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Zölibat – Schwachsinn oder Sinnvoll?
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Foren-Übersicht -> Philosophie-Forum -> Zölibat – Schwachsinn oder Sinnvoll?
 
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naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 03 Jul 2017 - 11:50:00    Titel: Zölibat – Schwachsinn oder Sinnvoll?

Zölibat – Schwachsinn oder Sinnvoll?

Warum leben die christlichen Mönche und Nonnen eigentlich im Zölibat? Wer weiß das? Steht das Zölibat nicht im Widerspruch zu der Aussage, die es da im Christentum irgendwo gibt und lautet: „Liebet und mehret euch!“?
M_Hammer_Kruse
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Anmeldungsdatum: 06.03.2006
Beiträge: 8117
Wohnort: Kiel

BeitragVerfasst am: 03 Jul 2017 - 11:55:56    Titel:

Bevor man qualifiziert über etwas diskutiert, sollte man sich zunächst informieren und nicht Dinge einwerfen, die es angeblich "da irgendwo gibt".

Dann weiß man zumindest auch, das es der Zölibat heißt und nicht das.

Und dann auch, dass es nicht heißt "liebet und mehret euch", sondern einerseits "Seid fruchtbar und mehret euch" (1. Mos 1, 22), andererseits "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3. Mos. 19,18).

Das erste entstammt der Schöpfungsgeschichte, und wird dort von Gott nach dem fünften Schöpfungstag den Tieren der See und der Luft zugesprochen. In Vers 28 wiederholt Gott dies, nachdem er am darauffolgenden Tag auch die Landtiere und die Menschen erschaffen hat. Damit gilt das "Seid fruchtbar und mehret euch" keineswegs allein den Menschen, sondern allem, was da kreucht und fleucht - zu Lande zu Wasser und in der Luft.

Das zweite steht in den Zehn Geboten und ist damit Bestandteil des Gesetzeskanons, den Mose dem auf der Wanderschaft befindlichen Volk vom Berg Sinai mitbringt. Es wird von Jesus wiederholt zitiert, so in Matth. 19, 19 und Matth. 22, 39. Von den Aposteln wird es mehrfach aufgenommen, so im Römer-, im Galater- und im Jakobusbrief. Dem Sinnzusammenhang nach geht es dort nirgendwo um die geschlechtliche Liebe und damit auch nicht um die Vermehrung.

Damit hätten wir die Fragestellung schon einmal zerpflückt und als unsachgerecht entlarvt. Und was soll man auf eine unsachgerechte Frage dann noch antworten?

Gruß
mike


Zuletzt bearbeitet von M_Hammer_Kruse am 03 Jul 2017 - 12:16:39, insgesamt einmal bearbeitet
cyrix42
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Anmeldungsdatum: 14.08.2006
Beiträge: 24251

BeitragVerfasst am: 04 Jul 2017 - 09:16:26    Titel:

Wenn man wollte, könnte man auch auf den 1. Korinther-Brief verweisen, wo Paulus im 7. Kapitel die Ehe eher als Notlösung darstellt:

"1 Wovon ihr aber mir geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre. 2 Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. "

Cyrix
naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 05 Jul 2017 - 18:57:37    Titel:

M_Hammer_Kruse hat folgendes geschrieben:
… "Seid fruchtbar und mehret euch" (1. Mos 1, 22) …

und

M_Hammer_Kruse hat folgendes geschrieben:
„In Vers 28 wiederholt Gott dies, nachdem er am darauffolgenden Tag auch die Landtiere und die Menschen erschaffen hat. Damit gilt das "Seid fruchtbar und mehret euch" keineswegs allein den Menschen, …


Hier finden wir also ausdrücklich bestätigt, dass die Menschen eben nicht im Zölibat leben sollen. Wie hätten sich die Menschen sonst mehren sollen? Ohne Sex können sie das nicht, sie sind keine Götter!

Für Mönche und Nonnen galt das Gebot des sich Vermehrens hingegen nie. Wir haben natürlich alle ein Recht darauf im Zölibat leben zu dürfen, auch dann, wenn wir sonst ein weltliches Leben führen . Mehr noch. Wir können mit der Hilfe des Zölibats das Problem der drohenden Überbevölkerung unseres Planeten abmildern, ja sogar auf friedliche Weise ganz lösen. Alles was wir dazu benötigen ist ein sexueller Pluralismus, der nicht etwa besagt, dass fortan jede/r mit jeder/m ins Bett springen soll. Der sexuelle Pluralismus, den ich hier vorschlage, erkennt jene Menschen, die im Zölibat leben wollen, genauso an wie jene Menschen, die sich weiterhin mehren wollen, und respektiert sie.

Das Zölibat darf nicht länger das Privileg von Mönchen und Nonnen bleiben. Und alle, die sich im Zölibat üben, haben die Anerkennung und den Respekt der ganzen Gesellschaft verdient. Das Zölibat ist eine wertvolle Option. Unsere Gesellschaft sollte sich dieser Option zum großen Nutzen aller öffnen.

Meine Eingangsfrage „Zölibat – Schwachsinn oder sinnvoll“ richtet sich eindeutig darauf, mit euch darüber zu diskutieren, was ihr über das Zölibat denkt. Welche Gründe könnt ihr euch vorstellen, die ein Leben im Zölibat sinnvoll machen, und zwar auch als Bürger des täglichen Lebens. Welche Gründe sprechen in euren Augen gegen das Zölibat? Es ist auch interessant herauszufinden, welchen Sinn Mönche und Nonnen im Zölibat sehen. Wer im Zölibat lebt, muss sehr gute Gründe dafür haben, denn das Zölibat ist nicht leicht zu realisieren. Die Chancen, die das Zölibat bietet, sind hingegen groß.

Wusstet ihr schon, dass wir vor nur 500 Jahren noch etwa 400 Millionen Menschen auf der Erde waren. Heute sind wir bereits etwa 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Dem gegenüber schwinden all unsere Ressourcen mit atemberaubender Geschwindigkeit. Je mehr wir werden, umso schneller schwinden unsere Ressourcen. In nur 30 Jahren wird die Hochseefischerei eingestellt werden müssen, weil einfach kein Fisch mehr in den Ozeanen ist. In weniger als 30 Jahren wird der größte Teil unserer Erdölreserven aufgebraucht sein. Ebenso geht die Menschheit einem großen Trinkwasserproblem und einer fatalen Umweltverschmutzung entgegen und, und, und …

Meine Eingangsfrage „Zölibat – Schwachsinn oder sinnvoll“ hat ohne Zweifel ihre volle Berechtigung und lädt daher auch weiterhin zur Diskussion ein.
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3634

BeitragVerfasst am: 06 Jul 2017 - 11:35:01    Titel:

Der Zölibat ist eine aus religiösen Schriften abgeleitete Lebensform, die einer besonderen Form des Gottesdienstes entspricht. Darüber zu diskutieren, welche gesellschaftliche Funktion eine solche Lebensform wahrnimmt, ist ähnlich fruchtbar wie über Sinn und Sinn des Schweinefleischverbots in Islam und Judentum zu diskutieren. Die Institution Zölibat kennt meines Wissens keinen gesellschaftspolitischen Antrieb oder Anreiz, sehen wir von bestimmten Kontexten wie etwa einer gewünschte nKinder- und damit Dynastielosigkeit bestimmter Herrschenden oder Machtpersonen (Fürstbischöfe, Eunuchen, Janitscharen u.ä.) einmal ab.

Der Diskussionsansatz krankt demnach an mehreren Stellen:

a) Es wird hier angenommen, dass Ehe- und Kinderlosigkeit in unserer (?) heutigen Gesellschaft keine akzeptierte Lebensform sei und Menschen, die sich dafür entschieden, eine besondere Rechtfertigung benötigen. Das ist hier nicht belegt worden, der religiöse Aufruf "fruchtbar zu sein und sich zu mehren" ist heute kein konsensfähiger Imperativ mehr. Er dürfte ohnehin niemals die Hauptursache für einen Kinderwunsch gewesen sein.
b) Die Gründe für den Zölibat sind aufs engste mit einem kulturell-religiösen Kontext verknüpft. Die Frage nach den Motiven für ein Zölibats ist daher nicht sonderlich zielführend. Es ist Bestandteil einer besonderen Berufung und außerhalb dessen überhaupt nicht institutionalisiert.
c) Der Zölibat wird als "Privileg" definiert. Das erfolgt ohne Begründung. Mir wäre weder aus soziologischer noch aus gesellschaftspolitischer Sicht ein Bedürfnis nach einer neuen Form des akzeptierten Fortpflanzungsverzichts bekannt und mir erscheint es auch widersinnig, das über ein religiös begründetes Konstrukt mit einem totalitären Charakter zu lösen.

Der Gedanke, die "Öffnung" des Zölibats könnte zur Geburtenkontrolle eingesetzt werden, erscheint mir persönlich nicht sonderlich ergiebig. Die Staaten mit einer hohen Reproduktionsrate sind allesamt bettelarm, Kinder dienen dort weiterhin der Altersvorsorge und der Zugang zu Verhütungsmitteln/ Schwangerschaftsabbrüchen ist aus ökonomischen, rechtlichen oder kulturellen Gründen stark eingeschränkt. Zudem ist in diesen Gesellschaften gerade die Frau oftmals aus verschiedenen Gründen auf eine Ehe angewiesen.
Mir ist nicht klar, wie der Zölibat in diesen Entwicklungsländern eine attraktive Alternative zu Ehe und Kindern sein könnte. In der westlichen Welt stellt sich die Frage kaum, da wir dort ohne Nettomigration ohnehin fast überall an oder unter der Reproduktionsrate liegen.
naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 08 Jul 2017 - 11:09:47    Titel:

cyrix42 hat folgendes geschrieben:

Wenn man wollte, könnte man auch auf den 1. Korinther-Brief verweisen, wo Paulus im 7. Kapitel die Ehe eher als Notlösung darstellt:

"1 Wovon ihr aber mir geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre. 2 Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. "



Tja – spinnt jetzt der Paulus, oder ist die Ehe wirklich eine Notlösung? Welche Not soll die Ehe denn lösen? Hat da hier im Forum irgendjemand eine Idee dazu?
Frankx
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Anmeldungsdatum: 02.08.2010
Beiträge: 978

BeitragVerfasst am: 10 Jul 2017 - 12:37:30    Titel:

Zitat:
Welche Not soll die Ehe denn lösen? Hat da hier im Forum irgendjemand eine Idee dazu?


Steht doch da geschrieben: "Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann."

Es geht also um sexuelle Not. Das natürliche Bedürfnis nach sexueller Befriedigung soll in geordnete Bahnen gelenkt werden.
naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 25 Jul 2017 - 18:14:50    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

a) Es wird hier angenommen, dass Ehe- und Kinderlosigkeit in unserer (?) heutigen Gesellschaft keine akzeptierte Lebensform sei und Menschen, die sich dafür entschieden, eine besondere Rechtfertigung benötigen. Das ist hier nicht belegt worden,…(vom 06.07.17)


Wer sich nicht Hals über Kopf, d. h. sehr früh, in das Abenteuer Ehe und Familie gestürzt hat, dem dürfte es schon einmal passiert sein, dass die Nachbarin oder der Nachbar oder eine anderen Person, mit der häufiger Kontakt besteht, eines Tages ganz unvermittelt das folgende Thema aufwirft:

Du bist allein! Wieso bis du nicht verheiratet? Willst du keine Kinder? Ich verstehe das nicht!

Ihnen genügt der einfache Anblick einer Person, die zufrieden ohne Sexualpartner/in lebt, um sich unwohl zu fühlen und völlig ungebeten in die Offensive zu gehen.

Antwortet man ihnen darauf:

    „Jaaaaaaaaaaaa, Kinder, das ist etwas Schönes, etwas ganz Besonderes, etwas wirklich Einmaliges. Ich bin auch jedes Mal in den Bann geschlagen, wenn ich ein Kind sehe. Kinder haben ist eine große Freude. Ich frage mich eben nur, was aus all den schönen Kindern einmal werden soll, wenn ich mir die Situation der Welt so anschaue (auch die kriegerische Geschichte und den Konkurrenzkampf von heute)!? Es ist sehr leicht sich für Kinder zu begeistern. Was kommt aber auf uns alle zu? Zunehmend mehr und mehr Energiekrisen, Rohstoffmangel, Arbeitslosigkeit, Armut, Hungers- und Durstnöte, Platzmangel, Epidemien wegen der Globalisierung und des Klimawandels, Kriege …, das kommt auf uns alle zu. Im Nahen Osten graben sie sich heute schon gegenseitig im wahrsten Sinne des Wortes die Ressourcen für die Trinkwassergewinnung ab.“


, dann sind sie erst einmal gebremst. Aber schon bei der nächsten Begegnung sagen sie dann: Du brauchst einen Ehepartner/eine Ehepartnerin und Kinder, damit etwas Vernünftiges aus dir wird. Über die reale Situation der Welt haben sie nie nachgedacht und wollen das auch nicht tun. Dann würde man seines Lebens ja schon gar nicht mehr froh werden, sagen sie.

Definitiv, „Lamasshu“, eine Privatperson, die ohne Sexualpartner/in oder ohne eigene Kinder leben will oder lebt, braucht in unserer Gesellschaft eine sehr gute Begründung dafür. Sie wird dennoch von vielen mehr oder weniger offen abschätzig belächelt.
naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 25 Jul 2017 - 18:24:36    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

a) Es wird hier angenommen, dass Ehe- und Kinderlosigkeit in unserer (?) heutigen Gesellschaft keine akzeptierte Lebensform sei und Menschen, die sich dafür entschieden, eine besondere Rechtfertigung benötigen. Das ist hier nicht belegt worden,…(vom 06.07.17)


Wer sich nicht Hals über Kopf, d. h. sehr früh, in das Abenteuer Ehe und Familie gestürzt hat, dem dürfte es schon einmal passiert sein, dass die Nachbarin oder der Nachbar oder eine anderen Person, mit der häufiger Kontakt besteht, eines Tages ganz unvermittelt das folgende Thema aufwirft:

Du bist allein! Wieso bis du nicht verheiratet? Willst du keine Kinder? Ich verstehe das nicht!

Ihnen genügt der einfache Anblick einer Person, die zufrieden ohne Sexualpartner/in lebt, um sich unwohl zu fühlen und völlig ungebeten in die Offensive zu gehen.

Antwortet man ihnen darauf:

    „Jaaaaaaaaaaaa, Kinder, das ist etwas Schönes, etwas ganz Besonderes, etwas wirklich Einmaliges. Ich bin auch jedes Mal in den Bann geschlagen, wenn ich ein Kind sehe. Kinder haben ist eine große Freude. Ich frage mich eben nur, was aus all den schönen Kindern einmal werden soll, wenn ich mir die Situation der Welt so anschaue (auch die kriegerische Geschichte und den Konkurrenzkampf von heute)!? Es ist sehr leicht sich für Kinder zu begeistern. Was kommt aber auf uns alle zu? Zunehmend mehr und mehr Energiekrisen, Rohstoffmangel, Arbeitslosigkeit, Armut, Hungers- und Durstnöte, Platzmangel, Epidemien wegen der Globalisierung und des Klimawandels, Kriege …, das kommt auf uns alle zu. Im Nahen Osten graben sie sich heute schon gegenseitig im wahrsten Sinne des Wortes die Ressourcen für die Trinkwassergewinnung ab.“


, dann sind sie erst einmal gebremst. Aber schon bei der nächsten Begegnung sagen sie dann: Du brauchst einen Ehepartner/eine Ehepartnerin und Kinder, damit etwas Vernünftiges aus dir wird. Über die reale Situation der Welt haben sie nie nachgedacht und wollen das auch nicht tun. Dann würde man seines Lebens ja schon gar nicht mehr froh werden, sagen sie.

Definitiv, „Lamasshu“, eine Privatperson, die ohne Sexualpartner/in oder ohne eigene Kinder leben will oder lebt, braucht in unserer Gesellschaft eine sehr gute Begründung dafür. Sie wird dennoch von vielen mehr oder weniger offen abschätzig belächelt.
naturschön
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Anmeldungsdatum: 09.06.2017
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 02 Aug 2017 - 17:59:02    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Mir wäre weder aus soziologischer noch aus gesellschaftspolitischer Sicht ein Bedürfnis nach einer neuen Form des akzeptierten Fortpflanzungsverzichts bekannt … (Verfasst am: 06 Jul 2017 - 12:35:01)


Es handelt sich nicht um eine neue Form des akzeptierten Fortpflanzungsverzichts, Lamasshu. Es handelt sich einfach nur um die sehr zweckmäßige Anwendung des schon seit Ewigkeiten existierenden Zölibats auf breiter Basis.

Soziologisch sowie gesellschaftspolitisch wird es sich wohl um etwas ganz Neues handeln. Ich habe sehr viele Dokumentarfilme über die dramatischen Folgen der Überbevölkerung wie die Umweltverschmutzung, den Klimawandel, den immer rasanter werdenden Verbrauch aller Ressourcen usw. gesehen. Alle Redakteure dieser Filme zeigten sich erschüttert von diesen Problemen. Sie machten eine große Zahl von Vorschlägen, mit denen die Katastrophe noch für eine kurze Zeit hinausgezögert werden kann. Kein einziger von ihnen wagte es jedoch einen Vermehrungsverzicht auch nur in Erwägung zu ziehen. Hier wird der wahre Grund deutlich, aus dem heraus die Beteiligung an dieser Diskussionsrunde so beeindruckend niedrig ist. Das Thema des Vermehrungsverzichtes ist ein Tabuthema.

Das Überwinden der Menschheitsprobleme war eigentlich nie mein Ziel. Dazu ist ohnehin nur die Gesamtheit der Menschheit in der Lage, in gar keinem Fall nur eine Einzelperson. Die Gesamtheit der folgenden Aspekte ließ mich jedoch eines Tages unvermittelt erkennen, dass das Zölibat ein Kernelement für die friedliche und sogar liebevolle Überwindung der großen Menschheitsprobleme darstellt:

  1. Der tiefe Wunsch, die Welt verstehen zu wollen
  2. Das Erkennen von vielen falschen Vorstellungen, die wir über das Leben entwickelt haben
  3. Die nachteillose Realisierung des Zölibats, die wohl nur auf der Grundlage der Punkte 1 und 2 möglich ist
  4. Die breitgefächerte Information hinsichtlich der Umweltverschmutzung, des Verbrauchs aller uns zur Verfügung stehenden Ressourcen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, der immer kritischer werdenden Ernährungssituation der Erdbevölkerung, der wachsenden Gefahr von Epidemien, des Umgangs der Menschen untereinander in der Vergangenheit (grausame Kriege usw.), politischer und wirtschaftlicher Ereignisse und des ständigen Wandels der Erde und des Universums unter gewaltigen, emotionsfrei wirkenden Naturkräften (die Forschung hat auf vielen dieser Gebiete wirklich großartiges geleistet)
  5. Die Fähigkeit die technische Machbarkeit von Problemangeboten realistisch einschätzen zu können

Für mich bedurfte es all dieser Aspekte, um das Zölibat auch als Lösung für die großen Menschheitsprobleme erkennen zu können. Ich glaube nicht, dass Menschen dazu in der Lage sind, denen auch nur eines dieser Elemente fehlt.

Mein Vorschlag zur Überwindung unserer schwierigen Situation beinhaltet etwas sehr offenes, sehr demokratisches, sehr auf Gemeinschaft ausgerichtetes, weil es von Abgrenzung wegleitet und die gegenseitige Akzeptanz in der ganzen Gesellschaft fördert (pluralistisch-egalitäre Gesellschaft), was die Grundlage für eine wahre Harmonie in der gesamten Gesellschaft bildet. Nur so wird sozialer Friede möglich. Der sexuelle Pluralismus und damit auch das Zölibat, das schon immer für jedermann offen war, sind Elemente, die eine fortschrittliche Gesellschaft braucht. Sie braucht sie um der gesellschaftlichen Harmonie Willen und zur Existenzsicherung, wenn die Gesellschaft ihre Lebensgrundlagen auf unserem schönen Planeten Erde nicht zerstören will lange bevor unser Planet aufgrund der gewaltigen Veränderungen im Weltall zunächst unbewohnbar und schließlich völlig zerstört werden wird. Die gegenwärtige von uns Menschen zu verantwortende Umweltbilanz ist erschütternd. Sie ist auf die große Zahl an Erdbewohnern zurück zu führen. Heute sind wir bereits 7,4 Milliarden Menschen. 2050 sollen wir schon 9 Milliarden Menschen auf der Erde sein. Vor nur 500 Jahren waren wir noch 400 Millionen, Lamasshu. Ich sage nicht, dass die Umsetzung meines Vorschlages ein Zuckerschlecken sein wird, aber die grausame Katastrophe, die uns bevorsteht, wenn wir so weiter machen wie bisher, kann auf diese Weise vermieden oder zumindest abgemildert werden.

Bist du wirklich der Meinung, Lamasshu, dass wir einfach so weiter machen können, ohne dass es furchtbare Hungersnöte, Kriege und brutale Maßnahmen gegen die fortscheitende Überbevölkerung geben wird?
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