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versuchter mord/totschlag durch unterlassen?
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legat2
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Anmeldungsdatum: 20.02.2006
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 13:47:44    Titel: versuchter mord/totschlag durch unterlassen?

tag! meine frage:
wenn ich mord durch unterlassen und totschlag durch unterlassen wegen fehlender garantenpflicht verneine, muss ich dann noch versuchter mord durch unterlassen und versuchter totschlag durch unterlassen prüfen?

--> oder scheitert ein versuch schon, weil der b schon verreckt is?

auszug:
Als A den reglos und stark blutenden B am Boden liegen sieht, erkennt er, dass dieser ohne sofortige Hilfe sterben wird. Dabei geht er davon aus, dass sämtliche Stiche in ihrer Gesamtheit die schweren Verletzungen verursacht haben, während in Wahrheit die zwei letzten harmlos waren. Obwohl A zutreffend eine Rettung für möglich hält, unternimmt er nichts und entfernt sich, weil er verhindern will, dass durch seine Rettungsbemühungen seine Beteiligung an dem Vorfall bekannt und er deshalb bestraft wird. B stirbt an den Folgen der Schlagaderverletzung. Dies hat A in Kauf genommen.
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 14:07:22    Titel:

Naja ein versuchter Totschlag muß nicht unbedingt daran scheitern, daß das angestrebte Opfer schon tot ist.

Beispiele
- O liegt tot in seinem Bett. B denkt, der O schläft, und schießt gezielt auf seinen Kopf.
- B montiert eine Bombe am Wagen des O. Dieser hat einen Zeitzünder, der auf 5 Minuten programmiert ist und sich mit dem Starten des Motors aktiviert. O steigt in sein Auto und fährt los. Am Stopschild angekommen schießt der zufällig am Stopschild befindliche Amokläufer K dem O in den Kopf. O ist sofort tot. 2 Minuten danach explodiert das Auto.

Wenn der Totschlag durch Unterlassen an dem Vorliegen einer Garantenpflicht scheitert, scheitert auch der Versuch daran.
Ich würde das mit einem Satz abhandeln oder gar nicht auf den Versuch eingehen.
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 18 März 2006 - 00:26:53    Titel:

Ich korrigiere mich bezüglich meiner letzten Aussage etwas.

Du mußt wohl den Versuch der Todschlages durch Unterlassen anprüfen.

Direkt beim subjektiven Tatbestand kannst du jedoch feststellen, daß A sich keiner Garantenstellung bewußt ist.
Jedoch müßte er um Vorsatz zu haben sowohl der Ansicht sein durch sein Unterlassen die Merkmale des Totschlages zu vollenden als auch der Ansicht sein, daß ihm eine Garantenstellung obliegt.

Letzteres fehlt ihm. Er hat somit keinen Vorsatz bezüglich der Verwirklichung eines Totschlages durch Unterlassen (da zu dessen Merkmalemn eben auch die Garantenstellung gehört).
Da der Versuch jedoch Vorsatz erfordert ist die Prüfung hier zu Ende.
legat2
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Anmeldungsdatum: 20.02.2006
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 18 März 2006 - 12:09:22    Titel:

hm....also da bin ich jetzt etwas stutzig. hab jetzt gesehen, dass viele eine vorprüfung einbauen. da muss man ja feststellen, ob das delikt vollendet ist.

beim untauglichen versuch kann das auch anders sein, da hast du recht. wenn ich aber einen normalen versuch prüfe, dann scheitert der doch bereits an der vollendung des delikts, so dass es doch eigentlich abwegig ist, den versuch überhaupt zu prüfen, oder?

wie siehst du das bzw. wie kommst du darauf, dass man den versuch jetzt doch anprüfen sollte?

gruß legat2
hani125
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Anmeldungsdatum: 24.01.2006
Beiträge: 1205
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 18 März 2006 - 13:26:20    Titel:

Naja wenn die Vorprüfung ergibt, daß ein vollendetes Delikt vorliegt, dann muß man den Versuch nicht mehr prüfen. Da in jedem vollendeten Delikt auch ein Versuch liegt und von der Strafe sozusagen abgedeckt ist.

Bei deinem Sachverhalt fehlt jedoch die Vollendung, da keine Garantenpflicht vorliegt, die man sich bei Unterlassungsdelikten im Sinne des §13 sozusagen als Tatbestandsmermal dazudenken muß

Das und die Feststellung, daß der Versuch strafbar ist, eröffnet dann den Weg zur Prüfung des Versuches.


Naja ich bin hier deshalb darauf gekommen den Versuch anzuprüfen, weil sich dieser gemäß §22 StGB nach der Vorstellung des Täters von der Tat richtet.

Darauf spielt zunächst die objektiv fehlende Garantenpflicht keine Rolle,
da es auf die Vorstellung des Täters ankommt. Also wird zunächst gefragt, ob der Derjenige gedacht hat einen Totschlag durch Unterlassen begehen zu können.
Was dann der Fall wäre, wenn er geglaubt hat durch sein Unterlassen die Tatbestandsmerkmale des Totschlages zu erfüllen und für den Nichteintritt des Erfolges verantwortlicht zu sein.

Der A hat jedoch nicht geglaubt für den Nichteintritt des Erfolges verantwortlicht zu sein so daß der Vorsatz entfällt.

(Ich nehme deshalb die letzte Passage des 2. Postings etwas verlegen zurück)
legat2
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Anmeldungsdatum: 20.02.2006
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 18 März 2006 - 14:44:33    Titel:

ah ok. da ist also der haken.
ich hab die garantenpflicht nicht unter die vollendung miteinbezogen. sehr schön nachvollziehbar deine erklärung. dann scheint es logisch den versuch zu prüfen und ihn dann beim vorsatz zugleich wieder abzuwürgen.
so werde ich es machen. danke!
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