Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Tookie Williams und die Todesstrafe
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Tookie Williams und die Todesstrafe
 
Autor Nachricht
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 14 Jan 2006 - 19:34:03    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Vielleicht ist dieser Punkt aber auch Auslegungssache, weil sich die Schreiber des NT´s nicht eindeutig dazu ausgelassen haben. coffeinjunky´s Interpretation ist auch eine Aneinanderreihung von Schlußfolgerungen, was ein starker Hinweis auf eine individuelle Auslegung ist.


Sicher gibt es Auslegungsmöglichkeiten. Ich zum Beispiel lege anscheinend "morden" anders aus als Sheep. Die Todesstrafenbefürworter benutzen diese Möglichkeiten genauso wie die Gegner. Warum? Die Entwicklung von den einzelnen Urtexten bis zur heutigen Bibel ist eine Geschichte etlicher Übersetzungen. Dabei wurde jeweils in die entsprechende Sprache übersetzt, die gerade aktuell war. Dadurch wurden einige Stellen mehr als mißverständlich, da sich die Sprachgewohnheiten geändert haben. Etc etc. Ob man das "Du sollst nicht töten" als "Du sollst nicht morden" interpretiert oder als "Du sollst kein menschliches Leben beenden" ist in der Tat Auslegungssache. Das ist das Problem an allen nicht-mathematischen Kommunikationen. Wenn ich sage 2+2=4 kann man absolut keine Interpretation anwenden. Sobald ich sage Zwei plus Zwei ist gleich Vier kann sofort interpretiert werden, warum ich diese Trivialität nicht mit Zahlen ausdrücke. Hmm, das Textbild! Er schreibt also gerne schöne Textbilder, somit... . Ich hoffe, es wird verständlich, was gemeint ist.

Und wenn wir schon bei Argumenten von Christen sind, so kann ich auch die Hard-Core-Schiene auflegen und sagen: "Nur Gott ist Herr über Leben und Tod. Er hat uns geschaffen und er wird darüber entscheiden, wann er uns zu uns ruft. Wenn er es will, dann kommt der Tod. Der Mensch hat ihm nicht in sein Handwerk zu pfuschen." Natürlich wäre eine solche Argumentation nicht gerade zweckdienlich für die weitere Diskussion, wird aber gerne mal von Fundamentalisten gebracht. Es gibt also mehrere Ansichten, und die Ansicht der Todesstrafenbefürworter ist eine unter vielen.

Desweiteren wäre es noch eine Sache zu fragen, ob Geschichten in der Bibel, die in einem bestimmten Kontext eingebettet sind, denn als direkte Verhaltensaufforderung zu verstehen sind oder ob nicht eher die Botschaft des großen Ganzen wichtig ist. Die Botschaft "Du sollst nicht töten" ist für mich ganz klipp und klar. Es gehört zu den Verboten (die ersten Drei sind ja nur die Gebote, die anderen sind Verbote) und somit ist für mich kaum Interpretationsspielraum.

Auch sehe ich keine so große Auslegung, sondern eine Verknüpfung mit neueren Strukturen. Die Gebote sind an die Individuen gerichtet, soweit waren wir ja oben schon. Ich habe ja nie bestritten, dass es kein generelles Tötungsverbot für den Staat gibt. Da der Staat nun aber demokratisch ist, sind die Handlungen des Staates wieder auf die individuelle Ebene zurückführbar. Auf individueller Ebene gibt es ein ganz klares Tötungsverbot.

Man könnte auch interdisziplinäres Denken dazu sagen. Very Happy

Sheep hat folgendes geschrieben:
Diese ganze Argumentation baut auf dem Argument auf, es gäbe ein allgemeines Tötungsverbot in der Bibel. Aber es gibt andere Textstellen, in denen die Tötung ausdrücklich erlaubt, oder gar gefordert wird. Christen die die Todesstrafe befürworten, verstehen das "Du sollst nicht töten" als "Du sollst nicht morden".


Meine Argumentation baut auf dem Gedanken auf, dass in der Demokratie staatliches Handeln auf individuelle Entscheidungen der breiten Masse zurückzuführen ist. Und ich behaupte, dass es ein an Individuen gerichtetes Tötungsverbot gibt. Tötung verstanden als Beendigung menschlichen Lebens. Zur Interpretation der Texte und Wörter wie "töten" und "morden" siehe oben. Wenn man sich also nicht auf Interpretationen beziehen kann, dann doch aber auf die Quintessenz. Der gesamte Kern des NT ist doch die Nächstenliebe. Diese schließt die Feindesliebe mit ein. Ein Verbrecher ist auch nur ein Nächster, auch wenn er weit weg sein mag.
Joe20
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 23.09.2005
Beiträge: 39
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 14 Jan 2006 - 23:45:06    Titel:

Entschuldigung. Ich bin etwas zu faul und zu müde, das gesamte Thema genau durchzulesen. Eigentlich möchte ich ungern im Internet diskutieren, da ich viel zu tun habe, jedoch immer von neuen Beiträgen abgelenkt werde und somit mich geneigt fühle, zu antworten. ... coffeinjunky schlug mir diese Diskussion vor und ich möchte meine Meinung kurz erläutern:

Nach dem Neuen Testament ist die Todesstrafe natürlich erlaubt, jedoch weiterhin (wie im Alten Testament) durch den Staat (durch den "guten" Staat, der halbwegs gerecht ist).

Siehe:

Römer 13,2-5

"Wer sich daher der <staatlichen> Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen.
Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der <staatlichen> Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben;
denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.
Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen."

Der Staat darf nicht vergeben! Einer, der die Worte Gottes in der Bibel lieb hat und sie erfüllen will, wird seinem Nächsten aus Liebe und aus Dankbarkeit vor Gott vergeben.

Aber der Staat darf nichts billigen, und soll vollkommen gerecht urteilen und richten. (viele Menschen vergessen, dass die Bücher Mose Gesetzgebungen sind (größtenteils), und das Neue Testament keine Gesetze mehr für den Staat enthält, sondern für die, welche Jesus Christus nachfolgen möchten):

3Mo 19,15

Ihr sollt im Gericht nicht Unrecht tun; du sollst die Person des Geringen nicht bevorzugen und die Person des Großen nicht ehren; in Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten.

3Mo 24,20

Bruch um Bruch, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einem Menschen einen Schaden zufügt, so soll ihm zugefügt werden.


Das ist die vollkommenste Gerechtigkeit! Denn es muss jemand sein, der über dem Menschen steht, und das ist der gerechte Staat.
Jedoch steht auch der Staat unter der Macht Gottes, welcher unter keiner Macht steht.

Darum darf auch "der Mensch" keinen Menschen eigenhändig umbringen, sondern, der Staat - wenn es denn so in Ordnung ist.

3Mo 24,20 ist die vollkommene, totale Gerechtigkeit.

Erschreckt euch nicht, wenn euch die Bücher Mose zu brutal erscheinen!
Auf Brutalem gehört auch Brutales!


2Mo 21,12 Wer einen Menschen <so> schlägt, daß er stirbt, muß getötet werden.
2Mo 21,15 Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, muß getötet werden.
2Mo 21,16 Wer einen Menschen raubt, sei es, daß er ihn verkauft, sei es, daß er in seiner Gewalt gefunden wird, <der> muß getötet werden.
2Mo 21,17 Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, muß getötet werden.
2Mo 22,18 Jeder, der bei einem Tier liegt, muß getötet werden. -
3Mo 20,10 Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.

(also nicht beim Ehebruch an sich, sondern beim fremden Geschlechtsverkehr)

usw.

Aber in unserer Gesellschaft ist das NATÜRLICH "normaaal", wenn man Vater und Mutter schlägt und flucht... oder, wenn man mit einem Pferd Sex hat...

Auf heftiges und ekeliges Verhalten gehört auch heftige Strafe. So soll es auch sein.

Vergesst nicht, dass in der Bibel auch nach dem Tod das Leben weiterläuft. Wer hier nicht bestraft wird, der wird in der Ewigkeit seine höhere Strafe erwarten, wie Jesus sagt:

Mk 9,42 Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.

Anmerkung: Da heutzutage Begriffe wie "Religion" oder "Gott" sehr bunt auftreten, muss mich hier klar bekennen zu Jesus Christus, als den Gott, und Jahwe, der wiederum derselbe ist und im Alten Testament unter eben diesem Namen angerufen wird.
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 14 Jan 2006 - 23:59:55    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Freidenker hat folgendes geschrieben:
Vielleicht ist dieser Punkt aber auch Auslegungssache, weil sich die Schreiber des NT´s nicht eindeutig dazu ausgelassen haben. coffeinjunky´s Interpretation ist auch eine Aneinanderreihung von Schlußfolgerungen, was ein starker Hinweis auf eine individuelle Auslegung ist.


Wenn ich sage 2+2=4 kann man absolut keine Interpretation anwenden.


Auch das kann bezweifelt werden. Ich kann auch 2 + 2 = 0 sagen, (Thema Gruppen und Ringe in der Mathematik). Nimm einen magischen Würfel, der sich drehen lässt. Wenn du eine Ebene drehst hast du sobald der Würfel einrastet vier Möglichkeiten die wir mit 0,1,2,3 bezeichnen. Eine Drehung um 90° ist die Drehung um eine Kante. Dann ist 0+1=1, 1+1=2,2+1=3 und schließlich 2+2=0. Wir haben damit eine Gruppe vor uns, in der 2+2 halt nicht 4 ist.

Die Mathematik ist in der Tat nicht so sicher, wie das viele glauben, das konnte Gödel schließlich beweisen.

Ansonsten stimme ich mit dir in der Ablehnung der Todesstrafe überein.
Ich denke, wir leben immer in einer Welt von Axiomen die wir nicht als letztbegründete Wahrheiten beweisen können sondern für die wir uns entscheiden. Diese kreative Kraft unterscheidet uns eben von besagten Eintagsfliegen und erlaubt uns ein Rechtssystem aufzubauen, das Gewalt reduziert. In diesem Sinne ist die Abschaffung der Todesstrasse ein wichtiges Element, dass sicher nicht dem christlichen Denken widerspricht.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger


Zuletzt bearbeitet von Bürger am 15 Jan 2006 - 03:28:43, insgesamt einmal bearbeitet
physik-verrückt
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 18.12.2005
Beiträge: 730
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 00:14:10    Titel:

Kennen Sie das elfte gebot?


Sioe sollen den töten, wenn derjenige einen getötet hat!
Joe20
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 23.09.2005
Beiträge: 39
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 00:58:03    Titel:

Hallo coffeinjunky

Zitat:
Das AT hat noch genauso Bestand wie vor dem Leben Jesu


Ja.

Zitat:
NT ist die Neuinterpretation des Gesetzes


Erfolgt irgendwo eine Interpretation?
Die Theologen, die du gefragt hast, waren trotzdem sogar sehr gute, im Vergleich zu den anderen Theologen "unserer Zeit". Viele erzählen nur noch Märchen und haben die Bibel irgendwie "vergessen". Da wissen gemeine, einfache Christen, die Jesus echt lieben mehr als diese Theologen.

Zitat:
Sofern das NT im Widerspruch zum AT steht, gilt das NT.


Wo steht das NT zum AT im Widerspruch?

Zitat:
Schlußfolgerung: Für Christen gilt primär, was Christus gesagt hat. Erst nachrangig gilt, was im Alten Testament steht.


Jesus Christus lehrt für seine Nachfolger. Nicht für den Staat.
"Auge um Auge" gilt für den Staat, für die Staatsgewalt. (Wäre ja katastrophal, wenn der Staat nach "....halte auch die andere Backe hin" handeln würde). Wie "krass" muss es einem Menschen ergehen, der dich zusammenprügeln möchte und dir auf dein Gesicht knallt und du hältst es wieder hin... das ist noch brutaler, als, wenn man ihn schlagen würde (sehr hohe Demütigung!).

Es macht aber keinen Sinn, die Backe hinzuhalten, wenn du weißt, dass du schwächer bist als der, der dich schlägt. Dann gilt selbstverständlich:
Abhauen Smile (sonst bist du echt selber schuld!)

Verteidigen darf sich ein Jünger Jesu allenfalls und das muss er auch.
Nur: Wenn er sieht, dass er stärker ist, als der, der ihn schlagen will: Wozu? Hat er ja nicht nötig.

Nun stell' dir vor, dass du als ein Jünger Jesu eine Familie hast - und nun?
Natürlich musst du sie beschützen! Sonst wirst du schuldig.


Jesu Gesetze sind keineswegs "weich" sondern vielmehr lieblich, hart, gerecht und ungeheuchelt. (Man bedenke, wie Jesus die Händler aus dem Tempel mit einer Geißel wegjagte - was war das? Liebe zu den Menschen, Liebe zu Gott oder beides?...).
Freidenker
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 01:36:39    Titel:

Interessant, jetzt haben wir mit Joe20 auch mal nen christlichen Fundamentalisten hier! Sonst waren ja nur islamische Fundamentalisten hier. Normal müßte man die beiden jetzt irgendwie zusammenbringen! Das würde spassig werden!Very Happy

Immerhin wird anhand der von Joe20 gemachten Aussagen deutlich, wie sehr sich christl. Gedankengut von der humanistischen Lesart unterscheidet.

Joe20 schrieb:
Zitat:
3Mo 24,20
Bruch um Bruch, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einem Menschen einen Schaden zufügt, so soll ihm zugefügt werden.
Das ist die vollkommenste Gerechtigkeit!
Woran erkennst Du denn die vollkommenste Gerechtigkeit? Dazu müßtest Du erst mal einen unabhängigen Maßstab haben! Oder sagst Du einfach, was der liebe Gott sagt, kann ja nur richtig sein? Das würde bedeuten, daß Du gar nicht weißt, was die vollkommenste Gerechtigkeit ist, sondern eine Behauptung blind glaubst, ohne sie irgendwie prüfen zu können!

Wie weit es mit dieser Gerechtigkeitsdefinition her ist, kann man schon daran sehen, das sich das AT noch nicht mal selbst an diesen Grundsatz hält: 2.Mose 21,37 "Wenn jemand einen Ochsen oder ein Schaf stiehlt ..., der soll fünf Ochsen für einen Ochsen wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf."

Joe20 schrieb:
Zitat:
3Mo 20,10 Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.
Bemerkenswert daran ist, daß sich der Gott des AT noch nicht mal selber daran hielt, sondern König David beim Ehebruch selbst ganz offiziell straffrei davon kommen ließ. David war wohl etwas "gleicher" als andere.

Joe20 schrieb:
Zitat:
Aber in unserer Gesellschaft ist das NATÜRLICH "normaaal", wenn man Vater und Mutter schlägt und flucht... oder, wenn man mit einem Pferd Sex hat...
Die Gleiche Masche haben die Islamisten hier im Forum auch drauf. Irgendwelche Extreme anführen, um die Gesellschaft schlecht zu machen und die eigene Religion auf diese Weise als das einzig Rechtschaffende darzustellen. Ne ganz arme Nummer, undifferenziert und billige Schlechtrederei!

Joe20 schrieb:
Zitat:
Vergesst nicht, dass in der Bibel auch nach dem Tod das Leben weiterläuft. Wer hier nicht bestraft wird, der wird in der Ewigkeit seine höhere Strafe erwarten,...
Natürlich muß die Religion mit der Hölle drohen, sonst würde ja auch kein Mensch dabei bleiben.

Joe20 schrieb:
Zitat:
Da heutzutage Begriffe wie "Religion" oder "Gott" sehr bunt auftreten, muss mich hier klar bekennen zu Jesus...
Klar mußt Du Dich dazu bekennen, denn in Matthäus 10,33 droht Dir Jesus ja mit der Hölle, wenn Du es nicht tust. Soweit hat Dich Deine Religion schon versklavt! Ein stückweit tust Du mir Leid. Und das ist jetzt noch nicht mal abfällig gemeint.
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 02:27:56    Titel: WwJd?

Joe20 hat folgendes geschrieben:
Erfolgt irgendwo eine Interpretation?


Ja, denn im AT lag viel mehr das Prinzip des "hear and fear" vor. Also höre und fürchte dich vor Gott! Erst im NT wurde die gutmütige, sanfte, vergebende Seite Gottes richtig "vermarktet". Dies ist eine Neu-Interpretation im Sinne der Schwerpunkte und Gewichtung.

Ebenso wurde im AT bereits das Gebot der Nächstenliebe gepredigt (Leviticus?), was im Allgemeinen eher ein Schattendasein führte. Dann kam Jesus und hat es zum höchsten und wichtgsten Gebot aller Gebote erklärt.

Joe hat folgendes geschrieben:
Die Theologen, die du gefragt hast, waren trotzdem sogar sehr gute, im Vergleich zu den anderen Theologen "unserer Zeit". Viele erzählen nur noch Märchen und haben die Bibel irgendwie "vergessen". Da wissen gemeine, einfache Christen, die Jesus echt lieben mehr als diese Theologen.


Es waren Studenten der ev. Theologie. Ferner halte ich von Grabenkämpfen nichts, auch wenn ich immer wieder selbsternannte Christen sehe, die eher ein U-Boot-Dasein fristen und dir daher geneigt bin zuzustimmen. Doch sollte man sich davor hüten zu glauben, dass die eigenen Interpretationen die unumstößlich Richtigen sind.

Zitat:
Wo steht das NT zum AT im Widerspruch?


Nicht gemeint ist natürlich die Auslegung der Gesetze, wie sie zur Zeit Jesu vorherrschte und abgeändert wurde. Stichwort "Arbeit am Sabbat". Es gibt meines Wissens nach vier oder fünf Stellen im NT, die dem AT widersprechen. Aber ich habe mich ehrlich gesagt nie für das AT interessiert, daher kann ich jetzt keine direkten Quellen angeben.

Zitat:
Jesu Gesetze sind keineswegs "weich" sondern vielmehr lieblich, hart, gerecht und ungeheuchelt. (Man bedenke, wie Jesus die Händler aus dem Tempel mit einer Geißel wegjagte - was war das? Liebe zu den Menschen, Liebe zu Gott oder beides?...).


Vor allem aber muss man die Texte im historischen Kontext sehen. Was wäre wohl passiert, wenn Paulus im Römerbrief 13 1-5 etwas anderes geschrieben hätte? Besser noch Römer 13, 6 (die Stelle wird Freidenker gefallen!). Er wäre sofort von allen möglichen Staatsoberhäuptern gejagt und ermordet worden. Man muss immer und auch wirklich immer darauf achten, in welchem Kontext alles stattgefunden hat. In jeder normalen Textexegese macht man das ja auch.

Nun ja, muss langsam mal ins Bett. Also gute Nacht!

coffeinjunky
Joe20
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 23.09.2005
Beiträge: 39
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 11:38:59    Titel:

Hallo Freidenker

Zitat:
Woran erkennst Du denn die vollkommenste Gerechtigkeit?


2Mo 21,30 Falls ihm aber ein Sühngeld auferlegt wird, so soll er als Lösegeld für sein Leben alles geben, was ihm auferlegt wird.

Also haben hier die Richter Spielraum, trotzdem müssen sie sich an diese Grundsätze halten.

Zitat:
Dazu müßtest Du erst mal einen unabhängigen Maßstab haben!


Es gibt Ermessen, minderschwere Fälle usw.
siehe unten bei Maria ....

Zitat:
Oder sagst Du einfach, was der liebe Gott sagt,


Dieser Gott, der lieb ist, ist auch

ein Richter und ein Rächer. Und, ich kannte ihn auch nicht und fand seine Gebote und seine Art als unangemessen. Je mehr ich erkannte, welche Güte und welche Weisheit dahintersteckt, desto mehr konnte ich auch die Bücher Mose angemessen finden.

Zitat:
Das würde bedeuten, daß Du gar nicht weißt, was die vollkommenste Gerechtigkeit ist, sondern eine Behauptung blind glaubst, ohne sie irgendwie prüfen zu können!


Vergiss nicht, dass da nicht steht, wenn es nicht mit Absicht war...

Das hier musst du beachten:

3Mo 19,35-36

"Ihr sollt nicht Unrecht tun im Gericht, im Längenmaß, im Gewicht und im Hohlmaß.
Gerechte Waage, gerechte Gewichtsteine, gerechtes Efa und gerechtes Hin sollt ihr haben. Ich bin der HERR, euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten herausgeführt habe."

Also alles in Betracht ziehen. Auch, ob derjenige vielleicht verrückt ist...
Wie herrlich und gut sind diese Gesetzgebungen, müsse man sich vorstellen wann sie erlassen worden!

Zitat:
Wie weit es mit dieser Gerechtigkeitsdefinition her ist, kann man schon daran sehen, das sich das AT noch nicht mal selbst an diesen Grundsatz hält: 2.Mose 21,37 "Wenn jemand einen Ochsen oder ein Schaf stiehlt ..., der soll fünf Ochsen für einen Ochsen wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf."


Hier wird derjenige für sein Fehlverhalten bestraft. Und für den Schaden, den er ggf. angerichtet hat (viele leben von einem Schaf oder von Ochsen... und die entsprechenden Personen mussten vielleicht hungern oder waren einfach traurig... darum wäre unangemessen, wieder ein Schaf erstatten zu müssen.)

Es ist wichtig, dass du immer komplette Verse angibst, denn:

2Mo 21,37

Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und es schlachtet oder verkauft, soll er fünf Rinder erstatten für das <eine> Rind und vier Schafe für das <eine> Schaf.

Die Gebote mit "Auge um Auge, Zahn um Zahn" beziehen sich nicht auf Tiere.

Zitat:

Bemerkenswert daran ist, daß sich der Gott des AT noch nicht mal selber daran hielt, sondern König David beim Ehebruch selbst ganz offiziell straffrei davon kommen ließ. David war wohl etwas "gleicher" als andere.


Also, noch mal:

Dieser Maßstab gilt für den Staat. Aber, wenn Gott, der über dem Staat ist, es will, dann kann er einen freilassen. Wobei du bedenken musst, dass Gott nichts ungestraft lässt. David musste danach Jahre lang leiden, was schlimmer ist, als ein sofortiger Tod.

Genau so verhält es sich im Neuen Testament, als NUR Jesus Christus die Maria frei spricht:

Joh 8,7-11

"Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.
Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde.
Als sie aber <dies> hörten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand.
Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt?
Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!"

Der Staat darf nicht vergeben, Gott aber darf vergeben, da er auch alle Gründe kennt und auch in die Zukunft schauen kann.

Beispiel: Wenn ein 14jähriger Junge stiehlt, weil sein Vater es ihm seit seinen frühesten Jahren vorgemacht hat, dann ist der Junge nahezu unschuldig.

Zitat:
Die Gleiche Masche haben die Islamisten hier im Forum auch drauf. Irgendwelche Extreme anführen, um die Gesellschaft schlecht zu machen und die eigene Religion auf diese Weise als das einzig Rechtschaffende darzustellen. Ne ganz arme Nummer, undifferenziert und billige Schlechtrederei!


Ich weiß, dass bei weitem nicht alle so sind. Aber in unserer Gesellschaft ekelt man sich vielleicht davor, nicht mehr.
Es sollte bestraft werden, und zwar heftig. Und nicht: "80 Sozialstunden"

Zitat:
Natürlich muß die Religion mit der Hölle drohen, sonst würde ja auch kein Mensch dabei bleiben.


Darauf bezog sich meine Aussage nicht.

Wenn ein Mensch eine Todesstrafe bekommt, so ist sein Leben nicht vorbei. Für die Menschen, die nicht an die Bibel glauben, schon.

Aber: Er wird nach seinem Leben wieder vor ein Gericht gestellt werden.

Zitat:
Klar mußt Du Dich dazu bekennen, denn in Matthäus 10,33 droht Dir Jesus ja mit der Hölle, wenn Du es nicht tust. Soweit hat Dich Deine Religion schon versklavt! Ein stückweit tust Du mir Leid. Und das ist jetzt noch nicht mal abfällig gemeint.


Mt 10,33

Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

Hier wird deiner Meinung nach mit der Hölle gedroht, das stimmt nicht.
Jesus Christus wird keinen vor seinem Vater bekennen, der ihn verleugnet. Da wird noch lange nichts von Hölle gesagt.

Mein Bekenntnis hatte kaum was mit diesem Vers zu tun. Ich wollte mich von vielen Richtungen distanzieren.


@ coffeinjunky

Ich antworte dir später. Alles Gute!


Zuletzt bearbeitet von Joe20 am 15 Jan 2006 - 11:41:54, insgesamt einmal bearbeitet
physik-verrückt
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 18.12.2005
Beiträge: 730
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 11:41:48    Titel:

Jeses Christus existierte doch net, wie oft denn noch.



Hochachtungsvoll

physik-verrückt
Freidenker
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 12:46:30    Titel:

Joe20 schrieb:

Zitat:
Dieser Gott, der lieb ist, ist auch ein Richter und ein Rächer. Und, ich kannte ihn auch nicht und fand seine Gebote und seine Art als unangemessen. Je mehr ich erkannte, welche Güte und welche Weisheit dahintersteckt, desto mehr konnte ich auch die Bücher Mose angemessen finden.
Dein "finden" ist ja nun kein hinreichendes Prüfungskriterium, um zu bestimmen, was "vollkommenste Gerechtigkeit" ist. Dafür ist Dein menschliches Denken viel zu irrtumsanfällig. Um die Bücher Mose als "vollkommenste Gerechtigkeit" bezeichnen zu können, mußt Du schon mehr parat haben! Nicht nur subjektive Einschätzung!

Zitat:
Also alles in Betracht ziehen. Auch, ob derjenige vielleicht verrückt ist...
Wie herrlich und gut sind diese Gesetzgebungen, müsse man sich vorstellen wann sie erlassen worden!
Fast wörtlich gleich, reden die Islamisten von dem Koran. Solche Selbstbeweihräucherungen der eigenen Religion besagen gar nichts!

Zitat:
Die Gebote mit "Auge um Auge, Zahn um Zahn" beziehen sich nicht auf Tiere.
Wieso nicht? Wenn das Gesetz die "vollkommenste Gerechtigkeit" ist, braucht es keine Ausnahmen! Und wieso Auge um Auge, also das Verhältnis Tat/Strafe 1:1? Wieso nicht 1:2 oder 3:1? Warum bei Ochsen 1:5? Warum nicht 1:4? Noch nicht einmal das Verhältnis Auge um Auge, also 1:1 kannst Du ja begründen. Wie willst Du also begründen, daß die Bücher Mose die vollkommenste Gerechtigkeit wären?

Zitat:
Dieser Maßstab gilt für den Staat. Aber, wenn Gott, der über dem Staat ist, es will, dann kann er einen freilassen. Wobei du bedenken musst, dass Gott nichts ungestraft lässt. David musste danach Jahre lang leiden, was schlimmer ist, als ein sofortiger Tod.
Gott kann also die von ihm aufgestellten Gesetze brechen. Wenn sie aber wie Du sagtest, vollkommenste Gerechtigkeit sind, wäre Gott also ungerecht! Und wieso ist Leiden schlimmer als Tod? Unsinn! Das war schlicht und einfach ein Bruch der aufgestellten Gesetze! Andernfalls müßte man um der Gerechtigkeit willen jedem Ehebrecher die Wahl zwischen Leiden und Tod lassen!

Zitat:
Beispiel: Wenn ein 14jähriger Junge stiehlt, weil sein Vater es ihm seit seinen frühesten Jahren vorgemacht hat, dann ist der Junge nahezu unschuldig.
Woher nimmst Du diese Vorstellung von Schuld und Unschuld? Das ist eine willkürliche Gewichtung. Die Amerikaner wiederum gewichten den Schaden höher als die Schuldeinsicht des Täters. Alles subjektiv, weil Dir einfach der objektive Maßstab fehlt!
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Tookie Williams und die Todesstrafe
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11  Weiter
Seite 8 von 11

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum