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Vollbeschäftigung: utopisch oder machbar?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Vollbeschäftigung: utopisch oder machbar?
 
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 21:28:16    Titel:

Um nochmal auf die ursprüngliche Diskussion zurückzukommen:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Dann sind wir uns aber einig und mit uns wahrscheinlich die meisten Fachleute. Eine Vollbeschäftigung ohne staatliche Eingriffe dürfte nicht mehr möglich sein. Die Frage ist aber, welche staatlichen Förderungen könnten zu einer vollbeschäftigungsnahen Situation führen?


Im Nachbarthread haben wir ja die Diskussion über ein Grundeinkommen in Ausprägung der negativen Einkommenssteuer. Nach einigen Meinungen soll dieses ja gerade den Anspruch an Löhnen zur Existenzsicherung aufheben und somit einen wahrhaft freien Arbeitsmarkt, d.h. mit vollkommen flexiblen Löhnen, bereitstellen. Wäre dies nicht eine Maßnahme?

Eine weitere Maßnahme ist indirekt durch das Konzept des SVR begründet. Er möchte kommunale Beschäftigungsagenturen schaffen, die alle Arbeitslosen beschäftigen und bei gleichzeitiger Kürzung der Leistungen das alte Niveau garantieren. Soll heißen: aus angebotsideologischen Gründen werden die Leistungen (gemeint: ALGII) unter das Existenzminimum gesenkt, dann wird realisiert, dass die Leute trotzdem arbeitslos bleiben und dann werden sie an kommunalen Beschäftigungsagenturen überstellt, für die sie dann arbeiten und ein Zuverdienst realisiert wird.

Der Unterschied zum heutigen Status ist, dass bei gleicher Leistung die Alo für den Staat arbeiten müssen. Freidenker nannte es Zwangsarbeit oder Sklavenarbeit glaube ich (nur um nicht einseitig zu erscheinen).

Ich bezweifle, dass die gegenwäritg diskutierten Modelle des Kombilohnes etwas bringen werden. Aber sehe ich es richtig, dass ein Konsens besteht in dem Gedanken, dass Geringqualifizierte nur noch über einen Niedriglohnsektor zu beschäftigen sind?
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 22:11:34    Titel:

coffeinjunky schrieb:

Zitat:
Ich bezweifle, dass die gegenwäritg diskutierten Modelle des Kombilohnes etwas bringen werden. Aber sehe ich es richtig, dass ein Konsens besteht in dem Gedanken, dass Geringqualifizierte nur noch über einen Niedriglohnsektor zu beschäftigen sind?
So schnell würde ich nicht aufgeben. Ich glaube schon, daß man viele (vielleicht nicht alle) Geringqualifizierte wieder in angemessen bezahlte Arbeit bringen kann. Jedoch nicht mit den üblichen Maßnahmen wie Minijobs, Unternehmenssteuerreform usw.. Da sind umfangreiche, unkonventionelle Maßnahmen nötig. Wie die aussehen können, habe ich ja weiter oben bereits vorgestellt.

Von Kombilohn halte ich auch nichts. In diesem Punkt stimme ich dem (ungeliebtem) SVR zu, daß es da zu große Mitnahmeeffekte geben wird.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 22:21:14    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
In diesem Punkt stimme ich dem (ungeliebtem) SVR zu, daß es da zu große Mitnahmeeffekte geben wird.


Ich denke, der SVR ist dir gar nicht mal so ungeliebt, wie du denkst. Du hast nur die richtigen Seiten nicht gefunden. Suche mal nach "der anderen Meinung", da wird dein Herz sicher höher schlagen. Wink
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 16 Jan 2006 - 23:02:25    Titel:

Sheep schrieb:

Zitat:
Und wieviel verdiente jemand in Thailand vor der Globalisierung ? Mit 6-7% Wachstumsrate in der Wirtschaft, Arbeitslosenquote bei 2,2% und ständig steigenden Reallöhnen, fällt mir schwer, aus "sozialer Betroffenheit" der Industriearbeiterin den Job zu nehmen und ihrem Land den Weg in den Wohlstand zu blockieren.
Bevor die Thailänder über Gewerkschaften zu Löhnen wie bei uns kommen, wandern die Unternehmen zum nächsten Billiglohnland weiter.

Pauker schrieb:
Zitat:
Ich sehe die Globalisierung nicht erst seit heute. Nur die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Deutschland hat 50 Jahre von der Globalisierung per Export profitiert.
Ich dachte, Deutschland hat von den qualitativ überdurchschnittlich guten Produkten von wegen "Made in Germany" profitiert.

Pauker schrieb:
Zitat:
Ob 4 Euro in Thailand viel oder wenig sind, hängt vom Preisniveau dort ab.
Richtig, die Lebenshaltungskosten müssen bei der Entlohnung berücksichtigt werden. Doch nicht nur die! Die Arbeiter sollten an ihrer Wertschöpfung beteiligt sein. Bei 4 Euro können wir das allerdings ausschließen. Hier wird der Lohn vom Gewinn abgekoppelt. Immerhin haben in Europa die Gewerkschaften jahrzehntelang gekämpft, um eine Beteiligung zu erstreiten.

Pauker schrieb:
Zitat:
Warum hat der Unternehmer inakzeptable Vorteile? Ich sehe einen Pleitenrekord in Deutschland. Der kostet nicht nur Arbeitsplätze sondern auch Unternehmerexistenzen
Zunächst mal halte ich natürlich nicht den Kioskbesitzer von nebenan als Profiteur der Globalisierung, sondern die international agierenden Unternehmen, Siemens, VW, Grohe usw..
Unternehmen haben für die Allgemeinheit den Zweck, durch die Arbeitsplätze und den daraus enstehendem Einkommen für allgemeinen Wohlstand zu sorgen. Im Gegenzug entsteht für den Unternehmer eine reizvoller Gewinn - also eine Art Symbiose. Die Globalisierung schafft Verhältnisse, die dem Unternehmer den inakzeptablen Vorteil verschaffen, die Arbeitnehmer und damit den größten Teil der Allgemeinheit für seine persönliche Bereicherung ausbeuten zu können ohne das es zu allgemeinem Wohlstand kommt. Die Wertschöpfung erfüllt nicht ihren eigentlichen Zweck und wird statt dessen pervertiert. Meiner Meinung nach ist es Aufgabe der Regierungen, so einer Entwicklung entgegen zu wirken. Das kann ich in unserer Politik allerdings nicht entdecken.
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 02:42:33    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Doch nicht nur die! Die Arbeiter sollten an ihrer Wertschöpfung beteiligt sein. Bei 4 Euro können wir das allerdings ausschließen. Hier wird der Lohn vom Gewinn abgekoppelt. Immerhin haben in Europa die Gewerkschaften jahrzehntelang gekämpft, um eine Beteiligung zu erstreiten.


Also eine Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer an den Unternehmen?
Freidenker
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 11:46:56    Titel:

coffeinjunky schrieb:

Zitat:
Also eine Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer an den Unternehmen?
Das Kapital, welches der Arbeitnehmer in das Unternehmen einbringt, ist seine Arbeitskraft, sein Organisationstalent, seine Ideen, seine Gesundheit, die Verkürzung seiner Lebenserwartung durch die Härte der Arbeit, etc.
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 12:25:37    Titel:

Aber wäre eine Kapitalbeteiligung an den Unternehmen nicht die Korrektur dessen, dass die Löhne von den Gewinnen abgekoppelt sind? Stell dir das auch mal unter dem Aspekt der Verhandlungsmacht der AN ggü den AGs vor. Wäre dies nicht eine sinnvolle Alternative?
Freidenker
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 13:27:05    Titel:

Ja, da stimme ich Dir zu.

Diese Idee hatte ich ja damals in meinem Thread der "Alternativen Unternehmensformen" ebenfalls verfolgt.

Das Problem dabei ist, daß sich die Unternehmer in der Vergangenheit durch ihre Schlüsselposition den Löwenanteil des erarbeiteten Kapitals gesichert haben. Der AN hat meißtens kaum Kapital, kann sich also auch kaum ins Unternehmen einkaufen. Zumindestens nicht in solchen Staaten wie Thailand.

An dem Punkt wird auch deutlich, wie wichtig es ist, daß der AN den AG finanziell nicht zu stark werden läßt, denn Geld ist Macht und Macht sichert einen besseren Verteilungsschlüssel bei der Verteilung der Wertschöpfung. Was passiert, wenn die Vermögensdifferenz zwischen AN und AG zu groß wird, sehen wir in Südamerika.
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 13:40:12    Titel:

Ich habe gerade endlich einen sehr wissenschaftlichen ausgearbeiteten Beitrag des IAB gefunden zur Zukunft der Gering-Qualifizierten. Dort wird meine These, dass Bildung das eigentliche Problem ist, relativ stark untermauert. Falls es jemanden interessiert:

http://library.fes.de/pdf-files/asfo/01578.pdf
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 17 Jan 2006 - 14:25:48    Titel:

Die Friedrich-Ebert-Stiftung gehört meines Wissens zur SPD. Das erklärt dann wohl auch, warum sie die Hartz-Komission und Maßnahmen wie Personal-Service-Agenturen und Ich-AGs als innovativ bezeichnet. Maßnahmen, die mittlerweile als Flop gelten. Insofern darf die Wissenschaftlichkeit wohl etwas angezweifelt werden.

Abgesehen davon bin ich aber auch der Ansicht, daß Bildung die Vermittlungschancen deutlich erhöht.

Müßte man also nicht die Ausbildung bzw. das Studium fördern? Das Gegenteil ist eher der Fall. Die von Kohl im großem Umfang durchgeführten Umschulungen sind großteils gestrichen worden (wegen Effektlosigkeit und Kostengründen) und das Studieren wird durch die zukünftigen Studiengebühren eine kaum bezahlbare Sache.

Gegenvorschlag: Keine Studiengebühren, kostenloses Studieren an Fernunis wie z.B. Fernuni Hagen. Finanzierung erfolgt durch Verhinderung von Steuerverschwendung. Arbeitslose werden beim Nachholen von Abi und Studium gefördert. Studieren statt Spargelstechen! Very Happy
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