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Doofe Frage: Üble Nachrede?
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Hamini786
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Anmeldungsdatum: 13.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 22 März 2006 - 10:12:57    Titel: Doofe Frage: Üble Nachrede?

A ist seit vielen Jahren mit F verheiratet, führt aber seit einiger Zeit eine heimliche Liebesbeziehung mit seiner Kollegin G. In einem Leidenschaftlichen brief stellt G den A zur Wahl: " Entweder du wirst die Schlampe los oder unsere Liebe ist beendet!"

Hab hierzu eine Frage:
G hat F in dem Brief als Schlampe bezeichnet. Müsste man hier dann auch eine Beleidigung prüfen oder eher eine Üble Nachrede? Oder garnix von beiden?
tty
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Anmeldungsdatum: 20.03.2006
Beiträge: 39
Wohnort: Göttingen

BeitragVerfasst am: 22 März 2006 - 10:51:48    Titel:

Für beide kommt auf Grund der "vertraulichen Mitteilung" eine Strafbarkeit nicht in Frage; siehe zB Lackner/Kühl, § 185 Rn. 9; dies., § 186 Rn. 5 (Verweis auf § 185 Rn. 9).
MrKnusperkeks
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Anmeldungsdatum: 13.03.2006
Beiträge: 36
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 22 März 2006 - 15:14:03    Titel:

das ist aber umstritten. das so ein rechtsfreier raum existieren soll.
das ist selbstverständlich eine beleidigung. bei werturteilen kommt anderes nicht in betracht.
ob da shier verfolgt wird ist ne andere sache.
Hamini786
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Anmeldungsdatum: 13.03.2006
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 23 März 2006 - 10:24:18    Titel:

äähm versteh nicht ganz. Also wäre es eher ne Beleidigung? Geht das gegenüber Dritte?
Thali1
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 314
Wohnort: Stuttgart

BeitragVerfasst am: 23 März 2006 - 12:46:25    Titel:

Hamini786 hat folgendes geschrieben:
äähm versteh nicht ganz. Also wäre es eher ne Beleidigung? Geht das gegenüber Dritte?


Das ist kein Problem (Drittbeleidigung ist strafbar)! Voraussetzung ist aber eine Kundgabe der Mißachtung oder Nichtachtung. Fraglich ist, ob im Briefverkehr zwischen 2 Personsn eine Kundgabe stattfinden kann. Grundsätzlich ist dies jedoch der Fall. Tagebuchaufzeichnungen sind hingegen keine Kundgabe. Gespräche unter Eheleuten oder im engeren Familienkreis sind von § 185 StGB ebenfalls nicht erfaßt. Gleiches gilt für schweigepflichtige Gespräche (z.B. mit Anwälten, Seelsorgern u.s.w.). Vorliegend würde ich aber eine Kundgabe bejahen. Die Kundgabe im vertrauten Bereich ist m.E. nur deshalb von § 185 StGB ausgenommen, weil viele Personen sich dort deutlicher ausdrücken, als in der Öffentlichkeit, v.a., wenn eine nicht beleidigende Kritik angemessen wäre. Dies ist vorliegend nicht der Fall, hier geht es nur um das Ausleben agressiver gefühle. Außerdem sind die Beteiligten nicht verheiratet oder schweigepflichtig. M.-E. Strafbarkeit gem. § 185 StGB.

§§ 186, 187 StGB kommen hier nicht in Betracht, da die Bezeichnung als Schlampe keine Tatsachenbehauptung ist. Tatsachenbehauptungen sind solche, die zumindest im Prinzip beweisfähig sind. Z.B. die Bezeichnung als Dieb u.ä. Die Bezeichnung als Schlampe ist hier aber wertend. Folge: § 185 StGB.
tty
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Anmeldungsdatum: 20.03.2006
Beiträge: 39
Wohnort: Göttingen

BeitragVerfasst am: 23 März 2006 - 13:02:54    Titel:

Meines Erachtens ist auch hier keine Strafbarkeit gemäß § 185 gegeben; die Intimität der Beziehung ist sicherlich der einer ehelichen oder familiären zumindest angenähert. Ich würde hier sogar eine gegenüber der ehelichen Beziehung gesteigerte Vertraulichkeit nicht ausschließen, da A und G ja sogar ihre Beziehung insgesamt verstecken müssen. Oft ist ja gerade der Grund für eine außereheliche Beziehung mangelndes Vertrauen und Verständnis innerhalb der Ehe, so dass statt des ehelichen Partners der uneheliche als "Seelenmülleimer" gebraucht wird.

Letzlich wird man denke ich auf jeden Fall diskutieren müssen, ob dies nicht der Fall ist; es auf Grund des eher formalen Arguments abzulehnen, A und G seien nicht verheiratet, halte ich für verfehlt.

Ach ja, dass der gemäß § 194 I erforderliche Strafantrag fehlt ist wohl klar; das ist ja aber erst ganz am Schluss zu prüfen... auch wenn das vielleicht in EXTREMEM Maße praxisfern ist Wink
Thali1
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 314
Wohnort: Stuttgart

BeitragVerfasst am: 23 März 2006 - 14:05:24    Titel:

tty hat folgendes geschrieben:

Letzlich wird man denke ich auf jeden Fall diskutieren müssen, ob dies nicht der Fall ist; es auf Grund des eher formalen Arguments abzulehnen, A und G seien nicht verheiratet, halte ich für verfehlt.


Verfassungsrechtlich und gesetzlich sind Liebesbeziehungen und die Ehe, bzw. die Familie zwar nicht gleichgestellt, voliegend könnte man beides aber als praktisch gleichwertig betrachten. Es macht meines Erachtens aber einen Unterschied, ob der Papa mal kurz über einen anderen Verkehrsteilnehmer schimpft, oder ob es sich um ein rücksichtsloses "Heruntermachen" des Opfers handelt. Ich sehe bei dem SV jedenfalls eine Unrechtsverwirklichung. Daher § 185 StGB-positiv.
Recht komisch
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Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 23 März 2006 - 14:08:25    Titel:

IdR dürfte es in erster Linie in solchen Fallgestaltungen auf den Einzelfall ankommen. Unter Berücksichtigung der dabei tangierten verfassungsrechtlichen Fragen (Art. 5 I u. insbes. das allgemeine Persönlichkeitsrecht, Schutz der Privatsphäre) und der diesbezüglichen Rechtsprechung des BVerfG,
zB http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv090255.html
würde ich hier stark dazu neigen, nach diesen Maßstäben eine Einschlägigkeit der §§ 185 ff. zu verneinen.
Aus dieser Perspektive ist der Kreis möglicher Vertrauenspersonen auch durchaus nicht auf nahe Angehörige beschränkt.
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