Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

"Kapitalismus von unten"
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> "Kapitalismus von unten"
 
Autor Nachricht
Freidenker
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 14:58:48    Titel:

coffeinjunky schrieb:
Zitat:
Früher, so habe ich den Eindruck, haben Gewerkschaften und Unternehmer noch die gegenseitigen Interessen gesehen und nicht nur, wie z.B. Frank Bsirske, seine eigenen. Daher erkenne ich nicht unbedingt, was du mit dem Hinweis auf die Gewerkschaften in Bezug auf die dritte Welt erreichen willst. Soll die dritte Welt sich gewerkschaftlich organisieren? Und dann?
Der Schreiber hatte die hiesigen Arbeitslosen/Arbeitnehmer in ein Licht der Unfähigkeit gestellt. Mit meinem Hinweis auf den Druck, den der hiesige Arbeitnehmer zu Zeiten Bismarcks mithilfe der Gewerkschaften auf die Politik ausgeübt hat und so die heutigen Verhältnisse in Europa erst ermöglicht hat, wollte ich zeigen, daß wir nicht von den Straßenhändlern der Entwicklungshändler lernen müssen, sondern denen in unserer gesellschaftlichen Entwicklung um Lichtjahre voraus sind - praktisch eine Ehrenrettung für die hiesigen Arbeitnehmer/Arbeitslosen. Smile

Zitat:
Du schlußfolgerst hier, dass bei einer Öffnung der europäischen Märkte die Afrikaner vom Markt gefegt werden würden. Diese Schlußfolgerung ist aber mehr als zweifelhaft. Die einzigen, die vom Markt gefegt werden sind die europäischen Bauern. Es mag ja sein, dass die Südamerikaner größere Anteile gewinnen werden, doch lässt sich damit nur schwer begründen, warum wir beide Länder in Armut halten. Selbst wenn die Afrikaner durch eine Liberalisierung der europäischen Märkte nicht gewinnen, so kommen wenigstens die Südamerikaner aus der Armut heraus. Der Glaube, dass die Afrikaner nicht gewinnen würden, begründet nicht, warum alles so bleiben sollte wie es jetzt ist
Daß der Südamerikaner die Produktionspreise der Afrikaner unterlaufen kann, hatten wir ja im Zuckerthread herausgefunden. Die Zahlen dazu hatte borabora geliefert.

Der Glaube, daß weltweite Globalisierung den Dumpinglohnarbeitern in Südamerika zu höheren Löhnen bzw. Wohlstand verhilft, entbehrt jeder Grundlage. Der Großkapitalist in Südamerika hat kein Interesse, bei Ausbau seiner Kapazitäten die Lohnstückkosten zu erhöhen und damit seinen Deckungsbeitrag pro Einheit zu senken. Und die Gewerkschaften sehen sich außerstande, sich gegen den Kapitalisten durchzusetzen, da sie in ständiger Furcht leben, von dessen Milizen unter Billigung der Staatgewalt über den Haufen geschossen zu werden. Der Neoliberalismus hilft also letzlich weder dem afrikanischem-, noch dem brasilianischem Arbeiter.

Zitat:
Wenn dich die Großkapitalisten in Brasilien so stören, warum willst du ihnen dann nicht über die Politik Druck machen sondern nur den Geldhahn geschlossen lassen, damit auch ja alle Arbeiter nichts verdienen können? Dies ist in der Tat nachhaltige Armut!
In Südamerika ist die Machtfülle der Großkapitalisten derart angewachsen, daß sie den Staat und damit das demokratische System weitgehend unterhöhlt haben. Von Seiten der Politik ist dort keine Besserung zu erwarten. Die Verhältnisse sind in Südamerika durch den Kapitalismus in einem Maße in Schieflage geraten, das mit normalen Maßnahmen m.E.n. keine nachhaltige Besserung mehr zu erreichen ist. Denen hilft nur eine Revolution im Stile der Oktoberrevolution mit Enteignung der Großgrundbesitzer und umfassender Landreform!

Zitat:
Was du als Versklavung ansiehst ist oftmals die einzige Chance zu überleben! Wenn Versklavung bedeutet, dass Leute nicht mehr auf Müllkippen leben und verhungern, sondern in einer Fabrik arbeiten, dann sage ich: versklavt!
Man treibt nicht den Teufel mit Beelzebub aus. Um mangelde Beschäftigung durch Bevölkerungsexplosion zu bekämpfen, nützt es nichts, Kinder in Schuhfabriken von Nike oder Puma für 3 Dollar ohne Krankenversicherung arbeiten zu lassen, bis sie bleibende Gesundheitsschäden haben. Der Mißbrauch, der von Kapitalisten durch die neokapitalistischen Freiheiten betrieben wird fügt zu den Müllsammlern ein Heer von körperlich verschlissenen und ausgebeuteten Jugendlichen hinzu. Das ist keine Lösung! Der indische Staat müßte versuchen, die Kapitalisten soweit durch Regulierungen einzuschränken, daß dieser Mißbrauch unterbleibt, aber noch genug Freiheit zu menschenwürdiger Marktwirtschaft läßt. Darüber hinaus sollte er soweit Protektionismus betreiben, wie nötig ist, um unnötige Schädigung und Auswanderung der heimischen Industrie zu vermeiden. Weitere Maßnahmen müssen im Bereich der Eindämmung der Bevölkerungsexplosion erfolgen. Enteignung von Großgrundbesitzern ist eventuell hilfreich. Müllsammler könnten auf diesem Land zu Kibuzzen zusammengeschlossen werden.

Zitat:
Stell dir mal vor, du gehst in ein Land wie Somalia und forderst von den Politikern, dass diese eine Sozialhilfe einführen. Die lachen dich aus! Die können noch nicht einmal die Botschaft in Berlin aushalten mit ihren finanziellen Mitteln. Also sollte man sich doch erst mal Gedanken darüber machen wie man es schafft, dass dort überhaupt Wohlstand entsteht, der umverteilt werden kann, oder? Es wäre mir neu, dass staatliche Abwehrmaßnahmen gegen das grundschlechte "Kapital" dafür geeignet wären.
Man muß unterscheiden zwischen den Vorteilen, die durch Freiheit zu handeln und zu produzieren entstehen und dem Umkehr dieser positiven Vorteile durch Kapitalisten, die diese Freiheit dazu nutzen, um sich marktbeherrschende Stellungen zu verschaffen, die Masse in Abhängigkeit zu bringen und ausbeuten zu können. Sono übersieht, diese Gefahr, die durch Kapitalisten ausgeht. Bisher haben die Regierungen Somalias offenbar die positiven Effekte der Freiheit mit Korruption und Regulierungen verhindert und jetzt denkt Sono, der Fall ins andere Extrem brächte das Heil. Doch man kann immer auf zwei Seiten vom Pferd fallen. Die optimale staatl. Lenkung läßt m.E.n. genug Freiheit für die positiven Effekte und haut andererseits mißbrauchanstrebenden Kapitalisten auf die Finger.
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 21 Feb 2006 - 00:04:33    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Mit meinem Hinweis auf den Druck, den der hiesige Arbeitnehmer zu Zeiten Bismarcks mithilfe der Gewerkschaften auf die Politik ausgeübt hat und so die heutigen Verhältnisse in Europa erst ermöglicht hat, wollte ich zeigen, daß wir nicht von den Straßenhändlern der Entwicklungshändler lernen müssen, sondern denen in unserer gesellschaftlichen Entwicklung um Lichtjahre voraus sind


Prinzipiell verstehe ich, was du sagen möchtest. Nichts desto trotz kann ich nicht ganz stehen lassen, was ich merkwürdig finde: es sind hier die Arbeitnehmer gewesen, ja. Vor langer langer Zeit. Es ist einerseits umstritten, ob Bismarck einfach Angst vor dem "Gespenst in Europa" hatte, oder ob er die Arbeitnehmerschaft in gekonnter kluger Weise beruhigen wollte. Die Frage ist auch, was den die Arbeitnehmer von damals mit den Arbeitslosen von heute zu tun haben. Und wenn wir hier von den Straßenhändlern reden, dann sprechen wir von offiziell arbeitslosen, da sie ja keine Lizenz haben... .

Aber lassen wir dies, dazu wäre ein extra Thread geeignet. Es geht etwas am Topic vorbei.

Zitat:
Der Glaube, daß weltweite Globalisierung den Dumpinglohnarbeitern in Südamerika zu höheren Löhnen bzw. Wohlstand verhilft, entbehrt jeder Grundlage. Der Großkapitalist in Südamerika hat kein Interesse, bei Ausbau seiner Kapazitäten die Lohnstückkosten zu erhöhen und damit seinen Deckungsbeitrag pro Einheit zu senken. Und die Gewerkschaften sehen sich außerstande, sich gegen den Kapitalisten durchzusetzen, da sie in ständiger Furcht leben, von dessen Milizen unter Billigung der Staatgewalt über den Haufen geschossen zu werden. Der Neoliberalismus hilft also letzlich weder dem afrikanischem-, noch dem brasilianischem Arbeiter.


Das ist ja alles schön und gut und selbst wenn du damit recht hast (was nicht heißt, dass ich dir in diesem Punkt zustimme), so begründet dies noch lange nicht die Aufrechterhaltung des Status Quo! Fakt ist, dass die Südamerikaner und eventuell ein bißchen die Afrikaner von einer Liberalisierung der westlichen Märkte profitieren würde. Fakt ist auch, dass die genannten Regionen nicht unbedingt in Geld schwimmen und durchaus Einnahmen gebrauchen könnten. Und wenn es nur irgendwelche Zolleinnahmen oder sonstigen Steuern sind, die die Staaten einnehmen.

Die Argumentation getreu dem Gusto "Von heute auf morgen ein Dritte Welt Land in ein Deutschland umzuwandeln geht nicht, also lassen wir es ganz bleiben und sichern nur lieber unseren unverdienten Wohlstand" finde ich bedenklich. Nur weil wir nicht sofort Verbesserungen der Lebensqualität dort verursachen können, heißt dies doch nicht, dass dies langfristig so bleibt. Hättest du vor 10 Jahren an eine orangene Revolution in der Ukraine geglaubt? Hättest du vor 10 Jahren an einen Wahlsieg der Hamas geglaubt? Hättest du vor 10 Jahren an eine Kanzlerin Merkel geglaubt? Selbst wenn diktatorische Strukturen weiter zementiert werden, so wird das Volk irgendwann aufstehen und revoltieren. Ich denke da an Lula da Silva, mit dem auch niemand gerechnet hätte. Gesellschaften können sich verdammt schnell ändern und sind sehr flexibel.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Um mangelde Beschäftigung durch Bevölkerungsexplosion zu bekämpfen, nützt es nichts, Kinder in Schuhfabriken von Nike oder Puma für 3 Dollar ohne Krankenversicherung arbeiten zu lassen, bis sie bleibende Gesundheitsschäden haben.


Die Alternative, dass diese Menschen gar nicht erst alt genug werden um in einer solchen Fabrik arbeiten zu können ist natürlich viel besser. Dafür haben sie die Chance in eine Krankenversicherung einzuzahlen! Genau, das ist die Lösung. Wir fördern eine Krankenversicherung für Verhungerte! Ich befürchte nur, dass die Einzahlungen nicht so besonders groß ausfallen werden.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Der Mißbrauch, der von Kapitalisten durch die neokapitalistischen Freiheiten betrieben wird fügt zu den Müllsammlern ein Heer von körperlich verschlissenen und ausgebeuteten Jugendlichen hinzu. Das ist keine Lösung!


Ich stelle mir da immer einen Menschen in der Wüste vor, der nur eine kleine 0,33l Flasche Wasser hat, die schon halb leer ist. Er sucht verzweifelt nach Wasser. Da er dabei aber alles machen würde und sich selber Schaden könnte, soll man ihm einfach die kleine Flasche wegnehmen und ihm den Weg zu sämtlichen Oasen versperren. Hmm. Die Logik verstehe ich nicht so ganz.

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Man muß unterscheiden zwischen den Vorteilen, die durch Freiheit zu handeln und zu produzieren entstehen und dem Umkehr dieser positiven Vorteile durch Kapitalisten, die diese Freiheit dazu nutzen, um sich marktbeherrschende Stellungen zu verschaffen, die Masse in Abhängigkeit zu bringen und ausbeuten zu können.


Monopole sind immer schlecht, da sind wir einer Meinung. Soll man deswegen die Entstehung jeglicher Wirtschaft unterdrücken? Dies sehe ich nicht ganz so. Erkläre doch bitte noch, wie die Straßenhändler in Indien marktbeherrschende Monopolstellungen aufbauen sollen und wie ihnen dies hilft, wenn Indien z.B. europäische Gebrauchtwagen erlaubt. Wo sind da die Monopole? Und wenn es einige Unternehmen gibt, die wirkliche Monopole innehaben (keine nat. M.), dann werden ihre Gewinne irgendwann Wettbewerber auf den Markt rufen und ihnen Anteile streitig machen. Dies gilt natürlich nur, wenn der Staat sie lässt, z.B. durch eine Liberalisierung der Märkte.

Freidenke hat folgendes geschrieben:
Sono übersieht, diese Gefahr, die durch Kapitalisten ausgeht.


Bitte definiere "Kapitalist".

Lasse es mich noch mit einer Analogie versuchen: Stelle dir vor, die Dritte Welt Länder sind Kinder. Und wir sind die Erwachsenen. Wir haben eine ganz bestimmte Entwicklung in unserer Geschichte durchgemacht, die uns dazu gemacht hat, was wir sind. Wir können es Sozialisation oder ähnliches nennen.

Die Zeit mit den bösen Kapitalisten und der industriellen Revolution war unsere Pubertät. Glaubst du nicht, dass andere "Kinder" nicht auch bestimmte Phasen wie eine Pubertät durchmachen müssen? Denkst du nicht, dass eine Demokratie mit einer stabilen Wirtschaft langsam wachsen muss und nicht einfach entstehen kann?

Beste Grüße
coffeinjunky
Philskow
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 14:57:23    Titel:

So, langes Wochenende überstanden und wieder bei der Arbeit, d.h.: Bereit für politische Online-Diskussionen!!
@Sheep: Ich finde, du hast ein etwas zu optimistisches Bild von Marktwirtschaft. Natürlich ist es in der Theorie so, dass dort völlig freier Wettbewerb herrscht, aber in der Realität ist es doch so, dass sich auch hier gewisse Strukturen herausbilden, die diesen Wettbewerb wieder einschränken. Du kannst ja als freier Wirtschaftstreibender heutzutage mal versuchen, ein Lebensmittelgeschäft aufzumachen. Sicher, wenn du alles richtig machst und irgend einen Trend erwischst, dann könnte es klappen. Ansonsten hast du halt gegen Lidl, Aldi, Edeka und Co. nicht die geringste Chance...
P.S.: Falls off-topic können wir ja mal einen eigenen Kapitalismus-Thread aufmachen...
Sheep
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 15:26:45    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
aber in der Realität ist es doch so, dass sich auch hier gewisse Strukturen herausbilden, die diesen Wettbewerb wieder einschränken.


Staatliche Regulatorien führen zur Schieflage des Wettbewerbs. Soweit sind wir uns einig. Aber "Lidl, Aldi, Edeka" selbst schränken meine Wettbewerbsfähigkeit nicht ein. Was Du als "Chance" gegen die Großhandelsketten bezeichnest, ist eher ein von Deiner Seite gefordertes Recht jedes Anbieters auf gewisse Marktanteile. Das ist und darf aber nicht gegeben sein, denn es wäre gleichzeitig ein Zwang gegenüber dem Konsumenten, oder gegenüber den oben genannten Anbietern. Ausserdem würde es zu einem Überangebot der angebotenen Waren führen sprich Ressourcenverschwendung. Die wird vom Markt "bestraft".

Im Falle der im Text beschriebenen Strassenhändler und Kleinunternehmer werden sich auch irgendwann mehrere Anbieter zusammenschliessen, effizientere Vertriebswege herausbilden, Transportmittel verbessern (vielleicht werden sie irgendwann gemeinsam einen Lastwagen anschaffen), usw. Das kommt der gesamten Vorstadtkommune zu Gute, weil dadurch die angebotenen Waren billiger angeboten werden können. Und spätestens dann wird es wieder Leute wie Dich geben, die beklagen, dass dieser Zusammenschluss anderen Kleinsthändlern keine "Chance" lasse.

Nicht der Wettbewerb macht sie kaputt, sondern der Staat, nämlich die Polizei, die sie an einem vielversprechenden Tag von guten Plätzen vertreibt. Das schadet ihnen mehr als jeder zusätzliche Anbieter, der möglicherweise den einen oder anderen Kunden wegschnappt.

Was Leute wie Du in Wohlstandsdeutschland immer vergessen ist, dass ein Großkonzern nicht einfach da ist, sondern historisch durch Zusammenschlüsse gewachsen ist, dass das Wachstum wiederum Kapitalgeber angezogen hat und damit beschleunigt wurde, dass die Arbeitsplätze sich durch einen langwierigen Prozess vermehrt haben. Du schaust auf die Situation der armen Strassenhändler, verdammst den Kapitalismus und denkst "Das wird ja sowieso nichts". Ich zitiere hier am liebsten ein afrikanisches Sprichwort: "Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht".

Zitat:
P.S.: Falls off-topic können wir ja mal einen eigenen Kapitalismus-Thread aufmachen...


Wir sind doch im richtigen Thread, oder ?
Philskow
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 15:44:04    Titel:

Habe den blöden Text immer noch nicht gelesen (schon gut, ich druck ihn mir mal aus...). Ich weiß aber nicht, warum du hier auf einmal mit Staat anfängst. Wie du geschildert hast, führen diese freien Wirtschaftsprozesse ganz ohne Beeinflussung zur Herausbildung von Stukturen, die den Wettbewerb erschweren bzw. ihn irgend wann unmöglich machen. Und dann kommt doch erst der Staat ins Spiel. Was denkst du denn, wozu es ein Kartellamt gibt?
Sheep
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 16:32:58    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
Ich weiß aber nicht, warum du hier auf einmal mit Staat anfängst.


Der Staat mischt sich schon im Vorfeld ein, indem er bürokratische Hürden bei der Unternehmensgründung aufbaut, die nur diejenigen nehmen können, die bereits genügend Startkapital mitbringen. Und dann wundert man sich, warum nur immer die "Reichen" noch reicher werden. Der Staat mischt sich weiter ein, indem er Regulatorien und Vorschriften setzt, die für große Unternehmen leicht umsetzbar sind, kleine Unternehmen aber am Wachstum hindern.

Und wenn Du den Text irgendwann gelesen hast, weisst Du auch wie der Staat im konkreten Text den Kleinhändlern weit mehr schadet, als jeder Konkurrent es vermöchte.

Zitat:
Wie du geschildert hast, führen diese freien Wirtschaftsprozesse ganz ohne Beeinflussung zur Herausbildung von Stukturen, die den Wettbewerb erschweren bzw. ihn irgend wann unmöglich machen. Und dann kommt doch erst der Staat ins Spiel


Muss ich die gleiche Antwort wie oben nochmal schreiben, oder gehst Du darauf sowieso nicht ein ? Vielleicht versuche ich es einfacher und in einer verkürzten Version auszudrücken:

Wenn Du behauptest, der Wettbewerb sei erschwert, weil bereits sehr viel Angebot bestehe, und deshalb müsse der Staat eingreifen, dann ist das kein Wettbewerb mehr. Ein Wettbewerb darf und muss in dem Fall erschwert sein, nur dadurch wird Verschwendung verhindert.

Und wenn es Dir immer noch nicht klar ist, worauf ich hinaus will, ein Beispiel aus einem anderen "Wettbewerb":

Weil eine Mannschaft bereits 3:0 führt gibt der Schiedsrichter drei Elfmeter für das schwächere Team. Wärst Du als Kunde (Fan) dabei nicht betrogen ? Wärst Du als Spieler des Stärkeren Teams (Mitarbeiter des marktführenden Unternehmen) nicht enttäuscht, so viel Leistung und Innovation eingebracht zu haben, um dann benachteiligt zu werden ?
Philskow
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 16:52:36    Titel:

Lassen wir doch den Staat mal raus: Ich denke, dass der Wettbewerb über eine gewisse Zeit zur Herausbildung von Marktführern und langfristig zu Monopolen führt. Dann gibt's natülich keinen Wettbewerb mehr. Siehst du das anders?
Sheep
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 17:26:36    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
Lassen wir doch den Staat mal raus: Ich denke, dass der Wettbewerb über eine gewisse Zeit zur Herausbildung von Marktführern und langfristig zu Monopolen führt. Dann gibt's natülich keinen Wettbewerb mehr. Siehst du das anders?


Marktführer und Monopole sind zwei Unterschiedliche Erscheinungen. Ein Monopolist ist per Definition auch Marktführer, ein Marktführer hat aber nicht zwangsweise ein Monopol.

Echte Monopolstellungen gibt es in der Marktwirtschaft aber nur, wenn der Staat solche Stellungen verschafft (Post, Energie, Telekom, Bahn). Du kannst ihn nicht aus der Diskussion ziehen, indem Du Schieflagen anprangerst, die er zu verantworten hat. Wir haben in Deutschland riesige Automobilkonzerne, aber es bilden sich keine Monopole, weil der Markt sie verhindert. Zwar gibt es auch hier viele staatliche Regulierungen, aber grundsätzlich ist es einem Unternehmen frei, hier in Deutschland Autos zu verkaufen. Das merkst Du, wenn Du siehst wieviele neue Automobilmarken vor allem aus dem fernen Osten hier auftauchen - vor ein paar Jahren hätte niemand gewusst, was ein "Daewo" oder ein "Kia" sein soll.
Philskow
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 17:34:47    Titel:

Was war denn dann zum Beispiel mit ProSieben Sat1? Wenn Springer die gekauft hätte, hätte dieser Konzern schon eine sehr marktbeherrschende Stellung eingenommen. Was ist mit Microsoft? Das amerikanische Kartellamt hat ja eigentlich festgestellt, dass MS eine marktbeherrschende Stellung hat, konnte den Konzern aber nicht wie geplant zerschlagen? Das sind die Beispiele, die ich meine, nicht Bahn, Telekom und so (bei denen hast du natürlich recht).
Freidenker
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 22 Feb 2006 - 18:02:45    Titel:

coffeinjunky schrieb:
Zitat:
Die Argumentation getreu dem Gusto "Von heute auf morgen ein Dritte Welt Land in ein Deutschland umzuwandeln geht nicht, also lassen wir es ganz bleiben und sichern nur lieber unseren unverdienten Wohlstand" finde ich bedenklich. Nur weil wir nicht sofort Verbesserungen der Lebensqualität dort verursachen können, heißt dies doch nicht, dass dies langfristig so bleibt.
Das man nicht nach Lösungen suchen sollte, habe ich ja nicht gesagt. Die unterschwellige Aussage des Berichtsschreibers durch die Umfrage, daß Globalisierung den Afrikanern helfen würde läßt sich aber wie ich oben nachwies auch nicht halten. Mehr wollte ich zunächst nicht aufzeigen.

Das Elend Afrikas ist nicht die fehlende weltweite Globalisierung, wie wir damals beim untersuchen von Angolas Problemen feststellten, sondern in erster Linie innerafrikanische Probleme.
Hier müßte man ansetzen.

Zitat:
Die Alternative, dass diese Menschen gar nicht erst alt genug werden um in einer solchen Fabrik arbeiten zu können ist natürlich viel besser. Dafür haben sie die Chance in eine Krankenversicherung einzuzahlen! Genau, das ist die Lösung. Wir fördern eine Krankenversicherung für Verhungerte! Ich befürchte nur, dass die Einzahlungen nicht so besonders groß ausfallen werden.
Das ist nicht die einzigste Alternative! Kapitalismus in seiner extremsten Art ist nicht die einzige Form Hunger in der Welt zu bekämpfen. Man muß nicht von einem Extrem ins andere fallen! Der indische Staat könnte auch bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen für die Arbeiter in einer Schuhfabrik zum Gesetz machen. Oder selber Schuhfabriken hochziehen. Oder Joint-Ventures einrichten. Oder, oder, oder...

Zitat:
Monopole sind immer schlecht, da sind wir einer Meinung. Soll man deswegen die Entstehung jeglicher Wirtschaft unterdrücken? Dies sehe ich nicht ganz so. Erkläre doch bitte noch, wie die Straßenhändler in Indien marktbeherrschende Monopolstellungen aufbauen sollen und wie ihnen dies hilft, wenn Indien z.B. europäische Gebrauchtwagen erlaubt. Wo sind da die Monopole? Und wenn es einige Unternehmen gibt, die wirkliche Monopole innehaben (keine nat. M.), dann werden ihre Gewinne irgendwann Wettbewerber auf den Markt rufen und ihnen Anteile streitig machen. Dies gilt natürlich nur, wenn der Staat sie lässt, z.B. durch eine Liberalisierung der Märkte.
Ich sehe in absehbarer Zeit ja gar keine Monopolgefahr von Seiten der Straßenhändler. Deswegen sollte der Staat hier auch freien Markt zulassen. Wenn jedoch z.B. ein Konzern wie Rewe irgendwann den gesamten Markt kontrolliert und durch seine Preispolitik z.B. wie bei uns den Spargelstechern den angemessenen Lohn verweigert und sich Teile dessen Lohn selbst einsteckt und statt dessen Billiglohnarbeiter aus Polen aufs Feld schickt, ist es Zeit, daß der Staat diesen Kapitalisten auf die Finger haut. Es ist meines Erachtens Pflicht des Staates, ein gesundes Verhältnis zwischen Freiheit und Eingriff auf den Markt zu finden. Freien Handel zuzulassen und marktzerstörerische Oligopole zu verhindern.

Zitat:
Die Zeit mit den bösen Kapitalisten und der industriellen Revolution war unsere Pubertät. Glaubst du nicht, dass andere "Kinder" nicht auch bestimmte Phasen wie eine Pubertät durchmachen müssen? Denkst du nicht, dass eine Demokratie mit einer stabilen Wirtschaft langsam wachsen muss und nicht einfach entstehen kann?
Die Zeit der "bösen" Kapitalisten ist nie vorbei. Egoistische Kräfte können sich bestenfalls zum allgemeinen Wohl die Waage halten. Das dieses Gleichgewicht genauso schnell wieder umkippen kann, siehst Du aktuell hier bei uns. Wenn die Regierung nicht aufpasst, können sich von Anfang an Oligarchien bilden. Soll nicht heißen, der Staat sollte jedes wirtschaftliches Leben im Keim ersticken, sondern viel Freiheit lassen, aber auch aufpassen, daß der Markt nicht zugunsten weniger oder eines einzelnen umkippt.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> "Kapitalismus von unten"
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Weiter
Seite 6 von 7

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum