte und die Leute aus der Kirche nach Hause kommen sah. Es war dort, wo sie die von den Schlitten geglättete, von Urin gegelbte Straße hinaufgegangen waren, am Fluß entlang, mit den steil abfallenden Tannenhängen, die Skier schwer auf den Schultern, und wo sie auf dem Gletscher oberhalb des Madlenerhauses die große Abfahrt machten, wo der Schnee so glatt aussah wie Zuckerguß und so trocken war wie Pulver, und er erinnerte sich an das lautlose Sausen, das die Geschwindigkeit machte, wenn man wie ein Vogel hinunterschoß.“ Aus: „Schnee am Kilimandscharo“

Günther Wolf sitzt in der Hemingway- Ecke im „Löwen“, einem 500 Jahre alten Gasthof in Tschagguns, dem Nachbarort von Schruns. Holzgetäfelte Wände, niedrige Decken, ein heimeliges Wirtshaus. Über der Eckbank hängen, sauber gerahmt, Porträts von Ernest Hemingway: der wilde Draufgänger, der brave Ehemann, die ergraute Literaturlegende. „Den Löwen“, sagt Wolf, „hat er am meisten geliebt“. Weil der „Löwen“-Wirt ein Jäger war, mit dem er gern hinauf zog ins Gauertal, oberhalb von Tschagguns. Und weil es im „Löwen“ laut und lustig und handfest zuging, weil die Leute aus dem Dorf hier, wie Wolf sagt, „irrsinnig gefeiert haben“. Niemand weiß das besser als Günther Wolf. Hemingway ist für den österreichischen Publizisten zur Lebensaufgabe geworden. Wolf reiste auf seinen Spuren durch die Welt, Paris, Pamplona, Madrid.

Er recherchierte in Oberitalien und in Ostafrika, er interviewte Barpianisten in Luxushotels und Safari-Guides in der kenianischen Savanne. Und immer ging es ihm dabei vor allem um eins: Hemingways Zeit im Montafon.

„Sie waren damals nach Schruns gekommen, weil sie wenig Geld hatten“, sagt Wolf. Ein befreundeter Maler hatte ihnen das Montafon empfohlen, die Natur, die Berge, das günstige Leben. Die österreichische Währung war im Tiefflug, der Dollar machte das Leben leicht. Kost und Logis im Hotel Taube waren für gut zwei Dollar am Tag zu haben. Sie erlebten einen wunderbaren Winter 1924/25.

Genossen die klare, kalte Luft und den Schnee, fanden das perfekte Kindermädchen für Bumby, stiegen mit dem Skilehrer Lent hinauf in die Berge, zusammen mit dem Schriftsteller-Kollegen dos Passos, der ebenfalls in Schruns weilte. Es war „ein glücklicher, unschuldiger Winter unserer Kindheit“, schrieb Hemingway später. Ganz anders als der Winter darauf.

Am 24. Dezember 1925 kündigte Hemingway in einem Brief an F. Scott Fitzgerald an: „Morgen kommt Pauline Pfeiffer hierher. Sie bleibt über Weihnachten und Neujahr.“ Pauline Pfeiffer war eine gemeinsame Bekannte der Hemingways. Wenngleich sie mit Ernest weit besser bekannt war als mit Hadley. Im Lauf des Winters wurde die Verbindung der beiden immer enger. Pauline Pfeiffer war Moderedakteurin und Mannequin, eine erfolgreiche, gebildete, vermögende Frau, eine Frau, die dem ambitionierten, lebenshungrigen Schriftsteller eine neue Welt eröffnete. Hemingway ließ sich auf eine Affäre ein. Im Montafon kursieren heute noch Geschichten über diese Liaison. Wie sie auf einer Skitour oben auf der Bieler Höhe tagelang im Madlenerhaus eingeschneit waren, in einer Hütte auf 2000 Metern, und sich dort die Zeit vertrieben.

(Genau! Das Leben ist dazu da, seine Zeit gut zu vertreiben!!)

Wie Pauline Pfeiffer telegrafisch bat, ihr ein Nachthemd nachzuschicken, das sie auf dem Rückweg von einer Skitour im Posthotel Rössle in Gaschurn vergessen hatte, als Ernest, Hadley und Pauline allesamt unter einem Dach wohnten. Viele im Tal haben ihre eigene Hemingway-Geschichte, und wie so oft sind die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion fließend. Fest steht: Hemingway trennte sich später von Hadley und heiratete im Mai 1927 Pauline Pfeiffer. Viele Jahre später schrieb er von Schuld und Reue, die er deswegen empfand. Er machte sich selbst Vorwürfe und auch den reichen Freunden, die in diesem zweiten Winter wie Pfeiffer nach Schruns gekommen waren, angelockt vom Erfolg des verheißungsvollen jungen Schriftstellers. Und die dort in sein persönliches Idyll eindrangen wie die Schlange ins Paradies.

Es hat auch mit dieser Affäre zu tun, dass Hemingway im Montafon lange als umstrittene Figur galt – neben den politischen Vorbehalten gegenüber dem Amerikaner Hemingway, die sich auch nach 1945 zäh im Tal hielten. Günther Wolf kann viel über das „Spießrutenlaufen“ erzählen, das dem Errichten des Hemingway-Denkmals in Schruns im März 2008 vorausgegangen war. Von den Widerständen und Gegenkampagnen. Heute steht der Bronzekopf Hemingways auf einem kleinen Platz in Schruns, sein melancholischer Blick geht hinein ins nahe Gauertal. Hinein in die Bergwelt des Montafons.

„Ich erinnere mich an all die Arten von Schnee, die durch den Wind entstehen konnten, und deren verschiedenartige Tücken beim Skilaufen. Dann, während man in einer hochgelegenen Alphütte war, gab es Schneestürme, und sie schufen eine fremde Welt, durch die wir unseren Weg so behutsam bahnen mussten, als ob wir das Land nie gesehen hätten. (...) Schließlich, als es dem Frühling zuging, gab es die große Gletscherabfahrt, glatt und gerade, endlos gerade, wenn unsere Beine es durchhalten konnten; die Knöchel aneinandergedrückt, liefen wir ganz tief geduckt, überließen uns der Geschwindigkeit und glitten endlos, endlos im stillen Zischen des körnigen Pulverschnees.

Es war schöner als jedes Fliegen oder sonst irgend etwas.“ Aus: „Paris – ein Fest fürs Leben“

Ein Wintertag im Montafon. Wir stapfen durch dichten Nebel, der die Gebäude auf der Bieler Höhe verschluckt. Auch das Madlenerhaus, Hemingways Lieblingsquartier, den Ausgangspunkt seiner Skitouren. Zu seiner Zeit stieg man mühsam mit den Ski aus dem Tal auf die Passhöhe, heute bringt einen erst die Vermunt-Seilbahn und dann eine abenteuerliche Fahrt mit dem Tunneltaxi durch enge Versorgungsstollen hoch auf die Bieler Höhe. Von dort geht es mit Tourenski und Fellen weiter.

„Es gab damals kaum Skitouristen“, sagt der Bergführer Hanno Dönz, der uns durch den Nebel lotst. Keine Skigebiete, keine Skitouristen, so einfach war das. Die Lifte, die Gondeln, die präparierten Pisten, all das kam Jahrzehnte später.

Wir steigen das Bieltal hinauf, Richtung Madlenerspitze, zu den Gipfeln, von denen Hemingway die meisten bestiegen hat, wie Dönz sagt. Jetzt sind sie leider verschwunden in der feuchten Nebelwatte. Dönz war schon als Schüler von Hemingway begeistert, er schrieb seine Abiturarbeit über dessen Aufenthalte im Montafon. „Hemingway muss das Skifahren schnell gelernt haben“, sagt er. „In seinem zweiten Winter hier hat er selber schon Kurse gegeben.“ Der Bergführer weiß aus Erfahrung, die Art, wie einer Ski fährt, ist oft ein Spiegel seiner Persönlichkeit.

Im Fall Hemingway heißt das: „Ich bin sicher, er war ein wilder Skifahrer.“ Auch wenn die Ausrüstung damals rustikal war. Holzski, Lederschuhe, einfache Bindungen und Seehundfelle, die sich oft lösten oder verrutschten. Hemingway konnte das nicht stoppen. Er war, sagt Günther Wolf, ein ehrgeiziger Mensch, einer, der sich immer beweisen wollte, immer besser sein wollte als andere. Auf Papier wie auf Ski.

Nach einer halben Stunde lösen sich die grauen Schwaden auf. Bergzacken schälen sich schemenhaft aus dem Dunst. Wir sind über die Nebelbank hinaus. Am Talende glänzen Schneefelder in der Morgensonne. Wir steigen auf in eine Welt aus Weiß, begrenzt von dunklen Felsgraten und den Zacken der Dreitausender. Keine Menschenseele ist unterwegs. Nur die schmale Aufstiegsspur zieht sich über die unberührten Hänge, auf denen der Neuschnee liegt wie ein glatt gespanntes Tuch. Die Abfahrt wird zum Pulvertraum. Man beginnt zu ahnen, was Hemingway hier gesucht und gefunden hat.

Unten verhüllt der Nebel gnädig die moderne Infrastruktur auf der Bieler Höhe. Die Häuser, den Skilift, die Fahrzeuge. Und die Staumauer des Wasserkraftwerks, das derzeit erweitert wird. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, bis 2018 soll hier zusätzlich ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Nicht nur im Tal hat sich in 90 Jahren viel verändert, auch oben in den Bergen.

Das Madlenerhaus, 1884 eröffnet, seit 1906 von der Sektion Wiesbaden des Deutschen Alpenvereins betrieben und nach einem Großbrand im Oktober 2001 neu aufgebaut, ist seit gut zwei Jahren im Besitz der Vorarlberger Illwerke AG, des Betreibers der Kraftwerke. Bergsteigern und Skitourengehern ist das Madlenerhaus bis auf weiteres verschlossen. Wo Hemingway seine Bergabenteuer erlebte, sind heute die Arbeiter für das Pumpspeicherkraftwerk untergebracht.

„Wir haben gerade eine höllische Gletschertour gemacht – Aufstieg auf Skiern auf 3200 Meter (...). Jesus, es war kalt. Dann fünf Meilen Abfahrt über die Vorderseite des Gletschers in unter zwölf Minuten. Wundervolles Land. Die Silvretta.“ (Aus einem Brief Hemingways)

Ernest Hemingway ist nie wieder ins Montafon zurückgekommen. Er fand andere Lieblingsorte, andere Leidenschaften. Es kam der Nationalsozialismus, es kam der Zweite Weltkrieg. Irgendwann machte der gesundheitliche Niedergang eine Rückkehr unmöglich. Wolf fand heraus, dass Hemingway sich später durchaus nach dem Montafon erkundigt hat. Man riet ihm aber ab, dort hinzufahren – der Bau der Staumauer hatte schon in den dreißiger Jahren begonnen. „Er wäre enttäuscht gewesen“, sagt Wolf heute. „Es hätte ihn fürchterlich enttäuscht.“

Im Montafon, sagt Wolf, war Hemingway „zum letzten Mal in seinem Leben völlig frei“. Frei von allen Abhängigkeiten. „Er war wie ein junger Löwe, der Blut geleckt hat.“ Die Winter in Schruns, das war für Hemingway eine Lebensphase, in der alles auf Anfang stand, alles möglich war, alle Wünsche sich offenbar erfüllten. In der das Glück greifbar nahe schien. In Wahrheit war die Zeit vielleicht schon das Glück. „Er hat nicht gemerkt, dass er hier in Schruns genau das hatte, was er immer suchte“, sagt Hanno Dönz. Das Buch „Paris – ein Fest fürs Leben“ heißt im Original „A Moveable Feast“, ein beweglicher Festtag.

Patrick Hemingway, Ernests erster Sohn mit Pauline Pfeiffer, hat den Begriff einmal so erklärt: „eine Erinnerung, die zu einem Teil unserer selbst geworden ist; ein Lebensgefühl, das wir immer bei uns tragen, ganz gleich, wo und wie wir später auch leben mögen; etwas, das wir niemals verlieren.“

Ein Leser meinte:

"....der so gar nicht dem bei uns üblichen, spießigen Klischee vom Intellektuellen entspricht. Auch wenn man ihm sicher vorwerfen kann, dass seine Abenteurerpose gelegentlich etwas aufgesetzt wirkte und eine zumindest teilweise vorhandene sentimentale Neigung kaschieren sollte: sein Leben und sein literarisches Schaffen sind es nach wie vor wert, Beachtung zu finden. Er selbst hat an sich einmal den Anspruch gestellt, er wolle von einfachen Menschen gelesen und von Kritikern gefeiert werden. Er hat damit in exemplarischer Weise angeknüpft an das schon seit der Antike verfolgte (und in der Renaissance erneuerte) Prinzip des "prodesse et delectare" (es möge nützen und erfreuen). Die heute so oft propagierte Trennung von E(rnst) und U(nterhaltung) hat er durch eine elegante Synthese beider Aspekte ersetzt. Ein Hoch auf Hemingway, den Säufer, den Lebemann, den Boxer, den Großwildjäger, den Angler, den Lebemann, der sich in der politisch-korrekten Enge unserer Zeit wohl nicht wiederfinden würde."

Habe noch dazu gepostet:

Denke nicht an Morgen.
Der heutige Tag bietet schon genug der Sorgen.
CARPE DIEM!

Aus dem obigen Text auch dies:

".... in einer Hütte auf 2000 Metern, und sich dort die Zeit vertrieben."

Genau! Das Leben ist dazu da, seine Zeit gut zu vertreiben!!

Multi meint einmal mehr:

Nehmt das Leben nicht zu Ernst (Hemingway).
Er und das Leben selbst tun es ja auch nicht!!

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ernest-hemingway-der-alte-mann-und-der-schnee-13465293.html
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