Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Königin entdeckte das verlustminimierende Wirtschaftssubjekt
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Königin entdeckte das verlustminimierende Wirtschaftssubjekt
 
Autor Nachricht
Dirk Nerge
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 01 Jul 2018 - 20:52:24    Titel: Königin entdeckte das verlustminimierende Wirtschaftssubjekt

Königin entdeckte das verlustminimierende Wirtschaftssubjekt und das Geschwindigkeitsparadoxon?

Seit meinem letzten Eintrag in diesem Forum sind 12 Jahre vergangen.Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2018. Vieles mag geschehen sein. Wirtschaftsschocks... Finanzkrise, Eurokrise, Ausweitung sozialer Ungleichheit, Handelskrieg ... Und doch scheint sich alles repetitiv zu bewegen, in kurzen bis langen Kreisen der Wiederholung: Als ob vieles davon schon gewesen sei. Nur das die Bewegungen schneller werden, so dass die Königin immer noch sagt:
Zitat:
„Ein langsames Land (...) Hier muss man offenbar so schnell laufen, wie man nur kann, um am gleichen Ort zu bleiben“ (Lewis Carroll, Alice im Wunderland).

Auf Grund dieser Aussage der Königin schrieb ich einen Kommentar auf dem Wirtschaftsportal www.neuewirtschaftswunder.de zu dem dortigen Beitrag „Wirtschaftsdienst exklusiv – Wie hat sich der Anteil einkommensschwacher Personen in Deutschland entwickelt?“
https://neuewirtschaftswunder.de/2018/06/14/wirtschaftsdienst-exklusiv-wie-hat-sich-der-anteil-der-einkommensschwacher-personen-in-deutschland-entwickelt/ .

Mir es geht darum, dem möglichen Grund für obige Aussage der Königin nachzugehen. Also wie es kommt, dass alle schneller werden müssen, um am gleichen Ort zu bleiben.Oder übersetzt formuliert, warum sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse nach all den Schocks und Krisen nicht wirklich ändern - und alle in ihrem Hamsterrad rennen und rennen, ohne tatsächlichem Ziel. Was gegenwärtig irgendwie sogar Ökonomen wie Thomas Straubhaar als erstrebenswert ansehen: Es ginge zur Gestaltung unseres Lebens nicht mehr um das Ziel, sondern um den Weg. Eine Auffassung, die auch aus der biologischen Evolutionstheorie bekannt ist und nun auf die gesellschaftlichen Verhältnisse übertragen wird?

Hier also der oben benannte Kommentar:

Zitat:
„lllusionsproduktion ?

Damit ist das allen bekannt gewordene „verlustminimierende Wirtschaftssubjekt“ begraben? Oder?
In Anbetracht der funktional-strukturellen Konstruktion der Ordnung der Wirtschaft, haben wir es mit sozio-emotionalen Wirkkreisen zu tun, die den psychischen Apparat einer großen Mehrheit der zu Entitäten genormten menschlichen Einzelwesen zu Anpassungsenergien zwingt, die kaum bis gar nicht von den Einkommensverhältnissen gedeckt werden. Es handelt sich allenfalls um Verlustvermeidung. Es ist im Grunde die Zurichtung zu stets adaptivem statt innovativem Verhaltens, forciert von den Deregulierungen der als Korrelat zu sehenden Arbeits- und Finanzmärkten. Die Faustformel lautet: V= f (P, Z), also Verhalten ist eine Funktion, bestehend aus Preis und Zeit; es ist das monetäre Prinzip kognitiver Einwickelung.

Als einfachere Übung kann hierzu das Beispiel des Geschwindigkeitsparadoxon der effektiven Geschwindigkeit herangezogen werden: Wir müssen schneller werden, um auf der selben Stelle bleiben zu können.Stattdessen werden wir immer langsamer (bei höherem Energieaufwand). Das ähnelt auch den schon in den 1990er Jahren beschriebenen Zuständen in systemtheoretisch-kybernetisch orientierter Organisationsliteratur: Bei zunehmendem Hyperwettbewerb geht es ums Überleben, um Verlustvermeidung, aber nicht oder weniger um Nutzen- bzw. Gewinnmaximierung.

Daher wird die Armutsdiskussion zu kurzsichtig geführt. Zweifellos gibt es die Spaltung der Gesellschaft. Aber die daraus zu folgernden Ungleichzeitigkeiten (Regressionen) umfassen graduell die gesamte Gesellschaft. Zumindest die drei unteren Fünftel der Einkommenspyramide, das wären sechzig Prozent der Erwerbstätigen, befindet sich unmittelbar im Dilemma der Verlustvermeidung.Wenn dann wissenschaftliche Analysen die Runde machen, in denen von Einkommenszuwächsen, insbesondere bei denen mit besserer Bildung selbst bei einkommensschwachen Personen, berichtet wird, handelt es sich m.E. um kontextfreie Aussagen, die die zugrunde liegende Verfassung ausblenden. Illusionsproduktion?

Mehr habe ich an dieser Stelle nicht anzumerken, zumal der Soziologe und Volkswirt Karl Brenke zu seiner angeblichen Feststellung erheblicher Lohnsteigerungen im einkommensschwachen Sektor dem ab 2015 eingeführten Mindestlohn offensichtlich keine Relevanz zuordnet. Obwohl an diesem einzigen Punkt bereits ersichtlich würde, inwieweit gesellschaftliche Einflussnahme vor individueller Gängelung stehen müsste. Bildung sollte das Verständnis für sozio-ökonomische Wechselwirkungen außerhalb des neoklassischen Wirtschaftsmodells einbeziehen. Um zu sehen, wie Verhalten auf eine Funktion reduziert und von der Preis-/Zeit-Taktung dominiert wird... und was in diesem Zusammenhang unter den bestehenden Zuständen die Begriffe Flexibilität, Agilität und Resilienz tatsächlich bedeuten: Der Weg zum verlustminimierenden Wirtschaftssubjekt.

Dirk Nerge“


Zuletzt bearbeitet von Dirk Nerge am 28 Okt 2018 - 21:04:54, insgesamt einmal bearbeitet
Dirk Nerge
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 15 Jul 2018 - 19:33:40    Titel:

Und hier erfolgte in besagtem Wirtschaftsportal zum Beitag "Thomas Fricke: Verlierer der Globalisierung – Trumps Vorteil im Handelskrieg"
https://neuewirtschaftswunder.de/2018/07/06/thomas-fricke-verlierer-der-globalisierung-trumps-vorteil-im-handelskrieg/

die Freistellung eines weiteren Kommentars von mir. Titel: Das Stagnatisten-Dilemma. Der Inhalt lautet also wie folgt:

Zitat:
"Das Stagnatisten-Dilemma

Leider lässt der Kolumnist die im Resultat hohe Anzahl derer außer acht, die, zumindest auf dem ersten Blick, weder zu den vermeintlichen Gewinnern noch zu den so genannten Verlierern gehören, gemessen etwa an den stagnierenden Löhnen … seit Jahrzehnten. Auf Grund dieser realen Gegebenheit von Stagnatisten, auch als Ergebnis als in der Tendenz sinkenden Wachstums der Investitionen, der Produktivität, der Innovationen aufzufassen, begrifflich beispielsweise als Ausdruck säkularer Stagnation zu umreißen, könnten möglicherweise weniger stereotype Konstrukte der Sozialwissenschaft in Hinsicht der Vermessung von Ursachen, Folgen und Wirkungen individueller und gruppaler Konflikte, etwa bei möglichen oder tatsächlichen Kontrollverlusten und dadurch generierter Projektionen und Verschiebungen innerhalb der Kohorte der Stagnatisten, angesetzt werden.

Denn es wäre vermessen zu behaupten, (Rechts-) Populisten würden von so genannten Verlierern gewählt, denen man nur Jobs vermitteln müsste … und die Welt und insbesondere der Freihandel und die Digitalisierung wären dann wunderbar. Nein, die Stagnatisten befinden sich im Dilemma der Wahl … der Entscheidung. Der Entscheidung bei Ungewissheit im politischen und wirtschaftlichen Stagnatismus."


Zu einem weiteren Beitrag

„Thomas Fricke: Politisches Frustpotenzial – Deutschlands Globalisierungsverlierer“
https://neuewirtschaftswunder.de/2018/07/13/thomas-fricke-politisches-frustpotenzial-deutschlands-globalisierungsverlierer/

dachte ich mir diesen Kommentar mit dem Titel "Stressoren-Automatik" aus:
Zitat:

Stressoren-Automatik

Leider bleibt das vom Kolumnisten gebrauchte stereotype Verlierer-Gewinner-Schema wenig aussagekräftig, etwa wenn es um die Spielregeln der wirtschaftlichen Ordnung und deren Hinterfragung zur Strukturiertheit von Gewinn- und Verlustchancen geht.

Das hieße zu hinterfragen, ob oder in wie weit die Strukturen asymmetrisch angelegt sind, so dass daraus Handlungsweisen resultieren, auf Grund der Ermangelung von Gewinnchancen die Vermeidung oder Minimierung von Verlusten zur existenziellen und/oder statusbezogenen Sicherung zwangsweise anzustreben: Wäre es so auch nur annähernd, könnte von einer programmierten Aktivierung, von einer richtungssetzenden institutionalisierten Vermeidungsmotivation, der Formung zum verlustvermeidenden Wirtschaftssubjekt, zum verlustminimierenden Wirtschaftssubjekt, gesprochen werden. Was selbstverständlich die optionale Freiheit der Handlungen einengen würde.

Und an der Zeit vor der Einführung des Mindestlohns wird eine derartige Richtung ganz offensichtlich, wenngleich sie in latenter Weise noch immer bestehen dürfte. Das können wir auch am „Stagnatisten-Dilemma“ beobachten.

Ohne Kenntnis oder ohne Einbezug der o.a. Spielregeln, ist das stereotype Verlierer-Gewinner-Schema alleine nicht brauchbar zum Zwecke der Gegenwartsbeschreibung, zumal sich die Ausgangslage primär um eine strukturelle Besser- oder Schlechterstellung dreht. Und letzteres könnte eine Stressoren-Automatik beinhalten, die zwangsläufig zur Zunahme von negativen Stereotypen führt, weil dann selbst in konjunkturell besseren Lagen, immer die Krise gegenwärtig bleibt: Anreiz durch Verlustvermeidung und/oder -minimierung – aus allgemeiner Sicht.

Natürlich wird bei einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise die Wahrscheinlichkeit offen ausgetragener, aber bereits strukturell über die Stessoren-Automatik angelegter negativer Stereotype, Vorurteile, zunehmen. Aber das gehört zum Standardwissen der Sozialpsychologie seit Jahrzehnten. Das Auftreten des so genannten Rechtspopulismus war also vorhersehbar. Mit Globalisierung hat das nur am Rande zu tun.


Das passt auch an dieser Stelle zum Thema über das Geschwindigkeitsparadoxon.

Bei den Stagnatisten würde es sich – im Singular – u m das „verlustvermeidende Wirtschaftssubjekt“ handeln. Wir ahnen es schon, dass in der Tendenz sinkendes Wachstum der Investitionen, der Produktivität, der Innovationen, der Löhne (unter dem Gesichtspunkt erhöhtem Energie-Inputs) - nicht unwesentlich erklärbar durch das Absenken sozialer Sicherung - zu Geschwindigkeitsbeschleunigungen alltäglicher Abläufe führen. Hierzu gehört sicherlich auch die Arbeitsverdichtung und -intensivierung sowie häufige unternehmensorganisatorische Restrukturierungen u.v.m.: Stressoren-Automatik. Die digitalen Technologien sind dabei Mittel zum Zweck, nicht die eigentlichen Treiber. Kurzum, wir ahnen also, weshalb wir immer schneller werden sollen, um dennoch auf der Stelle zu treten: um Verluste zu vermeiden oder zu minimieren, während nur einige wenige über sehr, sehr viel Vermögen verfügen.

Die Frage könnte also sein, ob diese Abläufe auf bloßen Zufällen beruhen. Beispielsweise im Sinne sozialer Evolution. Oder ob geplante Strukturen vorliegen, die noch steigerungsfähig sind, so dass am Ende die Gesellschaft eher der Kybernetik eines Glücksspielautomaten ähnelt, bei dem – symbolisch – die Bank immer gewinnt.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Königin entdeckte das verlustminimierende Wirtschaftssubjekt
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum