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Abituranforderungen NRW 2007, im Fach Psychologie, Lk
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Generaltoni
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Anmeldungsdatum: 30.12.2005
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BeitragVerfasst am: 18 März 2006 - 10:37:29    Titel: Abituranforderungen NRW 2007, im Fach Psychologie, Lk

-NRW-Abitur-Beispielsaufgabe, hinsichtlich der Abituranforderungen für 2007, im Fach Psychologie, Lk:

Weitere Angaben:
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/abitur-gost-07/download/ps-lk-aufgabe-1.pdf

**

Aufgabenstellung:

1. Analysieren Sie das Experiment.
2. Erklären Sie die Ergebnisse mithilfe Ihrer sozialpsychologischen und psychodynamischen Kenntnisse.
3. Beurteilen Sie den psychologischen Wert des Experiments. Beziehen Sie sich dabei auch auf die mögliche Bedeutung der Ergebnisse in Alltagssituationen.


Arbeitstext von Morton Hunt
(Aus: „Das Rätsel der Nächstenliebe“):

„Wir überlegten stundenlang, wie man diese Situation experimentell nachstellen und unsere Hypothese testen könnte. Nicht das Ereignis selbst natürlich, keinen Mord, aber das Hauptmerkmal der Sache – einen Notfall mit Zeugen, die entweder allein sind oder verschieden großen Gruppen angehören -, um so herauszubekommen, ob das bloße Wissen, dass es bei einem Notfall auch noch andere Zeugen gibt, die Hilfsbereitschaft jedes Einzelnen herabsetzt.“
Als sie für diese Nacht Schluss machten, hatten Latané und Darley ihr Experiment fertig. Sie wollten Studenten der New Yorker University einladen, angeblich zu einer Diskussion über die persönlichen Probleme von Studenten in der Großstadt. Latané, Darley oder ein Assistent sollte den Teilnehmern erzählen, dass sie in Gruppen von zwei, drei oder sechs Personen diskutieren würden, dass aber jeder, um möglichst wenig Verlegenheit aufkommen zu lassen, wenn sie über persönliche Dinge sprachen, in einer eigenen Kabine sitzen und über eine Sprechanlage mit den anderen kommunizieren würde.
Dadurch hatten Latané und Darley volle Kontrolle über die Situation; außerdem war es so leichter, den Notfall zu inszenieren – den vorgetäuschten, auf Band aufgenommenen epileptischen Anfall eines anderen Teilnehmers, der über die Sprechanlage zu hören sein sollte. Manche Teilnehmer würden sich für den einzigen Gesprächspartner und damit auch einzigen Zeugen der Person halten, die den Anfall hatte; andere würden annehmen, dass noch ein bis vier weitere Teilnehmer und Zeugen den Anfall über die Sprechanlage miterlebten.
In der darauf folgenden Woche luden Latané und Darley einige Studenten zu Latané nach Hause ein, um die Szene aufzunehmen. Sie spielten die Rollen der Teilnehmer an der fiktiven Diskussion, und nach ein paar Bier versuchten sich auch alle an der Rolle des Epileptikers; die mit Abstand beste Nachahmung des Anfalls lieferte ein Doktorand namens Dick Nesbitt (heute Professor für Sozialpsychologie an der Universität Michigan).
Bei dem Experiment dann hörte die Versuchsperson, die sich allein oder im Gespräch mit ein bis fünf anderen Teilnehmern glaubte, zunächst Nesbitt, der über seine Schwierigkeiten sprach, sich in New York und an der Universität einzuleben, und dann zögernd hinzufügte, er litte bei Stress außerdem unter epileptischen Anfällen. Als er das nächste Mal an der Reihe war, fing er an, immer wirrer und unzusammenhängender zu sprechen: „Ich – äh – vielleicht kann mich jemand rausbringen, - äh – das wäre – äh – g-g-ganz – äh – ganz gut ... ich – äh – hm – ich krieg’ nämlich, glaub’ ich, so einen - äh – so einen Anfall – äh -.“ Der Anfall wurde schlimmer, er bekam keine Luft mehr, bat noch einmal um Hilfe und keuchte schließlich: „Ich sterbe – ich – ich – ich – sterbe – äh – äh – Hilfe – äh – äh – Anfall – äh-.“ Dann noch ein paar Mal Erstickungsgeräusche und nichts mehr. Die Ergebnisse waren elektrisierend: Von den Teilnehmern, die dachten, sie wären bei der Diskussion mit dem Epileptiker allein, meldeten 85 % den Anfall, noch bevor Nesbitt verstummte, während es bei denen, die von vier weiteren Zuhörern ausgingen, nur 35 % waren. Diejenigen Zuhörer, die sich allein glaubten, handelten auch viel schneller als die anderen. Als die Studenten hinterher gefragt wurden, ob sie sich durch die Anwesenheit der anderen hätten beeinflussen lassen, verneinten sie dies; sie waren sich dieser Wirkung tatsächlich nicht bewusst (Darley und Latané, 1968; Latané und Darley, 1970: 93-97). Auf diese Weise hatten Latané und Darley einen handfesten Nachweis für das, was sie die „soziale Blockierung der Zuschauerintervention bei Notfällen“ oder kurz den „Zuschauereffekt“ nannten. Aber ein Nachweis unter Laborbedingungen ist noch keine Erklärung, und also setzten sie sich wieder zusammen und formulierten drei Hypothesen für die möglicherweise bei diesem Effekt ablaufenden Prozesse: erstens die Scheu, vor anderer Leute Augen etwas zu unternehmen, ehe klar ist, was das Richtige wäre; zweitens das Gefühl, dass sich vielleicht die anderen, die passiv bleiben, richtig verhalten; und drittens das Abschieben von Verantwortung“ – also das Gefühl, die eigene Pflicht zum Handeln geringer ist, wenn auch andere Leute den Notfall bemerkt haben (Bibb Latané, in: Grunberg u. a., 1987:75). In einer Reihe von Folgeexperimenten zeigten Latané und Darley wie auch andere Forschungsgruppen, dass in der Tat einer dieser Prozesse abläuft, wenn Zuschauer andere Zuschauer sehen, von Ihnen gesehen werden oder auch bloß wissen, dass andere Zuschauer da sind.
Hochbefriedigt kamen Latané und Darley zu folgendem Schluss: „Die Ergebnisse unserer Experimente zeigen, dass Situationsvariablen wie die Zahl weitere Anwesender für eine Intervention bzw. Nichtintervention stärker bestimmend sind als Apathie und Entfremdung“ (Latané und Darley, 1970:127).
*
(Morton Hunt, Das Rätsel der Nächstenliebe, Campus-Verlag, Frankfurt/Main 1990, S. 126 – 127.)
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