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gefährliche Körperverletzung im Spaß
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werhatrecht
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Anmeldungsdatum: 25.03.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 25 März 2006 - 17:45:39    Titel: gefährliche Körperverletzung im Spaß

Hallo, mein Freund bekam kürzlich eine Vorladung bei der Polizei.
Er soll über einen Vorfall sprechen, der im Spaß passiert ist.
Zuerst einmal mein Freund ist 18 und noch nicht so reif wie er sein sollte.
Wir waren bei Bekannten und als wir uns verabschiedeten, haben wir etwas herumgekaspert. Dabei hat er einer Freundin einen Streich spielen wollen und ihren Schal ziemlich fest zugeknotet. Als er gesehen hat, dass es ihr wehtat hat er die Knoten wieder gelöst. Anschließend hat er sie nach Hause geschafft. Am selben Abend rief ihre Mutter bei meinem Freund an und fragte was los war. Er erzählte es und die Mutter wollte mit ihm am nächsten Tag reden. Als er mit ihr redete sah er auch die Freundin, sie hatte lauter geplatzte Adern im Gesicht. Danach hat sie ihn angezeigt (gefährliche Körperverletzung nach §224 StGB).
Meine Frage: Kann er trotzdem belangt werden, obwohl es nur Spaß war?
Bitte antwortet schnell.
Recht komisch
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Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 25 März 2006 - 18:10:13    Titel:

Ob eine strafbare Tat nun aus Spaß begangen wird oder nicht, ist nicht entscheidend - das wird klar, sobald man sich vorstellt, daß jemand aus Spaß jemanden tötet.
Entscheidend ist nur, ob der Täter unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles glaubhaft darlegen kann, daß er nicht mit dem Eintritt einer Körperverletzung gerechnet hat. Ist das der Fall, fehlt der Vorsatz, aber fahrlässige Körperverletzung kommt in Betracht.
Mottentier
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Anmeldungsdatum: 22.03.2006
Beiträge: 27
Wohnort: Kassel

BeitragVerfasst am: 26 März 2006 - 10:10:08    Titel:

Entschuldigung, aber wie doof muss man sein, um einem Menschen den Schal zu zuziehen?!?! Spaß oder kein Spaß, eine Strafe muss sein..."Ups, ich habe ihm nur im Spaß ein Bein gestellt und dann ist er mit dem Kopf auf die Bordsteinkante gefallen!"
Wenn ich einen solch dummen Fehler gemacht hätte, würde ich aber auf Knien kriechen und mich entschuldigen! Aber mich nicht auf so etwas wie "Spaß" berufen... da sieht man ja erst recht, wie Panne derjenige in der Birne ist!
Eigentlich bin ich schockiert!
Thali1
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 314
Wohnort: Stuttgart

BeitragVerfasst am: 26 März 2006 - 11:23:12    Titel: Hallo

Hallo,

die gefährliche Körperverletzung gem. § 224 StGB scheint hier verwirklicht zu sein. Außerdem liegt ein Offizialdelikt vor, d.h., daß die Strafverfolgung keinen Strafantrag des Opfers voraussetzt. Das Opfer kann die Anzeige also nicht mehr zugunsten des Täters zurücknehmen.
Da der Täter erst 18 ist, findet hier gem. § 1 II, 105 I 1 JGG Jugendstrafrecht Anwendung. D.h., daß er vermutlich nochmal mit einem "blauen Auge" davonkommen wird, v.a., wenn er nicht einschlägig (d.h. wegen Körperverletzung) vorbestraft ist. Dem Täter würde ich empfehlen, sich in jeder erdenklichen Form beim Opfer zu entschuldigen und bei der Polizei, bzw. vor Gericht geltendzumachen, auf keinen Fall eine Verletzung gewollt und sich beim Zuziehen des Schals völlig "verschätzt" zu haben.
Thali1
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 314
Wohnort: Stuttgart

BeitragVerfasst am: 26 März 2006 - 11:28:34    Titel:

Recht komisch hat folgendes geschrieben:
- das wird klar, sobald man sich vorstellt, daß jemand aus Spaß jemanden tötet.


§ 211 II Gr.1 Alt.1 StGB. Wink
werhatrecht
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Anmeldungsdatum: 25.03.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 24 Apr 2006 - 15:36:18    Titel:

Danke für eure Antworten!
Mein Freund war jetzt bei der Polizei um seine Aussage zu machen und da wurde ihm gesagt, dass der Fall zur Kriminalpolizei geht. Hat ihn ganz schön geschockt.
Lis
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Anmeldungsdatum: 14.04.2006
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 08 Mai 2006 - 22:34:31    Titel:

In diesem Fall sind die subjektiven Tatbestandsmerkmale von größter Bedeutung. Dein Kumpel sollte sich genau überlegen, was er bei der Vernehmung bzw. während des Gerichtsprozesses sagt.

Aus meiner Sicht hat er vorsätzlich gehandelt. Jemandem einen Schal um den Hals zu legen und dann diesen zuzuziehen, erfordert schon einen Maß an gezieltem Vorgehen, bei dem man genau wusste, was man tat und dies auch gewollt hatte. Dass er jetzt Gewisensbisse hat, weil er erst danach richtig realisieren konnnte, was er tat, befreit ihn nicht vom Vorsatz.

M.E. war das eine ganz schöne Dummheit, sowas zu tun...

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Pandur
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