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Ist diese Beziehung wirklich am Ende?
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Foren-Übersicht -> Psychologie-Forum -> Ist diese Beziehung wirklich am Ende?
 
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joey1974
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 19:32:27    Titel: Ist diese Beziehung wirklich am Ende?

Vorweg möchte ich mich schon mal dafür entschuldigen, dass ich das Psychologie - Forum etwas zweckentfremde, um meine Beziehungsprobleme auszuwälzen. Aber dies ist das einzige Forum im Netz das ich finden konnte, das sich nicht nur an teens richtet und wirklich brauchbare Antworten hervorbringt.
Da ich über meine derzeitige Beziehung problemlos ein Buch schreiben könnte, fällt es mir schwer, mich wirklich kurz zu fassen. Ich werde es dennoch so knapp wie möglich versuchen.

Ich habe meine Freundin vor sechs Jahren in Italien kennen gelernt. Damals waren wir beide beruflich da unten tätig. Wie es der Zufall so wollte war ich genau zu der Zeit, in der wir uns kennen gelernt haben auf dem Sprung zurück nach Deutschland um eine Fachschule zu besuchen, sodass wir das erste Jahr über eine Fernbeziehung geführt haben. Mein ursprünglicher Plan war es, nach dieser Fachschule ein Studium aufzunehmen. Wegen meiner Freundin in Italien bin ich aber zunächst wieder dahin zurück. Ich war zu der Beziehung anfangs eher kritisch eingestellt, da viele Umstände darauf hindeuteten, dass es sehr schwierig werden würde, diese aufrechtzuerhalten. Dazu muss ich sagen, dass meine Freundin nicht Italienerin sondern Spaniern ist und auch als "Gastarbeiterin" in Italien war.
Während dieses Jahres in Italien habe ich mir ein Bild von unserer Beziehung machen wollen, um auf dieser Grundlage den nächsten Schritt zu entscheiden. Wir haben es leider nicht geschafft, auf einen Nenner zu kommen, da sie gerne nach Spanien zurück wollte, und ich nicht so sehr von „uns“ überzeugt war, dass ich ihr dahin hätte folgen wollen. Deshalb bin ich bei meinem Entschluss, ein Studium aufzunehmen geblieben, was schon damals eigentlich die Beziehung beendet hätte, wenn sie sich nicht zwar widerwillig aber ohne Überredung meinerseits dazu entschlossen hätte, mit mir zu gehen.
So sind wir jetzt seit vier Jahren in Deutschland. Meine Freundin hat in der Zeit recht gut Deutsch gelernt und auch ihren Berufsausbildungsabschluss hier gemacht (leider ganz von vorne, da ihr der spanische insofern nicht anerkannt wurde).
Unser Zusammenleben war jedoch eine einzige Aneinanderreihung von Krisen und anschließenden Kompromissen, die wohl keiner von uns wirklich wollte. Obwohl ich zwar schon früh festgestellt habe, dass unsere Interessen und Lebenskonzepte eigentlich grundverschieden sind, hoffte ich darauf, dass wir irgendwann doch noch auf einen Nenner kommen würden. Ich habe sie eben trotz aller Differenzen sehr geliebt und auch gesehen, wieviel sie für diese Beziehung zu opfern bereit war. Dazu kommt, dass wir wohl beide in dem Wunschdenken der einen großen Beziehung im Leben gefangen sind, was denke ich auch ein wesentliches Motiv für die dauernden Kompromisse war. Ein stringenter Faden oder ein Konzept hat dieser Beziehung aber nie zugrunde gelegen. Irgendwann hat man sich einfach an diesen dauernden Krisenzustand gewöhnt.

Jetzt sind allerdings ein paar Dinge passiert, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben:
Meine Freundin hat gerade ihre Arbeit verloren, wodurch mir noch stärker vor Augen geführt wurde, dass sie eigentlich nichts anderes macht, als auf meinen Abschluss zu warten, um mit mir nach Spanien zu gehen. Das habe ich ihr vor ca. eineinhalb Jahren im Rahmen einer dieser genannten Kompromisse versprochen, ohne dabei die Konsequenzen vor Augen zu haben. Meine beruflichen Aussichten wären da unten nämlich fast gleich Null, weshalb ich nicht die leiseste Idee habe, wie wir uns aus eigener Kraft über Wasser halten wollen (ihre Eltern sind zwar vermögend und würden auch helfen; das sollte ich aber denke ich nichts sein, worauf man baut. Zumal ich jetzt schon von meiner Freundin vorgehalten bekomme, auf deren Kosten leben zu müssen). Wenn ich versucht habe, mit ihr darüber zu sprechen, hieß es nur: "hättest du früher dran denken sollen" (ist ja auch nicht unberechtigt, ändert aber an der Ausgangssituation nichts). Spanien heißt jetzt auch nicht mehr Spanien sondern hat sich mittlerweile auf ihre Heimatstadt beschränkt. Insofern fehlt uns abgesehen von der emotionalen Perspektive auch noch die (eigene) wirtschaftliche Grundlage.
Das hätte man sicher auch schon früher erkennen können, aber in diesem ganzen Netz aus Krisen und Kompromissen bin ich mir dessen nicht bewusst gewesen. Zudem war ich durch Examensvorbereitung und Jobben auch so eingespannt, dass ich selten zum Nachdenken gekommen bin. Ich möchte das hier nicht falsch verstanden wissen: Grundsätzlich bin ich kein Karrieremensch und der Überzeugung, dass sich solche materiellen Probleme lösen lassen. Wenn es nicht als Jurist ist, findet sich was anderes. Aber auf der momentanen (und schon lange anhaltenden) emotionalen Grundlage alle beruflichen Möglichkeiten über Bord zu schmeißen, behagt mir gar nicht.
Dazu kommt, dass ich an der Uni eine Frau kennen gelernt habe, die mir deutlich vor Augen führt, dass es Menschen mit ähnlichen Interessen wie mich gibt; wenn ich mit dieser Person rede, möchte ich am liebsten gar nicht wieder aufhören. Das habe ich so nie an mir gekannt. Ich habe diese Bekanntschaft nicht gesucht, vielmehr zwangsläufig im Büro als einzige Kollegin vor die Nase gesetzt bekommen (ich arbeite als Hilfskraft an der Uni).
In meiner Beziehung ist es dagegen schon seit langem eher ein Bruder/Schwester Verhältnis, wobei die Kommunikation auf die wenigen Themen beschränkt ist, die uns beide interessieren. Das füllt mich und ich denke auch sie nicht aus. Sie tröstet sich wohl immer damit, dass in Spanien alles besser wird, woran ich allerdings arge Zweifel hege. Wir werden immer noch die gleichen Personen mit den gleichen Interessen sein.

Mein Problem ist jetzt, dass ich weiß, dass meine derzeitige Beziehung zumindest an einem sehr schwierigen Punkt angelangt ist. Ich mag meine Freundin trotz aller Krisen immer noch sehr und halte sie für einen außergewöhnlichen Menschen. Gleichzeitig habe ich aber nicht das Gefühl, sie wirklich glücklich machen zu können und auch nicht mit ihr wirklich glücklich zu werden. Gefühle sind natürlich noch da, sonst hätte ich kaum so große Hemmungen den Schlusspunkt zu setzen. Aber ich habe immer weniger den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen mir und meiner Freundin wirklich von Liebe geprägt ist. Es hat sich mehr so etwas wie eine Bruder/Schwester Beziehung eingestellt. Dass eine Beziehung ein Prozess ist und auch Gefühle in einer Beziehung sich ändern können (und müssen) denke ich verstanden zu haben. Nur scheint mir der Punkt an dem wir angelangt sind, keine Grundlage mehr für eine gesunde Beziehung zu sein.
Vor dem Hintergrund, was sie alles für mich geopfert hat, weiß ich jedoch auch nicht, wie oder mit welchem Recht ich diese Beziehung beenden könnte. Sie hat mir insofern auch schon mal vorgehalten, dass ich mit einem Studienabschluss und sie mit völlig leeren Händen und vergeudeten (ihren besten!) Jahren dastünde. Dass ich mich dazu noch in der unmittelbaren Vorbereitung auf mein erstes Staatsexamen befinde, macht die Situation wahrlich nicht einfacher, da der psychische Druck schon von dieser Seite erheblich ist. Ich merke auf jeden Fall, dass ich es vor allem seit dieser neuen Bekanntschaft nicht mehr schaffe, mich ihr gegenüber „normal“ zu verhalten. Im Moment weiß ich nicht mehr, was ich noch machen soll. Hier im Büro werde ich wahnsinnig und zu Hause fühle ich mich auch nur schlecht, weil ich mich mit einer Erwartungshaltung konfrontiert sehe, von der ich fühle, sie nicht erfüllen zu können.
Ich danke schon mal allen, die sich die Zeit nehmen, diese (doch sehr lange) Schilderung zu lesen und mir vielleicht ihren unbefangenen Eindruck oder ihre Erfahrungen mitteilen.
cassandra653542
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
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BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 20:05:47    Titel: Re: Ist diese Beziehung wirklich am Ende?

hi Smile

puh, das klingt ja nicht sehr rosig Sad

ich denke nicht, dass du hier rat suchen müsstest. obwohl dein post nur eine seite der story ist, scheinst du doch recht gut reflektiert zu haben und sehr genau zu wissen, was du willst, und was du hast.
wenn ich dich richtig verstanden habe, dann sind schuldgefühle deine größte hemmung mit deiner freundin schluss zu machen (neben den "verbliebenen" gefühlen). dazu würde ich sagen, dass schuldgefühle keine basis sind, eine beziehung aufrecht zu erhalten - so unschön die sitaution der trennung für sie auch wäre. auf der anderen seite solltest du aber auch bedenken, dass es keine "ehrliche" liebe oder zuneigung mehr ist, wegen der du bei ihr bleibst.. das wäre ihr gegenüber nicht wirklich fair. dazu kommen dann noch die gefühle, die du dem mädel aus deiner uni gegenüber zu hegen beginnst.....
so viel zu der contra seite.

zu der pro seite..
man sagt grobweg, dass sich alles außer liebe "therapieren" lässt. so nach dem motto, wo wille, da weg. hoffnungslos scheint mir dein fall also nicht zu sein - jedenfalls nicht, solange du wirklich und von grundauf gewillt bist, die beziehung aufgrund ehrlicher gefühle weiter laufen zu lassen.
dazu kommt, dass du dich momentan in einer sehr schwierigen phase befindest, was einen manchmal überreagieren lässt oder man dinge einfach anders wahrnimmt. ich an deiner stelle würde mir auf jeden fall noch zeit lassen, bis der stress vorbei ist. einerseits, damit du dann in ruhe und vllt mit etwas abstand über diesen großen schritt nachdenken kannst, andererseits damit eine evtl trennung dein examen nicht beeinträchtigt.

letzten endes musst du ganz alleine aber wissen, wieviel dir die beziehung noch wert ist und ob du den rest deines lebens in dieser beziehung (einschließlich deiner angst, dass es immer nur ein kompromiss bleiben wird) verbringen willst.

ich wünsche dir jedenfalls viel erfolg mit deinem examen und dass die geschichte ein gutes ende für dich nimmt - wie auch immer das aussehen mag.

lg,
cass Smile
joey1974
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 20:24:30    Titel:

@cassandra653542

Dass ich durch die gesamte Situation gerade etwas überreizt bin ist mir bewusst und ich glaube auch gemerkt zu haben, in dieser Lage zu Überreaktionen zu neigen. Dazu kommt aber, dass ich gerade wegen dieser neuen Bekanntschaft (von der ich übrigens nicht glaube, dass meine jetzige Beziehung mal komplett ausgeblendet, eine wirkliche Beziehung möglich wäre) das Gefühl bekomme, von meiner derzeitigen Freundin nur teilweise verstanden worden zu sein und dass dieser Teil so gering ist, dass mir das nicht reicht. Vor diesem Hintergrund weiterhin den Schein zu wahren wird glaube ich nur dazu führen, das (von dir richtig erkannte) schlechte Gewissen noch wachsen zu lassen und die ganze Kiste noch mehr zu verfahren. Aus einer rein rationalen Perspektive im Hinblick auf das Examen wäre es sicherlich das Beste. Aber ich hätte schon ein Problem damit, so morgens in den Spiegel zu gucken.
Ich nutze dieses Forum übrigens auch deshalb, weil ich aufgrund meiner Beziehung in den letzten Jahren sämtliche Freundschaften von früher aufgegeben habe, sodass ich nicht mal mehr jemanden hätte, an den ich mich wenden könnte. Und ich bin von Haus aus eigentlich kein Misanthrop.
cassandra653542
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 20:30:24    Titel:

alles in allem scheinst du sehr genau zu wissen, was du willst.. du müsstest es dir nur noch *eingestehen*..
joey1974
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 20:36:34    Titel:

@cassandra653542

Vielen Dank erstmal für Deine Zeit. Ich werd es erst mal sacken lassen und mich in den nächsten Tagen nochmal melden. Zum Glück ist meine Kollegin erstmal für drei Wochen in England, sodass ich von der Seite jetzt nicht dauernd dem dauerndem Vergleich ausgesetzt bin und hoffentlich mit etwas mehr Ruhe und etwas weniger aufgewühlt die Sache überdenken kann.
cassandra653542
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09 März 2006 - 20:43:22    Titel:

joey1974 hat folgendes geschrieben:
@cassandra653542

Vielen Dank erstmal für Deine Zeit. Ich werd es erst mal sacken lassen und mich in den nächsten Tagen nochmal melden. Zum Glück ist meine Kollegin erstmal für drei Wochen in England, sodass ich von der Seite jetzt nicht dauernd dem dauerndem Vergleich ausgesetzt bin und hoffentlich mit etwas mehr Ruhe und etwas weniger aufgewühlt die Sache überdenken kann.


sounds good to me Smile
mach das beste d'raus..
joey1974
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Anmeldungsdatum: 09.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 18:23:11    Titel:

Nachdem ich ausgiebig über das oben geschilderte Problem gegrübelt habe, melde ich mich hier zurück. Ich fürchte, noch einige Details nachschieben zu müssen, um einen einigermaßen realistischen Eindruck von dieser Beziehung vermitteln zu können.
Ich glaube bei meiner Schilderung kommt zu sehr der Eindruck auf, ich hätte mit meiner Freundin innerlich schon abgeschlossen. Dem ist aber nicht so. Ich habe immer noch Gefühle für sie. Mein Problem ist nur, dass ich denke zu wissen, was ihre Vorstellung von Glück ist und ich mich darin einfach nicht wieder finden kann. Daher auch meine Angst, nicht in der Lage zu sein, sie glücklich zu machen und mit ihr selber nicht glücklich zu werden.
Ich denke dies Problem rührt daher, dass wir beide sehr unterschiedliche familiäre Hintergründe haben (von denen ich zumindest bei uns beiden glaube, dass wir davon sehr beeinflusst werden). Infolge dieser unterschiedlichen Hintergründe haben wir auch sehr auseinander gehende Vorstellungen von unserer Zukunft und von der Art wie wir leben möchten. Ich versuche mal ein paar davon aufzuzählen so gut es geht:

- ich habe zwar nach dem Abitur zunächst eine handwerkliche Lehre angefangen; begleitend dazu gab es aber bei mir immer schon den Wunsch, zu studieren, den ich aber zu der Zeit aus finanziellen Gründen nicht umsetzen konnte. Der Wunsch des Studiums bestand natürlich auch unter dem Gesichtspunkt der besseren Berufsaussichten; wichtiger war mir in dem Moment aber die persönliche Weiterentwicklung.
Meine Freundin hat das Studium dagegen zu keinem Zeitpunkt gut geheißen (einige meinten, sie werfe mir sogar Steine in den Weg, indem sie psychischen Druck ausübe). Da ihre Eltern durch viel Arbeit und wirtschaftliches Geschick zu Geld gekommen sind, war das immer ihre Idealvorstellung von einem gemeinsamen Leben. Dazu kommt, dass ich das Studium aus verschiedenen Gründen erst sehr spät aufgenommen habe (mit 27), was aus ihrer Sicht erst recht nicht nachvollziehbar ist (in Spanien sind die Leute mit spätesten 25 mit der Uni fertig).
- Ich könnte nicht Arbeitsplatz und Bett mit einer Person teilen; vielleicht bin ich insofern zu sehr Individualist (so ihr Vorwurf), aber ich brauche auch einen Freiraum, wo ich mich selbst verwirklichen kann. Diesen Freiraum habe ich momentan nur, wenn ich an der Uni bin; alle sonstigen Aktivitäten gehen nur zu zweit.
Ihre (eigentlich sehr schöne) Vorstellung ist es dagegen, Tag und Nacht miteinander zu verbringen, wozu ich glaube ich nicht der Typ bin. Hier denke ich spielen auch die sehr unterschiedlichen Interessen eine Rolle, denen ich sonst gar nicht nachgehen könnte.

- Ich habe eigentlich mein ganzes Leben vor dieser Beziehung viel Wert auf Freundschaften gelegt und bin auch immer noch der Ansicht, dass dies sehr wichtig ist. Nichtsdestotrotz habe ich sämtliche Freundschaften einschlafen lassen, da sie damit nicht einverstanden war, weil ich ja schon den ganzen Tag in der Uni verbringe und meine Freizeit ausschließlich ihr gehört (Hobbys wie Musik sind schon lange tot); wir haben uns zwar einen eigenen Bekanntenkreis aufgebaut; dieser bestand aber, wie das wohl häufig ist, fast nur aus Ausländern oder gemixten Paaren, die mittlerweile alle ihre eigenen Wege gegangen sind (soll heißen in aller Herren Länder, ist sicher auch eine Frage des Alters).
Sie kennt von zu Hause aus dagegen ein sehr enges familiäres Verhältnis (was mir völlig fremd war und mich auch bei jedem Urlaub bei ihren Eltern an den Rand des Wahnsinns treibt). Soll heißen, alle Probleme werden nur in der Familie besprochen, und man hat auch eigentlich nur sich (ich wüsste nicht, dass ihre Eltern wirklich Freunde haben, nur lockere Bekanntschaften)

- Sie ist in einem sehr matriarchalischem Umfeld aufgewachsen und hat dementsprechend auch ein starkes eigenes Geltungsbewusstsein (was ich grds. nicht schlecht finde, aber es gibt auch so einige Extreme). Ich komme dagegen aus einer konservativen patriarchalischen Familie (sicherlich nicht besser, ich glaube grds. an die gesunde Mischung). Diese beiden Extreme beißen sich aber.

- Ich bin von Geburt aus ein Landei, also Luft, Platz und Ruhe gewohnt. In großen Städten werde ich nach einer gewissen Zeit etwas klaustrophobisch. Sie braucht dagegen die action der Großstadt. Je mehr Leute desto besser.

Ich könnte die Liste noch deutlich verlängern, aber denke für einen Eindruck reicht es und die wesentlichen Punkte habe ich angesprochen. In all diesen Punkten haben wir uns mit Kompromissen über die Zeit gerettet, ohne für uns wirklich eine gemeinsame Perspektive zu schaffen. Wenn ich mir die Liste angucke, kommt es mir selber paradox vor, wie wir es solange miteinander ausgehalten haben.
Dazu kommt, dass ich mich im Rahmen des Studiums sehr verändert habe (ich denke positiv), sie diese Änderungen und Interessen die damit einhergehen aber nicht wirklich nachvollziehen kann. Der gemeinsame Nenner ist so immer kleiner geworden. Natürlich hat auch sie sich weiterentwickelt. Aber durch ihre grundlegend ablehnende Haltung zum Studium hat sie nie Zugang zu dieser Welt gefunden (obwohl ich versucht habe, sie soweit als möglich zu integrieren).
Aber irgendwo ist da doch immer noch ein Band, das uns verbindet. Und wie schon gesagt halte ich sie trotz aller Differenzen für eine außergewöhnliche Person. Diese Beziehung jetzt zu beenden würde sie enorm aus der Bahn werfen, weil aus ihrer Perspektive dann die letzten Jahre tatsächlich verschwendet gewesen wären. Ich fürchte, ich würde ihr das Herz brechen. Darüber hinaus würde es auch mir sehr wehtun, weil wir auch schon sehr viel miteinander erlebt haben und ich dabei immer wieder eine unglaubliche Loyalität ihrerseits mir gegenüber erfahren durfte.
Man kann sicher fragen, wie es bei so vielen (ich denke auch grundlegenden) Differenzen überhaupt so weit kommen konnte. Eine Antwort weiß ich darauf selber nicht, denke aber, wir waren beide sehr gut darin, Probleme aufzuschieben und hängen beide trotz aller Differenzen sehr aneinander.
Ich gehe hier bewusst nicht mehr tiefer auf die in meiner ersten Schilderung genannte neue Bekanntschaft ein. Zum einen, weil ich glaube, dass das Verknalltsein sehr blind machen kann und zu Realitätsverlust führt. Zum anderen weil an eine andere Beziehung (so da überhaupt eine Möglichkeit besteht) in keinem Fall zu denken ist, wenn ich mir über meine derzeitige nicht im Klaren bin. Wenn mir also irgendwer dabei behilflich sein kann, mir Klarheit über meinen jetzigen emotionalen Standpunkt zu verschaffen, wäre ich ihr/ihm sehr dankbar. Ich denke zwar, meine Situation schon fast erschreckend analytisch durchleuchtet zu haben (Das klingt alles vielleicht oft sehr kalt, hat mich aber sehr viel Überwindung gekostet, überhaupt darüber schreiben zu können), wirklich klar bin ich mir über meine Gefühle indes nicht. Ist das was ich mit meiner neuen Kollegin da erlebe nur Schwärmerei oder vielleicht auch Flucht vor meiner jetzigen Beziehung (glaube ich eher nicht, ich war wie gesagt nicht auf der Suche. Wir haben eher zwangsläufig miteinander zu tun bekommen, wobei es immer wieder zu Übereinstimmungen kam, die mich mit jedem Mal mehr fertig gemacht haben)? Ist das was ich für meine jetzige Freundin empfinde nur Freundschaft und Respekt oder ist es noch Liebe? Ich weiß wirklich überhaupt nicht mehr was mit mir los ist (sonst würde ich hier auch niemanden belästigen wollen!).
Vielen Dank für alle Antworten!!!
queeny
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Anmeldungsdatum: 12.03.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 12 März 2006 - 03:02:49    Titel:

lieber joey,
ich habe deine geschichte gelesen und möchte dir gerne antworten. ich bin zwar erst 22 jahre lat, habe aber auch schon eine sechsjährige beziehung hinter mir. mein freund war sechs jahre älter als ich und wir haben uns vor einem jahr getrennt, weil wir uns einfach auseinander entwickelt haben - ähnlich wie du und deine freundin.
mein freund war mit der fh fertig und wollte einen job im ausland machen. leider haben wir zu diesem zeitpunkt schon zusammen gewohnt und ich war mit seinen plänen gar nicht einverstanden. wir entfernten uns immer mehr, bis ich schließlich schluss machte.
nach den ersten anfangsproblemen sind wir beide soweit gewesen, zu sagen, dass das absolut richtig war. man kann sich nicht für den partner verbiegen! mein ex hat nun einen tollen job, der ihm sehr viel spaß macht - zur zeit ist er gerade in brasilien und bei mir bahnt sich auch was neues an.
was ich dir sagen will: wenn du tiefe zweifel hast, dann sind diese meistns berechtigt und du schuldest es dir und deiner freundin, dass man einen reinen tisch hat.
aus pflichtgefühl lässt sich keine beziehung führen!
alles gute für euch!
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