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Ist DAS eine Erpressung/Nötigung
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AndreXaver23
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Anmeldungsdatum: 20.08.2005
Beiträge: 53
Wohnort: Rostock

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 12:06:35    Titel: Ist DAS eine Erpressung/Nötigung

Hallo

ich habe ein großes Problem. Folgender Sachverhalt : A gibt dem B Bücher die A aus einem Betrug erlangt hat. Davon weiß B. B soll die Bücher kommissonsweise Verkaufen aber nicht unter 4000 Euro. Dafür soll er 20% des Kaufpreises erhalten. A weiß aber das die Bücher 7000 Euro wert sind.

B macht sich auf die Suche nach Käufern, findet keine und sagt der A er habe die Bücher verkauft für 4000 Euro und wird 3750 Euro ann sie weiterleiten. Damit ist A nicht einverstanden. Daraufhin droht B ihr mit "unannehmlichkeiten". A ist eingeschüchtert und nimmt die 3750 Euro.

Meine Frage : Ist das erpressung/nötigung ? Weil B macht ja genau was A eigentlich will...die bücher nicht unter 4000 Euro verticken.
HAbt ihr eine gute Idee ?
Kruemel26
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Anmeldungsdatum: 10.02.2006
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 13:06:41    Titel: Nötigung fehlt

Also man braucht zur Erpressung ja eine Nötigungshandlung. Nötigung bedeutet überwindung eines entgegenstehenden willens. hier hat die h ja genau den willen geäußert, dass die bücher nicht für unter 4000 weggehen sollen. woher soll der f denn wissen, dass ihr das eigentlich zu wenig ist? das mit den unannehmlichkeiten und dem eigentlichen nicht weiterverkauf müsste eigentlich auch noch von bedeutung sein, kann mir bloß grad nicht vorstellen wie. Rolling Eyes

Aber da stellt sich die frage worauf man nun abstellt, zeitlich gesehen, oder irr ich mich da? denn wenn du nur auf ihren plötzlichen sinneswandel abstellst und sagst er hat sie genötigt, somit also mit einem empfindlichen übel bedroht, dann kommst du ja dann bei er erpressung nur bis zur vermögensverfügung bzw zum vermögensnachteil oder nicht?? Denn sie bekommt ja nun Geld, ob das jetzt ein Vermögensschaden ist, weil sie "zu wenig" ( wie oben gesagt bekommt sie ja eigentlich nicht zuwenig, nach ihrer Auflage an F) bekommt, weiß ich allerdings auch nicht.

Andere Meinungen??? Question
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 14:21:46    Titel:

Den letzten Willen den A geäußert hatte war der, daß sie mit 3750,- Euro nicht einverstanden ist und diese nicht annehmen will.

Ob sie nun zuvor einen anderen (konträren) Willen hatte, oder ob ihr zuletzt geäußerter Wille zivilprozeßrechtlich durchsetzbar wäre spielt überhaupt keine Rolle für das Vorliegen ihres Willens.

(so wird man auch nicht aus der Tatsache, daß ein Verweigerungswille rechtlich nicht haltbar ist, wenn z.B. bei einer ordnungsgemäßen Pfändung der Schuldner durch die Polizei gehindert wird den Abtransport von Gegenständen zu verhindern, folgern, daß gar kein Verweigerungswille da wäre. Nach dem Motte er hat es schließlich geschehen lassen.)

Eine Unernstlichkeit des zuletzt geäußerten Willens ist nicht ersichtlich und läßt sich im Ergebnis wohl auch nicht allein daraus folgern, daß sie das zuvor anders sah.

Der Wille die 3750,- Euro nicht zu akzeptieren bzw. begnügen zu wollen steht.

Folgt man der Ansicht Ottos (Grundkurs Strafrecht §27 I) so ist Nötigung die Veranlassung eines anderen zu einem von diesem nicht gewollten Verhalten (Handlung, Duldung, Unterlassen) durch Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichem Übel.

Die A hatte den Willen geäußert das Geld nicht akzeptieren zu wollen.
Sie wollte das Geld somit nicht annehmen.
(und als logische Folgen natürlich erst recht nicht darauf vorzichten wollen den B weiterhin auf Zahlung zu belangen)

Die Drohung des B mit Unanehmlichkeiten ist ein Verhalten, daß der A die Folgen ihrer Verweigerung deutlich machen soll. Eben diese Drohung setze bei der A einen gedanklichen Prozeß in Gange an dessen Ende der Entschluß stand ihrem zuvor gefaßten Willen das Geld nicht akzeptieren zu wollen dem Wohle ihrer Gesundheit unterzuordnen was sie zu der Annahme des Geldes gegen ihren Willen veranlaßte.

Nötigung liegt vor.


Zuletzt bearbeitet von hani125 am 19 Feb 2006 - 14:52:24, insgesamt einmal bearbeitet
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 14:47:27    Titel:

Ach noch etwas zum geschichtlichen Hintergrund der Nötigung.
Ich kann das nicht ganz genau darlegen, da ich dann erst mal in die Gesetzesblätter nachgucken muß wie der Wortlaut exakt war.

Soweit ich weiß wurde die Nötigung um 1933 einer gesetzesnovelle unterzogen.

Vor 1933 war Nötigung durch Gewalt oder durch Drohung mit einem Verbrechen oder Vergehen zu erfüllen.

Die "großartige" Gesetzesnouvelle von 1933 machte das Gesetz dann sehr viel flexibler da ein Passus eingefügt wurde, nachdem eine Nötigung dann rechtswidrig ist, wenn sie so glaub ich mich zu erinnern irgendwie dem Volksempfinden widerspricht.
Mann konnte so sehr viel "gerechter" auf die Bedingungen des Einzelfalles eingehen.

Verblüffenderweise kehrte man nach 1945 jedoch nicht mehr zu der vor 1933 gültigen Fassung zurück, sondern strich das Merkmal Volksempfinden heraus.
Seitdem heißt es in §240 II Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

So haben wir glücklicherweise einen Paragraphen dessen Rechtswidrigkeit positiv festgestellt werden muß und nicht indiziert wird. Ist das nicht toll Smile ?
AndreXaver23
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Anmeldungsdatum: 20.08.2005
Beiträge: 53
Wohnort: Rostock

BeitragVerfasst am: 19 Feb 2006 - 17:33:54    Titel:

Shocked wow...

Danke für diese ausführliche Antwort !!!!!
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