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Vollbeschäftigung: utopisch oder machbar?
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 18 Jan 2006 - 16:56:13    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Indem sie Armut einfach weiter nach unten definieren. 1999 wurden ca. 25% der amerikanischen Haushalte dem "low income" ("Niedriglohn") zugeordnet. In den USA bedeutet das aber ein Einkommen von weniger als 25000$ pro Jahr. Mit diesen Masstäben hätten im Sozialstaatswunder Schweden über 40% der Haushalte Niedriglohneinkommen.


Wie sind denn die Lebenshaltungskosten? Kaufkraftparitäten?

Die Frage ist für mich gerade folgende: haben die anderen Länder einfach nur Niedriglohnsektoren geschaffen und subventionieren die dort arbeitenden oder gibt es in irgendeinem anderen Land ein besonderes Rezept gegen die Alo?
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 19 Jan 2006 - 07:31:05    Titel:

Hallo coffeinjunky,

Du hast geschrieben:

Zitat:
Und um eine Resonanz zu geben: es ist richtig, dass im Sinne von Marktforschungsstudien alle Bevölkerungsschichten beobachtet werden um die bessere Anpassung der Unternehmen an die Kundenbedürfnisse zu erreichen. Den konkreten Wertschöpfungsprozeß sehe ich da aber eher bei den Beobachtenden und nicht bei den Beobachteten.


Es ging ja eigentlich eher darum, soweit wirst Du sicherlich mein Vorbringen verstanden haben, ob von Konsumenten ökonomische Innovationspotenziale ausgehen können. Ich hatte dazu diverse Beispiele (auch im Grundeinkommen-Thread) genannt, die aber hier vollständig - mit Ausnahme von W. Kaiser - verneint worden sind. Dein obiges, aus dem Zusammenhang gerissenes Vorbringen ist ja nur eine wiederholte Auflage dieser Verneinungen.

Nehmen wir also als weiteres Beispiel das Markenrecht, um Dir zu zeigen, wie der Gesetzgeber gewisse Grundlagen geschaffen hat, um die von Konsumenten ausgehenden Innovationspotenziale zu fördern. Das Markenrecht ermöglicht nämlich seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auch Nicht-Gewerbetreibenden die Anmeldung von Markennamen. Demnach kann sogar ein Geringqualifizierter, ein Maurer, ein Schlosser, ein Betonbauer, ein Frisör, aber natürlich auch ein Studienrat, ein Arzt, ein „coffeinjunky“( ich recherchiere gleich, ob es den Namen schon in den Anmeldelisten gibt) usw., also jedes volljährige Mitglied der Gesellschaft einen Markennamen, ein Markenzeichen, einen Werbespruch etc. kreieren, anmelden und als schutzwürdiges Gut an ein interessiertes Unternehmen verkaufen.

Der Wertschöpfungsprozess liegt anhand obigen Beispiels nicht nur bei den Marktforschern, sondern beginnt definitiv bei den Konsumenten, die außerhalb der Erwerbsarbeit, entsprechend jenseits ihres beruflichen Leistungsbereiches, eine vielleicht nur simpel erscheinende Idee, auf die aber möglicherweise der Fachmann nicht gleich gekommen wäre, gefunden, erfunden - oder wie auch immer - haben. Der Gesetzgeber hat die Neuregelung, die nun schon bald zehn Jahre besteht, eingeführt, um auch die Vielfalt der Markenideen zu erhöhen, weshalb ein breiteres, auch in der Sache gegebenenfalls laienhaftes Publikum in den Wertschöpfungsprozess einbezogen ist.

Was ich damit letztendlich sagen möchte: Potenziale der Wertschöpfung beruhen nicht nur auf Prinzipien der beruflichen Arbeitsteilung und dem darauf basierenden - in unserem Kulturkreis geltenden - Arbeitsethos, sondern können „überall“ vorhanden sein und lediglich durch Zufall bzw. „aus dem Moment heraus“ entstehen. Deshalb muss man nicht unbedingt studiert haben. Das sollte hier durch das Beispiel des Markenrechts bzw. den daraus entstehenden Möglichkeiten für den Wertschöpfungsprozess etwas näher gebracht werden.

Ich begreife einfach nicht, weshalb in diesem Forum obige Sichtweisen abgelehnt werden, hat doch der Gesetzgeber die davon ausgehende Dynamik längst erkannt und teilweise ermöglicht. Ich habe es nur etwas zugespitzt. Na und?

DADA-Dirk (gilt nur für heute)

P.S. Auf Deine Vorwürfe möchte ich nicht weiter eingehen, denn Du hattest mir erst vor ein paar Tagen bestätigt, dass meine Beiträge von Qualität zeugen würden.
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 24 Jan 2006 - 22:16:49    Titel:

„Verschenkte Werte II“

@Pauker,
@coffeinjunky,

wie gesagt, die Effizienz der direkten Einbeziehung von Konsumenten in diverse Innovationsprozesse habt Ihr strikt verneint, obwohl nicht nur in wissenschaftlichen Bereichen die Erkenntnis zumindest im Ansatz besteht, dass kulturelle Dimensionen nicht getrennt zu sehen sind und somit nur ein entgrenzendes Denken und Handeln Innovationen auslösen kann. Hinsichtlich des Verhältnisses von Arbeit und Konsum hatte ich ja schon die Beispiele des „Customer Relationship Management“ und des modifizierten Markenrechts genannt. Ein weiteres Beispiel lässt sich als „Science in the Wild“ bezeichnen, das etwas ausführlicher von Claire Craig in der Februarausgabe (2006) des „Harvard Business manager“ beschrieben ist.

Auch mein Beitrag „Verschenkte Werte“ behandelt die zunehmende Entgrenzung von Unternehmung und Konsument, soll heißen, dass in Umkehrung des Inhaltes meines Beitrags ebenso eine Unternehmung oder auch der Staat möglicherweise Werte verschenkt bzw. nicht aufgreift, wenn sich Wertschöpfung allein durch Erwerbsarbeit definiert.

Die unendlichen Potenziale des „kollektiven Gedächtnisses“ bleiben weitgehend ungenutzt, solange es nur als Konserven-Laden der Ideen, nämlich alles schön nach Genres getrennt und geordnet – also so gestaltet, wie das Leben eben nicht spielt – gebraucht wird. Hierzu hatte ich bereits an anderer Stelle (Bildungs-Thread) von den einengenden Wirkungen der „euklidischen Geometrie“, die unser Denken maßgeblich bestimmt, gesprochen.

Schließlich darf es auf Grund der Tendenz zur Entgrenzung kultureller Dimensionen für die ökonomische Entwicklung als fatal bewertet werden, wenn sozialen Milieus schon eine Teilhabe an der Entstehung des Wertschöpfungsprozesses generell abgesprochen wird, wie Ihr es macht. Diesbezüglich erinnere ich nochmals an mein Beispiel mit den „geringqualifizierten Baumwollpflückern“, die eine wesentliche Voraussetzung für die uns bestimmende Pop-Kultur geschaffen haben. Ebenso stammt ein Großteil späterer Pop- und Rockmusik von Mitgliedern der Unterschicht oder unteren Mittelschicht. Das kulturelle und ökonomische Gewicht dieser musikalischen Erfindungen dürfte uns wohl bewusst sein. Und somit wird auch hier deutlich, dass Wertschöpfungspotenziale „überall“ zu finden sind und nicht nur durch Erwerbsarbeit und Bildung entstehen: alles steht miteinander in „Konflikt und Kreuzung“, manche sprechen diesbezüglich unter anderem auch von Synkretismus oder (intra-) kulturellen Vernetzungen.

Komme ich abschließend noch zur Frage von coffeinjunky, welche Schlussfolgerungen denn in den USA aus der sich abzeichnenden Entgrenzung zwischen Erwerbsarbeit und Konsum gezogen werden. Aus meiner Sicht hätte coffeinjunky zunächst fragen müssen, wie sich diese Entgrenzungen bemerkbar machen. Denn nach seinen eigenen Ausführungen wurde dieser Sachverhalt in unserer Diskussion noch gar nicht behandelt, allerdings von mir des öfteren erwähnt. Ich weiß also nicht genau, ob er auch der Ansicht ist, dass eine oben genannte Entgrenzung tatsächlich beobachtet werden kann. Wäre coffeinjunky dieser Ansicht, hätte er sich in weiten Teilen seines Vorbringens von bekannten Klischees getrennt. Ich darf also annehmen, dass er eine Entgrenzung im obigen Sinne nicht sieht.

Deshalb genügt es hier, einen wesentlichen in den USA bestehenden Vorteil anzuführen, der die flexibleren Verhaltensweisen der Bevölkerung und somit die Fähigkeit zu schnelleren und effektiveren Erkenntnissen erklärt. Diesbezüglich kann Bezug auf die Persönlichkeitsstruktur nach Kurt Lewin genommen werden. Demnach verfügt zwar jeder Mensch über einen Persönlichkeitskern und eine Persönlichkeitsperipherie, doch der Kern ist beim pauschalen US-Amerikaner im Vergleich zum pauschalen Deutschen kleiner und die Peripherie größer. Die größere und aus mehreren Schichten bestehende Persönlichkeitsperipherie dient entsprechend als mehrhäutiges Schutzschild vor Angriffen und Verletzungen des kleineren Persönlichkeitskernes, wodurch eine weniger einengende und gleichzeitig flexiblere Anpassung an das soziale Umfeld erfolgt. Somit ist das Individuum weniger blockiert und ermöglicht eine effektivere Einsicht in Geschehnisse und deren Veränderbarkeit. Individuelle Bewegungsabläufe lassen dadurch größere Freiräume bzw. Gestaltungsmöglichkeiten zu. Schon allein am Beispiel der von der Fed betriebenen Währungspolitik lässt sich an der Lewin`schen Theorie kaum zweifeln.

Als Fazit halte ich fest, dass das Thema Vollbeschäftigung letztendlich nur diskutabel ist, wenn die sich aus dem „kollektiven Gedächtnis“ ergebenden Prinzipien der (intra-) kulturellen Vernetzungen – und der daraus zu erzielenden Möglichkeiten – einbezogen werden. Nur daraus lassen sich soziale Transformationen erkennen und gestalten. Aber, Pauker und coffeinjunky, überseht Ihr ruhig weiter verschenkte bzw. nicht aufgegriffene Werte.

DN
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