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MORALisch handeln
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smaxtie
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Anmeldungsdatum: 26.10.2013
Beiträge: 72

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2015 - 01:28:48    Titel:

Der Mensch ist ein determiniertes Wesen, wie jedes andere auch. Eine einfache Input-Output-Maschine, welche die Illusion eines freien Willens besitzt.
Ein exakt gleiches Duplikat von dir würde in der exakt gleichen Situation, mit den exakt gleichen Erfahrungen und logischerweise exakt gleichen biologischen Grundvoraussetzungen auch immer exakt gleich handeln.
Eine Bewertung der Handlung kann also nur nach ihrer Intention und ihren Folgen beurteilt werden, doch nicht hinsichtlich der Moral.
Durch die Betrachtung der Folgen kann die Handlung in schädlich und nützlich unterteilt werden, während die Betrachtung der Intention Aufschluss über den Charakter und die mögliche Wiederholung eines schädlichen oder nützlichen Handelns gibt.
Moral existiert nicht, sondern nur die Analyse der Handlung hinsichtlich der qualitativen und (spekulativ) quantitativen Nützlichkeit oder Schädlichkeit.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2015 - 10:17:27    Titel:

Grundsaetzlich ist das auch meien Meinung.

Von wegen Freiheit.

Thema Schuld/Verantwortung?

Was Schuld wiegt, wie Recht wird, wie schmal der Grad der Gerechtigkeit ist, wie dünn der eisige Boden unter uns zur Barbarei, wie man durchs Verteidigen von Verdächtigen die Unschuld verliert – wird alles durchgespielt.

http://www.welt.de/kultur/medien/article137635138/Moritz-Bleibtreu-weiss-wie-Menschen-morden.html

Hier die Folgen der Serie:

https://www.youtube.com/results?filters=long&lclk=long&search_query=schuld++schirach
HdreiO
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Anmeldungsdatum: 14.02.2015
Beiträge: 45

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2015 - 11:47:26    Titel:

Hier fragt jemand nach Moral und alle posten einen link zu einem autor der das beschreibt.
Und das ist unmoralisches handeln. Weil man die fragestellung einfach weiter schickt zum nächsten link.

Ganz einfach.
Moral hat der jenige, der rücksicht auf andere nimmt. Egal ob tier umwelt nachbar, religion usw.

Unmoralisch sind die jenigen, die böses wollen.
Auch wenn es darum geht auf kosten andere reichtum zu erreichen.
Wie Europa z.B.

Solche sachn sollte man nicht Wissenschaftlich erforschen.
Das führt zur nichts außer ich habe recht, nein ich habe recht. Keiner hat recht usw.

Sowas sollte man als Mensch wissen. Und menschlich dran gehen und nicht wissenschaftlich.
Aber wie auch. Wenn die Politik uns genau solche sachen weg nehmen will wie Moral, Religion, selbständiges denken usw
Wissenschaft erklärt ja auch Gott. Und komischerweise alle Wissenschaftler die wir aus dem Fernseher kennen, sind Ateisten.

Leute, hört mal auch auf euer Hirn. Nicht nur daran was Wissenschaft sagt.

Wer die heutigen Wissenschaftler als gut sieht.
Hat gutes noch nie richtig gesehen sag ich da nur.
smaxtie
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Anmeldungsdatum: 26.10.2013
Beiträge: 72

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2015 - 21:06:01    Titel:

"Leute, hört mal auch auf euer Hirn. Nicht nur daran was Wissenschaft sagt."

Die Wissenschaft ist kein elitärer Kreis aus Leuten, welche die Wahrheit diktieren, sondern primär eine Denkweise und Methode. Sie schafft die robustesten Erkenntnisse, welche aus einem langen Prozess aus Beweisen und Widerlegungen hervorgegangen sind.
Die Religion und der gesunde Menschenverstand sind keine Konkurrenten, da Erstere unbegründet postuliert und Letzterer durch Subjektivität und eine Vielzahl von (heuristischen) Fehlurteilen belastet ist.
Die Sozialpsychologie und Erkenntnistheorie decken seit Jahrzehnten (bzw. Letztere seit Jahrtausenden) die Unzulänglichkeiten des "gesunden" Menschenverstands auf.
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2015 - 23:29:05    Titel:

Und nicht zu vergessen, dass die Wissenschaft seit circa 30 - 40 Jahren sehr selbstkritisch geworden ist.

Auch Karl Popper nicht vergessen.
(Den mussten wir im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften verinnerlichen! https://www.youtube.com/watch?v=50rXpH4czyw)

Wer mit der Wissenschaft zu unzufrieden ist, der kann ja in die Kirche gehen und deren Weltbild versuchen zu leben... wird schon schief gehen - das aber sicher Smile

Am Rande:

Was wirklich wirklich ist, weiss
mensch nun wirklich nicht!

(c) MultiVista
Will der "normale" Mensch wissen,
was das Sein ist, wie es funktioniert, ob man es erklaeren kann - etc.

Also ich/wir philosophieren und stelle(n) mir und meiner Umwelt die entspr. Fragen.

Genau diese aber wollen die meisten gar nicht gestellt bekommen.

Denn sie haben Furcht, dass es ihre Sicht der Welt, des Seins, des Menschen etc. zu stark beschaedigt wird.

Sein Weltbild aendern - das wollen die allerwenigsten!

Sie halten lieber an ihren Illusionen und Wunschvorstellungen fest.

Lieber eine Wirklichkeit, Wahrheit konstruieren, als im mentalen Nichts verharren, denn damit umzugehen, das haben sie nicht gelernt.

Kultur und Erziehung, Schule tun ja alles dafuer uns auf eine Welt vorzubereiten, in der es darum geht, zu ueberleben, mehr nicht.

Schrieb einer:

"Ich habe bis heute keine grundsätzliche Antwort darauf
gefunden und möchte es daher (ähnlich wie Aprilfisch) ganz von
der jeweiligen Situation abhängig machen."

MultiVista meint dazu:

Ja Ja - GRUNDSAETZLICHE Antworten... da sollten sich geschulte und erfahrene Philosophen hueten.

Ueberlassen wir den Kirchen und Kartenlegerinnen.

Die Wahrheit liegt weder in der Mitte, noch rechts noch links.
Sie liegt in uns und nur dort!

Alles was aussermenschlich ist, bleibt lediglich Modell, Spekulation.

Eine Kartenlegerinnen eröffnet eine Welt, die "wahrer ist als das Wirkliche".

So schrieb jemand im Forum hier....

Ich antwortete:

WOW!

Da faellt mir ein, was ich mal vorne auf der ersten (leeren) Seite
menes Philo-Lexikon schrieb:

Die Wahrheit?
Nicht wirklich interessant.
Viel interessanter ist das, was die Menschen fuer die Wahrheit und Wirklichkeit halten!

Damit muss man sich rumplagen... oder sich darueber amuesieren!!

MultiVista

Mensch weg > Wirklichkeit weg.

Also das, was wir so bezeichnen!


Multis Käfigtheorie:

In einem bestimmten, jeweils vorgefundenen, Kontext der Realität(en)
werden Beweise, Argumente geboren, eingebaut.
Hier sind sie denn auch gültig und korrekt... gewiss-ermaßen
"wahr"...
In einem anderen Kontext (sprich Welt, SEIN, Realität) stimmen sie
mit an Sicherheit grenzender Wahrhscheinlichkeit nicht mehr.
Wahrscheinlich auch nicht einmal meine, d i e s e Aussagen hier.!
Radikal aber .....

Ist das oder jenes "X" riichtig/wahr oder falsch?

Es gibt KEIN objektives KRITERIUM, das ausserhalb liegt und den
Sachverhalt, Ding "X" endgültig und "universell" beweisen könnte, dass
es sei oder wie es sich verhält.
Alle Wahrheiten - und deren Wahrnehmungen - gelten nur in IHREM
zugrundeliegenden Kontext, Realität und der daraus heraus gewonnenen
Kriterien.

Natur und Vernunft fallen zusammen ?

Ein "wie man zu denken habe" ist Religion, Ideologie und
n i c h t Philosophie. Schon gar nicht, wenn man als Philosoph - qua
Definition - aufgefordert ist, zu fragen und zu reflektieren, zu
falsifizieren oder verifizieren.

Und wir haben die Möglichkeit dazu, Hegels
"absolte" Wahrheit/Wirklichkeit zu erfassen.

Es scheint (!), dass es Hegel gelungen ist, Kants These von der
Unerkennbarkeit zu widerlegen, besser: zu entkräften.

Nach Hegel - und den Erkenntnissen der Evolutionstheorie
- von der Hegel noch nichts wusste - ist es so, dass die
Wirklichkeit und die Vernunft/Denken e i n e s sind.

Besser formuliert:

Denken/Vernunft sind vollständig "begrenzt" durch die
Wirklichkeit/Natur. Oder anders:
Die Vernunft kann gar nicht über die Wirklichkeit
- strukturell - h i n a u s denken.

Also macht zum Bsp. der Gedanke an eine "Aussenwelt", ein
Paralleluniversum etc. etc. keinen vernünftigen Sinn.

Unser Bewusstsein und die Realität fallen zusammen.
Sie haben sich ja auch wechselseitig und gemeinsam entwickelt. Also
hat unser Hirn das Repräsentationsmuster
aller möglichen Dinge und Realitäten in sich.
Und wo es das nicht hat, ist auch nichts. Es "entzieht" sich dann
nicht nur unserer Kenntnis, sondern es ist nicht da, ganz vernünftig
betrachtet.

Es gibt keine Maßstäbe, Regeln, Kriterien "ausserhalb"
für den Beweis über etwas über uns hinaus.

Unsere Erkenntnis ist - im optimalen Fall - die der
"absoluten" Wahrheit/Wirklichkeit.

Fazit nochmal:

Die Strukturen der Wahrheit/Wirklichkeit
entsprechen denen unseres Bewusstseins.

Also auch den "Dingen an sich" (Kant) und allem was wir denken können.
Durchaus auch einen "Gott" (aber bitte nicht verwechseln mit christl.
oder anderer Religion). Doch es gilt: Ist es wahrnehmbar oder nicht?
Quasi Einbildung oder mehr.

Prüfen Prüfen Prüfen...

mit den von uns gegebenen Mitteln der Natur,
UNSERER MENSCHENNATUR!!
Multivista
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Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1757

BeitragVerfasst am: 14 März 2015 - 21:43:14    Titel:

Auf die Moral zu pochen, verbaue Kompromisse zwischen Konfliktparteien, legt Thilo Hagendorff in "Sozialkritik und soziale Steuerung" dar. Der Soziologe empfiehlt stattdessen, sich konkrete Handlungsstrategien zu überlegen, um tatsächlich etwas zu verändern.

"Es findet sich kaum ein Satz bei Adorno, welcher nicht eindeutig moralisch codiert wäre – da werden selbst die Pantoffeln, in welche man schlupfen kann, zum Denkmal des Hasses gegen das sich Bücken oder der Fund eines Dinosaurierskeletts zur Kollektivprojektion des totalitären Staates."

Starke Worte eines jungen Rebellen. Starke Worte? Ja. Aber rebellisch ist der junge Mann irgendwie nicht so richtig:

O-Ton: "Ich meine, dass man nicht davon ausgehen kann, man könne Gesellschaften oder große Systeme im Ganzen irgendwie revolutionieren und diese komplett auf andere Füße stellen."

Das aber meinten die Altvorderen durchaus noch. Die Soziologie und die in der Philosophie angesiedelte Frankfurter Schule fungierten nachgerade als universitäre Heimathäfen für Veränderungswünsche aller Couleur. An den Lehrstühlen und in den Seminaren wurde Gesellschafts- und Sozialkritik vorgedacht, die dann irgendwie und von irgendjemandem im politischen Raum verwirklicht werden sollte. Als das nach den rauschhaften Revoluzzer-Jahren von 1968 nicht mehr so recht klappte, schlugen die beteiligten Akademiker nach Beobachtung des Tübinger Nachwuchssoziologen Thilo Hagendorff eine ziemlich bequeme Richtung ein, die der Selbstreferenzialität nämlich.
Paradebeispiel einer kritischen Sozialphilosophie

O-Ton: "Die Frankfurter Schule ist in meinen Augen so ein Paradebeispiel einer kritischen Sozialphilosophie, die unglaublich starke Selbstthematisierungsschleifen ausgebildet hat. Also es gibt Zitierkartelle, die einfach über die Jahrzehnte hinweg gepflegt werden. Und meine Beobachtung ist, dass ist Lauf der Zeit diese ganze Theorieformation, bildlich gesprochen, den Kontakt zu den Verhältnissen verloren hat."

Cover Thilo Hagendorff "Sozialkritik und soziale Steuerung" (transcript)Cover Thilo Hagendorff "Sozialkritik und soziale Steuerung" (transcript)Just dieser Kontakt zu den Verhältnissen interessiert aber Hagendorff, die Frage nämlich, wie sich ex cathedra formulierte Sozial- und Gesellschaftskritik überhaupt in die Praxis übertragen lasse? Bei den Vertretern der Kritischen Theorie fand er kaum überzeugende Positionen. Das geht auf ein strukturelles Problem der Sozialphilosophen zurück: Sie sprechen – von Adorno über Habermas bis Axel Honneth – von einer hohen Warte aus. In ihrem Menschenbild sind wir alle mehr oder minder moralisch, und dementsprechend appellativ kommt auch die Kritik daher: Verhaltet euch anständig, dann wird die Welt von alleine besser. Dummerweise stecken selbst gutwillige Menschen oft in Verhältnissen fest, die einfaches Anständigsein zumindest erschweren:

O-Ton: "Also man redet über Dinge, die gut sind oder die schlecht sind, aber die Moralkommunikation ist eben in den dominanten sozialen Feldern einfach nicht integrierbar. Also die Wirtschaft, das Recht, die Politik, die können mit Moralkommunikation eben nur ganz bedingt etwas anfangen, wenn überhaupt."

… und Moral sei darüber hinaus als gesellschaftlicher Handlungsmaßstab sogar gefährlich:

O-Ton: "Weil Moral ja immer zwischen gut und schlecht differenziert. Und wenn das, was ein Beobachter dann als schlecht erachtet, von einem anderen Beobachter nicht als schlecht erachtet wird, dann kommt es eben zu Streit. Also Moralkommunikation hat immer eine gewisse Konfliktnähe."

"Es kommt derart mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Kommunikationsabbruch."

... konstatiert Thilo Hagendorff in seiner Arbeit, und das klingt bei der aktuellen Weltlage beunruhigend vertraut. Ob im Konflikt mit Russland oder im Kampf gegen religiöse Wahnvorstellungen: Nichtverhandelbare, aber als moralisch gesetzte Positionen verbauen Kompromisse. Während das im großen Maßstab die Außenpolitik lähmt, äußert sich im Innenraum der Gesellschaft die übliche Kritik an den falsch oder gar nicht handelnden politischen Instanzen. Doch: 

"Über aussichtslose Themen (Weltfrieden, Gleichheit etc.) können keine Entscheidungen getroffen werden. (...) Politische Ideale mögen suggerieren, dass die Politik ein entsprechendes Fassungsvermögen habe, faktisch jedoch wird (zu) wenig politisch entschieden. Die Frage ist dann, welche Rolle außerparlamentarische, oppositionelle Organisationen einnehmen können. Diese Organisationen bilden häufig Speerspitzen sozialer Bewegungen und organisieren den Betrieb der Selbstalarmierung der Gesellschaft."
Junger Verfechter von Niklas Luhmanns Systemtheorie

"Selbstalarmierung" als primäres Ergebnis rechtschaffenen politischen Engagements klingt reichlich frustrierend. Doch diejenigen, die mit gutem Willen die Welt verbessern wollen, laufen nach der Blaupause traditioneller Sozialphilosophie in die Falle von "Einheitssemantiken", wie es Hagendorff soziologisch umständlich ausdrückt:

O-Ton: "Es wird also 'die Wirtschaft' oder 'die Politik' adressiert, aber man hat dort gar keine wirkliche Adresse, die die Kommunikation überhaupt annehmen könnte! Und meine Idee ist, dass diese Einheitssemantiken aufgegeben werden, dass die Moralkommunikation in gewisser Weise abgestellt wird, dass also kritische Sozialtheorien zum einen wirklich an konkrete soziale Adressen gerichtet werden, also an Institutionen, an Organisationen oder gar an Einzelpersonen, und dass zum anderen die Systemrationalitäten berücksichtigt werden. Also dass man etwa ein Unternehmen nicht mit Moralkommunikation adressiert, sondern mit Geldkommunikation."

Übersetzt heißt das: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Recht, Medien, all diese Großfelder funktionieren nach eigenen Binnenlogiken. Will man etwas verändern, muss man diese berücksichtigen und nicht das, was man selber für moralisch geboten hält.

Da sich Hagendorff praktischer Beispiele enthält, bleibt es dem Leser überlassen, sich Handlungsstrategien auszudenken. Den Bankern zu sagen, ihre Boni seien ungerecht, sozialschädlich und unmoralisch, bringt beispielsweise überhaupt nichts. Man muss einen Dreh finden, bei dem die Boni im Geldsystem der Banker weniger wert werden. Eine gleichzeitige Investitionspflicht in hochriskante Startup- oder niedrigprofitable Sozialunternehmen würde die Gemeinwohlbindung dagegen systemadäquat ausdrücken.

"Irgendwie müssen wir lernen, mit dieser Gesellschaft zurechtzukommen. Es ist keine andere in Sicht."

... schrieb eins Niklas Luhmann, der große Gegenspieler der Frankfurter Schule, und mit Thilo Hagendorff hat dessen Systemtheorie einen geistreichen Verfechter in der jungen Generation dazugewonnen. Wie einst bei Luhmann ist die Botschaft allerdings fern aller öffentlichkeitswirksamen Revolutionsromanik, ja Hagendorff zitiert sogar zustimmend Robert K. Mertons Gegenüberstellung von "bürokratischen" und "ungebundenen Intellektuellen":

"Während ungebundene Intellektuelle in erster Linie Texte anderer ungebundener Intellektuellen nach blinden Flecken absuchen (…), suchen bürokratische Intellektuelle den Markt der Stellen und Ämter nach höheren, einflussreicheren Positionen ab und versuchen, diese zu besetzen."

O-Ton: "Meine Idee ist, dass wirklich die klugen Köpfe die Universität verlassen und sich in die Institutionen begeben. Dass also gleichsam die Problemlösungsintelligenz unserer Gesellschaft auch ganz konkret dort hingeht, wo die Probleme sind, und dass man nicht immer aus der Distanz kritisiert."
Von Fachjargon der Zunft befreien

Das wäre dann der Marsch durch die Institutionen anno 2015. Bleibt das kleine Problem, dass die "ungebundenen Intellektuellen" auf den Lehrstühlen und in den Feuilletons die Diskurshoheit behaupten und weiter Moralappelle in die Welt senden.

So lange sich potenzielle "bürokratische Intellektuelle" wie Thilo Hagendorff nicht vom Fachjargon ihrer Zunft befreien, werden sie zudem Schwierigkeiten haben, ihre Vernunftpositionen als verlockend darzustellen. Das ist freilich nicht nur sprachlich, sondern überhaupt ein längerer Weg. Denn wie kam Hagendorffs Dissertation bei den ungebundenen Intellektuellen an?

O-Ton: "Schwierig, weil letztendlich doch immer so die Idee besteht, dass es Großlösungen gibt, die auch irgendwie umgesetzt werden können, und dieser zurückhaltende Reformismus, für den ich so ein bisschen plädiere, der also Probleme nicht mit einem Schlag sozusagen beseitigt, der wird schon durchaus kritisch gesehen."

Thilo Hagendorff: Sozialkritik und soziale Steuerung
Zur Methodologie systemangepasster Aufklärung
Transcript Verlag, Bielefeld 2014
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