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Globalisierung - Segen oder Fluch ?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Globalisierung - Segen oder Fluch ?
 
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Macabre Deified
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Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1916
Wohnort: The Republic of Elbonia

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 00:08:30    Titel:

ich frag mich wie sozialsysteme auf "supranationaler ebene" funktionieren sollen? vielleicht erkennt man an dieser stelle ein problem der sozialsysteme?
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 00:30:23    Titel:

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
ich frag mich wie sozialsysteme auf "supranationaler ebene" funktionieren sollen? vielleicht erkennt man an dieser stelle ein problem der sozialsysteme?


Internationale Konzerne könnten ja auch Sozialleistungen anbieten. Man muss die Sozialsysteme nur entstaatlichen Wink
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 00:37:38    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Internationale Konzerne könnten ja auch Sozialleistungen anbieten. Man muss die Sozialsysteme nur entstaatlichen


Nur dumm, das man selbst in der eher liberal eingestellten Wirtschaftswissenschaft der Meinung ist, dass es gerade im Bereich der Sozialsysteme zu eklatantem Marktversagen unter anderem durch eine adverse Selektion kommen würde. Das der Staat sich da komplett heraushalten kann halte ich daher für undenkbar.

Beste Grüße
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 03:42:47    Titel:

polity_x hat folgendes geschrieben:
Supranationalität ist ein sehr merkwürdiges Phänomen, so gibt es doch bislang nur ein Beispiel für diese Form der internationalen Kooperation - die Europäische Union.
Von diesem Phänomen auf internationale Kooperation im größeren Stil - transkontinental und global - zu schließen gestaltet sich als schwierig.


De Begriff "supranational" ist sicherlich modern und täuscht vielleicht deswegen darüberhinweg, dass es schon lange Strukturen gibt die mehrere Nationen, Staaten oder Völker umfassen. Man kann ebenso die USA als Form einer überstaatlichen Struktur auffassen. Auch die UDSSR gehörte sicherlich dazu und wenn man genau hinschaut lässt sich auch China dazurechnen, ein stabiles Gebilde mit mehreren Sprachen Völkern und Kulturen, die sich durchaus als unterschiedliche Nationen auffassen können wenn wir sie nicht gerade mit dem Westen vergleichen. So einzigartig ist die EU als überstaatliche Struktur also nicht.

Mit freundlichen Grüßen
ein
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polity_x
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Anmeldungsdatum: 28.02.2006
Beiträge: 394

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 13:11:50    Titel:

Nun, dann stellt sich natürlich die Frage, was wir als Staatlichkeit betrachten, und wass als Supranational, d.h. Überstaatlich. Wo verlaufen also die Trennlinien zwischen Bundesstaat und Staatenbund?
Ich bediene mich da ganz gern der Kriterien nach Weber und Jelinek, die sich auf Staatsgegbiet, Staatsvolk und Staatsgewalt als Kriterien der Staatlichkeit erstrecken
So ist supranationalität ein Phänomen, in dem Souveränitätsrechte teilweise, aber eben nicht vollständig abgegeben werden. Eine vollständige Abgabe der Souveränitätsrechte würde die Mitgliedsstaaten der Staatlichkeit berauben, Sie wären dann Länder innerhalb eines föderalen Systems, eingehegt in einem großen Mutterstaat.
Einzigartig ist die EU sehr wohl, handelt es sich hier doch um ein kontinentales Bündnis auf mehreren Ebenen mit mehr oder weniger demokratischer Entscheidungsformel. Dies ist der ehemaligen Sowjetunion sicherlich abzusprechen, handelte es sich hier doch um starke Dependenzstrukturen. Weiterhin China im Rahmen einer multikulturellen Vielstaatlichkeit zu betrachten beachtet hier die neuere und neuste Geschichte nicht. So ist es doch durchaus wahr, das China einst aus mehreren Königreichen bestand (was übrigens auch für Deutschland gilt Wink ), jedoch lässt sich aufgrund unterschiedlicher kultureller Hintergründe nicht auf eine Vielstaatlichkeit schließen. Weiterhin dürfte eine Teilautonomie der kulturellen und sprachlichen Minoritäten Peking wohl reichlich ungelegen kommen.
Die USA als supranationales Konstrukt zu bewerten fällt sicherlich auch schwierig, betrachtet man die strukturelle Ebene dieses Landes wird man feststellen, dass es sich hier um einen klar föderalistisch gegliederten Staat handelt.
Ich bitte nochmals, die Trennlinien zwischen staatlichen Konstrukten und supranationalen Organisationen nicht zu verkennen.
Supranationalität ist somit mehr als ein neuer, moderner Begriff, Supranationalität ist ein neues Phänomen, welches sich neue theoretische Grundlagen geschaffen hat.
Eine solche Organisation aber, auf größerer Ebene, ist meines Erachtens nach Zukunftsmusik.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 14:09:18    Titel:

polity_x hat folgendes geschrieben:

...
Ich bitte nochmals, die Trennlinien zwischen staatlichen Konstrukten und supranationalen Organisationen nicht zu verkennen.
Supranationalität ist somit mehr als ein neuer, moderner Begriff, Supranationalität ist ein neues Phänomen, welches sich neue theoretische Grundlagen geschaffen hat.
Eine solche Organisation aber, auf größerer Ebene, ist meines Erachtens nach Zukunftsmusik.


Sie dürfen gerne die Einzigartigkeit der EU betonen, dass ist sie, wenn wir bestimmte Kriterien und Definitionen anwenden. Das gleiche gilt aber auch für andere überstaatliche Konstruktionen. In diesem Sinne ist oder war sicher auch China, die USA und auch die UDSSR einzigartig, weil wir bei allen drei Attribute finden, die sie von den jeweils anderen unterscheiden.

Nur bringt uns dass in der Diskussion nicht weiter, denn mal abgesehen von dem modernen Begriff supranational und ob wir das eine oder andere nach dieser oder jener Definition so bezeichnen dürfen, geht es in der Diskussion darum, ob es möglich ist, überstaatliche Strukturen zu schaffen, die sich einer globalisierten Ökonomie entgegenstellen können und die Interessen aller Menschen gegenüber den partikulären Interessen der Konzerne zu formulieren und durchzusetzen, wenn sich diese unterscheiden.

In diesem Kontext ist die Frage wieviel Macht Untereinheiten, also Staaten oder Verbünde abgeben nicht die entscheidende, weil diese Frage eine permanente Überprüfung und Aufmerksamkeit unterliegt, ganz gleich ob wir die Rechte der Mitgleidstaaten gegenüber Entscheidungen der EU oder die in einer engeren Bindung befindlichen Bundesländer gegenüber der Budnesrepublik Deutschland oder sich dazwischen befindlichen amerikanischen Staaten gegenüber der Gesamtregierung betrachten.

Die Frage ist also, lassen sich relativ stabile und funktionierende Strukturen von diesen Dimensionen schaffen? In diesem Kontext sind alle genannten überstaatlichen Strukturen Beispiele dafür, dass dies im Prinzip möglich ist, wir können Strukturen dieser Größe schaffen und Staaten zu überstaatlichen Strukturen verbinden.

Ob wir das überstaatlich, supranational oder international nennen ist meiner Ansicht nach höchstens von akademischen Interesse.

Wichtiger erscheint mir, dass wir abklären welche Machtbefugnisse eine solche Institution grundsätzlicvh erhalten soll und wie sie sich intern zusammensetzt. Mit anderen Worten wählen wir eine Weltregierung oder wird sie von den Regierungen bestimmt?

Aus der Notwendigkeit eine solche Organisation besitzen zu müssen um globalen Problemen adäquat zu begegnen und der prinzipiellen Möglichkeit solche Strukturen zu schaffen ist langfristig klar, dass diese Strukturen sehr wahrscheinlich auch entstehen werden.

Wir sollten daher als Bürger aktiv an der Entstehung mitarbeiten und uns einmischen, um zu verhindern, dass sich ausschließlich Bürokratie und Privatwirtschaft dieser Struktur bedienen.

Mit der IT-Technik wird es vielleicht möglich sein, weltweit Entscheidungen zu treffen, so dass globale Entscheidungen von den Menschen selber entschieden werden.

Wir haben die Möglichkeiten, beginnen wir sie zu nutzen.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger


Zuletzt bearbeitet von Bürger am 15 Apr 2006 - 14:36:47, insgesamt einmal bearbeitet
polity_x
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Anmeldungsdatum: 28.02.2006
Beiträge: 394

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 14:32:47    Titel:

Nun scheinen wir also doch von zweierlei Ding zu Reden, wo die Frage der Nomenklatur eben doch von mehr als von akademischem Interesse ist. Was wollen wir: eine Weltregierung oder eine wirtschaftliche Kontrollinstanz?
Ersteres würde ich als absolut utopische bezeichnen, aus bereits genannten Gründen. Hierzu ist ausführend zu sagen, das eben alle diese vorab genannten Konstrukte, ob nun VR China, die ehemalige UdSSR, die USA oder die EU alle aus ähnlichen Kontexten stammen und integrierende Ideologien vorweisen konnten.
Ein solch ideologischer Brückenschlag auf weltweitem Niveau - unvorstellbar in einer Zeit, in der Huntington ein Name ist.
Eine wirtschaftliche Kontrollinstanz scheint da schon ein Stück weniger unrealistisch, auch wenn Sie keineswegs mit solch weitgehenden Befugnisses ausgestattet sein dürfte, wie eine hypothetische Weltregierung, wird doch von einschlägigen Kapitalismuskritikern, allen voran Alain Liepitz, ein geeigneter Regulationsmechanismus auf internationaler Ebene gefordert. Hierbei sei jedoch vermerkt, dass sich die zu Zeiten des Fordismus herrschenden Verhältnisse kaum regenerieren lassen dürften, dies auch weiterhin wohl nicht wünschenswert ist.

So soll das Ziel dann die Kontrolle der transnationalen Wirtschaftsverflechtungen sein. Sicherlich wäre hier ein geschlossenes, für alle verbindliches Vorgehen wünschenswert, erscheint aber allein aus den bereits erwähnten ideologischen Gründen schwierig. Weiterhin sind auch die handfesten partikularen Wirtschaftsinteressen der Staaten von Bedeutung, wie sonst ist es zu erklären, dass auf dem Gremium, was sich eben die Förderung der internationalen Wirtschaft und deren Kontrolle verschreibt, der WTO keine Einigung möglich schien?

Eine solche supranationale Institution mit Entscheidungsrecht müsste sicherlich nach Konsensentscheid beschließen, was eine Organisation, wie diese eine sein würde, faktisch Beschlussunfähig machen würde.
Sicherlich, sieht man die Sache funnktionalistisch, so wird aufgrund der weiter steigenden Masse der transnationalen Wirtschaftstransaktion auch die Integration der einzelnen Staaten steigen - vielleicht erscheint ein solches Ziel auch bald möglich. Aber diese Theorie geht von der unbehinderten, das heißt unsanktionierten Entfaltung der Wirtschaft in bestimmten Bereichen aus, immerhin ist es Ziel dieser Theorie, die europäische Integration zu beschreiben.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 14:48:43    Titel:

polity_x hat folgendes geschrieben:
Nun scheinen wir also doch von zweierlei Ding zu Reden, wo die Frage der Nomenklatur eben doch von mehr als von akademischem Interesse ist. Was wollen wir: eine Weltregierung oder eine wirtschaftliche Kontrollinstanz?
Ersteres würde ich als absolut utopische bezeichnen, aus bereits genannten Gründen. Hierzu ist ausführend zu sagen, das eben alle diese vorab genannten Konstrukte, ob nun VR China, die ehemalige UdSSR, die USA oder die EU alle aus ähnlichen Kontexten stammen und integrierende Ideologien vorweisen konnten.
Ein solch ideologischer Brückenschlag auf weltweitem Niveau - unvorstellbar in einer Zeit, in der Huntington ein Name ist.
Eine wirtschaftliche Kontrollinstanz scheint da schon ein Stück weniger unrealistisch, auch wenn Sie keineswegs mit solch weitgehenden Befugnisses ausgestattet sein dürfte, wie eine hypothetische Weltregierung, wird doch von einschlägigen Kapitalismuskritikern, allen voran Alain Liepitz, ein geeigneter Regulationsmechanismus auf internationaler Ebene gefordert. Hierbei sei jedoch vermerkt, dass sich die zu Zeiten des Fordismus herrschenden Verhältnisse kaum regenerieren lassen dürften, dies auch weiterhin wohl nicht wünschenswert ist.

So soll das Ziel dann die Kontrolle der transnationalen Wirtschaftsverflechtungen sein. Sicherlich wäre hier ein geschlossenes, für alle verbindliches Vorgehen wünschenswert, erscheint aber allein aus den bereits erwähnten ideologischen Gründen schwierig. Weiterhin sind auch die handfesten partikularen Wirtschaftsinteressen der Staaten von Bedeutung, wie sonst ist es zu erklären, dass auf dem Gremium, was sich eben die Förderung der internationalen Wirtschaft und deren Kontrolle verschreibt, der WTO keine Einigung möglich schien?

Eine solche supranationale Institution mit Entscheidungsrecht müsste sicherlich nach Konsensentscheid beschließen, was eine Organisation, wie diese eine sein würde, faktisch Beschlussunfähig machen würde.
Sicherlich, sieht man die Sache funnktionalistisch, so wird aufgrund der weiter steigenden Masse der transnationalen Wirtschaftstransaktion auch die Integration der einzelnen Staaten steigen - vielleicht erscheint ein solches Ziel auch bald möglich. Aber diese Theorie geht von der unbehinderten, das heißt unsanktionierten Entfaltung der Wirtschaft in bestimmten Bereichen aus, immerhin ist es Ziel dieser Theorie, die europäische Integration zu beschreiben.



Das mag sein, aber Theorien im gesellschaftsspolitischen Bereichen hinken oft der Wirklichkeit hinterher, so dass ich die Beschreibung einer Theorie die zur Entstehung einer Weltregierung führt einem aktiven Einsatz für eine solche Institution keinen Vorzug einzuräumen gedenke, auch wenn wir noch weit davon entfernt zu sein scheinen.

Der Konsensentscheid, so wie er in der EU noch praktiziert wird, ist keinesfalls Ausdruck einer Ideologie sondern nur Ausdruck des Zögern nationalstaatlicher Dünkel Macht abzugeben. Zwingend ist er keineswegs, wenn die Zuständigkeiten geklärt sind.

Nehmen wir ein Beispiel, die Sicherheit der internationale Seefahrt im Verkehrswesen ist sicher eine Aufgabe, die von einer Weltregierung mehrheitlich durch entsprechende Gesetze kontrolliert weden könnte, Tempolimit auf deutschen Autobahnen sicher nicht.


Mit freundlichen Grüßen
ein Bürger
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 15:09:02    Titel:

polity_x hat folgendes geschrieben:
Was wollen wir: eine Weltregierung oder eine wirtschaftliche Kontrollinstanz? Ersteres würde ich als absolut utopische bezeichnen, aus bereits genannten Gründen.


Das hoffe ich doch mal nicht. In unserer Zeit der zunehmenden Globalisierung herrscht gigantischer Wettbewerb. Sogar die Staaten selber verstehen sich als mit ihren Sozialsystemen und ihren Steuersystem im Wettbewerb. Ist dies sinnvoll? Nein. Ein System von Staaten, die nebeneinander existieren, aber graduell immer niedrigere und niedrigere Steuerbelastungen generieren wollen damit die ökonomische Basis nicht einfach wegläuft ist langfristig nicht lebensfähig. Daher wird die politische Antwort auf die zunehmende Globalisierung eine zunehmende Kooperation der Staaten sein. Ob dies in Form von Zusammenschlüssen ist oder in Form von Staatenbünden ist dabei eher nebensächlich. Alleine für die Koordination der Entscheidungen muss kooperiert werden.

Ebenso wie es in Deutschland Bundesländer, Kommunen und Gemeinden gibt, wird Deutschland und Frankreich etc etc irgendwann auch "nur" noch Bundesstaat eines größeren Bundes sein. Zumindest hoffe ich das. Der wichtigste Weg dahin ist zumindest was die EU angeht längst vor langer Zeit beschritten wurden: Europäisches Recht bricht Bundesrecht. Sicher sind die derzeitigen Ausgestaltungen der Institutionen alles andere als Optimal, aber dafür sind wir ja da, nämlich die nächste Generation!

Und warum versagt nun die WTO? Ganz einfach: sie ist eine wirtschaftliche Kontrollinstanz geleitet von wirtschaftlichen Zielen und Interessen. Die WTO strebt nicht nach etwas höherem, etwas besserem und ist nicht durch politische Ideologie geleitet. Ferner ist niemand da, dem sie wirklich Rechenschaft ablegen muss. Eine alleinige wirtschaftliche Kontrollinstanz muss von einer übergeordneten Instanz begleitet werden, damit klar ist, dass das Primat der Politik immer noch bestand hat.

Ideologische Grüße
coffeinjunky
polity_x
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Anmeldungsdatum: 28.02.2006
Beiträge: 394

BeitragVerfasst am: 15 Apr 2006 - 18:08:08    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Daher wird die politische Antwort auf die zunehmende Globalisierung eine zunehmende Kooperation der Staaten sein. Ob dies in Form von Zusammenschlüssen ist oder in Form von Staatenbünden ist dabei eher nebensächlich. Alleine für die Koordination der Entscheidungen muss kooperiert werden.


Dies steht außer Frage, die Frage die sich stellt, ist, wie diese Kooperation aussehen wird. Meiner Meinung nach werden wir eine Zeit der multipolaren Regionalen Bündnisse á la Europäische Union erleben, da dies mehrere positive Faktoren mit sich bringt:

Zum einen wäre da natürlich der ähnliche kulturelle Hintergrund zu nennen. Man kann von Huntington halten was man möchte, ich persönlich denke nicht, dass es zu einem 'Clash of Cultures' kommen wird, allerdings sind die verschiedenen Hintergründe doch nicht zu vernachlässigen.
Eine föderale Struktur ist durchaus wünschenswert, wenn zur Zeit auch noch nicht gewünscht.

Zum anderen werden Regionale Verbundsysteme den internationalen Wettbewerb kartellisieren, und zwar nicht in einem monopolistischen Sinne, wie dies durch eben eine hypothetische Weltregierung geschehen könnte, sondern weiterhin wettbewerbsnah. Somit wäre es auch einfacher, bestimmte Standortvorteile (->Stichwort: komparativer Kostenvorteil) zu betonen, und in diesen Systemen einheitliche und homogene Standards einzuführen. Zudem würde die Rechtssicherheit, in diesem Markt seine Produkte wieder einführen zu können, die Investitionen in diesem Binnenmarkt stärken (-> Stichwort: Überschreitung des Handelsvolumens bei chinesischen Textilien)


coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Die WTO strebt nicht nach etwas höherem, etwas besserem und ist nicht durch politische Ideologie geleitet. Ferner ist niemand da, dem sie wirklich Rechenschaft ablegen muss. Eine alleinige wirtschaftliche Kontrollinstanz muss von einer übergeordneten Instanz begleitet werden, damit klar ist, dass das Primat der Politik immer noch bestand hat.


Die Frage die sich hier stellt, ist, wem denn diese wirtschaftliche Kontrollinstanz mit ihrer übergeordeten Exekutive Rechenschaft ablegen muss. Wie würde eine solche Instanz überhaupt legitimiert werden? Hierbei wäre wohl eine a posteriori - Legitimation á la Europäische Union zu bevorzugen. Wie würde der legislative Körper dieser Weltweiten Instanz aussehen? Würde eine solche Körperschaft nicht noch viel mehr den Interessen der bereits stark gestellten Staaten Rechenschaft tragen?

Bürger hat folgendes geschrieben:
Der Konsensentscheid, so wie er in der EU noch praktiziert wird, ist keinesfalls Ausdruck einer Ideologie sondern nur Ausdruck des Zögern nationalstaatlicher Dünkel Macht abzugeben. Zwingend ist er keineswegs, wenn die Zuständigkeiten geklärt sind.


Genau diesen Punkt benannte ich, als ich von divergierenden Interessen sprach. Nun, betrachtet man den Primat der Politik, stellt man fest, dass die politische Integration auch auf europäischer Ebene noch lange nicht so stark gewachsen ist, wie auf wirtschaftlicher Ebene. Die Spill-Over-Effekte treten nocht nicht so stark auf, wie erhofft und erwartet. Nationalstaatliche Interessen, vor allem im Bereich der High Politics, haben immer noch Vorrang, sind jedoch auch stärker demokratische legitimiert. Verbindliche Entscheidungen nach Mehrheitsregel, dies war das Ziel der EU-Verfassungsreform. Dies ist jedoch schwer durchzusetzen, ähnlich bemerkbar, wenn auch auf anderem Niveau bei der derzeitigen Debatte um die Föderalismusreform.
Schwierig gestaltet sich derzeit auch die Reform der Vereinten Nationen, welche ja ganz offensichtlich Vorbild für diese Diskussion sind, und die, so entnehme ich es den Beiträgen zuvor, ausgebaut werden soll. Auch hier versucht natürlich jeder Staat, seine Interessen so stark wie möglich vertreten zu sehen, was ein einheitliches Handeln leider nicht möglich macht, von einer Grundlegenden Reform ganz zu schweigen. Der Sicherheitsrat bildet nach wie vor die überholten Machtverhälnisse der post-45'er Zeit ab.

Doch selbst wenn die Zuständigkeiten geklärt wären, und ein Mehrheitsentscheid, für alle verbindlich, möglich wäre - wie würde man mit potentiellen Trittbrettfahrern umgehen. Wie würde man mit Staaten umgehen, die die Vorteile der Kooperation nutzen, dafr aber keine Gegenleistung erbringen. Wie würde man mit Staaten umgehen, die eine solche aufoktruierte Herrschaftsform nicht akzeptieren und mittragen. Wie würde man mit den Außenseitern umgehen, die bewusst diesem System schaden möchten, und wie würde man mit jenen Ländern umgehen, bei denen man nicht mehr von Staaten sprechen kann, und deren Vertretung bei der UN aus Mitgliedern von Exilregierungen bestehen?

Fragen über Fragen zu einem wässrigen Konzept. Die Weltregierung, allein der Begriff wiegt schon schwer, sodass man meinen könnte, er reicht aus, um Argument zu sein. Eine solche internationale Kooperation scheint notwendig, Sie wird sich jedoch nicht so weit Institutionalisieren lassen.
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