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Globalisierung - Segen oder Fluch ?
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Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 14:25:20    Titel:

Naja, aber gerade durch die Globalisierung kann ich ja meine prouktion sehr schnell erhöhen. Dann bau ich eben ein neues Werk gleich im Ausland und muss mich gar nicht mit sentimentalen IGM-Gewerkschaftern rumärgern.
Die alte FDP-Rhetorik von strukturbedingter Arbeitslosigkeit: Dachte, wir hätten uns geeinigt. Es fallen mehr Arbeitsplätze weg als neue entstehen. Wo willst du die denn strukturell herzaubern?
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 14:33:27    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
Interessant...dafür, dass sich der Staat aus allem raushalten soll, weist du ihm hier aber ganz schön viele Aufgaben zu, sheep: Er soll allen Arbeitslosen die Existenz sichern


Er soll nicht nur Arbeitslosen die Exstenz sichern, sondern jedem und zwar garantiert, so dass niemand vom Staat gegängelt werden kann, "stech Spargel, sonst zahle ich Dir weniger".

Zitat:
dabei aber Schwarzarbeit akzeptieren (was ja wohl darauf hinaus laufen würde, dass niemand mehr Steuern zahlt)


Ich erwarte nicht, dass er Schwarzarbeit akzeptiert, er kann sie gar nicht im bestehenden System akzeptieren. Sie ist Zeichen des Widerstands gegen zu hohe Abgaben, und ausserdem ein Zeichen, dass Arbeitsplätze vorhanden wären, wenn man die Abgaben senkte.
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 14:54:28    Titel:

Da geb ich dir recht (mit dem Bandarbeiter und Gott sei Dank auch mit dem (Heribert,nä?) Fassbinder). Nur seh ich das etwas pessimistischer als du, scheint mir. Naja...
Die Staatsgängelung von weiter oben gibt's ja eigentlich erst seit Hartz IV so richtig, oder meinst du was anderes?
Macabre Deified
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Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1916
Wohnort: The Republic of Elbonia

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 16:04:32    Titel:

Zitat:
Ihr seht das ja alles recht positiv. Gibt's für euch keine Zunahme der Arbeitslosigkeit gerade durch Globalisierung, sprich: Verlagerung von Arbeitsplätzen?

Es gibt für mich keine >massive< derartige Zunahme, die Arbeitslosigkeit kann nicht aufgrund von Berufsauslagerung sehr hoch steigen, denn es gibt nen großen Haufen inländischer Arbeitsplätze, die nicht auslagerbar sind.
Medizin, Politik, Behördentum, Verkäufer, Frischproduktion (teilweise), Vorortdienstleistungen
um mal ein paar beispiele zu nennen

Von da her möchte ich erstmal die Angst, dass ganz deutschland total verarmt wenn weiterhin arbeitsplätze ausgelagert werden, widerlegen.
Damit will ich zwar nicht sagen dass man nicht was dagegen tuhen sollte wenn man kann, aber man kann auch nur gegen etwas angehen das man kennt.

Auch gibt es einige spezialisierte Nachfragen, beispielsweise folgendes:
Eine Band produziert traditionell finnische Volksmusik. Tja, auf dem lokalen, sprich finnischen Markt hat sie keine Überlebenschance, da zu wenig nachfrage herrscht.
Nun kann diese Band aber weitweit verkaufen und hat somit mehr chancen auf genug absatz Wink somit entstehen auch neue arbeitsplätze die vorher nicht möglich waren Razz
(das deckt nicht alle arbeitslosen, unterstellt mir nicht dies behauptet zu haben Razz)

Zitat:
@Macabre: Deine historische Dimension ist echt interessant. Von Globalisierung, wie wir sie heute kennen, spricht man doch bestenfalls seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Klar gab es schon immer Handel, aber einen so bewußten und forcierten Abbau von Handelsbeschränkungen ist doch tatsächlich ein Phänomen, das erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts austritt, oder?

Was ist "die" Globalisierung?
Globaler, sprich weltweiter Handel.
Wir sprechen heute von globalisierung, aber dabei kann man noch vergessen, dass z.b. in vielen armen afrikanischen ländern diese nicht besteht. Von "globalem handel" kann man also noch nicht ganz sprechen, die globalisierung bringt eben diesen an immer mehr menschen auf der welt.
Der globale Handel wie wir ihn kennen existiert wie du schon sagtest großteils erst seit dem 2. weltkrieg und entwickelte sich von da an.
Jedoch gab es die vorläufer schon weit länger, nämlich ab dem zeitpunkt, an dem sog. "landesgrenzen" überschritten wurden.
Das Phänomen Globalisierung ist erst durch die massive Mobilität der Waren und Menschen, die wir in den letzten jahrzehnten gewonnen haben, möglich.
Die wichtigsten Punkte dabei sind a) die mobilität und b) der freie handel.
Das hätte auch schon früher losgehen können, oder sich noch verzögern können.
Und eben das zeigt, dass die Globalisierung nur die für uns größte form (dimension) des internationalen handels darstellt.
Wenn man also über Globalisierung redet, kann man nicht einfach ihre wegbereiter ignorieren.

Und eben darum spreche ich auf von dem lange steigenden "kurs", der schon im 19ten jahrhundert begann.

Das Phänomen "zölle abbauen" ist nicht neu, (bsp: norddeutscher zollverein) jedoch kamen auch immermal wieder zölle dazu.
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 16:17:57    Titel:

Was ich als maßgebliches Merkmal kennengelernt habe, das die Globalisierung erst konstituiert, das ist einerseits der massive politische Wille, mit dem in unserer Zeit Freihandel betrieben und gefördert wird, und die Entwicklungen der modernen Kommunikationstechnologie, die eine Koordinierung so stark fragmentierter Arbeit erst möglich machen. Letztlich isses ja auch nur Wortklauberei. Wie du sagtest, Freihandel über Landesgrenzen hinweg gab es schon früher. Aber sollten wir feststellen, dass Globalisierung negative Konsequenzen hat, wäre es wichtig, festzuhalten, dass diese nicht über uns kam, sondern auch gefördert wurde (Stichwort -unter vielen-: WTO).
Sonst: Dein Beispiel mit der finnischen Band ist schon sehr weit hergeholt... Laughing Aber klar, dass es Wohlstandsgewinne durch Globalisierung gibt, bestreitet ja niemand. Die Frage ist ja, wem diese zugute kommen.
Und schließlich: Wenn wir uns eben tatsächlich nur noch auf die Vorortproduktion verlegen, sind wir halt wieder im Mittelalter...
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 16:40:26    Titel:

Zitat:
Aber sollten wir feststellen, dass Globalisierung negative Konsequenzen hat, wäre es wichtig, festzuhalten, dass diese nicht über uns kam, sondern auch gefördert wurde (Stichwort -unter vielen-: WTO).


Ich glaube ja auch nicht, dass irgendjemand bestreitet, dass es für die Menschen, die gerade ihren Arbeitsplatz verloren haben, einfach ist.

Man muss dann aber klarstellen , dass dies Teil des ohnehin ständig stattfinden Strukturwandels (durch z.B. neue technologische Möglichkeiten) ist, der nicht nur nicht aufzuhalten ist, sondern der mittel- und langfristig allen Beteiligten weiter gewaltige Wohlstandsgewinne bringen wird, genau wie das in den letzten 150 Jahren auch schon passiert ist.

Also: Globlaisierung/Strukturwandel: Manchmal unbequem, aber unaufhaltbar und für mehr Wohlstandsgewinne unverzichtbar!
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 17:12:33    Titel:

Nur: wir haben es hier nicht mit technischen Systemen zu tun, sondern mit Menschen. Wenn wir die Globalisierung wollen, müssen wir eine Antwort finden für die Menschen die aufgrund des Strukturwandels nicht mithalten können. Diese Antwort gab es zu Zeiten der Industrialisierung zunächst auch nicht.

Ich kann einem Menschen nicht sagen, dass global gesehen mehr Wohlstand entsteht und dass er oder seine Nachfahren in 100 Jahren das merken werden. Das nützt dem Arbeitslosen heute nichts. Und wer wie ich die 40-jährigen Umschüler sieht, die immer atemloser den Trends des Marktes hinterherlaufen, um Ausbildungen zu machen, die scheinbar angesagt sind, muss auch eine Antwort für diese Leute finden. Spätestens, wenn sie mit 50 in der nächsten Umschulung sitzen.

Der Markt ist kalt, technisch und insgesamt eine gute Sache. Nur der Mensch tickt eben nicht so.

Gruß
Pauker
Macabre Deified
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Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1916
Wohnort: The Republic of Elbonia

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 17:19:30    Titel:

Zitat:
Sonst: Dein Beispiel mit der finnischen Band ist schon sehr weit hergeholt... Laughing

Finnische Folkloreband wenn cih bitten darf Rolling Eyes
Es ist ja nur ein mögliches beispiel von vielen

Mit neuen produzenten kommen immer auch neue Märkte einher, sollte man auch bedenken.

Zitat:
Und schließlich: Wenn wir uns eben tatsächlich nur noch auf die Vorortproduktion verlegen, sind wir halt wieder im Mittelalter...

Sagte ich ja garnicht, aber wenn z.B. nicht mehr so viele Schlosser gebraucht werden, weil so zeugs mittlerweile oft im ausland produziert und dann importiert wird können wie wir schon festgestellt haben nicht alle die nun arbeitslosen schlosser irgendwelche starken spezialisierungen erlernen und ausüben. Und eben da haben wir nen Punkt an dem lokale Märke interessanter sind, wo sich auch einige arbeitsplätze finden lassen.

Ebenso muss sowas nicht von heute auf morgen geschehen, eben da haben wir doch einen enormen vorteil des sozialsystems, man kann temporär arbeitslos werden ohne sofort in einen abgrund zu stürzen.
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 19:46:20    Titel:

Zitat:
Ich kann einem Menschen nicht sagen, dass global gesehen mehr Wohlstand entsteht und dass er oder seine Nachfahren in 100 Jahren das merken werden. Das nützt dem Arbeitslosen heute nichts.


Der Wohlstand entsteht ja nicht nur in anderen Ländern oder erst in 100 Jahren! Der Wohlstandszuwachs ist ganz real und geschieht hier und jetzt! Geh doch mal in einen z.B. (Elektro-) Discounter a la Media Markt: Da gibt es heute Geräte für beinahe jeden erschwinglich, die vor 2 Jahren in Vermögen gekostet hätten!. Das macht der technische Fortschritt und die Globalisierung!


Zitat:
Und wer wie ich die 40-jährigen Umschüler sieht, die immer atemloser den Trends des Marktes hinterherlaufen, um Ausbildungen zu machen, die scheinbar angesagt sind, muss auch eine Antwort für diese Leute finden. Spätestens, wenn sie mit 50 in der nächsten Umschulung sitzen.


Dass dafür gesorgt werden muss, dass diejenigen, die nicht zu den unmittelbaren "Globalisierungsgewinern" gehören nicht auf der Strecke bleiben ist keine Frage. Hier ist die Politik gefragt, die durch Zuschüsse (z.B. Kombilohn) und Flexibilisierungen der Struktur des Arbeitsmarktes die strukturelle Arbeitslosigkeit verringert (Der Dienstleistungssektor ist meines Erachtens in Deutschland aufgrund struktureller Hindernisse, d.h. keine Anreize durch überhöhte Tariflöhne und Lohnnebenkosten sowie im Verhältnis zu hohe Transferleistungen, völlig unterentwickelt.)

Das hat aber mit Globalisierung unmittelbar nichts zu tun, das ist lediglich eine Frage wie man die Rahmenbedingungen in Deutschland ausgestaltet!
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 20:13:57    Titel:

Ich sehe den Wohlstand ja durchaus. Ich partizipiere ja daran, weil ich mir all diese schönen Dinge auch leisten kann. Dummerweise wird der Anteil der Menschen in Deutschland, die die geforderten Qualifikationen für ein Hightech-Land nicht mehr erbringen können und hinten weg immer größer.

Früher war eine Ausbildung ein Jobgarant. Da waren es nur die Nichtausgebildeten, die keine Arbeit fanden. Heutzutage bilde ich Systemelektroniker aus, die zu 70 % in die Arbeitslosigkeit oder in eine andere Schulform entlassen werden.
Und wartet es ab... die niedrigen Arbeitslosenzahlen bei Akademikern werden bald auch Vergangenheit sein. Dann werden auch nur noch die Besten eine Arbeit finden. So viel Projektplanung und Management kann man gar nicht machen, um alle in Lohn und Brot zu bringen. Die "echte" Arbeit wird dann ja (fast) alles im Ausland gemacht. Ausnahmen sind vielleicht Frisöre etc... deren Leistung immer noch im Inland erbracht werden muss.

Ich bin nicht gegen Freihandel, Markt und Globalisierung. Ich bin aber dafür, dass dieser Prozess politisch gesteuert wird und die Anpassungsprozesse für die Menschen langsamer gemacht werden.

Außerdem müssen wir vermutlich über ein System nachdenken in dem auf Dauer und in Zukunft sehr viel mehr Menschen aufgefangen werden müssen, nämlich all diejenigen die nicht so produktiv sein können, um ihre eigenen Kosten zu decken. Wer soll das bezahlen? Diejenigen die noch Arbeit haben? Die Hochqualifizierten? Die Steuerbelastung möchte ich mir nicht vorstellen. Gerade diese Leute würden doch als erstes in ein Niedrigsteuerland auswandern.

Die Frage dürfte dann auch sein, wie sich der Sinn des Lebens dann darstellt, wenn eben nicht mehr durch kostendeckende erwerbswirtschaftliche Arbeit.

Gruß
Pauker
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