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Studienwahl unter Depressionen
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Josephus
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Anmeldungsdatum: 21.03.2017
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 21 März 2017 - 23:33:24    Titel: Studienwahl unter Depressionen

Hallo zusammen,

zunächst einmal skizziere ich beschämt meine psychische Verfassung, denn nur mit ihr im Hintergrund versteht ihr mein Problem:

Ich fürchte mich vor nichts so sehr wie vor dem Bereuen. Ich verkrafte es nicht, nicht das beste aus jeder meiner Handlungen zu machen und so maximalen Gewinn abzuschöpfen.
Folgerichtig stehe ich vor jeder Frage unentschlossen da, versuche mir stets alle Optionen offen zu halten. Ich bin - das geht damit wohl nicht einher - sozial inkompetent, sozial isoliert, schüchtern und verstockt.
Letztendlich bin ich es auch müde, zu leben.

Zu meinem Werdegang:
2015 habe ich als Jahrgangsbester meine Abiturprüfungen bestanden. Danach schrieb ich mich für Wirtschaftswissenschaften ein. Nach zwei Semestern pausierte ich das Studium
, denn ich fühlte mich in keinster Weise herausgefordert. Seit einem Semester bin ich zwar noch in Wiwi eingeschrieben, studiere aber tatsächlich nur Mathematik.
Mathematik hat mir immer recht viel Freude bereitet. Außerdem faszinierten mich die Möglichkeiten, die Welt mithilfe der Mathematik zu begreifen. Leider fühle ich mich so, als wäre ich gescheitert: Das eine Modul habe ich nicht bestanden, im anderen Modul gehöre ich zu dem schlechtesten Drittel, obwohl die Klausur doch recht einfach war.

Ich sträube mich, mich geschlagen zugeben und zu Wiwi zurückzukehren. Klar, ich würde einen guten Abschluss erreichen. Was mir aber große Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass bei gerade bei Ökonomen der zukünftige Verdienst sehr stark von seinem Talent zum Netzwerken und Sich-selbst-Präsentieren ab. Solides Fachwissen spielt abseits von Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung eher eine untergeordnete Rolle. Auf jeden Fall werde ich zwangsläufig über meine soziale Verklemmtheit stolpern.

Als die vorläufige Krönung meines unentschlossenen Handelns bin ich nun in Medizin, Jura und Wiwi immatrikuliert. Wow. Wieso?
Bei Medizin und Jura reizen mich einfach die überaus guten Verdienstmöglichkeiten. Für Medizin spricht auch die Tatsache, dass ich mich dem Knüpfen von Seilschaften und ähnlichem, wie es die freie Wirtschaft nun einmal erfordert, weitestgehend entziehen kann. Ich mache gerade ein Pflegepraktikum im Krankenhaus. Meine emotionale Bilanz ist durchwaschen: Auch wenn ich mich schon ziemlich an vieles Unangenehme gewöhnt habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich auf Dauer so viel Leid und Elend ertrage. Außerdem bin ich einerseits fasziniert von dem, zu was uner Körper imstande ist, andererseits zweifle ich, dass mir das sture Pauken von Knochen und dem Verinnerlichen jeden Zentimeters unseres Körpers so viel Freude bereiten wird.
An Jura schreckt mich ab, dass mein gesamter zukünftiger Verdienst allein von zwei Noten abhängen wird und sogar lediglich anständige Gehälter wirklich nur wenigen sehr guten Studenten vorbehalten sind.

Wofür soll ich mich entscheiden? Einerseits leigt mein Selbstvertauen in mein Können mittlerweile bei Null. Mit diesen Voraussetzungen soll ich wirklich Jura und Medizin studieren? Andererseits möchte ich es nicht bereuen, eine Option, die mir später ein äußerserst nettes Gehalt verspricht, egal in welcher Tätigkeit, nicht wahrgenommen zu haben. Zu guter Letzt fürchte ich mich wirklich davor, dass meine menschlichen Unzulänglichkeiten mich noch ewig plagen und viele Möglichkeiten rauben werden.

Bitte schlagt mir nicht vor, ich solle meinen Interessen folgen. Nur weil ich mich für etwas interessiere, heißt es nicht, dass es mich auch glücklich macht.
Bitte schlagt mir auch nicht vor, ich sollte machen, was mich glücklich macht. Denn ich weiß nicht, worin ich mein Glück finden kann.
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24256

BeitragVerfasst am: 22 März 2017 - 00:12:25    Titel:

Ich bin froh, dass du mit Mathe aufgehört hast. Deine Fixierung auf das Gehalt wäre deutlich zu wenig, um sich mit der Fachwissenschaft auf sinnvollem Niveau auseinandersetzen zu können.

Cyrix
Gozo
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Anmeldungsdatum: 11.09.2007
Beiträge: 5740
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 22 März 2017 - 10:02:25    Titel: Re: Studienwahl unter Depressionen

Josephus hat folgendes geschrieben:

Ich fürchte mich vor nichts so sehr wie vor dem Bereuen. Ich verkrafte es nicht, nicht das beste aus jeder meiner Handlungen zu machen und so maximalen Gewinn abzuschöpfen.
Folgerichtig stehe ich vor jeder Frage unentschlossen da, versuche mir stets alle Optionen offen zu halten. Ich bin - das geht damit wohl nicht einher - sozial inkompetent, sozial isoliert, schüchtern und verstockt.
Letztendlich bin ich es auch müde, zu leben.

Hi Josephus,

es ist nicht so untypisch was Du erzählst. Leute wie Dich gibt es viele, mich beispielsweise. Ich bin rezidivierend depressiv - derzeit mal wieder mittelgradig - und plane gerade einen Klinikaufenthalt. Bei mir geht es zwar eher um sozio-emotionale Komponenten, aber das Prinzip ist ähnlich.

Wenn Du also mal in dem Punkt reden möchtest, gerne per PN.

Davon abgesehen kann ich Dir nur dringend empfehlen - wenn Du es nicht ohnehin getan hast - einen Psychotherapeuten aufzusuchen und Dich behandeln zu lassen. Alleine kommt man aus den Spiralen nicht mehr heraus.

Zitat:
Bitte schlagt mir auch nicht vor, ich sollte machen, was mich glücklich macht. Denn ich weiß nicht, worin ich mein Glück finden kann.

Der große Haken daran ist, dass Du selbst lernen musst zu wissen, wo DEIN Glück liegt. Fällt mir auch schwer, ich suche auch noch, obwohl es soviele Jahrzehnte so glasklar schien. Sich wieder von anderen in etwas "hineinreden" zu lassen ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Du brauchen wirst. Deswegen verzichte ich aus eigener Erfahrung hier auf Tipps zu dem, was Du machen solltest...abgesehen davon, einen Arzt aufzusuchen.
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