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Gedichtinterpretation von Brecht
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Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2008 - 19:23:08    Titel:

Habe aufgehört zu lesen, als ich das hier lesen musste:
Zitat:
Bevor du dich mit dem Lyrischen-Ich (für alle: Wird auch so geschrieben) befasst[...]


Es heißt 'das lyrische Ich', also 'mit dem lyrischen Ich'. Es gibt nicht umsonst eine Deklination des Adjektivs. Ich verstehe ja, dass die Rechtschreibreform viele verwirrt, aber das geht doch zu weit. Crying or Very sad
Generaltoni
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Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2008 - 22:53:46    Titel:

Ich geb dir Recht, Vesar. - Ich hab's auch aufgegeben, den Mann, der nicht mal B.B. richtig schreiben kann mit Vornamen, zu verstehen.

Na, noch einen kleinen Trost für Litearturfreunde:

Gib, was du willst, mir in die Hand,
Buch oder Kiel, zeigt nur der Kopf Verstand.

Hoffentlich hält das niemand für eine Schiffsbauanweisung!

(Ob's das Epigramm im Netz gibt...? - Na, es ist jedenfalls nicht von B. B., aber einem aufklärerischen Vorfahren!]
JeetJerome
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Anmeldungsdatum: 15.06.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2008 - 23:34:37    Titel:

Ich entschuldige mich, dass ich es nicht verständlich machen konnte. Ich hatte eine Diskussion, ob man auch "Lyrisches-Ich" schreiben kann. Ich habe den Kommentar nur beigefügt, damit mir nicht gesagt wird, ich solle "Lyrisches Ich" schreiben, denn ich habe es so gelernt. Du hast also recht, ich hänge an der alten Rechtschreibung. Ich finde es aber schade, das du wegen eines solchen Kommentars nicht weiter liest. Ich weiß das ich es umständlich geschrieben habe. Es ist aber auch nicht leicht 1.600 wörter aus dem FF zu schreiben.

P.S. Mir egal ob B. B., Berthold Brecht, Bert Brecht oder Brecht.

Ich hoffe trotzdem, dass der Text einigen weiterhilft.
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 15 Jun 2008 - 23:54:50    Titel:

Normalerweise haben wir nicht das Recht, uns kritisch mit einem User auseinander zu setzen. Hier mache ich allerdings mal eine Ausnahme, da du selbst eine gewisse Grenze überschritten hast.

Oh keine Sorge, ich habe schließlich weiter gelesen. Nur mag ich diese Einstellung nicht. Du verurteilst Besserwissertum und ich könnte dir mindestens drei Stellen aus deinem Beitrag zitieren, in denen diese Verurteilung auf dich zutrifft.
Was ich vor allem aus deinem Beitrag herauslese, ist, dass du vorgibst, die einzig zutreffende Interpretation zu haben. Das ist eine Einstellung, die ich verurteile. Du willst Anderen sagen, wie es zu heißen hat, obwohl du an einer Stelle, an der du die Anderen belehren wolltest, völlig falsch liegst. (Warum also nicht auch an anderen Stellen?) Deswegen habe ich nicht weiter gelesen. Du scheinst nicht verstanden zu haben, dass es sich hier um ein Forum handelt, hier finden also Diskussionen statt, innerhalb derer unterschiedliche Auffassungen, Meinungen und Ansätze zum Ausdruck kommen. Dein Postulat, nachdem nur deine Interpretation gültig sein könne, missfällt mir sehr. Es ist gerade im Hinblick auf Brecht interessant, dass verschiedene Perspektiven in die Diskussion einfließen. Wäre der Thread noch aktuell und hättest du lediglich deine Perspektive und Interpreation beigesteuert, hätte ich Bravo gesagt. Da du die anderen Ansätze allerdings als "Laienwissen" und "Besserwissertum" abtust und die ganze Welt nun in deiner Großmut und deiner Intelligenz über Brecht aufklärst, habe ich dafür keine Achtung übrig. Diese deine Grundeinstellung kommt bereits in den ersten Worten zum Ausdruck. Aus diesem Grund hat mich dein Beitrag nicht weiter interessiert, übrigens auch inhaltlich, denn das, was du beigetragen hast, kann ich in jeder Einführung nachlesen. Mein erster Eindruck ist beim weiteren Lesen des Beitrags auch nicht enntäuscht worden.

Dabei könntest du lieber das, was du selbst geschrieben hast, beim Wort nehmen und auf dich und den Thread anwenden:
Zitat:
Der Zuschauer wird zu nichts gezwungen und muss sich nicht auf die Detailspannung konzentrieren, sondern das Stück als ganzes sehen, um das Problem bzw. dessen Problemgehalt für sich zu diskutieren.

Der Leser des Threads soll zu keiner Annahme einer Perspektive gezwungen werden sondern die Diskussion als Ganzes sehen, um die Problemstellungen zu diskutieren.

Der Vorname Bertholt wird übrigens mit einem "t" geschrieben, darauf wollte Generaltoni hinaus.
JeetJerome
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Anmeldungsdatum: 15.06.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 16 Jun 2008 - 00:22:25    Titel:

Ja, da hast du recht. Es tut mir leid, dass ich so abgehoben, naiv und kritisch geschrieben habe. Ich war dennoch tief verletzt über die Meinung, die Johann Ohneland vertritt:
[quote]Naja der gute Brecht. Das ist so ne Sache. Also ich hab erstmal die gleiche Beobachtung gemacht wie Du. Die meisten können ihn generell überhaupt nicht ab. Bei mir ist das etwas differenzierter. Dieses Gedicht mochte ich zum Beispiel beim ersten Mal lesen überhaupt nicht. Während des interpretierens und dem erschließen des Textes sind mir gleichzeitig der ganze Mann und der Text sympathischer geworden. Also was er hier verfasst hat, kann ich nachvollziehen und es ist genauer betrachtet eigentlich auch ein Gedicht, dass man wirklich gut lesen kann. Leider kenn ich nicht wesentlich mehr Lyrik von ihm, so dass ich zum Lyriker Brecht nicht viel sagen kann, aber er scheint sehr talentiert gewesen zu sein. Aber als Dramatiker kann ich mit Brecht fast gar nichts anfangen. Dazu sind zum Beispiel in Mutter Courage die Gesänge einfach zu schräg. Wir haben uns im LK mal ne Videoaufzeichnung einer Aufführung angesehen und das war nur noch grausam. Ich kann mich nicht auf eine Botschaft konzentrieren, wenn ich die ganze Zeit hoffe, dass die bald aufhören zu singen. Inhaltlich ist das ganze in seinen Stücken auch sehr langwierig. Und auch wenn es ein modernes Stilmittel ist und er sich damit vom bürgerlich-klassischen Theater absetzen wollte. Ich hasse es, wenn ich gespoilert werde. Sprich: Verlagerung von Finalspannung auf Detailspannung. Denn die Detailspannung ist bei Brecht in den meisten Fällen einfach nicht spannend, da auf Grund Brechts sozialistischen Hintergrund zu einfach zu erraten.

Brecht als Person wiederrum finde ich sehr faszinierend. Scheint ein intelligenter Kopf gewesen zu sein, der sich wirklich sehr viel bei seiner Arbeit gedacht hat. Nur Theater schreiben hätte er sein lassen sollen;)[/quote]
Ich finde Brecht war ein Meister des Theaters. Trotzdem nochmals entschuldigung, dass ich verletzend war. Ich hoffe Einsicht ist hier der Weg zur Besserung.
Zu allen die diesen Thread lesen sollten: Bitte beachtet nicht meine kritische Äußerungen. Versucht die Information zu finden, die ihr braucht.

P.S. das mit dem d, sowas passiert Wink
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 16 Jun 2008 - 00:29:35    Titel:

Auch wenn diese Meinung sehr karikatural ist und sicherlich nicht dem literarischen Wert des Schaffens Brechts gerecht wird, hat er allerdings nicht so ganz Unrecht, was die Verlagerung der Finalspannung auf die Detailsspannung angeht. Das macht den Text für den Germanisten interessanter und umso reicher, die Aufführung allerdings kann dadurch schon mal "lang" erscheinen. Denn seine Meinung hat er vor allem als Zuschauer gegeben. Du musst aber auch akzeptieren, dass das epische Theater nicht für jeden etwas ist. Denn Theater ist nicht nur Text. Dieser ist außerhalb der Schule nur selten einfach zum Lesen bestimmt.
JeetJerome
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Anmeldungsdatum: 15.06.2008
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 16 Jun 2008 - 11:36:14    Titel:

Du hast natürlich recht. Was Johann gesagt hat war richtig. Es hat mich nur in rage gebracht, Brecht hätte es lassen sollen, Theater zu schreiben. Theater lesen und live erleben, sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Obwohl ich auch sagen muss, dass es ohne die Detailspannung nicht zu einer so hervorragende Finalspannung kommen würde.
Es ist schwierig sich mit dem Autor und Intendanten Brecht auseinander zu setzen, aber ich möcht nicht, dass er gemieden wird. Vielleicht hilft mein Text jetzt, sich eine Meinung zu ihm zu bilden.

Ohne rhetorische Abwertung und überarbeitet:
Bertholt Brecht wurde 1898 geboren und ist in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Er hat die sozialen und wirtschaftlichen Missstände (Black Friday; Kriegsschulden an Frankreich), sowie den Hitlerputsch miterlebt. Um 1920 äußert Brecht Kritik an sein gutbürgerliches Umfeld und den überkommenden Werten. Hier entsteht sein Interesse an der Form der Neuen Sachlichkeit. Er wird durch seine zweite Frau Helene Weigel (Sie spielte Rollen in seinen Stücken) zum Kommunist. Eine Form der (politischen) Belehrung zielt in seinen Dramen ab. 1935 flieht er aus Nazi-Deutschland. Er kehrt 1948 nach Deutschland zurück und lebt bis zu seinem Tod 1956 in Ostberlin.
Bert Brecht schrieb das Gedicht „Schlechte Zeit für Lyrik“ 1939 in Dänemark und ist dort schon seit sechs Jahren. Hierzu muss man beachten, dass es 3 Einteilungen bzw. Phasen der Exilliteratur gab (auch wenn die Exilanten (Sie wollten nicht als Emigranten bezeichnet werden, dazu später mehr) und andere Lyriker die Exilliteratur nie als eine Epoche der Literatur betrachtet haben). Die erste Phase (1933 - 1935/36) war geprägt von der Hoffnung der Exilanten, dass es einen raschen Zusammenbruch des Nazideutschland geben wird. In der zweiten Phase (1936 - 1939) kam es zu einer Ernüchterung der Lyriker im Exil. Ihnen wurde klar, wie sehr sie sich in der tatsächliche Stärke des dritten Reichs getäuscht hatten. In der dritten Phase (1939 – 1945) wurde versucht (auch durch Klaus Mann aus Paris) die Exilautoren zu einer einheitlichen Position zusammenzuschließen. Dies scheiterte, weil viele der Exilanten sich nur in ihrer Gegnerschaft zum Nationalsozialismus einig waren. Ihre politische Ausrichtung war zu verschieden.
Während der zweiten Phase der Exilliteratur kam es zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Autoren, denn die finanziellen und juristischen Probleme in den Gastländern verschärften sich (dies kam auch durch die Aneignung Österreichs durch die Nazis, der den literarischen Markt schrumpfen lies). In diese Phase lässt sich das Gedicht "Schlechte Zeit für Lyrik" einordnen. Es verrät uns, dass politische Gedichte einen kleineren Absatzmarkt bezogen als z. B. die Naturlyrik oder Liebesgedichte. Exilverlage standen unter politischen und ökonomischen Druck. Dafür war der entgegenwirkende Einfluss des dritten Reichs verantwortlich.
Das Gedicht meint also "die Vorübergehenden" befassen sich nicht mit den in den Werken angesprochenen ungerechten Verhältnissen ( = Keine Popularität der Exilliteraten), die durch das faschistische Regime entstanden.
Brecht aber, der über "Sund" nach Dänemark gekommen ist will "die Reden des Anstreichers" (die Reden von Adolf Hitler, der einst Kunstmaler werden wollte) anprangern und die Öffentlichkeit auf die Verhältnisse aufmerksam machen, demnach auch auf die Gewaltsame Verbreitung des dritten Reichs.
Folgende Interpretation ist mir gelungen:
Bertholt Brecht/ Schlechte Zeit für Lyrik

Ich weiß doch: nur der Glückliche
Ist beliebt. Seine Stimme
Hört man gern. Sein Gesicht ist schön.

„Glücklich ist, wessen Gedicht man liest.“ Brechts Gedichte werden kaum gelesen, aber die Gedichte der Lyriker, die in Nazideutschland geblieben sind schon. Diese Dichter sind beliebt. „Die Stimme von Adolf Hitler.“ Hitler ist verantwortlich für die Blut und Boden-Lyrik. Adolf Hitler benutzt demagogische rhetorische Mittel, wodurch seine Reden überzeugen. Man hört ihn also gern. „Sein Gesicht ist schön.“ Hitlers kühler Ausdruck wurde im dritten Reich als schön empfunden.

Der verkrüppelte Baum im Hof
Zeigt auf den schlechten Boden, aber
Die Vorübergehenden schimpfen ihn einen Krüppel
Doch mit Recht.

Etwas schwerer: „Der verkrüppelte Baum im Hof“ meint die Bedeutung von Brechts Gedichten im Ausland. Seine Fähigkeit zu dichten „verkrüppelt“. Mit dem Boden ist gemeint, dass Brecht von dort wo er ist, wenig Menschen mit seinen Gedichten erreicht. Es ist also ein schlechter Standort zum Schreiben und vor allem kann er die Menschen um sich herum nicht erreichen, da er ihre Sprache nicht spricht. „Die Vorübergehenden“ sind die Leser, die sich mit Lyrik auskennen und Brechts derzeitigen Werke lesen. Sie schimpfen Brechts Lyrik als krüppelhaft, denn er hat wegen seiner Aufklärung über die Missstände (siehe unten) an Qualität verloren oder aber seine Qualität hat mit der Qualität der anderen deutschen Autoren (nicht nur NS-Autoren) nicht mehr viel gemeinsam, weil er im Exil ist und damit haben sie Recht.

Die grünen Boote und die lustigen Segel des Sundes
Sehe ich nicht. Von allem

Sehe ich nur der Fischer rissiges Garnnetz.
Warum rede ich nur davon
Daß die vierzigjährige Häuslerin gekrümmt geht?
Die Brüste der Mädchen
sind warm wie ehedem.

Das „grüne Boot“ steht hier für die Naturlyrik und was zu ihr gehört. Diese war in der Lage sich an die Tradition anzuknüpfen und wurde populär. Brecht kann das nicht beurteilen, denn er ist im Exil und bekommt von der Entwicklung des lyrischen Stils wenig mit, aber wenn er was von diesem Stil liest, sieht er „nur der Fischer rissiges Garnnetz“. Die Naturlyrik ist von dem NS-Staat gefangen worden und wird von ihr benutzt und ist so stilistisch schlecht und rissig. „Warum rede ich nur davon“ = warum redet er über die Naturlyrik, der größte Teil liest Liebesgedichte zu dieser Zeit. „Daß die vierzigjährige Häuslerin gekrümmt geht?“, bedeutet dass auch die Liebesgedichte schlecht geschrieben werden. „Die Brüste der Mädchen
sind warm wie ehedem.“ = Aber die Liebesgedichte erfüllen ihren Zweck. ( Liebesgedichte sind ausgerichtet, wie erotische Werbung oder „Feuchtgebiete“, auf den sexuellen Geschmack. Sie reizen den Leser durch ihren verbotenen Charakter und berühren dessen Instinkt = Gier nach Sexualität/Sexuellem)

In meinem Lied ein Reim
Käme mir fast vor wie Übermut.

Bei solch schlechter Qualität wäre ein Reim zu viel für ein Gedicht in dieser Zeit, außerdem ein Teil des Verfremdungseffekts (siehe unten).

In mir streiten sich
Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum
Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers.
Aber nur das zweite
Drängt mich zum Schreibtisch.

Das eigentliche Anliegen Brechts: „Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum“ ist die Begeisterung (muss nicht positiv sein) für das Interesse des Volkes an der Blut und Boden-Lyrik oder einfach das blühenden Interesse des Volkes für die NSDAP.
„Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers“ Adolf Hitler, dessen Reden absolut demagogisch sind.

Mit dem Kampf der Lyriker und Autoren gegen das unmenschliche System verlor die Literatur an Qualität, denn durch ihre moralischen Absichten wurden sie undifferenziert. Gut und Böse wurde immer stärker voneinander abgehoben. Die Exilautoren wollten den Lesern die Augen öffnen, aber dies trug auch die Gefahr in sich klischeehaft zu wirken und den literarischen Gehalt dem politischen Ziel zu opfern.
Bei den Gedichten von Brecht lässt sich dies an der Authentizität zwischen Lyrischen-Ich und Verfasser festmachen. Dazu gehört natürlich nicht nur „Schlechte Zeit für Lyrik“, sondern auch „Über die Bezeichnung Emigranten“ oder „Gedanken über die Dauer des Exils“. Sie alle besitzen einen authentischen Charakter.
Zu der Form: Die Enjambements, sowie das fehlen von Metrum und Reim, die er benutzt, dienen der Verfremdung (http://de.wikipedia.org/wiki/Verfremdungseffekt ).
Brecht benutzte häufig den Effekt der Verfremdung, wie z. B. der Gesang in „Mutter Courage“, aber auch in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.
Brecht entwickelte so das Konzept des epischen Theaters, das das Bühnengeschehen erzählt und nicht spielt.
Das epische Theater (Episches Vs. Traditionelles Theater) erzählt einen Vorgang und ist kein Vorgang, macht den Zuschauer zum Betrachter und verwickelt ihn nicht in Aktionen, weckt Aktivität des Zuschauers und verbraucht sie nicht, das Geschehen erzwingt Entscheidungen und basiert nicht nur auf Gefühlen, das Geschehen vermittelt Kenntnisse und keine Erlebnisse und hier stehen die Argumente im Vordergrund und nicht die Suggestion (manipulative Beeinflussung). Brechts Prosaskizzen „Geschichten von Herr Keuner“ (ab 1935) sind seine wohl bekanntesten epischen Werke. In diesen parabolischen Texten (Schrieb auch Kafka) kann man die moralische Wahrheit eines Umstandes sehen (z. B. in „Maßnahmen gegen die Gewalt).
Bertholt Brechts literarische Epoche war die Neue Sachlichkeit (1920 –1945), welche die Abbildung der Wirklichkeit zum obersten Ziel hat. Sie war die Gegenbewegung zur Subjektivität und zum Irrationalen des Expressionismus. Auch Autoren wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Alfred Döblin gehören zu dieser Gruppe. Beispielhaft hierfür ist auch der Roman „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“ (1929) von Alfred Döblin, der expressionistische Züge trägt, aber viele Merkmale des modernen Erzählens besitzt.
Bertholt Brecht bringt wie Alfred Döblin (nicht so stark sozialistisch) die sozialen Missstände in seinen Werken zum Ausdruck. Dies passiert nicht nur durch die Detailspannung und ist nicht nur sozialistisch ausgerichtet. Die Natur mag eine sozialistische sein, aber das epische Theater konzentriert sich darauf (siehe oben) den Zuschauer über ein Problem nachdenken zu lassen, ohne das er dabei durch das Theaterstück manipuliert wird. Dabei entsteht eine Detailspannung, denn um den Zuschauer auf ein Problem aufmerksam zu machen muss die Aufmerksamkeit konzentriert werden. Der Zuschauer kann sich auf die Detailspannung konzentrieren, welches das Gesamtbild der Aufführung vervollständigt. Er kann es auch auslassen und das Stück als ganzes sehen, um das Problem bzw. dessen Problemgehalt für sich zu diskutieren.
Dies kann man auch wieder auch wieder auf Brechts Gedichte anwenden.

Danke Versar, dass du mich auf meine grämige und ragenhafte Torheit aufmerksam gemacht hast. Ich bin ein friedliebend Mensch und tolerant, aber Emotionen verführen einen zu mancher Schandtat.
Lebron
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Anmeldungsdatum: 21.11.2011
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 21 Nov 2011 - 18:16:15    Titel: Liebeslied aus einer schlechten Zeit

Hallo.
Ich werde bald ein Vortrag über das Gedicht "Liebeslied aus einer schlechten Zeit" von Bertolt Brecht bezogen auf seine Liebeslyrik halten. Leider habe ich diesbezüglich wenige Informationen herausarbeiten können (es geht hier viel mehr um eine Analyse) und würde euch bitten, mir dabei Hilfe zu leisten.

Das Gedicht:
Liebeslied aus einer schlechten Zeit

Wir waren miteinander nicht befreundet
Doch haben wir einander beigewohnt.
Als wir einander in den Armen lagen
War'n wir einander fremder als der Mond.

Und träfen wir uns heute auf dem Markte
Wir könnten uns um ein paar Fische schlagen:
Wir waren miteinander nicht befreundet
Als wir einander in den Armen lagen.
Quelle: http://azzurro.designblog.de/kommentare/liebeslied-aus-einer-schlechten-zeit-....505/

Puhhh... meine herausarbeiteten Informationen sind sehr gering:
- Ich assoziere, dass es "schlechte Zeiten" gab, die die Liebe zerstörten. Diese "schlechte Zeit" impliziert eine schlechte Beziehung ("fremder als der Mond"). Doch widerspricht Brecht dieser These in der vor-/letzten Zeile: "[...] nicht befreundet, als wir [...] in den Armen lagen"
Ich versteh das Gedicht nicht, obwohl ich eine umfassende Biographe aus Wikipedia gelesen habe. Leider ist auch nicht angegeben, wann Brecht dieses Gedicht verfasste. Hoffe ihr könnt mir helfen!!!
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