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kleiner BGB in marburg - HA WM-tickets
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prime_club
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Anmeldungsdatum: 15.09.2005
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 14:38:32    Titel: kleiner BGB in marburg - HA WM-tickets

Hallihallo,

ein interessanter und umfangreicher Fall mit äusserst aktuellem Bezug. Leider auch ziemlich knifflig. Was meint ihr?

Für den Fußballfan F ist es keine Frage, dass er sich bei der Jagd um Karten für die Fußball WM 2006 in Deutschland beteiligt. Auch wenn er in der ersten Phase der Ticketvergabe (1.2.2005 - 31.3.2005) leer ausging, verlässt ihn der Mut nicht, in der zweiten Verkaufsphase (1.5.2005 - 15.11.2005) Glück zu haben, und Karten für ein oder mehrere Spiele ergattern zu können.
Da der Ticketverkauf nur über das Internet stattfindet, loggt sich F Anfang November auf der offiziellen FIFA-Verkaufs-Seite ein. Er informiert sich zunächst über die Preise und liest sorgfältig die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB), die Richtlinien für die Ticketvergabe und einen Artikel der mit „Zehn Fragen zum Ticket-Verkauf FIFA WM 2006“ überschrieben ist. Danach öffnet er die Bestellmaske und gibt die dort geforderten Angaben ein. Neben Name, Vorname, Straße, Postleitzahl, Stadt, Land, Nationalität, Geschlecht, Geburtsdatum, Ausweisnummer, E-Mail-Adresse (bei postalischen Bestellungen und Bestellungen via Fax optional), Telefonnummer (optional), Adresszusatz (optional) muss F die Anzahl und Art der gewünschten Ticketprodukte angeben. Er entscheidet sich, je 4 Tickets der Preiskategorie 3 für insgesamt 7 Spiele zu bestellen. Dabei muss er jedem Ticket eine Person bzw. deren Personalausweisnummer zuordnen. Er wählt dabei seine Frau, seinen 10jährigen Sohn und seine 12jährige Tochter (Kinderausweisnummer) und sich selbst aus. Zusätzlich muss F Angaben zu seiner Zahlungsweise machen. Am Ende der Bestellung aktiviert er durch Anklicken das Feld „Ich habe die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiere sie“. Sodann klickt er auf den Button „Abschicken“ und freut sich auf einen hoffentlich reichen Ticketsegen.
Nach der offiziellen Auslosung bekommt F eine Benachrichtigung per E-Mail, dass er für zwei der gewünschten Spiele je 4 Karten der Preiskategorie 3 erhalten hat. Es sind die Spiele Deutschland gegen Polen in Dortmund am 14.6.2006 und Niederlande gegen Argentinien in Frankfurt am 21.6.2006. Die Karten selbst sollen ihm sechs bis acht Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft zugesandt werden.

Grundsätzlich freut sich F über die Karten, jedoch ist er traurig, keine Karten für das Spiel Brasilien gegen Australien am 18.6.2006 in München, für das er Tickets bestellt hatte, bekommen zu haben. Hierfür hatte er bereits zwei Hotelzimmer in München gebucht. Gleich nach der Bestellung der Tickets übers Internet hatte er im Hotel H in München angerufen, und zwei Doppelzimmer mit Frühstück für die Nacht vom 18.6. auf den 19.6.2006 gebucht. Auf eine Reservierung wollte sich H aufgrund der großen Nachfrage nicht einlassen. F erinnert sich noch genau, mit dem zuständigen Hotelangestellten über seine Ticketbestellung sowie über die Preise der Zimmer geredet zu haben, da sie mit 250 € pro Person allein aufgrund der Fußball-WM und des Vorrundenspiels der Brasilianer so teuer sind. Der Hotelangestellte ist nicht bereit, die Buchung zu stornieren und verlangt die Bezahlung der 1.000 €. M verweigert die Zahlung. Zu Recht?

Sein 10jähriger Sohn S ist trotz allem völlig begeistert von den WM-Tickets. Er kann kaum an sich halten und berichtet seinem holländischen Brieffreund B in einem euphorischen Brief von den Vorrundentickets. Dieser kann es kaum glauben und ruft den S an. Bei dem Telefonat handelt es sich um ein R-Gespräch. Nachdem S das Gespräch entgegengenommen hat, meldete sich eine weibliche Ansagestimme mit dem Text: „Hallo - Sie haben ein R-Gespräch von... .“ Dann wurde für wenige Sekunden die Originalstimme des B eingeblendet, der mitteilte, dass er es war, der am Telefon ist, und dass S das Gespräch annehmen solle. Darauf verkündet die Frauenstimme: „Möchten Sie dieses Gespräch für nur 2,9 Cent pro Sekunde entgegennehmen? Dann drücken Sie jetzt 1 und die 2.“ Der S drückt die geforderte Tastenkombination. Er kennt das Procedere nicht, glaubt aber, dass dies bei einem Ferngespräch aus Holland normal sei, und misst dem keine weitere Bedeutung zu. Durch mehrere solcher Telefonate entstehen Kosten in Höhe von 500 €. Als F die Telefonabrechnung mit diesen Kosten erhält, trübt sich seine Vorfreude auf die WM sehr. Er weigert sich gegenüber der Telefongesellschaft die Kosten zu tragen. Zu Recht?

Wie viel Glück der F bei der Auslosung der WM Karten hatte, bemerkt er erst, als sein Freund K und dessen Sohn berichten, bei der Auslosung leer ausgegangen zu sein. Das erweicht sein Fußballerherz und er beschließt, an der Stelle seiner Frau und seiner Tochter, die in seinen Augen Fußball an sich und WM-Vorrunden-Spiele insbesondere nicht recht zu schätzen wissen, die Karten für das Vorrundenspiel Niederlande gegen Argentinien an seinen Freund K und dessen Sohn zu übertragen. Sorgen bereitet ihm allerdings folgender Passus in den ATGB:

Ziffer 3 ATGB
Weder der Ticketinhaber noch irgend jemand sonst ist berechtigt, das Ticket oder die sich aus diesem ergebenden Rechte ohne vorherige schriftliche Zustimmung des OK an dritte Personen zu übertragen. Das OK wird seine Zustimmung nur aus sachlichen Gründen verweigern. Die Zustimmung kann insbesondere dann verweigert werden, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Ticketinhaber oder der Dritte
• die Übertragung auf Personen, die aus Sicherheitsgründen vom Besuch von Fußballspielen ausgeschlossen wurden, beabsichtigt,
• die Weiterveräußerung des Tickets beabsichtigt,
• die Übertragung oder Verwendung zu Zwecken der Werbung, der Vermarktung, als Bonus, Werbegeschenk, Gewinn oder als Teil eines nicht autorisierten Hospitality- oder Reisepakets beabsichtigt.
Ziffer 4 ATGB
Im Fall der Übertragung mit Zustimmung des OK beantragt der Empfänger die Ausstellung eines neuen Tickets auf seinen Namen. Wird ein Ticket ohne vorherige schriftliche Zustimmung des OK übertragen oder für die vorstehend genannten Zwecke verwendet, oder verstößt der Ticketinhaber in sonstiger Weise gegen diese ATGB, so wird das Ticket ungültig. Das OK ist in diesem Fall berechtigt, das Ticket zu sperren – auch elektronisch – und dem Besitzer des Tickets den Zutritt zum Stadion zu verweigern bzw. ihn des Stadions zu verweisen.

K behauptet, die Übertragung sei kein Problem, er hätte in der Zeitung gelesen, dass die Klauseln verbraucherfreundlich seien, und die Karten problemlos übertragen werden können. F und K einigen sich, dass die Karten nun K gehören, und K überweist F den regulären Kartenpreis i.H.v. 90 € (45 € pro Karte). Daraufhin wendet sich K an das OK (Organisationskomitee Deutschland) der FIFA und bittet dieses, die Karten auf seinen Namen und den Namen seines Sohnes umzuschreiben. Das OK verweigert die Umschreibung unter Hinweis auf Ziffer 3 und 4 ATGB und sperrt die Karten. Zu Recht?


bzgl der Eintrittskarten ist das doch relativ eindeutig, oder? aber von welcher anspruchsgrundlage ist hier auszugehen?
ebenso liegt mein problem bei der hotel buchung! ist der §535 der richtige ansatz?

danke schön!
BobbyBrown
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Anmeldungsdatum: 12.03.2006
Beiträge: 109

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 00:30:49    Titel:

Zitat:
„Hallo - Sie haben ein R-Gespräch von... .“


Mal was zu R-Gesprächen...........da gibt es doch ein ganz aktuelles Urteil vom BGH von heute (?).
Leider kann ich das Urteil jetzt nicht finden, aber lese mal hier:

http://www.pcfreunde.de/news/detail-1815/eltern-haften-r-gespraeche-kinder.html

Bei der Hotel-Sache habe ich spontan an Störung der Geschäftsgrundlage § 313 BGB gedacht. Erinnert mich jedenfalls an diesen berühmten Übungsfall, wo jemand einen Balkon mietet um den Karnevalszug zu sehen und der dann abgesagt wird.

Aber ich glaube da muss dir ein anderer helfen Laughing
prime_club
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Anmeldungsdatum: 15.09.2005
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 20 März 2006 - 11:04:29    Titel:

ja, das urteil des bgh ist hilfreich - danke dafür! (III ZR 152/05)

bei der störung der geschäftsgrundlage, bzw ihrem wegfall bin ich mir nicht ganz sicher. der f hat ja nur auf die tickets spekuliert und konnte sich gar nicht sicher sein. empfiehlt sich eine prüfung dann trotzdem?
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