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Anarcho-Kapitalismus, eine Illusion ?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Anarcho-Kapitalismus, eine Illusion ?
 
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Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 10:38:28    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Bleibt aber trotzdem die Frage, wer der Eigentümer sein soll. Im Augenblick maßt sich der Staat an Grenzwerte festzulegen und z.B. Ökosteuer zu erheben. Ist zwar nicht perfekt aber immer noch besser als nichts.


Sicher, geographisch gebundene Umwelt lässt sich privatisieren, Atemluft nicht. Aber jeder Mensch besitzt das Eigentumsrecht an sich und seinem Körper. Jeder Eingriff in das Eigentum eines Menschen, wie zum Beispiel die Verschmutzung der Atemluft, ist nach anarcho-kapitalistischer Lehre als Aggression abzulehnen.

Die Frage die sich stellt ist, brauchen wir, um dieses Eigentumsrecht zu schützen, einen Staat, oder können wir das auch privat ordnen ? Man könnte sich Unternehmen oder Versicherungen denken, die dieses Eigentumsrecht zusichern. Mögen diese nun auf vertragliche Weise oder technisch dafür sorgen, dass die Luft gereinigt wird, sei dahingestellt. Sie könnten es auch mit Gewalt durchsetzen, falls irgendein Luftverschmutzer die Eigentumsrechte seiner Mitmenschen nicht achtet.

Die Gewaltlösung wäre übrigens das pendant zur staatlichen Lösung, wir dürfen nicht vergessen, Staat bedeutet, wir üben über unsere Stimmabgabe Gewalt gegen unsere Mitmenschen aus. Stell Dir vor, die Mehrheit der Bevölkerung wählte eine Regierung, die die Grenzwerte drastisch senkte, und Auflagen für Filtersysteme aufheben würde. Dann würde die Mehrheit der Bevölkerung Gewalt gegen die Minderheit ausüben, die unmittelbar neben Fabrikschloten lebte.
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 19 Apr 2006 - 20:58:47    Titel:

Einklagbar ist ja schon die Unterbindung von Zigarettenrauch am Arbeitsplatz. Diesbezüglich wird die Atemluft weniger als Allgemeingut, sondern eher als individuelles Gut gesehen. Der Einzelne zieht die Konsequenz, für sich und seine Gesundheit die Aufhebung der Beeinträchtigung zu erwirken.

Daraus ableitend könnte jede andere Beeinträchtigung der Atemluft, die jedenfalls unmittelbar das Individuum belastet, einklagbar sein. Allerdings wäre der Staat wohl zunächst bemüht, derartigen Klagen, aus denen ja auch Sammelklagen werden könnten, einen Riegel vorzuschieben. Denn letztendlich würde so der Staat als Quasi-Eigentümer der Atemluft selber als Beklagter vor dem Kadi stehen. Das lässt sich aber mit Richtwerten weitgehend unterbinden. So kontrolliert er lieber selbst, notfalls als Kläger, die Einhaltung seiner Richtwerte. Und wurden die Richtwerte nicht eingehalten, so kann sich die betroffene Bevölkerung - wenn überhaupt - allenfalls mit einem relativ geringfügigen Schadensersatz begnügen.

Im übrigen sei noch angemerkt, dass der Konsum von „billigen“ Gütern weder die Hinnahme noch die Akzeptanz der Umweltverschmutzung fördert, sondern dadurch das Angebot umweltverträglicher Güter zu günstigen Preisen belebt wird. Auch Discounter werden dazu übergehen, zum Beispiel vermehrt Öko-Kost anzubieten und zwar preiswerter als im Supermarkt. Vom Preis-Wettbewerb gehen letztendlich Innovationen aus.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
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BeitragVerfasst am: 19 Apr 2006 - 23:54:31    Titel:

Den Staat zum "Eigentümer" zu machen, der über Grenzwerte die Sache regelt ist ja der jetztige Zustand. Wie man aber Atemluft privatisieren will, leuchtet mir noch nicht ein.
Da die Nutzung nicht ausgeschlossen werden kann, reicht es nicht, wenn ich mir verbitte, dass meine Luft nicht verpestet wird. Selbst wenn das viele mit mir wollen, reicht es nicht. Letztlich reicht einer der die Verpestung genehmigt und alle haben zu leiden. Wie will man Luftportionen verteilen?

Gruß
Pauker
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 20 Apr 2006 - 00:27:33    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Letztlich reicht einer der die Verpestung genehmigt und alle haben zu leiden.


Dann hat der potentielle "Verpester" eine Genehmigung. Aber er braucht ja die Genehmigung aller, ansonsten greift er ungerechtfertigt in die Eigentumsrechte aller anderen ein.


Zuletzt bearbeitet von Sheep am 20 Apr 2006 - 00:32:36, insgesamt einmal bearbeitet
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
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BeitragVerfasst am: 20 Apr 2006 - 00:32:32    Titel:

Ein Verpester wird ja nie die Genehmigung ALLER bekommen können.

Gruß
Pauker
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 20 Apr 2006 - 00:51:45    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Ein Verpester wird ja nie die Genehmigung ALLER bekommen können.

Gruß
Pauker



Dann darf er es eben auch nicht tun, oder es kommt zu einer vertraglichen Einigung. Einmalige oder monatliche Entschädigungszahlungen, oder schriftlich festgehaltene von allen Vertragsparteien akzeptierte Grenzwerte. Entscheidend ist aber, dass die Einigung zwischen Individuen verhandelt wird, die unmittelbar betroffen sind.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 20 Apr 2006 - 02:28:42    Titel:

Die Anzahl der betroffenen Individuen wird aber nicht feststellbar sein. Sie ist theoretisch so groß, wie die Erde Einwohner hat. Jedes Milligramm Quecksilber z.B. kann über Umwege am anderen Ende der Welt wieder hervorkommen.
Die menschliche Natur sagt mir angesichts so mancher belangloser Nachbarschaftsstreitigkeiten, wo man sich noch nicht mal gütlich über angebrachte Lampen und überhängende Äste einigen kann, dass ein paar Quertreiber somit den Aufbau einer Fabrik, die die Mehrheit möchte (z.B. wegen Arbeitsplätzen) dauerhaft und wirkungsvoll verhindern kann. Immerhin sind ihre Luftverschmutzungsrechte auf jeden Fall betroffen.
Ein Land kann SO nicht funktionieren. Je größer die Anzahl der Betroffenen umso unwahrscheinlicher wird eine Einigung. Diese könnte nur über Mehrheitsbeschlüsse wirken. Aber dann hätten wir ja wieder eine Art staatlicher Organisation.

Luftsauberkeit ist ein typisch öffentliches Gut, weil die Nutzung sauberer Luft nicht ausgeschlossen werden kann und sie daher nicht für die Privatisierung geeignet ist. Ein typisches Beispiel aus der VWL, wo es ohne Staat nicht geht.

Gruß
Pauker
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 20 Apr 2006 - 13:04:29    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Die Anzahl der betroffenen Individuen wird aber nicht feststellbar sein.


Der Fehler ist, Du denkst jemand müsse die Individuen feststellen. Aber hier gilt, wie im Rechtssystem "wo kein Kläger, da kein Richter".

Zitat:
Jedes Milligramm Quecksilber z.B. kann über Umwege am anderen Ende der Welt wieder hervorkommen.


Genau, und Du weisst doch im Moment genausowenig, ob jemand Dein Wasser oder Deine Luft verschmutzt. Du glaubst, Du brauchst einen Staat, der das überwacht, und zahlst ihm dafür Steuern. Dann kannst Du das aber genauso über ein privates Unternehmen erledigen. Letztendlich sind es sowieso private Unternehmen, vom Staat, von Deinen Steuern bezahlt, die darüber wachen.

Zitat:
Die menschliche Natur sagt mir angesichts so mancher belangloser Nachbarschaftsstreitigkeiten, wo man sich noch nicht mal gütlich über angebrachte Lampen und überhängende Äste einigen kann, dass ein paar Quertreiber somit den Aufbau einer Fabrik, die die Mehrheit möchte (z.B. wegen Arbeitsplätzen) dauerhaft und wirkungsvoll verhindern kann.


Im Moment ist es doch in unserem Gesellschaftssystem nicht anders, obwohl wir den allheilbringenden Staat besitzen, und der ist gerade in Deutschland (im Vergleich zu manch anderen Staaten) sehr gross, mächtig und teuer. Durch ihn verhindert eine Minderheit nicht nur den Aufbau einer Fabrik, sondern ganzer Wirtschaftszweige aus teilweise ideologischen oder sonstigen Gründen. (Gentechnik, Atomkraft, Transrapid, Start- und Landebahnen).

Zitat:
Ein Land kann SO nicht funktionieren.


Und trotzdem "funktioniert" Deutschland irgendwie SO. Sicher, viele Arbeitsplätze entstehen einfach nicht, durch staatliche Regularien, viele Aufträge werden bürokratisch verhindert, und letztendlich aufgrund Druck einer Lobby, die die regierenden Politiker berücksichtigen, um wiedergewählt zu werden.

Der Unterschied liegt aber darin, dass ich dazu den Staat nicht benötige. Wenn ich nicht will, dass der Transrapid über meinem Acker gebaut wird, dann wird er dort nicht gebaut, oder ich entscheide mich, entsprechend entschädigt, zuzustimmen. Aber in der Höhe, die ich festlege, bzw. auf wir uns einigen können.

Der Vorteil liegt aber nun darin, dass jemand anderes nicht enteignet werden darf, wie es leider auch in Deutschland noch geschieht. Der Vorteil liegt darin, dass "Mehrheit" kein Persilschein ist, Zwang gegen Menschen auszuüben zu dürfen. Der Vorteil liegt weiterhin darin, dass sich nicht jemand (am anderen Ende des Landes), in einen Vertragsabschluss einmischen darf, wenn er nicht betroffen ist. Wenn ich und meine Nachbarn erlauben, dass die Fabrik neben meinem Grundstück gebaut werden darf, muss jemand aus Hinteroberuntergau schon genau begründen, inwiefern dies ein Eingriff in das Eigentumsrecht an seinem Leben darstellt. Reine Ideologie reicht als Begründung nicht aus, die Menschen sind gezwungen ihre Anliegen zu formulieren.

Zitat:
Luftsauberkeit ist ein typisch öffentliches Gut, weil die Nutzung sauberer Luft nicht ausgeschlossen werden kann und sie daher nicht für die Privatisierung geeignet ist. Ein typisches Beispiel aus der VWL, wo es ohne Staat nicht geht.


Sonnenlicht kann auch nicht privatisiert werden, bedeutet das, dass alle Lebensformen dieser Erde immer einen Staat bilden müssen ?
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 24 Apr 2006 - 16:04:49    Titel:

Neue soziale Marktwirtschaft ist besser als Anarcho-Kapitalismus.
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 25 Apr 2006 - 12:45:16    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Der Vorteil liegt aber nun darin, dass jemand anderes nicht enteignet werden darf, wie es leider auch in Deutschland noch geschieht. Der Vorteil liegt darin, dass "Mehrheit" kein Persilschein ist, Zwang gegen Menschen auszuüben zu dürfen. Der Vorteil liegt weiterhin darin, dass sich nicht jemand (am anderen Ende des Landes), in einen Vertragsabschluss einmischen darf, wenn er nicht betroffen ist. Wenn ich und meine Nachbarn erlauben, dass die Fabrik neben meinem Grundstück gebaut werden darf, muss jemand aus Hinteroberuntergau schon genau begründen, inwiefern dies ein Eingriff in das Eigentumsrecht an seinem Leben darstellt. Reine Ideologie reicht als Begründung nicht aus, die Menschen sind gezwungen ihre Anliegen zu formulieren.

Würde mit so komplizierten Verhandlungsverfahren nicht viel mehr wirtschaftliche Initiative gebremst werden als durch staatliche Bürokratie?

Antworte bitte auf das obere, aber ich will noch hinzufügen: Du siehst den Staat immer als eigenständigen Akteur. Das ist ein recht negatives (wenn auch sicher kein völlig unrealistisches) Staatsverständnis. Die optimistischere Betrachtungsweise wäre doch, den Staat als die Überhöhung unserer gemeinschaftlichen Interessen anzusehen, den wir gegründet haben, um die Erreichung dieser Interessen trotz unserer Unvollkommenheit zum nicht-egositischen Handeln sicherzustellen. Die Sicherstellung, dass der Staat diesem Auftrag auch nachkommt, geschieht heutzutage über demokratische Legitimation.
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