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Intelligenz: Angeboren oder anerzogen ?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Intelligenz: Angeboren oder anerzogen ?
 
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Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: 02 März 2006 - 23:55:23    Titel:

Klare Antwort: an der sozialen Situation. Auch deutsche Kinder aus sozial schwachen Schichten besuchen vermehrt die Hauptschulen.

Jetzt kann man natürlich vermuten, dass eine Korrelation zwischen Intellekt und sozialer Schicht besteht. Die gibt es im Allgemeinen vielleicht schon aber m.E. nicht immer.
Bei Ausländern kommt eben das Sprachproblem hinzu. Das macht es natürlich noch ein Stück schwerer.

gruß
Pauker
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 8988

BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 00:05:48    Titel:

Man gebe mir ein Arbeiterkind und den Sprößling einer Akademikerfamilie. Das Arbeiterkind werde ich mit sorgfalt erziehen, für Bildung und soziale Kontakte sorgen. Das Akademikerkind werde ich bis auf ein paar Wutausbrüche sich selbst, dem Fernsehen und Videospielen überlassen. Ich denke, die Zukunft beider ist abzusehen. Erziehung ist individuell.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 00:20:47    Titel:

sic! Wobei ein genetischer Anteil nicht auszuschließen ist.
Letztlich ist aber (das ist meine Vermutung) kaum ein Kind SO genetisch "versaut", dass es mit der richtigen Aufmerksamkeit und Erziehung nicht doch zumindest einen ordentlichen Berufsabschluss schaffen kann. Vielleicht dauert es dann etwas länger mit dem Lernen, aber machbar ist es. Die Eltern müssen nur die Nerven haben (so wie meine Eltern - ewig sei es ihnen gedankt - bei mir gute Nerven brauchten)

Gruß
Pauker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 00:38:09    Titel:

Mir ist noch nicht ganz klar, was Du mit "sozialer Situation" meinst!

Das der Vater arbeitslos ist? Dann hätte er ja umso mehr Zeit, sich um die schulische Ausbildung sowie der Erziehung im Allgemeinen zu kümmern.

Oder meinst Du die Einstellung des Vaters zur Erziehung, die Diziplin? Dann müßte man Fragen, wieso er so eine Einstellung hat. Weil seine eigene Erziehung schlecht war? Müßte man dann weniger von sozialer Situation sprechen, sondern von - hm wie nennt man das? Erziehungsmilieu? Oder mentale Struckturentwicklung?

Haben die Einwanderer diese schwache, mentale Strucktur mitgebracht, oder hier erworben?
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3975

BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 01:59:57    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:

Jetzt kann man natürlich vermuten, dass eine Korrelation zwischen Intellekt und sozialer Schicht besteht. Die gibt es im Allgemeinen vielleicht schon aber m.E. nicht immer.
Bei Ausländern kommt eben das Sprachproblem hinzu. Das macht es natürlich noch ein Stück schwerer.


Solch eine Korrelation besteht de facto natürlich (die Einschränkung, dass es nicht immer gilt ist natürlich obligatorisch), allerdings sagt dies noch nichts über die Ursache aus. So ich mich recht entsinne kann nach dem jetzigen Wissensstand ruhigen Gewissens als tragfähige Theorie festgehalten werden, dass die ohnehin etwas schwammige Zielgröße Intelligenz zu ungefähr gleichen Teilen auf der genetischen Veranlagung und der Sozialisation (die Erziehung ist ein Teil eben dieser) basiert.
Die unabhängige Variable für die Intelligenz (abhängige Variable) ist demnach die Schichtzugehörig und die Vererbung.
Folgende Thesen können dazu aufgestellt werden und natürlich auch gerne kritisch beäugt werden.

a) Menschen mit einer hohen operativen und sozialen Intelligenz neigen eher dazu einen langen Bildungsweg einzuschlagen und einem akademischen oder dem Berufsbild der Facharbeiterschaft zu folgen.
b) Menschen mit einem solchen Bildungshintergrund und ausgeübten Berufen gelten aufgrund ihres finanziellen, kulturellen und inkorporierten Kapitals (vgl. Bourdieu) einer "höheren Schicht" anzugehören.
b) Menschen "höherer Schichten" sind zwar nicht per se liebevollere Eltern, können jedoch ihrem Kind schon während der Primärsozialisation deutlich mehr mit auf dem Weg geben. Vulgo treten diese Kinder mit höheren Sprachfertigkeiten (der wichtigste Punkt), einem anderen Sozialverhalten und anderen Umgangsformen in die Grundschule ein. Der höhere Lernerfolg, auch bedingt durch die Unterstützung der Eltern daheim (z.B. können Eltern mit Migrationshintergrund ihren Kindern häufig nicht helfen einen gelungenen Deutschaufsatz für die vierte Klasse zu verfassen), ist eine logische Folge.
c) Motivationstheorisch läßt sich stark (und fast schon unbillig) vereinfacht auf den Punkt bringen, dass "bildungsferne Schichten" und "Bildungsschichten" ihren Kindern andere Motivationen mit auf den Weg geben. Bildungsschicht: Hohe intrinsische Motivation. Das Kind erfährt von den Eltern, dass es vieles erreichen kann wenn es sich bemüht und dass es wichtig ist im Leben etwas aus sich zu machen. Wettbewerbsverhalten und Rivalität werden implizit in die Wiege gelegt, natürlich in einem sehr unterschiedlichen Maße. In den eigenen Eltern hat das Kind zwar nicht unbedingt Vorbilder, aber zumindest ein Beispiel für eine realisierte positive Karriere. Bildungsferne Schicht: Extrinsische Motivation. Die Welt ist hart und zumeist ungerecht. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Die Politiker und die Gesellschaft im Allgemeinen sorgen dafür, dass die kleinen Leute klein gehalten werden. Während das Kind der Bildungsschicht der Meinung ist mit einer guten Ausbildung einen Job zu erhalten, resignieren Kinder aus bildungsfernen Schichten schnell und lernen auch im Familienumfeld teilweise sehr früh, dass es offenbar einfach keine Jobs gibt. Während das Bildungskind sich selbst als "Akteur" sieht, versteht sich das bildungsferne Kind eher als "Spielball". Deshalb lese ich auch gerne in diesem Forum, ist schön anzuschauen wer sich welcher Argumentation bedient warum es mit diesem Land augenscheinlich bergab geht.

Ergo resultieren die Intelligenz und der Bildungserfolg (starke Korrelation zum beruflichen Erfolg) aus der Kombination aus der genetischen Veranlagung und der Erziehung. Allerdings ist es häufig so, dass gerade diese beiden Faktoren miteinander einhergehen und somit den Effekt verstärken.

Wie sieht es nun mit Kindern aus, deren Eltern einen Migrationshintergrund haben?

Eine Frage, mit der man sich natürlich nur in die politischen Nesseln setzen kann ist jene, ob die Migranten einen niedrigeren IQ aufweisen und somit potentiell schlechtere Erbanlagen bieten. Nicht ideologisch verbrämte Studien darüber ob negride, kaukasische, indo-germanische oder sonstige "Rassen" jetzt mehr oder weniger intelligent sind, gibt es nicht oder sind mir persönlich unbekannt. Wir gehen einfach davon aus, dass es keine signifikanten Unterschiede existieren. Bei der Religion scheiden sich schon die Geister. Max Weber und die Betrachtung des Arbeitsethos der verschiedenen Religionen ist vielen hier vielleicht ein Begriff. Martin Offenbacher hat damals empirisch erhoben, dass in Deutschland die Juden beruflich die mit Abstand erfolgreichste Glaubensgemeinschaft sind, danach folgen die Reformierten, dann die Protestanten und am Schluss die Katholiken. Noch heute gibt es übrigens lesenswerte, aber natürlich mit Vorsicht zu genießende Studien aus den Kolonialzeitalter die sich mit fremden Religionen/Kulturkreisen beschäftigen. Dem ostasiatischen Kulturraum wurde schon früh eine "Erziehung" zugesprochen, die das Potential zu einer großen Blüte hat wobei bis heute alle Studien zum sub-saharischen Kulturkreis eher düster ausfallen. Der Islam ist gar nicht einmal schlecht dabei, aber hat einen völlig anderen Arbeitsethos als insbesondere die Reformierten, die Begründer des Kapitalismus. Lateinamerika ist traditionell eher "katholisch-faul".
So, jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Ignorieren wir die Religion, das ist bestenfalls ein Streitthema.
Was so schwer wiegt, dass dadurch jedes andere Argument bezüglich des Migrationshintergrundes überschattet wird: Die Sprachfertigkeit. Unglaublich banal, jedem einleuchtend und doch häufig verkannt. Dazu kommt die Entwurzelung der Eltern (trifft Russlanddeutsche in aller Regel besonders hart, aber diese Zuwanderergruppe nimmt ja bekanntlich ab). Türkische Jugendliche sind besser integriert als andere Gruppen, auch wenn natürlich Negativbeispiele hervorstechen. Die sehr zahlreichen Vietnamesen (aus der DDR) in Deutschland genauer gesagt deren Kinder gelten in aller Regel - man ist fast geneigt zu sagen wie alle Migratenkinder aus Ostasien - als sehr ehrgeizig und leistungswillig.

Persönlich lehne ich es als "Gutmenschentum" ab zu behaupten, alle Menschen wären in der Summe ihrer Talente gleich. Aufgrund der genetischen Veranlagung kann nicht jedes Kind beliebig geformt werden, aufgrund der durchlaufenen, teilweise schwer zu behebenden Erziehung kann operative Intelligenz fehlgeleitet werden und soziale Intelligenz verkümmern. Empirische Wissenschaften, die nach Antworten suchen und Handlungsorientierungen auf den Weg geben wollen, kommen um solche Annahmen nicht herum. Wenn ich beispielsweise annehme Männer und Frauen sind nicht nur de jure gleichgestellt, sondern unterscheiden sich auch in ihren Instinktresiduen und darauf aufbauenden soziobiologischen Faktoren nicht, werde ich nur suboptimale Ergebnisse erzielen.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
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BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 04:23:17    Titel:

Der obige Beitrag wurde in die Kategorie "exzellente Artikel" aufgenommen.

Übrigens fällt mir grad ein weiterer Grund für den geringen Anteil von Kindern aus sozial schwächeren Familien auf Gymnasien - und damit auch Hochschulen - ein: Gruppenzwang. Ich bin selbst in einem solchen Problemviertel aufgewachsen - und da wir schon bei Schlagworten sind: Ich habe auch Migrationshintergrund - und habe dort feststellen müssen, dass es für in solchen Gegenden wohnende Jugendliche nicht zum guten Ton gehört, ein Gymnasium zu besuchen. Das reicht von Hänseleien bis hin zu "richtig was auf die Fresse"; mit all diesen Formen der Ablehnung habe ich zu Unterstufenzeiten Bekanntschaft schliessen dürfen. Im Nachhinein ist es nicht verwunderlich, dass im Laufe der Zeit praktisch alle Jugendlichen aus meiner Gegend das Gymnasium verlassen haben - das verschafft einem eine Menge Respekt. Man wird sofort viel cooler, wenn man vom Gymnasium auf die Gesamtschule oder die Realschule wechselt, von der radikal abnehmenden Gefahr für Leib und Leben (Und Fahrradreifen) ganz zu schweigen. Wenn den Kindern von klein auf solch ein Rollenbild vermittelt wird - und das erfahrungsgemäß in krassestem Schwarzweiss - dann braucht man sich über mangelnde Bildung nicht zu beklagen. Bei meinen Schulkameraden aus den "Einfamilienhausgegenden" war es übrigens genau andersrum; da musste man auf dem Gymnasium sein, um "dazuzugehören". Erinnert mich irgendwie an das Alpha/Beta/Gamma/Delta - Prinzip aus Brave New World.

In diesem Zusammenhang merke ich auch an, dass die Kenntnis der deutschen Sprache auch für mich der Zentrale Punkt der Integrations- und Bildungspolitik ist. Die einzigen beiden Ausländerkinder aus meiner Grundschulklasse, die es aufs Gymnasium geschafft haben, haben Förderunterricht in Deutsch bekommen, und ich kann in meinem Bekanntenkreis eine eindeutige Korrelation von Sprachkompetenz und Sozialisation sowie schulischem Erfolg bestätigen.
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BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 05:45:58    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

Solch eine Korrelation besteht de facto natürlich (die Einschränkung, dass es nicht immer gilt ist natürlich obligatorisch), allerdings sagt dies noch nichts über die Ursache aus. So ich mich recht entsinne kann nach dem jetzigen Wissensstand ruhigen Gewissens als tragfähige Theorie festgehalten werden, dass die ohnehin etwas schwammige Zielgröße Intelligenz zu ungefähr gleichen Teilen auf der genetischen Veranlagung und der Sozialisation (die Erziehung ist ein Teil eben dieser) basiert.



Das erscheint mir, wenn ich es überdenke, in sich nicht stimmig und auch nicht logisch. Weil sich eine innerartliche genetischen Präferenz unserer Intelligenz ebensowenig wie das Gegenteil nachweisen lässt ist es ziemlich abenteuerlich und stochastisch eher Unsinn, zu behaupten das Intelligenz in gleichen Anteilen auf Sozialisation und genetischer Präferenz beruht. Vielmehr kann man nur vermuten, dass beides die Intelligenz beeinflusst, aber kaum in welchem prozentualen Ausmass dies geschieht. Es ist überhaupt eher fraglich, wenn unterschiedliche Faktoren in nicht bekannter Art und Weise einen Effektes bewirken, anzunehmen, dass sich der Anteil der einzelnen Faktoren prozentual angeben lässt. Es ist das bekannte buddistische Rätsel, dass diesen Zusammenhang erläutert: Welches Geräusch verursacht die linke Hand, wenn wir in die Hände klatschen?

Die Größe einer Pflanze ist gegenüber der Intelligenz des Menschen in wesentlich stärkerem Maße genetisch präferiert. Zum Beispiel finden sich auf dem Weg die bekannten Trittrasenarten Plantago major die meist sehr klein ausfallen und dessen trittresistente Blätter auch den scharfen Hufen der Rinder widersteht. Ohne Tritt und mit entsprechenden Nährstoffen vesorgt können die Exemplare einer solche Wegerichart mitunter sehr viel größer werden, ich habe schon Exemplare in einem schattigen Garten mit über 40 cm Blattgröße entdecken können. Dass dieser Wegerich dort existieren konnte, ist allerdings eher ungewöhnlich, denn in der Regel wäre er von Brennnesseln oder anderen nitrophilen Arten verdrängt worden, die ohne Trittbeklastung dem Wegerich überlegen sind Dieses Beispiel zeigt, wie vorsichtig wir mit sogenannten genetischen Präferenzen umgehen müssen und wie schnell wir klassischen Irrtümern unterliegen. In beiden Fällen ist eine extrem hohe genetische Präferenz für die Größe existent und trotzdem definiert die Umwelt einen gewaltigen Größenunterschied. Es lässt sich an diesem relativ einfachen Beispiel zeigen, dass der Ansatz einer prozentualen Aufteilung zwischen Genetik ud Umwelt eine unzulässige Vereinfachung eines weitaus komplexeren Wirkungsgefüge darstellt.

Ich denke das Intelligenz sicher ein komplexeres Phänomen darstellt, als die Größe einer Pflanze. Zunächst müssten wir in der Tat Intelligenz allgemeingültig definieren, bevor wir sie messen, allein daran scheitert es meiner Auffasung nach. Was das ist, was mit dem Intelligenzquotient gemessen wird? Daran scheiden sich die Geister, ursprünglich waren die IQ-Tests nichts anderes als Schuleignungstest. Wir wissen also nicht genau was Intelligenz ist, noch wissen wir was ein IQ-Test eigentlich misst. Gerade dieser Test wird von der breiten Mehrheit aber so gerne angenommen und hat schon fast axiomatischen Charakter, während viele Fachleute ein eher kritisch distanziertes Verhältnis zeigen.

IQ-Tests, Zwillingsforschung, Rassismus und Engegagement um politisch "nationalen" Raum haben in der Wissenschaft eine lange und unrühmliche Tradition, nicht erst seit den KZ-Ärzten von Birkenau und Dachau. Das gab es schon in den USA um die Sklaverei zu rechtfertigen und später erklären zu können warum eine Gesellschat die angeblich allen die gleichen Chancen bietet eine soziale Schieflage entwickelt. Die Einteilung des Menschen in Rassen ist seit dem HGP als einer der größten Irrlehren in den Humanwissenschaften aufgedeckt worden- Mich würde es nicht überraschen, wenn genau das auch mit unseren Vorstellungen über genetische Präferenzen der Intelligenz geschieht.

Wenn wir überlegen, dass wir vielleicht im Laufe unseres Lebens nur ein Bruchteil der möglichen kognitiven Ressourcen nutzen geraten genetische Präferenzen, sollten sie auf der Existenz von Ressourcen beruhen eher fraglich. Wenn wir weiter beobachten dass Lösungsstrategien, räumliches Vorstellungsvermögen und Geschwindigkeit trainiert werden können sind Annahmen genetischer Präferenz als soziobiologische Erklärungsansätze eher fragwürdig. Unsere Vorstellungen unsere Modelle unsere Denkmuster unsere Begriffe in denen wir denken sind tradiert und nicht genetisch vorgegeben. Wir träumen in der Sprache, die wir als Kind gelernt haben und in der wir uns tagtäglich unterhalten, Genetik schafft da nur die Strukturen in denen Denken stattfinden kann, es sagt wenig über die Paradigmen aus. Wenn wir in einer bestimmten Sprache denken, nutzen wir bestimmte Denkmodelle. Analogien und Mustervergleiche die durch sprachliche Begriffe assoziieren sind daher tradiert und nicht genetisch verursacht. Ich glaube, wie schon ausgeführt, nicht daran, dass man bei der Lösung eines Problems überhaupt angeben kann, wie hoch der Anteil genetischer Faktoren ist. Eine zufällige Erfahrung, eine Übereinstimmung in einem Muster führt zur Lösung eines Problems. Was ist daran genetisch präferiert? Die Erfahrung, das zufällige Moment und auch die Motivation sicher nicht. Geschwindigkeit könnte ein Faktor sein, aber wie zeigt sie sich? Wer denkt weniger intelligent? Jener der sich sofort auf eine offensichtliche Lösung konzentriert und dadurch in einem entsprechend auf Zeit konzipierten Test bessere Werte erzielt oder jener, der ein Problem von allen Seiten beleuchtet, ganz andere Lösungen (oder mit anderen Strategien zur gleichen Lösung gelangt) und dadurch tiefere Einsichten erlangt, aber etwas länger zur Lösung des konkreten Problems benötigt?

Der IQ-Test erscheint mir immer noch in erster Linie politisch genutzt zu werden und das "nachzuweisen", wozu er ursprünglichen konzipiert wurde, die angebliche Überlegenheit einer Bildungselite über eine ungebildete Masse. Als Schultest hat er vielleicht seine Berechtigung, als wissenschaftliches Instrument ist er eher von zweifelhaftem Wert.


Mit freundlichen Grüßen
ein
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BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 11:06:54    Titel:

Lamasshu schrieb:
Zitat:
Ergo resultieren die Intelligenz und der Bildungserfolg (starke Korrelation zum beruflichen Erfolg) aus der Kombination aus der genetischen Veranlagung und der Erziehung. Allerdings ist es häufig so, dass gerade diese beiden Faktoren miteinander einhergehen und somit den Effekt verstärken.

Mir scheint, Lamasshu trifft hier den Nagel auf den Kopf. Denn seine Aussagen decken sich mit dem, was man tausendfach im Alltag beobachten kann. Von daher gefällt mir Lamashu´s Beitrag ausgesprochen gut.

Erziehung:
Kinder von Akademikern bekommen i.d.R. reichlich Unterstützung beim Lernen und, was ich für ganz wichtig halte, die mentale Struckur bzw. Diziplin vermittelt, um beharrlich ein Lernziel zu verfolgen. Umgekehrt wird diese Diziplin und emotionale Standfestigkeit in Familien von Sozialhilfeempfängern meißtens nicht vermittelt. Eine Verwandte von mir arbeitete in einem Heim für schwangere Jugendliche, dort waren hauptsächlich Mädchen aus sozial schwachen Familien und meine Verwandte berichtete davon, daß es fast unmöglich war, den Mädchen ihre angeborene Unstruckturiertheit abzutrainieren. Was in der Erziehung nicht vermittelt wurde, ist kaum noch nachträglich zu vermitteln. Von daher stehe ich den Versuchen des Staates, die defizitäre Erziehung in Einwandererfamilien nachträglich beheben zu wollen skeptisch gegenüber.

Intelligenz:
Wenn Intellligenz nicht genetisch bedingt wäre, wieso gibt es dann so wenig Einsteins? Wieso kann man Stefan und Erkan dann nicht zu Einsteins machen? Smile Auch hier scheint mir Lamassu recht zu haben, wenn er von angeborener Intelligenz spricht, die jedoch auch durch die Erziehung gefördert werden muß, um sich richtig entwickeln zu können.


Offensichtlich ist gute, struckturierte Erziehung wertvoller als Gold! Deshalb forderte ich in einem anderen Thread sozial schwache Stadtteile mit "Supernannis" a la TV-Serie zu überziehen, um Schulungen zur guten Erziehung durch zu führen. Sprachkurse sind ja grundsätzlich nicht schlecht, streifen das Hauptproblem jedoch nur peripher!
Lamasshu
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Beiträge: 3975

BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 11:46:06    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Das erscheint mir, wenn ich es überdenke, in sich nicht stimmig und auch nicht logisch. [...]
Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger


Nur ganz wenige Punkte möchte ich herausgreifen, mir fehlt es nun gerade und für die nächsten drei Tage schlicht an Zeit um dieses interessante Thema näher zu beleuchten.

Natürlich ist die wie auch hier so oft angestrebte "objektive Wirklichkeit" deutlich komplizierter und wird - davon gehe ich aus - auch zu unseren Lebzeiten oder gar niemals zufrieden stellend dargelegt werden.
Dennoch ist es notwendig Komplexität zu reduzieren um überhaupt darüber sprechen zu können. Meine Aussage ist kein unumstößliches Axiom und keine Logik, es ist eine begründete Annahme und als solche falsifizierbar. Wenn du allerdings dagegen ein "Intelligenz ist komplex und hängt von tausenden von Faktoren ab, die wir nicht kennen" ins Felde führst ist zwar eine ausufernde Diskussion, allerdings eine Handlungsorientierung möglich. Wie genau sich Intelligenz genetisch bedingen lassen könnte, weißt du als Biologe sicherlich besser als ich.

Es gibt nichts schlimmeres für die Sozialforschung als den unverbindlichen Relativismus (wobei ich in der Kulturforschung auch eher zu einem Herder als einem Parson, Marx oder Kant tendiere). Vor einiger Zeit war ich Mitglied einer kleinen Forschungsgruppe, die sich auf den Umgang mit Krankheitsbildern in der Gesellschaft beschäftigte. Auf die Frage hin, bei welchen Personengruppen wir welches Frageverhalten an den Tag legen sollte antwortete Person an, welche sich wohl als klassische Vertreterin der Humanwissenschaften bezeichnen würde, nur "Das hängt immer von der einzelnen Person ab. Kein Mensch ist wie der andere, alle haben persönliche Präferenzen, Erfahrungen und sonstige Einflüsse, die sein Verhalten bestimmen. Es gibt keine Verallgemeinerung." Dahingegen rollte Person B, als Vertreter der, nennen wir es angewandten Humanwissenschaften, mit den Augen und begann seine Ausführungen etwa so: "Bei der Zugehörigkeit zum Cluster A, bedingt durch Schulbildung und Haushaltseinkommen, ist bei Merkmal B eher mit einem diskreten Antwortverhalten zu rechnen während Cluster B generell zu einem stetigen Verhalten neigt. Für die Fragestellung bedeutet dies...".

Person erscheint sehr technokratisch und deterministisch, dieser Eindruck ist vielleicht auch von meinem Beitrag ausgegangen. Allerdings ist die Aussage von Person A vor allem eines: Sehr konsensfähig, menschlich unbedenklich, leicht verdaulich....und für die Praxis völlig unbrauchbar". Letztendlich zeigte sich natürlich, dass auch Person B nicht die gesamte Grundgesamtheit mit seiner Aussage abdecken kann, aber mit seinen Thesen konnte gearbeitet werden.

Noch eine Kleinigkeit zum Reizwort "Rasse". Das Wort polarisiert, ist ideologisch aufgeladen und wird doch aufgrund der Ermanglung eines besseren Wortes von mir hier benutzt. Dass es verschiedene Rassen, oder sagen wir lieber Phänotypen, von Menschen gibt, ist offensichtlich: Platt ausgedrückt sieht ein Chinese eben anders aus als Kongolese. Sind die Menschen hinter der Fassade nun alle gleich oder haben sie Unterschiede? Nun, wir wissen alle wozu letzteres geführt hat, wobei ich hier nicht die große Nazikeule schwingen möchte.
Auch hier ist nicht zwischen Umwelteinflüssen und genetischer Veranlagung zu unterscheiden. Lange dachte man, dass Inselsüdostasiaten eben deutlich kleiner vom Wuchs sind als andere "Rassen", worauf schließlich das allseits beliebte McDonalds das Gegenteil bewiesen hat. Dennoch bleibt es (zumindest mir) schlicht noch ein Rätsel, warum Sichelzellenannimie, Multiple Sklerose usw. signifikant häufiger auf bestimmte Menschengruppen entfallen.
Noch einmal: Es geht mir nicht um das platte „dummer Neger, schlauer Weißer“. Das sind nur die ersten Assoziationen, die sich einem in Deutschland immer aufdrängen.

Aber was ich eigentlich sagen wollte: Nehmen wir ruhig an, dass der Einfluss der Genetik nicht 50, sondern 70, 30 oder 0,2% beträgt. Das entkräftet auch nichts von meiner Argumentation, die ich im betroffenen Beitrag getroffen habe. Mir einer "humanistischen Unverbindlichkeit", nach es für wahrgenommene Probleme keine Ursachen gibt, kann zumindest aber ich nicht arbeiten.

@Ersin. Mir ist nicht offensichtlich, worauf du dich mit deinem Beitrag beziehst. Falls du mich damit ansprechen solltest, bin ich über jede sachdienliche Diskussion natürlich froh. Schließlich lerne ich gerne noch dazu.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 03 März 2006 - 12:39:28    Titel:

DANKE lieber Gott, DANKE, dass du in dieses Forum intelligente Menschen (wo auch immer das herkommt) geschickt hast. Ich lese die Beiträge mit Genuss. Ich bin als Lehrer eher "praktizierender interessierter Laie". Bleibt uns bitte mit guten Beiträgen erhalten.

Gruß
Pauker
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