Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Gedichtinterpretation von Brecht
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Gedichtinterpretation von Brecht
 
Autor Nachricht
Zwelch
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 19:26:30    Titel: Gedichtinterpretation von Brecht

Erstmal ein Hallo an alle.

Ich habe folgendes Problem.
Bei dem Gedicht "Schlechte Zeit für Lyrik" von Brecht gibt es folgende Passage, die ich nicht deuten kann:

Die grünen Boote und die lustigen Segel des Sundes
Sehe ich nicht.

1) Was bedeutet bitte diese Passage? Hat es was mit Natur zu tun und dass er deren Schönheit willkürlich nicht sehen will?

2) Welche Bedeutung hat das Wort " Sundes " im Einzelnen.

Den Rest hab ich schon entschlüsselt, nur eben hier bin ich
am Ende mit meinem Latein, oder besser Deutsch Very Happy.

Bin für jede Hilfe dankbar.


Gruß
Zwelch


EDIT: Die Interpretation benötige ich als Hauptteil eines Referats.

SECONDEDIT: Ist Sundes ein Fluss in Kopenhagen???? http://www.dooyoo.de/sehenswuerdigkeiten-international/oeresundbruecke/762549/


So, meine Idee zur Interpretation, da mir keine helfen will Sad. Wenigstens ein Feedback wäre jetzt nicht schlecht.


---------------- Text beginn ----------------------------------------------------

Überschrift: Schlechte Zeit für Lyrik ......

ausgehend vom Kriegsbeginn wurde diese Überschrift gewählt, da der NS diverse Autoren verbat und deren Schriften auch verbrannte, wie 1933 bei der Machtergreifung der Nazis.

Zweite mögliche Deutung: Brecht empfand die Lyrik als etwas schönes und ehrbares. Um jedoch das Wesen Hitlers darzustellen, ist Lyrik nicht geeignet. Das würde wiederum die fehlenden Reime und die kurzen, prägnanten Sätze erklären, die in diesem Gedicht verwendet wurden.


Erster Vers:

Ich weiß doch: nur der Glückliche
Ist beliebt. Seine Stimme
Hört man gern. Sein Gesicht ist schön.

Brecht weist auf die Euphorie der Deutschen hinsichtlich des Krieges hin. Jeder der nicht den Krieg für gut heißt und den Ideologien des Nazionalsozialismus folgt wird in der Gesellschaft als nicht vollwertig und unbeliebt betrachtet .


Zweiter Vers:

Der verkrüppelte Baum im Hof
Zeigt auf den schlechten Boden, aber
Die Vorübergehenden schimpfen ihn einen Krüppel
Doch mit Recht.

Brecht will damit ausdrücken, dass die Menschen in Deutschland (der Baum im Hof) immer mehr verkommen und in ihren Gedanken eingeschränkt werden. In der zweiten Strophen liefert Brecht jedoch sofort den Grund für das Verkommen, nämlich, das wenn das Umfeld nicht passt, sich die Bevölkerung auch nicht besser entwickeln kann, als es der Staat (der schlechte Boden) zulässt. Brecht gibt nun, aufgrund seiner im Exil lebenden Position die Meinungen der anderen Völker über Deutschland und die Deutschen wieder. Diese sehen aber nur das verdummende Volk (den Baum) ohne den wahren Grund, das Nazi-Regime (den schlechten Boden) zu sehen. Am Ende des Verses jedoch stimmt Brecht den anderen Völkern (den Vorübergehenden) zu, da das Volk in der Lage wäre sich dagegen zu wehren.


Dritter Vers

Die grünen Boote und die lustigen Segel des Sundes
Sehe ich nicht. Von allem
Sehe ich nur der Fischer rissiges Garnnetz.
Warum rede ich nur davon
Daß die vierzigjährige Häuslerin gekrümmt geht?
Die Brüste der Mädchen
sind warm wie ehedem.

Brecht nimmt auch in diesem Vers wieder Bezug auf die Natur und deren Schönheit, die er zwar wahrnimmt, aber sofort wieder aus seinem Gedächtnis streicht um die Gefahr nicht zu verkennen. Die Fischer dienen als Chiffre für die Nazionalsozialisten, die mit ihren, für Brecht leicht durchschaubaren Absichten (das rissige Garnnetz) die Leute fangen und für ihre Sache gewinnen.
Außerdem fragt er sich, warum Er nur das Schlechte und Unschöne in der Welt sieht wenn doch die schönen Dinge immer noch vorhanden sind. Dies Frage bleibt allerdings unbeantwortet und fordert den Leser auf, sich selbst Gedanken zu machen.










Vierter Vers

In meinem Lied ein Reim
Käme mir fast vor wie Übermut.

Mit diesem Vers, der nur ein einziger Satz ist, macht brecht seine Einstellung zu der Thematik klar, die er hier in diesem Gedicht vertritt. Die durch alle Verse gehende Kritik an den Nationalsozialismus darf nicht mal durch einen einzigen Reim verschönert, bzw. begradigt werden. Er will damit sicherstellen das sein Hass gegenüber dem Nazi-Regime deutlich bleibt und nicht anders gedeutet werden kann!!!



Fünfter Vers
In mir streiten sich
Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum
Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers.
Aber nur das zweite
Drängt mich zum Schreibtisch.


Brecht macht hier seinen innerlichen Konflikt deutlich. Zum einen sieht er Deutschland aufsteigen (den blühenden Apfelbaum) und zu großem Ruhm kommen, zum anderen hört er aber immer wieder die Reden Hitlers (dem Anstreicher) die ihn immer wieder aufs Neue erschrecken.
In den letzten zwei Strophen macht Brecht noch einmal deutlich, warum er dieses Gedicht schrieb, nämlich um seinem Ärger und der Dummheit der Nazis Luft zu machen, und somit die Misstände in der Gesellschaft in Deutschland aufzudecken.

--------------- Text Ende --------------------------
Zwelch
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 22:03:39    Titel:

?????????
Johann Ohneland
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 00:32:47    Titel:

Dann wollen wa ma. Hab gerade eh nix zu tuen.

Erst ein Mal ein paar Grundgedanken. Versteife dich nicht nur auf den Kriegshintergrund. Das wird dann leicht zu einseitig und wichtige lyrische Aspekte des Gedichtes könnten übersehen werden und man könnte in argumentatorische Schwierigkeiten kommen.

So ma der Reihe nach. Das lyrische Ich in diesem Gedicht befindet sich in einer schweren Bewusstseinskrise und obwohl es von einer eigentlich wunderbaren Sundlandschaft umgeben ist, sieht es nur das schlechte und negative. Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass nur der glückliche auch gemocht wird. Das Schlechte wir verstoßen. Eine Praxis dem das Ich aber erstaunlicher Weise zu stimmt.

Das lyrische Ich ist hin und her gerissen. Obwohl es sich der Schönheit der weiblichen Reize bewusst ist, sieht es nur die alte Frau. Warum das so ist, kann sich das Ich selber nicht beantworten. Dieser Widerspruch zeigt sich auch in der letzten Strophe. Da ist die Freude über den Anpfelbaum, aber auch das Entsetzen über einen ominösen Anstreicher und dessen Reden. Davon wird das Ich so strak beeinflusst, dass es nur deswegen schreiben kann. Womit dies letztendlich auch als Grund für seine Gemütshaltung erscheint. Auffälig ist, dass sich das Ich des Reimes verweigert, welcher ihm als Übermut erscheint. Das Ich scheint dem Reim als Ausdruck der Freude und Überschwenglichkeit wahrzunehmen. So wie es auch die Überschrift impliziert. Um gereimte Lyrik zu benutzen fühlt es sich nicht in der Stimmung.

So das wär ersma der Inhalt.

Nu die Form

Bracht verweigert sich hier eindeutig der traditionellen Lyrik. Wir haben zwar Strophen, aber diese varieren stark in ihrer äußeren Form. Brecht arbeitet nicht mit Reimen, sondern verbindet viele Zeilen mit Enjambements, mit geschickt eingesetzten Akzentuierungen. Brecht lässt gerne ein Mal Satzzeichen weg und von einem durchgehende Metrum fehlt auch jede Spur.

Brecht wählt an Stelle der tradierten Lyrik einen anderen Weg. er schildert den Zustand des Ich's auf eine sachlich(!)-drastische Weise. Nix wird beschönigt. Er benutzt anschauliche Vergleiche ohne sich einer hochgestochenen Sprache zu bedienen. Interessant ist das es zumindest eine kleine Art der Entwicklung im Gedicht gibt. Weiß das Ich zunächst nicht woher seine Stimmung kommt, weiß am Ende doch immerhin wo die Motivation zum schreiben her kommt.

Überdies sind auch nicht viele klassisch-künstlerische Mittel zu finden. Zwar gibbet Anahphern, aber naja nicht zu vergleichen mit einem Schiller oder so. In der 3. Strophe gibt es eine kleine Klammer in der positive Eindrücke die Selbstzweifel umgeben. In Strophe 4 erhalten die Wörter durch die kürze die größten Bedeutung. Auf die Reimlosigkeit hinzuweisen scheint Brecht wichti gewesen zu sein. Etwas verweunderlich bleiben jedoch die Krüppelgedanken des Ich's und der euphemismus bezüglich des Anstreichers.

Interpratation:

Literaturgeschichtlich ist das Neue Sachlichkeit bzw. Exiliteratur, wenn man den Entstehungshintergrund betrachtet. Beides ist jedoch sowieso ineinander verzahnt. Neue Sachlichkeit an dem Gedicht ist. Konkretes Ausdrücken der Lage des Ich's ohne Kunstsprache. Den Autoren der neuen Sachlichkeit wollten, wie die Expressionisten vor ihnen, aus den Zwängen und Einengungen der tradierten Lyrik ausbrechen mit ihrem festen Reimschema, vorgefertigten SChablonen, Metren usw. Die tradierte Lyrik wurde zwar als etwas empfunden das Ordnung und Glücklichkeit auszudrücken vermochte, aber wie kann man so schreiben, wenn die Welt um einen herum voller Brutalität und Gewalt ist? Daraus wollten sie mit ihrer neuen Lyrik aufrütteln. Die Expressionisten durch Schockelemente die Kunst , die Kerle von der Neuen Sachlichkeit die ganze Gesellschaft. Daher durfte auch nix beschönigt werden. Und eben dies sieht man hier ja ganz gut. Ohne Wissen über den Entstehungshintergrund erscheint eigentlich kein politischer Hintergrund des Werkes. Das Ich steht einfach einer unwirtlichen negativen Welt gegenüber. Also typisch Neue Sachlichkeit. Typisch Neue Sachlichkeit ist jedoch auch eine politisierung der Autoren. Womit wir bei Brechts Sozialistischer Ader wären. Brecht als Sozialist hatte es sich als Ziel gesetzt die Gesellschaft zu verändern, sie zu hinterfragen und aus der Hegemonie des Geldes und der Barabarei auszubrechen. Da die damals rechtskonservative Welt jedoch nicht reagierte musste sie aufgerüttelt und aufgeklärt werden. Dies geht nur wenn man auch die Sprache der einfachen Bürger spricht. Zu finden hier in Brechts Umgang mit Sprache und in seiner Gesellschaftskritik. (Strophe 2) Die Zustimmung des Ich's mag hier stellvertretend für dessen Verwirrtheit stehen.

Ist jetzt auch noch Entstehungszeit bekannt, wird klar das wir uns zeitlich in der NSDAP Diktatur befinden. Brechts sozialistische Einstellung kann hier antürlich auch nicht außer Acht gelassen werden. Seine immer wieder kehrende Gesellschaftskritik brachte ihn natürlich recht schnell ins Fadenkeuz der Nazis und er musste nach Dänemark fliehen. Weiß man dies enthällt dieses Gedicht ganz klar autobiographische Züge. Das lyrische Ich ist Brecht! Zu groß sind die Parallelen. Das lyrische Ich sitzt in Dänemark, wo auch Brechts Exil war. Zwar wird Dänermark nicht explizit genannt, aber Sundlandschaften und Fischerei sind eindeutige typisch für Dänemark und lassen in Kombination mit Brechts Biographie auf einen Tatsachenbestand schließen.

Auch die Gründe für die Bewusstseinskrise des Ich's sind so deutlich verständlich. Brecht, der fliehen musste, ist einsam im Exil und ohne Freunde. Da erscheint eine Krise nur logisch. Die Aussagen des Ich's sind quasi eine Selbstanalyse Brecht's. Es sind seine Gefühle während des Exils. Brecht muss damals tieftraurig gewesen sein, so dass er die Freude an den schönen Dingen verlor. Denn eigentlich konnte der gute Herr ein ganz schöner Lebemann sein.

Aber Verarbeitung des Exils scheint nicht seine einzige Motivation gewesen zu sein. Es werden explizit die Reden eines großen Anstreichers erwähnt. Dies kann nur eine politische Aussage sein. Vorallem wenn man Brechts Hintergrund, die Zeit und die generelle politisierung der Neuen SAchlichkeit betrachtet. Tatsächlich kann nur Adolf Hitler gemeint sein. Der Mann der Brecht ins Exil treib und der ein ganze sVolk verführte. In dieser Zeit muss Brecht schreiben. Es ist vielleicht seine Form aus dem Exil literarisch Widerstand zu leisten.

Ausreichend? Jedenfalls würd ich die Fischer und den ganzen Kramms nicht überinterpretieren. Die eigentlich politischen Aussagen kommen meiner Meinung nach erst am Ende. Davor ist es eine mehr eine Beschreibung von Brechts Situation. Naja jedenfalls hab ich das damals so interpretiert.

Kein Bock korrektur zu lesen. Wenn einer also Fehler findet, kann er sie gerne behalten
Zwelch
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 06:44:17    Titel:

Wow. Shocked

Also ich bin begeistert. Damit hab ich ja schon fast garnichtmehr gerechnet.
Werde auf jedenfall das ganze noch einmal überarbeiten und einige deiner/ihrer Gedanken mit einbringen.

Also das ist wirklich mehr als ich erwartet hab. Großes Lob and Dich/Sie.

Dann werd ich mal wieder ransetzten. Aber erstmal Kaffee trinken Very Happy

Bis später


Zwelch
Johann Ohneland
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 13:17:09    Titel:

"Du" triffts schon. "Sie" klingt so alt. Und als alt seh ich mich noch net mit meinen 19 Jahren Wink

Aber kein Problem. Da irgendwie alle lernen und keiner mit mir einen Trinken gehen wollte, hab ich halt das gemacht... Rolling Eyes
nordlicht87
Full Member
Benutzer-Profile anzeigen
Full Member


Anmeldungsdatum: 10.04.2006
Beiträge: 312
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 15:51:57    Titel:

Respekt Johann, das hört sich echt nicht schlecht an!! Wink . Nach dem Lesen des Gedicht kann man sich ja eigentlich schon denken, dass Brecht und das lyrische Ich gleichzusetzen sind, nech^^. Das hat er ja öfters gemacht, siehe zum Beispiel "An die Nachgeborenen". Magst du Brecht eigentlich?? Weil ich lern immer nur Leute kennen, die ihn hassen. Für mich ist er aber einer der deutschen klassiker überhaupt, ich bewunder ihn vor allem für seine unvergleichliche politische Agitation und offene Kritik!! Auch wenn ich mit seinen Vorstellungen des Marxismus nicht übereinstimme, fasziniert er mich doch wirklich extrem!!
Johann Ohneland
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 21:44:35    Titel:

Naja der gute Brecht. Das ist so ne Sache. Also ich hab erstmal die gleiche Beobachtung gemacht wie Du. Die meisten können ihn generell überhaupt nicht ab. Bei mir ist das etwas differenzierter. Dieses Gedicht mochte ich zum Beispiel beim ersten Mal lesen überhaupt nicht. Während des interpretierens und dem erschließen des Textes sind mir gleichzeitig der ganze Mann und der Text sympathischer geworden. Also was er hier verfasst hat, kann ich nachvollziehen und es ist genauer betrachtet eigentlich auch ein Gedicht, dass man wirklich gut lesen kann. Leider kenn ich nicht wesentlich mehr Lyrik von ihm, so dass ich zum Lyriker Brecht nicht viel sagen kann, aber er scheint sehr talentiert gewesen zu sein. Aber als Dramatiker kann ich mit Brecht fast gar nichts anfangen. Dazu sind zum Beispiel in Mutter Courage die Gesänge einfach zu schräg. Wir haben uns im LK mal ne Videoaufzeichnung einer Aufführung angesehen und das war nur noch grausam. Ich kann mich nicht auf eine Botschaft konzentrieren, wenn ich die ganze Zeit hoffe, dass die bald aufhören zu singen. Inhaltlich ist das ganze in seinen Stücken auch sehr langwierig. Und auch wenn es ein modernes Stilmittel ist und er sich damit vom bürgerlich-klassischen Theater absetzen wollte. Ich hasse es, wenn ich gespoilert werde. Sprich: Verlagerung von Finalspannung auf Detailspannung. Denn die Detailspannung ist bei Brecht in den meisten Fällen einfach nicht spannend, da auf Grund Brechts sozialistischen Hintergrund zu einfach zu erraten.

Brecht als Person wiederrum finde ich sehr faszinierend. Scheint ein intelligenter Kopf gewesen zu sein, der sich wirklich sehr viel bei seiner Arbeit gedacht hat. Nur Theater schreiben hätte er sein lassen sollen;)
Kopfschüttler!
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 31.03.2005
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 01 Jun 2006 - 23:11:05    Titel:

leider ist das Gedicht ganz große Kotze, denn wenn man was zu sagen hat, dann geht das so: "Ich kann den Hitler nicht leiden, weil er mir in den Arsch getreten hat, aber ich hätte gerne ein Gedicht zu seinen Ehren geschrieben, wenn er mir 100000 Reichsmark geschenkt hätte." Tja selbst in dem größten Pseudo-Kommunisten steckt ein Mensch, nämlich spätestens dann, wenn man ihm klar macht, dass sich die "Mädchen mit den warmen Brüsten" immer in den Typen mit den meisten Reichsmark verlieben.
Generaltoni
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1702
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 02 Jun 2006 - 10:35:51    Titel:

Wie "Kopfschüttler" sich selber und B.B. bekotzen will - da muss man an Namens -und Geistes-Einheit und Dummtöffel-Koppstand glauben, um das zu erklären.

Denn es kann doch kein Deutschlehrer so beknackt und steinalt und schülermordwillig sein, um einen guten und sinnlich starken Brecht-Text so verunglückt rüberkommen zu lassen, dass sich der Schüler - wenn auch hier anonym - so scheiße und selbst-beschlabbert darstellen muss.
Oder hat er in einer Arbeit sich und dem Lehrer so nachhaltig stinkig eins vorgekotzt, statt einen Text zu analysieren?

Wer so kotzt, musste vorher viel runterschlucken - ist meine Vermutung!?
JeetJerome
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 15.06.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2008 - 18:59:43    Titel: Berthold Brecht

Hallo, an alle Freunde der Lyrik.
Als ich die Meinungen hier über Bert Brecht gelesen habe, konnte ich kaum glauben was ich hier lese. Die Nachrichten sind hier zwar von 2006, aber es missfällt mir sehr, dass andere die Einträge lesen und eine grundlegend falsche Ansicht von Bert Brecht bekommen. An Zwelch: Deine Interpretation war gut, sie lässt einiges offen, aber trifft den Kern in deinem Interpretationsansatz. Ich musste das Gedicht selber Interpretieren und auch mir fiel es nicht leicht die Chiffren zu entschlüsseln. Ich kam dabei auf eine Interpretationsmöglichkeit, die ich später ausführe.
An Johann: Deine Ansätze zu einer Gedichtsinterpretation sind völlig ohne Struktur und man kann deinen Gedanken kaum folgen. Vielleicht solltest du auch erklären, was du ausführst. Bevor du dich mit dem Lyrischen-Ich (für alle: Wird auch so geschrieben) befasst, befasst man sich mit den Hintergrund des Autoren (Johann hat den Hintergrund dargestellt, aber dabei wichtige Details vergessen!):
Berthold Brecht wurde 1898 geboren und ist in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Er hat die sozialen und wirtschaftlichen Missstände (Black Friday; Kriegsschulden an Frankreich), sowie den Hitlerputsch miterlebt. Um 1920 äußert Brecht Kritik an sein gutbürgerliches Umfeld und den überkommenden Werten. Hier entsteht sein Interesse an der Form der Neuen Sachlichkeit. Er wird durch seine zweite Frau Helene Weigel (Sie spielte Rollen in seinen Stücken) zum Kommunist. Eine Form der (politischen) Belehrung (und damit mein ich nicht alle seine Werke, damit ich mich nicht selbst wiederspreche, was ich weiter unten anführe!) zielt in seinen Dramen ab. 1935 flieht er aus Nazi-Deutschland. Er kehrt 1948 nach Deutschland zurück und lebt bis zu seinem Tod 1956 in Ostberlin.
Bert Brecht schrieb das Gedicht „Schlechte Zeiten für Lyrik“ 1939 in Dänemark und ist dort schon seit sechs Jahren. Hierzu muss man beachten, dass es 3 Einteilungen bzw. Phasen der Exilliteratur gab (auch wenn die Exilanten (Sie wollten nicht als Emigranten bezeichnet werden, dazu später mehr) und andere Lyriker die Exilliteratur nie als eine Epoche der Literatur betrachtet haben). Die erste Phase (1933 - 1935/36) war geprägt von der Hoffnung der Exilanten, dass es einen raschen Zusammenbruch des Nazideutschland geben wird. In der zweiten Phase (1936 - 1939) kam es zu einer Ernüchterung der Lyriker im Exil. Ihnen wurde klar wie sehr sie sich über die tatsächliche Stärke des dritten Reichs getäuscht hatten. In der dritten Phase (1939 – 1945) wurde versucht (auch durch Klaus Mann aus Paris) die Exilautoren zu einer einheitlichen Position zusammenzuschließen. Dies scheitert, weil viele der Exilanten sich nur in ihrer Gegnerschaft zum Nationalsozialismus einig waren. Ihre politische Ausrichtung war zu verschieden.
Während der zweiten Phase der Exilliteratur kam es zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Autoren, denn die finanziellen und juristischen Probleme in den Gastländern verschärften sich (dies kam auch durch die Aneignung Österreichs durch die Nazis, der den literarischen Markt schrumpfen lies). In diese Phase lässt sich das Gedicht "Schlechte Zeit für Lyrik" einordnen. Es verrät uns, dass politische Gedichte einen kleineren Absatzmarkt bezogen als z. B. die Naturlyrik oder Liebesgedichte. Exilverlage standen unter politischen und ökonomischen Druck. Dafür war der entgegenwirkende Einfluss des dritten Reichs verantwortlich.
Das Gedicht meint also "die Vorübergehenden" befassen sich nicht mit den in den Werken angesprochenen ungerechten Verhältnissen ( = Keine Popularität der Exilliteraten), die durch das faschistische Regime entstanden.
Brecht aber, der über "Sund" nach Dänemark gekommen ist will "die Reden des Anstreichers" (die Reden von Adolf Hitler, der einst Kunstmaler werden wollte) anprangern und die Öffentlichkeit auf die [u]Verhältnisse[/u] aufmerksam machen, demnach auch auf die Gewaltsame Verbreitung des dritten Reichs.
Folgende Interpretation ist mir gelungen:
Berthold Brecht/ Schlechte Zeit für Lyrik

Ich weiß doch: nur der Glückliche
Ist beliebt. Seine Stimme
Hört man gern. Sein Gesicht ist schön.

„Glücklich ist, wessen Gedicht man liest.“ Brechts Gedichte werden kaum gelesen, die der Lyriker, die in Nazideutschland geblieben sind schon. Diese Dichter sind beliebt.
„Die Stimme von Adolf Hitler.“ Hitler ist verantwortlich für die Blut und Boden-Lyrik. Adolf Hitler benutzt demagogische rhetorische Mittel, wodurch seine Reden überzeugen. Man hört ihn also gern. „Sein Gesicht ist schön.“ Hitlers kühler Ausdruck wurde im dritten Reich als schön empfunden.

Der verkrüppelte Baum im Hof
Zeigt auf den schlechten Boden, aber
Die Vorübergehenden schimpfen ihn einen Krüppel
Doch mit Recht.

Etwas schwerer: „Der verkrüppelte Baum im Hof“ ist die Bedeutung von Brechts Gedichten im Ausland. Seine Fähigkeit zu dichten „verkrüppelt“. Mit dem Boden ist gemeint, dass Brecht von dort wo er ist, wenig Menschen mit seinen Gedichten erreicht, also ein schlechter Standort zum Schreiben und vor allem kann er die Menschen um sich herum nicht erreichen, da er ihre Sprache nicht spricht. „Die Vorübergehenden“ sind die Leser, die sich mit Lyrik auskennen und Brechts derzeitigen Werke lesen. Sie schimpfen Brechts Lyrik krüppelhaft, denn er hat wegen seiner Aufklärung über die Missstände (siehe unten) an Qualität verloren oder aber seine Qualität hat mit der Qualität der anderen deutschen Autoren (nicht nur NS-Autoren) nicht mehr viel gemeinsam, weil er im Exil ist und damit haben sie Recht.

Die grünen Boote und die lustigen Segel des Sundes
Sehe ich nicht. Von allem

Sehe ich nur der Fischer rissiges Garnnetz.
Warum rede ich nur davon
Daß die vierzigjährige Häuslerin gekrümmt geht?
Die Brüste der Mädchen
sind warm wie ehedem.

Das „grüne Boot“ steht hier für die Naturlyrik und was zu ihr gehört. Diese war in der Lage sich an die Tradition anzuknüpfen und war populär. Brecht kann das nicht beurteilen, denn er ist im Exil und bekommt von der Entwicklung des lyrischen Stils wenig mit, aber wenn er was von diesem Stil liest, sieht er „nur der Fischer rissiges Garnnetz“. Die Naturlyrik ist von der NS-Staat gefangen worden und wir von ihr benutzt und ist so stilistisch schlecht und rissig. „Warum rede ich nur davon“ = warum redet er über die Naturlyrik, der größte Teil liest Liebesgedichte zu dieser Zeit. „Daß die vierzigjährige Häuslerin gekrümmt geht?“, bedeutet dass auch die Liebesgedichte schlecht geschrieben werden. „Die Brüste der Mädchen
sind warm wie ehedem.“ = Aber die Liebesgedichte erfüllen ihren Zweck. ( Liebesgedichte sind ausgerichtet, wie erotische Werbung oder „Feuchtgebiete“, auf den sexuellen Geschmack. Sie reizen den Leser durch ihren verbotenen Charakter und berühren dessen Instinkt = Gier nach Sexualität/Sexuellem)

In meinem Lied ein Reim
Käme mir fast vor wie Übermut.

Bei solch schlechter Qualität wäre ein Reim zu viel für ein Gedicht in dieser Zeit, außerdem ein Teil des Verfremdungseffekts (siehe unten).

In mir streiten sich
Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum
Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers.
Aber nur das zweite
Drängt mich zum Schreibtisch.
Das eigentliche Anliegen Brechts: „Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum“ ist die Begeisterung (muss nicht positiv sein) für das Interesse des Volkes an der Blut und Boden-Lyrik oder einfach des blühenden Interesse des Volkes für die NSDAP.
„Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers“ Adolf Hitler, dessen Reden absolut demagogisch sind.

Mit dem Kampf der Lyriker und Autoren gegen das unmenschliche System verlor die Literatur an Qualität, denn durch ihre moralischen Absichten wurden sie undifferenziert. Gut und Böse wurde immer stärker voneinander abgehoben. Die Exilautoren wollten den Lesern die Augen öffnen, aber dies trug auch die Gefahr in sich klischeehaft zu wirken und den literarischen Gehalt dem politischen Ziel zu opfern.
Bei den Gedichten von Brecht lässt sich dies an der Authentizität zwischen Lyrischen-Ich und Verfasser festmachen. Dazu gehört natürlich nicht nur „Schlechte Zeit für Lyrik“, sondern auch „Über die Bezeichnung Emigranten“ oder „Gedanken über die Dauer des Exils“. Sie alle besitzen einen authentischen Charakter.
Zur Form: Nein, Brecht verweigert sich hier nicht der traditionellen Lyrik! Die Enjambements, sowie das fehlen von Metrum und Reim, die er benutzt, dienen der Verfremdung (http://de.wikipedia.org/wiki/Verfremdungseffekt ).
Brecht benutzte häufig den Effekt der Verfremdung, wie z. B. der Gesang in „Mutter Courage“, aber auch in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.
Brecht entwickelte so das Konzept des epischen Theaters, das das Bühnengeschehen erzählt und nicht spielt.
Das epische Theater (Episches Vs. Traditionelles Theater) erzählt einen Vorgang und ist kein Vorgang, macht den Zuschauer zum Betrachter und verwickelt ihn nicht in Aktionen, weckt Aktivität des Zuschauers und verbraucht sie nicht, das Geschehen erzwingt Entscheidungen und basiert nicht nur auf Gefühlen, das Geschehen vermittelt Kenntnisse und keine Erlebnisse und hier stehen die Argumente im Vordergrund und nicht die Suggestion (manipulative Beeinflussung). Brechts Prosaskizzen „Geschichten von Herr Keuner“ (ab 1935) sind seine wohl bekanntesten epischen Werke. In diesen parabolischen Texten (Schrieb auch Kafka) kann man die moralische Wahrheit eines Umstandes sehen (z. B. in „Maßnahmen gegen die Gewalt).
Also Johann, kann ich verstehen, warum du lieber das leichtere traditionelle Theater befürwortest und nichts mit dem komplexeren epischen Theater anfangen kannst.
Es ist klar, dass Brecht sachlich schreibt! Seine literarische Epoche war die Neue Sachlichkeit (1920 –1945), welche die Abbildung der Wirklichkeit zum obersten Ziel hat. Sie war die Gegenbewegung zur Subjektivität und zum Irrationalen des Expressionismus. Auch Autoren wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Alfred Döblin gehören zu dieser Gruppe. Beispielhaft hierfür ist auch der Roman „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“ (1929) von Alfred Döblin, der expressionistische Züge trägt, aber viele Merkmale des modernen Erzählens besitzt.
Berthold Brecht bringt wie Alfred Döblin (nicht so stark sozialistisch) die sozialen Missstände in seinen Werken zum Ausdruck. Dies passiert nicht durch die Detailspannung und ist nicht nur sozialistisch ausgerichtet. Die Natur mag eine sozialistische sein, aber das epische Theater konzentriert sich darauf (siehe oben) den Zuschauer über ein Problem nachdenken zu lassen, ohne das er dabei durch das Theaterstück manipuliert wird. Der Zuschauer wird zu nichts gezwungen und muss sich nicht auf die Detailspannung konzentrieren, sondern das Stück als ganzes sehen, um das Problem bzw. dessen Problemgehalt für sich zu diskutieren.
Dies kann man auch wieder auch wieder auf Brechts Gedichte anwenden, so wie ich es getan habe.

Ich schreibe das hier, weil ich allen, die etwas über Berthold Brecht wissen wollen nicht einen Thread hinterlassen will, in dem Laienwissen die Meinung über den Autor bildet und (aus meiner Sicht) es sich nur um Besserwisser-Wissen handelt.
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Gedichtinterpretation von Brecht
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum