Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Verzwickte Strafrecht-HA
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Verzwickte Strafrecht-HA
 
Autor Nachricht
FeLdWieSe
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.02.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 11:28:32    Titel: Verzwickte Strafrecht-HA

Hallo,

es ist wieder Hausarbeitszeit und die Fragestellungen flattern förmlich nur so durchs Netz. Deshalb möchte ich auf diesem Wege versuchen, strittige, aber bereits selbstständig erschlossene Gebiete meiner HA zur Diskussion zu stellen.

Der Sachverhalt lautet in etwa wie folgt:

A hat die Provokationen -hinsichtlich seiner HA Wink- des B, welcher im selben Semester Jura studiert, leid, und versteckt -verheimlichte schon seit Längerem seine Anwesenheit in der WG- sich mit der fertig gestellten HA am Tag der Abgabe im dunklen Zimmer, verletzt den hereinkommenden C, den er für B hält schwer mit einem Brieföffner. Er dachte, dass man einen bei der Tat erwischten Angreifer mit Waffen abwehren dürfe. Als er das Licht anmacht, erkennt er den C, welchen er beiseite schaffen möchte, da er ihn für tot hält. Er verlädt ihn in den Kofferraum, aus welchem C bei voller Fahrt steigt, da er A für wahnsinnig hält, das Gleichgewicht verliert, auf den Asphalt aufschlägt und verstirbt.

B nutzt die Abwesenheit des A, um wie geplant die CD und den Ausdruck der Hausarbeit zu vernichten. Er wirft beides in einen der zehn Müllcontainer vor dem Haus. Er ist überzeugt, dass die Daten unwiederbringlich verloren seien.

Als A 50 Minuten vor Abgabe nach Hause kommt, verlangt er von B Herausgabe der HA. Der streitet alles ab. Daraufhin alarmiert A die Polizei, die es als Lappalie abtut, auf einen Bombendrohungseinsatz verweist. A sieht keine andere Möglichkeit, packt den wehleidigen B am Arm und zwingt ihn unter Androhung "starker Schmerzen" zu verraten, wo die HA ist. Dieser verrät es ihm mit dem Ausspruch "Hör endlich auf mit der Folter!". A kann die CD retten, der Ausdruck ist unbrauchbar, aber er kann die HA firstgerecht abgeben.



In Absatz 1 hätte ich in den Provokationen des B eine mögliche Körperverletzung (Mobbing) gesehen, allerdings verneint, weil keine pathologisch feststellbaren Beeinträchtigungen, außer Ängste, was allerdings mA nach nicht ausreichend sein dürfte. Eventuell käme eine Bedrohung gemäß §241 in Betracht.
Bei der Verletzung des C bin ich mir nicht ganz sicher. Erstens liegt ein astreiner error in persona vor. Er handelte mit Eventualvorsatz ("hält es für nicht ausgeschlossen, dass er sein Opfer tödlich verletzen könnte, findet sich aber damit ab"). Erlaubnistatbestandsirrtum (Verwendung einer Waffe). Außerdem würde ich darauf erkennen, dass ein unwesentliches Abweichen vom Kausalverlauf (C steigt aus dem Kofferraum) vorliegt. Leider nicht ganz vergleichbar mit dem Jauchegrubefall, weil das Opfer den Kausalverlauf selbstständig unterbricht. Bei den Delikten wollte ich folgendes prüfen: Mord
Totschlag, Körperverletzung, Gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung mit Todesfolge. Notwehr und Notsand verneinen. Das Zerstören der CD und HA ist klar Sachbeschädigung, wobei wohl eher Versuch hinsichtlich der CD und vollendet hinsichtlich dem Ausdruck. Mißbrauch des Notrufs kommt in Betracht, ist aber eher marginal. Vielmehr interessiert, ob die Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung gerechtfertigt sind, oder nicht.



Habt ihr schon einmal einen vergleichbaren Fall gesehen, den ich mir ansehen müsste? Ich weiß, dass es recht umfangreich geschildert ist, aber hoffe gerade deswegen, weil ich um eine Lösungsskizze bemüht war, dass mir geholfen wird.


gruß

Feldi
cane
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 16.02.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 11:35:54    Titel:

AUF DER UNI SAARSEITE GIBTS VIELE FÄLLE VIELLLEICHT IST EIN ÄHNLICHER DABEI:SCHAU MAL REIN
Recht komisch
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 12:24:56    Titel:

Ich glaube nicht, daß es sich hier um einen Erlaubnistatbestandsirrtum handelt; der Täter irrt ja nicht über den tatsächlichen Sachverhalt, die tatsächlichen Voraussetzungen eines Rechtfertigungsgrundes, sondern vielmehr über seine rechtlichen Befugnisse im Falle der Notwehr - da sehe ich einen Erlaubnisirrtum.
Gesetzt den Fall, man würde bei der Tötung den Vorsatz verneinen (mir ist nicht ganz klar, ob der Vorsatz aus dem SV hervorgeht oder nicht), so käme man zu § 227 und zur Problematik des diesbezüglichen Pflichtwidrigkeitszusammenhanges und des selbstschädigenden Opferverhaltens ("Fenstersturz-Fall", "Gubener Hetzjagdfall").
FeLdWieSe
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.02.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 14:05:47    Titel:

Womöglich mag es den ein oder anderen User irritieren, dass meine Einstiegsfrage als Neuling sich sofort um die HA dreht. Zu meiner Entschuldigung habe ich eigentlich nur vorzubringen, dass ich bis zu dieser HA mein Studium gut meistern konnte ohne das Potential Anderer ausnutzen zu müssen, was ich hiermit auch nicht tun möchte, sondern mich nur rückversichern wollte, ob ich nun auf einem völlig falschem Dampfer unterwegs bin oder eben nicht. Bin für die bisherigen Hinweise sehr dankbar, würde mich natürlich freuen, wenn sich diese häufen würden. Müssen triviale Definitionen bei jeder Komplexprüfung erneut wiederholt werden, oder kann kurz festgehalten werden, dass zum Beispiel Vorsatz vorliegt?
Recht komisch
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 15:43:12    Titel:

Eine Definition (gerade eine sehr gängige) braucht man im Gutachten nur einmal zu verwenden und kann sie dann als bekannt voraussetzen.
IÜ empfiehlt es sich, nur dann umständlich zu definieren, wenn die Frage nicht so selbstverständlich ist, daß es einer Definition im Prinzip nicht bedarf. Gerade in einer Hausarbeit ist das Auffinden und Abschreiben klassischer Definitionen ja nicht gerade eine Prüfungsleistung.
Typisches Beispiel: Daß das aus der Tasche geklaute Portemonnaie eine fremde bewegliche Sache ist, sollte zwar bei der Überprüfung der TBMs erwähnt werden, braucht aber sicher nicht ausgeführt zu werden.
Wenn der Korrekturassistent sich langweilt, gilt: Überflüssig=Falsch; Bearbeiter fehlt der Blick für Schwerpunkte usw..
FeLdWieSe
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.02.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2006 - 15:55:37    Titel:

@Recht komisch: Könntest du kurz darauf eingehen, inwieweit du meine Ausführungen für seriös hälst? Würdest du, nachdem ich hoffe, dass du den spärlich geschilderten Sachverhalt nachvollziehen kannst, sagen, dass ich in etwa richtig liege? Hinsichtlich der Sachbeschädigung bei CD nur ein Versuch? Mißbrauch von Notruf ggf. entfallen lassen? Mord, KV, gefährliche KV, KV mit Todesfolge oder Totschlag? Vorsatz ergibt sich aus dem Sachverhalt ("findet sich damit ab"). Nötigung, KV und Bedrohung gerechtfertigt zum Erpressen eines Geständnisses, wo HA ist? Mobbing-->KV abwegig zu prüfen, oder möglich?

Würde mich über Resonanz freuen, sei sie positiv oder negativ.
FeLdWieSe
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.02.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 21 Feb 2006 - 14:03:29    Titel:

Es lag nicht in meiner Absicht recht komisch exklusiv anzusprechen, um andere darauf hinzuweisen, dass sie nicht mehr antworten sollen. Vielmehr wäre es enorm beruhigend, wenn dazu Stellung genommen werden könnte, inwieweit ich richtig respektive falsch bei der Einschätzung des Falles liege. Außerdem wäre interessant zu wissen, ob -wie in anderen HAs gesehen- mehrmaliges Wiederholen des gleichen Wortlautes in unterschiedlichen Tatkomplexen, z.B. Körperverletzung setzt voraus, dass eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesunheit geschädigt wird, von Nöten ist, jeweils unter anderer Fussnote (z.B. Wessels oder Baumann).
FeLdWieSe
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.02.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 23 Feb 2006 - 15:59:23    Titel:

Ich weiss nicht wirklich, ob der Sachverhalt einfacher ist, als all jene, welche hier noch auf dem Board kursieren. Selbst wenn dies so sein sollte, würde ich mich dennoch darüber freuen, wenn sich jemand erbarmen würde, und in die Niederungen eines Erstis heruntersteigt. Habe mir nun alle ähnlich gelagerten Fälle (Rötzel, Fenster-Sturz, Hochsitz) angesehen, wobei der Unterschied immer darin besteht, dass die Täter zu dem Zeitpunkt als das Opfer eingreift wissen, dass es noch am Leben ist, wobei mich das nicht weiter irritiert. Vielmehr bereitet mir, der aus meiner Sicht Verbotsirrtum i.V.m der Notwehr/dem Notstand Kopfzerbrechen und auch, ob im letzten Tatkomplex eine Nötigung/Freiheitsberaubung vorliegt und diese gegebenenfalls durch Notwehr/Notstand gerechtfertigt sind. Außerdem wüsset ich gerne, ob Mord/Totschlag im Tatkomplex, als A den C vermeintlich tötet, in Betracht kommt, da das Delikt erst durch das Verhalten des C selbst beendet würde. Wahrscheinlich sollte ich 223, 224, 222, 227 prüfen und die Prüfung 211 überhaupt nicht beginnen. Meint ihr doch mal etwas dazu!
Recht komisch
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 23 Feb 2006 - 17:04:52    Titel:

Wenn Du einen Vorsatz für die Tötung hast, solltest Du wohl mit dem vollendeten Delikt beginnen; der wiedergegebene SV ist aber in vielen Punkten nicht ganz klar.
Heimtücke erscheint nicht ausgeschlossen - vielleicht aber normative Einschränkung wegen Notwehrlage?; problematisch dürfte einmal die objektive Zurechnung des Todeserfolges sein (Unterbrechung wg. Eigenverantwortlichkeitsprinzip? Atypischer Geschehensverlauf? Wohl (-)). Dann bleibt beim Vorsatz, ähnlich dem Jauchegrubefall, die Frage des wesentlichen oder unwesentlichen Abweichens vom Kausalverlauf. Rechtlich erheblicher Irrtum? Außerhalb der Lebenserfahrung? Andere Bewertung erforderlich?
Nach BGH NStZ 2001, 29 kommt das sogar dann nicht in Betracht, wenn ein mit dem Verbergen der Leiche beauftragter Dritter möglicherweise vorsätzlich für den Tod verantwortlich ist - mE daher eher unwesentlich.

Im übrigen ließe sich noch präzisieren, daß der Täter, so ich den SV richtig verstanden habe, seine Hausarbeit gegen deren vermeintlichen Dieb verteidigt UND sich über die rechtlichen Grenzen des Rechtfertigungsgrundes irrt; das wäre dann ein sog. Putativnotwehrexzeß oder Doppelirrtum, der nach hM nach den Regeln des Erlaubnisirrtums zu behandeln ist. In dem Zusammenhang ist aber die Anwendung des § 33 ziemlich strittig.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Verzwickte Strafrecht-HA
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum