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Vollbeschäftigung: utopisch oder machbar?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Vollbeschäftigung: utopisch oder machbar?
 
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Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
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BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 22:30:45    Titel:

Was Du nicht genannt hast und meines Erachtens einen nicht unerheblichen Punkt darstellt, ist der Import von ungelernten Arbeitskräften, welche im Arbeitsmarkt nicht unterzubringen sind. Aber das an diesem Punkt unsere Einschätzungen auseinander gehen, haben wir ja bereits herausgefunden.

Den entscheidenden Punkt sehe ich in der Globalisierung. Würde man alle ausgewanderten Arbeitsplätze zusammenrechnen, käme man wahrscheinlich auf über 1 Mio..

Die Lohnkosten sehe ich nicht als entscheidend. Ein Porsche oder Mercedes verkauft sich auch mit den hiesigen Lohnkosten. Die Auswanderung der Firmen begründet sich vielfach nicht auf Unwirtschaftlichkeit unserer Löhne, sondern auf Profitgier durch Ausbeutung billig arbeitender Arbeiter in Billiglohnländern. Die Mindestlöhne in England liegen über den hier gezahlten Billiglöhnen. Dennoch läuft die englische Wirtschaft.

Der Bildungsgrad ist kaum noch steigerbar. Wir dürften im Vergleich mit anderen Staaten wohl ganz vorne liegen.

Die Immobilität der Arbeit ist irrelevant, da es überall in Deutschland genug Arbeitslose gibt.

Das Produktivitätswachstum schafft Arbeitslosigkeit, nur das Partizipieren der Allgemeinheit am Produktivitätswachstum funktioniert nicht ausreichend. Das PW sollte bei konstanter Bevölkerung die Finanzierung der demographischen Entwicklung ermöglichen. Das dies nicht klappt, ist ein Hinweis auf eine fehlende Regulierung.

Ertragserwartung -->siehe Lohnkosten

Die Sättigung der Märkte dürfte zusätzliche Arbeitsplätze verhindern. Wie ich in einem Posting weiter oben bemerkte, muß man neue Märkte schaffen.

Die Lohnnebenkosten werden von Erhöhung zu Erhöhung zunehmend ein Einstellungshemmnis. In welchem Maß vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt es mit Teilzeitstellen und Minijobs genug Möglichkeiten, die LN zu verringern.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 22:39:13    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Die Lohnkosten sehe ich nicht als entscheidend. Ein Porsche oder Mercedes verkauft sich auch mit den hiesigen Lohnkosten. Die Auswanderung der Firmen begründet sich vielfach nicht auf Unwirtschaftlichkeit unserer Löhne, sondern auf Profitgier durch Ausbeutung billig arbeitender Arbeiter in Billiglohnländern. Die Mindestlöhne in England liegen über den hier gezahlten Billiglöhnen. Dennoch läuft die englische Wirtschaft.


Die gleich Profitgier, die jeden von uns treibt beim "Geiz-ist-geil"-Markt ein zu kaufen.
Das sind zwei Seiten einer Medaille. Ich kann nicht über verlorene Arbeitsplätze in Deutschland klagen, auf der anderen Seite aber zum Billigprodukt aus Fernost greifen.
Unser aller historisch und international einzigartiger Wohlstand (Menge und Ausstattung an Konsumgütern wie Kühlschrank, Telefon, Computer, DVD-Player, Möbel,...) ist auf die Billigarbeitskräfte auf der ganzen Welt zurückzuführen. Oder glaubt hier jemand, dass man in Deutschland einen DVD-Player kostendeckend für 40 Euro produzieren kann?
Wir müssen uns im Klaren sein: der Konsument hätte es in der Hand, deutsche Waren (siehe AEG) verstärkt zu kaufen. Er müsste dafür aber tiefer in die Tasche greifen und damit auf erheblichen Wohlstand verzichten, weil er sich eben nicht mehr so viel leisten kann.

Erst wenn der Normalbürger die gleichen moralischen Maßstäbe bezüglich ökonomischen Verhaltens an sich setzt wie er es an andere (Unternehmen) tut, bin ich bereit Unternehmen über Gesetze u.ä. zu mehr Patriotismus zu verpflichten.
Ob uns das dann weiter hilft, sei dahin gestellt.

Gruß
pauker
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 23:02:29    Titel:

Pauker schrieb:

Zitat:
Unser aller historisch und international einzigartiger Wohlstand (Menge und Ausstattung an Konsumgütern wie Kühlschrank, Telefon, Computer, DVD-Player, Möbel,...) ist auf die Billigarbeitskräfte auf der ganzen Welt zurückzuführen.
Unser Wohlstand sollte meiner Meinung nach auch nicht auf Ausbeutung von Arbeitern in Billiglohnländer beruhen - sondern auf Steigerung der Produktivität! Das Maschinen schnell und billig für uns arbeiten, sollte unseren Konsum erhöhen. Momentan fließt diese Produktivitätssteigerung aber eher als Profit in die Taschen von Unternehmern. Hier ist Handlungsbedarf der Politik, oder wie Gysi es meinte, eine Steuer auf Wertschöpfung.

Zitat:
Erst wenn der Normalbürger die gleichen moralischen Maßstäbe bezüglich ökonomischen Verhaltens an sich setzt wie er es an andere (Unternehmen) tut, bin ich bereit Unternehmen über Gesetze u.ä. zu mehr Patriotismus zu verpflichten.
Ob uns das dann weiter hilft, sei dahin gestellt.
Moral funzt in der Wirtschaft nicht, weder bei Unternehmern, noch bei Konsumenten. Hier helfen nur übergeordnete Regelungen. Langfristig werden nur internationale Lohnstandarts Abhilfe schaffen. Deren Etablierung kann allerdings u.U. noch Generationen dauern. Bis dahin wird man die Profitgier der auswandernder Unternehmen nur mit Sanktionen bei der Einfuhr ihrer Waren oder mit einer Quote von inländischer Investition bei Absatz von Waren in der EU in die Schranken weisen können. Aber vielleicht gibt es noch weitere Reguliermöglichkeiten, die mir nicht einfallen.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 23:35:05    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Den entscheidenden Punkt sehe ich in der Globalisierung. Würde man alle ausgewanderten Arbeitsplätze zusammenrechnen, käme man wahrscheinlich auf über 1 Mio..


Wie bewertest du dann, dass jeder fünfte Arbeitsplatz in D eben von dieser Globalisierung abhängt, also vom Export?

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Die Lohnkosten sehe ich nicht als entscheidend. Ein Porsche oder Mercedes verkauft sich auch mit den hiesigen Lohnkosten. Die Auswanderung der Firmen begründet sich vielfach nicht auf Unwirtschaftlichkeit unserer Löhne, sondern auf Profitgier durch Ausbeutung billig arbeitender Arbeiter in Billiglohnländern. Die Mindestlöhne in England liegen über den hier gezahlten Billiglöhnen. Dennoch läuft die englische Wirtschaft.


Nun ja, viele Ökonomen angelsächischer Herkunft machen die gesunkenen Reallöhne in D für das schwache Wachstum verantwortlich. Andere wiederrum sagen zurecht, dass wir kaum ein Paket Schrauben für 10€ a 100 Stk kaufen würden, wenn nebenan die Packung für 1 € zu haben ist. Somit muss man wohl differenzieren.

Ich glaube, dass in den Bereichen der lohnintensiven Produktion (Fabrikarbeit, etc) zu hohe Lohnkosten wie in D nicht mehr finanzierbar sind. In anderen Bereichen magst du Recht haben, denn eine ausgebildete Fachkraft sollte "rentabel" genug sein.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Der Bildungsgrad ist kaum noch steigerbar. Wir dürften im Vergleich mit anderen Staaten wohl ganz vorne liegen.


Nun ja, wir wissen ja, dass wir hier andere Ansichten haben. Ein gewichtiges Argument ist doch aber auch, dass viele Unternehmen beklagen keine Bewerber zu bekommen, die auf den Platz passen würden. Dies machen sie an den mangelnden Umgangsformen und der mangelnden Allgemeinbildung fest. Dies war früher nicht so. Siehe den Bildungsthread.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Die Immobilität der Arbeit ist irrelevant, da es überall in Deutschland genug Arbeitslose gibt.


Hier stimme ich dir zu. Dies kann nicht das Hauptproblem sein.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Das Produktivitätswachstum schafft Arbeitslosigkeit, nur das Partizipieren der Allgemeinheit am Produktivitätswachstum funktioniert nicht ausreichend. Das PW sollte bei konstanter Bevölkerung die Finanzierung der demographischen Entwicklung ermöglichen. Das dies nicht klappt, ist ein Hinweis auf eine fehlende Regulierung.


Wie stellst du dir eine entsprechende Regulierung vor?

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Die Lohnnebenkosten werden von Erhöhung zu Erhöhung zunehmend ein Einstellungshemmnis. In welchem Maß vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt es mit Teilzeitstellen und Minijobs genug Möglichkeiten, die LN zu verringern.


Teilzeitstellen und Minijobs verringern die LN nicht, sondern erhöhen sie im Vgl zur Besetzung mit Vollzeitjobs. Oder vergleichst du mit dem Status des Alo?

Aus einer alten Vorlesungsunterlage geht hervor, dass die Löhne in D um 80% steigen könnten, wenn man alle tarifären und nicht-tarifären Lohnnebenkosten privatisieren würde (bei gleicher Kostensituation des Arbeitgebers).

Zu unserem alten Streitgespräch habe ich endlich gute Statistiken gefunden! Und zwar waren im März 2005 genau 1.730.214 Ausländer in D beschäftigt. Die Statistiken findest du unter:
http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/detail/b.html . Meine Zahl stammt aus "Beschäftigte - nach ausgew. Nationalitäten".
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 15 Jan 2006 - 23:49:30    Titel:

@W. Kaiser,

vielen Dank noch für die Beantwortung meiner Frage. Wie Du siehst, stehst Du mit Deiner Meinung zu meinen Thesen nicht allein. Ich glaube aber, dass wir mehr von den USA lernen sollten. Die beobachten permanent die Verhaltensweisen der so genannten Geringqualifizierten, entwickeln unter Einbezug diverser (sozialer und technologischer) Kombinationen aus den Ergebnissen tolle Produktideen und entsprechend boomt der Konsum. Viele dieser Produkte werden dann auch in der ganzen Welt verkauft, wobei man sich hier wundert, wie die auf ihre Ideen kommen. Das Thema „Vollbeschäftigung“ steht in den USA somit nicht an erster Stelle der Tagesordnung, weil dort auch die Wirkungen der sich lösenden Trennung zwischen (Erwerbs-) Arbeit und Konsum zuerst erkannt worden sind samt der daraus erforderlichen Schlussfolgerungen. Im Gegensatz zum Euro-Land, sind uns die USA mindestens um 10 bis 20 Jahre voraus. Schließlich sollen die USA auch über die besten Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler verfügen, die oben genannte Vorgehensweisen und noch viel, viel, viel mehr auf interdisziplinärer Voraussicht entwickeln.
Aber nochmals vielen Dank für Deine freundliche Stellungnahme.

DN
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 00:24:20    Titel:

Hallo Dirk,

Dirk Nerge hat folgendes geschrieben:
Das Thema „Vollbeschäftigung“ steht in den USA somit nicht an erster Stelle der Tagesordnung, weil dort auch die Wirkungen der sich lösenden Trennung zwischen (Erwerbs-) Arbeit und Konsum zuerst erkannt worden sind samt der daraus erforderlichen Schlussfolgerungen.


Welche Wirkungen und Schlußfolgerungen sind dies denn? Es wäre sicherlich hilfreich für die weitere Diskussion hier und für meine persönliche Neugierde.

Mit freundlichen Grüßen
coffeinjunky
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 00:39:32    Titel:

coffeinjunky schrieb:

Zitat:
Wie bewertest du dann, dass jeder fünfte Arbeitsplatz in D eben von dieser Globalisierung abhängt, also vom Export?
Hier trenne ich Globalisierung vom Export. Globalisierung verbinde ich eher mit Öffnung der EU zu Billiglohnländern wie Polen, Ungarn, Tschechien und der damit einhergehenden Firmenabwanderung. Export dagegen hatten wir schon vorher. Würden die exportierten Güter nicht nur hier zusammengebaut und in den Billiglohnländern die Teile gefertigt, sondern Teile und Zusammenbau hier bewerktstelligt, würden hier mehr Arbeitsplätze existieren. Auch darf man nicht vergessen, daß ein Großteil unserer Exporte nicht in Übersee, sondern innerhalb der EU verkauft werden. Was wir z.B. an Frankreich verkaufen, wird jetzt nicht mehr komplett hier gefertigt, sondern z.T. in Polen. Nicht weil die Marktlage die Unternehmen zwingt, sondern weil ihr Profit so höher ist.

Zitat:
Ein gewichtiges Argument ist doch aber auch, dass viele Unternehmen beklagen keine Bewerber zu bekommen, die auf den Platz passen würden. Dies machen sie an den mangelnden Umgangsformen und der mangelnden Allgemeinbildung fest. Dies war früher nicht so. Siehe den Bildungsthread.
So viele, so spezielle Stellen für die man unter 7 Mio. Arbeitslosen nichts findet, gibt es hier sicher nicht. Frag doch mal, warum Arbeitgeberverbände nach der Greencard für indische Informatiker riefen, während 30000 deutsche Informatiker keinen Job fanden! Wenn Du das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften erhöhst, sinkt der Preis bzw. der Lohn. Siehe Angebots- und Nachfragekurve. Merke: Traue einem Arbeitgeber nicht! Very Happy

Zitat:
Wie stellst du dir eine entsprechende Regulierung vor?(bzgl. Produktivitätswachstum)
Gysi schlägt eine Steuer auf Wertschöpfung vor. Um die Menschheit insgesamt und nicht nur ein paar Unternehmer von der Automation profitieren zu lassen, muß eine Umverteilung stattfinden. Ich fürchte aber, solche Regelungen funzen bei einem freien Weltmarkt nicht. Von daher sehe ich auch das Heil in einem EU-Binnenmarkt mit eigenen Regeln, Lohnstandarts und Steuersystemen. Wenn die Welt sich angeglichen hat, kann man diesen Binnenmarkt erst öffnen. Das kann allerdings viele Jahrzehnte dauern. Du bist doch VWL´ler! Was fallen Dir denn so für Regulierungen ein?


Zitat:
Teilzeitstellen und Minijobs verringern die LN nicht, sondern erhöhen sie im Vgl zur Besetzung mit Vollzeitjobs. Oder vergleichst du mit dem Status des Alo?
Hm, das ist mir neu. Ein Minijobber hat pauschal 20% SV-Leistungen und i.d.R. weniger Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld (bzw. gar keinen). Teilt man eine Vollzeitstelle mit über 20% SV-Anteil auf mehrere Minijobs, dürfte sich unterm Strich eine Minderbelastung des Arbeitgebers ergeben. Dieser Logik folgend, stellte zumindest mein letzter Arbeitgeber ein!

Den von Dir angegebenen Link kann ich momentan leider noch nicht anschauen, da mir das Excel-Programm fehlt. Aber vielleicht leiht mir eine Verwandte demnächst das Programm.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 01:37:18    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
So viele, so spezielle Stellen für die man unter 7 Mio. Arbeitslosen nichts findet, gibt es hier sicher nicht. Frag doch mal, warum Arbeitgeberverbände nach der Greencard für indische Informatiker riefen, während 30000 deutsche Informatiker keinen Job fanden!


Na gut, das Bsp war aus den Diskussionen um die prekäre Lage am Ausbildungsmarkt. Das hätte ich vielleicht erwähnen sollen.

Zitat:
Gysi schlägt eine Steuer auf Wertschöpfung vor. Um die Menschheit insgesamt und nicht nur ein paar Unternehmer von der Automation profitieren zu lassen, muß eine Umverteilung stattfinden. Ich fürchte aber, solche Regelungen funzen bei einem freien Weltmarkt nicht. Von daher sehe ich auch das Heil in einem EU-Binnenmarkt mit eigenen Regeln, Lohnstandarts und Steuersystemen.


Eine Steuer auf Wertschöpfung, hmm. Interessante Idee. Ich befürchte nur, dass gerade dadurch noch mehr Unternehmen abwandern. Vielleicht muss man einfach alles radikal anders machen. Wie Götz Werner zum Beispiel vorschlug: alle Steuern abschaffen bis auf die Mehrwertsteuer, diese auf 45% setzen und dann Grundeinkommen einführen. Das wäre auf alle Fälle eine Reform! Aber meine Idee ist einfach, dass unser Hauptkapital das Humankapital ist. Solange wir in Bildung und Forschung Spitze sind und dies auch bleiben, haben wir noch Hoffnung. Neue Märkte, sprich neue Technologien erschließen sich nur durch Brainpower, nicht durch Zucker. Wink

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Wenn die Welt sich angeglichen hat, kann man diesen Binnenmarkt erst öffnen. Das kann allerdings viele Jahrzehnte dauern. Du bist doch VWL´ler! Was fallen Dir denn so für Regulierungen ein?


Ich würde auch dazu tendieren, die Eu nicht weiter expandieren zu lassen sondern zuerst innerhalb der Eu den Ausgleich zu suchen. Auch die Osterweiterung war mir ein Dorn im Auge, aber daran kann man nun nichts mehr machen. Tendentiell bin ich aber auch für eine Abschaffung der Nationalstaaten und einem einheitlichen europäischen Staat im Sinne eines zentralistischen Aufbaus wie es Frankreich z.B. hat. Das wäre meine Vision, neben dem Replikator, versteht sich. Very Happy


Zitat:
Ein Minijobber hat pauschal 20% SV-Leistungen und i.d.R. weniger Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld (bzw. gar keinen). Teilt man eine Vollzeitstelle mit über 20% SV-Anteil auf mehrere Minijobs, dürfte sich unterm Strich eine Minderbelastung des Arbeitgebers ergeben. Dieser Logik folgend, stellte zumindest mein letzter Arbeitgeber ein!


Ok, Mißverständnis. Ich meinte natürlich die Summe in der SV verringert sich durch die Expansion von Minijobs. Daher kommt es zu Anstiegen der Beitragssätze, wodurch Arbeit wieder teurer wird, wodurch die Minijobs weiter zunehmen... . Aus Sicht des AG verringert sich natürlich die Belastung. Habe mich da wohl nicht deutlich genug ausgedrückt.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Den von Dir angegebenen Link kann ich momentan leider noch nicht anschauen, da mir das Excel-Programm fehlt. Aber vielleicht leiht mir eine Verwandte demnächst das Programm.


Mit diesem hier müsste es auch gehen:
http://www.soft-ware.net/office/office/tabellen/p04520.asp
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 12:31:03    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Hier trenne ich Globalisierung vom Export. Globalisierung verbinde ich eher mit Öffnung der EU zu Billiglohnländern wie Polen, Ungarn, Tschechien und der damit einhergehenden Firmenabwanderung. Export dagegen hatten wir schon vorher. Würden die exportierten Güter nicht nur hier zusammengebaut und in den Billiglohnländern die Teile gefertigt, sondern Teile und Zusammenbau hier bewerktstelligt, würden hier mehr Arbeitsplätze existieren.


Du unterstellst dem Export eine feste Grösse zu sein. Aber er hängt ab von der Nachfrage, welche sich wiederum über den Preis ergibt. Wenn die Exportgüter komplett in Deutschland gefertigt und montiert würden, würde der Export abnehmen, da sie teurer in der Herstellung wären.
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 13:18:40    Titel:

Sheep schrieb:

Zitat:
Du unterstellst dem Export eine feste Grösse zu sein. Aber er hängt ab von der Nachfrage, welche sich wiederum über den Preis ergibt. Wenn die Exportgüter komplett in Deutschland gefertigt und montiert würden, würde der Export abnehmen, da sie teurer in der Herstellung wären.
Das stimmt dann, wenn die Unternehmen ihre Kosteneinsparung 1:1 an den Verbraucher weitergeben würden. Allerdings wäre dann ihr durch den Umzug erhoffter Gewinn zum Teufel. Also versuchen sie bei möglichst gleichem Endpreis mit geringeren Kosten höhere Gewinne zu erzielen. Oder ist der Porsche in letzter Zeit billiger geworden?
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