Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Hurra: Wir sind Exportweltmeister!
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Hurra: Wir sind Exportweltmeister!
 
Autor Nachricht
Grammatiker
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 03.01.2006
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 12:28:48    Titel: Hurra: Wir sind Exportweltmeister!

Seit einigen Jahren erzählen die Politiker uns, daß wir Exportweltmeister seien. Beliebt war der Verweis auf diesen Titelgewinn vor allem in den letzten Jahren der Regierung Schröder, als nicht mehr viel lief und man dringend etwas zur Besänftigung der Medien und der Bevölkerung brauchte.

Es mag sein, daß tatsächlich viele deutsche Produkte exportiert werden. Allerdings ist das Verweisen auf die Exportweltmeisterschaft meiner Meinung nach ein Akt der Volksverarschung.

Wir sind Exportweltmeister. Gleichzeitig sind wir ein Land mit geringer Inlandswertschöpfung. Die Produkte, die Firmen wie VW exportieren, werden maßgeblich im Ausland von ausländischen Arbeitnehmern vorbereitet und dann hier nur noch zusammengesetzt. An unseren Exporten hängen kaum Arbeitsplätze, weil die Wertschöpfung (und nur an ihr hängen die Arbeitsplätze) eben hauptsächlich im Ausland vonstatten geht. Ich wage sogar zu behaupten, daß wir, wenn es weiter bergab mit Deutschland geht, weiter Exportweltmeister bleiben.

Die hohen Exporte nutzen letztlich vor allem dem Kapital und den Aktionären. Es ist erschreckend, daß sich die SPD trotzdem immer so gebetsmühlenartig auf die Exportweltmeisterschaft beruft. Einige sind wohl wirklich so dumm, daß sie nicht in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen denken. Wenn aber ein Wolfgang Clement oder eine Angela Merkel von der Exportweltmeisterschaft reden, dann muß ich annehmen, daß sie das gemeine Volk bewußt verarschen.

Ich mache einen Vergleich: Bayern wird mit 15 Punkten Vorsprung deutscher Meister, aber Gerald Asamoah holt für Schalke die Torjägerkanone. Die Exportweltmeisterschaft ist so wertlos wie die Trophäe von Asamoah.
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 13:22:13    Titel: Re: Hurra: Wir sind Exportweltmeister!

Grammatiker hat folgendes geschrieben:
Seit einigen Jahren erzählen die Politiker uns, daß wir Exportweltmeister seien. Beliebt war der Verweis auf diesen Titelgewinn vor allem in den letzten Jahren der Regierung Schröder, als nicht mehr viel lief und man dringend etwas zur Besänftigung der Medien und der Bevölkerung brauchte.

Es mag sein, daß tatsächlich viele deutsche Produkte exportiert werden. Allerdings ist das Verweisen auf die Exportweltmeisterschaft meiner Meinung nach ein Akt der Volksverarschung.

Wir sind Exportweltmeister. Gleichzeitig sind wir ein Land mit geringer Inlandswertschöpfung. Die Produkte, die Firmen wie VW exportieren, werden maßgeblich im Ausland von ausländischen Arbeitnehmern vorbereitet und dann hier nur noch zusammengesetzt. An unseren Exporten hängen kaum Arbeitsplätze, weil die Wertschöpfung (und nur an ihr hängen die Arbeitsplätze) eben hauptsächlich im Ausland vonstatten geht. Ich wage sogar zu behaupten, daß wir, wenn es weiter bergab mit Deutschland geht, weiter Exportweltmeister bleiben.

Die hohen Exporte nutzen letztlich vor allem dem Kapital und den Aktionären. Es ist erschreckend, daß sich die SPD trotzdem immer so gebetsmühlenartig auf die Exportweltmeisterschaft beruft. Einige sind wohl wirklich so dumm, daß sie nicht in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen denken. Wenn aber ein Wolfgang Clement oder eine Angela Merkel von der Exportweltmeisterschaft reden, dann muß ich annehmen, daß sie das gemeine Volk bewußt verarschen.

Ich mache einen Vergleich: Bayern wird mit 15 Punkten Vorsprung deutscher Meister, aber Gerald Asamoah holt für Schalke die Torjägerkanone. Die Exportweltmeisterschaft ist so wertlos wie die Trophäe von Asamoah.



Die Tophäe von Asamoah ist auch für den Verein nicht wertlos, wenn sie auch sicher nicht den gleichen Stellenwert wie die Meisterschale hat. Das wir Exportweltmeister sind, beweist zunächst die hohe Leistungsfähigkeit und ist sicher kein Negativum, ohne die hohen Exportraten ständen wir wohl noch schlechter da.

Richtig ist aber, dass der Export kein Absacken der Inlandsnachfrage dauerhaft auffangen kann. Der Hinweis auf den Export ist daher zweischneidig. wird er als Motivation verstanden, nach dem Motto wir können Leistung zeigen wenn wir gefordert werden, ist das nicht verkehrt. Die strukturellen Probleme können mit dem Export nicht gelöst werden, so dass wir uns nicht darauf ausruhen können. Politiker in Regierungsverantwortung neigen natürlich dazu die Situation besser darzustellen als sie vielleicht ist. Daher lässt sich deine Kritik nicht ganz von der Hand weisen.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
BobbyBrown
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 12.03.2006
Beiträge: 109

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 13:48:38    Titel:

@ Grammatiker:

Ich gebe dir Recht, aber ich sehe die Sache in einem Punkt etwas anders:


Wir sind Exportweltmeister. Weil es in Deutschland aber keine Rohstoffe gibt müssen wir ja zwangsläufig auch Importweltmeister sein. Da liegt die geringe Wertschöpfung!

Mal ein Beispiel (die Zahlen muss ich jetzt erfinden Very Happy hab da keine. Soll ja nur mal der Anschauung dienen)


VW baut einen Golf in D-land und verkauft ihn für 20.000 Euro nach Belgien. Die Wertschöpfung dieses Produkts sind jetzt natürlich keine 20.000 Euro.

Denn:

Der Sand zum Herstellen der Autoscheiben muss aus Brasilien importiert werden, - 500 Euro.

Das Eisenerz zum Herstellen der Bleche muss aus Afrika importiert werden. - 2000 Euro

Der Kautschuk zur Herstellung der Kunststoffteile muss aus dem Urwald importiert werden, - 150 Euro.

Die Baumwolle zur Herstellung der Sitzbezüge muss aus den USA importiert werden, - 300 Euro.

Das Öl usw zur Herstellung der Autoreifen muss in Rotterdam gekauft werden, - 400 Euro

usw, usw, usw, usw, usw, usw...................................



Die Wertschöpfung für unsere Volkswirtschaft ist also zwangsläufig zu gering für ein ordentliches Wachstum.
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 14:27:12    Titel:

Der Titel Exportweltmeister sagt nur aus, dass wir mehr als alle anderen exportieren. Tiefgründigere Interpretationen sind wegen Pauschalisierungen zum Scheitern verurteilt.

Falsch ist, dass wir wegen der Exportweltmeisterschaft und dem Mangel an Ressourcen gleichzeitig Importweltmeister sein sollen. Dies sind die Amerikaner. Und die kausale Schlußfolgerung "wenn Expot groß, dann muss Import groß sein" ist falsch. Wenn wir Dienstleistungen im großen Stil exportieren, dann benötigen wir dafür keine Importe.

Wirklich stichhaltig ist nur das Wertschöpfungsargument. Wenn wir Produkte importieren, veredeln und dann wieder exportieren, diese Veredelung aber keinen sehr großen Wertzuwachs verursacht, dann bleibt für Deutschland nicht wirklich viel. Daher argumentiert man in der wissenschaftlichen Literatur auch nicht besonders oft mit dem Export als einzelne Größe, sondern mit dem Aussenbeitrag, also der Differenz zwischen Export und Import.

Die letzten beiden Größen, Export und Import, werden wegen dem flexiblem Wechselkurs immer in Richtung Gleichgewicht getrieben. In der Tatsache, dass Deutschland traditionell einen positiven Aussenbeitrag hat, liegt die eigentliche Stärke, mehr aber auch nicht. Selbst wenn die Wertschöpfung größer wäre, die Differenz zwischen Import und Export also steigen würde, dann würde der Euro irgendwann aufwerten, unsere Exporte verteuern und schon wäre es wieder dahin. Von dem Export bzw. der exportorientierten Wertschöpfung kann ein Land also sowieso nicht leben.

"Ordentliches Wachstum" also dauerhaftes Wachstum kann gar nicht rein durch den Export begründet werden. Er kann nur einen Anstoßeffekt bzw. einen verstärkenden Effekt liefern. Langfristig leben können wir davon nicht.

Beste Grüße
coffeinjunky
Grammatiker
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 03.01.2006
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 14:52:07    Titel:

Die Exportweltmeisterschaft beweist eben nicht unsere hohe Leistungsfähigkeit. Sie beweist die hohe Leistungsfähigkeit und Flexibilität der anderen.

Das Beispiel VW ist interessant, allerdings importiert VW keine Rohstoffe nach Deutschland, sondern fertige Einzelteile, die dann hier nur noch zusammengesetzt werden. Die Einzelteile (u.a. die Elektronik) werden im Ausland gefertigt, durch ausländische Arbeitskräfte. Wenn ein VW gebaut wird, erfolgt der Großteil der Wertschöpfung heute im Ausland, bei vielen anderen Produkten ist es ähnlich.

Weil wir in Deutschland schlechte Strukturen haben, werden immer mehr Teile der Wertschöpfungskette ins Ausland verlegt. Davon haben die ganzen Arbeitslosen überhaupt nichts.
masterofdisaster
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 01 Apr 2006 - 19:52:41    Titel:

Wir sind übrigens gar kein Exportweltmeister, jedenfalls nicht wenn man die Dienstleistungen mit einrechnet.
Dann wären wir nur zweite, hinter den U.S.A. Und es gibt eigentlich gar keinen Grund, warum man nur den reinen Warenverkehr betrachtet, nicht aber Dienstleistungen, wie z.B. die gesamte Software-Branche.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Hurra: Wir sind Exportweltmeister!
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum