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Terror und Terrorismus
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borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 14:07:33    Titel: Terror und Terrorismus

by Philskow

Zitat:
Was hat Hitler über die Resistance in Frankreich gesagt? Oder die Briten über den indischen Widerstand? Das seien alles Terroristen. Wem das zu abgeschmackt ist, der höre mal dem Vladi Putin zu, wenn er über Tschetschenien erzählt. Ein so stark gefärbtes Wort wie Terrorist oder -ismus nicht zu hinterfragen, ist eine Verfehlung, die man sich meiner Meinung nach nicht erlauben darf, wenn man solch komplexe Probleme, wie sie in der internationalen Politik auftreten, lösen will.

Vielleicht sollte man dazu mal nen Extra-Thread eröffnen. Das schreib ich schon zum dritten Mal... Wink


Na wenn du keinen aufmachst mache ich das mal, wäre schön, wenn du den Ausgangspunkt der Diskussion noch präzisieren könntest.

Note: Das ist kein Islamhasser-Thread! Entsprechende beleidigende Beiträge werden kommentarlos gelöscht.
borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 14:14:55    Titel:

Eine Definition:

Zitat:
Terrorismus - ein dehnbarer Begriff? Eigentlich ist er das genau nicht. Die Politikwissenschaftlerin Antje Helmerich definiert und klärt auf.

Längst ist "Terrorismus" ein Modewort geworden, zugleich aber auch ein Kampfbegriff. Weltweit bezeichnen sich Gegner - ob katholische und protestantische Nordiren, Tschetschenen und Russen, Palästinenser und Israelis - gegenseitig als "Terroristen". Zur Selbstbezeichnung, zur Darlegung eigener Ziele und Motive taugt er indes kaum, der Begriff. Wie viel leichter spricht es sich da vom Freiheitskampf oder vom Widerstand! Was also ist Terrorismus?

Definitionen

Terrorismus ist immer politisch motivierte und systematisch geplante Gewalt. Terrorismus geht von substaatlichen Gruppen aus und richtet sich gegen einen bestehenden politischen und gesellschaftlichen Zustand. Terrorismus ist ausgerichtet auf Veränderung.

Dies unterscheidet "Terrorismus" von "Terror". Terror ist von oben gesteuerte systematische Gewaltanwendung durch staatliche oder staatsnahe Organe, die eine bestimmte Ordnung erhalten soll. Den angeblichen "neuen internationalen Terror", wie in der Öffentlichkeit zuweilen zu hören, gibt es demnach gar nicht. Das ist sprachlich per wissenschaftlicher Definition falsch.

Terroristische Gruppierungen sind meist klein und vergleichsweise schwach, gemessen am Potenzial des "feindlichen" Staates. So bleibt ihnen nur der Krieg aus dem Untergrund, aus dem Hinterhalt.

Spiel mit den Emotionen

Terrorismus bedient sich der Emotionen, die durch Gewalt geweckt werden. Dazu brauchen Terroristen vor allem Aufmerksamkeit. Terroristen geht es gar nicht in erster Linie um die materielle Zerstörung, die sie anrichten - diese ist Mittel zum Zweck. Es geht vielmehr darum, Angst, Schrecken und Verunsicherung in die Gesellschaft zu tragen. Peter Waldmann, Soziologe und Terrorismus-Experte an der Universität Augsburg spricht in diesem Zusammenhang von Terrorismus als "Kommunikationsstrategie". Auch Opfer haben meist nur eine "mitteilende Funktion" und werden ausgewählt wegen ihres Symbolwertes, weil sie leicht als Vertreter eines Staates, einer Regierung, einer Volksgruppe, einer Konfession identifiziert werden können. Im Falle der Terroranschläge vom 11. September eben als Vertreter der so genannten "westlichen Zivilisation".

Von Zielgruppen und Sympathisanten

Neben den Opfern gibt es immer eine Gruppe, ein Volk, eine Religionsgemeinschaft, bei der durch terroristische Anschläge um Unterstützung, um Sympathien geworben wird. Sie ist die Zielgruppe, deren Interessen die terroristische Gruppe zu vertreten vorgibt. So geht die baskische ETA immer "für das unterdrückte baskische Volk" gegen den spanischen Staat vor. Doch nicht immer sind die Zielgruppen derart deutlich auszumachen. So bleibt vieles ungewiss: Wessen Interessen vertrat die RAF - außer den eigenen - , für wen sprechen die FARC in Kolumbien, die gewaltbereiten Islamisten im Nahen und Mittleren Osten, die maoistische Guerilla in Nepal?

Provokation der Macht

Terroristen provozieren den mächtigen Staat und hoffen auf seine Reaktion, seine Überreaktion. So wollen die Terroristen den Staat, vor allem den demokratischen Rechtsstaat als maßlos, ungerecht, brutal, undemokratisch und letztlich ablehnenswert entlarven und Widerstand entfachen. Dann ist außerdem die Fortführung der Gewalt als "legitime Verteidigung" zu rechtfertigen und die Spirale aus Aktion und Reaktion, aus Aggression und Repression nimmt ihren Lauf.

Dehnbar ist er also eigentlich nicht, der Begriff des Terrorismus. Und doch wird er widersprüchlich gedeutet, missinterpretiert, unachtsam verwendet, politisch instrumentalisiert. Daran wird sich - so ist zu vermuten, auch in Zukunft wenig ändern.


Quelle: http://www.e-politik.de/www.e-politik.de/beitrag914f.html?Beitrag_ID=1564
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 14:19:33    Titel:

Die Diskussion könnte darauf beruhen, dass das Wort Terrorismus gern dazu benutzt wird, um politische Gegner zu diffamieren. In meinem zitierten Beitrag stehen ja schon einige Beispiele. Dabei sollte man mal wertfrei darüber nachdenken, wie mit terroristischen Aktionen umzugehen ist. Ich denke, niemand will die gutheißen. Aber sie einfach zu verdammen und damit die Opfer zu überhöhen, ist auch zu einfach (speziell für ein Uni-Forum...). So ist der mediale Aufwand für die Opfer von 9/11 oder andere Anschläge ja wesentlich höher als für die (ebenfalls zivilen) Opfer des genauso völkerrechtswidrigen Angriffs der USA auf den Irak. Nochmal was zur Untermalung:

FLUCH DER KARIBIK

Orlando Bloom: "In einem ehrlichen Kampf gegen mich hättest du keine Chance!"
Johnny Depp:"Warum sollte ich mich also auf einen ehrlichen Kampf einlassen?"
Ist Johnny Depp folglich ein Terrorist? Wink
Jockelx
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Anmeldungsdatum: 24.06.2005
Beiträge: 3596

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 14:24:20    Titel:

Sehe ich teilweise ähnlich wie Philskow. Ein Staufenberg wandelt
sich innerhalb weniger Jahre vom Top-Terroristen zum Volkshelden.
Albern, keine Frage.

Man sollte sich also nicht an solche Begriffe klammern, sondern sich
die Taten anschauen und auch die Motivation zu diesen Taten.
Und da steht der islamische Terror in keiner Relation zu meinetwegen
der französischen Restistance.
Das sind i.A. völlig intolerante, keinesfalls verarmte Leute, die sehr
erfolgreich einen Konflikt zwischen Moslems und Anders-Gläubigen
schüren. Das hat nichts mit Befreiung oder Widerstand zutun, sondern ist
ein aggressives Vorgehen, um den Islam auszubreiten.

Jockel
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 17:36:34    Titel:

Immerhin kritisieren wir die Islamisten jetzt nicht mehr so sehr wegen ihrer Methoden (die natürlich trotzdem nicht toll sind), das sollte ja auch der Sinn dieses Threads sein. Aber ich würde dem, was du gesagt hast, trotzdem nicht zustimmen. Das wäre jedoch wohl was für einen eventuellen Islamisten-Thread...
Durchblick 65
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Anmeldungsdatum: 23.02.2006
Beiträge: 615

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 17:57:03    Titel:

x

Zuletzt bearbeitet von Durchblick 65 am 29 Jun 2006 - 20:41:01, insgesamt einmal bearbeitet
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 10 März 2006 - 18:06:45    Titel:

Dann muss man sich aber die Frage nach der Benennung stellen. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, die Methoden zu kategorisieren...allerdings ist Terrorismus natürlich ein Wort, das ohnehin starke Assoziationen weckt und momentan speziellen von US-Amerikanischer Seite weiter aufgeladen wird. Deshalb sind manche Benutzer auch dieses Forums gar nicht mehr in der Lage (gewesen?), darüber sachlich zu diskutieren.
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 14 März 2006 - 17:30:59    Titel:

Auch wenn dies langsam ein Alleinunterhalter-Thread wird: Hab am Samstag ne Phoenix-Dokumentation über den Bombenangriff auf Dresden geschaut. Wer sich über islamistischen Terrorismus echauffiert, sollte sich diesen Angriff, die Atombombenabwürfe der Amis und deren Einsatz von chemischen Waffen in Vietnam zuerst mal anschauen.

P.S.: Dann ist Terrorismus natürlich immer noch nicht "okay". Aber man bekommt vielleicht ein differenzierteres Bild...
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 14 März 2006 - 20:16:42    Titel:

Für mich ist das wichtigste eigentlich folgender Aspekt, den ich mal aus boraboras Definition zitiere:

Zitat:
Terroristische Gruppierungen sind meist klein und vergleichsweise schwach, gemessen am Potenzial des "feindlichen" Staates. So bleibt ihnen nur der Krieg aus dem Untergrund, aus dem Hinterhalt.


Fazit: Terroristische Organisationen sind Organisationen, die für oder gegen eine bestimmte Sache kämpfen und dies auf Grund der Übermacht des Gegners und/oder der fehlenden Alternative wie z.B. politischer Betätigung (mit Erfolgsaussichten) nur durch Untergrundaktivitäten wie terroristischer Anschläge machen können.

Wenn man sich dann einfach mal die Sachen ansieht, wofür diese "Terroristen" kämpfen und warum sie dies tun, so könnte man die Gründe dafür ausmachen und Ursachenbekämpfung betreiben. Dies wird aber leider nicht getan.

Normalerweise ist man bzw. tut man immer ganz schockiert, wenn man z.B. die Hamas als Freiheitskämpfer bezeichnet. Aber nach ihrem Selbstverständnis sind sie dies.

Wenn man also Terrorismus bekämpfen will, so muss man meiner Meinung nach die Ursachen packen und nicht die Symptome. Und dies gilt für jede Form des Terrorismus.

Beste Grüße
coffeinjunky
knerg
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Junior Member


Anmeldungsdatum: 05.01.2006
Beiträge: 88
Wohnort: nds

BeitragVerfasst am: 14 März 2006 - 20:37:18    Titel:

zu dresden : stimmt schon, da wurden auch die angst/bzw die ermordung als mittel genommen um einzuschuechtern --> terror?
mit dem ziel das nazi-regime zu stuertzen --> terror??
heutzutage : islamistischer terror benutzt dasselbe mittel, wenn auch ein klein wenig weniger rabiat, aber mit welchen ziel?
der ganzen welt ihre religioesen vorstellungen aufzuzwingen
gut, beide "terroristen" wollen anderen menschen von ihrer persoenlichen meinung "ueberzeugen", aber da sehe ich bei den dresden-beweggruenden durchaus mehr sinn als in denen von osama bin laden..

mfg knerg
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