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USA vs Google
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 27 Jan 2006 - 23:11:36    Titel: USA vs Google

Zitat:
Die amerikanische Regierung hat einen Drang zur absoluten Kontrolle. Und sie möchte die Freiheiten einer Firma wie Google beschränken. Denn der Globalkonzern nimmt die weltweite Monopolstellung bei der Filterung der Datenströme ein. Das bedeutet Macht.

Gibt es irgend ein Argument dagegen, Kinder vor Pornografie zu schützen? Nein. Es ist sogar naturwissenschaftlich erwiesen, dass pornografische Darstellungen der Entwicklung des kindlichen Gehirns schaden können. Und gerade das macht die Forderung des amerikanischen Justizministeriums an die vier großen Betreiber von Internetsuchmaschinen so perfide, sämtliche Suchbegriffe herauszugeben, die innerhalb eines Monats im letzten Sommer abgefragt wurden (SZ vom 24.1.). Das soll helfen, Kinder vor Pornografie zu schützen. Moralisch und politisch ist das natürlich unbedenklich.

Trotzdem sind die ersten Reaktionen auf den Gerichtsbescheid in diesen Tagen panisch. Da befürchtet eine kalifornische Internetnutzerin, ihre harmlose Recherche, was der britische Begriff rent boy bedeutet, könne schon als kriminell ausgelegt werden, denn rent boys heißen in England männliche Prostituierte und der Besuch von Prostituierten ist in den USA eine Straftat.

Ein Fernsehjournalist aus Washington sorgt sich, dass seine Recherchen für einen Dokumentarfilm über Beschneidungen Verdacht erregen könne, schließlich sei er auch auf Webseiten mit Abbildungen nackter Kinder gelandet. Andere sorgen sich, Recherchen über Terrorismus könnten Verdacht erregen. Bürgerrechtsbewegungen sehen in dem behördlichen Zugriff auf Suchdaten deswegen auch einen Schritt zur totalen Überwachung.

Yahoo, Microsoft und AOL haben sich dem Bescheid nun schon gebeugt. Google weigert sich bislang und ist bereit, mit dieser Weigerung bis vor den Supreme Court zu gehen. Die Begründungen der Ministerialbeamten und der drei gefügigen Betreiber klingen beruhigend. Das Justizministerium habe nur allgemeine Daten abgefragt, die keine Rückschlüsse auf die Identität der Internetnutzer zulassen. Auch unabhängige Experten bestätigen, dass der aktuelle Gerichtsbescheid keine Erfassung persönlicher Daten ermöglicht. Prinzipiell geht es darum, Statistiken zu erstellen, die das Justizministerium vor dem Kongress nutzen möchte, um eine Verlängerung des Gesetzes zum Schutz von Kindern vor Pornografie durchzusetzen.

Genauer als jedes Verhör

Wie so oft geht es bei diesem Streit jedoch nicht nur um den konkreten Fall. Die US-Regierung sollte natürlich großes Interesse daran haben, die Freiheiten einer Firma wie Google zu beschränken. Google ist der vielleicht erste Globalkonzern, der sich eine weltweite Monopolstellung bei der Filterung der Datenströme erkämpft hat. Das bedeutet Macht, die weit über die Wirtschaftsmacht konventioneller Konzerne hinausgeht.

Für Google ist diese Macht aber an die Glaubwürdigkeit ihrer Marke gebunden, die durch eine Herausgabe der Daten irreparablen Schaden erleiden würde. Da sind auch die jüngsten Zugeständnisse an Chinas Zensur kein Widerspruch. Google macht Geschäfte, keine Politk.

Die US-Behörden haben aber auch einen Drang zur absoluten Kontrolle. Sollte es der Regierung im Windschatten von moralisch unantastbaren Gerichtsbescheiden zum Schutz von Kindern von Pornografie gelingen, die Anonymität des Internets zu brechen, wäre ihnen ein Coup gelungen, der die Big-Brother-Visionen von Science-Fiction-Autoren weit übertrifft.

Denn Fragen verraten so viel mehr über einen Menschen als Antworten. Wer im Umfeld einer anonymen Suchmaschine nach Begriffen im Internet sucht, der entblößt dabei unter Umständen sein ganzes Innenleben. Das kann Rückschlüsse zulassen, die kein noch so geschickter Verhörspezialist aus einer Zielperson herausquetschen kann.

Und warum sollten die amerikanischen Bürger den Beteuerungen ihrer Regierung glauben, man wolle doch nur Statistiken erheben? Die Enthüllungen, dass der amerikanische Sicherheitsdienst National Security Agency auch die E-Mail und Telefongespräche amerikanische Bürger ohne Gerichtsbeschluss überwachte, hat in den letzten Wochen für ein tiefgreifendes Misstrauen der freiheitsliebenden Amerikaner gegenüber ihrer Regierung gesorgt.

Gerade wenn es um Computer und Internet geht, haben die Bürger auch allen Grund zur Sorge. Würde ein Beamter bei der Auswertung von Internetdaten beispielsweise Hinweise auf eine schwere Straftat wie den Vertrieb von Kinderpornografie oder die Planung terroristischer Anschläge stoßen, wäre er nicht nur moralisch, sondern auch per Gesetz dazu verpflichtet, dem nachzugehen. Doch wo liegen die Grenzen? Wären Drogenbesitz, Steuerbetrug oder Prostitution nicht auch Straftaten, die es zu verfolgen gilt?

Nun ist die Annahme, der eigene Computer biete auch nur den Ansatz von Privatsphäre sowieso eine Illusion. Bei der Verfolgung von Straftaten sind Computer meist die ersten Beweismittel, die beschlagnahmt werden. Und wer schon einmal den Untersuchungsbericht eines forensischen Computertechnikers gelesen hat, der weiß, dass selbst bei der Verwendung professioneller Löschprogramme jeder Tastendruck, der jemals auf diesem Gerät getätigt wurde, auch rekonstruierbar ist.

Der Kommunikationswissenschaftler Robert Scheer kalauerte in einem Leitartikel des San Francisco Chronicle in Anspielung auf die E-Mail-Benachrichtigung von AOL „You’ve Got Mail“ (Sie haben Post) dann auch zu Recht: „You’ve Got Jail“ (Sie kriegen Knast).


Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,cm2/computer/artikel/25/68956/
Animosity
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Anmeldungsdatum: 15.07.2005
Beiträge: 110
Wohnort: Pirmasens

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2006 - 12:54:27    Titel: es lebe der googelismus

HOCH LEBE GOOGLE!!!

ne im ernst...ich finde es wirklich eine Schweinerei, was die Amis da abziehen...
GFvR
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Anmeldungsdatum: 05.10.2005
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2006 - 13:29:46    Titel: Re: es lebe der googelismus

Animosity hat folgendes geschrieben:
ich finde es wirklich eine Schweinerei, was die Amis da abziehen...
*zustimm*
kertusat
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Anmeldungsdatum: 16.09.2005
Beiträge: 25
Wohnort: Überall und nirgendwo

BeitragVerfasst am: 28 Jan 2006 - 23:22:46    Titel:

ob sie damit durchkommen? Was die Pornographie und Kinder angeht sind die Motive ja eigentlich korrekt.aber das können die familien auch mit programen lösen die pornographien blockt.oder?
GFvR
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Anmeldungsdatum: 05.10.2005
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 29 Jan 2006 - 08:54:45    Titel:

kertusat hat folgendes geschrieben:
Was die Pornographie und Kinder angeht sind die Motive ja eigentlich korrekt.
Aber nicht jeder Zweck rechtfertigt jedes (sprich ein solches) Mittel. Bleibt nur zu hoffen, dass Google recht behält...
carabao
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Anmeldungsdatum: 31.12.2005
Beiträge: 104

BeitragVerfasst am: 29 Jan 2006 - 09:07:45    Titel:

Immer mehr Staaten versuchen das Internet in den Griff zu bekommen.

Dieser Trend ist besorgniserregend. Wenn sich die USA hier durchsetzen haben wir wirklich den glaessernen Buerger.

Pornographieverbot ist ein schoenes Argument. Das wird immer gerne genommen.

Mich wumndert eigentlich nur, dass die USA hier so spaet dran sind. Google hat gegenueber China schon lange klein beigegeben.

Thailand hat jetzt ein eigenes Ministerium gegruendet um das Internet zu ueberwachen. Jeder Buerger kann per Mausklick ihm unliebsame Seiten ans Ministerium melden. Das Ganze wurde natuerlich auch mit Kampf gegen Pornographie begruendet.

In Wirklichkeit wird damit ein Ueberwachungsstaat ala Orwell geschaffen.
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 30 Jan 2006 - 10:55:06    Titel:

Erinnert mich an den traurigen Versuch der Düsseldorfer Bezirksregierung, tausende ausländische Internet-Seiten zu "sperren" bzw. in Deutschland auszublenden. Erinnert mich auch an die einstweilige Verfügung gegen Wikimedia Deutschland.

http://www.wikipedia.de/

Der Kampf um unsere Meinungen hat begonnen.
dowi
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Anmeldungsdatum: 17.02.2005
Beiträge: 144
Wohnort: GI

BeitragVerfasst am: 30 Jan 2006 - 14:56:32    Titel:

das problem wird sein, das die us-regierung dieses vorgehen wieder einmal mit dem kampf gegen den terror begründet.

wenn das argument mit der kinder-pornografie nicht stichhaltig genug ist, dann wird auf den kampf gegen den terror hingewiesen. da brauch nur mal ein neuer anschlag passieren und bush erlässt ein neues gesetz und dann gehts schon.

ich hoffe mal nicht, das es so kommt !
knerg
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Anmeldungsdatum: 05.01.2006
Beiträge: 88
Wohnort: nds

BeitragVerfasst am: 30 Jan 2006 - 18:13:01    Titel:

ich denke, genau dies wird eintreten...
wie schon gesagt, "argumente" haben sie doch im prinzip shcon genug mit dem terror - und wie viel einfluss andere staaten auf unsere freunde jenseits des großen teichs habe, sieht man ja nun doch recht hauefig, bzw man sieht es eben nicht!

mfg
carabao
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Anmeldungsdatum: 31.12.2005
Beiträge: 104

BeitragVerfasst am: 30 Jan 2006 - 18:18:33    Titel:

Das ist schon ganz schoen krass.

Man fliegt irgendwohin in Urlaub und wird an der Grenze verhaftet
weil man irgendwann einmal im Internet irgendwas geschrieben hat, was diesem Staat nicht passt.

Leute seit vorsichtig, was ihr hier so von euch gebt. Very Happy
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