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Die Zukunft unseres Bildungssystems
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 00:29:25    Titel: Die Zukunft unseres Bildungssystems

Hallo Leute,

anlass meines Threads ist ein sich anbahnender Streit der schleswigholsteinischen Großen Koalition über die Zukunft des entsprechenden Bildungssystems.

Kernforderungen sind von Seiten der Spd: Einführung von Gesamtschulen und Abschaffung des Sitzenbleibens (Ausnahme: an den Schnittstellen zwischen den Schulstufen).

Kernforderung von Seiten der CDU: Beibehaltung des derzeitigen dreigliedrigen Schulsystems.

Quelle: Kieler Nachrichten; "bessere" Quellen konnte ich leider nicht finden.

Nun meine Frage: was haltet ihr von der Einführung von Gesamtschulen bzw. von der Beibehaltung des gegenwärtigen Systems? Welche Gründe haben euch zu dieser Meinung bewogen? Und: habt ihr außer Wikepedia noch informative Quellen zu diesem Thema?

Mein Standpunkt ist folgender: ich bin für eine Einführung von Ganztagsschulen, da ich bis jetzt immer nur gehört habe, dass die moderne Pädagogik dies begrüßt; die Erfahrungen aus anderen Ländern diese Schulform als die bessere zu bestätigen scheint; ich dies sinnvoller halte als eine Unterteilung von Menschen in Schulformen (erinnert mich immer so an Aldoux Huxley) und ich (und jetzt kommt eigentlich mein Hauptanliegen) eigentlich überhaupt nicht weiß, was jemand dagegen haben könnte oder was er schlechtes darin sehen kann.

Also viel Spaß beim diskutieren.

Beste Grüße
coffeinjunky
borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 00:57:26    Titel:

das ist so die sache mit den gesamtschulen. in bawü war ich da auch noch fan von, da ich völlig falsch einsortiert wurde. nun in niedersachsen nachdem ich mit gesamtschülern diskutiert habe sieht das wie folgt aus:

- handikap niedersachsen: offensichtlich keine festen lehrpläne, die qualität der schule hängt sehr vom engagement und dem profil der schule ab. das finde ich schlecht, da es doch wichtig ist, dass wenigstens jedes bundesland einheitliche bildungsziele verfolgt.

- es gibt nicht "die gesamtschule" sondern eben diese "integrierten GS" (IGS) und die "kooperativen GS" (KGS).
zwischen beiden gibt es auch enorme unterschiede in der ausbildung. bei der einen sind gewissermaßen auch 3 schularten, nur unter einem dach und nebenfächer wie sport werden gemeinsam unterrichtet (wäre für mich jetzt nicht so der wahnsinnsfortschritt) die andere hat diese a, b und c kurse zwischen denen man dann theoretisch eingestuft wird. allerdings ist es wohl so, dass auch oftmals die schüler selbst, obwohl sie einen kurs höher gehen könnten, dies nicht tun weil sie in dem kurs freunde haben, den lehrer mögen, etc. also es funktioniert nicht so wie es gedacht war.

dennoch bin ich grundsätzlich für die aufhebung der schulartentrennung und diese m.e. schwachsinnige einstufung von 9-10jährigen in die schularten. aber die sache muss hand und fuß haben und nicht die alte trennung weiterführen. die schule muss darauf angelegt sein tatsächlich die kluft zwischen den deutschen schülern auszugleichen und m.e. geht das nicht bei einer halbtagsschule. eine gesamtschule sollte zugleich auch eine schule sein in der der unterricht bis 16h oder so geht (klar, mit hausaufgabenstunden) aber auch AGen sollten darin eigebettet sein und eine kooperation mit den lokalen Vereinen (Sport, Feuerwehr, DLRG, Trachten, Musik... alles) wäre sicherlich auch wünschenswert um das Angebot an Freizeitgestaltungsmöglichkeiten auszuweiten.

Dazu gehört dann aber auch eine Schulkantine - kostet wieder. Aber wenn man sich die Ernährungslage deutscher Kinder ansieht, die im Grunde auch die Schulteilung abbildet ("übergewicht ist bildungsabhängig") wäre das sowieso eine maßnahme die früher oder später kommen muss.

soviel erstmal... ein klares "JA! aber... " Wink
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 11:36:41    Titel:

Zur Gesamtschule:
Das bisherige 3-Schulen-System (Haupt-, Realschule, Gymnasium) ordnet den Menschen bereits sehr jung in Kategorien ein und legt damit z.T. seinen weiteren Lebensweg fest. Das finde ich nicht ok. Manche Schüler sind "Spätstarter". Solche Spätstarter holen die besseren Schüler in der Gesamtschule später dann wieder ein und würden dann auch Abi machen.

Ein weiterer Nachteil des bisherigen Systems ist, daß man später auf dem Arbeitsmarkt z.B. als Hauptschüler von manchen Berufen generell ausgegrenzt wird. Und zwar auf Lebenszeit. So kommt man z.B. als Hauptschüler nicht in eine Banklehre. Irgendwie erscheint mir das als eine Form der Diskriminierung.

Insofern sehe ich in der Gesamtschule eine Chance.


Zur Ganztagsschule:
Bei der Ganztagsschule frage ich mich, ob da nicht ein bischen zu viel Schule im Leben der Kinder ist. Überlastet man die Kinder da nicht zugunsten besserer schulischer Leistungen? Kann man den Kindern um der Leistung willen ein Stück ihrer Kindheit klaun? Für die Persönlichkeitsentwicklung ist sicher auch das bolzen auf dem Fußballplatz mit Kumpels wichtig.

Von daher bin ich eher gegen die Ganztagsschule.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 14:16:49    Titel:

Ich verstehe Ganztagsschule nicht (immer) als zusätzlichen Unterricht. In der zusätzlichen Schulzeit könnte z.B. Förderunterricht für schwache Schüler stattfinden (bisher als Nachhilfe von reichen Eltern privat gezahlt), es kann aber auch AGs geben (Astronomie-AG z.B. bei uns), es kann Sportgruppen geben oder einfach Betreuung und Hilfe bei Hausaufgaben (die sonst regelmäßig nicht gemacht werden würden).

Ich hatte mal für eine Klasse Förderunterricht in Buchführung angeboten. Das Angebot war zeitlich offen (1 oder 2 Stunden oder irgendwas dazwischen, je nach Menge der Fragen oder Themen). 4 oder 5 interessierte Schüler kamen. Es war HERRLICH. Als Lehrer könnte man glatt wieder einen Sinn in seinem Job sehen Wink.
Die Schüler mit der Sonderbetreuung haben sich in der Regel um 1 - 2 Noten verbessert. Klappt nicht immer. Manchmal finden sich einfach keine interessierten Schüler. Dann ists eben Pech, aber:
Wie viel Potenzial geht an unseren Schulen durch mangelhafte Förderung und große Klassen u.U. verloren? Ich denke darüber darf man sich mal Gedanken machen.

Den Hauptsinn der Ganztagsschule sehe ich vor allem auch in einer sinnvollen und aktiven Freizeitgestaltung. Das Problem existiert am Gymnasium unter Umständen nicht in DEM Ausmaß. Wenn ich mir aber das Klassenheftchen einer normalen Berufsfachschule im Metallbereich anschaue finde ich zum Thema Hobbies in der Regel die Eintragung: "rumhängen, saufen, Party machen" - Tätigkeiten die auch mal sein müssen bzw. dürfen. Diese aber als Hobbies auszuweisen, zeigt einen Mangel an geistiger Anregung.

Gruß
Pauker
trh
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Anmeldungsdatum: 04.09.2005
Beiträge: 570

BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 15:28:56    Titel:

Ich war früher selbst auf einer IGS, und ich fand das Niveau in der Mittelstufe viel zu flach, was sicherlich auch daran lag, dass die Klasse mehr oder weniger mit der Geschwindigkeit des schwächsten Schülers lernt. Ich glaube ab der 9. Klasse gab es dann Grundkurse und Erweiterungskurse, bei denen dann schwache "Hauptschüler" und "erweiterter Hauptschulabschluss" in die Grundkurse kamen.

Insgesamt halte ich das Konzept Gesamtschule für sinnvoll, allerdings sollte man ab der 7. Klasse die Schüler gemäss ihrer Leistungen stärker differenzieren und ab dort dann schon "EK" und "GK" einführen (natürlich können Schüler auch bei guten bzw. schelchten Leistungen zwischen den Kursen wechseln) - vielleicht auch sowas wie 2 gemeinsame Unterrichtsstunden, 2 getrennte - da gibt es sicherlich viele Möglichkeiten, aber bei uns wurden die besseren Schüler in der Mittelstufe unterfordert.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 08 Dez 2005 - 22:25:21    Titel:

Das ist eine Gefahr die existiert, aber in einer guten Schule durch zusätzliche Angebote - mehr Kurse, Aufbaukurse etc... - aufgefangen werden müssten.

Gruß
Pauker
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 09 Dez 2005 - 20:53:12    Titel:

Zitat:
Den Hauptsinn der Ganztagsschule sehe ich vor allem auch in einer sinnvollen und aktiven Freizeitgestaltung. Das Problem existiert am Gymnasium unter Umständen nicht in DEM Ausmaß. Wenn ich mir aber das Klassenheftchen einer normalen Berufsfachschule im Metallbereich anschaue finde ich zum Thema Hobbies in der Regel die Eintragung: "rumhängen, saufen, Party machen" - Tätigkeiten die auch mal sein müssen bzw. dürfen. Diese aber als Hobbies auszuweisen, zeigt einen Mangel an geistiger Anregung.


Was sind denn Klassenheftchen? Lässt du deine Schüler aufschreiben, was sie für Hobbies haben?

Aber wie würdest du denn den Einfluss des Elternhauses auf die Kinder und mögliche Gegenmaßnahmen im Rahmen der Schulstrukturierung sehen? Also Ganztagsschule im Sinne von prinzipiell mehr Unterricht oder mehr Hausaufgabenbetreuung oder zusätzliche Maßnahmen wie sozialpädagogische Einheiten oder ähnliches?
miriam84
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Anmeldungsdatum: 02.11.2005
Beiträge: 561
Wohnort: Wuppertal

BeitragVerfasst am: 09 Dez 2005 - 21:42:50    Titel:

An sich bin ich für die Ganztagsschule, aber klar für eine gewisse Trennung in verschiedene Schulformen.

Allerdings sollte man dies nicht so wie bisher bewerten, welchen Stand bestimmte Schüler am Ende der vierten Klasse haben. Man sollte auch mit einbeziehen, unter welchen Bedingungen dieser Stand erreicht wurde. Kinder aus sozial schwächeren oder noch nicht richtig integrierten ausländischen Familien einfach in die Hauptschule zu schicken kann ja wohl keine Lösung sein. Aber es kann auch nicht die Lösung sein, dass alle ein und dieselbe Schulform besuchen. Einige lernen schneller und einige langsamer, das weiß man aus Erfahrung. Wenn alle die gleiche Schulform besuchen, in der selben Klasse sind, kommt niemand weiter. Die Kinder, die schneller lernen kommen gar nicht dazu, weil die anderen ja auch mitkommen müssen. Und die die langsam lernen können mit dem Tempo der anderen kaum Schritt halten. Deswegen bin ich dafür, eine gewisse Trennung beizubehalten. Damit auch eine bessere Förderung stattfinden kann.

Positives Beispiel für Ganztagsschule an sich ist Frankreich, auch wenn das bedeutet, dass die Eltern während der drei Monate Ferien zwischen den Schuljahren besonders darauf achten müssen, dass die Kinder nicht bereits wieder alles vergessen. Aber dort wird keine Trennung vorgenommen, und einige Lehrer geben zu, dass das deutsche System in dieser Hinsicht viel besser ist.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 10 Dez 2005 - 02:28:22    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Was sind denn Klassenheftchen? Lässt du deine Schüler aufschreiben, was sie für Hobbies haben?


Nö, war ein Projekt der Deutschlehrerin in einer Berufsfachschulklasse Metall. Das sollte so etwas ähnliches werden, wie eine Abizeitung.

Ehrlich gesagt, ich hätte als betreuender Lehrer nicht den Mut gehabt, das Blättchen im Lehrerzimmer auszulegen. Davon konnte man Albträume bekommen.

Heute wurde wieder ein Kollege mit einem Tisch angegriffen. Das Tischbein ging ins Gesicht. Polizei war da.

Letzte Woche wurde der Meister einer Fleischerei, bei dem ein Schüler ein Praktikum machte, mit einem Messer bedroht.

Vor zwei Wochen hat einer meiner Schüler eine Bekannte totgefahren, weil er im Vollsuff in einer Kurve nicht mehr linken von rechten Fahrstreifen unterscheiden konnte.

Das ist nicht übertrieben und ich habe nicht die Vorfälle der letzten drei Jahre auf drei Wochen zusammen gefasst. Das IST so.

Tagtäglicher Irrsinn bei uns. Da läuft einiges schief. Aber vieles lässt sich nicht auf das Bildungssystem zurückführen, sondern auf eine generelle Verwahrlosung - auch daheim. Die Ganztagesschule, würde u.U. dieser Verwahrlosung entgegenwirken.

Gruß
Pauker
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 10 Dez 2005 - 22:53:02    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Tagtäglicher Irrsinn bei uns. Da läuft einiges schief. Aber vieles lässt sich nicht auf das Bildungssystem zurückführen, sondern auf eine generelle Verwahrlosung - auch daheim. Die Ganztagesschule, würde u.U. dieser Verwahrlosung entgegenwirken.


Eine Wahrheit, die in der öffentlichen Diskussion leider immer nicht auftaucht.
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